absichtslos, Absichtslosigkeit

Labyrinth des Schreibens

Absichtlosigkeit ist ein Kernstück der zen-buddhistischen Meditation. In meiner Variante des Kreativen Schreibens (HyperWriting) ist sie der Einstieg in jeden längeren Schreibprozess.

(work in progress)

Für mich ist es zum Kernstück der Schreibens geworden, zumindest zu Beginn eienr Schreibsitzung erst einmal den  kreativen Prozess möglichst ohne Ziel und Zweck in Gang kommen zu lassen. In meinen Seminaren zum Creative Writing ist dies die wichtigste Übung, die ich den Teilnehmern vermittle. Mit ihr stimme ich sie darauf ein, sich dem kreativen Prozess der Einfälle anzuvertrauen.

Wenn man sich ein spezielles Thema vorgenommen hat, läuft dies im Hintergrund (gewissermaßen “im Hinterkopf”) ohnehin stets mit und gibt den Einfällen eine gewisse Richtung und Wertigkeit. Dennoch sollte man auch in diesem Fall zunächst einmal alles zulassen, was einfällt aus dem Vorbewussten oder Unbewusssten. Erst hinterher sollte man die Einfälle ordnen, beispielsweise mit Hilfe eines Clusters.

Sigmund Freud nannte diesen Vorgang Freie Assoziation. Sie ist im Grunde genommen einfach – und dennoch nicht leicht zu beherrschen. Weil es da nämlich gar nichts zu beherrschen gibt: Man soll die Einfälle, die kommen, nicht bewerten, keine zurückweisen und sie unverändert äußern, wenn man sich in einer Psychoanalyse befindet. Wenn man den Vorgang als Einstieg ins Schreiben benützen möchte, kann man dies auf zwei Weisen tun:

° Man spricht die Einfälle kontinuierlich aus resp. diktiert sie (was mit der Computer-Software DRAGON leicht zu bewerkstelligen ist);

° oder man notiert sich die Einfälle nach der Phase der Meditation oder Besinnung aus dem Gedächtnis (wobei allerdings die Gefahr besteht, dass Wesentliches verlorengeht).

 

Freies Assoziation – oder Freies Assoziieren?

Freud nannte diesen Vorgang, den er am Beispiel der Deutung seines berühmten Irma-Traums 1895 erstmals vorstellte, Freie Assoziation. Das ist ein passives Hauptwort. Ich ziehe dem die aktive Formulierung vor: Freies Assoziieren.

Wenn ich mich dem Vorgang des Freien Assoziierens überlasse, wird Schreiben, so wie ich es verstehe und in meinen Seminaren vermittle, zunächst einmal zu etwas, dem ich mich absichtlos überlasse. Die Absichtslosigkeit ist dabei das Wesentliche.

Erst beim Überarbeiten der so entstandenen Rohtexte suche ich dann nach einem Roten Faden, der nicht nur mich als Autor, sondern später auch die Leser durch die Fülle der Informationen (GedankenModule) führt, die ich da anbiete und ausbreite. Ohne diesen Roten Faden oder Ariadnefaden geht es allerdings nicht, sobald der Text einen gewissen Umfang überschreitet: mehr als eine Standardmanuskriptseite mit rund 2000 Zeichen.

 

[MORE TO COME]

Quelle
Freud, Sigmund: “Der Irma-Traum” (1895). In: Gesammelte Werke Bd III

254 894 / 1577
v1 = 18. Mrz 2013/10:18
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Stichwörter: Blogging , HyperWriting , Meditation , Roter Faden , Schreib-Seminar , Schreiben , Schreiben, Kreatives , Schreibtechniken , Selbsterfahrung , Tiefenpsychologie , Zufall

 

 

 

"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

1 Kommentar

  1. Guten Morgen Herr Scheidt!

    Ich befinde mich gerade in einem Schreibprojekt – meine Masterthesis. Ich befasse mich nicht zum ersten Mal mit dem Schreibprozess. Ich habe grauenhafte Schreibblockaden; mehrere nicht nur eine!
    Ich kenne deren Ursachen größtenteils. Lösungen kenne ich auch.

    Wenn ich ein Thema im Kopf habe – das Thema der Thesis bzw des Kapitels oder Absatzes, den ich schreiben möchte. Wie gelingt mir da absichtsloses Schreiben auch als Einstieg? Schon wenn ich Übungen zum kreativen Schreiben anwenden will habe ich wieder Blockaden. Ich habe ja eine Absicht^^

    Wie kann es gelingen, die negativen Gedanken und Probleme, die immer wieder den Schreibfluss nicht entstehen lassen wollen, loszulassen?

    Eine Ergotherapeutin emfpahl mir diese Methode einst, um genau das zu erreichen. Allerdings, wenn ich nachts aus dem Schlaf aufwache, oder früh am Morgen nach dem Aufstehen tut mir oft die Stirn weh und die Augen, sodass an Schreiben, frei absischtslos, nicht zu denken ist.
    Wie kann ich die Mauer, die Blockade durchbrechen, wenn ich anfangen will bzw. damit ich anfangen kann zu schreiben? Mir geistern im Kopf den ganzen Tag Formulierungen herum. Wenn ich mich vermeintlich entspannen will sind die Gedanken bei der Thesis und die Formulierungen sind da. Nicht immer kann ich sie sogleich notieren.

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