Schafft Deutschland seine Klimaschutzziele?

Die deutsche Regierung gibt sich gerne als Vorreiter beim Klimaschutz. Als eines der ersten Länder, die das Pariser Klimaschutzabkommen unterzeichnet haben, hat Deutschland einen Klimaschutzplan vorgelegt. Können wir damit die Verpflichtungen des Pariser Klimaschutzabkommens wirklich erfüllen?

Gastbeitrag von Volker Quaschning

Wollen wir den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen, wie im Pariser Klimaschutzabkommen versprochen, auf deutlich unter 2 °C und möglichst auf 1,5 °C begrenzen, müssen wir die weltweiten Kohlendioxidemissionen möglichst um das Jahr 2040 auf null, also um 100 Prozent reduzieren. Der deutsche Klimaschutzplan unterstreicht zwar die Ambitionen, den globalen Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 °C zu begrenzen, sieht aber nur einen Emissionsrückgang um 80 bis 95 Prozent bis zum Jahr 2050 vor. Das ist ganz so, als wolle man bis Weihnachten Nichtraucher werden und beschließt dafür, bis Ostern nur noch an einem oder zwei Tagen die Woche zu rauchen.

Nun könnte man durchaus auch noch diskutieren, ob Deutschland als selbst ernannter Vorreiter beim Klimaschutz und historisch überdurchschnittlich starker Klimasünder die Nullemissionen nicht sogar früher erreichen sollte. Wenn die Welt ihre Kohlendioxidemissionen bis 2040 auf null zurückschrauben muss, wäre das Jahr 2030 eigentlich ein verantwortungsbewusstes Ziel für Deutschland. Aber selbst wenn Deutschland diese Verantwortung nicht übernimmt, muss ein funktionierender Klimaschutzplan auch in Deutschland Nullemissionen ab dem Jahr 2040 vorsehen. Doch das ist nicht der einzige Widerspruch der deutschen Energie- und Klimapolitik.

Die deutsche Treibhausgasbilanz wird im Wesentlichen durch Kohlendioxid bestimmt. Schreiben wir den durchschnittlichen Rückgang der Kohlendioxidemissionen von 2000 bis 2016 fort, werden die deutschen Emissionen erst deutlich nach 2100 den Wert null erreichen. Würden alle Länder dem deutschen Tempo folgen, wäre ein globaler Temperaturanstieg von mehr als 3 °C zu erwarten. Ein Klimaschutzvorbild sieht eindeutig anders aus. Die höheren Reduktionswerte in den 1990er-Jahren sind auf die wirtschaftlichen Umbrüche in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung zurückzuführen (Abb. 1). Auf andere westliche Länder ist das kaum übertragbar, was auch die bisherigen Reduktionserfolge ziemlich relativiert.

Abb. 1. Entwicklung der deutschen Kohlendioxidemissionen. Daten UBA und eigene Abschätzungen. (s. auch https://www.volker-quaschning.de/datserv/CO2-D/index.php)

Doch wer die Hoffnung hatte, dass Deutschland nach der Ratifizierung des Pariser Klimaschutzabkommens seine Reduktionsbemühungen verschärft, wurde eines Besseren belehrt. Letztes Jahr wurde das Erneuerbare Energien Gesetz EEG novelliert. Dabei war das Hauptziel, den Windenergieausbau zu reduzieren (Abb. 3). Der jährliche Zubau von Photovoltaikanlagen wurde bereits zwischen 2012 und 2016 um 80 Prozent verringert. Beides wird einen längeren Betrieb klimaschädlicher Kohlekraftwerke zur Folge haben. Damit rückt das Jahr der Nullemission in noch weitere Ferne.

Für ein Land, dessen Wohlstand zu einem größeren Teil darauf beruht, die Welt mit dreckigen und klimaschädlichen Autos zu versorgen und das noch vor China das größte Förderland von Braunkohle ist, ist der Schuh des Klimaschutzvorbilds offensichtlich etliche Nummern zu groß. Erfreulicherweise schickt sich China an, die Rolle des Klimaschutzvorbilds zu übernehmen. In China ist der Primärenergieverbrauch rund zehnmal so groß wie in Deutschland. Aber im Jahr 2016 hat das Reich der Mitte sage und schreibe mehr als 20-mal so viel Photovoltaikanlagen installiert wie Deutschland.

In unserer Sektorkopplungsstudie haben wir letztes Jahr an der HTW Berlin untersucht, welche Maßnahmen für Nullemissionen bis zum Jahr 2040 in Deutschland erforderlich wären. Neben der Stromversorgung müssen auch die Sektoren Wärme und Verkehr vollständig dekarbonisiert werden. Der motorisierte Straßenverkehr sollte dann im Wesentlichen durch Elektrofahrzeuge bedient werden. Spätestens 2025 müssten dafür die Produktion von Fahrzeugen mit Benzin- und Diesel­motoren eingestellt und für den Güterverkehr alle wichtigen Fernstraßen mit Oberleitungen versehen werden. Im Wärmebereich dürften ab dem Jahr 2020 keine neuen Gas- oder Ölheizungen und keine fossilen KWK-Anlagen mehr installiert werden. Aus Effizienzgründen sollte künftig der überwiegende Anteil der Raumwärme durch Wärmepumpen gedeckt werden. Bei gleichbleibenden Verhaltens- und Konsummustern steigt dann dadurch der Stromverbrauch auf gut das Doppelte an (Abb. 2).

Abb. 2: Entwicklung der deutschen Stromversorgung zum Erreichen von Nullemissionen im Jahr 2040 (Quelle: Quaschning: Sektorkopplungsstudie der HTW Berlin 2016)

Abb. 3: Anteile erneuerbare Energien an der Stromerzeugung bei dauerhaftem Einhalten der Ausbauziele des aktuellen Erneuerbare Energien Gesetztes EEG

Abb. 4: Anteile erneuerbare Energien zum Erreichen von Nullemissionen im Jahr 2040 (Quelle: Quaschning: Sektorkopplungsstudie der HTW Berlin 2016)

Da Kohlekraftwerke zu den größten Verursachern von Kohlendioxid­emissionen zählen, sollte der Kohleausstieg daher spätestens 2030 abgeschlossen sein. Die Potenziale für Biomasse, Geothermie und Solarthermie sind in Deutschland begrenzt. Darum müsste der wesentliche Anteil der künftigen Energieversorgung durch Strom aus Windkraft und Photovoltaik­anlagen gedeckt werden (Abb. 4). Der jährliche Photovoltaikzubau müsste dafür in etwa verzehnfacht werden, der Windenergiezubau mehr als verdoppelt und große Speicherkapazitäten umgehend erschlossen werden. Eine Kombination von Batteriespeichern und so genannten Power-to-Gas-Speichern kann die Vorteile beider Technologien vereinigen.

Es bleibt zu hoffen, dass Deutschland möglichst bald hinsichtlich seiner Klimaschutzbemühungen auf die Zielkurve einschwenkt. Die Herausforderungen sind enorm, aber nicht unerreichbar. Schließlich gibt Deutschland jedes Jahr 60 bis 100 Milliarden Euro für den Import von Erdöl, Erdgas und Kohle aus. Die jährlichen Schäden durch Luftschadstoffe infolge der Verbrennung fossiler Brennstoffe liegen bei rund 20 Milliarden, die Klimafolgekosten bei etwa 70 Milliarden Euro. Eine Energiewende, die Nullemissionen bis 2040 vorsieht, hat nicht nur ökologische, sondern auch erhebliche ökonomische Vorteile. Der deutschen Politik fehlt aber der Mut, die notwendigen und alternativlosen (ja, hier ist das Wort wirklich einmal angebracht) Schritte einzuleiten. Es gibt einen funktionierenden Plan, mit dem Deutschland seine Klimaschutzziele noch schaffen kann und den sich Deutschland auch leisten kann. Wir dürfen nicht länger untätig bleiben und der Politik weiter beim Scheitern zusehen. Mischen wir uns ein!

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E-Autos: Der Kollaps bleibt aus (von V. Quaschning und S. Rahmstorf)

Volker Quaschning ist Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin und Sprecher des Studiengangs Regenerative Energien. Seine Forschungsschwerpunkte liegen beim Einsatz der Solarenergie, bei Energiespeichern sowie der Sektorkopplung für die Energiewende. Sein Youtubekanal: www.youtube.com/c/VolkerQuaschning

p.s. Nicht vergessen: am morgigen Samstag (22.4.) findet der weltweite March for Science statt – auch in vielen Städten in Deutschland! Alle Freunde einer auf rationalem, sachlichen Dialog gegründeten offenen Gesellschaft können dort ihre Unterstützung für eine unabhängige freie Wissenschaft zum Ausdruck zu bringen. Die Werte der Aufklärung – Vernunft und Menschlichkeit – sind in Gefahr durch Populisten, Lobbyisten und Mächtige wie Donald Trump, die sich ihre eigenen „alternativen Fakten“ erfinden – zum Beispiel zum Klimawandel. Die March for Science Bewegung entand in den USA als Reaktion auf die Wahl Trumps, der insbesondere die Klima- und Umweltforschung massiv durch Zensur und Mittelkürzungen angreift – aber auch die medizinische Forschung. Machen Sie mit – ich werde in Berlin dabei sein. Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

82 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. So, wie es jetzt läuft, sind die Potentiale für Biomasse begrenzt. Aber Hanf ist eine Jahrtausende alte Kulturpflanze. Nahrung, Medizin, Kleidung, reißfestes und mit weit weniger Aufwand und Chemikalien hergestelltes Papier, Brenn- und Treibstoffe, Plastik, Bau-, Dämm- und Farbstoffe hat die Spezies Mensch schon aus ihn gemacht. Henry Ford wollte Autos mit Karosserien aus Hanf bauen, die mit Hanfdiesel gefahren wären (https://www.youtube.com/watch?v=srgE6Tzi3Lg). Erdöl war respektive ist vermeintlich billiger, die Macht der Erdölkonzerne und die Stimmungsmache gegen Marihuana war zu groß, so dass er verboten wurde und deren Nutzung bis heute erschwert wird. Angeblich, weil die berauschende Wirkung von Cannabis zu gefährlich ist. (http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=56673)

    Hanf ist in der Umweltbilanz von den gängigen Nutzpflanzen kaum je zu schlagen. Je nach Regionen der Erde kann man den Hanf dreimal im Jahre mit bis zu 25 Tonnen Rohmasse (Raps ca. 4 Tonnen) ernten ohne Pestizide und Kunstdünger. Ohne die Böden auszulaugen. Als hervorragende Fruchtfolgepflanze oder Pionierpflanze, welche die Böden verbessert, mehr Ackerland schaffen und die Erträge von anderen Nutzpflanzen steigern kann. Hanf übersteht zudem besser Dürreperioden. Für Hanf brauchen keine Wälder gerodet zu werden. Denn in Zweierlei sind Bäume dem Hanf überlegen: Schaffung von Lebensräumen für allerlei Arten und in der Kohlendioxidaufnahme. Gerade alte Bäume sind gute Kohlendioxidspeicher.
    Laut Jack Herer hätten im Jahr 2000 nur sechs Prozent der Bodenfläche der USA ausgereicht, um durch den Anbau von Biomasse den Treibstoff- und Energiebedarf des ganzen Landes zu decken. (http://www.karo4tel.de/hanf/ENERGY.HTM) Ganz ohne Erdölkriege. Da wird doch wohl der Hanf helfen können, Strom zu erzeugen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht bläst und die Speicher- und Umwandlungstechnologie noch nicht ausreicht?

    Hanf liefert nicht nur doppelt so viel Öl wie Raps. Ich zitiere aus dem Buch von Jack Herer auf Seite 284 bis 286, wie er 1993 Raps und andere Nutzpflanzen mit Hanf verglich:
    >>> 30 Millionen Hektar Anbaufläche stehen nach Angaben der EG im europäischen Raum auf stillgelegten Äckern für nachwachsende Rohstoffe zur Verfügung. Würden nur 6 Millionen Hektar, das wäre gerade ein Fünftel dieser nicht genutzten Fläche, im nächsten Jahr mit Hanf bestellt, könnten von diesen Feldern geerntet werden:
    24 Millionen Tonnen. Das wäre die Energie, die den selben Brennwert hat wie Heizöl oder Diesel, aber im Unterschied zu den fossilen Brennstoffen die CO2-Bilanz nicht belastet. Der ganze Diesel-verbrauch der BRD (1989 waren es 17 Millionen Tonnen wäre mit dieser Ernte zu decken. Der derzeitige bei uns als Öllieferant favoriesierte Raps bringt nicht nur weniger als die Hälfte der Hanferträge, er ist darüber hinaus im Anbau arbeitsintensiver, braucht große Mengen Pflanzenschutzmittel und laugt die Böden aus. Außerdem ist Raps nach der Ölgewinnung nur noch zum Verbrennen geeignet. Hanf hingegen bringt nicht nur die doppelte Menge Öl, sondern nach der Ölgewinnung fielen weiterhin:
    – 36 Millionen Tonnen >> Hanfkuchen Pinicillin liefern die übrig gebliebenen Hanfstengel:
    – 4,8 Millionen Tonnen Fasern, die auch bei den besonderen Anbauformen zur Samen- und Ölgewinnung als Nebenprodukt anfallen. Da der Samenhanf in größeren Abständen ange-baut wird, liegt die Faserausbeute zwar niedriger. Aber auch dieser >> Abfall << liefert die stabilste Textilfaser, die in unseren Breiten wächst. Außer den Fasern liefern die Hanfstengel
    – 6 Millionen Hanfschäben. Schäben sind der verholzte Anteil der Stengel und mit ihrem ho-hen Zellulosereichtum ein optimaler Grundstoff für die Papierherstellung. Dieses Papier und die vielen anderen Stoffe, die aus der Zellulose hergestellt werden können, zeichnen sich allesamt durch eines aus: Sie sind umweltfreundlich herzustellen und biologisch abbaubar.
    Dies alles, wie gesagt, auf einem Fünftel der in der EG brachliegenden Fläche der in der EG brachliegenden Flächen, und von einer Pflanze, die für einen Bruchteil der Kosten – für Arbeitsaufwand, Pflege, Schädlingsbekämpfung, Auszehrung der Böden – angebaut werden kann, die bei Raps, Mais, Zuckerrüben und anderen derzeit als nachwachsende Rohstoffe angebauten Pflanzen anfallen […] <<<

    Denn auch wenn es genau so läuft, wie es nach der Sektorenkopplung laufen soll und der Umstieg auf Elektroautos und der Ausbau von Wind- und Solarenergie gelingt, soll Biomasse zur Wärmeversorgung beitragen und Biokraftstoffe für Flug- und Schiffsverkehr hergestellt werden, weil dort eine Dekarbonisierung die größte Herausforderung darstellt.

  2. Unter einer Revolution ist das nicht zu erreichen – in einem Land, in dem Umweltschützer die Errichtung von Pumpspeichern verhindern (einzige Technik, die zur Zeit die Kapazität hat den Nacht/Tagausgleich von Solar zu schultern, Batterien sind noch nicht so weit) oder Stromtrassen zu verhindern, die Nordseewind nach Bayern bringen kann.

    Ein chinesischer Vorschlag ist hier auch wegweisend – ein globales Stromnetz das rund um die Uhr Solarstrom in geeigneten Gegenden erzeugt, sowie Windstrom aus bevorzugten Gegenden weltweit verfügbar macht.
    https://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article149841418/China-will-globales-Stromnetz-aufbauen.html

    Das wäre ein gigantomanisches Projekt, das aber auch nicht unrealistischer ist als am Rhein oder Schwarzwald einen großen Pumpspeicher mit heutiger Technik zu bauen. Und die Chinesen haben keine Angst vor richtig großen Projekten.

    Und wenn man es richtig bedenkt ist das ziehen von Millionen KM von Öl-und Gaspipelines um den Globus zur Zeit schon auch so ein gigantisches Projekt, nur mit älterer Technik.

    Bei Power to Gas ist es meiner Meinung nach sinnvoller, statt hier auf im internationalen Vergleich B- und C-Standorten z.B. in Australien Solarstrom umzugasen und per Schiff abzutransportieren.

    • Ja, wir brauchen eine echte Revolution. Aber es geht ja auch um die Rettung unseres Planeten. Den Ausgleich mit großen Leitungsnetzen halte ich zumindest unter dem gegebenen Zeithorizont für unrealistisch. Wir werden um die Speicherung in großem Maßstab nicht herumkommen. Für den Kurzzeitbereich bieten sich Batteriespeicher an, für den Langzeitbereich Power-To-Gas. Die nötigen Speichertechnologien werden in folgendem Video erläutert:
      https://www.youtube.com/watch?v=CE-6jsWCATk

    • Das PSW Atdorf hätte eine elektrische Leistung von 1400 MW bei einem Speicher von 13000 MWh. Es wird kontrovers diskutiert, ob das Schluchseewerk (dahinter stehen v.a. RWE und EnBW) noch ein Interesse an Atdorf hat. Offenbar gibt es Zweifel daran, weil möglicherweise in 20 Jahren Power to Gas und Batterien dominant konkurrenzfähig geworden sind.

      Aber auch ohne solche strategischen Überlegungen ist die Amortisation der Investition wohl nicht gesichert. Ich bin tendenziell für Atdorf: Die Politik sollte über ein geändertes Strommarktdesign, insbes. über Kapazitätsmärkte nachdenken. Die Unternehmen brauchen für die Energiewende mehr Planungssicherheit!

      Naturschutzmäßig geht`s dort derzeit vor allem um die Mopsfledermaus. Ich bin durchaus öfter mal im Hotzenwald, habe aber noch nie eine gesehen (ehrlich!).

  3. Ich sehe einen ähnlichen Zeithorizont wie der Autor, wenn das 2°C-Ziel erreicht werden soll. Ein Alleingang Deutschlands scheint mir aber problematisch, zumal Deutschland heute relativ viel Strom ins Ausland exportiert auf den die Nachbarstaaten vor allem im Winter vertrauen. Sollte nicht Deutschland dafür eintreten, dass ganz Europa verstärkt dekarbonisiert und sollten nicht die Bemühungen der europäischen Staaten aufeinander abgestimmt werden? Dazu würden auch grenzüberschreitende Stromleitungen gehören zumal die den Langfrist-Speicherbedarf reduzieren würden.

    • Natürlich sollte man eine europäische Lösung vorantreiben. Andere Länder sind aber durchaus weiter als wir. In Dänemark sind Öl- und Gasheizungen im Neubau bereits verboten. Norwegen und die Niederlande denken darüber nach, ab 2025 nur noch Elektroautos zuzulassen und Schweden will 2040 seine Energieversorgung vollständig mit erneuerbaren Energien decken. Deutschland ist mit seinem Anteil von 13% an regenerativen Energien alles andere als ein Vorreiter. Bei uns fehlen noch 87% der Energiewende. Darum gibt es keinen Grund, sich hinter anderen Ländern zu verstecken. Natürlich müssen am Ende alle mitmachen, aber das spricht ja nicht dagegen, endlich mal anzufangen. Und ökonomisch sinnvolle Ausgleichsmöglichkeiten werden früher oder später sicher erschlossen.

  4. Eine weitere interessante Grafik http://tinyurl.com/mz37ar8 stammt von der internationalen Energieagentur. Sie zeigt die Energieproduktion in Deuschland für den Monat Januar in den Jahren 15,16,17. Sicherlich ein willkürlicher Ausschnitt. Man muss zudem noch bedenken, dass die IEA zu den „combustable fuels“ auch Holzverbrennung etc dazu zählt. Dennoch eine erschreckende Grafik. Es ist kein Defätismus, wenn man die Fähigkeiten Deutschlands anzweifelt, die von ihr selbst gesetzten Klimaziele zu erreichen. Diesen Vorwurf weise ich zurück. Im Gegenteil. Ich halte den Zweckoptimismus, den Herr Rahmstorf verbreitet für gefährlich, weil er die Gefahr damit herunterspielt. Es wird schon irgendwie gehen. Herr Quaschnig agiert vorsichtiger „Es gibt einen funktionierenden Plan, mit dem Deutschland seine Klimaschutzziele noch schaffen kann“ Das mag sein. Aber es sieht nicht so aus, dass er realisiert wird.

    • Der Januar ist sicher ein kritischer Monat für die bisherigen erneuerbaren Energiequellen Wind und Sonne. Denn die Sonnenscheindauer ist dort recht kurz und bei entsprechender Hochdruckwetterlage gibt es auch nicht viel Wind. Für die Sonne sieht das im Sommer entsprechend besser aus. Einen Frage stellt sich mir: Wie sieht das mit den Gezeiten aus? Es ist mir klar, daß der Haken der Nationalpark Wattenmeer ist.

    • In Norddeutschland wird viel Windenergie vergeudet

      Wir verschwenden immer mehr Windenergie, weil die Übertragungsnetze (380 kV HDÜ und zukünftig HGÜ-Leitungen) den Strom nicht zu den Verbrauchern in anderen Regionen transportieren können. Insgesamt ist dies allerdings vergleichbar mit den Energieverlusten in den Atom- und Kohlekraftwerken, die durch den großen Eigenverbrauch für Pumpen usw. entstehen.
      Im Jahr 2010 wurden 125 Millionen Kilowattstunden Strom von Windkraftanlagen abgeregelt, also nicht erzeugt aber bezahlt, weil die Stromleitungen nicht ausreichten. Im Jahr 2015 waren es bereits 4.125 Millionen kWh. Aktuelle Zahlen der Bundesnetzagentur: https://www.bundesnetzagentur.de/cln_1431/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/Versorgungssicherheit/Stromnetze/Netz_Systemsicherheit/Netz_Systemsicherheit.html
      Abregelungen von PV- und Biogasanlagen machen zusammen nochmal etwa ein Siebtel der Abregelungen von Windanlagen aus.
      Für das Jahr 2016 liegen noch keine Gesamtzahlen vor. Aber die Abregelungen sollen etwas weniger gewesen sein, weil weniger Wind geweht hat und die Hälfte der Kapazität der sogenannten Thüringer Strombrücke in Betrieb genommen worden ist.
      Fast alle Abregelungen finden im Norden und dort hauptsächlich in Schleswig-Holstein und etwas auch in Mecklenburg-Vorpommern statt. Im Land zwischen Nord- und Ostsee fehlt es an 380 kV-Leitungen, die den Strom Richtung Hamburg transportieren können. Ärgerlich, dass bisher das Stromnetz von Schleswig-Holstein nicht mit den großen Netzknoten am AKW Brokdorf (1400 MW) und am Kohlekraftwerk Moorburg (1850 MW) verbunden ist. Dann müssten diese gesundheits- und umweltschädlichen Kraftwerke viel häufiger abgeregelt werden.
      In Süddeutschland werden Windkraftanlagen so gut wie nie abgeregelt. Denn hier gibt es erst wenige.

      In den kommenden Jahren ist zweierlei zu tun:
      1. Gerade in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Thüringen viele Windräder bauen. In Deutschland insgesamt viele PV-Anlagen bauen und dies verstärkt auch im Norden.
      2. In Baden-Württemberg und Bayern müssen 6700 MW AKW-Kapazität mit einer jährlichen Produktion von etwa 55 Milliarden Kilowattstunden Strom stillgelegt und ersetzt werden. Kurzfristig stehen hierfür ausreichend aber eben auch klimaschädliche Gas- und Kohlekraftwerke zur Verfügung. Ne-ben dem großen Zubau von PV und Windkraft braucht der Süden auch moderne und effiziente Stromverbindungen mit dem Norden und Osten Deutschlands, um von dort Windstrom beziehen zu können und so den Betrieb von Gas- und Kohlekraftwerken zu erübrigen. Dafür sind die die HGÜ-Leitungen SüdLink und SüdOst-Link wichtig.

      Raimund Kamm

  5. Fairerweise sollte man drei Dinge anmerken:

    1. Das „Klimaschutzvorbild“ China forciert den Ausbau der nicht-fossilen Energieversorgung nicht primär aus Klimaschutzerwägungen heraus, sondern weil der photochemische Smog und die Feinstaubbelastung in den chinesischen Metropolen mittlerweile unerträgliche Ausmaße angenommen haben, was die Regierenden zum Handeln zwingt.

    2.) Den Schadstoffausstoß sollte man in Relation zur Wirtschaftsleistung stellen. Deutschland hat ein BIP von rund 3,5 T$, China von rund 12 T$ also dreieinhalb Mal so viel. Aber Chinas jährlicher CO2-Ausstoß liegt bei 9 Gt, der von Deutschland um einen Faktor 10 geringer, siehe Artikel oben. Deutschland hat also ein Drittel der Wirtschaftsleistung bei nur einem Zehntel des CO2-Ausstoßes.

    3.) China, Indien und einige andere stehen, wenn es um Stromversorgung geht, in einer anderen Situation als die bereits industrialisierten Staaten, weil es dort noch ausgedehnte Gebiete mit Unterversorgung an Elektrizität gibt, was zu geringeren Erwartungshaltungen bezüglich der Versorgungssicherheit führt. Zudem sind viele Regionen in China, Indien und anderen Ländern einfach durch ihre geografische Lage begünstigt. da ist es nun einmal einfacher als hier, lokal Solarfarmen aufzubauen.

    Und:

    Ich verstehe nicht, wieso im Artikel gefordert wird, die Bereitstellung von Raumwärme durch Wärmepumpen, also elektrisch zu bewerkstelligen. Wärme im Niedertemperaturbereich (Raumheizung und Brauchwasser) lässt sich im Gegensatz zu Strom relativ einfach speichern. Ich würde erwarten, dass das Hauptziel hier die Nutzung von Solarthermie ist, was dezentral und preiswerter in Aufnau und Unterhalt sein sollte als auch hier auf elektrische Systeme zu setzen.

    • Ich würde den Schadstoffausstoß eher in Relation zu der Einwohnerzahl betrachten.
      In China sind in einigen Bereichen die Voraussetzungen sicher besser. Dafür hat Deutschland bislang mehr Know-how in dem Bereich und kann sich durch sein größeres Pro-Kopf-Einkommen auch einen schnelleren und komplizierteren Umbau der Energieversorgung leisten, wenn es will. Bei uns fehlt es einzig und allein am Willen.
      Ich bin kein Gegner der Solarthermie. Ich habe selbst eine Anlage und in unserer Sektorkopplungsstudie haben wir auch eine Verfünffachung des Solarthermiezubaus unterstellt. Dann ist der Anteil der Solarthermie aber 2040 immer noch im einstelligen Prozentbereich. Die Kostensenkungsdynamik bei der Photovoltaik ist erheblich größer als bei der Solarthermie, sodass die Kombination PV-Wärmepumpe einfach ein größeres Entwicklungspotenzial hat. Das spricht aber nicht gegen Wärmespeicher.

    • Ein Land kann seinen Schadstoffausstoss verringern, indem es vermehrt energieintensiv hergestellte Produkte oder Grundstoffe importiert.
      Ein besserer Indikator für Nachhaltigkeit ist daher der individuelle ökologische Fussabdruck. Der ist in Deutschland doppelt so hoch wie in China.

    • Hallo Herr Khan,
      so sehr ich Ihre Kompetenz in ihrem Fach hoch einschätze, muss ich doch mal kritisieren:

      1. Der Begriff „Klimaschutzvorbild“ ist einfach ´ne Frage der Definition bzw. der jeweiligen Statistik, Deutschland ist ja auch seit Jahrzehnten vorbildlich im Klima- und Umweltschutz – nach eigener Ansicht. Und die Verbesserung der Luftqualität in den Städten ist doch ein gutes Argument für den Einsatz von schadstoffarmen regenerativen Energiequellen.

      2. Selbstverständlich ist in Deutschland der CO2-Ausstoß bezogen auf den Wert des erzeugten und/oder exportierten Produktes sehr viel kleiner. Schließlich werden hier in Deutschland die Produkte, die in anderen Ländern durch vergleichsweise „schmutzige“ Technik erzeugt werden (hoher Energieeinsatz bei Halbfertigprodukten, Schadstoffe bei der Agrar- und Klamottenproduktion, üble soziale und ökologische Bedingungen beim Rohstoffabbau uvm.) nur „veredelt“. Man schraubt also nur ein paar importierte Bauteile zusammen und schafft dadurch einen erheblichen Mehrwert ohne die eigene CO2-Bilanz zu belasten.

      3. Das die südlicher gelegenen Länder besser für die Produktion von PV-Elektrizität geeignet sind, sollte doch kein Argument dafür sein, dass wir hier nichts tun. Es ist doch mittlerweile eine nicht mehr bestreitbare Tatsache, dass eine Klimaneutralität in den nächsten wenigen Jahrzehnten absolut und weltweit erforderlich ist.

      und 4. finde ich auch, dass elektrisch betriebene Wärmepumpen einen vergleichsweise schlechten Wirkungsgrad haben, allerdings nur solange sie mit Strom aus fossilen Brennstoffen betrieben werden. Eine Wärmepumpe, die regenerativ betrieben wird, hat selbstverständlich einen viel höheren Wirkungsgrad als alles, was durch den Verbrauch von Öl oder Gas erreicht werden kann.

      Und selbstverständlich ist die dezentrale Erzeugung von Wärme durch Thermosolaranlagen oftmals optimal, aber in Deutschland im Winter dann doch verdammt knapp. Da freut man sich, wenn an einem knackig-kalten Tag die Wärmepumpe mit Solar- oder Windstrom läuft.

    • Sehr geehrter Herr Khan,
      Ihr Emissionsvergleich Deutschland-China ist zwar richtig, verkennt aber, dass Deutschland bereits eine moderne Infrastruktur besitzt. Die Errichtung von Straßen und weiteren Siedlungsstrukturen ist aufwändig und CO2-intensiv. Man sollte fairerweise mal das Gedankenexperiment wagen, dass Deutschland während der Aufbaujahre Klimaschutzmaßnahmen hätte umsetzen sollen..

  6. Herr Quaschnig: „In Dänemark sind Öl- und Gasheizungen im Neubau bereits verboten“. Das hört sich toll an. In diesem Zusammenhang wäre ich an einer Studie interessiert, wie der Wärmemarkt in Dänemark funktioniert. Soweit ich weiss, ist Fernwärme in Dänermark sehr verbreitet. Sind auch in den Fernwärmekraftwerken Gas, Öl und hoffentlich auch Kohle verboten? Sind auch die bei uns so propagierten und subventionierten Kraft Wärme-Koppelungsanlagen verboten? Es ist mir nicht gelungen, profunde Informationen ais dem Internet zu gewinnen. Hier sind Experten gefragt.

    • In einem Artikel des Tagesspiegels vom 20.12.16 http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/energiepolitik-es-ist-etwas-warm-im-staate-daenemark/19158510.html
      fand ich dies:
      Dänemark ist etwa so groß wie Niedersachsen. Hat aber erheblich weniger Einwohner, ist also dünner besiedelt.
      Dänemark erzeugt fast 40 Prozent seines Stroms aus Windkraft. Hat auch in den Jahren 2015 und 2016 kontinuierlich Windenergieanlagen zugebaut. (was einige deutsche Windkraftgegner bestritten hatten)
      60 Prozent der Gebäudewärme werden in Dänemark trotz der dünneren Besiedlung über Fernwärme geliefert. Und in der Fernwärme stammt die Hälfte der Energie aus Erneuerbaren Energien. Hauptsächlich großen Solarthermie- und Biomasseanlagen.
      Raimund Kamm

    • Bei Wikipedia können Sie mehr zur dänischen Energiewende nachlesen. https://de.wikipedia.org/wiki/Energiewende_nach_Staaten#D.C3.A4nemark Auch imm Artikel Fernwärme steht recht viel sowohl zur Situation in Dänemark als auch der generellen Weiterentwicklung und Diversifizierung von Fernwärmesystemen durch die Energiewende, wobei auch dort Dänemark wieder ein Vorreiter ist. https://de.wikipedia.org/wiki/Fernw%C3%A4rme#Situation_in_D.C3.A4nemark

      Wenn Sie wissenschaftliche Studien zur dänischen Energieversorgung suchen, empfehle ich ihnen nach den Autoren Henrik Lund und Brian Vad Mathiesen zu googeln, die hier sehr viel geforscht haben. Beide sind übrigens auch zwei angesehene und bedeutende Vorreiter bei der Erforschung von Energiesystemen, die vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt werden.

  7. Auf der einen Seite werden durch die Energiewende fossile und nukleare Rohstoffe (Öl, Gas, Kohle und Uran) vermieden, auf der anderen Seite werden aber andere Rohstoffe für die vielen neuen Speicher, Stromleitungen, Wärmepumpen, Power-to-Gas-Kraftwerke, PV-Anlagen und WKAs benötigt: seltene Erden, Lithium, Kupfer, Kunststoffe, Aluminium u. a..
    Hat das mal jemand ausgerechnet, ob das geht.
    Ich habe da immer wieder die Argumente der Postwachstsumsökonomen (z. B. Nico Paech) im Kopf, die sagen, „grünes Wachstum“ gibt es eigentlich nicht, denn die Ressourcenproblematik überlagert am Ende alles andere.

    • Das ist eine zu beachtende Frage.
      Dazu gab und gibt es Tagungen und Forschungen. Vor vier Jahren nahm ich in der evang. Akademie Tutzing an dieser „Strategische Metalle der Energiewende“ teil. http://www.ev-akademie-tutzing.de/doku/programm/upload/1862.pdf Gerade die Ausführungen von Prof. Armin Reller waren aufschlußreich. Unsere Technik und unsere Marktwirtschaft sind erfreulich flexibel. Durch Recycling, stoffliche Substitution oder auch technische Änderungen ließen sich bisher Engpässe gut vermeiden.
      Natürlich sollte man auch bei den Techniken der Erneuerbaren Energien mit den Methoden der Technikfolgeabschätzungen versuchen, Probleme und Fehler vorauszusehen.
      Raimund Kamm

    • Himmel oh Graus, das ging schnell !! Und im Jahr 2080 werden es 600 ppm sein.
      Herr Professor, gibt es Überlegungen zur Schaffung künstlicher CO2-Senken ? Also z.B. Wiederbelebung der CCS-Gedanken ?
      Und vielleicht auch irgendwelche Berechnungen dazu unter Einbeziehung der bereits überschrittenen Kippunkte?
      Realistischer scheint mir die Schaffung von künstlichen CH4-Senken. Gibt es dazu technologische Überlegungen ? Und Berechnungen in der Art bespielsweise: im Jahr 2040/80 500/600 ppm CO2, aber CH4 künstlich auf 1000/500 /200 ppb gesenkt ?
      Oder Variationen zwischen diesen Zahlen ?

  8. Herzlichen Dank für diesen Beitrag, Herr Quaschning! Sehr erhellend! Und vor allem wichtig, die enormen Diskrepanzen zwischen den den vereinbarten politischen Zielen und den so gar nicht dazu passenden Maßnahmen immer und immer wieder darzustellen. Nicht nur in der Wissenschaft (wie es implizit jüngst ja Rockström und andere in Science getan haben), sondern gerade auch in der Öffentlichkeit.

    In meinen Augen schreien dieser Beitrag wie auch der vorhergehende von Herr Rahmstorf nach gemeinsamen Forschungen oder gar einem gemeinsamen Buch, das sich mit den drohenden Folgen des Klimawandels (Rahmstorf) als auch den Lösungsmöglichkeiten durch eine schnelle Energiewende (Quaschning) befasst. Immerhin sind Arbeiten bisher noch rar, die die Perspektiven von Klimaforschung und Energietechnik klar zusammenbringen und wirklich inter- bzw. transdisziplinär an die Materie herangehen. Gerade solche Arbeiten wären aber besonders wichtig, um herauszuarbeiten, welche Implikationen die Erkenntnisse der Klimaforschung konkret für die zukünftige Energiepolitik haben und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass einige Klimastudien ja Annahmen treffen, die man nicht gerade als realistisch bezeichnen kann, beispielsweise enorme Mengen negativer Emissionen in der zweiten Jahrhunderthälfte zu realisieren.

  9. Ich denke auch, dass Deutschland insbesondere aufgrund seiner „Vorleistungen“ (d.h. beispielsweise die jahrzehntelange massive Emission von klimarelevanten Gasen) die Verpflichtung hätte, allerspätestens 2040 zu einem echten Null-Emissionsland zu werden, um wenigstens etwas zum „Klimaziel unter 2°C“ beizutragen. Insbesondere sollten die Deutschen, wenn sie diese Verantwortung denn ernst nehmen würden, ihre Industrie- und Landwirtschaftsexporte klimarelevant ausrichten.

    Das bedeutet u.a., dass die Produktion von Benzin- und Dieselkfz., die ja etwa eine durchschnittliche Gesamtlebensdauer von ca. 15 Jahren aufweisen, innerhalb von weniger als 10 Jahren auf Null runtergefahren werden muss. Kann sich das ein normaler Autowerker oder -fahrer überhaupt vorstellen? Oder andersherum: Wenn in D der Autoverkehr in weniger als 25 Jahren komplett auf regenerative Energie umgestellt werden sollte, müsste auch die zusätzliche Stromproduktion emissionsfrei funktionieren. Ganz abgesehen von der Umstellung der gesamten Produktions- und Konsumwirtschaft, von Gebäudeheizungen, der Landwirtschaft, dem Transportwesen, Reiseverkehr, IT, …

    Den Ausdruck „Revolution“ -egal ob man ihn positiv oder negativ besetzt- sollte man dabei nicht nur einfach als eine Veränderung unserer Energieproduktion und Lebensbedingungen verstehen, es bedeutet die völlige Umwälzung unserer gewohnten Strukturen.

    Deutschland hat in den letzten 25 Jahren den Kohlendioxid-Ausstoß um ca. 15 % reduziert, auch wegen des Effektes der Verlagerung der „dreckigen“ Produktion nach Asien und Südamerika. Und jetzt sollen wir es in weiteren ca. 25 Jahren schaffen, die restlichen 85 % komplett regenerativ zu erzeugen? Da bin ich aber sehr skeptisch, dass dies mit friedlichen, demokratischen Mitteln gelingen wird.

    Übrigens: Danke, Herr Quaschning für den Überblick, man muss die erforderlichen Aufgaben der nächsten Jahre immer wieder ansprechen, damit es noch eine Chance auf eine halbwegs erträgliche Zukunft gibt. Nicht für die Erde (der ist das egal), sondern für die Menschen, die noch am ehesten unter dem Klimawandel und seinen Folgen leiden werden; und das sind bereits jetzt und zukünftig immer mehr die Ärmsten der Armen.

  10. Sehr geehrter Herr Quaschning,
    Sie schreiben von der Elektrifizierung der Fernstraßen, welche Rolle sehen Sie denn für die Bahn, sei es Personen- oder Güterverkehr.

    Ich persönlich glaube, dass ein entsprechender Umbau unserer Wirtschaft auch einen Umbau unserer Gesellschaft nach sich ziehen muss (z.B. Individualverkehr).
    Zudem stellen sich mir so Fragen wie, wenn wir in Zukunft z.B. Wäsche nachts, wenn der Strom billig und der Bedarf klein ist, Wäsche waschen, wer wechselt dann die Wäsche (bei vielen werden das wohl eher mehrere Maschinen sein). Zudem gibt es ja noch das Lärmproblem in größeren Mietshäusern, wenn nachts um 1 die Waschnaschinen schleudern.

    Ich persönlich habe ehlich gesagt nur wenig Hoffnung, da ich selber nicht bereit bin, auf meinen Lebensstandart (viel Fleisch, Auto etc.) zu verzichten.

    • Da kann ich Sie, was den letzten Satz angeht, vollkommen beruhigen: Seit ich das Auto abgeschafft habe, ist meine Lebensqualität ganz erheblich angestiegen. Nie mehr eine dieser idiotischen Blechkisten, nie mehr!

      Dazu kommen erhebliche eingesparte Beträge (die ich übrigens regelmäßig in Daimler-Aktien investiert habe, man kennt ja seine Mitbürger). Viel Spaß im alltäglichen Berufsstress, muss mir das jetzt nur noch sehr eingeschränkt antun, kann mich mehr um meine Hobbies kümmern, unter anderem

      https://media.hotelwebservice.com/media/traubetonbach/docs/schwarzwaldstube_d.pdf

      Ich koche übrigens selbst sehr ambitioniert und esse gerne Fleisch, jedoch relativ wenig, eben mit Vernunft. An Ihrer Stelle würde ich mehr an langfristige Gesundheitsaspekte denken!

      • Ihrem ersten Absatz kann ich nur zustimmen. In meinem bisherigen Leben habe ich drei Jahre lang ein Auto besessen – gemeinsam mit meiner damaligen Freundin, die in Neuseeland nur so zu ihrem täglichen Arbeitsplatz kam. Ich selbst habe für meinen Alltag noch nie ein Auto gebraucht und dabei in rund zwanzig verschiedenen Wohnungen in fünf Ländern gelebt. Radfahren macht einfach mehr Spaß!
        Übrigens: wer kein Auto hat, ist beim Eintritt ins Rentenalter fast eine halbe Million Euro reicher, wenn er das gesparte Geld auf die Bank trägt – hat die Sendung Quarks & Co errechnet.

      • „Relativ wenig“ ist bei mir, um das zu ergänzen, an mindestens drei (eher vier bis fünf) Tagen gar kein Fleisch; auch nicht Wurst, Eier etc. Wichtig sind jedoch Produkte wie Parmesan, eingelegte getrocknete Tomaten, Sahne, Pilze und einiges mehr.

        Ich habe schon super Pasta mit roten Linsen gekocht, bevor die ZEIT ein Rezept dazu

        http://www.zeit.de/zeit-magazin/2017/01/pasta-linsen-italienische-kueche-wochenmarkt

        veröffentlicht hat. Pancetta ist nicht notwendig. „Klimakochbücher“ gibt`s übrigens mittlerweile auch einige, das ist mir dann aber doch zu albern! Den Verstand verwenden reicht völlig aus!

    • Hallo Quisum,

      Sie sind anscheinend ein Mensch, der ehrlich mit seinem umweltrelevanten Verhalten umgeht (sinngemäß: „ich bin selber nicht bereit auf meinen Lebensstandard mit Fleischkonsum und Autofahren zu verzichten“), anders als viele Menschen, die von sich behaupten, dass sie bereit sind für das Tierwohl, die Energieproduktion, die globalen Folgen unseres „westlichen Lebensstils“ usw. persönliche Einschränkungen zu akzeptieren.

      Wäre ich hochmütig würde ich sagen „Einsicht ist der erste Schritt zu Veränderung“, ich erkenne mich aber auch selbst immer wieder in dem persönlichen Widerspruch zwischen meinem Öko-Anspruch und meinem Verhalten bei beruflichem Stress, Faulheit, schlechtem Wetter, Pessimismus und so weiter….

      Ich hoffe dennoch, dass ich „am Ende meiner Tage“ eine positive Bilanz meiner Aktivitäten auf diesem Planeten ziehen kann. Zwar werde auch ich einen vergleichsweise großen Fußabdruck hinterlassen, aber ich hoffe, ich habe in der einen oder anderen Diskussion oder bei sonstigen Aktivitäten etwas Positives beigetragen.

      rok

      • Für mich ist meine eher pessimistische Grundhaltung darin begründet, dass ich selber vermute (ich kann es nicht genau beziffern), dass mein Verhalten schlecht für die Umwelt, meine Gesundheit etc. ist; ich mein Verhalten aber trotzdem nicht ändere.

        Was das Auto angeht, ja, man kann durchaus ohne Auto leben und nach Berlin in die Innenstadt würde ich auch nie mit dem Auto fahren. Daher auch meine Bemerkung zur Waschmaschine die nachts wäscht und dann ggf. noch um 1 schleudert mit der entsprechenden Lärmbelastung. In größeren Familien werden ja meist auch mehrere Maschinen hintereinander gewaschen, wer soll dann nachts aufstehen um die Wäsche umzuladen in den Trockner (auch nicht wirklich ein ökologisch sinnvolles Gerät).

        Insbesondere frage ich mich wie man ein tatsächlich ökologisch sinnvolles verhalten dem Großteil der Bevölkerung „verkaufen“ möchte, da ich selber von der Notwendigkeit des Klimaschutzes überzeugt bin, aber eigentlich nicht dementsprechend handle.

        • Warum soll die Waschmaschine denn nicht mittags waschen, wenn die Spitze des Solarstroms im Netz ist? Wir machen die Maschine bevorzugt an, wenn die Sonne scheint, um den eigenen Solarstrom vom Dach zu nutzen.

          • Nachtverbrauch ist völlig „out“ – heute ist wieder so ein Beispiel, da war die Sonnen- + Windernte Mittags insgesamt bei 42 GW. Das sind ca 60% der Gesamtproduktion.

            Nichtsdestotrotz brauchen Leute, die arbeiten dann auch eine Zeitschaltuhr. Dasselbe mit den zukünftigen Elektoautos und Bussen – die sollten eigentlich auch Mittags laden.
            Deswegen sind Zwischenspeicher bald unabdingbar, oder es wird immer mehr abgeregelt.

            Ich habe auch kein allzu schlechtes Umweltgewissen mehr, im Sommer hier im Büro die Klimaanlage anzustellen. Der Strom kommt auch u.a. direkt vom Dach, und wenn ich mir den immer größer werdenden Solarpeak bei gleichzeitig völlig fehlender Speichermöglichkeit und Leitungen hier in Südwestdeutschland ansehe kann man das Zeug mittags ruhig verbrauchen.

            PS: Zum Auto – ich wollte momentan nicht darauf verzichten. Öffentlicher Nahverkehr ist eher unattraktiv, und ich da oft zu faul. Neulich wieder- war brav mit meinem Freund in Frankfurt mit den Öffentlichen. Summa summarum hat die Rückfahrt 3 Stunden gedauert, vom Museum bis zur Haustür. So spät, ohne Verkehr wären das 1:10 mit dem Auto. Dafür war es interessanter – der Frankfurter Hauptbahnhof ist bei beginnender Dunkelheit ein Erlebnis für sich.

            Ich fahre öfters mit dem Rad zur Arbeit (11KM eine Strecke), aber immer wäre mir das zu viel. Muß mir auch hier die Kraft zwischen Hobby (Tanzen) und Radfahren einteilen, man wird nicht jünger.

          • Genau bei solchen Distanzen merke ich, dass ich jetzt wieder ohne nachzudenken das Rad nehme, seit es elektrisch unterstützt ist.
            Zum Laden: in den 1980ern wohnte ich in Neuseeland, da hatten die meisten Häuser zwei Stromanschlüsse – einer davon war für den Warmwassertank, wann der aufgeheizt wurde war vom Stromversorger gesteuert, dafür war der Strom billiger. Ich habe das Monate gar nicht gemerkt, dass das auch in unserem Haus so war, bis es mir jemand erklärt hat. Kann man mit Smart Grid und den Autobatterien am Netz künftig noch besser machen.

  11. Ich schließe mich dem Dank von Martok und Herrn Kühn an.
    Durch die letzten Beiträge der Herrn Prof. Rahmstorf und Quschning ist auch für mich als Laien sehr plastisch und konkret(!) dargestellt worden, worum es operativ geht (konkrete Mengen- und Zeitgrenzen).

    Wenn man aber die Folgerungen aus der Klimawissenschaft operativ und konkret, das heißt, politisch macht, merkt man schnell, wie unrealistisch das alles ist und dass es wohl eher darauf hinauslaufen wird, dass wir uns mehr auf den Umgang mit dem Klimawandel einstellen müssen, weil wir ihn wohl nicht mehr verhindern, sondern bestenfalls begrenzen können.

    Prof. Quaschning spricht ja selbst an, dass ab einem bestimmten Anteil Erneuerbarer Energien die Speicherfrage gelöst werden muss, denn EE fluktuieren nun mal. Und den Ausfall der deutschen Energieversorgung auch nur für einige Tage während einer Dunkelflaute (und so etwas gibt es wirklich) würde weder die deutsche Industrie noch die Bevölkerung akzeptieren.

    Bei dem bisher eher symbolischen Beitrag der EE zur Gesamtenergieversorgung muss man sich darüber keine Gedanken machen. Denn es gibt ja das 100%-Backup-System der fossilen Energiewirtschaft, dass immer dann brav einspringt, wenn es die EE gerade mal nicht bringen. Die EE sind genau aus diesem Grund bisher in Deutschland vollständig von den fossilen Energien abhängig.
    Solange die Speicherfrage nicht gelöst ist, ist der Ausbau der EE nur ein „Gut-Wetter-Projekt“ und nicht wirklich ernst zu nehmen.
    Eine echte Energiewende ist ohne die Lösung der Speicherfrage ausgeschlossen.

    Ich zweifle aber massiv an, dass sich die Speicherfrage lösen lässt. Schon gar nicht regional – jedenfalls nicht in einem Industrieland wie Deutschland.
    Denn man kann da nicht nur die technische Seite sehen (und selbst die ist fragwürdig). Es geht auch um die ökonomische Seite. Was soll das kosten, wenn wir annährend 100% EE-Energieversorgung haben und das dann 100% mit Speichern puffern müssen, weil die Energieerzeugung der EE immer mal wieder für Stunden oder Tage beinahe zu 100% ausfällt?

    Die Kosten könnten absolut betrachtet vielleicht sogar getragen werden. Aber nicht in einer Welt, in der andere Länder nicht genau die gleichen Maßnahmen umsetzen und die gleichen Kosten schultern und in der ein gnadenloser „Kampf der Nationen“ um Wettbewerbsvorteile tobt, der wesentlich über die Kostenseite läuft.

    Dazu kommt eben das Argument, dass Einsparungen fossiler Energien in nur einer Region nicht mal was bringen (außer- immerhin! – einer Technologiedemonstration). Für das Klima bringt das aber nichts, weil einfach andere Länder/Regionen ihren Verbrauch erhöhen werden. Verbraucht Deutschland kein Öl mehr, wird Öl – ceteris paribus – billiger werden. Bis an den Punkt, wo andere Nachfrager (in der „Dritten Welt“ einspringen und den Markt auf einem niedrigeren Preisniveau erneut räumen. Der Preis fossiler Energie sinkt dann zwar. Aber das ist alles.

    Letzter Punkt: Ich wage die These, dass der CO2-Verbrauch Deutschlands schon bald wieder steigen(!) wird. Denn aufgrund der Masseneinwanderung in dieses Land wächst die Bevölkerungszahl wieder sehr dynamisch. Die Einwanderer werden sehr schnell auf ein mitteleuropäisches Verbrauchsniveau angehoben. Mehr Menschen = mehr Ressourcenverbrauch.
    Das gilt für Deutschland und auch für die Welt. Jedes Jahr 80 Millionen Menschen mehr auf dem Planeten.

    Mein Fazit: Keine Chance, den Klimawandel zu verhindern. Begrenzen kann man trotzdem versuchen. Ansonsten muss man schauen, wie man ab 2050 mit der Sache umgeht und wie schlimm es wirklich wird.

    • Selbstverständlich kann man den Klimawandel nur begrenzen und nicht verhindern, da er ja längst abläuft. Aber auf welchem Niveau begrenzen, sodass die Folgen gerade noch halbwegs beherrschbar sind? Das ist seit 25 Jahren auf alljährlichen Gipfeltreffen von allen Staaten intensiv durchdiskutiert worden, und nun hat man sich in Paris 2015 endlich auf „deutlich unter 2 Grad“ geeinigt und dies völkerrechtlich verbindlich in einen Vertrag gegossen, dem sogar Staaten wie Saudi Arabien zugestimmt haben. Es ist einigermaßen absurd (bzw. einfach nur sehr schlecht informiert), wenn Leute jetzt aufeinmal aufwachen und merken, wie rasch man dazu die Emissionen mindern muss, und jetzt vor der Herausforderung zurückschrecken bzw. das als „unrealistisch“ abtun. Dazu muss man wohl die Debatte der abgelaufenen 25 Jahre verschlafen haben. Unrealistisch ist vielmehr die Hoffnung, dass man sich an 2 Grad Erwärmung oder mehr noch geordnet anpassen könnte. Deshalb haben ja alle Länder dem Pariser Abkommen zugestimmt, wohl wissend, was das für die Emissionsbudgets bedeutet. Das zeigen wir hier in diesem Blog ja nicht gerade zum ersten mal. Alle Delegierten in Paris wussten das.

      • Herr Prof. Rahmstorf,

        ich habe mich nicht korrekt ausgedrückt. Natürlich läuft der Klimawandel schon. Ich will auf das Zwei-Grad-Ziel hinaus, ab dem es – sagen Sie – wirklich ungemütlich wird. DIESES Szenario (also jenseits +2 Grad) halte ich für nicht verhinderbar, weil wir dafür ja innerhalb dieses von Ihnen vorgestellten Budgets von max. noch 1.000 Gt CO2 bleiben müssten – und das ist meiner Meinung nach einfach nicht machbar.

        Wenn Sie mir mitteilen, dass ich die letzten 25 Jahre verschlafen habe… na ja… so ganz stimmt das glaube ich nicht.
        Aber im Grundsatz haben Sie schon recht: Was die Einhaltung des 2-Grad-Ziels ganz konkret(!) bedeutet – Budgetgrenzen, Zeitgrenzen, konkrete(!!) Änderungen unserer Lebensweise ab dem Jahr X – das stand mir nicht unmittelbar vor Augen. Und jetzt sage ich Ihnen, dass das bei 90% der Bundesbürger nicht anders ist.
        (Gerade deshalb fand ich die letzten beiden Artikel hier so spannend und wertvoll!)

        Fragen Sie mal die Leute. Die meisten werden sagen: „Ja, natürlich muss man(!) da mal etwas(!) tun.“ Aber konkrete Vorstellungen hat kaum einer. Nur allgemeines Gerede. Und dass das die eigene Lebensführung signifikant betreffen würde und zwar sehr bald, das ist fast keinem gegenwärtig. Und das würde – dem politisch korrekten Gerede zum Trotz – auch die Mehrheit nicht akzeptieren. Wenn aus „man“ dann plötzlich „ich“ wird und aus „etwas“ ein Verbot des Verbrennungsmotors… da hätten Sie Spaß an den Menschen.

        Freundliche Grüße

        (Tut mir leid, wenn mein Pessimismus nervt. Nur, Sie sagen ja selbst, dass seit Jahrzehnten die Fakten auf dem Tisch liegen. Und was wurde bis jetzt erreicht? Per Saldo gar nichts.)

  12. Volker Quaschnings Dekarbonisierungsvision für Deutschland baut auf
    1) Elektrifizierung (E-Autos,Wärmepumpen,Elektrisch erzeugte Prozesswärme)
    2) Strom aus massiv zugebauten Wind- und Solarenergieanlagen
    3) Vertausendfachung der Stromspeicherungskapazität D’s (im Vergleich zu 2015) mit Batterien und EE-Erdgas.
    Dieser Dekarbonisierungsplan ist am ehesten noch mit den Plänen Kaliforniens vergleichbar welches bis 2020 1/3 und bis 2030 1/5 des Stroms erneuerbar erzeugen will und wo es immer mehr Batteriespeicherprojekte gibt. Zunehmend importiert Kalifornien auch Strom aus südlich und nördlichen US-Staaten und reduziert damit etwas seine Erdgasverstromung in Phasen wo wenig Solarstrom anfällt.
    In Kalifornien kommt Kritik an dieser Entwicklung vor allem wegen gestiegenen Strompreisen (Anstieg von 10 auf 14 Cent pro Kilowattstunde von 2000 bis 2015) und sinkender Zuverlässigkeit des Stromnetzes (deutlich mehr Black- und Brownouts als Texas).
    In Deutschland wüchse der Umsetzung Volker Quaschnings Dekarbonisierungsvision wohl aus zwei Quellen Opposition entgegen:
    1) der Strompreis würde noch mal deutlich steigen
    2) der schnelle Umbau würde viele Firmen vor existenzielle Probleme stellen. Man denke nur an all die Firmen, die rund um den Bau, Betrieb und Unterhalt von fossilen Automobilen entstanden sind und denen eine beschleunigte Elektrifizierung Probleme innerhalb weniger Jahre bereiten würde (während ein langsamer Umbau bei kleinen Unternehmen über den Generationenwechsel gelöst werden kann).
    zu 1) (Kosten): Anstatt höhere Strompreise wäre eine Finanzierung über Steuern denkbar
    zu 2) betroffene Firmengruppen könnten dem schnellen Umbau über Schulungen und F&E-Kooperationen begegnen
    Ferner sollte der Anteil des nötigen Stromspeichers durch grenzüberschreitende Stromnetze reduziert werden.

    • Ich nehme an, bis 2030 1/2. Das finde ich ein sehr schönes, immerhin halbwegs ambitioniertes aber realistisches Ziel. Super, Kalifornien! Deutschland hat zwar stärkere Ziele derzeit (wenn man von den Zusagen zur CO2-Emissionsreduktion ausgeht), aber es muss sie überhaupt auch umsetzen.

    • Ein radikaler Umbruch wird Verlierer und Gewinner produzieren. Das war aber schon immer so. Wenn wir den Umbruch verschlafen, werden die Gewinner aus anderen Ländern kommen. China ist derzeit dafür ein guter Kandidat.
      Eine schnelle Energiewende wird insgesamt erhebliche Kosten einsparen. Die Kosten der konventionellen Energiewende hatte ich schon in meinem Beitrag angerissen. Die Stromkosten dürfen doch gerne steigen, wenn dafür die Ausgaben für Gesundheits- und Umweltschäden fallen.
      Netze können sicher beim Ausgleich helfen. Nur wenn bereits in absehbarer Zeit die erneuerbare Erzeugung die Nachfrage um Größenordnungen übersteigt, ist der Ausgleichseffekt der Netze begrenzt. Ohne Speicher wird die Energiewende daher nicht gelingen.

      • Das sehe ich ähnlich. Ich denke, was in der öffentlichen Diskussion etwas zu kurz kommt, ist, dass es einen vernünftigen Kompromiss zwischen Netzausbau und Speichern geben muss. Netze können natürlich nur einen Teil des Ausgleichs von EEs kompensieren, daher braucht es für 100%-Szenarien natürlich auch Speicher. In der öffentlichen Debatte wird häufig aber jeglicher Netzausbau kategorisch abgelehnt und dem Netzausbau jegliche positive Wirkung auf die Integretion von EEs pauschal abgesprochen. Hier gilt es meiner Meinung nach zu relativieren und die jeweiligen Vor- und Nachteile von Netzausbau und Speicherausbau herauszustellen.

        Die Kopplung der verschiedenen Sektoren ist langfristig mit großer Wahrscheinlichkeit wichtiger als der Netzausbau, trotzdem können natürlich einige Overlay-HGÜ-Korridore Windstromzentren überregional vernetzen und somit den Speicherbedarf deutlich senken. Diese Korridore müssen eben nur gut geplant sein und sollten eben nicht gerade in einem Kohlerevier ihren Anfang nehmen, so wie bei Südostlink der Fall.

        Allerdings ist es halt schwierig zu erklären, wie die einzelnen Rädchen der Energiewende ineinandergreifen. Im Prinzip reichen ja Windräder, Photovoltaikanlagen und Power-to-Gas für eine vollständig erneuerbarer Stromversorgung aus. Soweit ist das in der Bevölkerung auch bekannt. Nur würde ein solches System eben bedeutende Nachteile haben, weil man damit sehr große Energieverluste produziert. Deswegen ist es natürlich zweckmäßiger, das System mit weiteren Flexibilitätstechnologien wie Wärmepumpenheizungen, Power-to-Heat, Wärmespeichern, abschaltbaren Lasten, Elektroautos, Stromnetzen u.v.m. zu koppeln, um das System zu optimieren und die Energieverluste zu minimieren.

        Hier sehe ich in der öffentlichen Debatte aber sehr viele Lücken. Stattdessen zielt die Debatte fast ausschließlich auf Speicher ab, insbesondere Power-to-Gas, während die übrigen Flexibilitätsmechanismen weitgehend bis vollständig ignoriert werden. Das halte ich aber für fatal, denn das pflanzt ein unvollständiges, ja fehlerhaftes Bild der Energiewende in die Köpfe der Menschen. Viel wichtiger wäre es darauf hinzuweisen, dass auch ohne Speicher erhebliche CO2-Einsparungen realisiert werden können. Das würde auch all denjenigen den Wind aus en Segeln nehmen, die behaupten, dass EEs solange unsinnig seien, solange es keine Speicher gäbe (und bliebe vermutlich immer so).

        Dabei ist es ja so, dass alleine mit der Integrationsfähigkeit von Wärmepumpen, Elektroautos und Power-to-Heat der EE-Anteil im Stromsektor jenseits der 50 % gesteigert werden kann. Und das bei gleichzeitiger Dekarbonisierung des Straßenverkehrs und der Heizwärme. Das kommt aber in der öffentlichen Debatte nicht an, da diese völlig Speicherfixiert ist. Das machts dann halt den Energiewendekritikern leicht, zu behaupten, dass jeglicher EE-Ausbau derzeit unsinnig sei. Tatsächlich spart der derzeitige und auch der zukünftige EE-Ausbau aber erhebliche Mengen Emissionen ein. Übrigens auch dann, wenn es mangels Speichern nie zu einer vollständigen, sondern nur zu einer partiellen Dekarbonisierung käme. In diesem Fall würde der EE-Ausbau die Erwärmung zwar nicht stoppen, aber erheblich verlangsamen. Angesichts der Tatsache, dass alle Speicher, die für die Energiewende benötigt werden, bereits heute sowohl im Labor als auch in der Praxis funktionieren, habe ich aber keine größeren Zweifel daran, dass die Speicherfrage langfristig ein Problem für die Energiewende sein wird.

      • Nicht, dass ich nicht glaube, dass Ingenieure und Wissenschaftler eine Speichertechnologie entwickeln können, um die Energiewende möglich zu machen. Aber falls doch, gibt es da noch den Hanf, behaupte ich, der helfen kann, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht und werde dafür von Antigutmenschen und Pseudoskeptikern auf Zeit Online ausgelacht. Zu recht?

  13. Der Flugverkehr wurde hier nur kurz gestreift. Zur Klimawirksamkeit des Flugverkehrs wird ein Anteil am gesamten anthropogenen Treibhauseffekt von etwa 7% angenommen. Von einer weiteren deutlichen Steigerung des Flugverkehrs wird ausgegangen, u.a. wird deswegen der Bau einer 3. Startbahn in München angestrebt. In einem Null-Emissionsszenario muss also der Flugverkehr auch enthalten sein.
    Erste Schritte zu CO2-armen Flugzeugen wurden zwar gemacht. Siemens und Airbus entwickeln einen hybrid-elektrischen Antrieb. Man ist überzeugt bis 2030 ein Flugzeug für 100 Passagiere für Kurz- und Mittelstrecken entwickeln zu können. Das DLR geht davon aus, ein Brennstoffzellenflugzeug für Kurzstrecken bauen zu können. Im Versuchsstadium ist Biokerosin aus Algen. Die Reichweite der Hybrid- und Brennstoffzellenflugzeuge läge damit in einem Bereich, den man auf vielen Strecken auch gut mit der Bahn fahren kann. Welchen Stellenwert werden diese Alternativen in der Zukunft haben? Müssen wir uns also darauf einstellen, dass es eine Lizenz zum Fliegen spätestens 2040 nur noch für ganz wenige gibt? Was bedeutet das für Mallorca, Thailand,…?

    Das Umweltbundesamt hatte letztes Jahr empfohlen, auf Flüge möglichst zu verzichten. Auf der Leserbriefseite unserer Lokalzeitung gab es deswegen wütende Kommentare, als ob ein Menschenrecht abgeschafft werden sollte. Elektroautos, regenerativ erzeugter Strom, über Oberleitung betriebene LKWs, eine völlige Elektrifizierung der Industrie scheint für viele Bürger vorstellbar, bzw. sie fühlen sich nicht betroffen. Wenn aber der Flugverkehr angesprochen wird, Windkraftanlagen gebaut werden sollen oder der Fleischkonsum diskutiert wird, dann gibt es Unverständnis und Widerstände (siehe der veggie-day der Grünen vor der letzten Bundestagswahl; kürzlich hatte ich gelesen, eigentlich ginge es um einen meat-day pro Woche).

    Die für den raschen Umbau geforderten Entscheidungen müssten von Seiten der Regierenden gut vorbereitet werden durch regelmäßige Informationen der Bürger. Selbst dann wird es zu Protesten kommen. Und die Angst vor diesen Protesten und die Möglichkeit deswegen abgewählt oder überhaupt nicht gewählt zu werden, dürfte der Grund für die wenig engagierte Politik sein.

    Ich selbst fliege seit 17 Jahren nicht mehr, bin Vegetarier und fahre fast nur mit den Öffentlichen. Obwohl ich meine Umgebung regelmäßig über den Klimawandel informiere, habe ich kaum mehr als ein vielleicht etwas besseres Verständnis für engagierte Klimaschutzmaßnahmen erreicht, sollte sich die Bundesregierung doch dazu entscheiden.
    http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10081/151_read-17563/#/gallery/22792
    http://www.siemens.com/press/de/pressemitteilungen/2016/corporate/pr2016040246code.htm?content%5B%5D=Corp
    http://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/mobilitaet/flugreisen#textpart-1

    • „Nicht mehr Auto fahren“ oder „nicht mehr Fliegen“ als moralische Imperative sind keine global umsetzbare Lösungen für das Klimaproblem. Vielmehr müssen in naher Zukunft alle Verkehrsmittel CO2-neutral werden. Dazu müssen Autos und Flugzeuge entweder elektrifiziert oder aber mit CO2-neutral hergestellten Treibstoff (mit Strom erzeugtes Erdgas oder Erdöl) betrieben werden. Die CO2-Neutralität muss der Imperativ sein. Die technische Umsetzung dieser Forderung führt dann eventuell dazu, dass das Fliegen viel teurer wird als heute. Dann werden automatisch weniger Leute fliegen. Doch nur weil die geforderte CO2-Neutralität etwas sehr teuer macht, heisst das nicht, dass das Ziel CO2-Neutralität aufgegeben oder gelockert werden muss. Vielmehr muss CO2-Neutralität die oberste Priorität erhalten, denn nur so erreicht man eine dekarbonisierte Welt.

      • „Nicht mehr Auto fahren“, das fordert doch ernsthaft niemand. Für mich ist wichtig, dass die erheblichen externen Kosten des Autoverkehrs (Studien gehen bis 180 Milliarden Euro pro Jahr) schrittweise internalisiert werden. Alles weitere (technischer Fortschritt, reduzierte sinnlose Herumfahrerei etc.) ergibt sich in einer Marktwirtschaft ganz automatisch.

        Die Einnahmen sollten z.B. für direkte Entschädigungen oder sinnvolle ÖPNV-Projekte verwendet werden. Ich habe schon lange keine Lust mehr, die deutschen Autofahrer massiv zu subventionieren!

  14. „Wollen wir den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen, wie im Pariser Klimaschutzabkommen versprochen, auf deutlich unter 2 °C und möglichst auf 1,5 °C begrenzen, müssen wir die weltweiten Kohlendioxidemissionen möglichst um das Jahr 2040 auf null, also um 100 Prozent reduzieren. Der deutsche Klimaschutzplan unterstreicht zwar die Ambitionen, den globalen Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 °C zu begrenzen, sieht aber nur einen Emissionsrückgang um 80 bis 95 Prozent bis zum Jahr 2050 vor.“

    (1) Die Natur kümmert sich nicht um die Ziele eines Klimaschutz-Abkommens. Maßgebend ist die Konzentration aller Treibhausgase incl. Wasser.
    (2) Kohlendioxidemissionen kann man nicht auf Null reduzieren, heute nicht und auch 2040 nicht. Man kann sie nur mindern.
    (3) Prozentzahlen müssen sich immer auf ein Basisjahr beziehen. Maßzahl sollte immer die Emission pro Kopf sein.

    Die deutschen Anstrengungen, die energiebedingen CO2-Emissionen zu mindern, können sich sehen lassen. In 2015 betrug die Emission pro Kopf 9,1 t. Damit ist die Emission pro Kopf geringer als im Jahr 1955. Maximale Emission erfolgte im Jahr 1979 mit 13,7 t. Seit 2000 ist die Reduktion pro Kopf 0,8 t/Dekade

  15. „Ohne Speicher wird die Energiewende daher nicht gelingen.“
    Wirklich ein wahres Wort!
    Sie sprechen von Power to Gas.
    Da laufen seit Jahren ein Dutzend Projekte in Deutschland, um die Möglichkeiten von P2G zu ergründen.
    Von keinem einzigen hört man ein Ergebnis über die Versuchsergebnisse, geschweige denn Zahlen über Wirkungsgrade und Produktionskosten.

  16. Leider hat die mit Millionen Euro von der Fossillobby bezahlte Propaganda in den letzten 10 Jahren deutliche Spuren in den Meinungen meiner Mitbürger hinterlassen, wie ich selbst gestern einem Gespräch mit einem evangelischen Pfarrer entnehmen konnen. Bewahrung der Schöpfung war gestern. Ich habe ihn mal 5 km mit dem E-Auto mitgenommen und in meine solarversorgte Dachwohnung mitten in der Stadt eingeladen. Hoffentlich kommt er bald mal.

  17. Radle mehrfach die Woche an einer Wasserkraftschnecke vorbei: 85 Kilowatt Leistung, läuft und läuft seit Wochen, produziert 300000 kWh Strom pro Jahr, versorgt 120 Haushalte. Ich gucke dem Ding immer wieder mal einige Minuten bei der Arbeit zu, einfach so.

    Wie sieht`s in Deutschland mit der Wasserkraft aus? Warum nicht die installierte Leistung verdoppeln?

    Hier das brand-eins-Interview mit Manfred Volk, dem Gründer der Wasserkraft Volk AG:

    https://www.brandeins.de/archiv/2012/risiko/volks-zorn/

    Für mich sind übrigens die Erneuerbaren das natürliche Pendant zu einer freien engagierten Bürgergesellschaft, das spielt für mich eine große Rolle. Wir benötigen ganz generell in unserem Land mehr Leute mit unternehmerischen Fähigkeiten wie Herrn Volk und weniger ausschließlich destruktiv veranlagte Klimaskeptiker!

    • Sie fragen:„Wie sieht`s in Deutschland mit der Wasserkraft aus? Warum nicht die installierte Leistung verdoppeln?“
      Nach Volker Quaschning braucht Deutschland 1000 x mehr Energiespeicherkapazität. Es ist aber typisch, dass nur schon eine Verdoppelung (ob nun mit Wasserkraft oder anders) in D schwierig zu realisieren erscheint, während etwa die Chinesen so eine Frage gar nicht stellen und in der Zeit, die es geht um solch eine Frage in Deutschland zu beantworten bereits die Lösung realisiert haben. Kürzlich las ich, in Europa oder den USA brauche es 5 x länger als in China um ein neues Hochspannungsstromtrasses zu realisieren. Wenn das auch in anderen Bereichen stimmt kann es durchaus sein, dass die Chinesen selbst Deutschland noch bei der Dekarbonisierung überholen.

  18. Weil ich gerade über diesen Beitrag gestolpert bin:

    indias coal plans

    nochmal der Hinweis darauf, dass „völkerrechtlich verbindliche Verträge“ auch nichts anderes sind, als Absichtserklärungen. Man kann „Verpflichtungen“ aus solchen Verträgen nun mal nicht beim Welt-Amtsgericht einklagen. Die Staaten bleiben souverän und im Zweifel ist ihnen die unmittelbare wirtschaftliche Entwicklung wichtiger, als alles andere.

    Das spricht nicht dagegen, dass Bewusstsein weiter zu schärfen und Schritte in die richtige Richtung zu gehen. In Deutschland sollte man bspw. endlich die Speicherfrage verstärkt angehen.
    Aber insgesamt sollte man davon ausgehen, dass das 2-Grad-Ziel nicht zu halten sein wird und sich überlegen, wie man mit der Situation am besten umgehen kann.
    Nicht, weil man sich das wünscht, sondern einfach, weil es nun mal das realistischere Szenario ist!

  19. Der neue US-Enerigeminister Rick Perry meint:Perry erklärte, die USA und China leisteten einen großen Beitrag zur Verringerung klimaschädlicher Emissionen. Frankreich und Deutschland hingegen täten nicht genug.
    Dies sagter er im Zusammenhang mit dem Pariser Klimavertrag, den er nicht kündigen, sondern neu verhandeln will.
    „Mein Punkt ist, unterzeichne kein Abkommen und erwarte von uns, dass wir in dem Abkommen bleiben, wenn Ihr Euch nicht wirklich beteiligt und Teil davon seid“, so lautete Perrys Botschaft an die deutsche Bundesregierung.“
    Nun ja, da übertreibt Perry massiv. Allerdings muss man sich nicht wundern über Kritik, wenn Deutschland sich selber zum Energiewende-Star und Klimavorreiter macht, dies aber letztlich grosse Absichten und Worte bleiben.

    • Ich wollte eigentlich schreiben: „Erneuerbare sind das natürliche Pendant zu einer freiheitlichen, engagierten und verantwortungsbereiten Bürgergesellschaft.“ Was ich damit meine, habe ich in den letzten Jahren immer wieder ausführlich und sozioökonomisch fundiert dargestellt; in meinen obigen Beiträgen habe ich einige vorbildliche Projekte genannt (u.a. EWS Schönau, Wasserkraft Volk AG).

      Das El-Hierro-Beispiel ist jetzt langsam etwas abgestanden. Dazu gibt es bessere und weniger ideologisch motivierte Analysen – der Fortschritt ist keine Schnecke, lieber Andreas. Wenn ich die Namen Limburg und Mueller lese, schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken; das bedeutet nicht, dass ich mich als wertkonservativ-liberaler Marktwirtschaftler nicht auch mit Andersden-kenden auseinandersetze.

      Geben Sie sich etwas Mühe und finden Sie zur konkreten Energie-Problematik in Deutschland eigene Argumente. Jetzt spannen Sie mich aber nicht lange auf die Folter und erklären Sie mir, was „Freiheit“ Ihrer Meinung nach wirklich ist.

      • Freiheit ist das, was Hegel (und seine Nachfolger) darunter verstand.
        Verkürzt: Einsicht in die Notwendigkeit.

      • Lieber E.Teufel,

        ich sehe keinen Sinn darin, den Artikel der Ruhrbarone mit dem Kommentar auf Scienceblogs zu vergleichen, sind doch beide ziemlich hingeschludert.

        Robusteres kommt von Euan Mearns, der das Projekt seit November 2014 sehr detailliert verfolgt. Die Ausgangssituation ist hier beschrieben:

        http://euanmearns.com/el-hierro-another-model-for-a-sustainable-energy-future/

        Es gibt monatliche Performance Updates, z.B. vom April:

        http://euanmearns.com/el-hierro-april-2017-performance-update/

        Auch konstruktive Vorschläge gibt es:

        http://euanmearns.com/how-to-make-el-hierro-100-renewable/

        Und schließlich gibt es eine lebhafte Diskussion mit dutzenden Kommentaren zu den einzelnen Beiträgen.

        • Herr Mistelberger, ich habe nicht Ruhrkultour mit Scienceblogs verglichen, sondern in dem verlinkten Post auf Scienceblogs (der auch als Antwort an ihren Beitrag dort war) ein wissenschaftliches Paper von IEEE aus dem Jahr 2012 (also mit Daten aus der Planung) mit gemessenen Daten von 2016 verglichen.

          Dabei kam heraus, dass der Verbrauch von der Planungsphase (2009) bis heute um mehr als 30% gestiegen ist und dass das Pumpspeicherkraftwerk nur einen Wirkungsgrad von 16% hat. Die Ursachen dessen sollten geklärt werden, bevor man eine weitere Bewertung des Projektes vornimmt.

          • Heraus kam eine flapsige Bemerkung: „Ich bin Profi im Verrechnen. Bitte überprüfen!“

            Tatsächlich ist eine Ursachenforschung erfolgt:

            Since startup the GdV plant has generated about as much renewable energy as it was expected to generate except for the shortfall in pumped hydro. The ongoing low-wind period, however, highlights the project’s Achilles Heel – energy storage. Previous Energy Matters posts have concluded that intermittent renewable energy will never be able to supply 100% of grid demand because of the prohibitively large amounts of energy storage needed to convert it into year-round dispatchable power, and GdV now provides real operating data to back this conclusion up.

            This is not to say that GdV could never supply a substantial percentage of El Hierro’s electricity demand. But higher levels of renewables penetration can be achieved only by expanding the wind farm, using the diesel generators for load-following and wasting the surplus wind power the hydro system is too small to handle. Other previous Energy Matters posts have identified this approach as the only practicable one.

            http://euanmearns.com/el-hierro-renewable-energy-project-september-2015-performance-review/

            Zum Portal: http://euanmearns.com/el-hierro-portal/

  20. Gestern wurde bei der Mauna-Loa-C02-Messstation der Rekordwert von 412,63 ppm gemessen. Vielleicht ein Ausreißer, aber dennoch Anlass gebend, über die Erfassungsmethoden des CO2-Ausstoßes zu reflektieren. In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, ob man den CO2-Aussstoß einer Region, beispielsweise Deutschlands, dadurch indirekt bestimmen kann, dass man lokale Messungen des CO2-Gehaltes durchführt. Dies scheint mir wichtig, da die Erfassungsmethoden des CO2-Ausstosses nicht ohne Grund kritisch gesehen werden. Es ist ja so, dass diese von den einzelnen Laendern erhoben werden und nicht weiter geprüft werden. Einzelne Länder haben sicher ein Interresse daran, gut dazustehen. Die Diskrepanz zu den Angaben über den globalen Ausstoß und die globale Entwicklung des CO2-Ausstoßes ist ja auffällig. In dem lesenswerten Klimabuch von Rahmstorff und Schellnhuber wird der CO2-Gehalt zur Jahrtausendwende mit 389ppm angegeben. Die Druckerschwärze ist gerade trocken, und wir sind bei über 410 angelangt. Was hat eigentlich Kyoto gebracht? Wird Paris mehr bringen?

    • “ In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, ob man den CO2-Aussstoß einer Region, beispielsweise Deutschlands, dadurch indirekt bestimmen kann, dass man lokale Messungen des CO2-Gehaltes durchführt. “
      ===============================

      Sehr geehrter Herr Freitag,
      das kann man wohl vergessen. Die lokalen CO2-Gehalte sind von so vielen Zufälligkeiten beeinflußt, daß sie ganz extrem schwanken und man kaum etwas vernünftiges daraus ableiten kann.
      Es ist wesentlich zielführender, einfach den Verbrauch an fossilen Energieträgern zu erfassen.
      MfG Frankfurter

    • es ist mehr vom theoretischen Interesse, ob es nun 400 od. 410ppm CO2 sind, als vom Praktischen. Die bodennahen Werte schwanken stark und liegen oft deutlich darüber, entscheidend sind die Konzentrationen in der „freien Atmosphäre“, möglichst abseits von großen Ballungszentren. Auch am Sonnblick findet sich eine im Rahmen des GAW Programms, wie in der Antarktis, Hawaii und anderen. Alle zeigen sehr ähnliche Werte und Trends, zu berücksichtigen ist freilich der Jahresgang, über die Vegetationsperiode der NHK sinkt der Gehalt etwas ab, um einen guten Mittelwert des Jahres zu ermitteln, reicht aber das arithmetische Mittel aus den Sommer und Winterwerten.
      http://www.sonnblick.net/downloads/beirat2009/Kaiser.pdf

  21. Hanfmissionar, egal ob Omerta oder Pseudoskepsis

    Ich weiß, Hanf spielt kaum je eine Rolle in der Debatte zur Bewältigung der Umweltkrise der Zivilisation. Aber irgendwie habe ich doch gehofft, dass Stefan Rahmstorf respektive Volker Quaschner sich zu meinen Überlegungen äußern, ob der Hanf helfen kann, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, falls die Speicher- und Umwandlungstechnologie den Bedarf nicht deckt und er auch sonst die im Vergleich zu den gängigen Nutzpflanzen umweltfreundlichste Alternative ist oder ich zu Recht in den Kommentarspalten auf Zeit Online ausgelacht werde.

    Bis jetzt sehe ich wenig Gründe, nicht weiterhin für mehr Hanfnutzung zu plädieren und werde auch auf Scilogs nicht locker lassen. Omertas wissenschaftlicher Eliten werden mich genauso wenig daran hindern wie die Pseudoskepsis von Antigutmenschen. Denn ich will es nicht gewesen sein, der den Hanf vergessen hat. Aber vielleicht kommt ja noch was. Und Quaschner und Rahmstorf sind auch wenn nichts mehr kommen mag zu loben, dass sie Laien wie mir in vielen Fragen Aufklärung bieten. 🙂

    • Danke – bei den Antworten muss ich mich auf das beschränken, wovon ich etwas verstehe – zum Potenzial von Hanf kann ich daher leider nichts sagen.

      • Dann muss ich das respektieren. Sie können ja nicht darauf vertrauen, was ein Laie behauptet. Aber etwas über Hanf gelesen haben Sie. Damit muss ich mich zufrieden geben. Und Volker Quaschner ist bestimmt auch kein Agrarexperte und muss auch (nur) auf das antworten, wovon er etwas versteht.

        Habe ich vor ein paar Jahrzehnten irgendwo mal gelesen: Experten wissen immer mehr über immer weniger, bis sie alles über nichts wissen. Vielleicht ist das heute die Crux für den Hanf. Vielen Dank für Ihre ehrliche Antwort.

  22. Ein paar Deutsche Politiker und Forscher wollen wohl CO2 Emissionen dramatisch senken, passieren tut freilich wenig und auf der anderen Seite dann so was:
    http://orf.at/#/stories/2389308/

    …“Die EU hat gegen den Widerstand Deutschlands die Umweltstandards für Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke verschärft. Die neuen Grenzwerte für den Ausstoß von giftigen Schadstoffen wie Quecksilber, Schwefeldioxid und Stickoxid müssen die insgesamt 2.900 Kraftwerke in der Union bis 2021 einhalten, beschlossen die EU-Mitgliedsstaaten heute in Brüssel.
    Gegen den neuen Grenzwert für Stickoxide hatte Deutschland gemeinsam mit traditionellen Kohleländern wie Polen Widerstand geleistet, wurde aber überstimmt.“

    Also wahre Umweltgifte auszustoßen ist ok, aber CO2 muss weg. Diesen Irrsinn muss man auch mal verstehen versuchen…

    • Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen. Versucht ja die EU, Deutschland dazu zu bewegen. Irrsinn, dass der Mensch aufhört zu kokeln mit Erdöl und Kohle relativ hurtig, ist es jedenfalls mit höchstem Vertrauen nicht.

  23. Liebe Mitstreiter,
    ich glaube nicht, dass man die Gewohnheiten der Menschen so stark ändern kann, dass wir die angesprochene Revolution in der kurzen Zeit noch hinbekommen. Daher bin ich der Meinung, dass wir Verfahren, Organismen, Maschinen, Strukturen u.v.m. finden und erschaffen müssen, die Klimagase aus der Luft herausholen und der Erde wieder zurückgeben. Diese Maßnahmen müssen parrallel zu allen anderen Unternehmungen laufen. Es wäre fatal diese Möglichkeit aus strategischen Gründen außer acht zu lassen.
    Darüberhinaus bin ich der Meinung, dass wir für die kritischen Temperaturszenarien kurzfristige Maßnahmen des Geoengineerings intensiv erforschen müssen um unausweichliche Folgen abgeschätzten zu können.

    Wir sind die Letzten, die die Erde noch relativ natürlich erleben dürfen, gleichzeitig wissen wir um unsere Situation. Das nimmt uns in die Pflicht das Erdklima vor dem entgültigen Kippen zu bewahren mit allen Maßnahmen, die uns zur Verfügung stehen.
    Glück auf, Lukas

  24. Wichtig wäre aber auch einmal ein Realitätscheck!

    Abseits von Ideologien ist es doch so, dass alle Deutschen oder auch EU Bemühungen hinsichtlich CO2 Emissionen keinen nennenswerten Beitrag zum globalen und regionalem Klima leisten können! (rund 2 bzw 15%).

    Wenn also nicht China und die USA ihre Emissionen drastisch senken, sind die anderen Fleckerlteppich Ansätze klimatologisch gesehen sinnlos.

    Dennoch wäre es insbesondere für Europa durchaus sinnvoll, die fossile Abhängigkeit schnell zu minimieren. Alleine die Mobilität hängt zu über 98% von Benzin und Dieselkraft ab und hier kommt auch die geopolitische Situation zur Geltung, denn die massive Abhängigkeit von Öl Importen ist auf Dauer sicher nicht geschickt, neben der Tatsache, dass Öl irgendwann sicher sehr knapp werden wird, eine Preisexplosion reicht aus, um Europa in massive Wirtschaftskrisen mit allen Folgen zu stürzen.
    Das ist für mich der primäre Grund für das politisch motivierte Antreiben der sg. Energiewende, ich persönlich sehe bzgl. Klimawandel weit geringere Gefahren.

    • @chze
      “ ich persönlich sehe bzgl. Klimawandel weit geringere Gefahren.“
      das ist doch mal eine Aussage, die Hoffnung macht.
      Sie haben sicherlich Forschungen zum Klima(wandel) angestellt oder anderweitig Kenntnis zu Fakten erhalten, die diesen Satz erhellen.
      Ich interessiere mich sehr dafür, bitte lassen sie mich teilhaben.

  25. Sehr geehrte Damen und Herren,
    Subventionen abzuschaffen wäre ein deutlicher Fortschritt und zu begrüßen.
    Der CO2 Handel ist leider technisch sehr unausgereift und als künstlicher Markt sehe ich bessere Alternativen. Derweil gibt es in der UNO keine Instanz für technische Lösungen zum Klimaschutz je nach Branche, zumindest ist mir keine bekannt.

    Leider sehe ich eine höchst kritische Entwicklung, die sie deutlich anmerken sollten.
    Mittlerweile kostet das EEG auf Grund von seiner geringen Effizienz und unsozialen Umverteilungsgestalt(von Zahlern an Investoren) jedes Jahr über 20 Mrd. €. Glauben Sie, dass ohne systemweite Änderungen da überhaupt noch Änderungen möglich sind und das nicht besser anders organisiert werden sollte? Prinzipiell ist es eine Umverteilung an Vermögende?!
    1. Speicherung der EEG-Energie sind technisch nicht machbar und ohne Luft-Ionen-Technologie nicht zukunftsträchtig/finanzierbar, da das Speichern zu teuer wird. Andere Technologien wie Vergasung sind zu ineffizent. Dies wird sich erst in 5-10 Jahren mit größeren Akkumulatoren ändern, sodass auch autonome Fahrzeuge im großen Stil einsatzbar werden. Andernfalls würden Elektroautos bereits jetzt gekauft, sind aber zu teuer für die Speicherleistung.
    2. Ohne Kohle und ohne Atomstrom gibt es (noch) keine zuverlässigen Energieträger, insbesonders in der Nenngröße von mehreren GW Leistung, welche mehr oder weniger kurzfristig angefahren werden können oder diese sind zu teuer.
    3. Ohne zuverlässigen Energieträger und/oder Speicher ist ihr Fahrplan für den Ausbau hinfällig und unnötig teuer(richtig teuer), andernfalls ein Weg ins Mittelalter ohne Strom.
    Weiterhin sollten Sie als Klimaschutzförderer die Kostenseite und Realisierbarkeit betrachten, vielleicht reden Sie mal häufiger mit den Fachkollegen aus dem Ingenieurbereich.

    Sie werden mit dem Verbot von Verbrennungsmotoren lediglich den lokalen Wirtschaftsstandort schädigen, da jegliches Gebiet ohne Stromzufuhr eine autarke Energiequelle für einen Motor zum Transport etc benötigt. Zum Beispiel für jegliche Militärfahrzeuge werden Motoren stets benötigt werden, da sie zuverlässiger sind.

    Bitte werden Sie in ihren Forderungen vernünftiger und bleiben Sie mit den Kosten transparent, dann werden Sie auch ernst genommen.
    Für meinen Teil kann ich nicht nachvollziehen, warum man solch nicht technisch und nicht ökonomisch begründeten Forderungen stellen kann.

    Lediglich politisch ist es plausibel, dann kann man besser Geld machen/umverteilen und muss (leider) nicht seinen Nutzen genau begründen/quantifizieren. Gerade diese Nichtquantifizierbarkeit und geringer Nutzen des EEG+Umverteilung ist es, was die Leute so aufregt.
    Vielleicht haben Sie ja gute Intentionen, die Maßnahmen sind aber unrealistisch.
    Mit Gruß und Verzeihung für den langen Text, Jan

    • Der Beitrag zeigt insgesamt, dass erst wenig Wissen über die Gefahren der Erderwärmung vorhanden ist und viele oberflächliche Vorwände gegen die Energiewende nachgebetet werden. Doch einer Aussage stimme ich zu:
      >>Subventionen abzuschaffen wäre ein deutlicher Fortschritt und zu begrüßen.<<
      Ja! Wenn Atomenergie wie auch die Kohle und sogar das Erdgas nicht mehr von Risiken (Atomunfälle) und Abgaben (WASSERABGABE für die riesigen Wasserentnahmen wie auch die FÖRDERABGABE für das Recht, Bodenschätze abbauen zu dürfen) befreit würden, und verpflichtet würden, nach dem Verursacherprinzip für ihre Folgekosten (Atommüll, Kli-maschäden) aufzukommen, wäre das EEG nicht mehr notwendig.
      Nur zur Begriffsklarheit: Das EEG regelt Einspeisevergütungen aber keine staatlichen Zah-lungen. Es zählt deswegen auch nicht zu den Subventionen und steht nicht im Subventi-onsbericht der Bundesregierung.
      Raimund Kamm

  26. Vielen Dank für den Artikel. Er zeigt sehr deutlich das das Klimaabkommen von Paris das Papier nicht wert ist auf dem es steht. Denn die Ziele sind weder technisch noch wirtschaftlich umsetzbar. Und den Politikern ist das auch vollkommen klar, weswegen die vereinbarten Ziele auch nicht verbindlich sind und es keinen Sanktionsmechanismus gibt.

    Nehmen wir nurmal beispielhaft eine Forderung heraus:

    „Spätestens 2025 müssten dafür die Produktion von Fahrzeugen mit Benzin- und Diesel­motoren eingestellt werden“

    Wer kann sich vorstellen was es bedeutet alle Fabriken von VW, Audi, Mercedes, BMW, Porsche, Opel plus die LKW- und Bushersteller umzurüsten?
    Achja die ganzen Zulieferbetriebe auch noch.
    Wir haben nichtmal die Produktionskapazitäten im MAschinenbau um diesen Zeitplan einzuhalten. Erst Recht nicht parallel zu all den anderen Großprojekten die notwendig sind und der ganzen restlichen Welt die das ja auch umsetzen muss. Das zur technischen Machbarkeit.

    Wirtschaftlich könnte ein solches Großprojekt nur der Staat finanzieren. Und sollte ein Land wie die USA oder Japan nicht mitmachen, verliert die deutsche KfZ-Industrie gleich noch riesige Marktanteile in Ländern wo Verbrennungsmotoren weiter erlaubt sind. Da hilft nur die Enteignung und die Finanzierung durch Steuergelder. Steuergelder die aber längst für andere Klimaschutzaufgaben verplant sind.
    Wir haben einen ähnlichen Umbruch einer Fertigungstechnologie bereits einmal erlebt. Und zwar die Umstellung vom Handy auf das smartphone. Das Ergebnis war das keiner der großen Handyhersteller das überlebt hat.

    Einen ganzen Wirtschaftszweig wie die KfZ-Industrie sterben zu lassen ist aber auch keine Alternative, weil uns dann nämlich das Geld fehlt um den restlichen Klimaschutz zu finanzieren

    Und jetzt stellen sie sich das ganze mal für ein Land wie Indien vor, wo über 500 Millionen Menschen auf ein besseres Leben hoffen und kaum bereit sein werden diese Hoffnung dem Klimaschutz zu opfern.

    • Erstens sind die Ziele existenziell (und nicht politisch verhandelbar!) und zweitens auch umsetzbar.
      Zur Umsetzbarkeit: Ich habe in meinem Beruf erlebt, wie im Telefon- und Kommunikationsbereich die digitale Elektronik die analoge Elektromechanik verdrängt und abgelöst hat. Dabei sind einige Firmen (SEL, T&N, DeTeWe, …) die dies nicht rechtzeitig verstanden haben, mit zehntausenden Arbeitsplätzen auf der Strecke geblieben.
      Ähnliches werden wir in der E-Mobility erleben. Einige Firmen (VW, Audi, BMW, Daimler, ZF usw.) werden in Existenzschwierigkeiten kommen. Andere werden hingegen gewinnen. Heute schon ist der Börsenwert („Marktkapitalisierung“) aller Aktien von Tesla größer als der vom jahrzehntelangen Autogiganten General Motors.
      Raimund Kamm

  27. Enormer Aufwand für annähernd Null Wirkung!

    Die CO2-Emissionen sind in der EU 2016 gegenüber dem Jahr davor leicht um 0,4 Prozent gesunken. Am stärksten ging der Kohlendioxidausstoß aus der Verbrennung fossiler Energieträger in Malta (minus 18,2 Prozent) zurück. Am stärksten stieg er in Finnland (plus 8,5 Prozent). Österreich verzeichnete mit einer Erhöhung von 2,7 Prozent den neuntgrößten Zuwachs, geht aus Eurostat-Daten von heute hervor.

    Insgesamt verzeichneten elf EU-Staaten rückläufige CO2-Emissionen. Hinter Spitzenreiter Malta folgen Bulgarien (minus 7,0 Prozent), Portugal (minus 5,7 Prozent), Großbritannien (minus 4,8 Prozent), Luxemburg (minus 3,8 Prozent), Griechenland (minus 3,3 Prozent), Italien (minus 2,9 Prozent), Rumänien (minus 1,4 Prozent), Estland (minus 1,0 Prozent), Tschechien (minus 0,7 Prozent) und Belgien (minus 0,6 Prozent).

    Hinter Finnland folgen bei den 17 Staaten mit höheren Kohlendioxidwerten Zypern (plus 7,0 Prozent), Slowenien (plus 5,8 Prozent), Dänemark (plus 5,7 Prozent), Kroatien (plus 4,3 Prozent), Litauen (plus 3,9 Prozent), Lettland (plus 3,2 Prozent), Ungarn (plus 2,9 Prozent), Österreich (plus 2,7 Prozent), Schweden (plus 2,3 Prozent), die Slowakei (plus 1,7 Prozent), Spanien (plus 1,6 Prozent), Irland (plus 1,1 Prozent), Polen (plus 1,0 Prozent), Frankreich (plus 0,9 Prozent), Deutschland (plus 0,7 Prozent) und die Niederlande (plus 0,4 Prozent).

  28. @chze, Jan, tobmat, Sebi – eine einzige Person oder eine abgestimmte kollektive Aktion?

    Eure Beiträge sind keine Analysen, sondern weitgehend wertlose und rückwärtsgerichtete Statements, das hättet ihr besser bleiben lassen.

    Die Energiewende – mit ihrer Vielzahl technologischer Neu-und Weiterentwicklungen, aufeinander abzustimmenden Maßnahmen und einem komplizierten Regelrahmen – ist bereits ein Riesen-Erfolg. Im ersten Quartal 2017 wurden 32 Prozent des Stroms regenerativ erzeugt, das hätte noch vor 15 Jahren niemand zu prognostizieren gewagt. Jeder, der schon einmal komplexe Veränderungsprozesse begleitet hat, weiß, dass ein solches Projekt nicht ohne Friktionen und laufende Neujustierungen zu haben ist. Als unternehmerisch veranlagter Mensch interessiert mich, wo wir in 20 oder 30 Jahren sein können und wie wir den besten Weg dorthin finden.

    Aber werfen wir doch einen Blick auf die Nachrichten der letzten Tage: Der Netzausbau kommt (langsam) voran; Offshore-Wind benötigt keine Förderung mehr; die Preise von Lithiumspeichern sind 2015 um 30, 2016 um 20 Prozent gefallen; die FAZ hat vor drei Tagen von einer Revolution bei der Blockchain-Technik (die Solarbatterien mit dem Netz verbindet) berichtet; der Wirkungsgrad-Weltrekord bei klassischen Silizium-Zellen liegt mit 21,9 Prozent wieder beim ISE Freiburg; in Deutschland gibt es bereits 20 Power-to-Gas-Pilotanlagen; die EnBW hat ihre regenerativen Kapazitäten in kurzer Zeit verdreifacht; deren Chef, Frank Mastiaux, hat soeben die „Energiewende 2.0“ ausgerufen: die Zeit von Politik und Regulierung sei vorbei, „jetzt gehen wir in eine Phase, in der der Veränderungsdruck vom Markt ausgeht“; Daimler will bald die Preise von Elektroautos (bei erheblich vergrößerter Reichweite) deutlich senken; immer mehr Gemeinden wollen ihr Stromnetz zurück; immer mehr Bürger engagieren sich; die Brennstoffzelle ist wieder im Rennen – usw., usf., ich könnte zehn Stunden lang so weitermachen.

    Entschuldigung: Seid ihr früh gealtert? Lebt ihr hinter dem Mond? Nehmt ihr vor lauter WhatsApp keine richtigen Informationen mehr zur Kenntnis? Hängt ihr dauernd auf Skeptiker-Seiten herum? Fangt endlich an, euch sinnvoll zu engagieren!

    Was ist eigentlich mit euch jungen Leuten los?

  29. „Smarte“ technische Lösungen sollen laut Experten aus dem Bereich des EEG die Lösung für stabile und sichere Stromversorgungen bringen. Das soll laut folgendem Bericht aber auf der Insel Pellworm, wo angeblich dafür ideale Bedingungen herrschten, schiefgegangen sein:
    http://ruhrkultour.de/pellworm-das-ziel-der-autarkie-wurde-verfehlt/
    Schaut man dagegen auf die Internetseite diese Projekts:
    http://www.smartregion-pellworm.de/home.html
    ist weder von einem Projektende noch von einem Scheitern der Autarkie was zu lesen.
    Wer weiß Näheres, ist das Projekt nun gescheitert oder nicht?

  30. Sie sagen, dass Ergebnis Ihrer Untersuchung sei

    „Im Wärmebereich dürften ab dem Jahr 2020 keine neuen Gas- oder Ölheizungen und keine fossilen KWK-Anlagen mehr installiert werden.“

    Das habe ich auch lange geglaubt. Dann aber habe ich eine neue Beschlusslage wahrgenommen, die im Klimaschutzplan der Bundesregierung steht. Sie lautet, hier als Zitat der BuRe in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage gebracht:

    „Der Klimaschutzplan fordert, dass in den nächsten Jahrzehnten der Brennstoff Erdgas durch CO2-neutrales, regenerativ erzeugtes Gas ersetzt wird,…“

    Das Ziel im Klimaschutzplan ist also, Gas in gleicher Weise (in der Vorleistung) zu „renewabilisieren“ wie Strom. Dann ist das konsistent. Dann auch machen die gegenwärtige Gasinfrastrukturplanung und der massive Ausbau des Gasnetzes Sinn.

    Ausdruck dessen ist der Beschluss, den PEF von Strom in fester Relation zu dem von Gas zu belassen – mit allen Konsequenzen in der Gebäudeenergieökonomie (der EPBD).