Goodbye, Lulin

Die beste Sichtbarkeitsperiode des Kometen Lulin ist zu Ende. Gestern abend konnte ich den Kometen noch einmal fotografieren, dabei störte der zunehmende Mond schon kräftig. In den kommenden Tagen wandert der Mond an Lulin vorbei, und wenn er sich wieder vom Himmel zurückgezogen hat, dürfte der Schweifstern schon deutlich lichtschwächer geworden sein.

Es war tatsächlich meine erste erfolgreiche Lulin-Beobachtung seit Ende Januar! Das Februarwetter war alles andere als astronomenfreundlich, auch heute Nacht musste ich die Wolkenlücken abpassen. Das Bild entstand mit einer Canon EOS 350D bei 300mm Brennweite und Blende 5,6. 40 Einzelaufnahmen zu 30s Belichtungszeit wurden mit Fitswork gestackt. Die Kamera wurde dabei huckepack auf dem Refraktor der Sternwarte Aachen nachgeführt. Zwischen der ersten und der letzen Aufnahme der Serie vergingen 28 Minuten, in dieser Zeit hat sich der Komet merklich weiterbewegt.   


 

Lulin ist in einem einfachen Fernglas zu sehen und bleibt noch eine Weile am Himmel sichtbar. Seinen Schweif konnte ich visuell im 10×50 wegen des aufgehellten Himmels nicht erkennen. Ohne Hilfsmittel ist es aussichtslos, den Kometen zu sehen, außer vielleicht unter einem sehr dunklen Nachthimmel. Den gibt es allerdings erstmal nicht mehr: In den kommenden Nächten stört der Mond die Beobachtung noch stärker, erst in der 2. Monatshälfte ergibt sich noch eine letzte Beobachtungsperiode, wobei der Komet aber wegen seiner größer werdenden Distanz zur Erde zunehmend schwieriger zu sehen ist. Wo sich Lulin auffinden lässt, ist hier im Detail gezeigt.

Clear Skies,

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich hatte…

    … wohl in den letzten zwei Wochen mehr Glück mit dem Wetter als Du und konnte durch Wolkenlücken hindurch ab & an einen Blick auf Lulin werfen. Am deutlichsten sah ich Lulin am vergangenen Samstag (28.2.) in meinem 10×70-Fernglas. Trotz eines stadthellen Nachthimmels sah ich ihn deutlich, allerdings ebenso wie Du ohne Schweif oder gar Ionenschweif.

    Clear Skies, Stefan

  2. Ionenschweif

    Hi Stefan,

    der Ionenschweif ist zur Zeit auch nicht sichtbar, er dürfte sich hinter der Koma bzw. dem Staubschweif befinden, wenn ich mir das jetzt richtig denke.

    Alles in allem war Lulin ein netter Komet, wenn auch kein Knaller. Mal gucken, was das IYA noch bringt…

  3. Zur Feier des IYA

    > Alles in allem war Lulin ein netter Komet, wenn auch kein Knaller. Mal gucken, was das IYA noch bringt…

    Wäre eine feine Geste unseres Schöpfers, zur Feier des Jahres einen besonders schönen Kometen an der Erde vorbei zu schicken. Einen, der mindestens so beeindruckend ist wie Hale Bopp… 😉

  4. Lulin und Wetter

    Es ist zum verrückt werden. Seit 2 Wochen gibt es im Osten der Republik nur noch Wolken. Deshalb konnte ich ihn nur am 28.2. und heute früh (wahrscheinlich auch zum letzten Mal) sichten.

    Am 28. beobachtete ich mit meinem 10×50 Fernglas und konnte, Dank dunklen Himmels, recht deutlich den 2° langen Schweif erkennen! Heute war der Himmel weitaus schlechter (Wolken und Hochnebel), obwohl ich mit der Beobachtung wartete, bis der Mond gegen 2.30 Uhr untergegangen war.

    Na dann, auf Wiedersehen Lulin. Wir sehen uns in 49,5 Mio. Jahren wieder. 😉

  5. Lulin und die Oortsche Wolke

    Amateurhafte Frage: Eine Besonderheit bei Lulin ist die retrograde Inklination, einen andere die fast parabolische Bahn. Beides zusammen sind doch deutliche Hinweise auf seine Herkunft aus der Oortschen Wolke, richtig?

    Hat die spektroskopische Untersuchung neue Hinweise in Bezug auf die Zusammensetzung ganz “frischer” Kometen ergeben?

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