Oliver Sacks (1933 – 2015)

Der Neurologe Dr. Oliver Sacks ist heute in gestorben. Die New York Times hat einen kurzen Nachruf.

oliverSacksLettersDr. Sacks Leben und Werk orientierte sich immer an der Persönlichkeit des Patienten. Schon in seinem ersten Buch „Migräne“ von 1970 interessierten ihn «vernebelte Bereiche», die den Rahmen «rigider Nosologien» [rigider Krankheitslehren] sprengen. In seinen vielen weiteren Büchern, darunter Bestseller wie „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“, machte er neurologische Krankheiten populärwissenschaftlich zugänglich, indem er Fallgeschichten unterhaltsam und zugleich menschlich darstellt.

Seinen Ansatz sah ich nie im Widerspruch zur medizinisch evidenzbasierten oder gar naturwissenschaftlichen Beschreibung der Krankheiten. Im Gegenteil, beispielsweise kamen 1992 in der erweiterten Fassung seines Buches „Migräne“ auch aktuelle Forschungsthemen der Physik und Chaos-Theorie zu Wort. So kamen wir in Kontakt. Die letzten 15 Jahre kommunizierten wir drei mal – ich per Email, er antworte mit Schreibmaschine geschrieben, persönlichen Briefen, handschriftlich Filzstift korrigiert.

Thank you so much, Dr. Sacks, for your books, for your letters, for your public engagement.

 

 

 

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Oliver Sacks scheint seine schriftstellerische Begabung und seine von ihm erarbeitete Sicht auf die Welt nie verloren zu haben. Kurz vor seinem Tod schrieb er in der New York Times noch über seine Erfahrungen zu seiner Krebserkrankung und zu seinem Leben und liess in seinem Text sichtbar werden, dass er sein Leben und die vielen Beziehungen der Dinge darin weiterhin mit klarem Bewusstsein wahrnahm und sie kunstvoll zum Ausdruck bringen konnte.

    Menschen bis zum Tod im aktiven Leben und in vollem Besitz ihrer geistigen Kräfte zu halten scheint mir ein wichtiges und erstrebenswertes Ziel für die (Alters-) Medizin. Heute sind solche Leute wie Oliver Sacks, die bis zu ihrem Tod in hohem Alter bei klarem Verstand sind eher die Ausnahme. Das zu ändern und mehr Menschen ein erfülltes Leben im Alter zu ermöglichen, ist sicherlich ein lohnendes Ziel sowohl für die immer älter werdenden Menschen selbst als auch für ihre Angehörigen.
    Ein besseres Verständnis für das Hirn und die Prozesse, die darin ablaufen, scheint mir wichtig, um dieses Ziel zu erreichen. Ein jung gebliebenes Hirn in einem vom Alter gezeichneten Körper ist weit besser als ein wenig gealterter Körper in einem stark gealterten Hirn.

    • Oliver Sacks schreibt übrigens in dem von mir verlinkten Artikel zum Alter und zum bevorstehenden Tod:

      And now, weak, short of breath, my once-firm muscles melted away by cancer, I find my thoughts, increasingly, not on the supernatural or spiritual, but on what is meant by living a good and worthwhile life — achieving a sense of peace within oneself. I find my thoughts drifting to the Sabbath, the day of rest, the seventh day of the week, and perhaps the seventh day of one’s life as well, when one can feel that one’s work is done, and one may, in good conscience, rest.

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