Kryonik – Auferstehung aus dem Tiefkühltank?

Ewiges Leben ist seit jeher ein Traum der Menschen. Was, wenn man eines Tages wirklich den Tod überlisten könnte? Kryoniker forschen daran diese Vision zur Wirklichkeit zu machen.

Credit: Aaron Burden / unsplash / CC0

Klaus Hermann Sames, ein 75-jähriger emeritierter Professor für Anatomie, mit langem, glatten, weißem Haar und grauem Bart steigt langsam und leicht gebeugt die Treppe eines Ulmer Bestattungsinstituts hinunter. Unten angekommen findet sich ein Experimentierraum mit großen Tanks. Ein süßlich-verwesender Duft steigt in die Nase. An den Seiten sind zahlreiche Särge gestapelt und in der Mitte findet sich eine silberne Bahre, auf der normalerweise die Toten auf ihre letzte Reise vorbereitet werden.

Doch jetzt, nach Feierabend, geht es Sames nicht darum Leichen zu bestatten. Im Gegenteil. Der Professor experimentiert seit Jahren daran dem Tod zu entgehen und ewiges Leben zu erreichen. Er möchte eines Tages hier eingefroren und in der Tiefkühltruhe aufbewahrt werden. Warum? „Leben ist das, was ich spannend finde, wovon ich mehr will und … was das Einzige ist, das ich hab“, sagt Sames.

Klaus Hermann Sames ist Gründer und Ehrenvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für angewandte Biostase (DGAB). Die 65 Mitglieder der DGAB nennen sich Kryoniker, vom altgriechischen Wort Kryos, das Kälte bedeutet. Sie möchten sich nach dem Tod bei Minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff einfrieren lassen, um aufgetaut zu werden, wenn die Medizin so weit fortgeschritten ist, dass sie die Todesursache nachträglich beheben kann. Doch kann es wirklich möglich sein auf diesem Wege ein zweites Leben geschenkt zu bekommen?

Eiskalte Zukunft

Wie die Leichen fit für die Zukunft gemacht werden können, daran forschen Sames und sein Team nun schon seit 2007. Bestatter und Balsamierer Daniel Streidt und Kardiotechniker Matthias E. trainieren im Keller des Ulmer Bestattungsinstituts mit Sames für den Ernstfall. „Man kann Kryonik in der Tat als ein Experiment beschreiben, dessen Ergebnis in der Zukunft liegt“, sagt Sames.

Das Procedere ist genau ausgetüftelt. Sollte der Tag gekommen sein an dem der Professor im Sterben liegt, wird Balsamierer Streidt zunächst seinen Körper schnellstmöglich mit einem Gemisch aus Eiswürfeln und Wasser bedecken. Dies soll helfen das Absterben der Zellen zu bremsen. Warum man die Leiche nicht einfach gleich in einen Eisschrank legt, hat einen einfachen Grund. Es dürfen sich auf keinen Fall Eiskristalle in der Blutbahn bilden, denn die würden das Gewebe zerstören.

Das Prinzip, auf dem die Kryonik beruht, hat der schwedische Physiker und Chemiker Svante Arrhenius schon vor ca. 100 Jahren beschrieben. Er fand heraus, dass die chemischen Vorgänge langsamer ablaufen, wenn die Temperatur sinkt. Das gilt auch für biochemische Prozesse im menschlichen Körper, die bei sehr tiefen Temperaturen sogar komplett zum Stillstand kommen. Dieses Prinzip wird heute ähnlich auch bereits in der Notfallmedizin als sogenannte Hypothermie eingesetzt, z.B. bei Reanimationspatienten oder Eingriffen am offenen Herzen.

Robert Ettinger, amerikanischer Hochschullehrer und Erfinder der Kryonik, war begeistert von der Idee, seinen Körper auf diesem Weg unverändert über Millionen von Jahren aufbewahren zu können. Beim Prozess der Abkühlung streben die Kryoniker die sogenannte Vitrifizierung (Verglasung) an. Diese wird erreicht, indem eine Flüssigkeit so schnell abgekühlt wird, dass sie keine Kristallisierung durchläuft. Sobald sie gefroren ist, erscheint sie dann durchsichtig – wie Glas.

Krankentransport durch die Zeit

Nach dem Eisbad wird dann der Brustkorb der Leiche, ähnlich wie bei einer Herzoperation, aufgesägt und die Aorta an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die das Blut aus dem Kreislauf pumpt. Wichtig ist, dass man nach dem Tod einen sofortigen Blutaustausch durch Zellschutzlösungen vornimmt, da sich im Blut Toxine ansammeln.

Stattdessen wird dann eine Art Frostschutzmittel in die Adern gepumpt, dass zwar grundsätzlich auch toxisch wirkt, aber in genauer Dosierung und bei niedrigen Temperaturen lebenserhaltend wirken kann. Eine hohe Konzentration darf erst im Körper sein, wenn er so abgekühlt ist, dass die Zellen keinen aktiven Stoffwechsel mehr haben. Das Frostschutzmittel enthält zunächst 10%-igen gefolgt von 30%-igen Äthylenglykol. Danach wird ein 75%-iges Gemisch aus Äthylenglykol, Dimethylsulfoxid (DMSO), Glucose und Mineralien verabreicht. Währenddessen wird der Körper mit Trockeneis und Stickstoff weiter abgekühlt, bis bei Minus 130 Grad Celsius dann die Verglasung eintritt.

Zu diesem Zeitpunkt wird der Körper dann in einem Stickstofftank gelagert, der zugelötet und in einen Sarg aus Trockeneis verpackt wird. So eingefroren kommt er dann in die USA, da in Deutschland die Aufbewahrung von Leichen in Stickstoffsärgen nicht erlaubt ist. Dort wartet er darauf eines Tages wieder aufgetaut zu werden, um geheilt von seiner Krankheit sein Leben fortzusetzen.

Science Fiction aus der Tiefkühltruhe?

Ob so etwas jemals möglich sein kann? Viele Skeptiker sehen vor allem ein Problem bei der starken Toxizität der Frostschutzmittel. Derzeit existiert keine Technik, um dieses Gift beim Auftauen wieder zu entfernen. Die Kryoniker sind sich der Giftigkeit der Mittel voll bewusst, allerdings konzentrieren sie sich vor allem darauf, die Schäden beim Einfrieren zu minimieren und besonders das Gehirn zu erhalten. Jene Probleme, welche mit dem Auftauen verbunden sind, überlassen sie den Wissenschaftlern der Zukunft.

Zudem führt die extreme Außenkühlung bei größeren Objekten zu makroskopischen Gefrierbrüchen im Gewebe, dem sogennanten Cracking. Wie genau die Reanimation später ablaufen soll, haben die Kryoniker in ihren Überlegungen bislang bewusst ausgelassen. Man bräuchte eine Technik, mit der man sehr schnell erwärmen kann, so dass einerseits keine Eiskristalle entstehen und andererseits die toxischen Gefriersubstanzen bei Erhöhung der Temperatur nicht zu lange einwirken. Das Problem an der Bildung von Eiskristallen ist, dass sie die Zellstruktur des Körpers zerstören würden. Man kann sich das in etwa so vorstellen wie wenn man einen Apfel in die Gefriertruhe legt und dann wieder auftauen lässt. Durch den hohen Wassergehalt im Apfel bilden sich beim Einfrieren Eiskristalle (das Wasser dehnt sich aus), was seine Zellen gewissermaßen platzen lässt. Die Folge: nach dem Auftauen schmeckt er nicht mehr gut und ist matschig. Auch das Problem den kryonisierten Menschen von seinem Leiden zu heilen, das ihn schließlich getötet hat, scheint momentan noch unlösbar. Nach der Reanimation müsste man ihn dann auch noch verjüngen.

Viele Forscher haben starke Vorbehalte. „Dass tiefgefrorene Tote eines Tages wiederbelebt werden können, halte ich für nicht vorstellbar. Das gehört in den Bereich der Science-Fiction“, meint der Zellbiologe Martin Zenke vom Helmholtz-Institut für Biomedizinische Technik in Aachen. Noch drastischer drückt sich der Mediziner Andreas Sputtek, Facharzt für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und ehemaliger Präsident der „Society for Cryobiology“, aus: „Wer glaubt, dass man tiefgefrorene Menschen irgendwann wiederbeleben kann, der muss auch glauben, dass man aus einer Frikadelle wieder eine Kuh machen kann.“

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Dennoch konnte die Kryonik heutzutage auch schon einige kleinere Erfolge für sich verbuchen. So hat man es beispielsweise schon geschafft eine Kaninchenniere einzufrieren und nach dem Auftauen wieder erfolgreich zu implantieren. Tschechischen Forschern ist es gelungen Larven der kälteempfindlichen Fruchtliege einzufrieren und nach mehr als einer Stunde ohne Beschädigung wieder aufzutauen. Auch im Tierreich findet man Beispiele. So können die Larven des Alaska-Käfers “Cucujus clavipes puniceus” Temperaturen von Minus 150 Grad ohne Probleme unbeschadet überstehen. Sowieso ist es in Labors seit Jahren Standard Zellen oder Embryonen einzufrieren, um sie für medizinische Zwecke wieder aufzutauen. Es kommt allerdings auf die Größe an. In Gewebedicken von 1-5 mm funktioniert das Verfahren gut, doch darüber wird es problematisch. In dickeren Geweben lassen sich die Zellen nicht mehr gleichmäßig abkühlen und das Gefrierschutzmittel kann nicht überall gleichzeitig hingelangen, um sie zu schützen. Sowieso bräuchte man für die unterschiedlichen Gewebearten in unserem Körper unterschiedliche Arten von Frostschutzmitteln, was heutzutage nicht realistisch umsetzbar ist.

Sames arbeitet bei seinem Kryonik-Projekt eng mit Michael Saxer zusammen, dem Leiter des Fördervereins für Altersforschung, Lebensverlängerung und Kryonik (FALK e.V.). Saxer eröffnete 2004 ein Insitut für die kryonische Aufbewahrung von verstorbenen Haustieren, was in Deutschland erlaubt ist. Dort lagern derzeit zwei Katzen. Die sind für Saxer aber nur ein „Nebeneffekt“.

Er forscht zusammen mit Sames lieber an der Kryonisierung des menschlichen Körpers: „Pro Monat melden sich rund fünf Leute bei uns. Entweder, weil sie direkt betroffen sind und sich kryonisieren lassen wollen. Oder, weil sie es für ihre Angehörigen und Verwandten in Betracht ziehen. In Amerika sind bei den beiden dortigen Instituten zusammen über 200 Menschen eingelagert. Und beide haben mehrere tausend Mitglieder, die nach ihrem Tod kryonisiert werden wollen.“

Für so eine Kryokonservierung müssen Interessierte allerdings tief in die Tasche greifen. „Wir kalkulieren momentan mit rund 119.000 Euro für Präparation, Überführung und Lagerung. Wenn man es direkt in Amerika macht, kostet die Lagerung ca. 30.000 Dollar“, erklärt Saxer. Gegen Vorkasse, versteht sich. Unter den Kryonikern gibt es auch Leute, die nur ihren Kopf einfrieren lassen. Erstens ist das billiger als den gesamten Körper zu konservieren und zweitens hoffen sie, dass man den Rest in der Zukunft ohnehin klonen können wird.

Sames und Saxer rechnen derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von ein bis fünf Prozent, dass sie nach ihrem Tod wiederkommen werden. Man hofft eben auf den Fortschritt in der Medizin. Dennoch betont Saxer: „ Wir Kryoniker versprechen nichts. Wir stellen klar, dass die momentane Wahrscheinlichkeit einer gelingenden Reanimation gering ist, aber sie ist auch nicht gleich Null, wie bei den herkömmlichen Bestattungsverfahren.“

Saxer glaubt fest, dass ewiges Leben möglich ist: „Ich denke, dass künftige Generationen das menschliche Genom so verändert haben werden, dass wir eine Lebenserwartung von hunderten, wenn nicht tausenden Jahren haben. Die werden dann mit dem Kopf schütteln, wenn sie sehen, dass wir uns mit 80, 90 Jahren zufrieden gegeben haben. Und eine Lebenserwartung von 800 oder 1000 Jahren – das ist ja eine halbe Ewigkeit für uns Menschen. Was dann 500 Jahre später noch für Möglichkeiten entwickelt werden, weiß ich ja nicht. Aber ich bin voller Optimismus, dass das dann noch weitergeht.“

Den Tod überlisten?

Auch angehende Ärzte müssen sich tagtäglich in ihrem Studium mit dem Thema Sterben auseinandersetzen. Was halten Medizinstudenten von einer Wissenschaft, die ein zweites Leben nach dem Tod ermöglichen könnte?

Julius Hermann studiert im sechsten Semester Medizin in München. Er hält die Kryonik für eine große Chance der Menschheit:„ Sich einfrieren zu lassen ist meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit eventuell einmal weiterleben zu können. Die Wahrscheinlichkeit, dass man in absehbarer Zeit tote, eingefrorene Menschen wieder zum Leben erwecken kann, ist zwar gering, aber als toter Eingefrorener hat man ja auch alle Zeit der Welt. Also selbst wenn es noch 10.000 Jahre dauert, bis die Medizin so weit ist, dass sie einen toten Eingefrorenen wieder auftauen und zum Leben erwecken kann, ist das eine realistische Option.

Auf jeden Fall kann ich als Naturwissenschaftler diesem Konzept mehr abgewinnen als dem Leben nach dem Tod, das die Kirche verspricht – daran glaube ich schlicht und ergreifend nicht, weil es dafür nicht den geringsten Anhaltspunkt gibt. Außerdem packt mich schon eine gewisse Neugier beim Gedanken an die Zukunft. Wer würde nicht gerne wissen wie es in hunderten von Jahren auf unserem Planeten aussieht und als Zeitzeuge einer alten Generation berichten. Ich kann verstehen, dass das vielen Leuten Angst macht. Aber dennoch bin ich fasziniert, dass es theoretisch die Möglichkeit geben könnte unserem menschlichen Tod Grenzen zu setzen und mit geliebten Angehörigen weiterzuleben.“

Katharina Sichelbeck, die im fünften Semester in Regensburg studiert, steht der Kryonik hingegen sehr skeptisch gegenüber:„ Ob es irgendwann mal funktioniert oder nicht sei dahingestellt – ich finde, das wird nicht ganz zu Ende gedacht. Angenommen ich lasse mich kryokonservieren. In 100 Jahren wecken sie mich dann wieder auf. Die Situation wäre dann: meine ganzen Freunde und Verwandten sind tot, ich kenne niemanden, mein Wissen ist veraltet, ich finde keinen Job oder werde als Versuchskaninchen missbraucht, mein Vermögen ist wertlos, mein Besitz ist verfallen oder ich muss mir anschauen, was meine Erben aus meinem Vermächtnis im schlimmsten Fall gemacht haben. Wie soll das gehen?

Ich finde, man muss es auch mal gut sein lassen. Der Mensch stirbt, das ist so. Ich möchte nicht, dass irgendwann mal Platz und Energie für die “Untoten” verwendet wird, wo es die Lebenden viel dringender brauchen. Irgendwann ist einfach Schluss. Abgesehen davon wird es hier durch Überbevölkerung sowieso zunehmend eng, da kann keiner aufgetaute 150-Jährige brauchen. Wie soll außerdem die Verwaltung ablaufen? Muss man dann den Besitz und die Finanzen auch einfrieren? Muss man alles erhalten, weil eventuell mal einer aufgetaut wird? Was ist dessen Lebensgrundlage?

Meine Meinung dazu ist, dass man sich irgendwann mit seiner eigenen Sterblichkeit abfinden sollte. Das Leben ist umso schöner und wertvoller, weil es eben nicht ewig dauert. Jeder Moment kommt nicht wieder und man sollte nicht vieles aufschieben, weil man nie weiß, wann man die nächste Gelegenheit bekommt. Für mich ist Kryonik der Versuch der Menschen zu verdrängen, dass das Leben nun einmal endlich ist. Der Mensch sollte lernen mit dieser Wahrheit umzugehen und sein Leben entsprechend gestalten, anstatt Geld in diesen Wunsch zu investieren.“

Das Streben nach ewigen Leben

Ob der alte Menschheitstraum vom ewigen Leben wirklich eines Tages in Erfüllung gehen wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass sich immer mehr Menschen mit Kryonik beschäftigen und mit der Erhaltung von menschlichen Körpern experimentieren. Die großen Probleme des Konservierens sind längst nicht gelöst und auch für die Reanimation und Heilung der todkranken Leichen gibt es derzeit keine Aussicht auf Erfolg.

Doch Klaus Hermann Sames verweist darauf, dass anfangs auch Herzoperationen sehr umstritten gewesen sind. Inzwischen sind solche Einriffe akzeptiert und werden täglich durchgeführt. Solch einen Prozess wünscht er sich auch für die Kryonik. Seiner Meinung nach ist das ein wissenschaftliches Projekt, das voranschreitet und das anerkannt werden sollte. Aus medizinischer Sicht ist es zumindest nicht vollkommen unsinnig Menschen einzufrieren, denn selbst wenn alles nicht klappt, konserviert man wenigstens eine große Menge DNA für künftige Generationen.

https://www.youtube.com/watch?v=KB8P5pJYtQM

Arte hat übrigens ein nettes Erklärvideo zum Thema:

Interessanter Artikel zum Thema: Torsten Nahm lässt seinen Kopf einfrieren.

Anmerkung: liebe Leser, dieser Beitrag wurde aktualisiert und erschien zuerst auf DocCheck.

Marlene Heckl

Veröffentlicht von

Marlene Heckl ist Ärztin und promoviert an der Ludwig-Maximilians-Universität über den Einfluss von Tumorsuppressorgenen bei Ovarial- und Endometriumskarzinomen. Seit 2012 schreibt sie über medizinische und wissenschaftliche Themen, die ihr am Herzen liegen. Anfangs erschienen ihre Beiträge bei medizinischen Portalen wie DocCheck und Thieme, 2016 folgte dann ihr eigener Blog Marlenes Medizinkiste, der nun auch bei den SciLogs zu finden ist. Kontakt: medizinkiste@protonmail.com

13 Kommentare

  1. Interessant! Wenn ich mir vorstelle, dass sowas irgendwann man möglich wäre, wüsste ich nicht, ob ich das mit mir machen lassen würde. Aber es regt zum Nachdenken an.

  2. Wenn Mensch eine Zukunft hat, dann wird es bewusstseinsentwickelnde Mutationen geben, die solche “Touristen” wirklich so lächerlich wie die zitierte Frikadelle machen 😂

  3. Ein Artikel zum Schmunzeln!

    Wenn ein Mensch stirbt, wird u.a. sein Gehirn zerstört. Wenn man seine Leiche einfriert, dann hat man nach dem Auftauen – eine aufgetaute Leiche. Mehr nicht. D.h. wer an die Idee der Kryonik und Entwicklung neuer lebensverlängernder Medizin glaubt – sollte sich im jugendlichen Alter lebendig einfrieren lassen (Wenn das Gehirn/Körper noch voll funktionsfähig sind). Allerdings stellt sich hier das Problem: Wer sollte in Zukunft irgendein Interesse haben, eigenes Geld für medizinische Experimente an Fremden auszugeben.

  4. Kryonik wäre für die Organtransplantation interessant, weil heute 50% der Organe verfallen ohne dass ein passender Empfänger gefunden wird. Für mich ist absolut klar, dass es zuerst gelingen muss, einzelne Organe kryonisch aufzubewahren bevor man überhaupt beginnen kann erwachsene Organismen einzufrieren. Wenn aber auch das irgendwann gelingt, würde man der bemannten interstellaren Raumfahrt ein Tor öffnen.

  5. Nicht nur Frostschutzmittel ermöglichen ein Einfrieren ohne Kristallbildung. Das gleiche kann auch mit Vitrifikation (so schnelles Abkühlen, dass sich ein glasartiger Zustand – anstatt Eisbildung – ausbildet) gelingen. Allerdings müssen in der Vitrifikationspraxis auch kryoprotektive Substanzen (“Frostschutzmittel”) eingesetzt werden – alleiniges schnelles Abkühlen genügt nicht. Schnelles Abkühlen scheint aber generell sehr wichtig zu sein für den Erfolg einer Kryokonservierung, weshalb eine solche auch umso eher gelingt, je geringer das Gewebevolumen, die Gewebemasse ist, die kryokonserviert werden soll.
    Ich erwähne hier aus aktuellem Anlass die Vitrifikation von Wasser: Der Chemienobelpreis 2017, welcher an Jacques Dubochet, Joachim Frank und Richard Henderson vergeben wurde, belohnt damit die Arbeiten dieser Forscher auf dem Gebiet der Kryo-Elektronenmikroskopie (Zitat, übersetzt von DeepL und ohne Korrektur übernommen):

    Damit [mit der Vitrifikation] können die Forscher Biomoleküle in der Mitte der Bewegung einfrieren und bisher nicht gekannte Prozesse visualisieren, was sowohl für das Grundverständnis der Chemie des Lebens als auch für die Entwicklung von Pharmazeutika entscheidend ist. …Jacques Dubochet hat der Elektronenmikroskopie Wasser hinzugefügt. Im Vakuum des Elektronenmikroskops verdampft flüssiges Wasser, wodurch die Biomoleküle kollabieren. Anfang der 1980er Jahre gelang es Dubochet, Wasser zu verglasen – er kühlte das Wasser so schnell ab, dass es in flüssiger Form um eine biologische Probe herum erstarrte, so dass die Biomoleküle ihre natürliche Form auch im Vakuum behalten konnten.

  6. Zitat aus obigem Beitrag:

    Man bräuchte eine Technik, mit der man sehr schnell erwärmen kann, so dass einerseits keine Eiskristalle entstehen und andererseits die toxischen Gefriersubstanzen bei Erhöhung der Temperatur nicht zu lange einwirken.

    Diese Technik zum schnellen gleichmässigen Aufwärmen eines ausgedehnten kryopreservierten Gewebes gibt es inzwischen. Es ist die Nano-Erwärmungstechnik. Zitat (übersetzt von DeepL und ohne Korrektur übernommen):

    Die Herzklappen und Blutgefäße von Schweinen wurden mit einem Kryoprotektanten versetzt, der mit Eisenoxid-Nanopartikeln vermischt und mit Silizium beschichtet wurde, um sie biologisch inert zu machen und in der Lösung zu halten. Die Proben wurden in flüssigem Stickstoff auf -160 C (-256 F) abgekühlt.

    Für den Auftauprozess wurde die Probe in eine elektromagnetische Spule eingelegt, die ein magnetisches Wechselfeld erzeugen sollte. Beim Vor- und Zurückdrehen des Feldes bewegen sich die Partikel schnell und gleichmäßig umher und werden mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 200 Grad Celsius pro Minute gleichmäßig erwärmt. Dies ist zwischen 10 und 100 mal schneller als bisherige Methoden.

  7. Kryoniker

    Kryonik ist sozusagen nicht uncool.

    Sie sollte am besten funktionieren, also diese Einfrierei – tut sie dies nicht, steht sie womöglich in keinem besonderen Abstand zum ‘Leben nach dem Tod, das die Kirche verspricht’.

    Wobei die Religiösität immerhin das Individuum dazu anleitet zu überlegen, wie das Leben ist, wirklich ist, sozusagen.
    An sich scheinen maximal ca. hundert Erdjahre ganz OK zu sein, für das Lebenswerte.
    Als Leben nicht zu vergehen, stößt insofern zumindest einigen eher ungut auf.
    Dr. W beispielsweise sieht sich als Individuum nicht so veranlagt, in irgendeiner Art und Weise “eingefroren” oder gar in Systemen der Informationstechnologie (fast) umfänglich erfasst, beständig Rat zu geben.

    Allerdings ist diese “Einfrierei” wichtig für die SciFi, bspw. im Film “Interstellar” konnte so beigefügt werden.
    (“Geklont” werden, will Dr. W nicht, er hat in seinem Testament dbzgl. bereits so erlassen.)

    MFG + schöne Woche,
    Dr. Webbaer

  8. PS :
    Hier – ‘Das Leben ist umso schöner und wertvoller, weil es eben nicht ewig dauert.’ – setzt es natürlich einen fetten Bonuspunkt.

  9. Eine Überlegung zu
    http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S001122401500245X
    Vermutlich bekommt man den Glutaraldehyd nicht mehr aus den Geweben heraus, weil er als Schiffsche Basen an die freien Aminogruppen der Diaminocarbonsäuren gebunden ist.
    Man benötigt daher ein zwischen 0°C und 36°C reversibel lösbares bifunktionelles Reagens.
    Zum Beispiel ein Doppelstrang aus
    5′-Ende-Desoxycytidin-Desoxycytidin-Desoxycytidin-Desoxycytidin-Desoxycytidin-Desoxycytidin-3′-Ende-Desoxyribose-Glycolaldehyd
    und
    Glycolaldehyd-Desoxyribose-3′-Ende-Desoxyguanosin-Desoxyguanosin-Desoxyguanosin-Desoxyguanosin-Desoxyguanosin-Desoxyguanosin-5′-Ende
    mit einem Doppelstrang-Schmelzpunkt von rund 16 °C bis 24 °C.
    In Kurzform eine DNA aus
    5′-CCC-CCC-O-CH2-CH=O und
    O=HC-CH2-O-GGG-GGG-5′.

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