Burnout oder Depression? So erkennst du den Unterschied!

Habe ich ein Burnout oder eine Depression?

Gibt es einen Unterschied und wie kann man ihn erkennen?

Diesen Fragen widmen wir uns im folgenden Artikel.

Ein Burnout wird häufig als berufsbedingte Erkrankung verstanden, verursacht durch anhaltenden Arbeitsstress. Die Empfindungen, die damit einhergehen, können denen einer Depression jedoch sehr ähnlich sein. Doch obwohl beide Zustände Überschneidungen aufweisen, gibt es wesentliche Unterschiede in ihrer Definition und ihren Kernsymptomen.

Die klassische Definition von Burnout beinhaltet drei Hauptmerkmale: Erschöpfung, Depersonalisation beziehungsweise Zynismus und eine verringerte Leistungsfähigkeit, die sich oft in Unproduktivität äußert.

Die Depression, eine weitreichende und tiefgreifende psychische Erkrankung, zeichnet sich durch eine eigene Symptomatik aus. Diese umfasst sowohl emotionale als auch physische Komponenten, die weit über die Folgen von Arbeitsstress hinausgehen:

Um eine Depression diagnostizieren zu können, müssen mindestens zwei Haupt- und zwei Zusatzsymptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen vorliegen. Depressionen manifestieren sich durch eine Kombination aus mentalen und körperlichen Veränderungen, die weit über das Gefühl von Traurigkeit hinausgehen. Zu den körperlichen Symptomen einer Depression gehören beispielsweise Veränderungen des Appetits, Schlafstörungen oder eine ausgeprägte Antriebslosigkeit und Müdigkeit.

Ein Burnout hingegen ist eine Form der emotionalen Erschöpfung, die als Antwort auf langanhaltenden Stress entsteht. Zynismus oder ein Gefühl der Fremdheit und Unwirklichkeit – bekannt als Depersonalisation – können als negative Reaktionen auf die Arbeit oder das soziale Umfeld auftreten. Man fühlt sich, als wäre man nicht mehr man selbst, als wäre man nicht wirklich anwesend und stünde ständig neben sich. Personen, die an Burnout leiden, berichten häufig von einem monotonen Alltag, in dem sie das Leben nicht wirklich erleben oder fühlen.

Depersonalisation – ein Unterscheidungsmerkmal

Während auch Menschen mit einer Depression Depersonalisation erleben können, ist dies bei Depressionen eher ein Zusatzsymptom unter vielen anderen – mit den Hauptsymptomen der ausgeprägten Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Freudlosigkeit. Beim Burnout jedoch steht die Depersonalisation oft im Vordergrund und ist typischerweise mit dem Arbeitsstress oder den hohen Anforderungen des Berufs- und Privatlebens verbunden.

Ein weiteres zentrales Merkmal des Burnouts ist das Gefühl, keine ausreichende Leistung erbringen zu können – ein Gefühl der Unwirksamkeit. Man hat den Eindruck, nur noch automatisch zu funktionieren und die Erwartungen anderer zu erfüllen, ohne das Gefühl zu haben, wirklich Fortschritte zu machen oder etwas zu erreichen. Man hinterfragt den Sinn seiner Tätigkeiten: „Warum tue ich das überhaupt? Was soll das alles?“

Wichtig zu beachten ist, dass Burnout in der medizinischen Fachwelt tatsächlich nicht als eigenständige Diagnose anerkannt ist. Dennoch wird das Phänomen von der Ärzteschaft anerkannt. Im neuesten Handbuch für psychische Erkrankungen, dem ICD-11, wird Burnout als „qualifying diagnosis“ aufgeführt. Das bedeutet, es kann als Zusatzdiagnose zur weiteren Spezifizierung unter den Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen, genannt werden.

Das Inselexperiment

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Depression und Burnout liegt in der Fähigkeit, Freude zu empfinden. Menschen mit einer Depression verlieren das Interesse und die Freude an Aktivitäten, die ihnen früher Vergnügen bereitet haben – und dies in jeglicher Situation. Stellt man sich vor, eine Person mit schwerer Depression würde auf eine idyllische Insel gebracht, wo sie in einer Hängematte liegend einen Cocktail genießen und den Sonnenuntergang beobachten könnte, würde sie sich dennoch tief unglücklich fühlen.

Im Gegensatz dazu ist das Gefühl von Erschöpfung und Unzufriedenheit bei Burnout eng mit Arbeitsstress verknüpft. Würde man jemanden mit Burnout unter den gleichen entspannenden Bedingungen auf die Insel bringen, mit der Zusicherung, dass die Arbeit in ihrer Abwesenheit von jemandem kompetenten übernommen wird und ein leerer Schreibtisch bei der Rückkehr wartet, könnte diese Person vermutlich wirklich Entspannung finden und den Aufenthalt genießen.

Für Menschen mit Depressionen wäre eine solche Verbesserung des Wohlbefindens durch äußere Veränderungen unvorstellbar, unabhängig davon, ob sich jemand um ihre Arbeitsbelastung kümmert oder nicht.

Interessanterweise können sich Personen in der Frühphase eines Burnouts oft am Wochenende, wenn sie von der Arbeit distanziert sind, vollständig erholen und alle Symptome verschwinden lassen. Die Symptome treten jedoch wieder auf, sobald der Arbeitsstress zurückkehrt.

Burnout und Depression können auch zusammen auftreten!

Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass man entweder nur von Burnout oder nur von einer Depression betroffen sein kann. Tatsächlich können Menschen, die an Burnout leiden, auch eine Depression entwickeln. Ein Zustand, der als Burnout beginnt, kann sich zu einer ausgeprägten Depression entwickeln, besonders wenn bereits früher depressive Episoden erlebt wurden oder eine generelle Neigung zu Depressionen besteht – unabhängig von aktuellen Lebensumständen. Depressionen entstehen nicht immer als direkte Reaktion auf negative Ereignisse; sie können auch ohne offensichtlichen äußeren Anlass auftreten.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen Depression und Burnout ist das Auftreten von Gefühlen wie Selbsthass und Wertlosigkeit bei einer Depression, die sich auf die gesamte eigene Person beziehen. Bei Burnout hingegen bleibt das Selbstwertgefühl meist unangetastet, außer in Bezug auf die eigene berufliche Leistung.

Die Wichtigkeit der Unterscheidung:

Die korrekte Unterscheidung zwischen Burnout und Depression ist essentiell, da die Behandlungsansätze variieren. Personen, die an Burnout leiden, benötigen möglicherweise keine Behandlung mit Antidepressiva, sondern eher eine gezielte Intervention, die die zugrundeliegenden Ursachen des Burnouts adressiert – also das Problem an der Wurzel packt.

Ursachen von Burnout:

Warum kommt es überhaupt zu Burnout?

Christina Maslach, eine führende Psychologieprofessorin in der Burnout-Forschung, definiert Burnout als einen Verlust des Engagements für die Arbeit, der insbesondere dann auftritt, wenn Job und Person nicht zusammenpassen. Ein Mangel an Übereinstimmung zwischen den Charaktereigenschaften einer Person und den Anforderungen sowie der Kultur ihres Arbeitsplatzes kann zu Burnout führen, vor allem wenn die Arbeitsanforderungen die persönlichen Kompensationsmöglichkeiten übersteigen.

Es geht nicht nur darum, dass man „viel zu tun“ hat oder sich in einer stressigen Arbeitsumgebung befindet. Menschen können auch hohen Stress normalerweise gut bewältigen und sogar persönliche Befriedigung aus ihrer Arbeit ziehen, wenn diese zu ihnen passt und ihre Bedürfnisse erfüllt.

Behandlung von Burnout

Der Schlüssel zur Behandlung eines Burnout liegt entweder in der Veränderung der Person selbst oder der Veränderung ihres Arbeitsumfeldes. Oft haben wir nur begrenzten Einfluss auf unsere Arbeitssituation, besonders wenn wir nicht selbständig sind. Deshalb konzentriert sich die Therapie von Burnout hauptsächlich darauf, Strategien zu entwickeln, um besser mit dem Arbeitsumfeld umgehen zu können. Dies ist natürlich sehr individuell, doch hier kommen drei allgemeine, essenzielle Tipps:

  1. Setze klare zeitliche Grenzen: Erlaube dir nicht, rund um die Uhr erreichbar zu sein. Indem wir auf Nachrichten sofort antworten, erziehen wir unser Umfeld dazu zu glauben, wir seien ständig verfügbar. Versuche stattdessen, deine Nachrichten zu festgelegten Zeiten stapelweise zu bearbeiten. Dies hilft, die Erwartungshaltung anderer anzupassen und gibt dir Freiräume, um mental zu entspannen.
  • Priorisiere deinen Schlaf: Ziel sollte es sein, jede Nacht 7-9 Stunden Schlaf zu bekommen. Es mag herausfordernd sein, aber kontinuierlicher Schlafmangel führt zu Unproduktivität, was wiederum zu längeren Arbeitszeiten führt – ein Teufelskreis, den du möglichst durchbrechen solltest.
  • Baue Bewegung und Entspannung ein: Regelmäßige körperliche Aktivität und Pausen für Entspannung können deine Stimmung verbessern und Stress abbauen. Schon kurze Spaziergänge oder Meditationseinheiten während des Tages können deine Energie wieder aufladen.

Manchmal ist jedoch eine Veränderung des eigenen Verhaltens nicht die alleinige Lösung. Es lohnt sich, zu hinterfragen, ob dein Job wirklich zu dir passt. Stell dir die Frage, ob du dir vorstellen kannst, auf diesem Niveau weiterzuarbeiten – für die nächsten 5, 10, oder 15 Jahre!

Es ist wichtig zu erkennen, dass Burnout und Depression langfristig schwerwiegende Auswirkungen auf deine Gesundheit haben können. Es ist besser, frühzeitig aktiv zu werden und durch Selbstfürsorge vorzubeugen.

Falls du dich generell hoffnungslos fühlst und eine Auszeit von der Arbeit nicht hilft, zögere nicht, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Gespräch mit deinem Hausarzt oder ein Termin bei einem Therapeuten kann klären, ob es sich um Burnout oder Depression handelt und wie diese am besten behandelt werden.

Ich hoffe, diese Informationen waren hilfreich für euch. Bei Fragen oder Anmerkungen nutzt gerne die Kommentarfunktion!

~ QUELLEN ~

✎ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11148311/
✎ https://www.schoen-klinik.de/burnout
✎ https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/burnout-syndrom/was-ist-burnout/
✎ https://icd.who.int/browse11/l-m/en#/http://id.who.int/icd/entity/129180281

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Dr. med. Marlene Heckl arbeitet als approbierte Ärztin und hat an der Technischen Universität München und Ludwig-Maximilians-Universität studiert und promoviert. Seit 2012 schreibt die Preisträgerin des "Georg-von-Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus" für Ihren Blog "Marlenes Medizinkiste" und veröffentlicht Science-Videos auf Youtube und modernen social-media Plattformen, für die sie bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Für Spektrum der Wissenschaft, Die Zeit, Thieme, Science Notes, DocCheck u.a. befasst sie sich mit aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen Themen, die ihr am Herzen liegen. Kontakt: medizinkiste@protonmail.com

9 Kommentare

  1. Das war gut formuliert:
    “Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen Depression und Burnout ist das Auftreten von Gefühlen wie Selbsthass und Wertlosigkeit bei einer Depression, die sich auf die gesamte eigene Person beziehen. Bei Burnout hingegen bleibt das Selbstwertgefühl meist unangetastet,”

  2. Klarstellung: Wie Depression und Burnout hier dargestellt werden, bezieht sich auf den “Mainstream der systemrationalen Bewusstseinsentwicklung/Suppenkaspermentalität”!!!

  3. Zitat: “ Wichtig zu beachten ist, dass Burnout in der medizinischen Fachwelt tatsächlich nicht als eigenständige Diagnose anerkannt ist.“
    Was einleuchtet, denn die hier beschriebenen Unterschiede zwischen Burnout und Depression lassen sich überwinden, indem man den Begriff Depression etwas ausweitet. Mit diesem ausgeweiteten Begriff wäre dann ein Burnout einfach eine reaktive Depression. Zur reaktiven Depression liest man:

    Als reaktive Depression oder depressive Reaktion wird eine extern ausgelöste Verhaltensstörung bezeichnet, deren Symptomatik der einer klinischen Depression ähnelt. Als Auslöser kommen schmerzhafte Erlebnisse wie eine extreme Belastungssituation oder eine dramatische Lebensveränderung in Frage.

    Allerdings ist diese Definition etwas zu stark auf traumatische Ereignisse/Erfahrungen ausgerichtet und müsste angepasst werden um auch den typischen Burnout zu erfassen.
    Mein Vorschlag:

    Eine reaktive Depression, auch depressive Reaktion genannt, zeichnet sich durch eine innere Absetzbewegung von der aktuellen Lebenssituation aus mit stark verminderter Leistungsfähigkeit und gestörtem Tagesablauf inklusive Schlaf. Auslöser einer reaktiven Depression können chronischer Stress oder einschneidende Lebensereignisse sein.

  4. In den internationalen Diagnoseklassifikationen (ICD und DSM) und Testungen (z.B. BDI) gibt es die Depression in leichter, mittlerer und starker Ausprägung. Bornout, wie hier beschrieben, wäre dann eine Depression (F3) oder Anpassungsstörung (F43). Das trifft auch auf die Behandlung zu. “Reaktive Depression” gilt sei über 20 Jahren als obsolet. Es irritiert mich etwas, wie hier Alltagsbegriffe mit medizinischen Diagnosen vermischt werden.

    • @Erich: stimmt: Die reaktive Depression wurde als Reaktion auf ein aktuell belastendes Ereignis verstanden und wird heute als mögliches Symptom einer Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2) diagnostiziert.

      Es wäre aber gerade die Frage, ob das nur eine Umbenennung (Reaktive Depression -> Anpassungsstörung) oder eine ganz andere Sicht auf Erscheinungen wie den Burnout ist.

  5. DEPRESSIONEN sind für mich negative Gedanken .Es ist letztlich eine Todesspirale die der Seele und dem Körper jede Energie entzieht da negative Gedanken auch negative Gefühle produzieren. Die Macht der negativen Gedanken
    kann jeden treffen da jeder irgendwie verletzbar ist und Menschen nun mal sich permanent seelisch verletzen . Wer einmal in dieser negativen Gedankenschleife gefangen ist ,wird wahrscheinlich allein schwer da wieder rausfinden.
    Burnout ist dagegen wohl ein Erschöpfungszustand ,eine Gemütsstimmung. Und Zynismus ist eine intellektuelle Einstellung und hat meiner Sicht mit Depressionen wenig zu tun. Große Zyniker-wie Heinrich Heine- waren nicht depressiv sondern eher das Gegenteil….

  6. Sehe ich genau so. Was Depressiven meiner Meinung helfen kann, ist die Zuwendung von Menschen, die es gut mit ihnen meinen und ihnen ein Gefühl von Geborgenheit geben. Ein Fundament um Depressiven aus der Kise zu helfen.

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