Menschenrassen gibt es doch

In den Diskussionen über den Rassismus hört man immer wieder, daß er allein deshalb unhaltbar sei, weil es nach Auffassung der heutigen Biologie bei Homo sapiens gar keine Rassen gibt. Das ist falsch. Die Frage ist, was es bedeutet, daß es Menschenrassen „gibt“.„Warum ist der Rassismus immer noch gefährlich?“

So lautet die Überschrift eines Artikels von Frieder Otto Wolf[1] auf „diesseits.de, DAS ONLINE-MAGAZIN FÜR WELTLICHEN HUMANISMUS“

 Wolf schreibt:

„Die Antwort auf die Titelfrage ist keineswegs trivial: Denn es ist schon seit langem klar und auch weltweit umfassend kommuniziert worden, dass es gar keine im [sic!] biologischen, wissenschaftlichen Menschenrassen gibt. Schon 1950 hat die UNESCO dies in einer gründlichen Denkschrift festgehalten: Es gibt einfach keine klar definierbaren Unterscheidungen zwischen den als ‚Rassen’ behaupteten Menschengruppen“.

Die Formulierungen sind etwas kryptisch. Gemeint ist sicher einfach: Rassen gibt es nach Auffassung der heutigen Biologie bei Homo sapiens nicht. Diese Behauptung findet man an zahllosen Stellen im Internet und in Zeitungen. Sogar unter Biologen trifft man sie an. Sie ist aber falsch.

Man verwendet zwar den Begriff Rasse in der Biologie bei weitem nicht mehr so häufig wie früher, sagt statt dessen häufiger Unterart. Warum das so ist, kann ich nur vermuten. Es mag damit zu tun haben, daß man nicht in den Geruch des Rassismus kommen will.

So mag sich das Zurücktreten des Wortes Rasse in der Biologie erklären. Aber es gibt kein biologisches Argument gegen den Gebrauch des Begriffs Rasse in der Biologie, und sehr oft gebraucht man ihn ja auch. Es „gibt“ also Rassen in der Biologie. Nicht daran, daß der Begriff Rasse gebraucht wird oder daß behauptet wird, es gebe (bei Homo sapiens) Rassen, entscheidet sich, ob eine bestimmte Auffassung als rassistisch zu bezeichnen ist. Es kommt vielmehr darauf an, was mit „es gibt“ gemeint ist.

Üblicher- und legitimerweise ist folgendes gemeint: Die Lebewesen (a) unterteilt man in Arten und (b) viele von ihnen unterteilen gewissermaßen sich selbst in „Arten“ (nämlich Biospezies). Zu (a): Man kann zum Zwecke der Ordnung die Lebewesen (so wie beispielsweise Steine und künstlerische Stilrichtungen auch) klassifizieren; man bildet Klassen von Organismen, die definierte Merkmale gemeinsam haben und sich durch definierte Merkmale von Organismen anderer Klassen abgrenzen. Solche Klassen nennt man Arten, und die Art bildet zusammen mit einigen anderen Arten eine höhere Klasse, die Gattung, mehrere Gattungen bilden eine Familie usw. Wenn die Merkmale morphologisch sind, spricht man von Morphospezies, wenn sie ökologisch sind, von Ökospezies; es gibt noch mehr Möglichkeiten. (b) Eine „Biospezies“ dagegen ist eine durch Reproduktionsgrenzen von anderen Populationen getrennte Population; es kann sie nur unter sich sexuell fortpflanzenden Organismen geben. Diese „Art“ grenzt man nicht aufgrund von Merkmalen von anderen ab zum Zwecke der Erstellung eines Klassifikationssystems, sondern sie grenzt sozusagen sich selbst ab, indem ihre Individuen sich mit Individuen anderer Biospezies nicht erfolgreich paaren.

„Arten“ von Organismen in beiderlei Bedeutung kann man immer in Rassen unterteilen, sofern sie nicht vollkommen genetisch – der Begriff Rasse bezieht sich ausschließlich auf die genetische Ebene – homogen sind (was nicht vorkommt). Es ist dafür völlig ohne Bedeutung, ob die Einzelorganismen dieser Art zu 70 % oder zu 99,9 % (so beim Menschen) in ihren Genen übereinstimmen, und ob sie phänotypisch nahezu ununterscheidbar sind oder derart ins Auge springende Unterschiede  aufweisen wie etwa die Haushunde. Bei der Unterteilung in Rassen  verfährt man ganz genau so, wie man bei der Bildung von Arten im Sinne von Morphospezies oder Ökospezies verfährt. Die Rasse ist dann in genau dem gleichen Sinne eine Klasse unterhalb der Artebene, wie die Art eine Klasse unterhalb der Ebene der Gattung und diese eine Klasse unterhalb der Ebene der Familie ist.[2] Die Bildung einer Rasse geschieht also dadurch, daß man irgendwelche erblichen Eigenschaften als Definitionsmerkmale der Rasse auswählt, z. B. eine bestimmte DNS-Sequenz oder durch sie „codierte“ phänotypische Merkmale wie Hautfarbe oder Nasenform, so wie bei der Definition von Merkmalen einer bestimmten Morphospezies. Man muß auswählen, denn man kann nicht alle Eigenschaften berücksichtigen, das ginge ins Unendliche. Und man muß die ausgewählten Eigenschaften bewerten; auch wenn man sie alle gleich bewertet, bewertet man sie.

Das bedeutet aber: Je nachdem, ob man an dem Individuum A das Merkmal Hautfarbe mit 1 bewertet und das Merkmal Haarform mit 100 oder umgekehrt, gehört er mit B in eine Rasse oder aber nicht, statt dessen vielleicht mit C. Wertet man das Merkmal Hautfarbe sehr hoch, gehören typische Westafrikaner und viele Südasiaten der selben Rasse an (es sei denn, man zerlegt das Merkmal Hautfarbe in unterschiedliche Farbtöne und bewertet diese hoch, dann können dunkelhäutige Westafrikaner und dunkelhäutige Südasiaten rassisch sehr unterschiedlich einzuordnen sein). Bewertet man dagegen die Haarform sehr hoch und die Hautfarbe sehr niedrig, gehören jene Südasiaten vielleicht mit vielen Nordeuropäern in eine Rasse, doch nicht mehr mit den Westafrikanern. Es gibt aber keine objektiven Kriterien dafür, welche Merkmale man hoch bewerten (und überhaupt auswählen) muß. Gründe kann man viele und sehr verschiedene anführen. Die Hautfarbe mag man nehmen, weil sie auffällig ist (vielleicht für alle Menschen, vielleicht nur für Menschen bestimmter Kultur), die Haarform vielleicht, weil sie innerhalb einer Population nicht so stark variiert. Aber im Prinzip kann man auch würfeln.

Einen Ausweg scheint ein zweites Prinzip zu bieten: Zu einer Rasse gehören alle, die verwandt sind in dem Sinn, daß sie von gemeinsamen Vorfahren abstammen (so kann dann die Rasse zur Abstammungsgemeinschaft werden). Bei sich asexuell fortpflanzenden Lebewesen erhält man auf diese Weise leicht ein objektives Kriterium: Aus der ersten Teilung hervorgegangene „Geschwister“ sind „rassisch“ nahe beieinander, „Cousins ersten Grades“ weiter, „Cousins zweiten Grades“ noch weiter usw. Bei sich sexuell fortpflanzenden Lebewesen wird es komplizierter, aber man könnte immer noch einen objektiven Verwandtschaftsgrad angeben.

Das Problem ist nur: Diese „Rassen“ müssen mit den üblichen, den aufgrund ausgewählter und bewerteter Merkmale gebildeten, nichts zu tun haben. Die Nachkommen einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters seien in der ersten Generation braun, aber der zweiten, dritten usw. Generation können auch Weiße und Schwarze angehören. Trotz engster Verwandtschaft mit seiner schwarzen Cousine gehört ein solcher weißer Brasilianer – da findet man so etwas oft – der gleichen Rasse (im üblichen, auf Merkmalen beruhenden Verständnis) an wie, sagen wir mal, ein typischer Skandinavier, mit dem er überhaupt nicht verwandt ist, die Cousine aber gehört einer anderen Rasse an.

Meist versucht man beide Prinzipien zu kombinieren. Wenn z. B. die schwarze Hautfarbe nicht auf Verwandtschaft beruht, sondern auf zufällig zu ähnlicher Hautfarbe führenden Mutationen und deren Selektion durch ähnliche Umweltbedingungen, wird man weniger geneigt sein, hier ein identisches Rassemerkmal zu sehen als im Falle von Verwandtschaft und deshalb gleichen Merkmalen. Aber wie soll man wissen, wie hoch man die Verwandtschaft im Verhältnis zur Merkmalsgleichheit bewerten soll? Hier gibt es kein objektives Kriterium.

Kurz: Wie man es auch dreht und wendet – die Willkür bei der Bildung von Rassen ist nicht zu vermeiden. Das macht den Begriff aber für die Biologie nicht unbrauchbar. Auch die übliche Einteilung von asexuell (richtiger: uniparental) sich fortpflanzenden Organismen, z. B. von Bakterien, in Arten (ob aufgrund erblicher morphologischer Merkmale oder wegen in hohem Maße übereinstimmender DNS-Sequenzen, tut nichts zur Sache) ist im gleichen Sinne willkürlich wie eine Einteilung in Rassen. Das macht diese Einteilung nicht biologisch sinnlos. Einteilungen von was auch immer in logische Klassen zum Zwecke der Schaffung von Übersicht beruhen nun einmal auf der prinzipiell willkürlichen, wenn auch möglicherweise unter bestimmten Fragen sinnvollen, Auswahl und Bewertung von Merkmalen.[3]

 

Wenn man von Biologen hört, daß es keine Menschenrassen gibt, dann ist manchmal eben dies gemeint: Die Definition einer jeden Rasse beruht auf prinzipiell willkürlichen Entscheidungen. Manchmal ist aber auch etwas anderes gemeint, nämlich folgendes: Homo sapiens ist eine genetisch ziemlich homogene Spezies, die verschiedenen Untergruppen, die man bilden kann, unterscheiden sich nur wenig voneinander. Die Unterschiede zwischen den Individuen einer jeden Untergruppe sind im allgemeinen (nicht immer) größer als die zwischen den Untergruppen. Man muß darum bei der Bildung von Rassen in einem Merkmalskontinuum Grenzen ziehen und kann sie nicht da ziehen, wo bestimmte Merkmale oder Gruppen von Merkmalen abrupt aufhören.

Das bedeutet aber nicht, daß man keine Rassen bilden kann, sondern nur, daß sich die auszuwählenden Merkmale und ihre Bewertung nicht gleichsam aufdrängen, weil es auffällige Diskontinuitäten gibt. Wenn Frieder Wolf schreibt „Es gibt einfach keine klar definierbaren Unterscheidungen zwischen den als ‚Rassen’ behaupteten Menschengruppen“, so hat er das offenbar im Sinn, aber er formuliert falsch. Eine „klar definierbare“ Unterscheidung wäre auch die zwischen zwei überaus ähnlichen Hauttönungen: Man muß eben die Rassengrenze da „klar definieren“, wo die andere, kaum merklich verschiedene Hauttönung anfängt. Man kann sie aber per Definition auch woanders hinlegen; man findet keine guten Gründe, warum man die Grenze gerade hier ziehen soll. Wolf  will auf eine Gruppenunterscheidung hinaus, bei der uns gewissermaßen die Wirklichkeit die zu definierende Grenze nahelegt, wie es z. B. dann der Fall wäre, wenn es zwischen schwarz und weiß nicht braun gäbe.

Dabei bleibe aber die Frage, warum man die Hautfarbe denn so wichtig nehmen soll. Wer meint, der Rassen gebe es bei Menschen nicht, sie seien nur subjektive Konstrukte, weil man (angeblich) keine durch Diskontinuitäten im Genom oder in erblichen phänotypischen Merkmalen getrennten Gruppen findet, der behauptet umgekehrt, daß Rassen dann keine subjektiven Konstrukte wären, wenn man solche Diskontinuitäten fände. Dabei wird übersehen, daß man die Eigenschaften, hinsichtlich derer Diskontinuitäten bestehen, bewerten muß und es keinen objektiven Grund gibt, bestimmten Eigenschaften, etwas der Hautfarbe, hoch zu bewerten oder ihnen überhaupt einen nennenswerten Wert zuzuschreiben.

 

In welchem Sinne sprechen nun Rassisten von Rassen? Sie tun es tatsächlich nicht so wie die Biologen, denn sie können es ja nicht zulassen, daß durch geeignete Merkmalsauswahl und -bewertung ein typischer Deutscher (was immer das sein mag) in ein und dieselbe Gruppe mit einem typischen Zentralafrikaner (was immer das sein mag) gerät, was biologisch möglich wäre. Rasse darf darum für sie kein Begriff sein, der nur dem Schaffen von Ordnung dient, so daß von der Zugehörigkeit zu einer Rasse als einem objektiven Sachverhalt nur unter der Voraussetzung einer subjektiven Auswahl und Bewertung der Definitionsmerkmale gesprochen werden kann. Rassen sind für den Rassismus vielmehr das, was man manchmal „natürliche Entitäten“ nennt. Sie sind, meint man, völlig beobachterunabhängig vorhanden. Jemand gehört der Rasse R an, daran läßt sich nichts ändern dadurch, daß man eine Definition dieser Rasse wählt, durch die er dann aus dieser Rasse hinausdefiniert wird oder es diese Rasse R gar nicht mehr gibt. Man hat vielmehr die richtige, d. h. die der Natur, in der es eben bestimmte Rassen gibt, angemessene Definition der jeweiligen Rasse zu wählen.

Ich will hier nicht auf die Frage eingehen, ob überhaupt und wenn ja, in welchem Sinne und in welchen Fällen eine derartige Betrachtungsweise sinnvoll sein könnte. Im Falle der Rasse ist sie es jedenfalls nicht. Statt dessen will ich mit einigen Bemerkungen zum Begriff des Typs schließen. Denn das könnte vielleicht (a) verstehen helfen, was der Rassismus mit seiner „essentialistischen“ Sichtweise genauer meint und (b) warum es ihn nicht stört, wenn gegen ihn eingewandt wird, daß es keine klar abgegrenzten Menschenrassen (keine oder kaum Diskontinuitäten, keine große Variabilität zwischen den Gruppen, im Unterschied zur großen Variabilität innerhalb der Gruppen) gibt.

Zu einer Klasse (im Sinne der Logik und der Mengenlehre) gehört ein Individuum oder es gehört nicht dazu, je nachdem, ob es die definierten Merkmale hat oder nicht. Zu einem Typ aber gehört das Individuum mehr oder weniger. Ein „typischer Engländer“ oder ein „typischer Romantiker“ ist nicht jeder, der zur Klasse der Engländer (definiert etwa durch einen bestimmten Wohnsitz oder den Besitz eines bestimmten Personalausweises) oder der Romantiker (definiert z. B. durch Epochengrenzen oder durch das Vorkommen bestimmter Stilmerkmale in seinem Werk) gehört, sondern nur der, der bestimmte „markante“ Eigenschaften hat, und zudem möglichst viele und in hoher Ausprägung. Die meisten Engländer usw. haben diese Eigenschaften nur mehr oder weniger oder auch gar nicht. Die Rassisten benutzen den Begriff Rasse im Sinne eines Typs, nicht einer Klasse. Man weiß, was einen typischen “Neger” ausmacht, auch wenn es allmähliche Übergänge zu anderen Rassen gibt. Der Einwand des Fehlens klaren Grenzen berührt sie darum überhaupt nicht.

Biologen gebrauchen den Begriff Rasse manchmal im Sinne einer Klasse, manchmal aber auch im Sinne eines Typs, ohne deswegen rassistisch sein zu müssen. Entscheidend ist, ob sie den Begriff des Typs in einem essentialistischen Sinn benutzen, und das tun sie heutzutage kaum mehr. Wie beim Idealtyp Max Webers wird der Typ vom Wissenschaftler gebildet unter einer bestimmten Frage, indem er bestimmte Eigenschaften auswählt, damit andere wegläßt, manche hoch bewertet usw. Es steckt nicht die Behauptung dahinter, daß es diesen Typ als eine beobachterunabhängige Wesenheit gibt. Es ist wie beim typischen Engländer: Was ein typischer Engländer ist, das steht für den, der diesen Begriff gebraucht, unverrückbar fest, und er streitet mit anderen darüber, die eine falsche Vorstellung davon haben. Für einen anderen ist das ein wirklichkeitsfernes Klischee; er würde auf die Frage, was hier typisch sei, eine ganz andere Antwort geben. Ein Wissenschaftler aber, der den Begriff des Typs gebraucht, weiß um die Fragestellungsabhängigkeit der „markanten“ Eigenschaften.

Ich habe damit noch nicht beantwortet, was ein rassistischer Rassebegriff ist, es gehört noch erheblich mehr dazu als das bisher Ausgeführte. Das betrifft vor allem die Frage, was den unterschiedlichen Rang der Rassen ausmacht und was ihre Einheit, die „Rassegemeinschaft“, ausmacht. Dazu habe ich in dem Beitrag „Biologismus Rassismus Ökologismus“ einige Bemerkungen bemacht. Hier ging es mir nur darum, ob es für die Biologie Menschenrassen gibt und wenn ja, in welchem Sinn es sie gibt.

 

Literatur:

Willmann, R. (1985): Die Art in Raum und Zeit. Das Artkonzept in der Biologie und Paläontologie. Parey, Berlin, Hamburg.

Trepl, Ludwig (2007): Allgemeine Ökologie Band 2: Population. Peter Lang, Frankfurt am Main usw.

 

Blogartikel mit Bezug zum Thema: 1, 2, 3, 4, 5


[1] Frieder Otto Wolf ist Philosoph, Honorarprofessor an der FU Berlin, war Europa-Abgeordneter der Grünen und ist Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, einer Vereinigung bekennender Atheisten. Er hat sich nicht zuletzt als Herausgeber der Schriften Louis Althussers verdient gemacht.

[2] Oft wird die Klasse unterhalb der Artebene Unterart genannt und erst die Klasse unterhalb der Unterart-Ebene Rasse, aber das ist reine Konvention und tut nichts zur Sache.

[3] Genaueres dazu: Willmann 1985 und S. 128-175 in Trepl 2007.

 

Veröffentlicht von

Ich habe von 1969-1973 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der FU Berlin Biologie studiert. Von 1994 bis zu meiner Emeritierung im Jahre 2011 war ich Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsökologie der Technischen Universität München. Nach meinem Studium war ich zehn Jahre lang ausschließlich in der empirischen Forschung (Geobotanik, Vegetationsökologie) tätig, dann habe ich mich vor allem mit Theorie und Geschichte der Ökologie befaßt, aber auch – besonders im Zusammenhang mit der Ausbildung von Landschaftsplanern und Landschaftsarchitekten – mit der Idee der Landschaft. Ludwig Trepl

16 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein kluger Beitrag, der die Verwirrung, die sich um diesen schillernden Begriff dreht, potentiell verändern könnte. Potentiell, weil es mich nicht wundern würde, wenn er in “beide” Richtungen falsch verstanden werden würde.

    Das skurrile am rassistischen Rassenbegriff ist ja gerade, dass er bei aller Rhetorik letztlich nie biologisch gewesen ist. Für den deutschen Raum zumindest muss man den Ursprung mehr in der Volksgeistlehre sehen, die nun unter den Vorzeichen eines positivistischen Impetus zur Rassenlehre avancierte. Die meisten Rassisten wussten bei der fast zwingenden Konfrontation von Nation und Rasse freilich ja auch, wo ihr eigentlicher Schwerpunkt lag…

  2. Rasse und Ethnie als Teil des US-Census

    Die US-Volkszählungs-Fragebögen fragen nach der Rasse- und Ethnien-Zugehörigkeit wobei die Befragten sich selber zuteilen müssen.

    Die Auswahlmöglichkeiten haben sich im Laufe der Zeit etwas geändert und im Jahre 2000 war es gar möglich sich mehreren Rassen zuzuordnen.
    Die Frage welche sie auf die Ethnie bezog bot im Jahr 2000 unter der Frage
    Ist die Person spanisch/hispanisch/latino?
    folgendes zur Auswahl:
    – Nein, nicht spanisch/hispanisch/latino
    – Ja, mexikanisch, mexikanisch-amerikanisch, Chicano
    – Ja, puertorikanisch
    – ja, kubanisch
    – Ja, anders spanisch/hispanisch/latino (Gruppe benennen

    Bezüglich Rasse konnten unter der Frage Welche ist die „Rasse“ der Person? mehrere Elemente aus folgender Liste ausgewählt werden:
    Weißer, Schwarzer oder Afro-Amerikaner, Indigene Amerikaner (Stamm benennen), Asiatischer Inder, Chinese, Filipino, Japaner, Koreaner, Vietnamese, Hawaiier
    Guamer oder Chamorro,Samoer, Andere Pacific Islander (benennen), Andere „Rasse“ (benennen)

    Das es sich um einen Selbstzuteilung handelt, ist dieses Verfahren nicht eine biologische Rassenbestimmung.
    Ein Beispiel zu den Resultaten: von denjenigen, die sich der Rasse “Schwarze oder Afro-Amerikaner (B)” zugeteilt haben, bezeichneten sich 710’353 als der Ethnie “Hispano oder Latino” zugehörig und 33’947’837 einer anderen Ethnie zugehörig.

    Eine Zuteilung zur Rasse “Schwarze oder Afro-Amerikaner (B)” wird vor allem denen leicht fallen – denke ich mir -, die an der schwarzen und afro-amerikanischer Kultur in den USA teilhaben, also an “schwarzer Musik” oder “afro-amerikanischer Literatur”, welche sich im 20. Jahrhundert vor allem mit der Diskrimination und Segregation beschäftigte und die heute noch Exponenten wie Toni Morrisson hat.

  3. Danke für den anregenden Beitrag.

    Die Formulierungen sind etwas kryptisch. Gemeint ist sicher einfach: Rassen gibt es nach Auffassung der heutigen Biologie bei Homo sapiens nicht. Diese Behauptung findet man an zahllosen Stellen im Internet und in Zeitungen. Sogar unter Biologen trifft man sie an. Sie ist aber falsch.

    Was ist falsch an dieser Behauptung? Mir sind keine biologisch definierten Menschenrassen bekannt.

    Wenn man von Biologen hört, daß es keine Menschenrassen gibt, dann ist manchmal eben dies gemeint: Die Definition einer jeden Rasse beruht auf prinzipiell willkürlichen Entscheidungen.

    Richtig, Rassen sind keine biologischen Entitäten, aber das müsste Biologen und Anthropologen ja nicht hindern, vier, fünf, sechs oder sieben Rassen oder Unterarten nach irgendwelchen Kriterien zu definieren.

    Manchmal ist aber auch etwas anderes gemeint, nämlich folgendes: Homo sapiens ist eine genetisch ziemlich homogene Spezies, die verschiedenen Untergruppen, die man bilden kann, unterscheiden sich nur wenig voneinander.

    Ja, das kommt noch hinzu, dass die Zeit für eine „ordentliche“ Rassenbildung etwas zu kurz war. Deshalb kann man auch keine richtigen, d.h. biologisch sinnvollen Untergruppen bilden.

    Kurz, man könnte Menschenrassen definieren, wenn es das biologische Material hergäbe, aber die Verhältnisse sind (leider ;-)) nicht so.

    Insofern ist der Blog-Titel meiner Ansicht nach doch ein wenig irreführend.

  4. @ Martin Holzherr

    Die Einteilung der Menschen in irgendwelche Gruppen gemäß dem, was ihre wesentliche Identität ausmacht, gibt es ja überall. Daß man diese Gruppen Rassen nannte und darunter biologische Einheiten verstand, so daß man einer Gruppe, in die man hineingeboren worden war, nicht mehr beispielsweise durch Anschluß an eine andere Kultur oder durch Religionswechsel entkommen konnte, hat sich im 18/19. Jahrhundert herausgebildet. Die vorigen Vorstellungen von Gruppenzugehörigkeiten, die sich im wesentlichen auf so etwas wie einen „Volksgeist“ bezogen (der „Nationen“ oder kulturellen/sprachlichen Einheiten zugeschrieben worden war), wurden in den Rassismus eingeschmolzen. So könnte es sich erklären, daß biologisch gar nicht abgrenzbare Gruppen wie Koreaner in einer extrem rassistisch denkenden Gesellschaft wie der US-amerikanischen zu einer Rasse wurden mit einem bestimmten Rassegeist, andererseits wirklich biologisch (nämlich über die biologische Abstammung, wenigstens der Absicht nach) definierte Individuen wie „Mulatten“ und „Mestizen“ auch mit einem kollektivem Rassegeist versehen wurden. (Das kann man in jedem Trivialroman des späteren 19. Und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachlesen.)

    Vielleicht spielt aber bei diesen merkwürdigen Listen, in denen rassistische und andere Einteilungen so wild durcheinandergehen, auch eine Rolle, daß „race“ nicht einfach mit Rasse zu übersetzen ist. Es gibt im Englischen die „human race“; das kann man nicht mit „menschliche Rasse“ übersetzen, denn im Deutschen ist das Wort Rasse seit dem späten 19. Jahrhundert ganz klar vom biologischen Sprachgebrauch geprägt (auch wenn im Jargon der politisch Korrekten „rassistisch“ sich neuerdings davon fast völlig losgelöst hat). Man müßte also von „Art“ reden, wenn Homo sapiens gemeint ist. Das heißt: Die Amerikaner meinen in manchen Fällen dieser Liste vielleicht gar nicht Rasse, wenn sie „race“ sagen.

  5. Tabusierung

    Politisch gefragt: Könnte man das sinnvollerweise tabusierien, ginge das, welche sozialen Kosten würden entstehen, wenn man nicht derart unterscheidet?

    Oder gibt es Anwendungen?

    MFG
    Dr. Webbaer (der schon verstanden hat, dass die Feststellung wie im Artikel beschrieben nicht zum Rass-Ismus einladen oder führen muss)

  6. @ Balanus

    „Mir sind keine biologisch definierten Menschenrassen bekannt.“

    Jede Menge gibt es. Wenn in biologischen Texten die „alltagssprachlichen“ Rassen („Schwarze“, „Weiße“) benutzt werden, und das kommt ja vor, dann sind das biologisch definierte Menschenrassen: Man wählt bestimmte biologische Eigenschaften aus, bewertet sie und macht sie zum Prinzip einer Klassifizierung oder Typisierung; in diesem Fall wählt man so aus, wie in der Gesellschaft üblich, und das ist eben biologisch, denn darin besteht ja die rassistische Ideologie der Gesellschaft, die eine Einteilung in diese Rassen wichtig erscheinen läßt. Die Biologen, die von diesen Rassen sprechen, machen nichts, was nicht in der Biologie Platz hätte. Sie gehen methodisch nicht anders vor als bei der Bildung von Arten mittels morphologischer Merkmale: Man wählt irgendwelche Eigenschaften aus, die einem auffallen. Man kann alle braunen Tiere Art A nennen und den ganzen Rest Art B, das ist durchaus zulässig als „biologische Definition“.
    Doch Sie scheinen zu meinen, daß „biologisch definiert“ nicht nur „bisch zulässig“, sondern auch „biologisch sinnvoll“ bedeuten muß und man darum nicht irgendwelche Eigenschaften auswählen darf. Etwa so wie in der Geschichte der Einteilung der Lebewesen in Arten: Da hat man zuerst, um der (immer erlaubten) Beliebigkeit vorzubeugen, vor allem eine große funktionale Bedeutung des ausgewählten Merkmals gefordert, später sollten die Merkmale dem Abstammungszusammenhang entsprechen; beides ist „biologisch wichtig“. Meinen Sie, daß eines von beiden oder beides auch bei den biologischen Menschenrassen der Fall sein sollte? Dieses Zitat scheint mir dafür zu sprechen:
    „Deshalb [weil die Zeit für eine ‚ordentliche’ Rassenbildung zu kurz war] kann man auch keine richtigen, d.h. biologisch sinnvollen Untergruppen bilden. (Kurz, man könnte Menschenrassen definieren, wenn es das biologische Material hergäbe, aber die Verhältnisse sind (leider ;-)) nicht so.“

    Aber was ist denn eine „biologisch sinnvolle Untergruppe“? „Sinnvoll“ bezieht sich hier immer auf eine bestimmte Frage, neben der viele andere Fragen möglich sind. Wenn sich eine einzige erbliche Eigenschaft herausgebildet hat, die ein bestimmtes biologisches Problem löst (z. B. Sonnenschutz), eventuell mehrmals unabhängig voneinander, dann ist es nicht nur möglich, sondern auch biologisch sinnvoll, die (eventuell gar nicht verwandten) Träger dieser Eigenschaft einer Rasse zuzuzählen. Wenn eine Gruppe von relativ eng verwandten Menschen relativ isoliert von anderen in einem bestimmten Gebiet lebt und verwandtschaftlich bedingt wie auch selektionsbedingt einige wenge gemeinsame erbliche Eigenschaften ausgebildet hat – es müssen nicht streng differenzierende Eigenschaften sein, es reicht, wenn es eine gewisse Häufung gibt –, dann kann man die auch biologisch sinnvoll eine Rasse nennen.

    Wollen Sie etwa auf etwas Ähnliches hinaus wie Frieder Wolf: daß es bei Menschen keine derart drastischen, sich „aufdrängenden“ Unterschiede gibt wie bei den Haushunden, und keine auffällig scharfen Grenzen? Doch man kann nicht nur – was sich „aufdrängt“ – Schäferhunde und Dackel unterscheiden, sondern auch Rauh-, Lang- und Kurzhaardackel, und jede dieser Rassen kann man prinzipiell nach Belieben weiter unterteilen, nach Merkmalen, die sich gar nicht mehr aufdrängen, und so könnte man es auch mit Menschen machen. Man kann die Einteilung immer weiter verfeinern, und welche Merkmale man auswählt (ob nun bei Dackeln die Haarlänge und bei Menschen die Haarform – oder ganz etwas anderes aus einem unendlich großem Angebot), hängt, wenn man nicht einfach nach dem Zufallsprinzip verfahren will (wie es im Falle von Arten die „numerische Taxonomie“ beansprucht), von der Fragestellung ab, und da gibt es auch beliebig viele.
    Das heißt: Man wird die Subjektivität nicht los. Auch die „biologisch sinnvollen“ Untergruppen sind keine „natürlichen Entitäten“ in dem Sinne, wie man sich das einst bei den Versuchen einer „natürlichen Klassifikation“ vorgestellt hat, sondern allenfalls vor dem Hintergrund momentan für wichtig gehaltener biologischer Fragen sinnvolle Untergruppen.

  7. Menschenrassen in der Biologie /@Ludwig

    »Man wird die Subjektivität nicht los. Auch die „biologisch sinnvollen“ Untergruppen sind keine „natürlichen Entitäten“ in dem Sinne, wie man sich das einst bei den Versuchen einer „natürlichen Klassifikation“ vorgestellt hat, sondern allenfalls vor dem Hintergrund momentan für wichtig gehaltener biologischer Fragen sinnvolle Untergruppen.«

    Ja sicher, die weitere Unterteilung einer Art in Subspezies (oder Rassen) ist selten zwingend, zu einem guten Teil subjektiv und geschieht primär aus praktischen Gründen, damit man (meist der Biologe) zum Beispiel die Nordische Hausmaus (Mus musculus musculus) von der Westlichen Hausmaus (M. m. domesticus) unterscheiden kann. Für manche Fragestellungen sind solche Unterscheidungen wohl von Bedeutung. Das meinte ich mit „biologisch definiert“ bzw. „biologisch sinnvoll“.

    Wenn man also die Biospezies Mensch nun in gleicher Weise untergliedern könnte wie z. B. die Hausmaus, könnte man die Unterarten oder Rassen entsprechend benennen (Homo sapiens norvegicus,, H. s. negroides, oder wie auch immer) und in biologischen Lehrbüchern beschreiben. Aber was bei vielen Biospezies möglich ist und auch getan wird, gelingt offenbar nicht in befriedigender Weise mit der Biospezies Mensch, trotz aller Bemühungen.

    »Wenn eine Gruppe von relativ eng verwandten Menschen relativ isoliert von anderen in einem bestimmten Gebiet lebt und verwandtschaftlich bedingt wie auch selektionsbedingt einige wenge gemeinsame erbliche Eigenschaften ausgebildet hat – es müssen nicht streng differenzierende Eigenschaften sein, es reicht, wenn es eine gewisse Häufung gibt –, dann kann man die auch biologisch sinnvoll eine Rasse nennen.«

    Wenn die genannten Voraussetzungen erfüllt wären, dann ja. Aber genau das scheint beim Menschen (im Gegensatz zur Hausmaus) nicht der Fall zu sein. Zumindest kenne ich keine Literatur, die zu einem anderen Ergebnis gekommen wäre. Es gibt beim Menschen offenbar keine evolutionären Abstammungslinien, die lange genug genetisch voneinander isoliert gewesen wären, um sinnvoll von der Aufspaltung der Art in Unterarten sprechen zu können. Und solche distinkten Abstammungslinien werden heute doch meist als Voraussetzung für die Definition von Unterarten angesehen, oder bin ich da falsch informiert?

  8. … doch hoffentlich nicht

    tja,
    wenn ich meine Erinnerung an die zoologische Systematik nicht dürbt, gibt es keine Tier-Rassen, sondern: Arten/Species, Unterarten/Supspec. Und da der Mensch als Säugetier der zoologischen Systematik unterliegt, gibts keine Menschenrasse.
    Gut so, denn Rassen sind gezüchtet: also die Holstein Friesian, Hannoveraner (welch doppeldeutigkeit) und Dt. Schäferhunde. Zwar wäre die Züchtung einer willigen Hausdienerrasse sicherlich ein gutes Geschäft, jedoch … .

    Wenn also auch keine Rasse und keine ssp. gibt’s die Unterschiede, die nicht nur wie zwischen Bayern und anderen Deutschen kultureller Natur, sondern auch biologisch sind, quasi im doppelten Wortsinne habituell.
    Der Rassismus erkuriert darauf, da zumindest historisch die anders Aussehenden eine andere Kultur hatten. Kultur und “Abstammungsgemeinschaft” (um mit diesem Wortungetüm die fehlende Begrifflichkeit zu umgehen) konnten also diffamierend zusammen geworfen werden. Und haben nicht frühe Völkerkundler (um sie von den Ethnologen zu unterscheiden) die Kultur der Völker als typisch für die “Rasse” gesehen wurde.
    Nun mit der “Globalisierung”, wie’s heute so schon heißt, hat keine Ökonomie und damit keine Kultur neben der westlichen dauerhaft Bestand und die unterschiedlichen “Abstammungsgemeinschaft” werden wohl auf lange Sicht vögelnd durchmischt (auch wenn sich widerständische Subgruppen im Versuch ihre Kultur zu erhalten dagegen sperren wollen). Was wiederum zeigt, das der Homo sap. eine Art ist (den diese ist hierdurch definiert) und das alle Unterschiede wie immer man sie auch nennen mag völlig unerheblich sind – es sei den, man züchte eine Dienerrasse.

    Oh Scheck,
    da fällt mir doch ein, daß im Faschismus tatsächlich versucht wurde eine Herrnrasse zu züchten. DAS wäre eine richtige Rasse gewesen (im Gegensatz zu den “Abstammungsgemeinschaften”) – Und sie stünde auf einer Ebene mit z.B. der Thüringer Landziege.

  9. Ob man Unterart sagt oder Varietät oder Rasse, und wozu man das für Einheiten unterhalb der Artebene sagt, ist eine rein terminologische Frage. Manche Biologen sagen halt Rasse, manche nicht, und es gibt auch keinen Konsens unter den Biologen, daß man Rasse nur im Falle von Züchtung sagen darf. Und selbst wenn es den gäbe, wäre es für die Sache völlig unerheblich. In welchem Sinne es Rassen gibt und in welchem nicht, habe ich dargelegt, dazu müßten Sie Stellung nehmen, wenn Sie argumentieren wollen, daß es Rassen nicht “gibt”.
    Ich habe auch dargelegt, daß “Abstammungsgemeinschaft” kein Synonym für das ist, was die Rassisten und die Alltagssprache mit “Rasse” meinen, Sie können es also nicht an Stelle dieses Wortes verwenden.

    “Der Rassismus rekuriert darauf, da zumindest historisch die anders Aussehenden eine andere Kultur hatten.”

    Das hat man aber erst im 18./19. Jahrhundert gemerkt bzw. sich ausgedacht. Erst dann hat man z.B. entdeckt, daß die “Wilden” und “Heiden” in Amerika eine andere Hautfarbe haben als die Europäer. Ums Mittelmeer herum lebten Menschen mit sehr verschiedenen biologischen Merkmalen, sehr schwarze und sehr weiße, also Merkmalen, die man nicht übersehen kann, aber für völlig unerheblich halten; ihre Kultur war lange Zeit ziemlich gleich. Ähnlich in Indien und China.

    “Und haben nicht frühe Völkerkundler (um sie von den Ethnologen zu unterscheiden) die Kultur der Völker als typisch für die “Rasse” gesehen …”.

    Noch frühere “Völkerkundler” aber nicht, denn daß die Menschen sich in Rassen aufteilen, hat man, auch wenn man den Unterschied zwischen schwarz und weiß schon immer gesehen hat, erst vor etwa 250 Jahren erfunden.

    “Wenn also auch keine Rasse und keine ssp. gibt’s die Unterschiede, die nicht nur wie zwischen Bayern und anderen Deutschen kultureller Natur, sondern auch biologisch sind, quasi im doppelten Wortsinne habituell.”

    Das verstehe ich nicht.

  10. 1. biologische Fakten 2.???

    1. Faktum: Es gibt so etwas wie Rassen bezogen auf den heutigen Menschen nicht! Nur weil dieser Begriff “Menschenrassen” von irgendwelchen Europäern in die Welt gesetzt wurde (damalige Amerikane [natürlich die Einwanderer] Inbegriff), spricht in der heutigen Zeit jede Person davon. Prinzip ist das selbe wie mit der Furcht vor etwas, wird man ab einer Phase in seiner Kindheit von Informationen und Erfahrungen anderer bombadiert, so befindet man sich im gesellschaftlichen Gefüge. In meiner Kindheit hat so etwas nicht mal annähernd eine elementare Rolle gespielt. Bei einer ostasiatischen Mama und einem deutschen Vater bin ich in meinem Heimatland sehr schön zurecht gekommen. Nach der Bestrahlung von Informationen (westlicher Einfluss) konnte/kann ich mich nur darüber ärgern. Das sich menschen, laut einer französischen Studie aus dem !21. Jahrhunder!,sollen sich verschiedene Völker zu mehr als 99% ähneln, um es präzise zu formulieren, identisch sind, gibt es aus biologischer Sicht keine Rassen.
    2. Menschen unterscheiden sich lediglich aus meiner Sicht in Ihren moralischen Werten und deren Willensbildung. Nur von den inneren Werten, unabhängig von Kultur, (Religion),etc..
    Selbst bei dem Wort ,,Rassissmus” kriege ich schon ein unangenehmes Gefühl.Wörtlich ergibt es, wenn man sich nach meiner Meinung richtet, keinen Sinn. Die Bedeutung liegt lediglich im übertragenen Sinne.
    Der Wortstamm an sich wird eigentlich nur von Menschen benutzt die sich von anderen hervorheben wollen (oder wegen Unwissenheit..(>_

  11. @ Aichan Wunder

    Sie haben ganz offensichtlich nicht den Artikel, sondern nur die Überschrift gelesen. Sonst hätten Sie bemerkt, daß ich nichts von dem bestreite, was Sie meinen, mir entgegnen zu müssen, vielmehr ungefähr das gleiche behaupte. Solche Kommentare sind nur ärgerlich, ich überlege, ob sich sie nicht gleich lösche.

  12. Sag ich doch! Aber schlimmer als der oftmal vermeintliche “Rassismus” ist die forgeheuchelte Toleranz(z.B. schaltet den Fernseher ein und dann auf Tele5)

  13. Pingback:Rassismus ohne Rasse › Landschaft & Oekologie › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  14. Ich denke schon, dass der Rassist im allgemeinen eine objektive Definition von ‘Rasse’ im Sinn hat.

    Anderes Thema, aber es geht auch um Einteilungen:
    Gibt es ein objektives biologisches Merkmal, das den Homo Sapiens von anderen Spezies unterscheidet, oder ist diese Unterscheidung ebenfalls willkürlich gezogen?

    • Jein.

      Nein, weil die Artgrenze immer einer gewissen Willkür unterliegt: such das erste Individuum, das “schon H.sapiens und nicht mehr H.ergaster” war – du wirst es nicht finden.

      Ja, weil es Definitionskriterium für den Artbegriff ist. Im Fachjargon “Arten haben Autapomorphien” – für die Art charakteristische evolutionäre Veränderungen gegenüber ihren Vorfahren. In der Praxis ist es fast immer nicht ein Merkmal, sondern mehrere. Für H.sapiens wäre das die Kombination aus von Neandertalern abweichender Schädelform und grazilerem Körperbau. Hinzu kommt eine zumindest teilweise reproduktive Isolation, also daß die Fähigkeit, fruchtbare Nachkommen mit anderen Arten zu zeugen, eingeschränkt oder Null ist.

      Zum Artikel: mit Verlaub, man merkt dem Autor sein Alter an. Seine Professoren haben ihrerseits Biologie noch vor Abschluß der Evolutionären Synthese studiert, und populationsgenetisch (und in Populationsgenetik firm zu sein ist conditio sine qua non, wenn wir über Rassen reden) ist das Ganze an den entscheidenden Stellen ziemlich schwach.

      Das zentrale Problem des Begriffs “Rasse” wird nur am Rand angesprochen – nämlich die Mehrdeutigkeit über taxonomische Ebenen hinweg. Wer Science Fiction kennt, kennt den Begriff der “außerirdischen Rasse” – korrekt wäre “Art”. Hunde”rassen” andererseits sind keine Unterarten, sondern Zuchtformen (in der Botanik stringent definiert und als “Kultivare” bezeichnet; in der Zoologie ein informelles Konzept). Wissenschaft bedarf aber möglichst exakter Begriffsdefinitionen, und ein Gummiwort wie “Rasse” ist unwissenschaftlich; man kann es drehen und wenden wie man will.

      Wie sind nun Unterarten definierbar, wenn man den heutigen Stand der Biologie betrachtet? Über 2+1+1 Kriterien: ökologische und/oder geographische Abgrenzbarkeit, plus charakteristische Apomorphien, plus weitestgehende Abwesenheit von grundsätzlicher reproduktiver Isolation. Also über eine umweltbedingte Einschränkung des Genflusses zwischen den als Unterarten angesehenen Populationen, die aber noch nicht zu dessen unbedingtem Versiegen geführt hat, und das eventuell auch nie tun wird (siehe unten).

      Zwei Beispiele:
      Auf der Pazifikinsel Guadalupe nisten 2 oder 3 Populationen des Wellenläufers (Oceanodroma leucorhoa), die – wobei die Situation noch nicht abschließend geklärt ist – als 2 oder 3 Unterarten (“Rassen”) betrachtet werden: O.l.cheimomnestes brütet im Winter; die im Sommer und Herbst brütende Population ist O.l.socorroensis, wobei es hier sich eventuell um 2 Unterarten (Sommer- und Herbstbrut) handelt und O.l.kaedingi als dritte Unterart anzuerkennen wäre. (Die im Frühling brütende Population ist ausgestorben; sie war vermutlich bereits eine eigenständige Art O.macrodactyla, deren Vorfahren die Insel vor den heute noch existenten Populationen besiedelt hatten)
      Zwar wären diese 2-3 “Rassen” vermutlich in der Lage, sich uneingeschränkt miteinander fortzupflanzen, aber die ökologischen Gegebenheiten verhindern das. Im Laufe der Zeit werden sie sich vermutlich zu eigenständigen Arten entwickeln, denn der Genfluß ist bereits faktisch versiegt, allerdings nur durch externe Faktoren. Außerhalb der Brutzeit wandert die Art weit entfernt von der Insel umher, und die zeitliche Staffelung erlaubt eine effizientere Nutzung der Ressourcen (Nisthöhlen und Nahrung). Individuen, die zu früh oder zu spät auf der Insel eintreffen, könnten also durchaus in die jeweils andere Unterart absorbiert werden.

      Der Buchfink (Fringilla coelebs) ist in fast ganz Europa und umliegenden Gebieten häufig. Und nahezu jede hinreichend große ökologische Insel hat eine eigene Unterart. (Eine ökologische Insel ist nicht zwingend durch Meer isoliert, sondern durch jegliches von für die betreffende Art unbewohnbarem Habitat – Wasser, Wüste, Hochgebirge bzw bei Gebirgsarten Flachland.)
      So haben wir neben dem mitteleuropäischen F.c.coelebs den iberisch-balearischen F.c.balearica, den britischen F.c.gengleri, den vor kurzem erst als eigenständig erkannten F.c.harterti aus den fruchtbaren Gebieten der Cyrenaika, etc.
      Innerhalb von jeder größeren Buchfinken-Unterart gibt es jedoch Gruppen, die sich durch unterschiedlichen Gesang kennzeichnen. So haben norddeutsche F.c.coelebs einen anderen “Dialekt” als westfranzösische, süddeutsche, polnische, etc. Sie können sich alle untereinander paaren, aber in der Regel bevorzugen sie Partnerinnen aus derselben Dialektgruppe. Jedoch sind diese Dialektgruppen nicht voneinander isoliert, sondern es gibt Übergangsgebiete, in denen der Gesang Elemente der beiden aneinandergrenzenden Dialekte hat.

      Bei O.leucorhoa haben wir es also mit Unterarten zu tun, die auf dem Weg zur Art sind, bei F.c.coelebs mit Lokalformen innerhalb von Unterarten, die auf dem Weg zur Unterart sind… oder eben nicht: da die Populationen zwar faktisch isoliert sind, aber nicht theoretisch – würde man sie zusammenbringen, könnten sie sich ohne signifikante Einschränkungen fortpflanzen -, ist auch der umgekehrte Weg möglich: das Entstehen einer intermediären Population, die in Konsequenz zu einem nahtlosen Übergang zwischen den vorher getrennten Populationen führt:

      Der Fischadler (Pandion haliaetus) ist unter anderem von der Ostsee bis nach China verbreitet. Und vergleicht man skandinavische Fischadler mit chinesischen, wird man leichte Unterschiede in Farbe und Größe feststellen. Aber: die dazwischenlebenden Fischadler bilden einen nahtlosen Übergang zwischen diesen beiden Extremen. Der Genfluß zwischen den Populationen an den Enden des Verbreitungsgebiets ist stark genug, um keine klar abgrenzbaren Subpopulationen enstehen zu lassen. In diesem Fall spricht man von einer “Kline” oder “klinalen Variation”; alle Fischadler zwischen Ostsee und China gehören zur selben “Rasse” P.h.haliaetus. Wir müssen davon ausgehen, daß in der letzten Eiszeit diese heute zusammenhängende Population in 2-3 Teile fragmentiert war (Osteuropa, Südsibirien, Ostchina), aber sie ist anschließend wieder zu einer einzigen geworden.

      Und dieser absolut zentrale Schlüsselbegriff “Kline/klinal” fehlt im Artikel völlig! Selbst “Übergang” taucht nur einmal auf, im Zusammenhang mit typologischem Denken bei Rassisten. Typologisches Denken ist aber so oder so ein Kardinalfehler in der Biologie; in solchen Begriffen “denken” nur Kreationisten! Der Hauptverdienst von Darwin und Wallace war ja, herauszuarbeiten, daß es und warum es im Reich des Lebendigen keine unabänderlichen Typen gibt und auch nicht geben kann.
      Bergmanns Regel ist das trivialste Beispiel für eine Kline: aufgrund simpler physikalischer Gegebenheiten sind bei gleichwarmen Tieren die polnäheren Individuen einer ausgedehnten Population in der Regel größer und schwerer als die äquatornäheren. Denn “größer und schwerer” bedeutet in diesem Fall: weniger Wärmeabstrahlung – d.h. Energieverlust – pro Körpermasse. Dazu bedarf es keiner komplizierten Mechanismen, es ist simpelste und direkteste natürliche Selektion: die Umgebungstemperatur drückt der Population – egal wie diese sich zusammensetzt – ihren Stempel auf.

      Wir müssen uns also bei der Klassifizierung von Gruppen unterscheidbarer Individuen derselben Art die Frage stellen: Unterart oder Kline? Und hier scheitert der Artikel komplett. Es wird lang und breit über “Rasse” geredet, aber die Alternativoption wird nur in einem Nebensatz indirekt erwähnt. Dadurch entsteht der Eindruck, als ob die einzige Alternative zu “Rassen” eine monolithische homogene Masse wäre.

      Bei H.sapiens ist die Sache trivial. Wir sind eine hochgradig mobile und hochgradig klinale Art. Das Brasilien-Beispiel zeigt das sehr schön auf. Alle “Menschenrassen” vermischen sich, wo immer sie in Kontakt sind, ohne große Verzögerung. Auch kulturelle Tabus, selbst Strafandrohungen, können das nicht verhindern. Vermutlich gab es in der Frühzeit des H.sapiens, als die Gesamtpopulation der Menschheit relativ zu ihrem Verbreitungsgebiet sehr klein war, zumindest ansatzweise Unterarten, aber diese haben sich später zu Klinen aufgelöst.

      Und damit ist das Argument “Rasse/Unterart ist eine willkürliche aber immer mögliche Klassifizierung” widerlegt: bei einer klinalen Population ist dies eben nicht möglich, wenn man noch irgendwie wissenschaftlich bleiben will, denn man würde dann eine Isolation postulieren, die einfach nicht da ist.

      Würde man nun aber ums Verrecken “Menschenrassen” wissenschaftlich sauber klassifizieren wollen, ist das Ergebnis aus Sicht eines Rassisten ernüchternd:

      Als allererstes wären vermutlich die Bewohner von North Sentinel Island eine “Rasse”, und alle anderen Menschen eine andere. Von letzteren würde man vermutlich nach und nach irgendwelche isolierten Stämme im innersten Neuguinea oder Amazonien als “Rassen” abtrennen, vielleicht irgendwelche Khoisaniden, aber die Hauptmasse der Menschheit – und die Hauptmasse der angeblichen “Menschenrassen” – würde bis zum Schluß eine einzige “Rasse” bleiben müssen. Würden wir die klassischen Menschenrassen von Linnaeus (Weiße, Schwarze, Gelbe, Rote) wissenschaftlich sauber definieren wollen, hätten wir darin jeweils nur winzige Kernpopulationen, und der allergrößte Teil der Menschheit würde in ein Wirrwarr von buchstäblich tausenden “Rassen” zerfallen.

      Vor 100 Jahren war diese Vorgehensweise bei Schmetterlingsforschern sehr populär. Jede unbedeutende Lokalvariante wurde als eigene “Rasse” beschrieben. Hauptsächlich des Prestiges und Geldes wegen; “neue” Schmetterlingsarten und -unterarten waren bei Sammlern begehrt. Es gibt sogar einen Fachbegriff dafür: “Mihisucht”. Am Ende durchschaute kein Mensch mehr diesen taxonomischen Morast, deswegen wurde gründlich aufgeräumt. Schaut euch einfach mal an, wieviele “Rassen”, “Varietäten” und “Formen” für den schnöden Kleinen Kohlweißling aufgestellt und wieder einkassiert wurden, dann erkennt ihr das Problem: http://www.nic.funet.fi/pub/sci/bio/life/insecta/lepidoptera/ditrysia/papilionoidea/pieridae/pierinae/pieris/#brassicae

      tl;dr: Unterarten (“Rassen”) des Homo sapiens anzuerkennen, ist wissenschaftlich gesehen zumindest ganz schlechte fachliche Praxis (weil unparsimonisch), aber vermutlich aufgrund der weitgehend klinalen Verbreitungsmuster grob sachlich falsch.

      Und wem’s nicht paßt, der kann gerne zum Camp Mather fahren und da in den Wald pinkeln; vielleicht trifft er ja eine Stelle, wo ein Krümel von Dobzhanskys Asche gelandet ist. Die Populationsgenetik umwerfen wird er damit allerdings trotzdem nicht.

      Literatur? Versucht es mit einem beliebigen (Populations)Genetik-Fachlexikon. Klinale Verbreitungen sind ein wirklich elementares Konzept.

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