Virtuelle Schreib-Werkstatt #307

Schreib-Werkstätten waren 1979 in Deutschland nahezu unbekannt, als ich meine erste duchführte. Inzwischen gibt es jedes Jahr schätzungsweise an die tausend, mindestens. Da treffen sich jeweils einige Leute und schreiben miteinander. Was aber kann man sich unter einer Virtuellen Schreib-Werkstatt vorstellen?

Seit Samstag, den 18. Nov 2006, 10.00 h gibt es eine ganz neue Art von Schreibwerkstatt. Sie existiert nur im Internet, erzielt jedoch ganz reale Ergebnisse bei Ihnen, wenn Sie dabei mitmachen: diese Virtuelle Schreib-Werkstatt. Sie besteht, wie die Bezeichnung schon andeutet, nicht in der greifbaren Wirklichkeit, sondern nur in einer gedachten Realität oder, wie das heutzutage so ist, im Internet. Sie könnte also eigentlich auch so etwas wie ein Roman sein, wie der neue von Joanne K. Rowling. Nur dass Sie selbst, zumindest bei sich zuhause und für sich, ganz real existieren und schreiben.

Mit anderen Worten: Man schreibt in der Virtuelle Schreib-Werkstatt zwar gemeinsam und (meistens) auch an einem gemeinsamen Thema. Doch das ist auch schon alles an Gemeinsamkeit. Denn die Texte werden weder ausgetauscht noch gelesen, noch kommentiert. Man kennt sich nicht einmal – allenfalls als Namen auf der Teilnehmerliste.

Teilnehmerzahl: unbegrenzt (derzeit 75 in fünf Ländern – Stand 27. September 2012)
Einstieg: jederzeit möglich
Erste Sitzung: 18. November 2006
Zahl der bisherigen Schreibsitzungen: 306
Themen: Jeden Monat gibt es einen neuen Vorschlag (seit Oktober 2007)
Honorar: gratis

Was müssen Sie tun, wenn Sie bei der Virtuellen  mitmachen wollen?

Setzen Sie sich einfach am Samstag um 10:00 Uhr hin und schreiben Sie etwa bis 11:20 Uhr (oder so lange Sie möchten). Es steht Ihnen natürlich frei, irgendeinen anderen Zeitpunkt zu wählen. Aber die Vorstellung, dass – irgendwo in Europa – am Samstagvormittag von 10:00-11:30 Uhr – sich 75 Menschen zum Schreiben versammeln, ist schon sehr stimulierend. Das hilft einem, wie ich selbst seit etlichen Jahren deutlich merke, “bei der Stange zu bleiben”. Das trifft es recht gut, wenn man Stange jetzt mal frei und symbolisch mit Schreibstift übersetzt.

Außerdem verpflichtet man sich natürlich noch ein wenig mehr, wenn man sich in die Teilnehmer-Liste eintragen lässt: Einfach eine E-Mal an mich schicken, worin Sie eben dies zum Ausdruck bringen, an: “jvs@hyperwriting.de”. Weitere Details finden Sie in den F.A.Q. zur Virtuellen Schreib-Werkstatt.

Dies könnte die größte und längste Schreib-Werkstatt der Welt werden.

Bislang  machen, wie erwähnt, 75 Schreiberinnen und Schreiber aus 5 Ländern mit. Es fanden bereits 306 virtuelle Treffen statt. (Stand: 22. September 2012). Falls es Sie interessieren sollte: Hier finden Sie einige meiner persönlichen Erfahrungen mit der Virtuellen Schreib-Werkstatt.

Mein aktueller Themen-Vorschlag für kommenden Samstag, den 29. September 2012 (das 307. gemeinsame Schreiben) ist natürlich, wie anders möglich, das “Oktoberfest”. Ich werde zu diesem Zeitpunkt passenderweise meinen nächsten Blog-Beitrag verfassen und gleich posten.

Allgegenwart des Labyrinth-Mythos

Diese Rubrik wollte ich diesmal eigentlich ausfallen lassen. Nicht etwa, weil ich auf dem Oktoberfest war und meinen “Fetzen Rausch” ausschlafen müsste – oh nein. Ich lasse das, ohne jeden Grund, einfach mal weg. Dafür gibt es zum Thema “Labyrinth” im nächsten Beitrag Interessantes zu vermelden. Der wird, wie erwähnt, das Wies´n in München zum Thema haben. Den einen gilt sie als die “allergrößte Gaudi” und sie kommen wegen ihr sogar aus Südafrika und Neuseeland deshalb in die bayerische Landeshauptstatt – den anderen graust es allermeist davor. Sei dem wie dem sei: Bier wird allenthalben noch in Labyrinthen gebraut! Was übermorgen zu beweisen sein wird.

Ich traue mich wetten, dass auch im neuen Roman von Frau Rowling, (“The Casual Vacancy”) der Labyrinth-Mythos in irgendeiner Weise eine Rolle spielen wird. Ansonsten: Ich habe in den vergangenene Jahren, seit ich für diesem Blog schreibe, buchstäblich Hunderte von Clippings aus Zeitungen geschnitten, Hinweise exzerpiert und Notizen jedwelcher Art gesammelt, die mit dem Labyrinth-Motiv und -Mythos zu tun haben. Mein Archiv quillt davon über. Es wäre also nicht schwer, hier irgend etwas Labyrinthisches zu präsentieren. Aber ich habe lieber frische Zitate. Wetten, dass in der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung eines zu finden ist? Wäre doch ein passender Zufall!

(Fünf Stunden später:) Diese Wette ist gewonnen:

… das Okavango-Delta in Botswana […] Ein herrliches Labyrinth von Flussarmen, Seen und Sümpfen. Hier siedelt [der Regisseur] seine Geschichte an, die keinem vorgefertigten Drehbuch folgt.

Also dann – bis übermorgen – mit “Oans zwoa gsuffa” und “O´zapft is!”

Quellen
Gansera, Rainer: “Elementar” (Film-Rezension “Der Fluss war einst ein Mensch” von Jan Zabeil et al). In: Südd. Zeitung Nr. 224 von Donnerstag, 27. September 2012, S. 12 (Feuilleton)
Rowling, Joanne K.: Ein plötzlicher Todesfall (The Casual Vacancy). London 2012_Little Brown) Hamburg 2012 (Carlsen Verlag) ISBN 978-3-551-58888-3
Scheidt, Jürgen vom: Frequently asked Questions (FAQ) zur Virtuellen Schreib-Werkstatt”
Zabeil, Jan (Regie): Der Fluss war einst ein Mensch.

 

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blogs rein! Hilfreich sein könnten vor allem Willkommen im Labyrinth des Schreibens und die Zeittafel. Die wichtigsten Personen und Begriffe werden erläutert in Fünf Kreise von Figuren sowie im Register dieses Blogs.
Aktuelle Informationen zu meinen Schreib-Seminaren und der KALENDER dazu.

215/#816/1397 – BloXikon: Virtuelle Schreib-Werkstatt

"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

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