Cephalalgiaphobia – die Angst vor der nächsten Attacke

Migräne kennt keine Pause: Auch außerhalb der Kopfschmerzattacken behindert die Erkrankung Menschen.

Menschen, die wiederkehrende Kopfschmerzen erfahren, leiden in der anfallsfreien Zeit an Cephalalgiaphobia – die Angst vor der nächsten Attacke. Cephal– (den Kopf betreffend) –algia– (der Kopfschmerz) –phobia (die Angst).

Eine Pause kennen episodische Kopfschmerzerkrankungen, wie Migräne und der Spannungskopfschmerz, also nicht.

 

Letzten Monat auf dem 57. Jahrestreffen der amerikanischen Headache Society (AHS) berichtet in der New Investigator & Trainee Section die Psychologin Anna Katherine Black (University of Mississippi, University) darüber, dass Cephalalgiaphobia ein verlässlicher Indikator für den Grad an Behinderung ist, der durch eine Kopfschmerzerkrankung bedingt wird.

Sie hat dazu über 900 junge Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von etwas über 19 Jahren befragt. Black fand u.a. heraus, dass Migränepatienten in der Regel größere Angst vor der nächsten Attacke haben als Patienten mit Spannungskopfschmerz [1].

Häufig stört die Angst vor den kommenden Schmerzen tägliche Aktivitäten. Der Grad der Behinderung wird im Krankheitsbild also nicht allein durch die Tage mit Kopfschmerzen bestimmt. Auch Vermeidungsstrategien und die damit verbundene negative Verstärkung behindert eine seelische Ausgeglichenheit.  Ob Entstehung und Verlauf der Krankheit dadurch sogar noch begünstigt wird, müssen erst noch fehlende Längsschnittstudien zeigen, fordert Black. Es gibt allerdings schon vorangegangene Forschung, die sie nun mit ihrer neuen Studie bestärkt.

Beispielweise wurde, um objektive Aussagen machen zu können, mit Bewegungsaufnehmern die körperlicher Aktivität in der anfallsfreien Zeit quantifiziert [2]. Es zeigte sich, dass Migräniker auch in dieser Zeit weniger körperlich aktiv sind als die Kontrollen. Das passt zum Krankheitsbild. Bei Migräne verstärkt körperliche Aktivität den Schmerz. Auch das Schlafverhalten war ausgeprägter. Ruhe und Abgeschlossenheit hilft in der Attacke. Insgesamt zeigte sich eine bedeutend geringere Vitalität.

Dieses Verhalten zwischen den Anfällen verdeutlicht die gesellschaftliche Belastung einer Migräneerkrankung.

 

Literatur

[1] Black, A. K., Fulwiler, J. C., & Smitherman, T. A. (2015). The Role of Fear of Pain in Headache. Headache: The Journal of Head and Face Pain, 55(5), 669-679.

[2] Stronks, D. L., Tulen, J. H. M., Bussmann, J. B. J., Mulder, L. J. M. M., & Passchier, J. (2004). Interictal daily functioning in migraine. Cephalalgia, 24(4), 271-279.

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

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