Schweiß, Schweiß, Baby! Warum schwitzen wir?

 

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Der Sommer ist zurück und er ist heißer denn je. Wer kennt es nicht: ihr seid gerade auf dem Weg zur Arbeit oder einer Party und plötzlich kommen große dunkle Flecken unter euren Achseln zum Vorschein.

Aber warum schwitzen wir Menschen eigentlich?

Fangen wir mal mit den Basics an: Schweiß wird von unseren Schweißdrüsen produziert. Man unterscheidet zwei verschiedene Arten: die ekkrinen und die apokrinen Schweißdrüsen.

Die ekkrinen Schweißdrüsen befinden sich überall am Körper (insbesondere an Stirn, Hand- und Fußsohlen) und produzieren den Schweiß – eine Flüssigkeit, die hauptsächlich aus Wasser und Salz besteht. Das passiert vor allem, wenn wir uns körperlich betätigen bzw. bei großer Hitze, um uns Abkühlung zu verschaffen. Aber auch ohne jede Bewegung werden ständig geringe Mengen an Schweiß über die Hautoberfläche abgegeben.

Der Schweiß auf unserer Haut verdunstet. Dabei wird Energie in Form von Wärme verbraucht. Diese Wärme kommt von unserem Körper, sie wird ihm also entzogen und dadurch kühlt unser Körper ab.

Ein indiviuelles Parfüm

Unser Schweiß hat aber noch einen weiteren Vorteil: durch seinen leicht sauren pH-Wert hilft er das Wachstum von schädlichen Keimen auf der Hautoberfläche zu hemmen. Er stärkt somit die natürliche Barriereschutzfunktion für eine gesunde Hautflora. Außerdem sorgt er über die Durchfeuchtung der Haut für eine bessere Verteilung des Hauttalgs.

Neben den ekkrinen Schweißdrüsen gibt es aber auch noch apokrine Schweißdrüsen. Diese werden auch als Duftdrüsen bezeichnet und kommen nur an ganz bestimmten Körperstellen vor wie etwa Leiste, Kopfhaut, Achseln, Brustwarzen oder der Genitalregion.

Die Duftdrüsen produzieren ab der Pubertät einen ganz bestimmten Cocktail aus Proteinen und Fettsäuren, der unseren Körpereigengeruch bildet. Also unser individuelles Parfüm – was übrigens auch bei der Partnerwahl eine tragende Rolle spielt: nicht umsonst können sich manche Menschen riechen und andere nicht.

Die apokrinen Schweißdrüsen sind besonders bei starkem emotionalen Stress, also z.B. Angst, Schmerz oder Nervosität aktiv – oder auch bei sexueller Erregung.

Bakterien, die stinken

Schweiß an sich ist aber eigentlich geruchlos. Der unangenehme Geruch mancher schwitzender Leute entsteht erst durch Bakterien auf unserer Haut. In unserem Schweiß sind nämlich Stoffe enthalten wie Eiweiße, Harnstoff oder Milchsäure, die durch diese Bakterien zersetzt werden.

Dabei entstehen wirklich unangenehm riechende Substanzen wie etwa Buttersäure oder Ameisensäure. Und weil sich unter unseren Achseln besonders viele dieser Bakterien tummeln, riechen die meisten Menschen dort besonders intensiv. Aber auch unsere Füße halten oft einige Duftüberraschungen bereit: Wärme, Feuchtigkeit und als Nahrungsquelle dienende Körperfette begünstigen die Vermehrung geruchsbildender Bakterien stark.

Und hier noch eine Info für absolute Körpergeruch-Spezialisten: Ich weiß nicht, ob es euch schon einmal aufgefallen ist, aber Männer- und Frauenachselschweiß riecht tatsächlich unterschiedlich. Je nach Bakterienart, die sich bei uns wohlfühlt. Der weibliche schwach-säuerliche Schweißgeruch entsteht vor allem durch Mikrokokken, der männliche stechend-beißende Geruch dagegen durch lipophile Diphteroide.

Und auch unsere Hormone oder das Essen von bestimmten Lebensmitteln (wie etwa Knoblauch oder Zwiebeln) können unseren Schweißgeruch verändern. Bei der Zersetzung von männlichen Schweiß entstehen Abbauprodukte des Sexualhormons Testosteron, was auf Frauen zu einem gewissen Grad auch anziehend wirken kann.

Wer schwitzt wie viel?

Wie viel wir schwitzen ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Männer schwitzen generell bis zu 40% stärker als Frauen und ja leider spielt auch die individuelle Veranlagung eine gewisse Rolle. Übergewichtige Menschen schwitzen in der Regel mehr, da mehr Fett auch die Körpertemperatur erhöht.

Das muss aber nichts heißen, denn es schwitzen auch sportlich sehr trainierte Menschen mehr und wenn ihr schon mal zu viel Kaffee getrunken oder ein scharfes Curry gegessen habt, werdet ihr die Erfahrung gemacht haben, dass das unsere Schweißdrüsen ganz schön auf Touren bringt.

Beim Schwitzen sind wir Menschen übrigens einsame Spitzenreiter: Wir haben mehr als 2 Millionen Schweißdrüsen und schwitzen damit mehr als jedes andere Säugetier auf der Welt – durchschnittlich 1,5 Liter pro Tag.

Das hat damit zu tun, dass unsere Vorfahren sich ihr Essen noch erjagen mussten. Zu viel Körperbehaarung ist dabei nicht nur optisch gewöhnungsbedürftig, sondern auch energietechnisch ein eindeutiger Nachteil, weil die Jäger beim Rennen schneller überhitzten. Also legte der Mensch sein Fell ab und bildete stattdessen Schweißdrüsen aus.

Deodowas?

Zum Glück gibt es in unserer modernen Welt nicht nur weniger Körperbehaarung, sondern auch geniale Erfindungen wie Deos mit denen hartnäckiger Schweißgeruch heutzutage kein Problem mehr ist.

Deodorantien (von lateinisch  „Entriecher“) sollen den unangenehmen Achselgeruch überdecken. Sie wirken antibakteriell oder enzymhemmend und verhindern so die Entstehung der unangenehmen Düfte, die durch den bakteriellen Zersetzungsprozess des Schweißes hervorgerufen werden. Außerdem überlagern sie Körpergeruch durch die Zumischung von Parfümen.

Antitranspiratien verringern dagegen gezielt die Schweißbildung. Über den Zusatz von Aluminiumsalzen werden die Poren der Schweißdrüsen regelrecht verstopft, sodass gar keine Schwitzflecken mehr entstehen können. Allerdings sind diese in den letzten Jahren sehr in Verruf geraten, da sie in Verdacht standen gesundheitsschädlich zu sein. Erst vor Kurzem veröffentlichte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine überarbeitete Stellungnahme, in der offizielle Entwarnung gegeben wurde.

Demnach wird über die Haut nur in sehr geringem Maße Aluminium aufgenommen. Über andere Quellen wie etwa in Alufolie zubereitete saure Lebensmittel gelangen im Vergleich deutlich größere Mengen in den Körper. Gesundheitliche Schäden durch den regelmäßigen Einsatz von aluminiumhaltigen Antitranspirantien “sind nach gegenwärtigem wissenschaftlichen Kenntnisstand somit unwahrscheinlich”, erklärt das BfR. Sie “können täglich benutzt werden”. 

Letztlich ist Schwitzen aber eine ganz normale biologiesche Funktion und die Verstopfung unserer Schweißporen durch Antitranspirantien aus biologischer Sicht relativ sinnfrei. Gerade bei diesen sommerlichen Temperaturen lohnt es sich unsere persönliche, körpereigene Klimaanlage  mehr wertzuschätzen und stattdessen auf Deos zu setzen.

 

 

Marlene Heckl

Veröffentlicht von

Marlene Heckl ist Ärztin und promoviert an der Ludwig-Maximilians-Universität über den Einfluss von Tumorsuppressorgenen bei Ovarial- und Endometriumskarzinomen. Seit 2012 schreibt die Preisträgerin des renommierten "Georg-von-Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus" über medizinische und wissenschaftliche Themen, die ihr am Herzen liegen. Anfangs erschienen ihre Beiträge bei medizinischen Portalen wie DocCheck und Thieme, 2016 folgte dann ihr eigener Blog Marlenes Medizinkiste, der nun auch bei den SciLogs zu finden ist. Kontakt: medizinkiste@protonmail.com

6 Kommentare

  1. Danke für den schönen Artikel.

    Letztlich ist Schwitzen aber eine ganz normale biologiesche Funktion und die Verstopfung unserer Schweißporen durch Antitranspirantien aus biologischer Sicht relativ sinnfrei.

    Aber ist das Schwitzen über die Achseln denn als Temperaturregulator wirklich relevant? Da müsste der restliche Körper doch einen deutlich größeren Beitrag leisten.

  2. Schweiss selbst ist ja geruchslos. Das Problem sind die Bakterien, die im feuchten Umfeld gedeihen. (Zitat) „ hartnäckiger Schweißgeruch “ gibt es also nur, wenn sich die „falschen“ Bakterien vermehren.

    Wäre es nicht toll, wenn man Bakterien genetisch so verändern und designen könnte, dass sie anstatt Stinkstoffe eine Art Parfum abgeben. Stell dir vor: je mehr du schwitzt umso mehr Parfum umgäbe dich!

  3. Wir schwitzen nicht nur unter den Armen. Wenn man trainiert, dann kann man in 3 Stunden gut 3 l Wasser ausschwitzen. Und das geschieht über den gesamten Rücken, den Bauch, den Kopf, sogar an den Füßen schwitzt man.
    Wenn man dann stinkt, dann duscht man sich einfach.

  4. Der Mensch ist durch seine effiziente Kühltechnik mittels Schwitzen zu Ausdauerleistungen fähig wie kein Tier. Darauf beruht die Ausdauerjagd (persistence hunting), bei der der Jäger so lange dem gejagten Tier folgt bis dieses vor Erschöpfung zusammenbricht (Zitat Wikipedia):

    Die älteste Jagdmethode des Menschen ist vermutlich die Hetzjagd in der Form der Ausdauerjagd (engl. persistence hunting). Diese beruht auf der gegenüber fast allen Säugetieren überlegenen Ausdauer des Menschen beim Laufen. Der für längeres schnelleres Laufen hinreichend gut ausgestattete Mensch kann aufgrund seiner etwa zwei Millionen Schweißdrüsen sowie der schwachen Behaarung seinen Körper effektiv kühlen und daher einen längeren Lauf stundenlang durchhalten. Die Jäger der Khoisan im südlichen Afrika erlegen noch heute schnelle Huftiere wie Zebras oder Steinböckchen ganz ohne Waffen, indem sie so lange hinter ihnen herlaufen, bis diese entkräftet zusammenbrechen.[28] Auch einige amerikanische Indianer­stämme jagten Gabelböcke als Ausdauerjäger. Einige Aborigines in Australien jagten auf diese traditionelle Weise Kängurus.

  5. Zitat:

    Gerade bei diesen sommerlichen Temperaturen lohnt es sich unsere persönliche, körpereigene Klimaanlage mehr wertzuschätzen und stattdessen auf Deos zu setzen.

    Das ist eine Empfehlung mit einer falschen Begründung: Antitranspirantien wirken nur lokal und behindern das Schwitzen insgesamt nicht. bei entsprechend Empfindlichen können Antitranspirantien aber zu lokalem Juckreiz (aufgrund der Trockenheit) führen. Potenziell ist das Aluminium in Amtitranspirantien gesundheitsschädlich (Brustkrebs, Alzheimer), aber Studien konnten das nicht belegen.

  6. An unangenehmen Schweiss kann ich mich kaum erinnern, an einen unangenehmen Deo-Geruch aber schon (bin vor kurzem versehentlich mit einer Frau zusammengestossen und habe dabei einen penetranten Deo-Geruch wahrgenommen). Ich kenne jedenfalls kein Deo, das es vom Geruch her mit einem Parfum aufnehmen könnte. Nun, es gibt ja auch geruchlose Deos, vielleicht sind die besser.

    Antitranspirantien trägt man übrigens am besten vor dem Schlafengehen auf, Deos nach dem Aufstehen – auf trockene Haut.

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