Hitze, Brände, Kachelmann

KlimaLounge

Der neue Sonderbericht des „Weltklimarats“ IPCC warnt erneut davor, dass steigende Temperaturen zu mehr Waldbränden führen. Warum ist das so?

Am Donnerstag ist der Land-Bericht des IPCC erschienen. Dort geht es einerseits darum, wie unsere gegenwärtigen Landnutzungspraktiken zur Klimakrise beitragen: sie sind für nahezu ein Viertel der Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich. Andererseits handelt der Bericht davon, wie die Erderwärmung die Land- und Forstwirtschaft und die natürlichen Ökosysteme gefährdet. Neben der Besorgnis erregenden Gefährdung der Ernährungssicherheit zieht sich an vielen Stellen ein weiteres Thema durch den IPCC-Bericht: die wachsende Waldbrandgefahr im Zuge der globalen Erwärmung.

Schemagrafik zu den mit der Erwärmung steigenden Waldbrandrisiken. Quelle: Zusammenfassung für Entscheidungsträger des neuen IPCC-Berichts.

Während der Pressekonferenz des IPCC brannten riesige Waldgebiete in Sibirien und Alaska. Laut Einschätzung von Mark Parrington vom Copernicus Atmosphere Monitoring Service haben die Brände ein „beispielloses Ausmaß“ erreicht, und sie seien zweifellos durch die in der Arktisregion kräftig gestiegenen Temperaturen mitverursacht worden. Auswertung von Holzkohle in Sedimentbohrkernen legt nahe, dass die Zunahme der Feuer in den borealen Wäldern ein seit mindestens 10.000 Jahren einmaliges Niveau erreicht hat.

Auf den ersten Blick mag das überraschen, denn in einem wärmeren Klima nimmt erstens global gesehen die Verdunstungsrate zu und damit auch die weltweiten Niederschläge, denn laut Verdunstungsformeln steigt die Verdunstungsrate mit der Temperatur, wenn die anderen Parameter (z.B. die relative Luftfeuchte) konstant bleiben. Zweitens nimmt auch der Wasserdampfgehalt der Atmosphäre zu. Das liegt daran, dass der Wassergehalt der Atmosphäre hauptsächlich dadurch reguliert wird, dass Wasser zunehmend ausregnet wenn die Atmosphäre „zu voll“ ist – d.h. wenn die relative Luftfeuchte zu hoch wird. Dadurch bleibt bei einer Klimaerwärmung die global gemittelte relative Luftfeuchte in erster Näherung konstant. Damit steigt aber der gesamte Wassergehalt der Atmosphäre mit der Temperatur (siehe Abb. 2) – was wiederum die Erwärmung verstärkt, weil Wasserdampf ja ein Treibhausgas ist.

Trotzdem nehmen Dürren und damit Brandgefahr in einem wärmeren Klima zu. Die Verteilung der Niederschläge verändert sich – mehr Wasser kommt als Starkregen vom Himmel, dazwischen werden die Pausen länger. Und gerade in ohnehin trockenen Gebieten nehmen Niederschläge eher ab.

Doch selbst wenn die Niederschläge gleich blieben, würden Dürren zunehmen. Denn bei höheren Temperaturen geht die Bodenfeuchte schneller durch Verdunstung verloren, und die Vegetation trocknet schneller aus. Letzteres kennt jeder von Föhn, Wäschetrockner oder Dörrapparat, die aus gutem Grund mit Wärme arbeiten.

Der IPCC-Autor Louis Verchot drückte es so aus:

“Wenn die Biosphäre wärmer wird, steigern wir die Verdunstung. Und wenn die Verdunstung ansteigt, trocknen Ökosysteme aus und brennen, wo sie das normalerweise nicht tun würden.“

Ich betone dies deshalb, weil der TV-Moderator und Betreiber eines kommerziellen Wetterdienstes Jörg Kachelmann diesen Sommer vehement darauf bestanden hat, die Temperatur sei völlig irrelevant für die Waldbrände (dazu unten mehr für die, die es interessiert).

Warum Hitze die Waldbrandgefahr erhöht

Die Erfahrungstatsache, dass Hitze die Waldbrandgefahr steigert, wird weltweit in den meisten Waldbrand-Gefahrenindikatoren verwendet, in die neben anderen Parametern auch die Temperatur eingeht: zum Beispiel im kanadischen Forest Fire Weather Index (siehe folgende Grafik) oder dem australischen Forest Fire Danger Index.

Abb. 1 Schemagrafik zur Berechnung des kanadischen Forest Fire Weather Index. Quelle

Die Zusammenhänge sind auch vielfach wissenschaftlich untersucht worden. Der Canadian Forest Service schreibt in einer Studie (Wang et al. 2015):

“Obwohl die Windgeschwindigkeit der primäre meteorologische Faktor sein kann, der das Brandwachstum eines einzelnen Feuers beeinflusst, deuten zahlreiche Studien darauf hin, dass die Temperatur die wichtigste Variable ist, die die jährliche Waldbrandaktivität insgesamt beeinflusst, wobei wärmere Temperaturen zu einer erhöhten Brandaktivität führen.”

Der physikalische Mechanismus hinter diesem empirischen Zusammenhang wurde vor einigen Jahren von Richard Seager von der Columbia University und mehren Kollegen ausführlich in der Fachliteratur dargestellt .  

Der entscheidende Faktor ist das „vapor pressure deficit (VPD)“, auf Deutsch Sättigungsdefizit oder „Dampfhunger“ – ein Maß für die Trockenheit der Luft, das schon 1936 von Anderson vorgeschlagen wurde – genau wegen seiner Relevanz für die Austrocknung von Pflanzen. Klingt kompliziert, ist aber leicht zu verstehen: das Sättigungsdefizit entspricht der Wasserdampfmenge, die die Luft noch aufnehmen kann, bis sie gesättigt ist. Je höher das Sättigungsdefizit, desto mehr Wasser verliert eine Pflanze. (Daher ist dies z.B. eine entscheidende Größe bei der Steuerung von Gewächshäusern.)

Bei konstanter Feuchte – egal ob bei konstantem Wasserdampfgehalt oder konstanter relativer Luftfeuchte – nimmt das Sättigungsdefizit exponentiell mit steigender Temperatur zu, siehe folgende Grafik.

Abb. 2 Sättigungsdefizit oder “Dampfhunger” der Luft nennt man den Abstand vom aktuellen Wasserdampfgehalt der Luft zur Sättigungslinie. Am Beispiel mit konstant 60% relativer Luftfeuchte ist der Dampfhunger bei 20 °C (grüner Balken) und 35 °C (roter Balken) gezeigt.

Das ist der Grund, weshalb Vegetation schneller austrocknet und Bodenfeuchte schneller verloren geht, wenn es heiß ist. Das erklärt z.B. auch der Fachdienst Wildfire Today. Eine aktuelle Studie führt die dramatische Zunahme der Waldbrände in Kalifornien seit den 1970ern fast vollständig auf das zunehmende Sättigungsdefizit infolge der Erwärmung zurück (Williams et al. 2019).

Zusammenfassend kann man also sagen, dass es in der Wissenschaft unumstritten ist, dass höhere Temperaturen die Waldbrandgefahr erhöhen. Die empirischen Daten zeigen dies, die Physik dahinter ist gut verstanden, und Behörden in vielen Ländern nutzen diese Tatsache seit jeher in ihren Warnstufen zur Brandgefahr. Und selbstverständlich glaubt niemand, dass dies der einzige Einflussfaktor ist.

Kachelmann

Wie angekündigt hier noch einige Worte zu Kachelmann, der in Artikeln und zahlreichen Tweets vehement bestreitet, dass die Temperatur irgendeinen Einfluss auf die Brandgefahr hat. So schrieb er in einer Kolumne: „Hitze erzeugt keine Waldbrände und ist völlig irrelevant.“ Der erste Teil stimmt natürlich insofern, als Hitze alleine keine Waldbrände erzeugt (aber das behauptet auch niemand), aber der zweite Teil ist klar falsch: Hitze ist keineswegs irrelevant. Kachelmann beansprucht für sich Expertise aus seiner Zeit als Waldbrandmeteorologe in Kanada, ist aber offenbar selbst mit dem dortigen Forest Fire Weather Index und den kanadischen Studienergebnissen nicht vertraut.

Seine Argumente sind simpel: „Wo es sehr heiss ist, trocknet trotzdem manchmal nichts. […] Weil es nicht auf die Temperatur, sondern auf die Luftfeuchtigkeit ankommt.“ Das ist ein schönes Beispiel für monokausales Denken; in der etwas komplexeren Realität kommt es eben auf beides an. Dass es im Sommer öfter brennt als im Winter erklärt Kachelmann mit „der Zahl der Deppen, die draußen sind“. Das dürfte allerdings in abgelegenen Regionen Alaskas und Sibiriens weniger zutreffen, wo die Feuer wahrscheinlich durch Blitze entzündet wurden. Und dass durch Hitze mehr verdunstet und die Vegetation schneller bzw. stärker austrocknet? Kann keinen Einfluss haben, denn: „Wenn es lange trocken war, gibts im Wald nichts mehr zu verdunsten.“  Ja genau – und dass ein Föhn wirkungslos ist sieht man daran, dass er trockenes Haar nicht weiter trocknet.

Eine vernünftige sachliche Diskussion mit Herrn Kachelmann ist leider nahezu unmöglich, da er kaum auf konkrete Sachargumente antwortet. Schon im Juni wies ich auf Twitter darauf hin, dass in den australischen Forest Fire Danger Index die Temperatur eingeht. Von @Kachelmannwetter kam nur die Rückfrage „Warum?“ – obwohl ich den Link mit vollen Erklärungen angegeben hatte. Ein Doktorand des TROPOS-Instituts in Leipzig machte sich die Mühe, die entsprechenden Textstellen aus dem Paper hinter dem FFDI zu zitieren – keine Reaktion.

Ich postete eine Liste von Studien aus meiner Abteilung am Potsdam-Institut, u.a. eine Untersuchung der Performance von einer Reihe von Waldbrand-Gefahrenindikatoren für Deutschland (Holsten et al. 2013). – keine Antwort in der Sache.

Zwei Forstwissenschaftler widersprachen Kachelmann und verlinkten Studien – sachliche Antwort wieder Fehlanzeige, auch auf meine explizite Nachfrage nach seinen Gegenargumenten.

Kachelmanns Methode sind weniger Sachargumente als Unterstellungen und Beleidigungen. Diese Erfahrung hatte ich bereits 2017 gemacht, als ich in einem Artikel den Forschungsstand zum Zusammenhang von Klimawandel und zunehmenden Wetterextremen dargestellt habe, und Kachelmann mit wüsten Beschimpfungen antwortete (kurz zusammengestellt als Zeitrafferzitat unter meinem damaligen Artikel).

In der aktuellen Diskussion arbeitete er mit Behauptungen wie die, „dass es den meist potsdämlich-berlinesken Doomsday-Heulbojen nur um die eigene Förderkohle (und manchen Fernsehmeteorologen um die schön schauerlichen Klimavorträge bei der Kreissparkasse) und nicht um die Welt geht […].“

Die Wortschöpfung „potsdämlich“ gefällt ihm so gut, dass er sie seit Jahren immer wieder verwendet, auch als Hashtag.

Eine Twitter-Nutzerin „Stefanie“ (laut Selbstbeschreibung eine Wissenschaftlerin) postete die – für das physikalische Verständnis entscheidende – Dampfdruckkurven (Abb. 2), und wurde von Kachelmann wie folgt abgekanzelt:

“Ausgangspunkt der Diskussion ist die lustige Behauptung mancher Professoren (mit anderem Fachgebiet) und die bedeutende Überzeugung der gretinisiert hysterischen Massen (mit abgewähltem Physik-Curriculum), dass bei uns die “Hitze” Waldbrände auslösen würde – und zum “Beweis” derlei irrelevante Graphiken postet. Ja, in warme Luft passt mehr Wasser ein als in kalte Luft. Das spielt aber für unsere Waldbrände keine Rolle. Das Problem ist die Entkernung naturwissenschaftlicher Bildung seit langer Zeit. Das führt nicht nur dazu, dass Krankenkassen völlig wertlose Homöopathie bezahlen. Das führt auch dazu, dass sie generell denken, sie könnten zu allem, auch zur Physik, eine “Meinung” haben, die man respektieren müsse. Das ist nicht der Fall. Es geht um Fakten.”

Nur sind die Fakten halt nicht auf Kachelmanns Seite, und er diskutiert nicht gerne darüber. Sein Twitter-Verhalten ähnelt dem von US-Präsident Trump: markige Behauptungen posten ohne Rücksicht auf deren Wahrheitsgehalt, und wer ihn widerlegt wird unflätig beschimpft. Kachelmann ist zwar nicht so dumm, die globale Erwärmung an sich oder ihre Verursachung durch den Menschen zu bestreiten, wie es die AfD tut, aber er gehört zum dritten Typus von „Klimaskeptikern“, der versucht, die Folgen der Erwärmung herunterzuspielen. Dieser Typ stellt die „Klimaleugner“ und die angeblich „alarmistischen“ Klimaforscher auf eine Stufe als gleichermaßen verblendet, um sich dann selbst in der vermeintlich goldenen Mitte zu verorten. Gemeinsam haben alle drei Typen von „Klimaskeptikern“, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht zu ihrem Narrativ passen, und dass ihre Hauptmethode daher die Diffamierung von Wissenschaftlern ist.

Nein, die Wahrheit liegt nicht in der Mitte zwischen Wissenschaft und Tollhaus. Cartoon von Tom Toles aus dem Buch Der Tollhauseffekt

Beachtenswert ist bei dem obigen Zitat das Wort „gretinisiert“ – immer wieder bezeichnet Kachelmann Greta Thunberg und die Schülerbewegung Fridays For Future als „Gretins“ – eine Wortschöpfung aus „Greta“ und „Kretin“, also Idiot. In der rechtspopulistischen Schweizer Wochenzeitung Weltwoche schrieb Kachelmann zum Beispiel:

“Die erleuchteten jungen Gretins, die nach Jahren des ununterbrochenen Blicks nach unten ins Telefon neuerdings zum Himmel blicken, sehen dort viele Dinge zum ersten Mal und sind entsprechend sehr beunruhigt …”

Mit der Diffamierung als Schwachsinnige oder Entwicklungsgestörte (auch das ja eine Bedeutung von Kretin) reiht sich Kachelmann ein in eine Serie widerlicher persönlicher Angriffe auf Greta Thunberg und ihre Mitstreiter. Statt sachlich zu argumentieren werden minderjährige Schüler gemobbt. Damit hat er sich selbst weit außerhalb eines zivilisierten, sachlichen Disputs ins Abseits gestellt.

Kleine Ironie am Rande: ebenfalls in der Weltwoche bezeichnet Kachelmann meinen geschätzten Schweizer Kollegen Reto Knutti als seinen „wissenschaftlichen Leuchtturm“. Doch nicht nur vertritt Knutti im Hinblick auf zunehmende Wetterextreme durch den Klimawandel den Stand der Wissenschaft und nicht die verharmlosenden Thesen Kachelmanns. Knutti gehört zudem zu den Initiatoren und Erstunterzeichnern der Stellungnahme, mit der sich mehr als 26.000 Wissenschaftler aus der Schweiz, Deutschland und Österreich hinter die “Gretins” gestellt haben. Mit der klaren Aussage: die Schüler haben recht!

Mein Rat: man sollte immer sehr skeptisch sein, wenn Nicht-Wissenschaftler behaupten, alles besser zu wissen als professionelle Forscher. Vor allem wenn dies mit schriller Polemik und Verschwörungstheorien daherkommt (die geldgierigen Forscher!) sollte eigentlich jeder merken, woher der Wind weht.

Literatur

  1. X. Wang, D.K. Thompson, G.A. Marshall, C. Tymstra, R. Carr, and M.D. Flannigan, "Increasing frequency of extreme fire weather in Canada with climate change", Climatic Change, vol. 130, pp. 573-586, 2015. http://dx.doi.org/10.1007/s10584-015-1375-5
  2. R. Seager, A. Hooks, A.P. Williams, B. Cook, J. Nakamura, and N. Henderson, "Climatology, Variability, and Trends in the U.S. Vapor Pressure Deficit, an Important Fire-Related Meteorological Quantity*", Journal of Applied Meteorology and Climatology, vol. 54, pp. 1121-1141, 2015. http://dx.doi.org/10.1175/JAMC-D-14-0321.1
  3. D.B. Anderson, "Relative Humidity or Vapor Pressure Deficit", Ecology, vol. 17, pp. 277-282, 1936. http://dx.doi.org/10.2307/1931468
  4. A.P. Williams, J.T. Abatzoglou, A. Gershunov, J. Guzman‐Morales, D.A. Bishop, J.K. Balch, and D.P. Lettenmaier, "Observed Impacts of Anthropogenic Climate Change on Wildfire in California", Earth's Future, 2019. http://dx.doi.org/10.1029/2019EF001210
  5. A. Holsten, A.R. Dominic, L. Costa, and J.P. Kropp, "Evaluation of the performance of meteorological forest fire indices for German federal states", Forest Ecology and Management, vol. 287, pp. 123-131, 2013. http://dx.doi.org/10.1016/j.foreco.2012.08.035
Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

42 Kommentare

  1. Stefan Rahmstof am 25ten September 2013 im ZDF:

    “Aber diese Klimamodelle sind nicht in der Lage, auf 10, oder 15, oder 20 Jahre Prognosen ueber den Klimaverlauf zu machen. Das ist in der Wissenschaft allgemein anerkannt.”

    Stehen Sie da immer noch zu?

    • Ja sicher, das ist eine völlig korrekte Aussage. Über so kurze Zeiträume dominieren natürliche Schwankungen das Klimageschehen, und die können Klimamodelle (noch) nicht gut vorhersagen. Das ist aus dem Kontext auch klar.

      Denken Sie allein an die globale Mitteltemperatur: die steigt durch unsere Emissionen um knapp 0,2 °C pro Jahrzehnt. Natürliche Schwankungen, z.B. durch El-Niño-Ereignisse, können größer sein – und die lassen sich (anders als die Wirkung von CO2) eben nicht vorhersagen. Daher kann die Erwärmung auch mal 15 Jahre fast stagnieren, oder eben doppelt so schnell verlaufen – ohne dass wir diese Schwankungen im Voraus vorhersagen könnten. Regional sind die Schwankungen noch größer als im globalen Mittelwert. Es gab zwar schon Versuche, solche dekadischen Vorhersagen zu machen, die aber nicht gut geklappt haben. Darüber haben wir mehrfach hier bei der KlimaLounge berichtet.

      Mir ist schon klar, dass Klimaleugner dieses Zitat immer wieder aus dem Kontext reißen, um Ihnen weiszumachen, ich würde damit generell die Prognosefähigkeit von Klimamodellen infrage stellen. Lassen Sie sich nicht verschaukeln!

  2. Wie wäre es mit Vince Ebert statt Jörg Kachelmann?

    “Je länger und je aufgeregter das Klimathema in der Öffentlichkeit breitgetreten wird, umso stärker wird mein Gefühl, dass die allermeisten in der Klimafrage überhaupt gar keine Lösungen wollen. Wir wollen uns mit unserer Entrüstung und unserer vorgespielten Angst einfach nur gut fühlen. Das Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen, ist uns viel wichtiger, als tatsächlich etwas Richtiges zu tun. Vielleicht ist das auch typisch deutsch. Wir arbeiten uns ja gerne an unlösbaren Problemen ab und machen dann den Rest der Welt dafür verantwortlich.”

    https://www.spektrum.de/kolumne/was-waere-wenn-uns-der-klimaschutz-egal-waere/1665472

  3. Den Hanf nicht vergessen

    Geht ja im IPCC-Bericht auch um unsere gegenwärtige Landnutzungspraktiken und wie sie zur Klimakrise beitragen.

    Seit Jahren werde ich in den Threads auf Zeitonline verlacht, wenn ich *“’predige“ wie ein linksgrünversiffter Klimakirchenjünger*, nicht den Hanf zu vergessen. Die Böden verlieren zunehmend an Qualität, die Landwirtschaft ist weltweit zu CO2-intensiv und die zukünftige Versorgung in ernster Gefahr laut des letzten IPCC-Sonderberichts? Hanf verbessert die Böden und laugt sie nicht aus. Hanf braucht keine Pestizide. Er eignet sich hervorragend als Pionier-, Fruchtfolge- und als Monokulturpflanze. Heißt also nicht, dass für ihn Regenwälder abgeholzt werden sollen. Heißt, dass Hanf zum Fortbestand der Zivilisation von Nutzen sein kann. Heißt, dass sich Hanf als guter Kohlendioxidspeicher und als umweltfreundlichst kohlenstoffneutral erweisen könnte, wenn er nicht seit Jahrzehnten wegen seiner Rauschwirkung verteufelt worden wäre. Daran hat die Fossil-, Chemie- und Hozindustrie maßgeblich mitgewirkt wie auch bei der Lüge von der Klimalüge die Fossil- und Chemieindustrie. Hanf ist eine urbarst universell umweltfreundliche Nutzpflanze mit dem Potential zur Rettung in der drohenden Umweltapokalypse der Zivilisation. Flugzeuge könnten längst mit Hanftreibstoff betrieben werden und aus Hanf gebaut sein. Und so weiter. „Predige“ …

    https://www.zeit.de/2015/39/unwetter-el-nino-wetter-pazifik-kueste?cid=5405685#cid-5405685

    … seit Jahren.

  4. Sehr gut erklärt wie steigende Temperaturen trotz zunehmender Niederschläge die Waldbrangefahr erhöhen. Auch schön, dass man heute noch feststellen kann wie häufig Waldbrände in den höheren Breiten vor 5’000 oder 10’000 Jahren waren – auch wenn die jüngste Zunahme artkischer Brände für sich genommen wohl noch einen zu kurzen Zeitraum abdeckt um allein daraus auf eine neue Ära der arktischen Brände zu schliessen. Doch weiter steigende Temperaturen werden sicher dafür sorgen, dass die Zunahme der Waldbrände im hohen Norden nicht nur ein vorübergehendes Phänomen sind.

    Kachelmann gehört wohl zum dritten Typus von „Klimaskeptikern“, der versucht (Zitat) die Folgen der Erwärmung herunterzuspielen. Interessant aber, dass er als meteorologisch Tätiger nicht mit der Zeit seine Positionen korrigiert, denn es stimmt zwar, dass viele Meteorologen ursprünglich eher skeptisch gegenüber Klimawandelvoraussagen und -modellen waren, doch das hat sich inzwischen geändert. Jetzt findet man beispielsweise auf der Website der World Meteorological Organization detaillierte Informationen zu den Folgen des Klimawandels für das zukünftige Wetter.

    Allerdings ist es für jeden, der einmal eine Position zu einem Thema aufgebaut hat, schwierig, wieder davon Abschied zu nehmen. Kachelmann gehört auch zu dieser Gruppe von Leuten, die sich “verrannt” haben und nun nicht zurückfinden. In der breiten Bevölkerung dagegen ist die Bereitschaft sehr viel grösser, sich von neuen Erkenntnissen belehren zu lassen als das bei Kachelmann der Fall ist. Heute gibt es eine schweigende Mehrheit von Menschen, die vom Klimawandel überzeugt sind und eine kleine lautstarke Gruppe von verbleibenden Klimaleugnern, denen aber kaum noch jemand zuhört.

  5. @ Herr Rahmstorf,

    “Ja sicher, das ist eine völlig korrekte Aussage. Über so kurze Zeiträume dominieren natürliche Schwankungen das Klimageschehen, und die können Klimamodelle (noch) nicht gut vorhersagen. Das ist aus dem Kontext auch klar.”

    Das ist aber doch schon ein gewisses Eingestaendnis, dass die Klimawissenschaft “noch” nicht viel mehr ist als Kaffeesatzleserei.

    Zumindest wuerde ich bei diesem hohen Grad an Ungenauigkeit nicht im Entferntesten daran denken, politische Entscheidungen zu treffen, geschweige denn CO2-Steuern zu bezahlen oder die Energiewende mitzutragen.

    • Wie gesagt: die erwärmende Wirkung von CO2 ist völlig unumstritten. Nur ist sie über kurze Zeiträume wie 10 oder 15 Jahre relativ gering und wird von den nicht vorhersagbaren Zufallsschwankungen des Klimas überlagert, die eine ähnliche Größe haben. Beim Klimawandel geht es um gravierende Veränderungen über längere Zeiträume als 10 oder 15 Jahre, und über diese längeren Zeiträume dominiert die Erwärmung durch Treibhausgase.

  6. Eine Frage an die Fachwelt:
    Laut Wikipedia stiegen während der letzten (Eem-) Warmzeit die Durchschnittstemperaturen auf Werte an, die um mehrere Grad höher waren als die in der Neuzeit (zumindest in Europa) erreichten vorindustriellen Werte. Kann man hieraus hinsichtlich der Waldbrände auf eine gewisse Analogie zwischen damals und heute schließen? Waren also damals, besonders kurz vor oder während des Eem-Temperatur-Maximums, Waldbrände etwa so häufig wie jetzt, oder sind, unter anderem wegen des schnellen Temperaturanstiegs heutzutage, auch die großflächigen Waldbrände, die wir gerade erleben, erdgeschichtlich einmalig?

  7. Hallo Herr Rahmstorf,

    vielen Dank für Ihren unermüdlichen Kampf den Stand der Wissenschaft allen Interessierten auf einfache Weise darzustellen und auch den Leugner immer wieder die Stirn zu bieten.

    Geben Sie nie auf! Die Gesellschaft braucht Sie – insbesondere die Zukünftige.

    Danke.

  8. Ich habe längere Zeit in Menton, Süd-Frankreich gelebt und erlebt, was Schwüle ist. Temperaturen um mindestens 30°C, relative Luftfeuchte gefühlte 90% (tatsächlich wohl weniger), dazu Sonnenschein, blauer, nicht klarer, aber blauer Himmel, über mehr als eine Woche.
    Schwitzen ohne Ende, keine Verdunstung, die Erfrischung bringen konnte, kam man aus dem Badewannenwasser Mittelmeer, ebenfalls keinerlei Verdunstung, keine Erfrischung. Da ist auch nirgends etwas abgeregnet, weil die Luft zu feucht war, auch in den direkt angrenzenden Ausläufern der Seealpen nicht, denn kein Wind war da, der u. U. die Luft die Hänge hochwehen konnte.

    Um auf Kachelmann zu kommen, hat er, soweit ich das teilweise mitbekommen habe, zuerst und nur gegen die Medien gewettert, die, im Gegensatz zu Ihrer Aussage

    Der erste Teil stimmt natürlich insofern, als Hitze alleine keine Waldbrände erzeugt (aber das behauptet auch niemand),

    genau das behauptet haben, teilweise in dicksten Überschriften.

    Klar, es gibt auch Selbstentzündung, feuchtes Gras / Heu, das falsch gelagert wird, oder auch Stallmist, Geflügelkot, die durch Gärung bei falscher Lagerung eine Hitzeentwicklung produzieren und den Flammpunkt erreichen

  9. Vielen Dank, Herr Rahmstorf, für diese klare und sachliche Erläuterung des Zusammenhangs von Hitze und Waldbrandgefahr. Aus der Presse habe ich noch einen anderen Einflussfaktor in Erinnerung, kann aber nicht prüfen, ob er wissenschaftlich belegt ist: Mit steigender Temperatur käme es zur Ausdünstung ätherischer Öle mit Flammpunkten unter 100 °C, insbesondere bei Nadelbäumen. Dies führe zu vermehrten Waldbränden. Sind Ihnen dazu geprüfte Untersuchungen bekannt?

  10. naja, freilich liegt Herr Kachelmann gegenständlich oft daneben, wahrscheinlich kommen seine Schneeschüsse wegen einer Genervtheit bzgl. ausuferndem Klimaalarmismus. Das alles muss man ja auch mal ertragen, wenngleich natürlich kein Zweifel am anthropogenen Anteil der jüngsten Erwärmung besteht.

    Aber, so soll doch der hydrologische Kreislauf vor allem in mittleren und höheren nördlichen Breiten deutlich zunehmen und überspitz formuliert, brennt in den heißen und feuchten Tropen fast gar nichts.
    Jetzt kann man freilich hergehen und behaupten, dass die sommerlichen Dürreperioden fast überall zunehmen werden, weil man das aus Klimasimulationen so interpretieren könnte. Diese sollte man jedoch auf keinen Fall überstrapazieren, da selbige “Sigularitäten” zeigen, welche es in der Natur nie gegeben hat. Wirs sehen, dass es überall dort, wo es über die letzten Dekaden trockener wurde, noch trockener wird vice versa und das kann nicht stimmen.
    Wir sollten viel längere Zeiträume betrachten, sofern das die Datenlagen bei Niederschlägen überhaupt zulässt und niemals vergessen, dass sich alle diese mehr dekadischen Trends immer wieder mal umkehren, regional zumindest und dabei ist es völlig egal, was genau zu einer globalen Erwärmung oder Abkühlung führt.
    Was auch interessant wäre ist die Tatsache, dass am gegenwärtigen Klima alles schlecht sein muss, nichts darf positiv sein und selbst wenn, dann darf es scheinbar nicht an die Öffentlichkeit. Darüber könnte man auch mal nachdenken…

    • Das stimmt doch gar nicht. Ich erwähne in Interviews immer wieder, dass die Erwärmung zum Beispiel ein Vorteil für den Sommertourismus an der Ostsee ist. Wir haben hier schon seit vielen Jahren die vorteile der steigenden CO2-Konzentration für die Photosynthese untersucht (Stichwort “global greening”) und die Ergebnisse entsprechen mit Pressemitteilungen verbreitet. Vielleicht könnten Sie mal über Ihre Vorurteile nachdenken?

  11. Herr Holtzherr,

    das mit der WMO und den Meteorologen haben sie aber ganz falsch verstanden.
    Die WMO ist Teil und Gründungsmitglied des IPCC und fast alle staatlichen Wetterdienste der Erde sind Mitglied der WMO, also von wegen, früher waren die Meteos “sketischer” als heute, sie sind seit der 1. Stunde mit von der Partie.

    • Dennoch entspricht es auch meiner Beobachtung über die letzen 30 Jahre, dass Wetterkundler erst wesentlich später die Bedeutung des Klimawandels erkannt haben als die Klimatologen. Das ist auch verständlich – Meteorologen beschäftigen sich hauptsächlich mit Wetter und nicht mit Klimaforschung, also mit anderen Zeitskalen, und sie haben anderes zu tun, als die klimatologische Fachliteratur und Forschung zu verfolgen. (Ich habe auch keine Zeit, mich mit Problemen der Wettervorhersage zu befassen.) Außerdem ist es tägliche Erfahrung der Meteorologen, es mit einem chaotischen und sehr variablen System zu tun zu haben; da ist es manchen schwer gefallen zu verstehen, dass das Klimaproblem grundlegend anders gestrickt ist, z.B. ist der Klimawandel keineswegs chaotisch sondern durch die Randbedingungen bestimmt. Dass die WMO zu den Gründungsmitgliedern des IPCC gehört spricht da doch keineswegs dagegen – als UN-Organisation, die sich mit Wetterdaten befasst, ist es doch logisch, dass sie eine Organisation unterstützt, die den Wissensstand zur Klimaveränderung analysiert.

  12. @Martin Holzherr

    zu Kachelmann als “Klimaskeptiker” u.a.:

    https://www.deutschlandfunk.de/kachelmann-zur-hitzewelle-kein-zweifel-dass-das-klimawandel.694.de.html?dram:article_id=454636

    Zu Ihren Auslassungen:

    Wo hat Rahmstorf dargelegt, dass die Niederschläge zunehmen würden?

    Wo beginnt für Sie die Arktis?

    Woher haben Sie die Information zur schweigenden Mehrheit der Mensch-macht-Klimawandel-Überzeugten? Beziehen Sie sich auf Deutschland oder Europa oder gar die ganze Welt? Ich finde die Mehrheit hierzulande ist mittlerweile recht laut. Ich bekomme tagtäglich irgendwas mit Klimawandel, CO2-Steuer, Energiewende, Verkehrswende etc.pp. um Ohren und Augen gehauen. Sehr, sehr laut. Die Skeptiker sind da doch eher leise.
    Global betrachtet mag das anders aussehen. Aber unsere Weltregierung brüllt ja auch heftigst und regelmäßig, wie schlimm alles ist, so dass es vielleicht global auch eine schweigende Skeptikerminderheit geben könnte. Aber gibt bestimmt super Umfragen zu dem Thema, die Sie hier zitieren können.

  13. @ Karl Mistelberger 13.08.2019, 14:49 Uhr

    “Wie wäre es mit Vince Ebert …”

    Bekannter Industrieapologet und Klimawandelleugner. Jetzt hat er also Gefühle.
    Wenn er Recht hat und vielen Leuten der Klimawandel egal ist, ist es ja umso gerechtfertiger nach Gesetzen zu rufen, die ein klimafreundliches Verhalten zu erzwingen.

  14. Lieber Herr Rahmstorf,

    herzlichen Dank für diesen, einmal mehr, erhellenden Artikel über Hitze, Brände und Kachelmann!

    Kachelmann hängt sich bekanntlich immer und immer wieder vollmundig weit aus dem Fenster, wie man auch unschwer an folgender Äusserung Kachelmanns, die natürlich von Leugnern und Relativierern begierig aufgenommen wird, erkennen kann:

    ” Jörg Kachelmann: „Über 90 Prozent aller Geschichten über Wetter und Klima sind falsch oder erfunden“

    https://www.epochtimes.de/umwelt/wetter/joerg-kachelmann-ueber-90-prozent-aller-geschichten-ueber-wetter-und-klima-sind-falsch-oder-erfunden-a2961158.html

    Und nein, ich bin weder ein Freund von Kachelmann, noch von “Epochtimes” 😉

  15. @Karl Mistelberger

    ” Wir wollen uns mit unserer Entrüstung und unserer vorgespielten Angst einfach nur gut fühlen. ”

    Ich kann Ihnen versichern, ich bin weder entrüstet, noch empfinde ich Angst, ich habe nämlich nix zu verlieren und Kinder habe ich aus weiser Voraussicht auch keine gezeugt 🙂 Ich bin vielmehr höchst belustigt und befremdet angesichts der öffentlichen Debatte auf dem Weg in den Abgrund 😉 Allerdings kann ich Ihnen beruhigt versichern, dass ich dennoch meine Veranwortung sehr, sehr ernst nehme und daher weder ein Auto fahre, noch fliege und ich ernähre mich vegan und enthalte mich auch sonst des kranken Konsumwahns. Und ja, tatsächlich, ich fühle mich ausgesprochen GUT dabei, nicht etwa, weil ich ein, AfD-Zitat “Gutmensch” bin und die Welt retten möchte (wer kann oder möchte das schon^^), sondern schlicht und einfach, weil ich so frei bin, mich dabei GUT zu fühlen 🙂

    Allerdings wage ich es äusserst stark zu bezweifeln, dass etwa die ANGST der Fridays For Future Kids bloss “vorgespielt” ist^^… aber das mögen jene, die, im Gegensatz zu mir, Kinder in diese Welt gesetzt und etwas zu verlieren haben, abschliessend beurteilen 😉

    Good luck everyone, mit freundlichen Grüssen,
    Nemesis

  16. Für die Eem-Warmzeit ist eine mehrere hundert Jahre dauernde Trockenphase plus entsprechender Waldbrände nachgewiesen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Eem-Warmzeit#Dauer_und_Klimaentwicklung

    Noch prägnanter gestalteten sich offenbar die Dürreperioden während des Paläozän/Eozän-Temperaturmaximums vor ca. 56 Millionen Jahren, wobei vor allem die niedrigen Breiten über Jahrtausende unter der Trockenheit zu leiden hatten.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4oz%C3%A4n/Eoz%C3%A4n-Temperaturmaximum

    Generell ist die Auswertung von Wald- und Flächenbränden im Laufe der Erdgeschichte (“palaeo-wildfire”) erst in letzter Zeit verstärkt in den Fokus der Forschung gerückt. Dabei zeichnet sich immer deutlicher ab, dass diese Ereignisse einen wichtigen ökologischen und klimatischen Faktor bildeten.

  17. @Chrononaut
    Eem-Warmzeit
    Danke für den Link.

    Neuere Arbeiten deuten darauf hin, dass es global lediglich um wenige zehntel Grad wärmer war als heute

    Interessant, also ein eher lokales und weniger dynamisch ablaufendes Phänomen, ganz anders als das, was gerade passiert.

  18. also das stimmt aber überhaupt nicht, was sie über Meteorologie sagen, denn,

    Das Studium der “Meteorologie & Geophysik” (heute Atmosphärenwissenschaften) ist mit Sicherheit das umfassendste aller, wenn es um Klimatologie geht, da diese ja ein wesentliches Element des Studiums ist.

    Meteorologie umfasst ein Fundament (erster Abschnitt) an Mathematik und Physik (primär Experimentalphysik, also Grundlagen, Coriolis etc.) und danach geht es in Details bzgl. Strahlungsphysik in der Atmosphäre, physikalische, stochastische Klimatologie, etwas Ozeanographie, viel Theorie zu Strömung- und Strahlungs-(transfer) Gleichungen, die ganze Theorie zu Wettermodellen und natürlich die Synoptik, damit man auch versteht, wie die Wetterlagen zustande kommen und wie man Wettermodelle richtig interpretiert bzw. die Arbeit an den Wettermodellen selbst usw. usw. Ich wäre extrem überrascht, wenn mir irgendjemand ein Studium nennen könnte, welches sich umfassender und ausgiebiger mit Klimatologie beschäftigt.

    Vielleicht gibt es ja heute noch Spezielleres, aber je mehr Meteorologie fehlt, desto schwieriger wird ein umfassendes Verständnis.

    Klar braucht es dann noch andere Disziplinen, Teilbereiche, wenn es meinetwegen um die Glaziologie geht oder ihr Spezialbereich der Ozeanographie, dann noch die Geologen oder auch Geographen, welche sich oft mit Proxys beschäftigen oder älteren Glazialen Fragen usw. und am Ende natürlich auch eher theoretische Physiker und Mathematiker für die grundlegenden Aufgaben der Modellierung etc.

    Nur ein Bruchteil der Absolventen landet in der reinen Wettervorhersage, der „Forecasterei“, jedenfalls war und ist das im deutschsprachigen Raum so und was denken sie, wer bei der Gründung des IPCC von den WMO Meteos primär dabei war? Die Forecaster vielleicht? Natürlich nicht!

  19. Wernher von Braun

    Das ist aber doch schon ein gewisses Eingestaendnis, dass die Klimawissenschaft “noch” nicht viel mehr ist als Kaffeesatzleserei.

    Das hätten Sie wohl gerne.
    Es gibt überhaupt nichts “einzugestehen”. Und Kaffeesatzleserei ist Klimawissenschaft schon garnicht.
    Es ist immer wieder verblüffend was Klimaskeptiker Alles aus Zitaten von Wissenschaftlern herausinterpretieren wollen.
    Die Prognosen über relevante Zeiträume sind bei weitem präzise genug um daraus einen dringenden Handlungsbedarf abzuleiten.
    Ob das Klima sich die nächsten 10 Jahre erwärmt, oder wie stark in den nächsten 20 Jahren ist hier völlig irrelevant.
    Die Klimawissenschaft hat noch nie behauptet, über solche Zeiträume einigermaßen präzise Aussagen machen zu können.

  20. Susanne Doppler

    naja, freilich liegt Herr Kachelmann gegenständlich oft daneben, wahrscheinlich kommen seine Schneeschüsse wegen einer Genervtheit bzgl. ausuferndem Klimaalarmismus

    Es gibt überhaupt keinen Alarmismus.
    Und “genervt” ist Kachelmann nur über den Mangel an Aufmerksamkeit und Anerkennung für seine Person.
    Seine Statements entspringen lediglich einem übersteigerten Geltungsbedürfnis; aber bestimmt nicht einem echten Interesse oder gar Sachkunde.

  21. @ Nemesis 14.08.2019, 14:38 Uhr
    Als ich Kind war, gab es die Angst vor einem atomaren Weltkrieg. Diese Angst scheint die Jugend heutzutage aus mir unbegreigflichen Gründen nicht mehr umzutreiben. Große Teile der fordernden aber nicht handelnden Jugend und in Teilen deren Eltern und Lehrer sowie einige Wissenschaftler, die den Scientists for Future _ Alarmaufruf unterzeichnet haben, halten einen Meeresspiegelanstieg bis 2050 um 3m für wahrscheinlich – ja, kenne ich persönlich diese Wissenschaftler. Ein versehentlicher und absichtsvoller Start einer atomar bestückten Interkontinentalrakete scheint nebensächlich.

    Faszinierend und dumm.

    Aber schauen Sie sich doch als Misanthrop ganz entspannt Ihre Version des Weltuntergangs an.

    Eins ist sicher: der Klimawandel wird nicht zum absehbaren Ende der Spezies Mensch führen. Die exponetiell fortschreitend klimaunabhängige globale Umweltzerstörung, die Experimentierfreudigkeit der Spezies an sich selbst, der unaufhaltsame Vormarsch der künstlichen Intelligenz und vor allem ein atomarer Weltkrieg bergen dieses Potenzial allerdings sehr wohl.
    Die Prioritäten der meiuner Ansicht nach im Schnitt deutlich dümmeren Jugend der Jetztzeit haben sich seltsam verschoben und man darf und muss schon fragen, warum das so ist.

  22. Reimar Pflanz
    Die Skeptiker sind da doch eher leise.

    _____________________________________________________
    Die Skeptiker sind in den ihnen zur Verfügung stehenden Medien sogar ausgsprochen schrill.
    Es wäre zwar zu erwarten gewesen, dass sie im Zuge der immer weiter fortschreitenden Erwärmung etwas nachdenklicher und leiser werden, aber genau das Gegenteil ist der Fall.

    • Neue Studie in Nature Communications: in einer Auswertung von 100.000 englischsprachigen Medienartikeln kommen “Klimaskeptiker” (“Contrarians”) sogar rund 50% häufiger zu Wort als eine gleiche Anzahl (386) der führenden Klimaforscher – obwohl diese “Klimaskeptiker” nach den üblichen Maßstäben bestenfalls einen Bruchteil der fachlichen Expertise besitzen. Egal ob “laut” oder “leise” – die “Klimaskeptiker” sind in den Medien ganz massiv überrepräsentiert, während sie im wissenschaftlichen Fachdiskurs schon lange praktisch keine Rolle mehr spielen.

  23. Da im Artikel von Herrn Rahmstorf interessanterweise mal vom quantitativ wichtigsten Treibhausgas Wasserdampf die Rede ist und sich aus den gezeigten Kurven durchaus ablesen lässt, wie untergeordnet CO2 am atmosphärischem Energiehaushalt beteiligt sein muss, habe ich mal die aktuelle Temperatur und rel. Feuchtigkeitswerte (Erfurt, 19:00; 12°, 79%rF) hergenommen und den Wasserdampfgehalt berechnet (Formel aus Klimatechnik).
    Heraus kommt ein Wasserdampfgehalt von 10.930 ppm (1,09Vol%), das entspricht 8,4 g/m³ bei 12°C und das passt gut in Abb. 2, die Rechnung dürfte also richtig sein.
    Meist wird CO2 allein für fast Alles verantwortlich gemacht. Mir erscheint das schon von den Mengenverhältnissen nicht nachvollziehbar, zumal CO2 als linear aufgebautes Molekül weniger infrarotaktive Zustände aufweist als das gewinkelte Wassermolekül (man vergleiche die resultierenden Absorptionsspektren).
    In Auflistungen über die Treibhausgase unserer Atmosphäre fehlt regelmäßig die Angabe über den Wasserdampfgehalt (obwohl im Durchschnitt 30mal so hoch wie der von CO2), er wurde auch nicht vom IPPC mit einem Treibhausgaspotenzialfaktor (GWP) ausgestattet, mit dem man in der Lage wäre, mit einfachen Mitteln die Relationen bezüglich der treibenden Kräfte, im ansonsten in sich geschlossenen Modellkosmos quantitativ zu bestimmen oder wenigstens besser abzuschätzen.
    Meine Frage ist daher, ist der GWP von Wasserdampf größer oder kleiner als Eins?

    • Das global warming potential gibt an, welche Erwärmung die Emission einer Tonne eines Treibhausgases über einen bestimmten Zeithorizont verursacht, meist 100 Jahre, relativ zu CO2 (also CO2=1). Das GWP von Wasserdampf ist nahe null, da Wasserdampf im Mittel innert einer Woche ausregnet. Wie in meinem Artikel erläutert hängt die Wasserdampfmenge in der Atmosphäre praktisch gar nicht von den “Emissionen” ab (also der Verdunstung), sondern davon, wie viel die Atmosphäre aufnehmen kann bis das Wasser ausregnet. Das wiederum hängt von der Temperatur ab. Daher ist Wasserdampf eine Rückkopplung und kein Klimaantrieb.

  24. @Chrononaut

    Danke für den Hinweis auf gewisse unangenehme Parallelen zwischen der aktuellen klimatischen Entwicklung und der Eem-Warmzeit bzw dem PETM. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich da in naher Zukunft noch weitere höchst unangenehme Parallelen auftun werden. Die Paläoklimatologie wird übrigens im kommenden IPCC Bericht 2021 einen noch stärkeren Fokus einnehmen, als bisher, so jedenfalls kann man folgendem sehr informativen und umfangreichen Meeting (zur Paläoklimatologie und der sich daraus ergebenden Implikationen für das IPCC) des Grantham Institutes und der Royal Meteorological Society entnehmen:

    “The Pliocene: The Last Time Earth had over 400 ppm of Atmospheric CO2”
    https://youtu.be/KmdJJEuwTrg

  25. Der Klimawandel und die damit verbundenen Wetteränderungen sind Realität, kein Zweifel. Und egal, was wir tun, das Klima wird sich weiter verändern, und da Wetter auch. Wenn wir jetzt auf der Erde den CO2-Ausstoß der Menschen auf Null reduzieren würden, dann würde sich das Klima trotzdem weiter verändern und die Erde würde sich über viele Jahre weiter erwärmen, wenn auch nicht so stark. Die Menschen sollten primär überlegen, wie sie mit diesen regional durchaus unterschiedlichen Wetteränderungen umgehen und wie sie sich vor diesen Wetterextremen schützen. Diese konkreten Überlegungen und die daraus resultierenden konkreten Aktionen würden zu konkreten Maßnahmen führen, mit denen wir uns an die Wetteränderungen anpassen. Die Auswirkungen aller Maßnahmen zum Klimaschutz dagegen führen zu nicht konkret prognostizierbaren Auswirkungen (sehr zur Freude der Politiker, die in diesen Fällen dann frühestens von Kindern und Enkeln wegen verfehlter Maßnahmen moralisch zur Rechenschaft gezogen werden können).
    Und ganz oft stehen Klimaschutz und Umweltschutz in heftigem Widerspruch,. Auch hier wird durch Klimaschutz haute ganz konkreter Schaden angerichtet (z.B. getötete Vögel und Insekten durch Windräder, Rodung riesiger Urwaldflächen in Südostasien für unseren Biodiesel….), während der konkrete Nutzen dieser Maßnahmen vielleicht eventuell in 20-30-40-50 Jahren eintritt.
    Manche der Klimadiskussionen erinnern mich an Religionen, die Aktionen zu Gottgefälligkeit fordern, aber keinen tatsächlichen Nachweis der Wirksamkeit der Gebete und Opfer haben.
    Wenn wir konsequent auf den Ressourcenverbrauch achten und diesen minieren und Umweltschutz mit vielfältigen Maßnahmen (z.B. Bäume pflanzen, mehr Grün in den Städten, ökologische Landwirtschaft erweitern und zum Standard machen), dann hätte diese Maßnahmen ganz konkrete und nachprüfbare Auswirkungen auf unser Leben und wären gleichzeitig auch noch gut für das Klima. Und wir kämen endlich weg von dieser unsäglichen Diskussion um CO2 und den völlig unvorhersehbaren Auswirkungen der Maßnahmen zur Reduzierung des Ausstoßes dieses Gases.

  26. Meine Bewunderung für die immense Geduld, sich mit immer aufs neue auftauchenden Besserwissern so gewissenhaft auseinanderzusetzen!
    Schade, dass die viele Mühe nur selten dazu führt, dass ein Sturkopf sich überzeugen lässt und seine Meinung ändert. Sie hätten Besseres verdient!

  27. @Reimar Pflanz

    ” Als ich Kind war, gab es die Angst vor einem atomaren Weltkrieg. Diese Angst scheint die Jugend heutzutage aus mir unbegreigflichen Gründen nicht mehr umzutreiben.”

    Ihr Vergleich hinkt gewaltig. Es hat bisher keinen realen atomaren Weltkrieg gegeben, die durch fossile Brennstoffe verursachte Klimaerhitzung jedoch ist bereits HEUTE sehr wohl äusserst real, während Ihre offensichtliche Angst vor einem atomaren Weltkrieg dem Reich der kruden Spekulation entspringt. Im Übrigen, selbst wenn es irgendwann einen atomaren Weltkrieg geben “sollte”, ändert das rein garnichts an den verheerenden realen Folgen der globalen Klimaerhitzung. Ihre “Argumentation” ist ein klassischer Strohmann.

    ” Faszinierend und dumm.”

    Ganz recht.

    ” Aber schauen Sie sich doch als Misanthrop ganz entspannt Ihre Version des Weltuntergangs an.”

    Sie unterstellen mir, ein Misanthrop zu sein? Lesen Sie bitte mal Ihren eigenen Kommentar inklusive Ihrer Unterstellung bezüglich der Jugend, die sehr zu Recht um ihre ZUKUNFT äusserst besorgt ist, nochmal genau durch, Zitat “Große Teile der fordernden aber nicht handelnden Jugend…” Wie soll das Handeln der Jugend denn Ihrer geschätzten Ansicht nach aussehen, wenn die Politk und insbesondere die Wirtschaft seit vielen, vielen Jahrzehnten mauert und laviert und die Ölindustrie bis auf den heutigen Tag wider besseren Wissens Zweifel und Verunsicherung in die öffentliche Debatte streut und systematisch Leugnerkampagnen finanziert^^:

    https://www.smokeandfumes.org

    “Klimawandel: die geheimen Machenschaften der Konzerne | WDR Doku”
    https://youtu.be/A15MF8HM-sA

    Ich kann Ihnen sagen, wie ich persönlich handle bzw schon vor Jahrzehnten als junger Mensch gehandelt habe, um die schlimmsten Folgen dieser kriminellen Vorgehensweise zu vermeiden: Ich habe aus weiser Voraussicht bereits vor Jahrzehnten ganz bewusst beschlossen, keine eigenen Kinder in die Klimabratpfanne zu setzen und ich bin heute ausserordentlich froh darüber, insbesondere, wenn ich immer und immer wieder Kommentare wie Ihren lese- Sie bestärken mich somit ganz entscheidend in meinen Entscheidungen 😉

    ” Eins ist sicher: der Klimawandel wird nicht zum absehbaren Ende der Spezies Mensch führen…”

    Können Sie das anhand gesicherter wissenschaftlicher Quellen belegen? Hier mal einige paper, der Ihre unbelegte Behauptung ad absurdum führen:

    ” Prelude to global extinction: Human impact on Earth’s animals”

    https://www.sciencedaily.com/releases/2017/07/170710161009.htm

    ” Biological annihilation via the ongoing sixth mass extinction signaled by vertebrate population losses and declines

    … In the last few decades, habitat loss, overexploitation, invasiveorganisms, pollution, toxification, and more recently climate disrup-tion, as well as the interactions among these factors, have led to thecatastrophic declines in both the numbers and sizes of populations ofboth common and rare vertebrate species…”

    https://www.researchgate.net/publication/318341092_Biological_annihilation_via_the_ongoing_sixth_mass_extinction_signaled_by_vertebrate_population_losses_and_declines

    Hier Berge von weiteren paper zu dieser Thematik:

    https://scholar.google.de/scholar?q=climate+change+extinction&hl=de&as_sdt=0&as_vis=1&oi=scholart

    ” Die Prioritäten der meiuner Ansicht nach im Schnitt deutlich dümmeren Jugend der Jetztzeit haben sich seltsam verschoben und man darf und muss schon fragen, warum das so ist.”

    Sie diffamieren die Sorgen der Fridays For Future Jugend als “dumm” bzw “dümmer”? Dann empfehle ich Ihnen dringend ein intensives Studium der von mir verlinkten paper.

    Im Übrigen drängt sich mir angesichts Ihres (wissenschaftlich) recht inhaltsleeren, aber dafür umso polemischeren Kommentars die Frage auf, wer hier der tatsächliche Misanthrop ist, Sie oder ich…

  28. @ralph @nemesis

    Vielen Dank für die Rückmeldungen. Generell ist anzumerken, dass die von klimaskeptischer Seite vorgebrachten Einwände bestenfalls (wenn überhaupt) oft nur auf der Betrachtung des Holozäns basieren und dabei nicht berücksichtigen, dass diese Epoche unter geologischen und klimatischen Aspekten ein sehr ruhiger und “wohnlicher” Zeitabschnitt war.

    Anders formuliert: Das Holozän ist trotz aller aufgetretenen natürlichen Schwankungen und Ereignisse (Klimafluktuationen, Dürren, Überschwemmungen, Vulkanismus, Veränderungen atmosphärischer und ozeanischer Zirkulationsmuster etc.) ein erdgeschichtlicher “Ruhezustand”. Noch kürzer gesagt: Weniger geht nicht.

    Was der Homo sapiens jedoch derzeit bewerkstelligt, ist ein Aufbruch weit über den Rahmen des Holozäns hinaus. Zunehmend findet dies auch in der wissenschaftlichen Literatur Beachtung, wobei ein “worst case”-Szenario nicht zwangsläufig eintreten wird, aber auch nicht ausgeschlossen werden kann.

    Ein aktuelles Beispiel für die Behandlung des Themas in der Fachliteratur ist dieses hier:

    https://geoweb.princeton.edu/research/keller/pubs/Keller-et-al-2018-Gondwana.pdf

    Das Paper schließt mit dem Satz: “It is unclear whether current climate warming will follow the PETM or KPB analogue, or a completely different model of biosphere destruction unseen in Phanerozoic mass extinctions.”

    Im übertragenen Sinn: Es könnte sein, dass die Menschheit auf einen Klimazustand zusteuert, für den in der Erdgeschichte kein Beispiel existiert.

  29. @JoeSachse

    Ihr Beitrage scheint ohne direkten Bezug zum obigen Artikel. Ich würde Sie trotzdem gerne auf einen Irrtum hinweisen:

    “Wenn wir jetzt auf der Erde den CO2-Ausstoß der Menschen auf Null reduzieren würden, dann würde sich das Klima trotzdem weiter verändern und die Erde würde sich über viele Jahre weiter erwärmen, wenn auch nicht so stark.”

    Dies ist nicht der Fall, da im Falle von Null-Emissionen, die Konzentration an Treibhausgasen sinken würde. Deswegen würde die Temperatur in diesem Fall in etwa konstant bleiben. Ein weiterer Anstieg würde dagegen bei stabiler Konzentration folgen, bis die Erde im Gleichgewicht ist.

  30. Reimar Pflanz
    Eins ist sicher: der Klimawandel wird nicht zum absehbaren Ende der Spezies Mensch führen.

    Auch bei einem globalen Atomkrieg gäb es genügend viele Überlebende zur Arterhaltung.
    Was sollen diese seltsamen Überlegungen und Vergleiche?
    Welche Schlussfolgerungen wollen Sie uns damit nahelegen?

  31. @Nemesis
    15.08.2019, 15:43 Uhr

    Danke für Ihre ausführliche Antwort. Aber sie ist extrem unberfriedigend.

    Eion bisher nicht stattgefundener Atomkrieg ist ein ziemlich schwaches Argument die mindestens meiner Meinung nach – und ganz allein bin ich da nicht – aktuell größte Gefahr für die Existenz der Spezies Mensch kleinzureden. Und die Atomwaffen existieren und sind mindestens ebenso real, wie die “Klimaerhitzung”. Aber ich bin eben ein Spinner, der “krude Spekulationen” betreibt. Und natürlich Strohmannargumente darlegt.

    Ihre Misanthropie entnehme ich Ihrer stolzen Darstellung keine Kinder gezeugt zu haben. Ich habe übrigens 3 Kinder.

    Das Handeln der Jugend könnte zum Beispiel in einem möglichst konsquenten Konsumverziocht bestehen. Die Schuld der “Wirtschaft” und der “Politik” zuzuschieben ist schon abenteuerlich. Nicht die “Wirtschaft wohnt pro Nase auf durchschnittlöoich über 50m² hierzulande und nicht die “Politik” fährt die SUVs mit 12 l Diesel auf 100km und beide machen auch keine Tagesausflüge nach London zum shoppen. Das alles tun Konsumenten, einzelne Menschen, die im Rahemn der ihnen gegebenen finanziellen Möglichkeiten in 99% der Fälle vor allem eins tun: konsumieren und verbrauchen. Und mindestens die nicht mehr ganz so jungen Schülerinnen und Studentinnen sind da voll mit dabei.
    Zweifel an der Zukunft und Verunsicherung wird im Übrigen ganz objektiv durch Klimaalarmisten gesät. Die Ölindustrie spielt da mittlerweile keine Rolle mehr. Dass Lobbyarbeit betrieben wird, steht außer Frage und ist sicher kritisierenswert. Dann aber sollte mensch so ehrlich sein und alle Seiten darin einbeziehen. Die Rettung der Welt durch Windkraft und Photovoltaik scheint mir auch ein eher lobbygesteuertes Phantasieprodukt zu sein, wenn man sich die realen Zahlen allein mal hierzulande anschaut – ich bilde mir ein mich erinnern zu können, dass die Windkraft zusammen mit Solar irgendwas um 4% des jetzigen Primärenergiebedarfs deckt – hierzulande. Und nach mehreren Milliarden Euro Subvention, die eben nicht nur die Kohlekonzerne erhalten. Oops.

    Was das Ende der Spezies angeht, kann ich das natürlich nicht anhand von wissenschaftlichen Quellen belegen, sie Spaßvogel sie. Ich kann ja noch nicht einmal mein eigenes belegen. Aber auf Grund der Kenntnisse der Menschheitsentwicklung gerade in Bezug auf die letzte Eiszeit gehe ich mal davon aus, dass der Kliamwandel das Problem nicht sein wird. Die damaligen Menschen mussten mit deutlich härteren Unbilden zurecht kommen – ohne PC und moderne Technik, Satelliten im All und all den technischen Schnick-Schnack, der uns heute zur Verfügung steht.

    Was den Einfluss der Menschheit auf die Biosphäre ohne Berücksichtigung der Klimawandelgeschichten angeht, bin ich ja ganz bei Ihnen und habe das auch so aufgeführt. Der Klimawandel und seine Effekte auf die Biosphäre sind im Vergleich zu (anderen) menschlichen Einflüssen bezüglich des Risikos des Massenaussterbens von Arten als eher gering einzuschätzen. Gerade weil ich mich ziemlich intensiv mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt habe, wage ich diese steile These. Und bin schon ganz gespannt auf die “Extinction-Skeptiker”.

    Das mit der Polemik gebe ich im Übrigen gern zurück.

  32. Rahmstorf: “Das global warming potential gibt an, welche Erwärmung die Emission einer Tonne eines Treibhausgases über einen bestimmten Zeithorizont verursacht, meist 100 Jahre, relativ zu CO2 (also CO2=1).”

    Lux: Für die Physik/Thermodynamik ist es völlig belanglos, wie lange eine bestimmte, wirksame Konzentration aufrechterhalten bleibt, strahlenphysikalische Prozesse, z.B. Schwingungsanregungen, also der Übergang in einen energetisch höheren Zustand und die folgende Abgabe von Photonen um wieder in den Ausgangszustand zurückzukehren, spielen sich in Zeitbereichen von <10 hoch -8 sec. ab. Der Bezug auf 100 Jahre ist eine rein politische Aussage, dass wird m.E. so auch in der Vorrede des IPPC zu den Zahlen für das GWP so gesagt.

    Rahmstorf: "Das GWP von Wasserdampf ist nahe null, da Wasserdampf im Mittel innert einer Woche ausregnet. "

    Lux: Was bitteschön, hat Wasserdampf nicht, was CO2 als Klimakiller hat? Wasserdampf regnet natürlich nur in den übersättigten Bereichen unserer Atmosphäre aus, übrigens nicht ohne die meiste, zu seiner Verdunstung aufgebrachte Energie in den höheren Luftschichten zu hinterlassen (Kondensationswärme). Bei durchschnittlich ca. 1.000 mm Niederschlag weltweit, ein beträchtlicher Beitrag zur Abstrahlung in den Weltraum.
    In den bodennahen Schichten der Atmosphäre bis zu den wolkenbildenden Schichten verbleibt immer Wasserdampf bis zur Löslichkeitsgrenze, also max. 100% rel. Feuchte. Nur der Wassergehalt oberhalb dieser Grenze kann "ausregnen". Es verbleiben also in der Atmosphäre mehrere km über der Erdoberfläche, immer zwischen mdst. 10.000 ppm bis z.B. 25.100 ppm (bei 30°C, 60% rF) eines, wie CO2, infrarotaktiven Gases.

    Rahmstorf: "Wie in meinem Artikel erläutert hängt die Wasserdampfmenge in der Atmosphäre praktisch gar nicht von den “Emissionen” ab (also der Verdunstung), sondern davon, wie viel die Atmosphäre aufnehmen kann bis das Wasser ausregnet. Das wiederum hängt von der Temperatur ab."

    Lux: Das ist mit einer kleinen Einschränkung richtig: Wie oben schon mal erwähnt, "regnet" nicht das gesamte Wasser ab sondern nur das sich sonst oberhalb der Löslichkeitsgrenze, bzw. dem Phasengleichgewicht, befindliche Wasser. Das passiert z.B. bei Abkühlung vorher gesättigter Luft.

    Rahmstorf: "Daher ist Wasserdampf eine Rückkopplung und kein Klimaantrieb."
    Lux: Darüber würde ich mir einen neuen Artikel von Ihnen wünschen.

    • Ich fürchte Sie haben das Konzept des global warming potential noch nicht verstanden. Es gibt an: wie viel Erwärmung verursacht die Emission einer Tonne eines Treibhausgases? So können Sie z.B. die Wirkung von einer Tonne Methanemission mit einer Tonne CO2emission vergleichen. Dieser Vergleich geht nur, wenn Sie einen Zeitraum angeben, der Sie interessiert, denn der Vergleich wird eine andere Zahl liefern, je nachdem ob Sie zehn Jahre oder hundert oder tausend Jahre betrachten. Das liegt z.B. daran, dass von dem Methan alle 8 Jahre die Hälfte durch Oxidation verschwindet, nicht aber von dem CO2. Langfristig hat daher CO2 ein größeres GWP, kurzfristig aber Methan. Da von einer Tonne emittiertem Wasserdampf schon nach Wochen nichts mehr in der Luft ist, hat es auf den interessierenden Zeitskalen ein sehr kleines GWP. Mit anderen Worten: Sie können eine Masse Wasserdampf emittieren, ohne dass dadurch die Konzentration von Wasserdampf in der Luft in den folgenden Jahren nennenswert größer ist. Deshalb ist Wasserdampf kein Klimaantrieb: Sie können praktisch emittieren so viel sie wollen, die Konzentration wird nicht steigen und daher auch nicht die globale Temperatur. Ganz anders als bei CO2. Wenn Sie viel CO2 emittieren, steigt die atmosphärische Konzentration und daher die Temperatur.
      Warum ist Wasserdampf eine verstärkende Rückkopplung? Wenn die globale Temperatur steigt, steigt auch die Wasserdampfkonzentration (der Grund ist Abb. 2, mit dem Wissen, dass die relative Luftfeuchte bei globaler Temperaturänderung näherungsweise konstant bleibt). Höhere Wasserdampfkonzentration erhöht die Temperatur weiter. Das ist die klassische Definition einer positiven Rückkopplung. Ist es jetzt klarer?

  33. @Chrononaut

    Das Holozän kann die Leugnerfraktion vergessen, die Realität hat sie längst eingeholt, der gebräuchliche Terminus “Anthropozän” passt schon.

    Danke für das Paper, werde ich mir in Ruhe ansehen. Wir müssen schon ganz klar in’s Miozän, Pliozän oder PETM zurückblicken, um entsprechende Parallelen für das Anthropozän zu finden- allerdings läuft der aktuelle Prozess um ein Vielfaches schneller ab, als in der Vergangenheit und das hat schon jetzt fatale Folgen ua für das Ökosystem, die klimatischen Veränderungen laufen zu schnell ab, als dass sich das globale Ökosystem (und der Mensch) daran effektiv und langfristig wird anpassen können.

    ” Im übertragenen Sinn: Es könnte sein, dass die Menschheit auf einen Klimazustand zusteuert, für den in der Erdgeschichte kein Beispiel existiert. ”

    Wir arbeiten dran, wir arbeiten daran. Auf jeden Fall steuern wir auf einen globalen klimatischen (und ökologischen) Zustand zu, der in jeder Hinsicht einmalig in der Menschheitsgeschichte ist. Der Mensch hat in seiner kurzen Geschichte einige Herausforderungen bewältigt, aber ist er auch willens und in der Lage, sich der grössten aller Herausforderungen zu stellen, nämlich ihm, dem Mensch selbst?

  34. Korrektur:

    ” … nämlich ihm, dem Mensch selbst?” sollte natürlich heissen ” nämlich ihm, dem Menschen selbst?

    Will sagen, der Mensch selbst muss sich weiter entwickeln und zwar schleunigst, sonst geht er unter im Kochtopf der Natur. Es geht nicht darum, die Natur endlos zu kontrollieren und materialistisch und gierig auszubeuten, es geht darum, dass die Spezies Mensch sich weiterentwickelt oder eben ausstirbt.

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