An Apple (Watch) a day keeps the doctor away? – Kann die Apple Watch Leben retten?

Fast ein Jahr ist es her seit Apple ein „lebensveränderndes“ neues Gadget angepriesen hat: die neue Apple Watch! Dutzende von Nachrichtenmedien schrieben damals begeistert über Apples Ankündigung, selbst der Präsident der American Heart Association (AHA) Ivor Benjamin zeigte sich auf der Pressekonferenz des Marktführers sehr angetan von der neuen Uhr.

Die neue Serie liefert zum allerersten Mal eine von der FDA (amerikanische Arzneimittelbehörde) zugelassene Gesundheits-App, die mittels EKG (Elektrokardiogramm) verspricht den Herzrhythmus zu überwachen. Über die Analyse von Pulsfrequenz- und EKG-Daten will die Uhr unregelmäßige Herzschläge erkennen, um Nutzer so frühzeitig vor ernsthaften Herzrhythmusstörungen warnen zu können.

Sind auch Sie dem Hype um die coole Uhr aus dem Hause Apple verfallen? Haben Sie sich möglicherweise eine zugelegt in dem Glauben etwas Gutes für Ihre Gesundheit zu tun und besser vor Herzerkrankungen geschützt zu sein?

Nehmen wir an Sie sind ein typischer Apple-Kunde. Jung. Fit. Sportlich. Gutverdiener. Da darf neben iPhone und MacBook natürlich auch nicht die neue coole Apple-Watch fehlen. Seit einem halben Jahr sind auch Sie endlich stolzer Besitzer des technischen Wundergadgets und können sich einen Alltag ohne den kleinen Helfer gar nicht mehr vorstellen. Daheim smarte Lichter ein- und ausschalten, Nachrichten und Mails lesen, telefonieren und auch die Schrittzähler- und Sporttracking-Funktion nutzen Sie beinahe jeden Tag. Ach ja und ein Blick auf die Watch zum Ablesen der Uhrzeit darf natürlich auch nicht fehlen. Oder Sie sparen sich den Blick und fragen Siri.

Im Fußballfieber

Während Ihres wöchentlichen Fußballtrainings jedoch ertönt plötzlich ein ungewohntes Alarmsignal. Ein Blick auf die Apple Watch zeigt Ihnen eine neue Benachrichtigung an. Ihr steter Begleiter warnt Sie vor einem unregelmäßigen Herzschlag und schlägt vor ein 30 Sekunden langes EKG aufzuzeichnen. Sie sind beunruhigt und folgen dem Vorschlag der smarten Uhr. Und tatsächlich, nach dem Analysieren des EKGs erscheint eine Warnanzeige: das Gerät vermutet Sie leiden unter Vorhofflimmern.

Vorhofflimmern? Wie bitte? Siri erklärt Ihnen, dass es sich um eine Herzrhythmusstörung handelt, bei der die Herzvorhöfe unregelmäßig schlagen. Sie kann dauerhaft auftreten (dann spricht man von permanentem Vorhofflimmern). Häufiger und wesentlich schwieriger zu erfassen sind jedoch vorübergehende Episoden von Vorhofflimmern (paroxysmale oder intermittierende Form). Eine solche kurze Episode hat die Apple Watch jetzt anscheinend bei Ihnen erkannt und rät Ihnen dringend zum Arztbesuch. Sie machen sich verständlicherweise Sorgen, brechen das Fußballtraining ab und vereinbaren einen Termin beim Arzt Ihres Vertrauens.

„Herr Doktor kommt gleich zu Ihnen“. Während Sie im Wartezimmer sitzen, checken Sie noch einmal die Benachrichtigung auf Ihrer Watch. Da steht es immer noch schwarz auf weiß. Vorhofflimmern. Hoffentlich kann der Arzt schnell Klarheit verschaffen. Zeit für einen langen Besuch haben Sie eigentlich nicht. Und Lust sowieso nicht. Aber irgendwie wurmt Sie die Warnung schon. Als Sie endlich im Arztzimmer sitzen und Ihr Anliegen vortragen, schaut Sie der Doktor stirnrunzelnd an: „Ich will ehrlich sein. Sie sind der erste Patient, der wegen sowas zu mir kommt.“

Wie sehr vertrauen Sie Dr. Apple?

Das Problem, erklärt er Ihnen, sei, dass er nicht wisse, ob es sich bei der Episode im Fußballtraining wirklich um ein Vorhofflimmern handle wie die EKG-Funktion der Apple Watch sagt. In der Arztpraxis wird standardmäßig ein sogenanntes 12-Kanal-EKG verwendet, bei dem 12 Elektroden an Armen, Beinen und Brustkorb des Patienten positioniert werden. Damit kann man relativ gute Aussagen zum Herzrhythmus machen. Die Apple-Watch dagegen hat nur eine Elektrode. Je weniger Kanäle das EKG hat, desto ungenauer. „Ihr momentanes EKG sieht in Ordnung aus, aber das muss nichts heißen. Wir können ja nicht in die Vergangenheit schauen.“

Sie wollen wissen, was das jetzt für Sie bedeutet. Ob Sie sich Sorgen machen müssen? Was der Arzt tun kann? Er erklärt Ihnen, dass es verschiedene Optionen gibt. Option eins: Er glaubt den Ergebnissen der Apple Watch und behandelt Sie wegen des vorübergehend aufgetretenen Vorhofflimmerns in der Hoffnung die Folgen von weiteren in Zukunft auftretenden Episoden abzumildern. Sie würden ein blutverdünnendes Medikament bekommen.

Dieses Mittel soll verhindern, dass sich ein Blutgerinnsel in Ihrem Herzen bildet, welches zu Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen könnte. Jedoch ist keine Therapie ohne Nebenwirkungen und der Preis, den Sie bezahlen ist die erhöhte Wahrscheinlichkeit von Blutungen. Und die können unter Umständen genauso lebensbedrohlich sein. Würden Sie beim nächsten Fußballtraining stürzen, könnte das schnell mit einem Krankenhausaufenthalt enden. Sie müssten sich der erhöhten Blutungsgefahr immer bewusst sein.

Option zwei wäre, dass Ihr Arzt Sie nicht behandelt. Stattdessen beruhigt er Sie, dass die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer solchen Herzrhythmusstörung in Ihrem Alter gering ist und noch geringer, dass dies zu Komplikationen wie einem Schlaganfall führe. Außerdem sind Sie jung, fit und gesund und haben keinerlei Beschwerden. Sie leiden weder unter Bluthochdruck, noch Diabetes oder anderen Risikofaktoren – gehören also zu der Gruppe von Menschen, die am allerwenigsten von einer solchen Therapie profitieren würde.

Wenn die Alarmglocken schrillen

Das ist aber genau die Zielgruppe der Apple Watch. Um die Zulassung der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zu erhalten, musste Apple die Wirksamkeit der neuen EKG-Funktion nachweisen. Hierzu wurden zwei Studien durchgeführt, einmal an 588 und einmal an 226 Patienten. Die Daten sehen zwar vielversprechend aus, jedoch wurden die Forscher dafür kritisiert, dass keiner der Datensätze veröffentlicht wurde und kein Peer-Review-Prozess stattgefunden hat (ein Verfahren, bei dem unabhängige Gutachter aus dem gleichen Fachgebiet die wissenschaftliche Arbeit prüfen). Außerdem wussten die Wissenschaftler bereits vor der Durchführung der Untersuchung welche der Studienteilnehmer unter Vorhofflimmern litten.

Betrachtet man die Anwendung der Apple Watch einmal rein hypothetisch bei einer größeren Gruppe von Menschen, die noch dazu wie der typische Apple Watch Nutzer jung und gesund sind, scheinen die Daten weniger Enthusiasmus auszulösen. Tatsächlich steigt dann das Risiko für falsch-positive Ergebnisse rapide an. Der amerikanische Kardiologie Venkatesh Murthy hat ausgerechnet, dass im Durchschnitt etwa 19 von 20 Anwendern eine fehlerhafte Warnung Ihrer Apple Watch bekommen. Das heißt im Umkehrschluss, dass nur einer von 20 der von Dr. Apple diagnostizierten Menschen tatsächlich unter Vorhofflimmern leidet.

Die kürzlich vorgestellte Apple Heart Study* mit über 400.000 Studienteilnehmern liefert ein ähnlich kritisches Ergebnis: 341 (0,16%) aller jungen Nutzer erhielten eine Warnung von ihrer Lieblingsuhr. Davon bestätigte sich gerade einmal bei neun (0,004%) die Diagnose. Für Menschen über 65 Jahren** sehen die Zahlen zwar etwas besser, aber trotzdem nicht optimal aus. Von 775 (3,14%) gewarnten Apple Watch Trägern litten nur 63 (0,26%) tatsächlich unter Vorhofflimmern.

* auch hier wurden übrigens weder die Datensätze veröffentlicht, noch gab es ein Peer-Review

** Studienteilnehmer zahlenmäßig unterrepräsentiert (24.626 > 65-jährige vs. 219.179 < 40-jährige)

Alles eine Frage der Perspektive?

Nehmen wir an, Sie entscheiden sich also für Option zwei. Sie lassen sich von Ihrem Arzt beruhigen und sprechen sich gegen eine Behandlung des Vorhofflimmerns aus. Sie gehen nach Hause, doch ein mulmiges Gefühl bleibt. Nachts schlafen Sie schlecht und Ihre Gedanken kreisen immer wieder um ein Thema: was, wenn das Herz plötzlich wieder anfängt unregelmäßig zu schlagen? Womöglich ohne, dass Sie es merken. Was, wenn Sie die Warnung der Apple Watch doch ernster hätten nehmen sollen? Was, wenn Sie nicht so gesund sind wie Sie sich vielleicht im Moment fühlen?

Sie stehen auf und setzen sich an den Computer. Auf Google finden sich knapp 4 Millionen Suchergebnisse zum Thema Vorhofflimmern. In Online-Foren lesen Sie Horror-Geschichten von Leuten, die dem Tod nur knapp entronnen sind und jetzt mit den Folgen von schlimmen Schlaganfällen zu kämpfen haben. Sie kommen immer mehr zu der Einsicht, dass Sie eine tickende Zeitbombe sind. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis auch Sie der Rhythmusstörung zum Opfer fallen. Der Blick fällt immer wieder auf die Apple Watch. Könnte es jetzt soweit sein? Sie möchten die nächste Episode des Vorhofflimmerns auf gar keinen Fall verpassen, um sich am Besten gleich im Krankenhaus vorstellen zu können.

Das zehrt an Ihren Nerven. Sie werden immer unkonzentrierter. Tag und Nacht denken Sie nur noch daran, was passieren könnte. Sie werden angespannter und konzentrieren sich so sehr auf Ihren Herzschlag, dass alles andere in den Hintergrund tritt. Irgendwann versetzt Sie schon der kleinste Herzstolperer in Panik und Sie sind sich sicher, dass Sie todkrank sein müssen. Wie viele Menschen gelangen Sie in den Teufelskreis, der sich entwickelt, wenn einmal eine ernsthafte medizinische Diagnose im Raum steht.

Als Sie es irgendwann nicht mehr aushalten, stellen Sie sich erneut beim Arzt vor. Der Doktor erklärt Ihnen, dass es noch eine dritte Option gibt wie er auf die ursprüngliche Diagnose der Apple Watch reagieren könne. Er beginnt nicht sofort mit der Behandlung Ihres vermeintlichen Vorhofflimmerns, möchte Sie aber auch nicht einfach so entlassen. Zur Sicherheit überweist Sie Ihr Arzt an einen Spezialisten, der weitere Untersuchungen zum Ausschluss einer ernsthaften Herzerkrankung durchführt. Gott sei Dank! Sie sind wirklich froh, dass das endlich abgeklärt wird.

Ärzte-Odysee

Der Spezialist schiebt Sie nicht einmal zwei Wochen später in die Röntgen-Röhre, um eine CT-Aufnahme Ihres Herzens zu machen. Es ist beklemmend in dem engen Gerät zu liegen, doch für Gewissheit tun Sie im Moment alles. Sogar die heftig summende, düstere Röhre ertragen. Bei der Untersuchung bekommen Sie zwar Röntgenstrahlung ab, aber schließlich dient es ja dem Zweck Dr. Apples Diagnose weiter auf den Grund zu gehen.

Beim nächsten Arzttermin, guckt der Doktor jedoch ernst: „Die CT-Aufnahme hat leider keine eindeutigen Ergebnisse hervorgebracht“. Er teilt Ihnen mit, man müsse weitere Tests durchführen. Also kommen Sie vier Wochen später erneut in eine Röhre, diesmal um ein MRT-Bild Ihres Herzens erstellen zu lassen. Dafür müssen Sie ein paar unangenehme Injektionen über sich ergehen lassen. Ihr Körper kribbelt und wird heiß. Aber wenigstens kennen Sie die beklemmende Atmosphäre schon und wissen, dass es vorbei geht. Insgesamt überstehen Sie die Untersuchung gut.

Der Arzt erklärt Ihnen kurze Zeit später die Aufnahme sähe normal aus. In der Sekunde, als Ihnen ein buchstäblicher Stein vom Herzen fallen will, setzt er aber nach. Da wäre eine Stelle, die sich nicht gut interpretieren lässt. Sofort verkrampfen Sie wieder. „Um sicher zu gehen, sollten wir eine Angiographie durchführen“. Sie schlucken. Und landen weitere zwei Wochen später auf dem OP-Tisch. Man schiebt einen dünnen Katheterschlauch in ihren Körper, um eine „Live-Aufnahme“ der Bewegungen und Durchblutungssituation Ihres Herzens machen zu können.

In Ihrem Kopf rasen die Gedanken. Immer wieder hallen die Worte des Arztes nach. Er hat Sie vor dem Eingriff gewissenhaft aufgeklärt: Durch das verwendete jodhaltige Kontrastmittel können Nierenschäden, allergische Reaktionen oder auch Schilddrüsen- bzw. neurologische Probleme auftreten. Eine seltene, aber ernsthafte Komplikation ist der Einriss eines Herzkrankgefäßes, bei dem es zu lebensbedrohlichen Blutungen und Herzinfarkten kommen kann. Wochenlange Krankenhausaufenthalte auf der Intensivstation könnten die Folge sein. Auch Schlaganfälle können während des Eingriffs in sehr seltenen Fällen auftreten. Das Risiko bei diesem invasiven Eingriff zu versterben liegt bei etwa eins zu 2000.

Und selbst, wenn bei Ihnen wie bei den meisten Menschen, alles glatt geht, werden Sie um zukünftige Termine beim Kardiologen und weitere Untersuchungen nicht herumkommen. Schließlich will man auf Nummer sicher gehen, dass man nichts übersehen hat. Dass Sie wirklich gesund sind…

Aber was, wenn Sie zu den Personen gehören, bei denen die Apple Watch falschen Alarm geschlagen hat?

Ein paar Worte zum Schluss:

  • Keine bislang durchgeführte medizinische Studie konnte nachweisen, dass das Überwachen von asymptomatischem Vorhofflimmern mittels EKG den Menschen einen Vorteil bringt. Weder hat dies einen Einfluss auf die Schlaganfall- oder Herzinfarkt- noch auf die Sterblichkeitsrate. Unter Medizinern ist es umstritten inwieweit kurz andauernde, beschwerdefreie Episoden von Vorhofflimmern überhaupt klinisch relevant und ob diese behandlungsbedürftig sind. Ein Screening für Vorhofflimmern zur Früherkennung erscheint unter diesen Aspekten nicht sinnvoll. (Siehe auch: https://www.healthnewsreview.org/2018/03/atrial-fibrillation-screening/)
  • Patienten sind zwar alle Menschen, aber nicht alle Menschen sind Patienten. Durch das medizinische Überwachen von völlig gesunden Personen ohne konkreten Anlass riskiert man leicht, dass gesunde Menschen krank gemacht werden. Nicht nur falsch-positive Ergebnisse spielen eine Rolle. Auch finden sich (wenn man nur lange genug danach sucht) oft Parameter, die außerhalb der Norm liegen, ohne dass dies jedoch einen Einfluss auf die Gesundheit hat. Stichwort: Überdiagnose und Übertherapie.
  • In den Zeiten von Big Data ist das Sammeln von mehr medizinischen Daten hilfreich und wird dazu beitragen, dass wir mittels Künstlicher Intelligenz immer bessere Aussagen zum Gesundheitszustand eines Menschen treffen können. Es ist absehbar, dass irgendwann intelligente Geräte auf den Markt kommen werden, die in Zukunft Ärzte bei der sinnvollen Diagnosestellung unterstützen (gerade ältere Menschen werden davon sicherlich profitieren, Stichwort: Geriatronik). Momentan können wir aber die meisten (kardiologischen) Daten von smarten Gadgets wie beispielsweise der Apple Watch noch nicht sinnvoll und vor allem nicht sicher interpretieren. Wenn Sie eine Apple Watch kaufen wollen, lassen Sie sich nicht abhalten! Technik-Fans können sich wohl kaum eine coolere Uhr wünschen. Aber seien Sie sich der Grenzen bewusst.

Marlene Heckl

Veröffentlicht von

Marlene Heckl ist Medizinstudentin im letzten Studienjahr an der Technischen Universität München. Nebenbei promoviert sie an der Ludwig-Maximilians-Universität über den Einfluss von Tumorsuppressorgenen bei Ovarial- und Endometriumskarzinomen. Seit 2012 schreibt sie über medizinische und wissenschaftliche Themen, die ihr am Herzen liegen. Anfangs erschienen ihre Beiträge bei medizinischen Portalen wie DocCheck und Thieme, 2016 folgte dann ihr eigener Blog Marlenes Medizinkiste, der nun auch bei den SciLogs zu finden ist. Kontakt: medizinkiste@protonmail.com

5 Kommentare

  1. Ja, wer AppleWatch-Health Funktionen benützt, benützt etwas was in Entwicklung ist, etwas letztlich experimentelles. Damit ist er ein (ewiger?) Beta-Tester.

    Doch die Verheissungen für die Zukunft sind gross. So könnte eine Apple-Watch eine ältere, alleinstehende, fragile Person überwachen und etwa einen Sturz mit dem eingebauten Sturz-Sensor feststellen und automatisch ein SMS verschicken.

    Dass gerade fitte, äusserst gesunde Personen heute zu den wahrscheinlicheren Trägern einer AppleWatch gehören, ist insoweit nicht ideal – denn da ist die Gefahr etwas zu entdecken, was gar keine Bedeutung hat, besonders hoch.

    Doch es könnte ja sein, dass heute noch junge und gesunde AppleWatch-Träger dies bis ins hohe Alter fortsetzen und sie dann eine Nachfolgeversion von AppleWatch durch den Tag führt, sie an die Medikamenteneinahme erinnert, vielleicht sogar hilft den Blutspiegel von eingenommenen Medikamenten zu bestimmen, auf ihre Stimme hört um Veränderungen der Stimmung und des Geisteszustandes zu schliessen – und vieles mehr. So eine Person könnte dann vielleicht sagen: “Wenn ich heute in meinem Alter immer noch selbstständig durchs Leben komme, dann verdanke ich das der AppleWatch”.

  2. Nicht nur die Diagnose-Unsicherheit der Apple-Watch in Bezug auf Herzdiagnosen wie Vorhofflimmern ist ein Problem. Nein auch richtige Diagnosen – Diagnosen von Vorhofflimmern, die später im Mehrkanal-EKG bestätigt werden – können ein Problem darstellen, denn in der Medizin besteht schon lange der Verdacht, dass Vorhofflimmern und andere Arrythmien des Herzens viel häufiger sind als heute bekannt. Möglicherweise sind einige oder viele dieser zeitweisen Arrythmien unbedeutetend oder werden am besten gar nie behandelt, weil jede Behandlung auch Probleme mit sich bringt.

    Generell wird die zunehmende Zahl der Health-Tracker bei immer mehr überwachten Personen irgend eine Irregulariät finden. Doch in den meisten Fällen sind diese Irregularitäten wohl so unbedeutend wie ein schlecht startendens Auto bei Winterkälte. Darauf muss sich nicht nur die Medizin, sondern darauf müssen sich auch die “Kunden”, die Träger von solchen Health-Trackern einstellen. Und sie müssen sich damit abfinden, dass ihr scheinbar so perfekter Körper eben doch hin und wieder Irregularitäten und Abnormalitäten zeigt und es nicht einfach ist festzumachen ob diese Irregularitäten einer Behandlung bedürfen.

    Der Wirded-Artikel Apple’s Newest Watch Features Will Transform Heart Health bringt einiges dessen was ich oben beschrieben habe. Man liest dort (übersetzt von DeepL): Die neuen Funktionen von Apple Watch wurden entwickelt, um Anwendern zu helfen, Anzeichen eines unregelmäßigen Herzrhythmus zu erkennen, der kurz als Vorhofflimmern-AFib bekannt ist. Es ist die häufigste Form der Arrhythmie, mit mehr als 6 Millionen Diagnosen allein in Amerika, eine Zahl, die bis 2030 auf 12 Millionen ansteigen soll. Es ist auch mit einem erhöhten Risiko für schwere gesundheitliche Probleme wie Schlaganfall verbunden.

    Außerdem wird es unterdiagnostiziert: Konservative Schätzungen sagen voraus, dass 700.000 Amerikaner von AFib betroffen sind und es nicht einmal wissen, aber viele Experten denken, dass die tatsächliche Zahl viel höher ist.

    Wobei: Die Bezeichnung “unterdiagnostiziert” ist vielleicht für Herzspezialisten stimmig und korrekt. Nicht unbedingt aber für Patienten. Es gilt nämlich: Nicht alles was diagnostiziert wird, macht das Leben besser.

    Die Frage ist überhaupt wie Apple-Watch-Träger mit Bildschirmnachrichten wie den folgenden umgehen (Beispiele aus dem Wired-Artikel):
    1) Hohe Herzfrequenz Ihre Herzfrequenz stieg auf über 120 BPM, während Sie scheinbar 10 Minuten lang inaktiv waren, beginnend um 9:59 Uhr.
    2) Niedrige Herzfrequenz Ihre Herzfrequenz fiel 10 Minuten lang unter 40 BPM, beginnend um 9:59 Uhr.
    3) Ihr Herz hat Anzeichen eines unregelmäßigen Rhythmus gezeigt, der auf Vorhofflimmern hinweist. Wenn Sie nicht vom Arzt mit AFib diagnostiziert wurden, können Sie….

    Tatsächlich hängt bei solchen Meldungen der Apple-Watch vieles von der Reaktion von (potenziellen) Patienten und Ärzten ab. Für Ärzte bietet sich natürlich eine tolle Gelegenheit neue Patienten zu gewinnen. Nicht mehr sie allein schaffen nun neue behandlungsbedürftige Patienten durch ihre Diagnosen, sondern sogar die Apple-Watch hilft ihnen nun neue Patienten zu generieren.

    Irgendwann wird sich aber sicher mindestens bei einigen oder gar vielen eine neue Gelassenheit ausbilden, was solche von HealthTrackern und Gesundheitsuhren generierten Hinweise angeht.

  3. Vielen Dank für den informativen und aufschlussreichen Artikel. Er hilft mir, sowohl die Brauchbarkeit von Dr. Apple wie auch die Gefährdung durch Vorhofflimmern einzuschätzen.

  4. Die AppleWatch-Health Funktionen sind heute auf Junge ausgerichtet (Vitalfunktionen), haben aber ihr grösstes Potenzial bei der Überwachung älterer Menschen. Das weiss auch Apple. Der MIT-Review-Artikel your apple-watch might one day spot if youre developing alzheimers berichtet über die Zusammenarbeit von El-Lilly und Apple beim Versuch mittels der Apple-Watch Demenz und Alzheimer zu diagnostizieren. Zitat: Die Forscher sammelten Daten von den Geräten über einen Zeitraum von 12 Wochen und untersuchten Faktoren wie die motorische Kontrolle der Menschen, Stimmung, Tippgeschwindigkeit, Sprachgebrauch und Schlafmuster.
    Und ja, damit liess sich eine sich entwickelnde Demenz mit grosser Sicherheit erkennen und das wohl früher als mit den meisten heute gebräüchlichen Tests.

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