Kann man Licht “schmecken”?

Labyrinth des Schreibens

Dieser Film hat überhaupt nichts mit dem Labyrinth-Thema zu tun –
– wenn man mal davon absieht, dass jeder ordentliche Film einen Roten Faden benötigt und dass die erste Verliebtheit Jugendliche ganz schön ins Labyrinth resp. den Irrgarten ihrer eigenen Gefühle schmeißt. Aber wenn es der erste abendfüllende Spielfilm des eigenen Sohnes ist, darf man im eigenen Blog schon mal darüber berichten.

Der Rote Faden in Wie Licht schmeckt ist die Beziehung von Lukas zu dem blinden Mädchen Sonja – und was dann so alles passiert, wenn der eine nur mit den Augen sieht und die andere blind ist und entsprechend auf ihre sonstigen Sinnesorgane angewiesen ist.

Man könnte auch sagen: Der Ariadnefaden dieser bittersüßen Romanze ist eben dieses Schmecken von Licht. Zunächst möchte Lukas´ Mutter ihm in der Münchner Maximilianstraße am späten Nachmittag zeigen, wie toll dieses Licht ist, das man geradezu "schmecken" kann. Aber da will Lukas nichts von diesem Erwachsenen-Scheiß wissen. Erst als die beiden Tage, die er mit Sonja verbringt, ihm auch seine "anderen Augen" öffnen, versteht er, was die Mutter meinte – und zeigt nun seinerseits der Blinden dieses tolle Licht.


Abb. 1: Lukas zeigt der blinden Sonja in der Maximilianstraße, wie "Licht schmeckt" (Foto: Fabian Rösler)

Der Film basiert auf einem eindrucksvollen Roman von Friedrich Ani (der damit demonstriert, dass er nicht nur sehr gute Krimis und Drehbücher für "Tatort"-Thriller schreiben kann). Maurus vom Scheidt und Stefan Knösel haben daraus das Drehbuch entwickelt. Als Vater kann ich den Film des eigenen Sohnes natürlich nicht gut öffentlich loben. Deshalb hier zwei  Empfehlungen aus Fernseh-Zeitschriften:

Zu seinem Geburtstag macht sich der 14-jährige Lukas (Leo Zirner) selbst das schönste Geschenk: Er haut von zuhause ab und erkundet seine Heimatstadt München. Dabei kreuzt die blinde Sonja (Anya Deubel) seinen Weg. Lukas ist von der selbstsicheren 17-jährigen sofort fasziniert. Sie treffen sich wieder – und werden Freunde… Erwachsen werden und erste Liebe – geschickt verwoben und poetisch geschildert; trotz kleiner Schwächen toll… Gute Jungstars in vielschichtiger Story.

Soweit die Zeitschrift TV Movie. Die Konkurrenz TV Spielfilm meint:

Teenagerdrama. Genervt von seiner Familie, streift Lukas (Leo Zirner, Sohn von August Zirner) an seinem 14. Geburtstag durch München. Er verliebt sich in die blinde Sonja… Poetischer Großstadtfilm. (TV-Spielfilm)


Abb. 2: Die beiden Hauptdarsteller Anya Deubel (links) und Leo Zirner (rechts) mit dem Autor Friedrich Ani (Foto: Fabian Rösler)

Mehr zum Film unter Wie Licht schmeckt.

Quellen:
Ani, Friedrich: Wie Licht schmeckt. München 2002 (Hanser) – München 2005 (dtv)

Scheidt, Maurus vom (Regie): Wie Licht schmeckt. Deutschland 2006 (Drehbuch: Maurus vom Scheidt und Stefan Knösel – nach Friedrich Ani -s.o. / Erste Ausstrahlung: Bayrisches Fernsehen, 4. Juni 2008)

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blogs rein! Hilfreich sein könnten vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog und die Zeittafel. Die wichtigsten Personen und Begriffe werden erläutert in Fünf Kreise von Figuren sowie im Register dieses Blogs.

"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

2 Kommentare

  1. wie licht schmeckt

    Am Anfang hat mich “Lukas” etwas genervt, aber der Film fängt irgendwann an sich zu entwickeln. Ob die Konstellation je so entstanden wäre bleibt dem Wohlwollen des Zuschauers überlassen. Aber der Film hat letztendlich doch gefallen. Auch wenn mich die Entwicklung nicht 100%ig überzeugt hat. Und so hat das letzte Viertel auch mich in Richtung meines “Vorredners” geführt.

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