Komet PANSTARRS enttäuscht am Mittwoch

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Am Abend des 13.3.2013 erschien der Abendhimmel zunächst unerwartet klar, nachdem ab mittags eine Wetterbesserung eingetreten war. Aber gegen Sonnenuntergang zog horizontnaher Dunst auf, der die Beobachtung des Kometen PANSTARRS erheblich erschwerte.

Mit bloßem Auge war kaum etwas bis gar nichts zu sehen, mit dem Feldstecher sah man immerhin ein wenig, aber durch den Dunst hindurch war der Anblick eher enttäuschend. Auch fotografisch ergab sich nicht viel. Nichts gewesen außer kalter Finger, davon aber satt.

Crescent Moon and comet C/2011 L4 (PANSTARRS) on 13 March 2013, ca. 19:15 CET, Michael Khan, Darmstadt, Germany

Na, sehen Sie hier den Kometen? Eben. Ging mir genauso. Viel Spaß bei der Suche

Crescent Moon and passing airliner on 13 March 2013, Michael Khan, Darmstadt

Da ich mich langweilte, nahm ich mir wieder mein Lieblingsziel vor, und ich musste gar nicht lange warten, bis ein vorbeifliegendes Flugzeug aus Frankfurt durchs Sichtfeld meines Teleskops kreuzte. Leider eine Sekunde zu spät abgedrückt … Es handelt sich um eine Boeing 737-500 oder -600, der Silhouette nach zu urteilen. Was meinen Sie?

Für einen Astrophotographen ist ein Rückschlag immer nur ein Ansporn, es beim nächsten Mal besser zu machen und aus den Erfahrungen zu lernen. So sollten wir alle es eigentlich immer im Leben halten. Ich weiß, woran es bei mir gelegen hat:

  • Die Blende des Objektivs war nicht komplett auf, sondern auf Blende 11 gestellt, also viel zu dunkel. Bei meiner Canon-DSLR muss man auf einen kleinen Knopf hinten am Gehäuse drücken und gleichzeitig ein kleines Rändelrad nach links drehen. Mit Handschuhen unmöglich, ohne Handschuhe mit halberfrorenen Fingern auch. Also eine Frage der Vorbereitung. Bei meinen alten, analogen Kameras wäre das gar kein Thema gewesen, den Blendenring am Objektiv konnte man immer auch mit Handschuhen bedienen. Bei den modernen DSLRs ging mal wieder der Fortschritt auf Kosten der Ergonomie.
  • Es gibt drei Probleme mit der Beobachtung bodennaher Kometen: 1.) Dunst, 2.) Dunst, 3.) Dunst. Streulicht war gar nicht so sehr das Thema, der der Himmel so kurz nach Sonnenuntergang eh noch hell ist. Ein Kollege hat von einem Hügel im Osten der Stadt, also aus einer erhöhten Position mit weniger Störung durch Dunst bessere Sicht gehabt und bessere Bilder gemacht, obwohl er über die ganze abendlich erleuchtete Stadt hinwegblickte. Ich dagegen stand auf einer Wiese, von der aus es in Westrichtung einigermaßen dunkel war, wo ich aber den Dunst voll mitkriegte.
  • Ich habe leider versucht, die “Atmosphäre” einzufangen, mit Mondsichel, Färbung des Himmels, Details im Vordergrund – und das ist ja auch gar nicht so schlecht gelungen, aber als Konsequenz sieht man nichts vom Kometen. Wenn ich heute Abend gute Sicht habe, werde ich nur mit einem kurzbrennweitigen Teleskop arbeiten und mich voll auf den Kometen konzentrieren. Nun gut, der Mond ist mittlerweile ohnehin so weit vom Kometen weg, dass er sich nicht für einen gemeinsamen Schnappschuss anbietet, abgesehen davon, dass er da schon anfängt, alles zu überstrahlen.
  • Fazit: Wer sich jetzt noch spontan zu einem Versuch entschließen will, sollte das oben Gesagte bedenken. Ein Standort, der möglichst hoch liegt, und die Aufnahmen voll aufgeblendet, idealerweise, falls vorhanden, sogar mit einer auf eine nachführende Montierung fixierten Kamera, mit einem Teleobjektiv oder einem Wide-Field-Teleskop. Immer Belichtungsreihen fahren, durchaus auch bis hin zu einigen Sekunden.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

7 Kommentare

  1. Übertriebene Erwartungen?

    Die Bilder, die man so im Netz zu sehen bekommt (z.B. hier http://www.meteoros.de/…storder=asc&start=10) sehen doch gar nicht so schlecht aus. Man sollte vielleicht auch nicht mit allzu großen Erwartungen an die Sache gehen: Es handelt sich um einen relativ(!) hellen Kometen in der Abenddämmerung. Das ist *kein* Hale-Bopp und kein Lovejoy. Da der Himmel in D grundsätzlich immer von Dunst und Wolkenschleim(TM) verhangen ist (vieles davon anthropogen)ist jeder Beobachtungsversuch ein Glücksspiel. Wer ihn gesehen hat, darf sich freuen. ISON wird hoffentlich besser, das Wetter im November/DEzember ist ja auch….ok ich hör auf!

  2. PANSTARRS u. Mondsichel am Mittwochabend

    Ich war am Mittwoch auf der Beobachtungswiese vom Kometenanblick im 20×70 Fernglas nicht nur nicht enttäuscht, sondern recht begeistert: Deutlich war trotz Dämmerung und horizontnahen Wolkenschleiern die fast sternförmige leuchtend-gelbe innere Koma und ein gegabelter Staubschweif erkennbar.

    …und wenn man auf eine offene Objektivblende achtete 🙂 , waren bei kurzer Belichtungszeit auch ohne mechanische Nachführung schöne Erinnerungsfotos möglich.

    Link zu einem vom AAW Darmstadt getweeteten Bild

  3. Sichtung…

    Da heute das Wetter schön war, habe ich den Komenten auch mal gesehen. Er steht ja nicht sehr hoch über dem Horizont. Nun hab ich genau um Sonnenuntergang herum (bei mir heute um exakt 18.55 Uhr) nicht so drauf geachtet, aber kurz danach, also etwa um 10 nach 7 herum. Da konnte man ihn recht gut sehen, obwohl es noch reichlich hell war. Da stand er auch noch eingermassen hoch, ist dann aber immer näher an den Horizont heran gerückt. Bin dann extra noch mal nach draussen gegangen, um ihn von da vielleicht besser sehen zu können, aber dass war nix. Als ich um ca. halb 8 wieder rein kam, war der Komet schon ein Stück tiefer gerückt, so das ich ihn durchs Fenster zwar noch sehen konnte, aber sonst nicht. Und um 19.45 Uhr war er schliesslich auch unter dem Horizont verschwunden. Wahrscheinlich schon eher, aber das war die Zeit, wo ich auf die Uhr geblickt habe, nachdem ich ihn nicht mehr wieder gefunden habe. Ich hab nämlich nicht die ganze Zeit beobachtet. Ein Bild hab ich leider nicht, da ich gerade keinen Film habe.

  4. @Hans: Glückwunsch!

    Herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Sichtung. PANSTARRS ist ja auf Nordkurs; er hat am 10.3. die Ekliptik, von Süden kommend durchstoßen und zieht nun in Richtung auf den ekliptischen Nordpol davon. Das bedeutet aber, dass die Chancen, ihn nicht nur am Abend zu sehen, immer besser werden. Momentan ist er im Sternbild Andromeda, da hat man Beobachtungsmöglichkeiten nach Sonnenuntergang und – ahem – vor Sonnenaufgang.

    Ja, ich weiß. Aber ich wollte es nur noch mal gesagt haben.

  5. @MK

    Danke für den Tip mit dem Sonnenaufgang. Dazu müsste ich dann zwar um ca. 4 Uhr aufstehen und zu einem Hügel fahren (ca. 30 Minuten Fahrzeit) um da überhaupt was sehen zu können, aber mal sehen…

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