Wegwerfmenschen

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altIn wenigen Jahren jährt sich die Abschaffung der Sklaverei in den USA zum 150ten mal. Menschen in Ketten, die zur Arbeit gezwungen werden, wirken nur noch wie ein unrühmliches Kapitel aus den Geschichtsbüchern. Dies ist allerdings ein Trugschluss, denn heutzutage leben mehr Menschen in sklavenähnlichen Verhältnissen als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Ob als Kinderarbeiter auf den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste, als Zwangsprostituierte in den Bordellen Thailands oder als Haushaltshilfen in Indien. Diese Menschen haben eins gemeinsam: ihnen wird die freie Entscheidung über ihr Leben mit Gewalt genommen. Ihre Arbeitskraft wird ausgebeutet, als wären sie ein Verbrauchsgegenstand. Zurück bleiben Leid, Elend und Verzweiflung. Sie sind Wegwerfmenschen.

Sklaverei in der modernen Welt

Der 26. Juli 1833 markiert einen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte. Die britische Regierung verabschiedete nach jahrelangen Auseinandersetzungen den Slavery Abolition Act, der alle im Kolonialreich lebenden Sklaven die Freiheit zurückgab. Frankreich verabschiedete sich von der Sklaverei 1848, die Vereinigten Staaten folgten 1865. Sklaverei sollte eigentlich eine unrühmliche Geschichte längst vergangener Tage sein.
Obwohl die Sklaverei heute weltweit geächtet wird, schätzt das US-State Department, dass mehr als 27 Millionen Menschen in Verhältnissen leben, die als Sklaverei bezeichnet werden können. Die hohe Zahl ist erschütternd, da sie doppelt so hoch ist wie die Anzahl sämtlicher Menschen, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert von den Kolonialmächten in Afrika versklavt wurden.

Laut internationaler Charta ist Sklaverei eine Situation, in der sich eine Person oder deren Arbeitskraft im Besitz eines Dritten befindet und diese Person keine Freiheit über ihr eigenes Leben ausüben kann. Die Sklaverei nimmt heute aber unterschiedlichste Formen an, so dass eine eindeutige Definition unmöglich ist. Die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Formen von Zwangsarbeit, Ausbeutung oder Schuldknechtschaft sind häufig fließend. Unterm Strich lässt sich aber festhalten, dass Menschen, die sich in diesen Abhängigkeitsverhältnissen befinden, unter der Androhung von Gewalt gezwungen werden, eine bestimmte Tätigkeit gegen den eigenen Willen auszuüben.
Heutige sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse sind häufig davon geprägt, dass Menschen durch Schulden in starke Abhängigkeiten gelangen. Die erzwungene Arbeitsleistung ist dabei meistens eine Form der Schuldentilgung, die finanziell, religiös oder gesellschaftlich begründet wird. Da die Sklaverei weltweit geächtet wird, bewegen sich diese Menschen zudem ausschließlich in der Illegalität und damit im informellen Arbeitssektor. Rechtsansprüche auf eine angemessene Entlohnung, medizinische Versorgung oder eine legale Anerkennung ihrer Arbeitsleistung besteht nur in den seltensten Fällen.

Weltweit mehr als 9 Millionen Kindersklaven

Die International Labour Organisation schätzt, dass weltweit mehr als neun Millionen Kindersklaven existieren. Diese Zahl entspricht in etwa der Bevölkerung von Schweden. Im Jahr 2002 wurden 5,7 Millionen Mädchen und Jungen zur Arbeit und 1,8 Millionen zur Prostitution gezwungen. Zusätzlich wurden ca. 1,2 Millionen Kinder verkauft oder gehandelt. Diese Statistiken beruhen nur auf groben Schätzungen, da diese Geschäfte ausschließlich in der Schattenwirtschaft stattfinden. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise ist zudem ein ansteigender Trend in diesem Bereich zu beobachten.
Um auf dem globalen Markt konkurrenzfähig zu sein, drücken gerade Textilproduzenten und landwirtschaftliche Betriebe ihre Produktionskosten, indem Kinder in der Produktion zum Einsatz kommen. Als Lohn tilgen sie häufig die Schulden ihrer Familien. In Indien gibt es Fälle, in denen sich Familien bereits in der dritten Generation in Schuldknechtschaft bei einem Großgrundbesitzer befinden. Aber auch der Menschenhandel ist in einigen Regionen der Erde noch vorhanden. Preise für Kinderarbeiter in Haiti bewegen sich beispielsweise zwischen USD 30 und 50 (link). An der Gewalt, die diesen Kindern zugefügt wird, sterben jährlich mehr als 50.000. Die Tendenz ist steigend, da viele Kinder in Fabriken schuften, in denen hochgiftige Chemikalien ihren Einsatz in der Produktion finden.

Vor wenigen Jahren war ich für das indische Kinderhilfswerk Deepalaya tätig, das Schulen und Jugendeinrichtungen für Straßenkinder in Neu Delhi betreibt. Viele von den betreuten Kindern stammen aus ländlichen Regionen und sind durch Schlepperbanden in die indische Hauptstadt gelangt. Mit rosigen Aussichten wurden viele Kinder in die Textilproduktion oder in die Schrottentwertung gelockt, in der sie dann täglich bis zu 14 Stunden schufteten. Nach nur wenigen Jahren waren viele von ihnen gesundheitlich so geschädigt, dass ihre körperliche und geistige Entwicklung stark eingeschränkt ist. Körperliche Behinderungen als Folge der Gewalt und der Mangelernährung sind leider keine Seltenheit. Nachdem sie den Fabrikbesitzern nicht mehr dienlich sind, werden sie dann einfach in den Slums der Stadt ausgesetzt. Wegwerfmenschen.
   
In Nepal, Indien und Pakistan haben sich zahlreiche Organisationen gebildet, die diese Kinder vermitteln. Aufgrund hoher Geburtenraten und weit verbreiteter Armut auf dem Land geben Familien ihr viertes oder fünftes Kind in die Obhut dieser Schlepperbanden. Als Bezahlung für das Leben ihres Kindes erhalten die Eltern kleinere Geldbeträge oder Saatgut. Diese Kinder verlieren in dem Moment der Übergabe ihren rechtlichen Status, da ihre legalen Dokumente wie Geburtsurkunden oder Ausweise zerstört werden oder in den Besitz der Schlepperorganisationen übergehen. Ohne Dokumente werden die Kinder häufig in Regionen fern der eigenen Heimat verschleppt und dort zur Arbeit gezwungen.

Besonders erschreckend ist dabei die hohe Anzahl von Kindern, die als Zwangsprostituierte in den Bordellen der Großstädte gelangen. Die thailändische Regierung hat vor ein paar Jahren festgestellt, dass das Eintrittsalter von Prostituierten immer weiter absinkt. Die weit verbreitete Angst vor HIV/AIDS und anderen Geschlechtskrankheiten verleitet die Freier zur naiven Annahme, dass eine Übertragung dieser Krankheiten vermieden werden kann, wenn besonders junge Prostituierte zum Einsatz kommen. Immer wieder geistern Schauergeschichten durch die Medien, wie die der jungen Dalyn. Die BBC berichtete vor ein paar Jahren, dass das junge Mädchen über Wochen in einem Käfig im Keller eines kambodschanischen Bordells eingesperrt, geschlagen und missbraucht wurde, bis sie einwilligte als Prostituierte zu arbeiten. Ein weiterer Fall beschäftigte sich mit Eltern in Ghana, die ihre Kinder für umgerechnet USD 50 an Plantagenbesitzer verkaufen. Perspektivlos schuften diese dann auf den Kakaoplantagen des Landes. Armut, der Mangel an ökonomischen Alternativen und ein Gesellschaftsbild, welches besonders den Mädchen keine Bildung oder Freiheit in der Gestaltung ihres Lebens zugesteht, sind meist die Ursachen für die Versklavung von Kindern.

Insbesondere die Finanzkrise von 2008 und der damit einhergehenden Wirtschaftseinbruch in vielen strukturschwachen Regionen in Afrika, Asien und Südamerika hat in der Folge die Zahl der erzwungenen Beschäftigungsverhältnisse erhöht. Psychische und physische Folgen drücken sich besonders in Analphabetismus, Lernschwächen und dem Alkohol- und Drogenmissbrauch aus. Professor Paulo Pinheiro, der Verantwortliche der UN Studie „Violence Against Children“ , sieht in der Vermeidung von Kinderarbeit den besten Weg, Gewalt an Kindern zu verhindern. Dafür müssen allerdings alle Staaten in die Pflicht genommen werden, damit die Verantwortlichen von sklavenähnlichen Abhängigkeitsverhältnissen hart bestrafen werden, denn, so führt es die ehemalige UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour aus, Gewalt gegen Kinder ist durch nichts in der Welt zu rechtfertigen.

Internationale Verpflichtung

Trotz internationalen Vereinbarungen von Regierungen, Herstellern und Produzenten gegen Kinderarbeit auf den betroffenen Kakaoplantagen in Ghana und der Elfenbeinküste im Jahre 2001, hat sich die Zahl der arbeitenden Kinder nicht gravierend verändert. Ein historisch niedriger Kakaopreis veranlasste die Plantagenbesitzer sogar vermehrt auf billige Arbeitskräfte zurück zugreifen, wie die BBC im Jahre 2006 berichtete. Um die erzwungene Arbeit in der Kakaoindustrie zu verringern, haben sich die großen Produzenten wie Cadbury, Nestle und Kraft Foods aber dazu verpflichtet bis 2020 nur noch Kakao zu verwenden, der ein Fair Trade Siegel besitzt, welches Kinderarbeit in der Produktion ausschließt. Der Verbraucher muss allerdings auch bereit sein, höherer Preise für Schokolade zu akzeptieren. Insbesondere in den vergangenen Jahren scheint sich da wenigstens in Europa einiges getan zu haben (link).

Auch in der Textilproduktion wächst der Druck auf internationale Produzenten. Organisationen wie Anti-Slavery International, Free the Slaves und Stop the Traffik engagieren sich für Mindeststandards in der Textilproduktion. Demzufolge haben sich viele internationale Unternehmen dazu verpflichtet, nicht mehr bei Zulieferern einzukaufen, in denen Menschen und vor allem Kinder unter Zwang arbeiten. Dass diese Standards nicht immer eingehalten werden, zeigten in den vergangenen Wochen die Fälle Takko und KIK. Aber der Druck der westlichen Konsumenten wächst, je häufiger diese Themen in den Medien auftauchen.

Ein hartes Vorgehen gegen Kinderarbeit und Sklavenarbeit ist derzeit in Brasilien zu beobachten. Alle Unternehmen, die gewisse Produktionsstandards nicht einhalten, werden auf einer öffentlichen „dirty list“ vermerkt. Diese Unternehmen müssen hohe Geldstrafen bezahlen und verlieren die Möglichkeit, sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen. Es wird sich zeigen, ob dieses Vorgehen erfolgreich ist und gleichzeitig Vorbildcharakter für andere Staaten besitzt.

Weitere Artikel

1. More slaves now than at any other time in history

2. Nigeria: Child Labour On the Increase

3. The world of modern child slavery

4. Globalization’s Ugly Side: Sex Slavery

Foto: www.pixelio.de

  • Veröffentlicht in: WiGeo
Stefan Ohm

Veröffentlicht von

www.geographieblog.de

Meine Name ist Stefan Ohm und ich bin Geograph. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und danach bei Electronic Data Systems (EDS) als Lotus Notes Entwickler gearbeitet. Während meines Studiums in Hannover führte mich mein Weg zur Texas State University in San Marcos (USA) sowie zur University of Bristol (UK). Darüber hinaus absolvierte ich zwei Praktika bei NGO’s in Neu Delhi (Indien), mit dem Ziel Entwicklungsprozesse vor Ort genauer zu betrachten und damit ein besseres Verständnis über diese zu erhalten. Promoviert habe ich über den Strukturwandel im Perlflussdelta und Hongkong (China) an der Justus Liebig Universität in Gießen.

16 Kommentare

  1. Globalisierung der “Dienstleistungsges.”

    “Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.” (Marie von Ebner-Eschenbach

    Solange wir das System / die Welt- und “Werteordnung” des “Rechts des Stärkeren” im nun “freiheitlichen” Wettbewerbs um … leichtfertig-kompromissbereit und zeitgeistlich-kapitulativ weiter betreiben, im “gesunden” Konkurrenzdenken, in entmenschlichender Systemphilosophie von “Wer soll das bezahlen?”, mit Ausbeutung und Unterdrückung in Wettbewerb um “Arbeit macht frei”, im Konsum- und ProfitAUTISMUS von und zu materialistischer “Absicherung”, im geistigen Stillstand seit der “Vertreibung aus dem Paradies”, weil unsere kreislaufende Glaubens- und Bewußtseinsschwäche ein menschenwürdigeres System mit dieser Festplatte / mit diesem multischizophren “individualbewußten” Massenbewußtsein nicht erfassen kann, allso in Symptomatik von konfusionierter Bildung zu systematischer Suppenkaspermentalität auf systemrationaler Sündenbocksuche (Christus ist unser größter Sündenbock), solange wird unsere “Moral”, unser “Gewissen” (Fair Trade: wie “Entwicklungshilfe” der zynische Tropfen auf dem heißen Stein), unsere Liebe, unsere “Gerechtigkeit in Rechtschaffenheit”, usw., tatsächlich nur zweifelhafter, heuchlerischer und verlogen-verkommener Teil unserer Überproduktion von unwahrhaftigem KOMMUNIKATIONSMÜLL sein.

    Wir sind alle Wegwerfmenschen / Gebrauchsgegenstände / Kannibalen von scheinbar unfassbarer Dummheit!!!

  2. Welt – und “Werteordnung”

    Das BGE ist in der Symptomatik viel zu sehr auf unsere ignorant-arrogante Hierachie als AUSGRENZENDE Wohlstandsmenschen begrenzt, deshalb kann die Antwort nur lauten:

    Ein GLOBAL unkorrumpierbares MENSCHENRECHT auf der bedingungslosen Basis von Nahrung, Wohnen und Gesundheit, mit allen daraus einzig menschenwürdig resultierenden Konsequenzen und Möglichkeiten – Zusammenleben in einer Welt- und Werteordnung OHNE Steuern zahlen, OHNE “Sozial”-Versicherungen (kompromisslose Menschlichkeit als einzige / oberste Sicherheit), OHNE Wettbewerb und die daraus resultierenden Symptome / Zynismen, usw.!?

  3. Falsche Zahlen

    27 Millionen Menschen versklavt. Diese Zahl ist grundsätzlich falsch. Wenn man Ihr Kriterium zu grunde legt kommt man zu ganz anderen Zahlen. Ihre Messlatte ist: “Diese Menschen haben eins gemeinsam; ihnen wird die freie Entscheidung über ihr Leben mit Gewalt genommen. Ihre Arbeitskraft wird ausgebeutet als wären sie ein Verbrauchsgegenstand. Zurück bleiben Leid, Elend und Verzweiflung. Sie sind Wegwerfmenschen.”

    Ein-Euro-Jobbs bedeuten: Zwang zur Annahme der Arbeit und tarifkonforme Bezahlung. Damit erfüllen alle Ein-Euro-Jobber und entsprechende Pendants in anderen Staaten ihr Kriterium für den Sklavenzustand, oder? Also sind Millionen Menschen dazuzurechnen.

  4. Korrektur zu Falsche Zahlen

    Sorry, das sollte natürlich heißen

    “Ein-Euro-Jobbs bedeuten: Zwang zur Annahme der Arbeit und absolut keine tarifkonforme Bezahlung.”

  5. Viel zu wenig

    Wir haben doch in D schon 5 Millionen Menschen, die gezwungen werden, jede Zwangsarbeit anzunehmen. Moderne Sklaverei im Namen des Neofaschismus….. ähhhh Neoliberalismus a la Westerwelle, Merkel, Steinbrück und Konsorten…..

  6. Ein-Euro-Jobber als Sklaven zu bezeichnen, halte ich in diesem Zusammenhang für nicht haltbar. Sicherlich gibt es viel zu kritisieren an unserem System und es ist demütigend solche Arbeit auszuführen, das Ganze unter der Androhung einer Kürzung des eh schon monatlich geringen Satzes.

    Aber für vergleichbar mit Sklaverei halte ich es nicht. Wie der Artikel verdeutlicht, spielt sich diese in der Illegalität ab, ohne soziale Absicherungen und häufig unter psychischer und physischer Gewalt, Trennung vom Heimatort und Familie etc.

    Damit möchte ich die deutsche Art, mit arbeitslosen Menschen umzugehen keinesfalls fraglos gutheißen, aber ich halte es für eine andere Diskussion.

  7. @Sarah:

    Das ist nicht korrekt! Es geht hier nicht um die milde Kürzung eines ach-so-üppigen ALG II. Wer auf Null sanktioniert wird – und das geht weit schneller als viele Menschen denken! – verliert sowohl Krankenversicherung als auch Wohnung! Ohne Wohnung hat man aber keinen Anspruch mehr auf ALG II. Und ohne regelmäßiges Einkommen kriegt man keine Wohnung. Catch 22! Und auf Lebensmittelgutscheine besteht kein Rechtsanspruch. JEDE Arbeit gilt als angemessen, und zwar unabhängig von Entfernung, Eignung, Ausbildung, Gesundheitszustand, usw. Da werden schonmal insulinpflichtige Diabetiker zum Dachdecken geschickt oder Rollstuhlfahrer als Alternpfleger vermittelt. Lehnt man ab: Sanktion! Nebenbei: ohne KV wird auch die Beschaffung von Insulin u.ä. spannend!

    Wir haben in D mittlerweile haufenweise Sweatshops, mit Monatslöhnen von ca 170 Euro. Der einzige Sinn und Zweck der Übung ist die Etablierung des Niedriglohnsektors zum Ausbau des Exports (und damit auch Export von Arbeitslosigkeit in ganz Europa).

    Wer nicht mitspielt, dem (und seiner Familie) wird die Existenzgrundlage entzogen. Jeder Strafgefangene hat immer ein Dach über dem Kopf, regelmäßige Mahlzeiten und medizinische Versorgung.

    Ein Arbeitsloser kann all das leicht verlieren, mit nur einem Federstrich! Und Widersprüche haben keine aufschiebende Wirkung, anders als im BGB.

    Doch ja, das kann man sehr wohl vergleichen!

  8. @Th. Werner:VersklavungDurchNiedriglohn?

    Man liest in diesem und anderen Blogs immer wieder vom schrecklichen Schicksal als deutscher Niedriglöhner, Arbeitsloser und Sozialhilfebezüger.
    Mir kommt das immer etwas seltsam vor wenn ich das in Relation zu andern Ländern in Europa bringe. In Spanien ist die Arbeitslosigkeit bei 25% und die Jugenarbeitslosigkeit bei 50%. Auch Griechenland und Portugal haben nicht wenig Arbeitslose. Sind das nun alle Sklaven oder geht es Arbeitslosen in Spanien um vieles besser als deutschen Arbeitslosen?
    Es könnte natürlich auch sein, dass es Arbeitslosen – auch in Deutschland – relativ gut geht, nicht aber Niedriglohnjobbern.
    Noch zu den Sätzen: “Wir haben in D mittlerweile haufenweise Sweatshops, mit Monatslöhnen von ca 170 Euro. Der einzige Sinn und Zweck der Übung ist die Etablierung des Niedriglohnsektors zum Ausbau des Exports”
    Wenn das so wäre mit der Ankurbelung des deutschen Exports durch Niedriglohnjobs wäre das ja ein exportfähiges Modell für Spanien und Griechenland: Dort hat es ja viel mehr Kandidaten dafür als in Deutschland mit seinen europaweit tiefsten Arbeitslosigkeits- und Unterbeschäftigungsquoten.

  9. Arm trotz Arbeit

    Im Zuge der Globalisierung gibt es auch bei uns einen immer größer werdenden Billiglohnsektor. Viele Firmen haben Deutschland zwar schon in Richtung Asien und Afrika verlassen haben, weil die Leute dort noch billiger arbeiten. Aber auch in Deutschland sollen die Leute für immer weniger Geld arbeiten. Im Gegensatz zu den anderen europäischen Ländern gibt es bei uns nicht einmal einen Mindestlohn. Unsere neuen Armen können sich die oben erwähnten Fair-Trade-Lebensmittel gar nicht leisten und müssen auch ihre Kleidung in Billiggeschäften, wie Takko und KIK kaufen. Das schadet aber wiederum den Menschen in der dritten Welt, ein Teufelskreis.
    Über moderne Sklaverei in Deutschland:

    http://www.tagesspiegel.de/…schland/6694188.html

  10. Gleiches Prinzip

    Ich finde auch , daß es einen Zusammenhang gibt zwischen zunehmender Sklaverei und der restriktiver werdenden Ausgestaltung der Arbeitslosenversicherungen in den westlichen Staaten .

    Natürlich sind westliche Arbeitslose nicht auf einem irgendwie vergleichbaren Niveau wie (Kinder)-Sklaven , das Prinzip aber ist dasselbe , ausgehend nur von extrem unterschiedlichen Levels.

    Es darf daran erinnert werden , daß auch wir bis vor etwas über 100 Jahren Kinderarbeit kannten , übrigens war bei deren Abschaffung das Geschrei der Wirtschaft genau das gleiche wie heute , wenn es etwa um Arbeitszeitverkürzung geht , die Wirtschaft und die ganze Welt gehen unter , blabla.

    Unser Wirtschaftssystem ist darauf ausgerichtet , die Menschen immer mehr in soziale Unfreiheit zu drücken , ganz bewußt , und sie werden genauso lange damit weitermachen , wie wir sie lassen.

    Interessant , daß ausgerechnet Brasilien jetzt dagegen vorgeht.
    Südamerika scheint mir nicht nur an dieser Stelle auf dem aufsteigenden Ast zu sein, und es ist vor allem eine stärkere Hinwendung zu sozialer Fairness , die die Region in mittlerer Zukunft stark nach oben ziehen wird.

  11. Ich denke auch, dass Sklaven in Afrika und Indien nicht mit deutschen Ein-Euro-Jobbern zu vergleichen sind. Natürlich sind die deutschen Arbeitsmarktreformen eine Reaktion auf internationale Entwicklungen, aber immerhin bewegen sich deutsche Arbeitslose in einem rechtlich geschützten Rahmen. Kindersklaven in Afrika (siehe hierzu der Link von Birke) werden von ihren Peinigern so lange missbraucht bis sie nicht mehr verwertbar sind. Das ist schon etwas anderes.

    In diesem Zusammenhang kam heute Morgen eine traurige Meldung aus Bangladesch. In der Nähe der Hauptstadt Dhaka ist gestern eine Textilfabrik ausgebrannt. Mehr als 100 Menschen haben dabei ihr Leben verloren. Die Fabrik hatte keinen Brandschutz und war stark überfüllt. Diese Meldungen zeigen immer wieder deutlich, wie dramatisch die Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern sind.

    Hier ist der Link: http://www.zeit.de/…-11/brand-bangladesch-fabrik

  12. @Stefan Ohm

    “Ich denke auch, dass Sklaven in Afrika und Indien nicht mit deutschen Ein-Euro-Jobbern zu vergleichen sind.”

    Aber die URSACHE warum es überhaupt noch Sklaven gibt, ist in dieser zeitgeistlich-systematischen Hierarchie des “freiheitlichen” Wettbewerbs um … begründet – wenn wir nur lange genug SO weiter machen und wenn es dabei keine finale Eskalation gibt, dann kommt dies bestimmt auch wieder bei uns in Mode, bzw. gänzlich unter dem Teppich hervor!!!

  13. Sind wir nicht alle irgendwie Sklaven?

    Lieber Stefan,
    vielen Dank für diesen sehr gut recherchierten Artikel. Mich treibt das Thema der Sklaverei seit einiger Zeit auch um, z.B. so:
    http://wirdemo.buergerstimme.com/2013/01/965/
    Wenn wir das Thema aber wirklich zu Ende denken, so ist jeder von uns, der kein Vermögen oder ein Stück Land besitzt, das ihn ernähren kann, gezwungen, unsere Körper durch Lohnarbeit zu “prostituieren”. Als damals die Sklaven und zuvor die Leibeigenen entlassen wurden, hat man ihnen keine Land gegeben, so dass sie selbst unabhängig sein konnten. Im Prinzip hat man sie nur in ein großes Freilaufgehege entlassen, so dass sie zumindest noch die Freiheit besaßen, ihren eigenen Zuhälter selbst auszusuchen.
    Ich weiß, das ist harter Tobak, aber wenn wir ehrlich sind, dann wurden die Eisenketten gegen die strukturellen Ketten des Zinsgeldes ausgetauscht.
    Dazu hatte ich diese nette Geschichte noch gefunden:
    http://faszinationmensch.com/…klich-frei-machte/
    Herzlich, Martin

  14. Gibt eigentlich nur eine wesentliche Kernparallele zwischen dem Zynismus von Kapitalismus, Faschismus, Sklaverei und “sozialer Mark(t)wirtschaft”: Arbeit macht frei! Das kann man sich mal auf der Zunge zergehen lassen…

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