IPCC Sonderbericht zu 1,5 Grad Erwärmung

Die Reaktion auf den Klimawandel ist viel eher ein Marathon als ein Sprint.

Gastbeitrag von Gavin Schmidt, Direktor des NASA Goddard Institute for Space Studies in New York

Der 1,5°C Sonderbericht (#SR15) des Weltklimarats IPCC wurde gestern veröffentlicht:

[Originaldokumente in Englisch –  hier finden Sie die deutsche Übersetzung der Hauptaussagen]

Einige Gedanken dazu

Es lohnt sich, die SPM (Zusammenfassung für Entscheidungsträger) und FAQs (häufig gestellte Fragen) zu lesen, bevor man sich meinungsstark über den Nutzen oder die Auswirkungen dieses Berichts äußert. Die FAQs behandeln die folgenden Fragen [auf Englisch]:

  •     FAQ 1.1: Warum sprechen wir von 1,5°C?
  •     FAQ 1.2: Wie nah sind wir bei 1,5°C?
  •     FAQ 2.1: Welche Entwicklungspfade begrenzen die Erwärmung auf 1,5°C und sind wir auf Kurs?
  •     FAQ 2.2: Was haben Angebot und Nachfrage an Energie mit der Begrenzung der Erwärmung auf 1,5°C zu tun?
  •     FAQ 3.1: Welche Auswirkungen hat eine Erwärmung von 1,5°C und 2°C?
  •     FAQ 4.1: Welche Veränderungen könnten es ermöglichen, die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen?
  •     FAQ 4.2: Was sind Kohlendioxidabscheidung und negative Emissionen?
  •     FAQ 4.3: Warum ist die Anpassung in einer 1,5°C wärmeren Welt wichtig?
  •     FAQ 5.1: Welche Zusammenhänge gibt es zwischen nachhaltiger Entwicklung und der Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5°C?
  •     FAQ 5.2: Welche Wege gibt es, um die Armut zu verringern und Ungleichheiten zu verringern, während man die 1,5°C-Welt erreicht?

Zunächst ist zu beachten, dass dieser Sonderbericht von der UNFCCC auf der Grundlage des Pariser Abkommens in Auftrag gegeben wurde (was nicht der normale Prozess für die großen IPCC-Berichte ist). Zweitens ist der IPCC verpflichtet, nur veröffentlichte Fachliteratur oder anderweitig öffentlich zugängliche Daten zu bewerten. Das bedeutet: wenn keine Forschergruppe eine Frage untersucht hat, gibt es dazu nicht viel zu bewerten. Manchmal sind die Wissenslücken bereits zu Beginn der Planung eines Berichts sichtbar, und ermuntern Forscher, sich frühzeitig auf sie zu konzentrieren und rechtzeitig für den Abschlussbericht zu publizieren. Aber eine der Hauptauswirkungen eines jeden der IPCC-Berichte besteht darin, die zukünftige Forschungsrichtung zu beeinflussen.

Was bedeutet 1,5°C?

Der SR15 hat 1,5°C als die Erwärmung seit dem Zeitraum 1850-1900 definiert. Das entspricht etwa 1/3 einer Eiszeiteinheit (das Ausmaß der Erwärmung vom Tiefpunkt der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts).

Diese Baseline ist nicht wirklich “vorindustriell”, und es gab einige interessante Diskussionen darüber, wie dieser Wert sinnvollerweise definiert werden könnte (Hawkins et al ,2017; Schurer et al, 2017), aber diese Baseline ist die praktikabelste, da Schätzungen der Klimaauswirkungen auf den CMIP5 Klimamodellen basieren, die effektiv dieselbe Baseline verwenden. Der Zeitpunkt der projizierten Auswirkungen ist ein wenig abhängig von Definitionsproblemen bei der “globalen Mitteltemperatur” und der Frage, ob die instrumentelle Aufzeichnung in Bezug auf Veränderungen des Mittelwerts verzerrt ist – insbesondere im früheren Teil der Aufzeichnung, wo die Daten relativ dünn sind.

Bei der derzeitigen Erwärmungsrate werden wir bis 2040 im dekadischen Durchschnitt 1,5°C erreichen. Das erste Jahr über 1,5°C wird wesentlich früher stattfinden, wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem großen El Niño-Ereignis Ende 2020er/Anfang 2030er.

 

Abb. 1 Vergangene Temperaturentwicklung (orange, Monatswerte in grau) sowie drei Zukunftsszenarien mit unterschiedlich rascher Reduktion der Treibhausgasemissionen. Quelle: IPCC, Abb. 1 des SPM des SR15.

Können wir verhindern, 1,5°C zu überschreiten?

Der IPCC muss einige Umschreibungen verwenden, um eine direkte Antwort auf diese Frage zu vermeiden (aus vernünftigen und verständlichen Gründen). Ich bin nicht ganz so eingeschränkt…

Abb. 2 Verschiedene Aspekte der Machbarkeit. Quelle: IPCC, FAQ 4.1 des SR15.

Es gibt viele Aspekte der Machbarkeitsfrage, wovon die physikalisch-klimatische Machbarkeit nur einer ist. Das eigentliche Problem ist, dass die Bemühungen, die Emissionen so stark zu reduzieren, dass wir unter 1,5°C bleiben, eine globale Anstrengung zur Dekarbonisierung erfordern würden, die sofort beginnt und die die derzeitigen Bemühungen oder Zusagen weit in den Schatten stellt. Dies erscheint unwahrscheinlich (meiner Meinung nach).

Es gibt ein paar Joker, die diskutiert werden. Erstens könnte die Temperatur 1,5°C überschreiten und dann nach heroischen Bemühungen, den CO2-Gehalt in der Atmosphäre durch so genannte “negative Emissionen” zu senken, wieder sinken. Dies macht die unmittelbare Aufgabe weniger beängstigend, aber auf Kosten der Abhängigkeit von späteren globalen Erfolgen bei der Kohlenstoffsequestrierung oder BECCS (Bioenergie mit Kohlenstoffspeicherung) oder direkter Luftabscheidung, die extrem spekulativ sind. Zweitens könnten wir direkte Eingriffe ins Klima versuchen (Geo-engineering), um die Temperaturen zu senken und (sehr optimistisch) Zeit zu gewinnen, um die Kohlenstoffemissionen etwas langsamer zu reduzieren. Beide Szenarien haben dramatische und wenig erforschte geopolitische Folgen (gibt es stabile Governance-Regimes für Geo-engineering? gibt es genügend Land für groß angelegte BECCS?), sowie ein erhebliches moralisches Risiko.

Also lautet meine Antwort…. nein.

Ich verstehe, dass es Zurückhaltung gibt, dies öffentlich zu sagen – es klingt, als würde man die Folgen einer Erwärmung über 1,5°C einfach hinnehmen. Aber mir scheint, dass machbare Herausforderungen motivierender sind als unmögliche (oder extrem unrealistische) – ich würde mich jedoch freuen, wenn ich mich in diesem Punkt irren würde.

Der Nutzen des SR15-Berichts?

Auch wenn Sie der Meinung sind, dass der IPCC-Bericht Folgen einer Erwärmung diskutiert, die mit ziemlicher Sicherheit kleiner ist, als wir sie tatsächlich erleben werden: er enthält dennoch einige nützliche Aspekte. Klimaschutz jenseits der bisherigen kleinen Schritte erfordert Veränderungen, die praktisch die gleichen sind, egal ob wir nun bei 1,5°C, 2°C oder sogar 3°C  stabilisieren wollen – nur die Geschwindigkeit, mit der sie umgesetzt werden, ist unterschiedlich.

Denn zur Stabilisierung der CO2-Konzentration sind kurzfristige Reduktionen der CO2-Emissionen um ~70% erforderlich, und zur Stabilisierung der Temperatur sind noch weitere (Netto-)Reduktionen erforderlich. Und noch gravierender: um den Meeresspiegel zu stabilisieren, wäre eine spätere Temperaturabsenkung erforderlich.

Bemühungen in dieser Größenordnung sind nicht einfach und müssen über viele Jahrzehnte hinweg fortgesetzt werden, und ein Großteil der in diesem Bericht behandelten Maßnahmen wird dabei im Mittelpunkt stehen. So oder so wird es sich um einen Marathonlauf handeln. Es lohnt sich also vielleicht, Eliud Kipchoge, den jüngsten Gewinner des Berlin-Marathons, frei zu zitieren:

Der beste Zeitpunkt, [mit der Emissionsreduktion zu beginnen], war vor 25 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist heute.

Anmerkung von Stefan Rahmstorf: Ich teile die Meinung von Gavin Schmidt, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass die Menschheit rechtzeitig die nötigen Maßnahmen ergreift, um die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen. Allerdings ist dies meine persönliche politische Einschätzung, keine naturwissenschaftliche oder wirtschaftswissenschaftliche Aussage. Wie der neue IPCC-Bericht aufzeigt: möglich und auch dringend empfehlenswert ist die Begrenzung auf 1,5°C – nur eben auch nicht annähernd erreichbar mit der gegenwärtigen Politik. Das ist m.E. die entscheidende Botschaft an Politik und Öffentlichkeit.

Politischer Pessimismus von Naturwissenschaftlern wie mir ist insofern nur begrenzt relevant oder interessant – etwa genauso relevant wie es meine Einschätzung im Jahr 1980 gewesen wäre, ob in den nächsten zehn Jahren die Mauer durch eine friedliche Revolution zu Fall gebracht wird.

Ich sehe es auch nicht als meine Aufgabe oder die des IPCC an, sich zu überlegen, welche Art von Ziel die Menschen besser motiviert. Die Aufgabe der Wissenschaft ist, die Fakten und Möglichkeiten so realistisch wie möglich auf den Tisch zu legen, egal ob dies die Politik motiviert oder nicht. Politik und Öffentlichkeit sollten die Fakten kennen, bevor sie sich entscheiden, was zu tun ist!

Literatur

Hawkins, P. Ortega, E. Suckling, A. Schurer, G. Hegerl, P. Jones, M. Joshi, T.J. Osborn, V. Masson-Delmotte, J. Mignot, P. Thorne und G.J. van Oldenborgh, “Schätzung der Veränderungen der globalen Temperatur seit der Vorindustriellen Zeit”, Bulletin of the American Meteorological Society, Vol. 98, S. 1841-1856, 2017. http://dx.doi.org/10.1175/BAMS-D-16-0007.1

A.P. Schurer, M.E. Mann, E. Hawkins, S.F.B. Tett und G.C. Hegerl, “Bedeutung der vorindustriellen Ausgangsbasis für die Wahrscheinlichkeit, die Pariser Ziele zu überschreiten”, Nature Climate Change, Band 7, S. 563-567, 2017. http://dx.doi.org/10.1038/nclimate3345

Die englische Originalfassung dieses Kommentars finden Sie bei RealClimate.

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

29 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist sehr erfreulich, dass sich G. Schmidt zu den ganz heiklen Punkten netto CO2-Entfernung, BECCS und Strahlungsmanagement äussert. Es ist unbedingt nötig, dass die Wünschbarkeit (BECCS, Strahlungsmanagement) und die Achillesferse dieser Konzepte, die politische Machbarkeit (DAC mit Storage), also das gegenwärtige geopolitische Unvermögen, dies umzusetzen, klargestellt werden. Es ist sicher nützlich, solche Artikel in Deutsch zur Verfügung zu haben. Vielen Dank.
    Auch in Ihrer Meinung, bezüglich, was die Wissenschaft zu leisten hat, stimme ich mit Ihnen überein. Es ist auch für Wissenschafter legitim, eine Meinung zu haben, auch zu Dingen, die sie nicht wissenschaftliche belegen können. Das tun Sie ja auch, legen Ihre Meinung dar. Allzu viele Klimaforscher glauben (geben an), es sei für Forschende nicht legitim, sich politisch zu äussern, nicht nur bezüglich Prognosen, sondern auch was die politisch richtigen oder wichtigen Lösungswege sind — ich denke besonders an die Schweiz, wo diese Haltung sehr prägnant ist. In den USA (z. B. der gerade gewürdigte W. Nordhaus), oder auch in Deutschland (z. B. Ihr Kollege O. Edenhofer) scheint mir diese, meines Erachtens übertriebene, Zurückhaltung etwas weniger verbreitet zu sein. Jeder sollte sich berechtigt fühlen, eine politische Meinung zu haben und zu äussern, kompetente Menschen ganz ausgesprochen so. Sich als Forschender angemessen darum zu bemühen, wissenschaftliche Erkenntnis und politische Meinung zu trennen, mag wünschenswert sein. Es mag sogar auch ganz gut sein, wenn sich gewisse Forschende bewusst in politischen Fragen zurückhalten, um ihre Glaubwürdigkeit als neutrale Forschende zu stärken. Nur begreift dies das Publikum kaum. Es erwartet zu einem Thema wie Klimawandel eine politische Meinung, auch von Forschenden. Äussert sich ein Klimaforscher nicht angemessen politisch, besteht die Gefahr, dass das Publikum glaubt, der Forscher sei mit dem politischen Status Quo einverstanden. Ggf. irrt das Publikum. Aber wir können das Publikum nicht einfach und schnell ändern.

  2. Hallo Herr Rahmstorf, kann ihnen nur zustimmen, was das Erreichen des 1,5 K – Ziels angeht. Tatsächlich halte ich die Lage für dramatischer, als aus ihren Ausführungen deutlich wird.

    Wenn wir die Erwärmung betrachten, sehen wir immer den momentanen Wert von ca. 1 K, berücksichtigen nicht die Verzögerung durch die Wärmekapazitäten, vor allem der Ozeane. Einen genaueren Wert zu berechnen ist nicht triveal, es sind aber einfache Schätzungen möglich. Will an dieser Stelle nicht genauer darauf eingehen, aber man kommt da auf Werte von 30% – 50%, die der Temperaturanstieg verzögert erfolgt. Diese Werte haben Sie selbst ja auch früher schon mal genannt, wenn ich mich recht erinnere. Dummerweise zeigen nun meine Informationen und eigenen Betrachtungen eher Richtung 50%. Meine, dies auch in der Kurzfassung einer Arbeit zum Thema gelesen zu haben, habe aber leider keinen Link dazu.

    Einen guten Hinweis liefert auch der Temperaturanstieg über Land, bei Gavin Schmidt gibt es dazu Daten zu finden. Hier wirken kaum Wärmekapazitäten. Vielmehr erscheint ein Kühlungseffekt aufgrund des Flächenverhältnisses Land vs. Ozeane wahrscheinlich. Daher bin ich davon überzeugt, dass wir das 1,5°-Ziel unmöglich noch erreichen können, wir haben es wahrscheinlich schon (fast?) erreicht.

    https://data.giss.nasa.gov/gistemp/graphs/#

    “Temperature Anomalies over Land and over Ocean”

    Abb. 2 hat mich an die Studie von Volker Quaschning erinnert. Er beschreibt konkret, was notwendig wäre, die Klimaziele zu erreichen. Natürlich tut er das vom heutigen Stand aus, das ist mutig, da so weit und konkretisierend in die Zukunft zu blicken. Ich habe mich vor mehr als einem Jahr mit ihm darüber “gestritten”, ob heute noch ein Mikro-BHKW sinnvoll ist. Natürlich kann man da um Details streiten, aber “das große Ganze” ist stimmig, unbedingt.

    https://www.volker-quaschning.de/publis/studien/sektorkopplung/Sektorkopplungsstudie.pdf

    Gavin Schmidt stellt hier die Klimamodellierung vor. Die Tornados die da auftreten, sind reine Mathematik, Physik und Systemtheorie. Man kann zwar nicht vorhersagen, wann sie auftreten, aber dass sie auftreten müssen, das sagt uns die Physik, atemberaubend. Aber das schönste am Vid ist für mich die physische Vorstellung eines Progamms. Lochkarten haben wir zwar nicht mehr verwendet, damals, aber den vorwurfsvollen Blick des Profs, weil schon wieder 3 sec kostbare Rechnerzeit am Großrechner nutzlos verbraten, den kenne ich noch. 🙂

    https://www.youtube.com/watch?v=JrJJxn-gCdo

    Grüße an Gavin Schmidt, in diesem Sinne …

  3. @Jürgen K.
    Die Frage, wie weit sind wir schon, würde ich mit Daten aus dem IPCC-Bericht wie folgt beantworten: Die wahrscheinlichste Klimasensitivität wird angegeben als 3°C/2xCO2. Daraus folgt für 408 ppm – da sind wir saisonal bereinigt gerade – gegenüber 280 ppm log(408/280) / log(2) * 3°C = 1,63°C. Wir sind mit deutlich über 50% Wahrscheinlichkeit also bereits jetzt über der 1,5°C – Grenze, falls man die bei gleichbleibend jetziger Konzentration zu erwartende Gleichgewichtstemperatur zum Maßstab nimmt.

  4. @Jürgen K.
    Die Position des IPCC zu versteckter Erwärmung finden Sie in der SPM (Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger) unter 2. Darin wird davon ausgegangen, dass es unwahrscheinlich ist, dass bisherige Emissionen weitere 0,5°Erwärmung verursachen und dies für die nächsten Jahrzehnte eine sichere Information ist. [A2.1]
    Weiter heißt es, dass bei Netto-Null-Emissionen keine weitere Erwärmung geben würde. [A2.2]
    Dort sind auch Verweise auf die asuführlichere Informationen im gesamten Report.

    • Richtig. Bei konstanter Treibhausgas-Konzentration würde es noch eine nachholende Erwärmung aufgrund thermischer Trägheit geben. Nicht aber bei Nullemission, denn dann würde die CO2-Konzentration in der Luft sinken durch Übergang von CO2 in den Ozean. Die Trägheit der Wärmeaufnahme und der CO2-Aufnahme in den Ozean sind vergleichbar, daher gleichen sich diese Effekte in etwa aus und führen zu konstanter Temperatur bei Nullemission. (Etwas anderes ist die Erwärmung, die noch eintreten wird, wenn die Atmosphäre weniger kühlende Aerosole enthält als jetzt, d.h. durch die Abnahme der Luftverschmutzung nach dem Ausstieg aus den fossilen Energien.)

  5. Folgende Punkte sind mir im SR15 bisher aufgefallen:
    1) Gleich zu Beginn des SPM steht: “Human activities are estimated to have caused approximately 1.0°C of global warming above pre-industrial levels, with a likely range of 0.8°C to 1.2°C.” Das ist inkonsistent zum AR5, wo steht, dass der hauptsächlich menschliche Anteil an der Erwärmung erst ab ca. 1950 festzustellen sei. Der SR15 legt diesen “Startpunkt” nun aber auf das Jahr 1900 (siehe auch mein Punkt 2). Hier müsste ein Fehler in der Formulierung vorliegen, das passt einfach nicht.
    2) Gut ist, dass der schwammige Begriff “vorindustrielle Zeit” nun genauer als Referenzperiode von 1850 bis 1900 festgelegt wurde.
    3) In der Grafik “Cross-Chapter Box 4, Figure 1” auf Seite 1-38 hat der “Klimaschutz” unter 17 Zielen des “UN Sustainable Development” den Platz Nr. 13, steht also nicht ganz vorne, es gibt für die UN dringlichere Ziele: der Kampf gegen Hunger und Armut sowie die Gesundheit stehen an den ersten 3 Plätzen.
    4) Auf Seite 3-95 ist nachzulesen, dass nun auch das festgestellte Größenwachstum vieler Inseln berücksichtigt wird, womit sich die Prognosen mit den bald untergehenden Inseln relativiert. Es folgt auf S. 3-96 die Aussage, dass es an präzisen und quantitativen Studien zu den projezierten Auswirkungen auf den Meeresspiegel bei 1,5° und 2°C mangelt. Meine Schlussfolgerung: die früheren Prognosen zu den jetzt oder in den nächsten Jahrzehnten untergehenden Inseln sind damit erstmal hinfällig, also weniger Schwarzmalerei.

    • Zu ihrem Punkt 1 sehe ich keine Inkonsistenz, weil die Erwärmung vor 1950 ja sehr gering war. Wenn von den 1,1 Grad Erwärmung ab dem 19. Jh. 1,0 anthropogen waren ist das konsistent mit der Erkenntnis dass von der Erwärmung seit 1950 wahrscheinlich etwas mehr als 100% anthropogen sind (da die Sonnenaktivität abgenommen hat und es ohne anthropogene Erwärmung eine leichte Abkühlung gegeben hätte).
      Ob die List der UN Sustainable Development Goals eine Priorisierung ist, ist mir nicht bekannt – bis zum Beleg des Gegenteils würde ich das eher nicht vermuten.
      Zu den kleinen Inseln ist die Aussage ja: teils/teils. Einerseits leiden manche Inseln bereits unter Überflutung und Versalzung ihrer Wasserressourcen. Andererseits steht da:

      Observations, models and other evidence indicate that unconstrained Pacific atolls have kept pace with SLR with little reduction in size or experienced a net gain in land

      Es geht speziell um einige pazifische Atolle und die Betonung liegt hier auf “unconstrained”, was ich einmal frei als unverbaut übersetzen würde. D.h. es geht um naturbelassene Inseln mit einem intakten Sedimenttransport, die bislang noch mit dem Meeresspiegelanstieg (der noch vergleichsweise langsam und gering ist) mitwachsen konnten.

  6. PV, Rahmstorf
    Ein Wissenschaftler darf sich nicht darauf hinausreden neutral bleiben zu dürfen.
    Es gibt nur eine Welt und es gibt nur den einen Menschen. Und wer die Gefahr der Klimaerwärmung verinnerlicht hat, der darf nicht seinen Mund halten, der muss an die Öffentlichkeit.
    So sieht das der Wähler. Wissenschaft wird unglaubwürdig, wenn sie im Elfenbeinturm bleibt. Es wird Zeit, dass sich die Wissenschaft ihrer Verpflichtung zur Verantwortung bewusst wird. Bislang ist das nicht geschehen. Da holen die Erwählten ihre Nobelpreise ab, und das wars. Die Gesellschaft finanziert die Wissenschaft, das darf man nie vergessen.

  7. Allein schon die jährlichen Energy Outlooks der IEA (International Energy Agency) zeigen, dass ein Erreichen des 1.5°C-Ziels nicht geplant ist, besser gesagt, nicht aus dem mittelfristigen Trend herauszulesen ist – und die IEA-Energie-Ausblicke versuchen ja immer die gegenwärtig vorhandenen Trends in die Zukunft zu verlängern. Dieser Trend geht in Richtung Elektrifizierung und CO2-freie Energietechnologie nur eben viel zu langsam um das 1.5°C-Ziel zu erreichen. Zitat aus World Energy Outlook 2018
    To be released on 13 November 2018
    : Die Zukunft ist elektrisierend [und elektrisch], mit kohlenstoffarmen Technologien auf dem Vormarsch und einer Stromnachfrage, die doppelt so schnell wachsen wird wie der gesamte Energiebedarf. …Das WEO 2018 untersucht auch die Emissionsintensitäten verschiedener Öl- und Gasquellen sowie die Möglichkeiten, diese zu reduzieren, und erweitert unser bahnbrechendes Szenario für nachhaltige Entwicklung um die Verknüpfungen zwischen Energie und Wasser.
    Das 1.5°-Ziel wäre nur mit einem weltweiten radikalen Trendbruch zu erreichen. Doch ein solcher Trendbruch ist unrealistisch würde er doch die bestehende Energieplanung, welche oft auf Jahrzehnte angelegt ist, über den Haufen werfen.
    Was in den Augen vieler Politiker und Industriefirmen eine saubere Energiezukunft konkret bedeutet zeigt etwa die Initiative Zukunft ERDGAS wo man liest: Zukunft ERDGAS e.V. ist eine Initiative von Unternehmen der deutschen Gaswirtschaft und versteht sich als die Stimme der Branche.[1] Der Verein möchte das Produkt Erdgas als innovativen, kostengünstigen und klimaschonenden Energieträger auf dem Markt und in der Öffentlichkeit platzieren
    Wenn es dieser Initiative zusammen mit Politikern gelingt, der Öffentlichkeit Erdgas als wichtigen Pfeiler der Energiezukunft Deutschlands zu vermitteln, dann erreicht sie zwar eine sauberere Energieversorgung Deutschlands im Vergleich zur Situation heute, doch das 1.5°Ziel kann dann sicher nicht erreicht werden.
    In anderen Ländern als Deutschland sieht es sicher nicht besser aus – auch dort ist die Energieplanung eine Sache von Jahrzehnten und Disruptionen sind weder geplant noch erwünscht.

  8. @Stefan Rahmstorf

    Erstmal vielen Dank für den Beitrag an Gavin Schmidt und für ihre Anmerkungen.

    Ich führe momentan eine hitzige Diskussion, bei der es auch um den Klimawandel geht.

    Was meinen Sie, ist der Klimawandel realistisch betrachtet noch abzubremsen oder gar zu stoppen?

    Machen private Energieeinsparungen, wie z.B. Absenkung der Raumtemperatur oder Verzicht auf unnütze Autofahrten Sinn, oder ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein und bringt nichts?

    Über eine kurze Antwort freue ich mich sehr.

  9. “Daraus folgt für 408 ppm – da sind wir saisonal bereinigt gerade – gegenüber 280 ppm log(408/280) / log(2) * 3°C = 1,63°C. Wir sind mit deutlich über 50% Wahrscheinlichkeit also bereits jetzt über der 1,5°C – Grenze”

    Ich komme auf 0,3×5,35xln(408/280)=0,6×3=1,8°C !!!

    Gemäß IPCC.

    Nur für CO2. Dabei habe ich nicht mal Methan, etc., als Treibhausgase berücksichtigt.

    Die 1,5°C und auch 2°C sind demnach nicht mehr zu halten, wenn man die Nachlaufzeit des Klimasystems mit einbezieht und Wasserdampffeedback und Eis-Albedo-Feedback und Methan und Lachgas !!!!

    Aber es gibt noch genug Leute, die genau das Gegenteil sagen. Man kann die 1,5°C oder 2°C nur noch halten, wenn die Klimasensitivität deutlich kleiner ist, als bisher angenommen und die Emissionen sofort steil nach unten gehen.

    Dann aber lagen nahezu alle Klimamodelle mit der Klimasensitivität deutlich daneben.

    Entweder haben die Klimamodelllierer deutlich übertrieben, oder aber die Leute, die jetzt meinen die 1,5°C, oder 2°C noch halten könnte, schwindeln.

  10. “Bei der derzeitigen Erwärmungsrate werden wir bis 2040 im dekadischen Durchschnitt 1,5°C erreichen.”

    D.h. zwischen 2040-2100 können noch mal maximal 3,5°C bis 4,5°C hinzu kommen, je nachdem ob mal in den IPPC-Bericht von 2007, oder 2013 schaut.

    Ich dachte mit steigenden CO2-Gahalt, Methan-Gehalt, etc. sinkt deren Einfluss auf das Klima, da die Absorption immer langsamer zunimmt, wenn schon viel an Treibhausgasen da ist.

    Und das Meereis in der Arktis ist um 2040 auch weitgehend im Sommer weg und trägt nicht weiter zum Eis-Albedo-Feedback bei.

    Warum sollte sich der Klimawandel dann nach 2040 noch mal weiter beschleunigen?

  11. @ Wizzy: Dass die derzeitien Emissionen schon zu einer Erwärmung über 1,5 Grad führen werden, kann man aus dem Bericht wohl nicht ableiten. Tatsächlich wird in den Kurzstatements zum bericht sogar explizit betont, dass dies unwahrscheinlich sei:

    “A.2. Warming from anthropogenic emissions from the pre-industrial period to the
    present will persist for centuries to millennia and will continue to cause further longterm
    changes in the climate system, such as sea level rise, with associated impacts
    (high confidence), but these emissions alone are unlikely to cause global warming of
    1.5°C (medium confidence).”

  12. @Heinz Geber
    Ihr Ergebnis würde einer Sensitivität von T gegenüber 2xCO2 von 3,3 K entsprechen – das ist der Wert, den der IPCC-Report von 2007 angab. Ich rechnete mit 3,0 K.

  13. Heinz Geber
    über die Prozentfeilscherei sollten wir schon hinaus sein.
    Wie steht es mit unliebsamen Forderungen?
    Einstellung des Fernflugtourismus?
    Einstellung des Schiffstourismus?
    Warum spricht hier niemand aus, was notwendig ist ?
    Hat man sich schon damit abgefunden, dass Bangla Desh nicht mehr zu retten ist?

  14. @Prof. Rahmstorf

    Die climate response time beträgt doch Jahrzehnte bis Jahrhunderte?

    Selbst bei Null-Emissionen hätten wir alleine durch das CO2 bei einer Klimasensitivität von 3°C schon 1,8°C bei den derzeitigen 408 ppm CO2. Hinzu kommen Methan, Lachgas und die anderen Treibhausgase. Dann liegen wir derzeit schon über 2°C. Aktuell beobachten wir davon aber nur 1°C bei der Klimaerwärmung. 1°C an Nachlauf ist bei der derzeitigen Treihausgaskonzentration also noch durch das Klimasystem zu erwarten. Selbst bei Null-Emissionen. Die 408 ppm verschwinden ja nicht so einfach im Ozean. Ebenso Methan und Lachgas. Oder sehe ich das falsch?

    Gemäß IPCC komme ich auf 0.3×5,35xln(408/280)=0,6×3=1,8°C alleine nur durch die 408 ppm an CO2 welche sich bereits in der Atmosphäre befinden.

    Und erst wenn wir bei ca. 1.000 ppm CO2 sind haben wir 6°C globale Erwärmung bei einer Klimasensitivität von 3°C. Und ich glaube kaum, dass wir das bis 2100 erreichen? Zumal es auch da einen Nachlauf gibt.

  15. Herzlichen Dank für die Übersetzung des aktuellen Artikels von Gavin Schmidt, der mich mit seinem düsteren Statement in keiner Weise überrascht. Bis demnächst zum Thema 2°C.

  16. Chap. 1.2.1.1 des SR15-Reports ist die Definition der globalen Durchschnittstemperatur. Demnach wurden für die historischen Daten im AR5 drei Datenreihen herangezogen: GISTEMP, HadCRUT und NOAA. Hier im SR15 werden außerdem noch die Datensätze von Cowtan-Way, Berkely Earth und JMA (in Tabelle 1.1) verwendet.
    Zur Verwendung der ersten 3 Datensätze wird betont: „We adopt a working definition of warming over the historical period based on an average of the four available global datasets that are supported by peer-reviewed publications”.

    Doch gerade wurden 2 Publikationen veröffentlicht, die die „wichtigsten“ Datensätze bzw. die zugrundeliegenden Messdaten der Landstationen als mehr oder weniger unbrauchbar hinstellen.

    Die Studie „Land Surface Air Temperature Data Are Considerably Different among BEST‐LAND, CRU‐TEM4v, NASA‐GISS, and NOAA‐NCEI” https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1029/2018JD028355
    vergleicht die 4 im Titel genannten Datensätze und widerspricht der IPCC-Aussage, diese seien konsistent. Es wurden für die globalen Daten und für die Nordhemisphäre Differenzen von 0,4°C, für die Südhemisphere von 0,6°C und für den Bereich des Äquators sogar von 0,8°C gefunden. Die relativen Differenzen unter den Datensätzen liegen zwischen 28% und 93%. Laut Studie führt das zu starken Unstimmigkeiten bei der Berechnung der Trendentwicklung auf regionaler Basis für „South America, Africa, Maritime Continent, central Australia, and Antarctica“. Für einige Regionen ergeben sich widersprechende Resultate, so dass unklar bleibt ob eine Erwärmung stattgefunden hat. Die Messunsicherheit ist in solchen Fällen größer als der vorgebliche Erwärmungstrend, wobei dies bis zum Jahr 2017 festzustellen ist.

    Außerdem wurde die Studie „An Audit of the Creation and Content of the HadCRUT4 Temperature Dataset” (hinter Zahlschranke) veröffentlicht.
    https://robert-boyle-publishing.com/product/audit-of-the-hadcrut4-global-temperature-dataset-mclean-2018/
    Der Autor stellt fest, dass bisher dieser Datensatz noch keinen Qualitätskontrollen unterworfen war.
    Er schreibt, dass die meisten seiner Ergebnisse die Unsicherheit der Daten vergrößern und deshalb die Fehlermarge erhöhen. Es zeige sich, dass eine zwar übliche aber fehlerhafte Methode der Datenanpassung allein durch diese Anpassungen einen falschen Erwärmungstrend erzeugt.
    Ein weiterer Befund weist darauf hin, dass bei der Schließung von Stationen anstelle der Verlagerung von Daten eine Verzerrung der Daten in der Aufzeichnung verbleibt. Fehler werden auch bei Meeresoberflächentemperaturen festgestellt, darunter auch solche, die von einem für diese Daten verantwortlichen Teammitglied erstellt wurden.
    Einige von vielen Fehlern, die ermittelt wurden:
    • Für die Stadt Paltinie in Rumänien wurde für September 1953 eine Monatsmitteltemperatur von
    -46°C aufgezeichnet, während in anderen Jahren dies 11,5°C waren
    • Für die Stadt in Kolumbien wurde für 3 Monate im Jahr 1978 eine Durchschnittstemperatur von über 80°C aufgezeichnet.
    • Die Temperaturdaten der Jahre 1850 bis 1853 für die gesamte Südhemisphäre beruhen einigen Messstationen in Indonesien und einigen Messungen von Schiffen.
    • Es wurden Daten falschen Messstationen zugeordnet.
    • Grad Fahrenheit wurden als Grad Celsius angegeben.
    • Es gibt große Lücken ohne irgendwelche Daten in Messreihen.

    Wenn man sich in dieser Studie https://journals.ametsoc.org/doi/full/10.1175/JTECH-D-11-00103.1
    die Fig. 1
    https://journals.ametsoc.org/na101/home/literatum/publisher/ams/journals/content/atot/2012/15200426-29.7/jtech-d-11-00103.1/production/images/large/jtech-d-11-00103.1-f1.jpeg
    mit der Dichte der GHCN-Temperaturmessstationen rund um die Erde anschaut, erkennt man, dass das Messnetz bis 1950 so gut wie keine Stationen in der Südhemisphäre und in Asien hatte – wie will man denn da Aussagen zur Globaltemperatur in diesem Zeitraum bekommen?

    Die Aussage im SP15, dass die Datenreihen deshalb „okay“ wären, weil sie in peer-reviewten Studien verwendet wurden, erweist sich nun als Trugschluss. Diese Studien haben die Daten ungeprüft verwendet im Vertrauen auf eine nun nicht vorhandene Qualität.
    Die vielen fehlenden oder falschen Messdaten lassen sich nachträglich nicht mehr rekonstruieren, was nicht oder falsch gemessen wurde kann nur noch verworfen wurde.
    Was nun?

    • Die erste Studie ist eine seriöse, in der begutachteten Fachliteratur erschienene Studie, die allerdings keineswegs Ihre Behauptung stützt, dass die “Messdaten der Landstationen als mehr oder weniger unbrauchbar” seien. Im Gegenteil, sieht man sich den Erwärmungstrend in der Jahrestemperatur an (Abb. 7a) ist dieser in den meisten Landregionen sehr konsistent – Ausnahmen sind Grönland und die Antarktis. Das verwundert nun nicht – das betrifft damit aber nur einen relativ kleinen Teil der globalen Landmasse und die wiederum umfasst weniger als ein Drittel der Oberfläche unseres Planeten, weshalb die globalen Mitteltemperaturen der verschiedenen Datensätze sehr konsistent sind, Grafik hier.

      Die zweite Arbeit ist zumindest sehr fragwürdig, auch wenn das Hadley Center darauf sehr höflich geantwortet hat. Wer den Entstehungshintergrund kennt, der weiß, dass es im wesentlichen eine Klimaskeptiker-Nebelkerze ist. Rote Warnlampen sollten schon dem Laien aufleuchten, wenn er merkt, dass diese Arbeit nicht in einer Fachzeitschrift erschienen ist sondern offenbar im Selbstverlag (zumindest ist es das einzige in diesem Verlag erschienene Werk) und man erstmal bezahlen muss, damit man diese Doktorarbeit überhaupt lesen darf.

      Diese Diskussion haben wir doch nun schon mehrfach durch. 2010 startete der Physiker Richard Muller das Berkeley Earth Surface Temperature project. Er äußerte damals Sympathien für Klimaskeptikerthesen und Zweifel an der Zuverlässigkeit der globalen Temperaturdaten, und bekam eine Menge Geld von der Koch Foundation (genau, Koch brothers…) und wollte damit zeigen, dass die bekannten Temperaturdatensätze der Klimainstitute schlecht seien. Nach Jahren des Datensammelns und Analysierens kam dann das Gegenteil heraus, nämlich praktisch exakt die gleiche Kurve wie bei den bisherigen Datenreihen der Forschungsinstitute. Bei den verbleibenden kleinen Unterschieden gehört BEST übrigens zu den Datensätzen, die den stärksten globalen Erwärmungstrend zeigen.

  17. @Novidolski

    Sehen Sie völlig richtig.

    Wie gesagt, bei einer Klimasensitivität von 3°C und aktuell 408 ppm CO2 in der Atmosphäre, + Methan und Lachgas haben wir schon 2°C. Wovon wir derzeit nur 1°C beobachten. 1°C kommen also noch hinzu, wenn die Klimasensitivität nicht wesentlich kleiner ausfällt!

    Wir können die 2°C also nur noch halten, wenn man Flugreisen, Schiffstransporte, Kohleverstromung, Stahlproduktion, Betonproduktion, Benzin, Diesel, Heizöl, Erdgas alles schnellstens verbietet!

    Ebenso die intensive Landwirtschaft!

    Wir müssen zurück zu einer Agargesellschaft, die im Einklang mit der Natur lebt.

    Windkraft und Photovoltaik können dabei nur unterstützen, aber keine Säulen der Energiewende sein, da diese ebenfalls die Natur zerstören und Unmengen an Ressourcen erfordern.

    Alles andere sind Hirngespinste. Die 1,5°C und 2°C sind längst bei einer Klimasensitivität von 3°C und 408 ppm CO2 im Klimasystem vorprogrammiert und unausweichlich. Die Formel aus den IPCC-Berichten für den Strahlungstransfer durch CO2 bei einer Klimasensitivität von 3°C hatte ich ja bereits mehrfach genannt.

    Wer anderes schreibt, hält sich nicht an die Fakten der IPCC-Formeln zum Strahlungstransfer. David Archer hat auch ein Online-Tool Modtran-Online dazu ins Netz gestellt, womit man das selbst anschaulich darstellen kann.

    • Ich denke Sie vergessen immer noch, dass bei Nullemissionen die CO2-Konzentration in der Atmosphäre wieder sinkt, weil die Ozeane dann netto CO2 aufnehmen. Das ist der Grund warum der IPCC schreibt, dass nach Erreichen der Nullemissionen die Temperatur nicht weiter steigt, obwohl das Klimasystem dann noch nicht im Gleichgewicht ist. Daher ist Ihre Rechnung ein wenig zu simpel und man muss das eben doch mit einem Erdsystemmodell mit Kohlenstoffkreislauf rechnen, wie der IPCC das getan hat, und nicht einfach eine Überschlagsrechnung mit der Gleichgewichts-Klimasensitivität machen.

  18. @Wolfgang Richter

    Graham Lloyd, The Australian
    Britain’s Met Office has welcomed an audit from Australian researcher John McLean that claims to have identified serious errors in its HadCRUT global temperature record.
    “Any actual errors identified will be dealt with in the next major update.’’
    The Met Office said automated quality checks were performed on the ocean data and monthly updates to the land data were subjected to a computer assisted manual quality control process.
    “The HadCRUT dataset includes comprehensive uncertainty estimates in its estimates of global temperature,” the Met Office spokesman said.
    “We previously acknowledged receipt of Dr John McLean’s 2016 report to us which dealt with the format of some ocean data files.
    “We corrected the errors he then identified to us,” the Met Office spokesman said.

    Quelle

    Das alles wird aber mit Sicherheit nicht reichen, irgend welche Zweifel an den Modell-Outputs zu formulieren.

  19. Also ich sehe komplett schwarz. Man kann nicht erkennen das außer Rechentricks irgendwas gegen den CO2 Ausstoß unternommen wird. CCS ist eine Illusion. Ohne den selbst verschuldeten Crash an den Finanzmärkten von 2008 und die folgende idiotische Austerity Politik wären wir auch längst bei noch höheren Emissionswerten. Der Crash hat uns da wohl minimal Zeit verschafft, welche aber in keinster Weise genutzt wurde. Die Dumpfbacken wie Trump, Turnbull, May etc. tragen auch nichts zur CO2 Reduktion bei und reden nur heiße Luft oder ergehen sich gar in Hetztiraden gegen Wissenschaftler. Viel wichter als die Rettung des Klimas und der Welt für unsere Kinder scheint die erneute Etablierung des Ost-West-Konflikts und des Feindbilds “Putin” zu sein, um noch mehr Waffen zu produzieren und zu verkaufen. Wesentlich schlimmere Regime wie Saudi Arabien, wo man Hexen enthauptet sind aber aus bekanntem Grund aka “Öl für uns Alle” nette Menschenfreunde mit einem “kleinen” Hang zur Frauenfeindlichkeit.
    Alles sieht nach Business-as-usual Szenario der schlimmsten Sorte aus. Sobald echtes Wachstum in Europa wieder einsetzt wird auch der Energieverbrauch und damit die CO2 Emissionen wieder drastisch ansteigen. +3..5 Grad Celsius bis 2100 scheinen doch wohl das realistischste Szenario zu sein.

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