Globale Temperatur Reloaded

BLOG: KlimaLounge

Nah dran am Wandel
KlimaLounge

Es gibt drei interessante Nachrichten über die globale Temperatur: einen gänzlich neuen Datensatz, eine neue Analyse der fünf etablierten Datenreihen und eine erste Abschätzung des Wertes für 2011.

Als vor eineinhalb bis zwei Jahren eine Welle von Angriffen gegen die Klimaforschung durch die Blogs rollte (angebliche Skandale wie ‚Climategate’, ‚Amazongate’, ‚Africagate’ usw.) und von dort auch in die Mainstream-Medien schwappte, da ging es im Kern um die Verlässlichkeit der Aussagen des ‚Klimarats’ IPCC und der Daten über die globale Temperaturentwicklung (siehe z.B. die KlimaLounge-Kommentare hier, hier und hier). Die Skandal- und Manipulationsvorwürfe wurden gründlich untersucht und stellten sich bald als falsch heraus. Dennoch hat die Wissenschaft die Vorgänge intensiv selbstkritisch analysiert und Konsequenzen gezogen, z.B. in Form einer Reihe von Reformen des IPCC. Auch eine Reihe von Medien hat später durchaus selbstkritisch einen Blick zurück auf die Vorwürfe geworfen und festgestellt, dass praktisch nichts dran war, z.B. die Frankfurter Rundschau, die Berliner tageszeitung und die ZEIT. (Dass es auch Journalisten gibt, die auf Kritik mit Verklagen oder Diffamieren reagieren, sei hier nur am Rande vermerkt; differenzierte Kommentare dazu sind u.a. hier und hier zu finden.)

Doch ein Aspekt der Aufarbeitung stand noch aus: wie zuverlässig sind nun die globalen Temperaturdaten? Im Berkeley Earth Surface Temperature (BEST) Projekt wurde ein gänzlich neuer globaler Temperaturdatensatz erarbeitet – von Wissenschaftlern, die vorher nichts mit Klimaforschung zu tun hatten und sich im Vorfeld dezidiert skeptisch gegenüber der globalen Erwärmung positioniert hatten. Zudem wurde das Projekt teilweise von der Ölindustrie finanziert (mehr Hintergründe z.B. bei BBC Online). Inzwischen liegt das Ergebnis für den globalen Temperaturverlauf über Land vor. Was keinen Klimaforscher überrascht haben dürfte, die beteiligten Wissenschaftler aber offenbar schon: es kommt wieder ziemlich genau das Gleiche heraus wie bei den schon existierenden Datensätzen (siehe Grafik). Der Physiker und Projektleiter Richard Muller kommentierte das so:

Unsere größte Überraschung war, dass die neuen Resultate so eng mit den Erwärmungswerten übereinstimmen, die andere Arbeitsgruppen in den USA und Großbritannien vorher publiziert haben.

Für mich ein schönes Beispiel dafür, wie Wissenschaft funktionieren sollte und zum Glück in der Regel auch funktioniert: egal welche Vorurteile die beteiligten Forscher auch gehabt haben mögen und wer das Ganze bezahlt, das Ergebnis ist davon unabhängig.

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(Grafik reproduziert mit Erlaubnis von BBC online)

Auf der Grafik erkennt man auch, dass die neuen BEST-Daten deutlich näher an jenen von NASA GISS und NOAA liegen als an den HadCRU-Daten, die am Ende etwas kühler sind – eine Diskrepanz, die wir u.a. hier schon früher erörtert haben. Dabei stellten wir fest, dass es mitnichten eine Pause in der globalen Erwärmung gibt (was in einem Nachrichtenmagazin damals prompt als “Schwarzrechnerei” abgetan wurde). Die neuen BEST-Daten zeigen übrigens auch keinerlei Anzeichen für eine rezente Verlangsamung der Klimaerwärmung, die immer wieder einmal in den Medien vorgebracht wird (dies wird im Detail bei Open Mind gezeigt).

Damit sind wir schon beim zweiten Thema: gerade hat Environmental Research Letters ein Paper vom Statistiker Grant Foster und mir publiziert, in dem wir die fünf verfügbaren Datenreihen der globalen Temperatur (Land + Meer) seit 1979 analysieren. Durch eine Korrelationsanalyse filtern wir den Effekt der drei bekannten kurzfristigen Schwankungsfaktoren heraus: El Niño, Sonnenaktivität und Vulkanausbrüche. Zum Trend tragen diese praktisch nichts bei, aber wenn man diese Schwankungen herausrechnet, stimmen die fünf Datenreihen deutlich besser überein als vorher (siehe nächste Grafik). Das liegt daran, dass die Unterschiede zwischen den Datenreihen nicht im Klimatrend liegen sondern in den kurzfristigen Schwankungen. So fällt z.B. die Reaktion auf ein El Niño Ereignis in den Satellitendaten (rot und orange) rund doppelt so stark aus wie in den Bodendaten. Nimmt man diese Schwankungen heraus, reduzieren sich daher auch die Unterschiede zwischen den Datenreihen.

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Wegen der kleineren zwischenjährlichen Schwankungen kann man jetzt auch über kürzere Zeiträume statistisch signifikante Trendberechnungen machen. So ist in allen fünf Datenreihen selbst der Erwärmungstrend ab dem Jahr 2000 statistisch signifikant, und die beste Schätzung für diesen Trend liegt in allen Datenreihen sehr nah am Langzeittrend seit 1979 (Abb. 6 des Papers). Also auch hier keinerlei Hinweise auf eine Verlangsamung oder gar Pause in der globalen Erwärmung. In allen fünf Datenreihen sind die beiden wärmsten Jahre 2009 und 2010.

Einen ersten Vorausblick auf den Jahreswert 2011 hat derweil die Meteorologische Weltorganisation WMO vor einigen Tagen geliefert, in ihrem vorläufigen Statusbericht zum globalen Klima 2011 (siehe nächste Grafik).

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Die WMO erwartet aufgrund des kühlenden Effekts von La Niña im Pazifik, dass das Jahr 2011 relativ kühl wird – konsistent mit der Analyse in unserem Paper. Relativ heißt, dass es trotzdem noch unter die zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen zählen dürfte. Und es wird offenbar das wärmste La Niña-Jahr bisher – das sind die blauen Jahre in der obigen Grafik.

Update 16.12.: Ein Leser hat nach Kommentar zu Durban gefragt. Ich empfehle Herrn Schellnhubers FAZ-Interview: Die Weltkarte des Klimaschutzes hat sich verändert.

Update 19.12.: Da inzwischen doch einiges an seriöser Diskussion zu meiner “Africagate”-Kritik hinzugekommen ist, auf die ich im Artikel oben kurz angespielt habe, sind hier ein paar Links zusammengestellt:

Klimaforscher Wolfgang Cramer, Autor eines PNAS-Artikels zum Thema, analysiert die fachlichen Hintergründe zu den afrikanischen Dürrerisiken und das jüngste Medienecho im Vielfalterblog.

Der Heidelberger Astrophysiker Markus Pössel untersucht in Rahmstorf im Zerrspiegel die Machart der Spiegel-Online-Geschichte zum Thema. In einem zweiten Teil dann geht er den wissenschaftlichen Fragen hinter der ganzen Geschichte nach, und wie diese in den Artikeln von Irene Meichsner und Markus Lehmkuhl dargestellt wurden.

Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch diskutiert einige interessante sprachliche Aspekte und vergleicht Meichsners Artikel mit ihren beiden Quellen in Kritiklos abgeschrieben?

Hier findet man die Stellungnahme des Potsdam-Instituts.

Literatur

G. Foster, and S. Rahmstorf, “Global temperature evolution 1979–2010”, Environmental Research Letters, vol. 6, 2011, 044022. DOI.

Presse zum Paper

Süddeutsche Zeitung

New Scientist

Washington Post

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

30 Kommentare

  1. Trend der Globalentemperatur seit 1998..

    ..ist nicht signifikant.

    Hier die 4 Datensätze (2 der Bodenstationen (GISTEMP & HadCrut3) und die 2 Satellitendaten der unteren Atmosphäre (RSS & UAH)).

    Trend GISTEMP = + 0.0110309 Grad pro Jahr. (+ 0.98 Grad bis zum Jahr 2100).

    Trend HadCrut3 = + 0.0002547 Grad pro Jahr. (+ 0.02 Grad bis zum Jahr 2100).

    Trend RSS = – 0.00375811 Grad pro Jahr. (- 0.33 Grad bis zum Jahr 2100).

    Trend UAH = + 0.0058035 Grad pro Jahr. (+ 0.52 Grad bis zum Jahr 2100).

    Ganz ohne Korrekturen und Rechentricks.

  2. anthropogener Anteil ungwiss

    zahlreiche Studien belegen, dass für einige Regionen (Mitteleuropa, Skandinavien, Teile der Arktis) Veränderungen in den atmosphärischen Zirkulationstypen für einen Teil der Erwärmung über die letzten Dekaden verantwortlich sind. So hatt auch eine längere Phase schwacher NAO Indizes dafür gesorgt, dass speziell im Bereich des Nordatlantiks das arktische Meereis stärker zurückging als sonst wo, außer in der Hudson Bay vielleicht noch.
    Dieser Meereis und auch Landeis Verlust bzw. Abnahme der Tage mit geschlossener Schneedecke führten zu einer deutlichen Erwärmung der hohen nördlichen Breiten, verursacht in erster Linie durch Schwankungen der Zirkulationsformen.
    Es bleibt wie immer die wesentliche Frage, wie groß der anthropogene Anteil am Klimawandel wirklich ist und die gängige Meinung des IPCC bzw. des PIK, ein Großteil wäre anthropogen, ist nicht wirklich plausibel zu erklären.

  3. signifikant

    @Krüger
    ..ist nicht signifikant.

    Das Spielchen ist nun wirklich nicht neu. Sie können fast genauso gut den Mittelwert im 10 minuten Takt bestimmen und dann mit etwas Glück und ohne Tricks zB feststellen, dass der globale Mittelwert seit 80 Minuten dramatisch sinkt.

  4. @Innerhofer
    “Es bleibt wie immer die wesentliche Frage, wie groß der anthropogene Anteil am Klimawandel wirklich ist und die gängige Meinung des IPCC bzw. des PIK, ein Großteil wäre anthropogen, ist nicht wirklich plausibel zu erklären.”

    Sie widersprechen sich doch schon im Ansatz. Zuerst sprechen Sie von einer offenen Frage (Größe anthropogener Anteil), anschließend schließen Sie schon eine Erklärungsmöglichkeit ohne weitere Diskussion aus. Die Gründe dafür bleiben freilich im Dunkeln; auf sie scheint es auch weniger anzukommen als auf das Ergebnis. Diese Art von Argumenation macht eine Diskussion wenig aussichtsreich.

  5. Trend der Globalentemperatur seit 1998..

    …ist nicht signifikant.

    Nun ja, Herr Krüger (alias Müller):

    1.) in drei von 4 Datensätzen steigt die Temperatur aber auch dort an

    2.) 1998 war ein Ausnahmejahr(extremer El Nino-Effekt) und daher als Ausgangsjahr für einen Trend ungeeignet.

    3.) Die Auswahl Ihres Zeitintervalles ist nichts anderes als “Cherrypicking”

    4.) Sind Sie zur “Widerlegung” des Erwärmungstrends schon darauf angewiesen, extreme El Nino-Jahre als Ausgangspunkt zu verwenden?

    Ganz ohne Korrekturen und Rechentricks.

    Dafür mit Tricks bei der Wahl des Zeitintervalles! Warum versuchen Sie es nicht einmal mit anderen Zeitintervallen?

  6. Cherrypickers Guide

    Herr Krüger, schauen Sie mal, obwohl es wärmer geworden ist wird es seit 1973 kälter:
    http://www.skepticalscience.com/…vRealistsv3.gif

    Man darf sich eben nicht auf einzelne herausgepickte Zeiträume kaprizieren, so viel ist sogar mir als Laie auch dank dieses Blogs inzwischen klar.

    Hier hat sich jemand die Mühe gemacht, mal alle möglichen Trends seit 1907 grafisch darzustellen. Es gibt immer wieder rosarote Bereiche (geringe oder sogar fallende Trends). Die liegen aber alle am Rand, sind also kurzfristig. Und, so auf den ersten Blick, scheinen die Bereiche niedriger Trends abzunehmen, die höherer Trends zuzunehmen. Beachten Sie den großen blauen Bereich unterhalb der 30-Jahre Linie. Dass sind die langfristigen Trends.

    Ich finde es erstaunlich, wie immer wieder Leute in diversen Foren auftauchen, die zielsicher genau die Erwärmungstrends aus den kurzfristigen rosaroten Bereiche herauspicken.

  7. @ M. Krüger

    Ihre Werte (leider fehlen zur Beurteilung der Signifikanz die jeweiligen Fehlerangaben) verdeutlichen sehr schön, warum die Arbeit von Foster und Rahmstorf wichtig ist.

    Es ist natürlich unsinnig, die Abnahme der solaren Aktivität in ihrem gewählten Zeitintervall von 1998 bis heute bis zum Jahr 2100 fortzuschreiben, die solare Aktivität entwickelt sich zyklisch. Dasselbe gilt für den Super-ElNino 1998, während heute eine LaNina-Phase vorliegt.

    Ihre Angaben in Klammern sind somit ein Muster ohne Wert, welches noch nicht einmal die weiteren Steigerungen der CO2-Konzentration enthält.

    Ein Aspekt fehlt mir noch bei der Diskussion des Grant/Rahmstorf-Papers:
    Meines Erachtens ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass das, was nach Herausrechnen der natürlichen Variabilität übrig bleibt, die Wirkung von Treibhausgasen UND AEROSOLEN beschreibt. Ich vermute, der rasante Anstieg der Kohleverbrennung hauptsächlich in Schwellenländern maskiert einen Teil der Treibhausgaswirkung.

    [Antwort: Richtig, den letzten Punkt muss man dabei im Auge behalten. Stefan Rahmstorf]

  8. @ pseudonymos

    du hast völlig recht mit dem Vergleich aus dem angehängten Link. Man muss ganz einfach längere Zeiträume betrachten, Minimum um 20a und Klimafragen beantworten zu können. Gegenständlich sollte man aber besser 100a oder mehr betrachten. So war zB. der Erwämrung bis ca. 1940 über 3 Dekaden fast so schnell und stark wie die aktuelle und diese ist doch zu fast 100% auf natürliche Ursachen zurück zu führen. Leider und wieder mal sehr auffällig dabei, wird diese bei den aktuellen Homogenisierungen immer etwas kleiner, wie auch die Abkühlung danach und aus diesen Climategate E-Mails ist auch zu erkennen, dass es eben Ziel der “Lobby” ist, diese “Ungereimtheiten” best möglich zu eliminieren. Ob das wirklich der “Königsweg” ist, wage ich zu bezweifeln!

  9. Cherrypickers Guide – fehlender Link

    Da ist in meinem Kommentar der Link auf den Cherrypickers Guide mit der Darstellung aller Trends seit 1907 verloren gegangen:

    http://moyhu.blogspot.com/…rrypickers-guide.html

  10. Globaltemperatur 1940-70 …

    aus verschiedenen Blickwinkeln.

    Und was sagt uns das?

    Man könnte auch im 1. Klimaoptimum des Holozän anfangen und eine entsprechende Grafik erstellen. Kurzzeittrends steigend, Langzeittrend fallend.

  11. Modellvergleich

    Kann man die Analyse von Foster&Rahmstorf auf Temperaturen von Modellen anwenden? Modelle haben vielleicht einen anderen oder versetzten ENSO-Zyklus, dadurch könnte man vielleicht den Modelloutput vergleichbarer machen bzw. Unterschiede erkennen. Ist das denkbar, oder muss man beim Modell-Beobachtungsvergleich ganz andere Methoden nutzen?

  12. @M. Krüger, 12.12.2011, 18:06, 18:49

    Sehen Sie, Herr Krüger, Ihre Grafik bestätigt es m.E.: Zehn-Jahres-Zeiträume sind eben angesichts der kurzfristigen Schwankungen einfach nicht ausreichend, um langfristiger und stetiger wirkende Einflüsse zu zeigen. Die wohl durch Aerosolemissionen mitverursachte leichte Abkühlung 1940-70 zeigt das eben auch. Sie ist ja auch oben in der ersten Abbildung im Blog-Artikel erkennbar.

    Das macht die Arbeit der Herren Foster/Rahmstorf doch so interessant, wie sie die langfristigere und stetigere Wirkung des menschlichen Anteils (Treibhausgaskontentrationen und Aerosole) auch über kürzere Zeiträume sichtbar macht.

  13. Irgendwie vermisse ich Kommentare von Herrn Rahmstorf zu aktuellen Themen wie das Konferenz-Desaster von Durban, Hollands Ausstieg aus den EE, Kanadas Ausstieg aus dem Kyotoprotokoll und v.Storchs Beitrag über Klimaforscher die versuchen Politik zu machen.

    [Antwort: Wir kommentieren hier ja generell nur selten Politik, sondern interessieren uns hauptsächlich für Wissenschaft. Sorry, wenn das nicht Ihre Interessen trifft. Stefan Rahmstorf]

  14. Cherrypicking

    @ Michael Krüger

    Man könnte auch im 1. Klimaoptimum des Holozän anfangen und eine entsprechende Grafik erstellen. Kurzzeittrends steigend, Langzeittrend fallend.

    Warum fangen Sie nicht gleich im Eem an, oder warum nicht im Devon….?

    Klar kann man das, nur behauptet niemand, dass es zwischen 1940 und 1970 global wärmer geworden ist…. nur Sie behaupten, dass es in der letzten Dekade kälter geworden ist.

    Die Gründe, warum es zwischen 1940 und 1970 global etwas abkühlte sind hinreichend diskutiert worden. Die Klimaskeptiker selbst haben bezüglich der Gründe hierfür abenteuerliche Thesen verbreitet….. :

    http://www.bildercache.de/…0090116-123615-92.jpg

  15. El Niño?

    @Herr Rahmstorf

    Sie schreiben, dass sie die kurzfristigen Schwankungen herausgerechnet haben, wie z.B. El Niño.

    Der Temperaturpeak um 1998 soll durch einen besonders heftigen El Niño entstanden sein. Und er ist auf ihrer Graphik direkt erkennbar. Wie kann das sein, wenn sie ihn herausgerechnet haben.

    Und sollte nicht ein Teil der Erwärmung seit 1980 auf die El Niño’s zurückzuführen sein. Auf ihrer Graphik sieht es so aus als hätte man vor allem La Niña’s rausgerechnet, aber keine El Niño’s.

    Soll das heissen, dass sie die Zunahme der El Niño’s dem Co2 anrechnen und diese “Schwankung” nicht als “kurzfristigen Schwankungsfaktoren” bezeichnen?

    MfG

    [Antwort: Wir haben einfach einen Standard ENSO-Index genommen und mit der globalen Temperatur korreliert. ENSO steht für El Niño – Southern Oscillation und beschreibt das Auf und Ab zwischen El Niño und La Niña, beides wird hier natürlich gleichermaßen erfasst. Aber es ist eine lineare Korrelation – wenn die Reaktion der globalen Temperatur auf den El Niño von 1998 aus irgendeinem Grund überlinear war, dann wird er nicht komplett beseitigt. Das dürfte ein Grund sein für die noch verbleibenden Restschwankungen in den Zeitserien, die aber sehr stark reduziert sind. Zum Trend trägt ENSO praktisch nichts bei, wie wir auch in dem Paper zeigen. Stefan Rahmstorf]

  16. Et voila

    @Krüger
    Eigentlich muss man Sie nur zitieren..

    “Mann unterteile das ganze in vier Zeitintervalle, e voila, man bekommt..”

  17. Wissenschaft und Medien

    Hier geht es um Wissenschaft. Dennoch leidet die Klimaforschung seit langem unter der Lobbyarbeit, nicht wahr? Und Politik wird von diesen Meinungen durchaus nachweisbar auch beeinflußt.

    Vielleicht kann man daher manchmal in Kommentaren etwas davon erzählen. Zur Durban-Konferenz hat die “taz” einen mal wieder ironisch-lustig sein wollenden Kommentar veröffentlicht. Ingo Arzt schreibt dort, indem er wie tausende Journalisten seit 15 Jahren das Wort “Gutmensch” wieder hervorkramt. Sein Zahlenbeispiel folgt dann auch sofort. Würden alle rund 80 Millionen Deutsche auf den Mars ziehen, würde sich das nur sehr wenig auf die weltweiten CO2-Emissionen auswirken.

    Sowas!
    Da ändern 80 Millionen nicht viel in einer Welt von – 7 000 Millionen Menschen. Wie überraschend…
    Selbst wenn man Afrika und andere Regionen rausrechnet, wär das Zahlenbeispiel für den dürftigsten Kalauer noch zu bescheiden.

    Es ist aber ein hübsches Beispiel, wie Journalisten Artikel gern mit Zahlenspielchen hübsch polieren.
    Die Grundannahme von vielen Leuten, die auf dem Niveau von Ingo Arzt schreiben, scheint die selbsternannter “Skeptiker” zu sein. Ein fettes Auto zu fahren oder 15mal im Jahr nach Ibiza zu fliegen – ist “Spaß”. Wer statt “Gutmenschen”jagd lieber Zahlen anschaut (etwa die 191 Millionen Flüge, die 2010 aus Deutschland starteten) ist “Spaßbremse”.

    Eine extrem eingeschränkte Vorstellung, was denn “Spaß” sei…aber Grundlage unzähliger Artikel.

    Alle Grundlagen kann nur Wissenschaft schaffen. Praktische Veränderung aber wird nur gelingen, wenn das erstaunlich niedrige Niveau vieler Medienbeiträge, diese Coolzwänge endlich durchschaut werden. In kulturwiss. Kreisen war und ist es noch oft schick, Wissenschaftler, die die Folgen der Klimaerwärmung erforschen, “ironisch” lächerlich zu machen.
    Vor diesem Hintergrund und in diesen auch im Internet oft armseligen Debatten passen Anmerkungen, wie Medien die Wissenschaft, von der wir hier lesen, für immergleiche Sparwitzchen verwässern, vielleicht manchmal auch in die Klimalounge? Ein Ingo Arzt schreibt so, weil er wähnt, cool zu sein. (“Cool it!” war auch der Titel eines bemerkenswert dummen Buches^^.) Die Folgen tausender inhaltsgleicher Artikel sind aber nunmal – verheerend. Es regt sich beinahe niemand auf, wenn das Wissen wieder und wieder nicht umgesetzt wird.

  18. Solar City on ice Solarstadt auf Eis

    Ich denke das das um ein vielfaches kostengünstiger sein könnte als ein
    Flugzeugträger (6,5 MRD. EURO) ist, der 5000 Menschen beherbergen kann!
    Ein Modernes Kreuzfahrschiff nur 500 Millionen teuer, beherbergt 5400 Menschen incl. Besatzung!

    PS Grundlagenforschung auf Open Content Basis liefere ich im Ansatz im Album “ice” auf der angegebenen Webseite, von dort schaltete ich auch einen Link zu hier! mfg

  19. GIS Temp. 2011

    2011 wird also kühler als der Average des letzten Jahrzehntes.
    Dez.11 fehlt noch; oder wird ein Jahr von Dez.10 bis Nov.11 gerechnet ?
    2011 war ein La Nina-Jahr.

    Abweichung [°C] zu 2001 – 2010
    Jänner -0,14
    Februar -0,13
    März -0,08
    April 0,02
    Mai -0,07
    Juni 0,03
    Juli 0,1
    August 0,11
    Sept. -0,07
    Okt. -0,04
    Nov. -0,12 Average
    Dez. -0,035

  20. Grotesk

    @ Krüger

    Ja, diese groteske und lächerliche Kritik wurde auch in einem deutschprachigen Skeptikerblog geäußert und wo Sie selbst schreiben erhoben. Georg Hoffmann hat die zugegeben sehr leichten Gegenargumente dort formuliert, worauf die Replik des Autors war, er könne dies nicht beurteilen und möge sich bitte an Lansner selbst wenden. Auch Ihnen sind dort noch keine Gegenargumente eingefallen, ihr Link in ihrem Beitrag ohne eigenen Kommentar dazu mutet daher seltsam an.

  21. Plan B

    Zitat SR: “Wir kommentieren hier ja generell nur selten Politik, sondern interessieren uns hauptsächlich für Wissenschaft. Sorry, wenn das nicht Ihre Interessen trifft.”

    So wie es aussieht wird es wohl nicht zu den angestrebten globalen CO2-Reduktionen kommen. Die würden, wenn überhaupt, auch nur Sinn machen wenn sie für alle Industrie- und Schwellenländer gelten.

    Wie sieht der Plan B der Wissenschaft angesichts dieser veränderten Ausgangslage aus?

  22. Biased information to the general public

    Dr. Rahmstorf,
    I know this is off-topic, but I wanted to express my opinion on ‘bias’ in the process of conveying scientific information to the general public, after Dr. von Storch suggested we investigate the ‘assumptions’ made in one of the 18,000 publications considered by the IPCC. My post is here (if it was accepted):
    http://klimazwiebel.blogspot.com/2011/12/extended-peer-review-assumptions-in.html
    and goes like this :
    —-
    Dr. von Storch Journals are very reluctant to publish critical comments. (It took a long time before first critical analysis of the hockey-stick were accepted by editors.)

    I can certainly understand your comment, especially recalling that it took 7 years before your critism of the MBH98/99 statistics was accepted in the reputable scientific literature.

    However, I was not talking about scientific literature. I was talking about the people who present the message from scientific literature to the general public.

    Scientific findings are presented in scientific journals, many of which are peer-reviewed, and subject to intense scrutiny of the scientific method of openness, falsifiability, replicability and independent review. I don’t want to argue that this process is free of flaws (quite the contrary actually) but I would like to note that the scientific method enforces a process that is self-correcting (if anyone finds a flaw in anyone else’s work, it can be refuted in subsequent scientific publication) which ensures that scientists are very cautious about what they write (nobody wants to be shown to be wrong), and also weeds out the bad science from the good science. In summary, there is a process that is self-correcting.

    Beyond scientific literature, the process of presenting information to the general public relies on journalists (lately joined by bloggers). Are journalists and bloggers subject to peer-review ? is there a self-correcting process ? are there written rules on ethics on what constitutes good versus bad journalism ? are should journalists only present verifiable facts ? and should they refrain from presenting their own opinions no matter how unfounded ? and, if the answer to these questions is “not really”, then which process in there in place to prevent that journalists insert short-term political motives into their presentation of information to the general public ?

    To get back to the subject of AfricaGate, why would we want to look into the ‘assumptions’ made in a peer-reviewed paper which is not even contested by any of the journalists that invented AfricaGate ?
    Would it not be far more interesting to investigate the ‘assumptions’ made by the article presented by the journalists who assert that there is a “scandal” in the first place ?
    Especially since these journalists are not bound by peer-review, not bound by written ethics rules, and do not have any obligation to base their opinions on verifiable facts, nor the scientific method ?

    I know it seems to be the new ‘sport’ to kick the arses of scientists, and try to misinterpret their findings in any way possible. I know that any critisism of the IPCC is nicely echoed and amplified by dozens and dozens of ‘skeptic’ bloggers and journalists alike. So, in the name of science and the scientific method, knowing that you are a scientist with sceptical views, I ask you Dr von Storch, to determine how the general public obtains information (specifically on climate science) and to obtain a method by which we can determine where in the process the largest amount of bias occurs.

    And I’m pretty sure that investigating the ‘assumptions’ made in 1 of the 18,000 papers considered by the IPCC is NOT the most constructive way to determine that.

    That said, if you would open a similar thread on Meischer’s publication, I’d be happy to invest time to point out which ‘assumptions’ she made that led to her judgemental opinions (not to mention the mistakes that led to that opinion).

  23. ENSO und die Globs

    Hallo Herr Rahmstorf,

    Von ihnen animiert versuchte ich mal selbst die ENSO und die Globs gegeneinder zu testen.

    Dazu stelle ich folgende Frage:

    Kann die ENSO(El Nino& La-Nina) die Globale Erwärmung erklären?

    Erläuterung:


    Ich möchte hier ein kleine Arbeit vorstellen, die ich heute vollenden konnte. Hierbei geht es darum festzustellen ob die ENSO im größeren Maße einen langfristen Effekt auf die Globale Temperatur nehmen kann. Ich wählte einen zeimlich langen Zeitraum von 60 Jahren.(1950-2010).

    Dazu verwendete ich den Ocean-Nino-Index (ONI aufs Jahr gerechnet) und die Land+Ozean-Temperaturen von GISS mit dem Referenzeitraum 1951-1980.

    Zur eleminierung größere Ausschlage und für die Übersichtlichkeit wendete ich ein Gleitendes Mittel von 5 Jahren an und ließ die Werte gegeneinder korrelieren.

    Anfangs sind noch recht gute Übereinkünfte zwischen dem ONI und der Globalen Temperatur festzustellen ( 1950-1980). Hierbei ist auch zu erkennen, dass die globalen Temperaturen auf den ONI recht verhalten reagieren, man kann Erwärmung und Abkühlung erkennen aber nicht signifikant. Das Ändert sich Anfang der 1980, die globalen Temperaturen reagieren nun viel heftiger als zuvor und zwar mit einen Temperaturanstieg während der ONI sich eher auf dem Niveau der 1960er bewegt. Dieses Spiel läuft bis circa 1993. Und wir kommen zur dritten Phase, der ONI steigt an und die globalen Temperaturen ziehen stark an (1994-1997). Dannach passiert was sonderbares, obwohl der ONI wieder beginnt zu sinken, steigt die Globale Temperatur weiter an und seid 2005 scheinen die Temperaturen auf ein Niveau sich zu halten obwohl der ONI wieder sinkt.”

    Zu finden: http://forum.wetteronline.de/…thread.php?t=78260

    Der Korrelationwert von nur 0,37 legt mir nahe, dass die ENSO immer mehr an Bedeutung auf die Globalen Temperaturen hat.

    Das dürfte ziemlich koherent zu Ihrer Position sein?

    mfg

  24. Günther Wallraff

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    Kölner Landgericht, Rechtsanwalt Höcker, war da nicht etwas? Dieses Mal trifft es den Journalisten Günther Wallraff, hier mehr dazu:
    http://www.zeit.de/…f?commentstart=1#cid-1806759

    Beachtliche Parallelen. Und wieder wird auf Revision verzichtet, worauf dieses Treiben weitergehen kann, schade.

  25. Anthropogen oder nicht?

    Leider trägt Ihr Artikel nicht viel zu der im Betreff genannten Frage bei. Sind es die Spurengaskonzentrationen oder ein anderer Effekt? Argumente könnten Rekonstruktionen der Temperaturen der letzten 10-20 000 Jahre liefern. Gibt es dazu neue Erkenntnisse?

    [Antwort: Um die Ursachen zu verstehen muss man die Antriebe kennen – alleine auf Temperaturdaten zu schauen hilft nicht weiter. Der anthropogene Anteil war nicht Thema dieses Beitrags, aber z.B. dieses Artikels von Prof. Schönwiese (habe extra ein deutschsprachiges Beispiel ausgesucht). Stefan Rahmstorf]