Ländliche Entwicklung und Bioenergie in Namibia

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NaminiaAm vergangenen Mittwoch hielt Prof. Lameck Mwewa von der Polytechnic of Namiba (Windhoeck)  einen Vortrag im Rahmen des Gießener Geographischen Colloquiums. Der Titel des Vortrags lautete „Rural Development, Food Security and Bio-Energy in Namibia“ und beschäftigte sich hauptsächlich mit der Frage ob und wie eine Bioenergie Industrie in Namibia aufgebaut werden kann.

Seit der Unabhängigkeit 1990 ist Namibia gekennzeichnet von ungleichen Einkommensstrukturen und Armutsraten. Während sich Städte wie Windhoeck relativ gut entwickeln, ist der ländliche Raum Namibias weiterhin strukturschwach und geprägt von hohen Armutsraten. Die Wirtschaft des Landes fußt vor allem auf den Bergbau, der Rindfleischproduktion und dem Tourismus. Von diesen Branchen profitieren jedoch nur wenige Einwohner Namibias. Die namibische Regierung verfolgt daher ein neues Entwicklungskonzept für die ländlichen Räume und versucht eine Biomasse bzw. Bioenergie Branche aufzubauen, die die Entwicklung des ländlichen Raumes entscheidend vorantreiben soll. Der namibischen Regierung ist bekannt, dass die Biomasseproduktion nicht nur Vorteile generiert. Nachhaltigkeit ist dabei besonders wichtig und Prof. Mwewa schloss sich dieser Meinung an. Bei einer nachhaltigen Implementierung lassen sich entscheidende Entwicklungsdeterminanten im ländlichen Raum fördern. Das oberste Ziel sollte zuerst die Reduzierung der ländlichen Armut sein.

Bioenergie für Namibia

 

Für die Biomasseproduktion stehen in Namibia zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Einerseits ein Buschgewächs, dass sich seit Jahren unkontrolliert ausbreitet und die Jatropha Pflanze.
Der invasive Busch bedeckt derzeit ca. 26 Millionen Hektar in Namibia. Diese Busch-Art ist aus dem Norden eingewandert und breitet sich immer weiter südwärts aus. Dieser Prozess ist von starkem Nachteil für die betroffenen Bauern. Da der Busch über ein gewaltiges Wurzelnetzwerk verfügt, wird dem Boden Wasser und Mineralien entzogen. Ackerbau oder die Rinderzucht ist in den betroffenen Regionen nicht mehr, oder nur eingeschränkt,  möglich. Der Plan für die Zukunft ist es, diese Buschflächen zu roden und aus der Biomasse kleine Holzpellets herzustellen, die einem Bioenergiekraftwerk in Windhoek als Brennstoff dienen sollen. Dieses wird gerade unter Mithilfe der EU errichtet.
Sind diese Flächen gerodet, kann die Jatropha Pflanze angebaut werden. Der Anbau ist theoretisch im ganzen Land möglich. Aus den Samen der Jatropha  Pflanze lässt sich ein Öl gewinnen, dass für den Export geeignet ist. Die Jatropha Pflanze stammt ursprünglich aus Südamerika und hat sich in den vergangen Jahrzehnten in weiten Teilen Afrikas ausgebreitet. Der Anbau dieser Pflanze soll vor allem dezentral erfolgen, damit große Monokulturen vermieden werden.

Gefahren und Chancen

Die Biomasseproduktion zur Energiegewinnung ist in den vergangenen Jahren stark in die Kritik geraten, da die verwendeten Pflanzen nicht als Nahrung geeignet sind oder andere konsumierbare Nutzpflanzen verdrängten. Auch die Jatropha Pflanze ist für den Menschen oder für Nutztiere nicht essbar. Die Regierung Namibias ist sich dieser Problematik bewusst und versucht die Biomasseproduktion nachhaltig zu gestalten. So sollen nicht auf allen Rodungsflächen des Buschlandes Biomasse produziert werden. Es sollen explizierte Flächen für die Nahrungsmittelproduktion ausgewiesen werden. Zusätzlich erhofft sich die Regierung, dass durch den Export des Jatropha Öls wichtige Devisen ins Land kommen, die in bessere Anbaumethoden oder der herkömmlichen Landwirtschaft investiert werden. Insgesamt erhofft sich Namibia, dass der ländliche Raum Entwicklungsimpulse erfährt, die die Armutsraten senken, neue Bildungsangebote schafft und das Gesundheitssystem verbessert.  

Prof. Mwewa sieht in der Biomasseproduktion eine Chance für die Entwicklung Namibias, aber auch Gefahren, da gleichzeitig die Abhängigkeit gegenüber Weltmarktpreisen steigt. Seiner Meinung ist aber auch eine Koordinierung sämtlicher Regierungsstellen notwendig, damit der Aspekt der Nachhaltigkeit umgesetzt werden kann. Nur so, ist die Biomasseproduktion ein Weg für Namibia die Entwicklung des Landes voranzutreiben.

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Meine Name ist Stefan Ohm und ich bin Geograph. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und danach bei Electronic Data Systems (EDS) als Lotus Notes Entwickler gearbeitet. Während meines Studiums in Hannover führte mich mein Weg zur Texas State University in San Marcos (USA) sowie zur University of Bristol (UK). Darüber hinaus absolvierte ich zwei Praktika bei NGO’s in Neu Delhi (Indien), mit dem Ziel Entwicklungsprozesse vor Ort genauer zu betrachten und damit ein besseres Verständnis über diese zu erhalten. Promoviert habe ich über den Strukturwandel im Perlflussdelta und Hongkong (China) an der Justus Liebig Universität in Gießen.

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