Klimaschutz pro & contra

BLOG: KlimaLounge

Nah dran am Wandel
KlimaLounge

Hinter den Kulissen einiger konservativer Medien brodelt der Streit um den Klimawandel: zwischen den Wissenschaftsredakteuren, die mit den Forschungsergebnissen vertraut sind, und den politischen Kolumnisten, denen diese nicht ins Weltbild passen. Zu beobachten ist dies seit Jahren etwa beim Wall Street Journal; in Deutschland u.a. bei der Welt. Letztere hat diese Debatte nun löblicherweise in die Öffentlichkeit verlagert: pro Klimaschutz schreibt Wissenschaftsredakteur Wolfgang Merkel, contra Klimaschutz Michael Miersch. Eine gute Gelegenheit, um von einem führenden Vertreter des "Klimaschutz? Nein Danke!"- Lagers einmal aus erster Hand zu erfahren, ob es von dieser Seite noch ernsthafte Argumente gibt.

Kurz gesagt hat Miersch drei Thesen: (1) vielleicht fällt die Erwärmung ja aus, Computermodellen ist nicht zu trauen, (2) Erwärmung ist gar nicht so schlimm, und (3) es gibt dringendere Probleme.

Zu (1) beginnt Miersch gleich im ersten Satz mit der Behauptung:

Seit zehn Jahren ist die globale Durchschnittstemperatur nicht mehr gestiegen.

Publikumswirksam – aber für die Fragestellung pro oder contra Klimaschutz ist die Temperaturentwicklung über einen so kurzen Zeitraum irrelevant, da sie von natürlichen Schwankungen dominiert wird. Wir zweifeln auch nicht, ob der Winter kommt, wenn es nächste Woche wieder wärmer ist als diese. Und wie es der Zufall so will – in unserem besten Datensatz für die globalen Oberflächentemperaturen, dem des Goddard Institute for Space Sciences der NASA, beträgt der lineare Trend über die letzten zehn Jahre (1999-2008) +0.19 ºC – exakt so viel wie der klimatologisch relevante Langzeittrend über die letzten 25 Jahre, und gerade so viel wie von den Klimamodellen als anthropogene Erwärmung vorausgesagt (siehe unsere ausführlichere Diskussion der Messdaten). Die Aussage ist also nicht nur irrelevant, sondern obendrein unzutreffend (Miersch weiß natürlich beides, kennt aber bei der Verwendung von populistischen Scheinargumenten anscheinend keine Scham).

Als nächstes bezweifelt Miersch, dass Computerprognosen zum Klima verlässlich sind – weil kein Rechenmodell die Finanzkrise vorhergesehen hat, und weil kein Klimamodell die (nicht vorhandene) Erwärmungspause der letzten 10 Jahre vorhergesehen hat. Beides ist irrelevant. Die Finanzwelt folgt unberechenbaren menschlichen Entscheidungen, das Klima dagegen den bekannten Gesetzen der Thermodynamik und Hydrodynamik. Ein besserer Vergleich wäre es gewesen, die Klimamodelle mit jenen Simulationsmodellen der Strömungsdynamik zu vergleichen, die etwa beim Bau von Flugzeugen eingesetzt werden. Und die üblichen Klimamodelle versuchen gar nicht, den Temperaturverlauf innerhalb von zehn Jahren zu prognostizieren – interne Klimavariabilität ist als stochastischer Prozess erfasst (der auch dazu führt, dass es in den Modellen mal zehn Jahre stagnierende Temperaturen gibt) aber nicht als Prognose für ein bestimmtes Jahrzehnt. Die globale Erwärmung durch den Anstieg der Treibhausgase dagegen wurde lange vorhergesagt (schon 1965 gab es dazu einen Expertenbericht an den US-Präsidenten), bevor sie nachgewiesen werden konnte (in den 1980ern). Sie läuft seit Jahrzehnten wie vorhergesagt ab – Miersch hätte das ehrlicherweise als Paradebeispiel einer Prognose anführen müssen, die sich bewahrheitet hat.

Mistrauen gegen von Laien nicht durchschaubare Computermodelle ist leicht zu wecken – doch das Argument verkennt, dass die Warnungen vor einer anthropogenen Klimaerwärmung auch ohne Computermodelle kaum anders ausfallen würden. Denn sie folgt direkt aus gesicherten Gesetzen der Physik: der Absorption von Wärmestrahlung durch CO2 und andere Treibhausgase (1859 von John Tyndall erstmals gemessen) und dem Energiesatz. Die Strahlungsbilanz unseres Planeten, die die globale Temperatur bestimmt, wurde in ihren Grundzügen schon von Fourier Anfang des 19. Jahrhunderts verstanden, der damals auch den Begriff "Treibhauseffekt" geprägt hat. Wir fügen dem Planeten nach den Gesetzen der Physik netto Wärme hinzu, und daher steigt zwangsläufig die Temperatur.

Die Stärke der Erwärmung hängt dabei auch von Rückkopplungen ab, aber deren Wirkung kann man im heutigen Klima (etwa beim Jahresgang) direkt beobachten – siehe etwa aktuell die neuen Messungen zur Stärke des wichtigsten, des Wasserdampffeedbacks. Und man kann diese Rückkopplungen an den starken Klimaänderungen der Erdgeschichte abschätzen – wo man ja das Endresultat aller Feedbacks direkt zu Gesicht bekommt.

Die verbleibende Unsicherheit über die Stärke der Feedbacks wird dabei – Zeichen jeder seriösen Wissenschaft – vom IPCC klar benannt, und sie ändert nichts am Problem. Denn selbst im günstigsten Falle, einer Klimasensitivität von nur 2 ºC, könnten wir nur durch sofortigen ambitionierten Klimaschutz eine globale Erwärmung über 2 ºC hinaus vermeiden. Im ungünstigsten Falle, sollte die Klimasensitivität eher 4 ºC betragen, dürfte die international inzwischen weitgehend akzeptierte 2-Grad-Linie wohl schon nicht mehr zu halten sein.

Auch der etwas diffuse Hinweis von Miersch, durch einen Vulkanausbruch oder eine Veränderung der zyklischen Strömungen im Pazifik würden "die Karten neu gemischt" ist falsch: beides kann lediglich kurzfristige Schwankungen verursachen, die sich dem Klimatrend überlagern, aber an dem Problem der anthropogenen Erwärmung ändert dies nichts.

 

Oben: Beobachteter Verlauf der globalen Temperatur 1900-2005 (schwarze Kurve, Hadley-Daten) im Vergleich zu 58 Simulationsrechnungen mit 14 unterschiedlichen Klimamodellen, angetrieben von anthropogenen und natürlichen Klimaantrieben (gelbe Linien, Mittelwert dieser Simulationen ist die rote Linie). Die größten Vulkanausbrüche des letzten Jahrhunderts sind markiert. Die Grafik illustriert zweierlei: (1) Klimamodelle simulieren auch natürliche Klimavariabilität, die (wie das echte Wetter auch) eine starke Zufallskomponente hat – daher die Unterschiede zwischen den einzelnen Simulationen. (2) Vulkanausbrüche können zwar zu einer Abkühlung führen, die aber nur einige Zehntel Grad beträgt und einige Jahre anhält.

Unten: Das untere Panel zeigt 19 Modellsimulationen, in denen die anthropogenen Antriebe (Treibhausgase und Aerosole) nicht berücksichtigt wurden, sondern nur die natürlichen Klimafaktoren. Ohne die anthropogenen Faktoren wäre es in den letzten 50 Jahren zu einer leichten Abkühlung des Klimas gekommen. (Quelle: IPCC Abb. 9.5.)

Nun zu Punkt (2): die Folgen einer Erwärmung hält Miersch für harmlos. So behauptet er:

Entgegen der Prognosen blieb auch der Anstieg des Meeresspiegels im Bereich einiger Millimeter pro Jahr.

Klingt harmlos. Die Fakten: seit 1993 steigt der Meeresspiegel um 3.4 mm/Jahr (linearer Trend der Satellitenmessungen). Vom IPCC vorausgesagt waren (best estimate) 1.9 mm/Jahr. Der beobachtete Anstieg läuft entlang der obersten Kante des Unsicherheitsbereichs der Prognose. Harmlos? Bliebe die Rate konstant, wären das 34 cm in diesem Jahrhundert. Mit den 17 cm, die wir im letzten schon erlebt haben, ein halber Meter Anstieg, der bereits an vielen Küsten der Erde die Sturmflutrisiken stark erhöhen würde.

Aber die Anstiegsrate wird nicht konstant bleiben. Die Messdaten der vergangenen 130 Jahre zeigen einen klaren Zusammenhang: je wärmer es wurde, desto rascher stieg der Meeresspiegel. Das ist physikalisch zu erwarten: denn je wärmer es wird, desto schneller schmelzen die Eismassen.

Berücksichtigt man diesen Beschleunigungseffekt, landen wir schnell bei einem Meter oder mehr Meeresspiegelanstieg bis 2100 – und es geht danach noch viele Jahrhunderte weiter, weil die großen Eismassen in Grönland und der Antarktis nur langsam abschmelzen. Es gibt genug Eis auf der Erde, um den Meeresspiegel um 65 Meter anzuheben. Schon wenige Prozent dieses Eises zu verlieren wäre daher verheerend für viele unserer Küstenstädte. Übrigens: am Ende der letzten Eiszeit stieg die globale Temperatur um 4 bis 7 ºC – ein ähnlicher Anstieg, wie wir ihn bei ungebremsten Emissionen bis 2100 erwarten. Dabei gingen im Zuge dieser Erwärmung nicht etwa wenige Prozent des damals vorhandenen Landeises verloren, sondern zwei Drittel. Der Meeresspiegel stieg um 120 Meter.

Doch lassen wir wieder Miersch zu Wort kommen:

Sicher ist: Die 0,7 Grad Celsius, um die das Weltklima sich im 20. Jahrhundert erwärmte, führten nicht zu einem Anstieg von Wirbelstürmen und anderen Naturkatastrophen.

Miersch behauptet da einfach das Gegenteil dessen, was die Datenanalysen zeigen. Der IPCC-Bericht findet etwa in den Messdaten eine deutliche Zunahme in der Stärke tropischer Wirbelstürme seit den 1970er Jahren, die eng mit der Zunahme der Meeresoberflächentemperaturen korreliert (siehe unsere Diskussion hier). Und – interessant – Miersch behauptet, seine Sicht der Dinge sei "sicher". IPCC ist da vorsichtiger und gibt den Belegen für die Zunahme von Wirbelstürmen nur die Einstufung "wahrscheinlich", weil es über die Datenqualität noch Fachdiskussionen gibt. Miersch warnt am Ende vor den Konjunktiven der Wissenschaft – aber mir ist die ehrliche Diskussion von Unsicherheiten deutlich sympathischer als eine forsch behauptete Sicherheit in Punkten, wo es sie nicht gibt.

Noch etwas ist für Miersch "sicher":

Sicher ist: Die erdgeschichtlichen Warmzeiten waren die besseren Zeiten für Natur und Mensch, wie Ökologen und Klimahistoriker bestätigen. […] Die Wärmeperioden der menschlichen Geschichte waren Epochen des Wohlstandes.

Er vergisst allerdings zu erwähnen, dass die natürlichen Klimaschwankungen in den letzten Jahrtausenden deutlich weniger als 1 ºC in der globalen Temperatur betrugen, und dass die damaligen Wärmeperioden global nicht wärmer als die heutige Zeit waren. So zeigen alle Temperaturrekonstruktionen (es gibt ein gutes Dutzend in der Fachliteratur) für die letzten ein- bis zweitausend Jahre übereinstimmend, dass wir schon in der Mitte des 20. Jahrhunderts die globale Temperatur des Mittelalters überschritten haben. Über eine drei oder vier Grad wärmere Erde liefert die Menschheitsgeschichte keinerlei Erfahrungswerte – so warm war es nicht mehr, seit der Mensch den aufrechten Gang erlernt hat (nämlich seit dem Pliozän for 3 Millionen Jahren – etwa 2-3 ºC wärmer, Meeresspiegel 25-35 Meter höher).

Am Ende fordert Miersch noch eine Kosten-Nutzen-Analyse für den Klimaschutz (die gibt es, siehe Stern Review – nicht zu handeln wäre ein Vielfaches teurer als Klimaschutz) und bringt das schein-moralische Argument, wir sollten uns lieber um andere Probleme wie Abholzung, Überfischung, Armut und Hunger kümmern. Seltsamerweise höre ich dieses Argument nie von Entwicklungsexperten (die wissen nämlich, wie der Klimawandel heute schon die Ärmsten der Welt trifft – siehe aktuell den Bericht des Global Humanitarian Forum). Sondern ich höre es in Podiumsdiskussionen von Vertretern der fossilen Energiewirtschaft. Vielleicht wissen die ja etwas, was Miersch nicht weiß: nämlich dass sie das durch nicht getätigte Klimaschutzinvestitionen  eingesparte Geld gar nicht zur Bekämpfung des Hungers in Afrika einsetzen wollen?

Miersch präsentiert auch in diesem Artikel wieder die üblichen Ladenhüter aus dem Gruselkabinett der "Klimaskeptiker": den  SPIEGEL-Titel von vor 23 Jahren, die von "führenden Köpfen der Mehrheit" geforderte Ökodiktatur (schade, keine Quellenangabe), die bei den Kreationisten als Ersatz für Argumente schon bewährten Unterschriftenlisten, Al Gore, unseriöse Umfragen (80% der Klimaforscher zweifeln an den Computermodellen – ich zähle bei der so gestellten Frage übrigens auch dazu).

Spätestens da wird klar, für wen Miersch nicht schreibt: nämlich für Menschen, die Wert auf seriöse, belastbare Informationen legen und auch mal den einen oder anderen Punkt kritisch nachprüfen. Mehr als die üblichen populistischen Versatzstücke von den "Skeptiker"-Websites hat er nicht zu bieten. So erbringt Miersch selbst den besten Beweis, dass es ehrliche und ernst zu nehmende Argumente gegen Klimaschutz offensichtlich nicht mehr gibt – sonst hätte er sie sicher genannt.

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

25 Kommentare

  1. Quantitative Bestimmung

    Lieber Herr Rahmstorf
    Danke für diesen ausführlichen Beitrag. Ich habe verstanden, dass die Computermodelle den Temperaturverlauf im 20. Jahrhundert nicht simulieren können ohne anthropogenen Beitrag.
    Ich verstehe das Argument qualitativ, suche aber eine quantitative Antwort, da man doch nur so die wahrscheinlichen Szenarien erkennen und wirksame Gegenmaßnahmen auswählen kann.
    Ich suche deshalb schon seit einiger Zeit nach der quantitativen Antwort auf die folgenden Fragen:
    Wie groß war der Anteil der anthropogenen CO2 Emission, gemessen in Kelvin, an der Temperaturerhöhung von ca. 0.8K im 20 Jahrhundert?
    Wie groß war der Anteil der anderen Treibhausgase, gemessen in Kelvin, an der Temperaturerhöhung von ca. 0.8K im 20 Jahrhundert?
    Wie groß war der Anteil der natürlichen Variabilität, gemessen in Kelvin, an der Temperaturerhöhung von ca. 0.8K im 20 Jahrhundert?
    Ich würde gerne diese Zahlen in Kelvin mit Fehlerbalken wissen und ein „Peer-Reviewed“ Paper lesen, das die Methode erklärt, wie diese Zahlenzustande kommen.
    Für mich selbst habe ich sehr grob aus den Climate Explorer Szenarien 0.6 K +/- 0.5 K für den anthropogenen Anteil abgeschätzt.
    Meine Methode war aber nur visuelle Inspektion der einzelnen 20cm3 Simulationen, die in ihr Bild Eingang gefunden haben. Zugegeben eeine grobe Methode, deshalb wüsste ich gerne genaueres.
    Können Sie mir da weiterhelfen?
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

    [Antwort: Lieber Herr Heß, die einfachste näherungsweise Abschätzung der jeweiligen Beiträge können Sie direkt aus den Strahlungsantrieben machen, IPCC Abb. SPM2. Etwas aufwändiger ist die Korrelationsanalyse von Lean&Rind (GRL 2008) die den Zeitverlauf der Antriebe mit berücksichtigt (und auch räumliche Muster untersucht). Für die letzten 100 Jahre (genauer 1905-2005) kommen sie auf 0.59 ºC anthropogene Erwärmung plus 0.07 ºC Sonnenaktivität, die beiden anderen Faktoren (ENSO und Vulkane) sind klein und summieren sich für diesen Zeitraum gerade auf Null. Summe wäre also 0.66 ºC (linearer Trend, konsistent mit IPCC 0.74+/- 0.18), und davon wäre 89% athropogen und 11% Sonne. Zur Aufteilung auf die einzelnen Gase siehe oben.

    Für die letzten 25 Jahre (1979-2005) sieht es so aus: 0.50 ºC anthropogen, -0.01 ºC Sonne (Abnahme der Sonnenaktivität) und + 0.03 durch ENSO und Vulkane. Da haben wir also 97% anthropogen.

    Eine weitere Methode wäre die Analyse von Modellsimulationen, bei denen einzelne Forcings weggelassen werden, um deren Beitrag zu berechnen. Stefan Rahmstorf]

  2. Ein gutes Wort für Miersch

    Lieber Herr Rahmstorf,

    Ich stimme Ihnen ja inhaltlich völlig zu. Aber eine Frage habe ich doch: tun Sie Herrn Miersch nicht ein bißchen unrecht?

    Miersch beschreibt sein Anliegen so:
    “Ihre Autorinnen und Autoren (gemeint ist die ‘Achse des Guten’, der Miersch angehört) lieben die Freiheit und schätzen die Werte der Aufklärung. Sie versuchen populären Mythen auf den Grund zu gehen, und sind skeptisch gegenüber Ideologien.”

    Anscheinend verwechselt er Ihr Engagement mit Ideologie, aber wenn er sich damit auch bei Ihnen und vielen Ihrer Kollegen täuscht, so hat er doch insgesamt nicht ganz unrecht. Warum halten die meisten Deutschen den Klimawandel für eine reale Bedrohung, verweigern aber die Teilnahme an der Schweinegrippenimpfung? Für beides gibt es gute wissenschaftliche Gründe, aber der Klimawandel entspricht außerdem einer naturromantischen Ideologie (so etwas wie: Natur=gut, Mensch=schlecht), der die Schweinegrippenimpfung widerspricht.

    Offensichtlich ist es für die öffentliche Meinung weniger bedeutend, wie eine These wissenschaftlich begründet ist, und wichtiger, ob sie dieser Ideologie entspricht. Und das halte ich, wie Miersch, für durchaus kritikwürdig. Es ist ja ein für Sie glücklicher Zufall, daß sich die Ergebnisse Ihrer wissenschaftlichen Forschung mit den Ideologien vieler Menschen decken. Andere Kollegen, z.B. aktuell Michael Khan im Nachbarblog, haben da weniger Glück.

    Ich finde es eher schade, daß er sich in der Frage des Klimawandels so verrannt hat. Aber wenn er seine oben zitierte Position wirklich ernst meint, müßte er sich eigentlich durch Argumente, wie Sie sie immer wieder vortragen, langfristig überzeugen lassen. Daher würde ich es vorziehen, die Gräben nicht durch allzu polemischen Stil nicht unnötig weit aufzureißen. Natürlich kenne ich ihn kaum und beurteile ihn vielleicht ein bißchen naiv…

  3. Der weltweite CO2-Ausstoß steigt trotz Kyoto und EE-Subventionen nahezu ungebremst (http://www.iwr.de/klima/ausstoss_welt.html). Die Hoffnung, dass sich das ändert ist doch eher naiv. Für den Fall des Falles muss der Mensch wohl seine Anpassungsfähigkeit oder technischen Fähigkeiten demonstrieren. Wunschdenken ist keine Basis für eine glaubwürdige Klimapolitik.

  4. was ist seriös? (Teil1)

    ich erlaube mir als praktizierender Physiker und Hobby Meteorologe einige Argumente der AGW Verfechter und der sg. „Skeptiker“ zusammen zu fassen und überlasse den Lesern und ihnen, Herr Rahmstorf, gerne die subjektive Abwägung, was nun seriös sein könnte und was eben weniger od. gar nicht.

    1. Temperatur Rekonstruktionen:
    auf der einen Seite die berühmte M. Mann et al. Serie der NHK, hervorgehoben im IPCC Report 2001.
    http://www.grida.no/publications/other/ipcc_tar/
    od. von einer „Skeptikerseite“ (Nature 433: 613-617.)
    http://www.co2science.org/…udies/l1_mobergnh.php
    od. IPCC 2007
    http://www.ipcc.ch/…ar4/wg1/ar4-wg1-chapter6.pdf
    (Seite 35; Figure 6.10)

    man kann, wie man sieht, die MWP und LIA hervorheben od. auch nicht. Was entspricht der Realität? Lt. IPCC 2007 sind zu mindest die globalen T Variationen über 1000a mit den heutigen vergleichbar. Die natürlichen Klimaschwankungen sind offensichtlich nicht ausreichend bekannt.

    2. CO2 Rekonstruktionen:
    IPCC 2007: 10.000a CO2 Verlauf (Seite 3 Figure SPM.1)
    http://www.ipcc.ch/…port/ar4/wg1/ar4-wg1-spm.pdf
    od. Zbigniew Jaworowski, M.D., Ph.D., D.Sc. (Figure 4 und 5, Seite 7;8)
    http://www.21stcenturysciencetech.com/…andal.pdf
    Die Auswertungen von einem gewissen Herrn Beck sind ja auch nicht völlig zu verwerfen, würde ich noch hinzufügen.
    War der vorindustrielle CO2 Gehalt der Luft nun sehr konstant um 270ppm, oder gab es schon immer deutlich größerer Schwankungen als vom IPCC dargestellt? Sind die Methoden wie sie angewendet wurden „seriös“? Wird die sg. Klimasensitivität des CO2 nicht überstrapaziert? Viele gute Fragen, aus meiner Sicht.

    3. Medien, Methoden, peer review & co.
    manchmal wünscht man sich die „Pressefreiheit“ zum Teufel, oder nicht? Skeptiker wie AGW Verfechter sind hier um keinen Deut besser. Als Beispiel der bekannte Al Gore Film. Ich lasse die vielen Ungereimtheiten und Anmaßungen mal weg, der Rahmen ist dazu nicht geeignet, nur ein Auszug, welcher oft übersehen wird: in der Einleitungsphase erklärt Gore die Plattentektonik, welche Südamerika irgendwann von Afrika löste. Das die Ränder dieser Landmassen so gut zusammen passen wie der T und CO2 Verlauf war als Verständnisbrücke gedacht, aber dann, Al Gore: …„der Schüler welcher sich damals (Ende 1950) fragen getraute, ob diese 2 Kontinente mal verbunden waren, wurde vom Lehrer für blöd erklärt, der Schüler ist heute drogenabhängig und der Lehrer Berater der Bush Regierung! Und, die Wissenschaft war damals noch nicht mit der Plattentektonik vertraut“…
    Polemik pur, würde ich sagen, denn bereits Jahrzehnte davor hat ein Herr A. Wegener (1912!) die Plattentektonik wissenschaftlich beschrieben. Ich stelle fest, dass die einzig wirklich sinnvolle Aussage in diesem Film die Geschichte mit dem Frosch ist, der Rest ist Hollywood. Kein Problem, nur wird dieser Film in vielen Ländern als Unterrichtsmittel verwendet. Polemik und politische Anmaßungen über Lobbys, dem Bush Clan und die Vergleiche von „Skeptikern“ mit Nationalsozialisten Hitlerdeutschlands krönen das „Meisterwerk“. Warum wird nicht gleich Gerlich&Tscheuschner: http://arxiv.org/…arxiv/pdf/0707/0707.1161v4.pdf
    als Unterrichtsmittel verwendet? Weil der 2. HS der Thermodynamik falsch interpretiert wurde und/od. weil man Schüler nicht überfordern sollte? Warum stellt sich das IPCC neben Al Gore auf die Bühne und stellt damit jede Glaubwürdigkeit des Nobelpreis Komitees schwer in Frage? Nehme ich den IPCC 2001 Report zur Hand, kann ich seriös über 20 gravierende Falschaussagen des Herrn Gore in seinem Film festmachen. Ist ihnen das alles egal, nur um ein simplifiziertes Bild vom Klima in die Köpfe der Menschen zu bringen? Wer wird den angerichteten Schaden gut machen, wie kann man nur auf wissenschaftliche Unabhängigkeit und Glaubhaftigkeit vertrauen, wenn so etwas zugelassen, ja sogar weitestgehend verteidigt wird?

    [Antwort: Lieber Herr Böhm, was an Al Gore’s Film wissenschaftlich falsch und was richtig ist, haben sowohl ich selbst in den deutschen Medien als auch z.B. meine Kollegen auf Realclimate bereits kurz nach Erscheinen kommentiert (auf 20 gravierende Fehler sind wir dabei allerdings nicht gekommen). Gore hat übrigens die Dinge, die wir damals als fehlerhaft benannt haben, in späteren Auftritten mit seinem Vortrag (ich habe ihn live in Berlin erlebt) dann korrekt wiedergegeben. Er ist also durchaus lernfähig und nach meiner Einschätzung an der Wissenschaft und der korrekten Wiedergabe ihrer Ergebnisse sehr interessiert.

    Ihre rhetorische Frage zu Gerlich&Tscheuschner ist ein Scherz, oder? Ein verworrenes Paper zweier obskurer Physiker (kaum Fachpublikationen) voller elementarer Physikfehler (wie Sie selbst sagen, 2. Hauptsatz nicht verstanden uvm.) und völliger Ahnungslosigkeit über das Klimasystem, als Unterrichstmaterial? Stefan Rahmstorf]

  5. Sehr geehrter Herr Böhm

    Zur Frage, welche Artikel denn Nun seriös sind, sollten sie als Physiker doch wissen, wie man Messreihen erstellt.
    In Anbetracht der tatsache, dass Sie herrn Beck und Herrn jaworowski so explizit erwähnen, sollten Sie wissen, dass herr Beck sein 170 Arbeiten zum Gehalt der Luft durchaus nicht selbst verfasst hat, sondern auch nur abgeschrieben hat. Mein Anliegen ist aber vielmehr, Sie darauf hinzuweisen, dass die werte, die Herr Beck so schön in eine Kurve gebracht hat, durchaus NICHT miteinander zu vergleichen sind. Herr Beck hat schlicht ignoriert, dass die allermeisten dieser Analysen in Milieus erfolgten, in denen von durchmischter Atmosphäre und kontinuierlichen Messreihen keine Rede sein kann. Wenn sie heute mit diesen Methoden die Luft analysieren, in denselben Milieus wie in den Originalarbeiten, bekommen Sie teilweise Werte von über 1500ppm. Es hat auch schon zur Zeit vor den Keeling-Messungen seriöse Versuche zur Abschätzung des CO2-gehaltes der Atmosphäre gegeben, die auch sehr gut mit dem Trend in der Keeling Kurve konsistent sind.
    Zu Jaworowski ist zu sagen, dass ich beim überfliegen seines Artikels (ich kannte diesen noch nicht, danke für den Link) eine ganze Reihe von massiven Fehlern und anscheinend bewussten Irreführungen gefunden habe, die ich gerne bei etwas Zeit einmal mit Ihnen diskutiere.
    Soviel zu zwei ausserordentlich unseriösen Publikationen.

  6. Flugzeuge im Bauch

    Zitat:

    “Ein besserer Vergleich wäre es gewesen, die Klimamodelle mit jenen Simulationsmodellen der Strömungsdynamik zu vergleichen, die etwa beim Bau von Flugzeugen eingesetzt werden.”

    Dieser Vergleich ist in der Tat überaus sinnvoll, Herr Rahmstorf. Nur schießen Sie hier ein Eigentor.

    Denn tatsächlich ist es so, daß die Darstellungen der Umströmung gekrümmter Flächen, die uns derzeit mit Modellrechnungen im Flugzeugbau möglich sind, der Realität nur angenähert entsprechen.

    Kein Mensch sollte sich in ein Flugzeug setzen, das allein aufgrund von Modellrechnungen konstruiert wurde. Das wäre nicht nur fahrlässig, sondern sogar selbstmörderisch.

    Windkanaltests und vor allem die Erprobung im Flug sind in der Konstruktion eines Flugzeuges auch heute noch unerläßlich und führen regelmäßig zu Designänderungen, die so nicht durch Modellrechnungen abgeleitet werden können. Und das wird sich wahrscheinlich niemals ändern.

    Glauben Sie vor diesem Hintergrund tatsächlich, ausgerechnet das komplexe Klimasystem der Erde bereits heute so weit verstanden zu haben, daß es in einem Modell abgebildet werden kann, das die Zukunft auf den Zehntelmillimeter (Meeresspiegel) oder auf das hundertstel Grad genau vorhersagen kann?

    [Antwort: Nein, das glaube ich nicht – heutige Modelle können den Meeresspiegel im Jahr 2100 nicht einmal auf zwanzig Zentimeter genau vorhersagen, geschweige denn auf Zehntelmillimeter. Auch beim Klima verlassen wir uns in erster Linie auf die Messdaten (wie oben ja beschrieben – auch ganz ohne Computermodelle kämen wir ja im Grundsatz zu den gleichen Folgerungen), und ein großer Teil unserer Arbeit in der Klimasimulation besteht ja darin, die Modelle etwa an vergangenen Klimaänderungen zu testen (wobei der Schwerpunkt meiner Arbeitsgruppe dabei auf dem Eiszeitklima liegt).
    Stefan Rahmstorf]

  7. Zehntel in mm spielen doch keine Rolle

    Wenn unstrittig bewiesen ist (was der Fall zu sein scheint), dass es im Pliozän vor 3 Millionen Jahren, etwa 2-3 ºC wärmer war und in der Folge dessen der Meeresspiegel 25-35 Meter höher lag – sollte man sich dann als Bürger dieses Planeten nicht fragen dürfen (ja, sogar fragen müssen), was für ein sonderbares Spiel wir hier alle treiben, wenn uns klar vor Augen geführt wird, dass wir bis Ende dieses Jahrhunderts mit 4-7 ºC Temperaturerhöhung zu rechnen haben?

    Wir scheinen mehr als blind geworden zu sein, denn wir verfielen in den Irrtum, dass wir unsere Ansichten, wie das Leben gestaltet sein soll, über die Gesetzmäßigkeiten des Planeten stülpen zu können.

    Und was passiert, seitdem wir im Grunde all dies wissen?

    Die Zahlen (Quelle: IPCC Abb. 9.5.) sprechen für sich und belegen, dass all unser Entgegenwirken nicht einmal dazu gereicht hat, einen Gegentrend in der Klimaentwicklung erkennen zu lassen.

    Ist es da nicht wirklich langsam angebracht, uns allen Ernstes zu fragen, ob wir das Menschsein an sich überhaupt wertschätzen möchten – oder ob wir weiterhin so unterbelichtet bleiben wollen, uns nach Prämissen auszurichten, die den Gesetzmäßigkeiten des Lebens widersprechen?

    Ich will nichts anderes, als nur etwas “Neues Denken” anzuregen versuchen, da alle bisherigen Appelle der sogenannten Weisen unserer Zeit – die seit Jahren nicht weniger fordern, als die “Große Transformation” – den erforderlichen Wandel nicht herbeigeführt haben.

    Vielleicht sollten wir damit beginnen aufzuhören, uns nur die Worte zu erlauben, welche unserer Stellung in der Gesellschaft oder unserem Beruf angemessen erscheinen, und uns zu aller erst daran erinnern, dass wir allesamt ausnahmslos im Grunde unseres Seins nur eines sind – nämlich Bewohner dieses Planeten.

    Die Frage lautet nur: Wollen wir dies bleiben, oder nicht?

    Denken Sie weiter verehrte Leser der “WISSENlogs” – insbesondere dann, wenn Sie jünger als 50 sind und vielleicht sogar Kinder haben, was in beiden Fällen für mich nicht zutrifft.

  8. Ressortkonflikte

    Als freier Wissenschaftsjournalist habe ich mit Wissenschaftsredakteuren vieler Redaktionen zu tun, und ich kenne dort keinen einzigen Fall eines “Skeptikers”; vermutlich, weil dort Leute sitzen, die sich aufgrund der Ausbildung mit dem Thema auskennen oder in der Lage sind, (natur-)wissenschaftliche Publikationen zu verstehen. Ein Politikredakteur muss nicht in der Lage sein, ein klimawissenschaftliches Paper auf Plausibilität zu prüfen – aber dann sollte er dem Konsens einer Einrichtung wie dem IPCC vertrauen oder einen Kollegen aus dem Wissenschaftsressort um eine kritische Prüfung bitten. Eine persönliche Meinung ohne wissenschaftliche Grundlage hat in einer wissenschaftlichen Diskussion nichts verloren, erst recht nicht aus der Feder eines Journalisten. Ich kann mich übrigens an keinen Fall erinnern, in dem ein Wissenschaftsredakteur ein (nicht fundiertes) “Kontra” zu einem rein politischen Thema gegeben hätte. Warum müssen immer alle Ressorts in der Wissenschaft mitreden?

    Ärgerlich finde ich zudem den immer wieder zu hörenden Vorwurf, Wissenschaft (resp. Klimaschutz) sei auch nur eine Ideologie. Sicher gibt es den fanatischen Wissenschaftler, dem Wissenschaftsethik fern liegt. Aber die seriöse Wissenschaft hat nicht nur den Zweifel als erstes Gebot, sie benennt auch immer – wie hier im Blog – die Größe ihrer Unsicherheit. Fehler und Fälschungen werden – wenn nicht durch Forscherkollegen, dann durch Fachjournalisten – sehr zuverlässig aufgedeckt. Ich bin sicher, vergleichbaren Handlungsbedarf gibt es auch im Politkjournalismus. Daher finde ich es schade, wenn manche Kollegen sich nicht auf ihre Kompetenzen konzentrieren, sondern sich zu Lobbyisten problematischer Irrglauben machen. An Stefan Rahmstorf an dieser Stelle deshalb ein “Danke” fürs Geraderücken.

  9. Herr Rech!

    ich denke, sie glauben, wenn sich ein blog “wissensblog” nennt, dann finden sie dort die viel zitierte Wahrheit. Sie glauben, man würde wissen, wie warm es im Pliozän war. OK, dann sollten sie auch wissen, wie Paleo T Rekonstruktionen funktionieren. Man kann seriös nicht mehr sagen, als dass es wahrscheinlich um 3°C wärmer war, ALS WANN? 2008, 1970 bis 2008, 1900 bis 2000 od. viel besser 1000 bis 2000 und selbst das ist mit +/- 2°C zu behaften, wenn man nicht überheblich gscheit wirken will. Übrigens sollten alle nicht vergessen, wie unmöglich es ist einzelne Dekaden Peaks in 100.000a Reihen zu finden und diese mit heutigen Peaks (wie 1980 bis heute) zu vergleichen. Dieses simplifizierte Abbild jeder Klimageschichte wäre erst einmal richtig zu interpretieren, bevor man sich über die Menschheit an sich Gedanken macht.

  10. Fortschrittsmotor Klimaschutz?

    Schön wär’s. Und möglich auch. Aber das Gegenteil wird passieren. In den hoch industrialisierten, heißt: hoch individualmotorisierten Staaten wird man mit Zähnen und Klauen am obsessiv geliebten Fetisch TöffTöff-PKW festhalten – um jeden, wirklich JEDEN Preis! Ferner: Die Siedlungs- und Wohnformen der hoch industrialisierten Staaten, nämlich: Vereinzelung in “Einfamilienhaus”, Dezentralisierung (Innenstädte nicht Wohnplatz -> Vororte, Speckgürtel, Zersiedelung…), werden nicht nur beibehalten, sondern verstärkt, gefördert. Energietechnisch günstige, sozialtechnisch fortschrittliche Wohnformen werden systematisch denunziert, etwa als “seelenlose Plattenbau-Siedlungen” u.ä..

    Der ganze “Klimaschutz”-Zauber wird darauf hinauslaufen, die Armen, die Habenichtse abermals bzw. fortgesetzt zu kolonisieren, diesmal dann als Umweltengel. Na supi!
    Hier-bei-uns wird es außer ein paar symbolischen Maßnahmen (Mülltrennung in Privathaushalten, Energiesparlampenpflich, Immissionsschutzzonen in Innenstädten und ähnlicher Pipifax) und jeder Menge Predigten nichts geben.

  11. Klimaschutz pro & contra

    Es ist ein unendlich schwieriges Geschäft, solche Argumente der Klimaskeptiker immer wieder zu entkräften. Der Mensch ist eben anfällig für schnelle Antworten und hört weniger zu bei einer gründlichen Abwägung. Wenn es nur um Wahrscheinlichkeiten geht, werden schnell die Risiken und Gefahren verdrängt und nicht ernst genommen.
    Es gibt nur zwei Wege aus diesem Dilemma:
    Entweder verteuern sich die fossilen Rohstoffe in den nächsten Jahren so rasch, dass die Alternativen dazu sofort “markttauglich” werden,
    oder es kommen neue Katrinas, die den Menschen weh tun und er wird daraus schnell lernen.
    Ich wünsche mir natürlich, dass die erste Möglichkeit eintritt, der zweite Gedanke ist etwas zynisch und außerdem gefährlicher für die Zivilisation.
    Nur eine rasche Weiterverbreitung der Erneuerbaren Energien hilft uns.
    Energieeffizienz oder -suffizienz können leider keinen substanziellen Beitrag leisten, denn Bescheidenheit ist nicht die Sache des homo sapiens, dazu waren die klimatischen Bedingungen seit seiner Entstehung einfach zu optimal.

  12. Apropos seriös

    Da kommt nichts Anderes heraus:

    Qualitatively, Tingley’s result resembles the same basic hockey-stick shape as previous reconstructions, except that it has more variability in the past. Perhaps more important, his analysis suggests that a similar treatment of all available proxy data in the Northern Hemisphere in the past two millennia should produce a statistically superior hockey-stick result.

    Novel Analysis Confirms Climate “Hockey Stick” Graph

  13. lieber Dr. Haaf

    ich muss ihnen Recht geben. Das Dilemma mit den fossilen Energieträgern ist definitiv existent und es wird sich beschleunigt steigern. Daher vielleicht auch der “beschleunigte” Klimawandel. Das Problem liegt weniger bei Kohle, mehr bei Gas und am stärksten bei Öl. Die Abhängikeit von Letzterem gilt es ohne Zweifel möglichst rasch zu reduzieren und aus meiner Sicht ist dies der Kern aller Gedanken um das globale “Klima”, denn nicht nur die Temperaturen können warm od. kalt ausfallen…
    Wenn sie jedoch “Kathrina” ansprechen, vermute ich, dass sie ihren Dr. in Philosophie erarbeitet haben. Dieser Hurricane kann nicht der globalen Erwärmung des 20. Jahrhunderts zugeschrieben werden. In diesem Fall ist alles recht einfach erklärbar. Wenn ein Tropensturm durch die Luftdruckverteilung in den Golf von Mexiko wandert, findet er dort sehr günstige Bedingungen zur Weiteretwicklung. Warme und große Wasserflächen, welche im August gut 30°C erreichen. Vor 50 od. 100 Jahren war das Meer dort in etwa gleich warm, vielleicht einige 1/10 weniger. Als der Sturm bei New Orleans an Land ging, hatte er sich bereits auf Stufe 3 abgeschwächt und das “Glück” für New Orleans war, dass die stärksten Böen nicht die Stadt trafen, da der Sturm knapp vorher noch etwas “abdrehte”. Es gab auch nur wenige direkte Sturmchäden. Das Problem war die Flut, welche in die Dammgebiete um die Stadt drängte und wie bereits im Vorfeld klar war, machte man sich um die alten Dämme berechtigte Sorgen. Leider haben sie dann tatsächlich nicht standgehalten, was zur Katastrophe führte. Diese wiederum wäre jedoch großteils zu vermeiden gewesen, wenn der Notfallplan besser umgesetzt worden wäre. Am Ende gab es berechtigte Kritik an diesem Management und heute kan man sagen, wäre Kathrina an einer dünn besiedelten Stelle an lang gegangen, hätten diesen Sturm schon alle vergessen. Hunderte Hurricanes der Stärke 3 sind über einige Dekaden gesehen in den USA an Land gefallen und ob diese in Zukunft zunehmen werden, weiß man nicht. Zu mindest weiß es das IPCC nicht. Es könnte sein, dass sich, wenn es im Atlantik wirklich deutlich wärmer wird, mehr starke Hurricanes entwickeln und es könnte auch sein, dass von diesen einige das Land erreichen. Darauf kann man sich vorbereiten und man muss sich vorbereiten, denn sie werden weiterhin Schäden verursachen, das ist sicher. Heuer war dort die Saison extrem ruhig, nur 1 nennenswerter Hurricane ging in den USA an Land und es gab wenig Schäden. Man sieht also, dass die Temperatur alleine nicht der wesentliche Faktor dafür ist.

  14. Dr. Haaf

    Ihrem Beitrag kann ich nur zustimmen. Der ganze Streit über CO2 ist eine Gespensterdebatte, mit der interessierte Kreise viel Geld machen wollen.

    Die wirkliche Debatte lautet: Wie schaffen wir den Ausstieg aus den fossilen Energien bei gleichzeitiger Sicherstellung der Nahrungsmittelproduktion für fast 7 Mrd. Menschen, und zwar ohne dabei die Wirtschaft gegen die Wand zu fahren?

    Ansätze dazu gibt es genug und wenn es gelingt ist das CO2-Problem sozusagen en passant gleich mit abgehakt.

    Bei unser Regierung scheint ja ein Umdenken stattzufinden, mal sehen wie sich das in Kopenhagen auswirkt.

    Die Lösung kann jedenfalls nicht darin bestehen, dass der Westen mit Milliardengeschenken die chinesischen Dumpingpreisexporte (z.B. Zement aus veralteten Fabriken) subventioniert und damit die heimische Industrie ruiniert. Darauf würden die von der UNO usw. geforderten Maßnahmen am Ende hinauslaufen.

  15. @ Jürgen Bolt

    Ideologie ist doch, wenn man die Fakten seiner Weltanschauung anpasst, statt umgekehrt. In dieser Hinsicht gibt es wohl kaum etwas ideologischeres als “Die Achse des Blöden” von Miersch und Maxeiner. Dass die mit der Eigenwerbung “skeptisch gegenüber Ideologien” einherkommt ist einfach Teil ihrer PR-Strategie, die Herr Rahmstorf oben ja fachgerecht zerlegt hat. Statt mit Sachargumenten zu operieren, die auch einer Nachprüfung standhalten, unterstellt Miersch lieber anderen “Ideologie” oder “Religion” oder dergleichen.
    Er bedient mit seinen Thesen einfach eine durchaus lukrative Marktnische von Leuten, die wie er ungern ihre Weltsicht durch wissenschaftliche Fakten stören lassen. Da es diese Marktnische auf absehbare Zeit weiter geben wird, wird Miersch seine Strategie gewiss auch nicht ändern.

  16. Klimaoptimum der Römer und des Mittelalt

    “so warm war es nicht mehr, seit der Mensch den aufrechten Gang erlernt hat”

    Im Klimaoptimum der Römerzeit war es einiges wärmer als heute, was unter vielem anderem die Untersuchungen der Gletscher zeigen, alles andere glaube ich definitiv nicht.

    Warum konnten die Wikinger im Mittelalter in Grönland Ackerbau und Viehzucht betreiben? Weil es dann wärmer als heute war

    [Antwort: Lieber Erik der Rote, schön, dass Sie sich hier auch mal direkt aus der Vergangenheit zu Wort melden! Waren Sie in letzter Zeit auch mal in Grönland? Auch heute kann man dort Ackerbau und Viehzucht betreiben. Dass man dies heute kann und vor tausend Jahren auch konnte gibt also nicht unmittelbar Aufschluss darüber, wann es wärmer war – heute oder zu Ihren Zeiten. Leider hatten Sie damals noch keine Thermometer – daher helfen nur Proxydaten weiter. Und die deuten doch darauf hin, dass es heute in der Arktis bereits deutlich wärmer ist (u.a. Kaufman et al. Science 2009). Der orbital verursachte arktische Abkühlungstrend, dem die Wikingersiedlung seinerzeit zum Opfer fiel, hat sich durch die anthropogene Erwärmung inzwischen umgekehrt. (Und das ist natürlich nur die regionale Geschichte – global gilt ähnliches.) Stefan Rahmstorf]

  17. ideologisch?

    bin ich ein Ideologe? So müsste ich mich fühlen, wenn man den Postings Glauben schenkt. Mein Beruf erfordert jedoch, dass ich kritisch bin und alles hinterfrage, wieder und wieder. Das ist nicht besonders ideologisch.
    Wenn ich mich nun frage, kann es sein, dass die wärmsten Dekaden der MWP genau so warm waren, wie die Ende des 20. Jahrhunderts? Kann es sein, dass die natürlichen Klimavariabilitäten größer sind, als im “Konsens” und kann es sein, dass die modellierte Klimasensitivität des CO2 von den Messungen abweicht und zwar eklatant abweicht? Bin ich dann ein Ideologe, weil ich mich nicht mit dem “wissenschaftlichen Konsens” alleine zufrieden gebe? Sind die Arbeiten eines R. Lindzen ideologischer Natur? Wenn ja, warum? Ich zu mindest halte es so, dass ich genau wissen will, was stimmen könnte und wo es Unsicherheiten gibt. Ich darf mich nicht auf einen “Konsens” verlassen, der ja schlussendlich nicht viel weiter reicht, als dass CO2 IR Strahlung absorbieren kann. Auch meine Kollegen sind in vielen Klimafragen durchaus kritisch und wir wundern uns, über den enormen “Konsens”, es scheint, dass dieser nicht gleichmäßig verteilt ist, es könnte aber auch andere Gründe haben. Eines kann ich aber mit Sicherheit behaupten: ich bin kein Ideologe und “peer review” traue ich erst, wenn ich Zeile für Zeile selbst gelesen habe und das wiederum, kann extrem mühselig sein.

    [Antwort: Ich kann Ihnen nur zustimmen – wenn Sie selbst die nötige Ausbildung haben, um Fachpublikationen im Original lesen und einschätzen zu können, sollten Sie das unbedingt tun. Die Fachwelt interessiert sich auch nicht für die Frage, ob Lindzens Artikel ideologischer Natur sind, sondern nur für die Frage, ob er nachvollziehbare und stichhaltige Evidenz für seine Thesen hat. Siehe meinen Buchbeitrag hier. Stefan Rahmstorf]

  18. @ V. Brunkhorst

    Mag sein, daß Sie recht haben. Ich wollte nur dem von Goethe in ‘Dichtung und Wahrheit’ zitierten Ausspruch, ‘Eenes Mannes Rede ist keenes Mannes Rede; sollst sie billig hören beede’ folgen und habe ‘Miersch’ mal gegoogelt. Ansonsten kenne ich ihn nicht, seine Arbeit interessiert mich, ohne sie bewerten zu wollen, wenig, wogegen ich die von Stefan Rahmstorf sehr aufmerksam und zustimmend verfolge.

    Es mag auch sein, daß Björn Lohmann keinen klimaskeptischen Wissenschaftsredakteur kennt. Ich bleibe aber dabei, auch wenn ich es in meiner Antwort auf ihn zunächst diplomatisch verschwieg, daß es 1. in der Wissenschaft nicht um Einigkeit sondern um Evidenz gehen sollte, daß 2. diese Einigkeit unter Klimatologen nicht besteht (Stefan Rahmstorf hat ja vor ein paar Monaten hier entsprechende Umfragen vorgestellt), daß 3. diese Einigkeit in der Wissenschaft auch nicht wünschenswert wäre, und daß es 4. in der Debatte ökofundamentalistische Tendenzen gibt (nicht bei den Auoren dieses Blogs), die der Sache nicht guttun.

    Ich darf ein konkretes Beispiel nennen, daß mich betroffen gemacht hat. Vor ein paar Monaten war ich bei der Emeritierung eines meiner Onkel zu Gast, der als Wasserbauingenieur von diesem Thema betroffen ist. Einer der Redner war vom Klimawandel nicht überzeugt und litt spürbar darunter, diesen in seinen Projekten berücksichtigen zu sollen, obwohl er die Evidenz für die Veränderung von Niederschlägen für zu schwach hielt, um konkrete Planungen daran zu orientieren.

    Mit einer solchen Person sollte man, meine ich, sich bemühen, in respektvoller Diskussion zu bleiben, anstatt ihr vorschnell das Etikett ‘Klimaleugner’ anzuheften. Ob das für Herrn Miersch auch zutrifft, weiß ich nicht, und es ist mir eigentlich auch egal. Aber die Voltaireschen Toleranz, ‘ich teile ihre Ansicht nicht, aber ich werde alles daran setzen, daß sie sie veröffentlichen können’, die vermisse ich gelegentlich in der Diskussion.

  19. Klimaschutz pro & contra

    lieber Herr Böhm,
    Katrina hätte ich unter Anführungszeichen setzen sollen, es steht als Metapher für Naturkatastrophen, die die Menschen zur Vernunft bringen können.
    Ich weiß schon, dass das Einzelereignis des Hurrikans Katrina nicht als Beleg für den Klimawandel und dessen schädlichen Einfluss herhalten kann.
    Hier oben heißt es aber: “Der IPCC-Bericht findet etwa in den Messdaten eine deutliche Zunahme in der Stärke tropischer Wirbelstürme seit den 1970er Jahren ..”
    Ich bin aus meinem medizinischen Blickwinkel deswegen auf “Katrina” gekommen, weil der amerikanische Journalist Thomas L. Friedman (“Die Welt ist flach”) in der SZ gesagt hat, dass die Menschheit mehrere Katrinas braucht, um einsichtig zu werden gegenüber den Gefahren des Klimawandels.

  20. Klimaschutz pro&co

    Ich bin als Laie stark verunsichert.

    Kürzlich (am 26. Oktober 2009) hat R.S. Lindzen, Professor für Wissenschaften der Atmosphäre am MIT (Massachusetts, USA), in einem öffentlichen Vortrag mit dem Titel “Deconstructing Global Warming” eindrucksvoll belegt, dass es aufgrund der empirischen Faktenlage feststeht, dass sogar eine angenommene Verdopplung (!) des atmosphärischen CO2 lediglich zu einer Klima-Gleichgewichts-Sensitivität von etwa 0,5°C Anlass gibt.
    Die im Einsatz befindlichen Computer-Klimamodelle erforderten, so Lindzen, eine sehr genaue Kenntnis der Strahlentransportflüsse, wie sie zur Zeit empirisch nicht gegeben sei.

    Alles nur “Rauschen”?

    [Antwort: Lieber Herr Schopohl, Lindzen behauptet seit über 20 Jahren, dass die Kimasensitivität kleiner als 0,5 ºC ist – nur ist es ihm bislang nicht gelungen, Fachkollegen davon zu überzeugen, weil er keine stichhaltige Evidenz dafür vorbringt. Siehe meinen Buchbeitrag hier. Stefan Rahmstorf]

  21. Klmaleugner?

    @Jürgen Bolt

    “Einer der Redner war vom Klimawandel nicht überzeugt und litt spürbar darunter, diesen in seinen Projekten berücksichtigen zu sollen, obwohl er die Evidenz für die Veränderung von Niederschlägen für zu schwach hielt, um konkrete Planungen daran zu orientieren.

    Mit einer solchen Person sollte man, meine ich, sich bemühen, in respektvoller Diskussion zu bleiben, anstatt ihr vorschnell das Etikett ‘Klimaleugner’ anzuheften.”

    Grundsätzliche Zustimmung. Aber es kommt m. E. sehr auf den Einzelfall an. Wie aufrichtig ist diese Person, wie gründlich hat sie sich mit der Materie auseinandergesetzt?

    Leider ist es häufig so, dass eine solche Haltung lediglich aufgrund von Vorurteilen oder Denkfaulheit sich herausbildet oder einer mehr oder weniger bewussten Ablehnung der Naturwissenschaft geschuldet ist.

    Und dann gibt es noch das egoistische Motiv, das jede denkbare Veränderung des eigenen, liebgewonnenen Lebenstils fürchtet.

    Leider ist es auch häufig so, dass diese “Klimaleugner” ihre Position mit sehr unfeinen Mitteln zu verteidigen suchen. Spätestens da sollte es mit dem Respekt vorbei sein.

  22. Ohne historische Daten keine Prognosen

    Ich will mich kurz fassen. Entscheidend ist unsere schlechte Datenlage:

    * halbwegs exakte und globale Wetterdaten gibt es erst ab 1950. Insbesondere trifft das auf die 3. Dimension zu
    * Daten von 1900-1950 sind mindestens schlecht, vor 1900 sind sie grottenschlecht. Damit ist besonders die Datenabdeckung gemeint.
    * unsere Proxydaten sind natürlich noch fragmentrarischer und ungenauer als die ältesten Messungen

    Es wird von den Klimaforschern trotzem eine fiktive globale Temperatur zu konstruiert und diese mit den Modellen zu vergleichen. Zwar treten auch hier schon signifikante Abweichungen zwischen IST und Modell auf, aber man kann noch eine gewisse Prognosequalität erkennen. Versucht man aber diesen Vergleich über Flächen durchzuführen, die etwas realistischere Daten zum Klima liefern wie z.B. 500x500km Quadrate, kann man zwei Dinge erkennen:

    1. die Prognosequalität bricht drastisch ein 2. auf einem großen Teil der Fläche (Weltmeere) gibt es einfach keine Daten, um eine Prognosequalität zu bestimmen.

    Wir habe keinerlei historische Daten vor 1900 für die 3. Dimension, rechnen aber mit dreidimensionalen Daten im Modell. Wir haben fast keine historischen Daten über die elementar wichtigen Transportprozesse in den Weltmeeren. Das sind keine kleineren Unvollständigkeiten sondern Lücken von grundlegender Natur.

    Natürlich kann man auch unter diesen Umständen, die Forschung vorantreiben. Aber was sind die Ergebnisse wert, die dabei herauskommen? Diese Probleme lassen sich nicht lösen, egal wieviel Geld in die Forschung investiert wird. Das Mißtrauen von Michael Miersch in die Modelle ist also vollkommen berechtigt.

  23. Co2 und die Sonne

    …..Gestärkt wird diese Sichtweise durch Daten des britischen Met Office in Exeter. Die dortigen Forscher konstatierten, seit dem Wärmerekordjahr 1998 sei die Erde wieder leicht kühler geworden. Zwar versicherten die Meteorologen von der Insel sogleich, die globale Erwärmung werde bald wieder Fahrt aufnehmen, doch andere Forscher widersprechen. Zu ihnen zählt Timothy Patterson, Direktor des Geowissenschaftlichen Zentrums der kanadischen Carleton University. Es gebe „exzellente Korrelationen“ zwischen der Veränderung der Sonnenleuchtkraft und dem historischen Verlauf der Erdtemperatur. „Für das Treibhausgas Kohlendioxid gibt es solche Verbindungen zum Klimawandel in der Vergangenheit nicht“, erklärt er. „Die Sonne ist die ultimative Energiequelle für unseren Planeten.“

    Link:http://www.focus.de/…naktivitaet_aid_296435.html