Adventskalender, Tag 12: 24 Gedanken und Wünsche für Hochbegabte

Hochbegabung

Guten Morgen – ich hoffe, Ihr Start in die Woche lässt sich gut an; vielleicht mögen Sie ja eine Ihrer Arbeitspausen heute dazu nutzen, mal wieder in den Adventskalender zu schauen 🙂 Den Inhalt des heutigen Türchens fand ich sehr interessant; ich bin gespannt, was Sie dazu sagen.

Der Schreiber/die Schreiberin möchte gern anonym bleiben, deshalb zitiere ich nur den Text:

Im dunklen Dezember freuen wir uns auf die Wintersonnwende am 21., denn danach wird es endlich langsam wieder heller bei uns. Wir feiern (mit ein paar Tagen Verzögerung) wie seit vielen tausend Jahren die Wintersonnwende mit Licht, mit Geschenken, Nüssen, Süßigkeiten und gutem Essen.
Normal ist, dass Hochbegabte schon recht früh erkennen, dass es nicht nur kein Christkind und keinen Weihnachtsmann, sondern auch keinen Gott gibt. Manche fixe Kinder kommen sehr früh und von allein darauf, dass Religion soviel Wahrheitsgehalt hat wie andere Märchen auch.
Hochbegabte Kinder lieben wie alle anderen die spannende Zeit des Advents und natürlich die Geschenke (selbstverständlich auch Ostereier), manche nehmen aber anhaltend übel, wenn sie erkennen müssen, dass Eltern und Erzieher ihnen Lügengeschichten erzählt haben.

Daher mein Appell an die Eltern hochbegabter Kinder: Erzählt ihnen einfach wie es wirklich ist, sie werden die Zeit der Erwartung und die Feierlichkeiten trotzdem genießen. Vor allem aber wissen sie dann, dass sie in einer Welt voller Unwahrheiten auf Euch vertrauen können, und das brauchen sie dringend. Vergesst aber nicht, ihnen auch mitzugeben, dass nicht alle Erwachsenen und Kinder die Wahrheit vertragen und verstehen können. Deshalb gibt es bei Themen wie diesem gute Gründe, sich nicht in das einzumischen, was andere glauben (wollen). So kann die innerfamiliäre Ehrlichkeit gleichzeitig eine Lehrstunde in verantwortlichem Sozialverhalten sein.

Intelligenz und Religiosität sind in der Tat negativ korreliert, so eine Metaanalyse, die die Ergebnisse verschiedener Studien zum Thema zusammenfasst: Der mittlere Zusammenhang liegt bei einer Korrelation von r = -.24. Für jüngere Befragte lag der Zusammenhang noch darunter. Das ist zwar nicht ganz wenig, lässt aber dennoch Spielraum für alternative Faktoren, die zu den Unterschieden zwischen Personen beitragen. Will sagen: Es gibt auch reichlich schlaue Gläubige und weniger schlaue Atheisten, der Zusammenhang ist keineswegs perfekt.
Die Autor/innen der Studie bieten drei mögliche Erklärungen für diesen Zusammenhang an:

  1. der stärkere Nonkonformismus intelligenterer Menschen macht es unwahrscheinlicher, dass sie religiösen Dogmen anhängen
  2. ihre eher analytische Denkweise steht die dem reinen “Glauben” entgegen
  3. sie haben generell ein geringeres Bedürfnis nach Religiosität, weil die Bedürfnisse, die Religion erfüllt (z. B. Selbstregulation, Verbundenheit), mit Hilfe der Intelligenz auch anderweitig gestillt werden können.

Nun sagen Sie: Wie haben Sie’s mit der Religion? 😉 Oder: Würden Sie Ihrem Kind die ganze Wahrheit über den Weihnachtsmann erzählen?

Tanja Gabriele Baudson

Veröffentlicht von

Dr. rer. nat. Tanja Gabriele Baudson ist Diplom-Psychologin und Literaturwissenschaftlerin. Seit Oktober 2017 vertritt sie die Professur für Entwicklungspsychologie an der Universität Luxemburg. Davor hatte sie ein Jahr lang die Vertretung des Lehrstuhls für Methoden der Empirischen Bildungsforschung an der Technischen Universität Dortmund inne. Ihre Forschung befasst sich mit der Identifikation von Begabung und der Frage, warum das gar nicht so einfach ist. Vorurteile gegenüber Hochbegabten spielen hierbei eine besondere Rolle - nicht zuletzt deshalb, weil sie sich auf das Selbstbild Hochbegabter auswirken. Zu diesen Themen hat sie eine Reihe von Studien in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Sie ist außerdem Entwicklerin zweier Intelligenztests. Als Initiatorin und Koordinatorin der deutschen „Marches for Science“ wurde sie vom Deutschen Hochschulverband als Hochschullehrerin des Jahres ausgezeichnet. Im April 2016 erhielt sie außerdem den SciLogs-Preis "Wissenschaftsblog des Jahres".

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