Kinderarmut in Entwicklungsländern

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Die Ursachen von Kinderarmut in Entwicklungsländern sind vielschichtig und nicht einfach zu definieren. Im Grunde genommen existiert ein Mangel an unterschiedlichen Ressourcen, die sich allesamt gegenseitig beeinflussen. Für die Entwicklung von Kindern ist eine ausreichende Ernährung in den ersten Lebensjahren notwendig, damit keine anhaltenden Leiden und Krankheiten entstehen, die wiederum Auswirkungen auf den Bildungsstand und die Einkommensmöglichkeiten haben.
Child Welfare in Developing Countries heißt ein neues Buch, das einen interessanten Beitrag zum aktuellen Stand der Forschung zu Kinderarmut in Entwicklungsländern leistet. Editiert wurde es von Cockburn und Kabubo-Mariara. In dem Buch werden Armutsmodelle aufgestellt und politische Maßnahmen abgeleitet, die das Ziel verfolgen hohe Armutsraten unter Kindern in Entwicklungsländern zu senken. Beispielhaft möchte ich an dieser Stelle zwei interessante Einblicke in dieses Buch liefern.

Armut und Regionalentwicklung

In der gesamten Diskussion um Armut in Entwicklungsländern ist es notwendig die räumliche  Perspektive nicht außer Acht zu lassen. Die Regionalentwicklung verläuft immer an einem langfristigen Entwicklungspfad. Zukünftige Entwicklungen existieren nicht losgelöst von der Vergangenheit oder Gegenwart. Hohe Kinderarmutsraten in einer Region bedeuten immer auch Wachstumshemmnisse in der Zukunft, da Krankheiten sowie körperliche und geistige Behinderungen Folgeerscheinungen von Unterernährung in frühster Kindheit sind und sich auf den Bildungsstand und die allgemeine Qualifikation der arbeitsfähigen Bevölkerung auswirken. Diese Zusammenhänge sind heute leider in vielen Regionen Afrikas zu beobachten. Die Autoren verweisen auf die niedrige Lebenserwartung in Regionen mit hohen Armutsraten.

Die räumliche Perspektive äußert sich auch im Gegensatz von ländlichen und urbanen Regionen. Obwohl große Slumgebiete in vielen afrikanischen Städten (z.B. Nairobi, Lagos, etc.) existieren, ist die prozentualen Kinderarmut im ländlichen Raum höher als in den Städten. Eine regionale Konzentration der Armut lässt sich in sehr gut in Kenia beobachten. Der relative Anteil der Kinder unterhalb der absoluten Armutsrate (unter einem US Dollar pro Tag) liegt im ländlichen Raum bei 28%, während er in den Städten des Landes nur 19% erreicht. In absoluten Zahlen wird die Konzentration der Armut deutlich, da insgesamt 89% aller armen Kinder auf dem Land leben. In Kenia sind die Regionen mit der höchsten Armut die Küstenregionen und die Gebiete an der Grenze zu Somalia. Es sind genau die Regionen, in denen sich derzeit die Flüchtlinge aus Somalia sammeln. Die Autoren schlussfolgern, dass Entwicklungshilfe und staatliche Förderprogramme immer eine regionale Perspektive enthalten müssen.

Kindersterblichkeit in Kenia

Der größte Einflussfaktor auf die Entwicklung von Armut ist immer noch die finanzielle Situation der Haushalte. In Kenia weisen insbesondere ländliche Regionen relativ geringe Armutsraten auf, in denen die Exportgüter Kaffee und Kakao anbaut werden. Die Wirtschaftsleistung hat klare Auswirkungen auf den Bildungsstand, Einschulungsraten, Krankenstände und die Kindersterblichkeit. Insbesondere in ländlichen Regionen, die eine hohe Rate von Subsistenzwirtschaft aufweisen ist diese nachzuweisen. Mädchen sind in solchen Regionen die Verlierer, da es noch immer eine kulturelle Bevorteilung der Söhne gibt. Die Förderung der Söhne wird durch die Hoffnung getragen, dass sie zur zukünftigen Versorgung der Familie beitragen. Die Bevorzugung lässt sich sowohl in der Kalorienzuvor als auch bei der Einschulungsrate identifizieren.  
Die finanzielle Situation der Haushalte übt auch einen signifikanten Einfluss auf die Kindersterblichkeit aus. In einer zweiten Studie entwickeln Kabubo-Mariara et al. (2010) Modelle für Maßnahmen, die der hohen Kindersterblichkeit entgegenwirken sollen.

Von 1.000 Lebendgeburten, die in Kenia zur Welt kommen, sterben 89 Kinder noch vor dem Erreichen des fünften Lebensjahres (1990: 99 Kinder von 1.000). Kenia nimmt damit den 39. Platz unter den Nationen mit der höchsten Kindersterblichkeit ein. In Deutschland beträgt dieser Wert gerade einmal 4, wie die UNICEF berichtet.
Die Autoren entwickeln Modelle, die abschätzen, welche politischen Maßnahmen die hohen Kindersterblichkeitsraten senken. Als wichtigste Maßnahme gilt die finanzielle Stärkung der Eltern, da hierdurch die Kalorienzufuhr, die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und der Zugang zu sanitären Anlagen gesteigert werden. Die Autoren simulieren, dass durch eine leichte Verbesserung der finanziellen Situation der Haushalte die Kindersterblichkeitsrate um 24 gesenkt werden kann. Der zweite wichtige Baustein ist eine höhere Einschulungsrate der Kinder, insbesondere der Mädchen.
Durch diese Maßnahme könnte in den Berechnungen der Autoren die Sterblichkeitsrate langfristig um 12 gesenkt werden. Allerdings verweisen sie auf die zeitliche Wirkung eines höheren Bildungsstandes. Positive Auswirkungen sind erst nach mehreren Jahren zu erwarten. Als dritten Baustein gilt die Verbesserung der gesundheitlichen Situation. Einfache Impfprogramme für Säuglinge hätten insbesondere in den ärmsten Bevölkerungsschichten große Auswirkungen.
Die Autoren schlussfolgern, dass die Kindersterblichkeitsrate in Kenia durch relativ einfache Maßnahmen auf unter 50 sinken könnte.

Schlussfolgerungen

Diese beiden Aspekte stehen exemplarisch für das Werk von Cockburn und Kabubo-Mariara. Insgesamt liefert die Arbeit keine neuen bahnbrechenden Erkenntnisse, da die relevanten Arbeiten zur Armut in den vergangenen Dekaden immer wieder auf Maßnahmen in der Wirtschaftsförder, Bildung und Gesundheit hingewiesen haben. Ein neuer Aspekt ist allerdings einerseits die regionale Perspektive und anderseits die modellhafte Analyse von multidimensionaler Armut.
Im nächsten Artikel werde ich mich darauf konzentrieren, dieses Themengebiet noch ein wenig zu vertiefen.

  • Veröffentlicht in: WiGeo
Stefan Ohm

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www.geographieblog.de

Meine Name ist Stefan Ohm und ich bin Geograph. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und danach bei Electronic Data Systems (EDS) als Lotus Notes Entwickler gearbeitet. Während meines Studiums in Hannover führte mich mein Weg zur Texas State University in San Marcos (USA) sowie zur University of Bristol (UK). Darüber hinaus absolvierte ich zwei Praktika bei NGO’s in Neu Delhi (Indien), mit dem Ziel Entwicklungsprozesse vor Ort genauer zu betrachten und damit ein besseres Verständnis über diese zu erhalten. Promoviert habe ich über den Strukturwandel im Perlflussdelta und Hongkong (China) an der Justus Liebig Universität in Gießen.

4 Kommentare

  1. @Helmut Wicht

    Häufig geht Armut und eine hohe Geburtenrate einher. Aufgrund der Subsistenzwirtschaft ist es für viele Familien notwendig viele Kinder zu haben, damit diese bei der Feldarbeit helfen können. Kinder sind in vielen Regionen der Welt immer noch die beste Altersversorgung. Es zeigt sich aber, dass reichere Länder auch geringere Geburtenrate haben. Zu dieser Problematik kann ich folgenden Artikel empfehlen.

    http://www.wissenslogs.de/…ngsprozesse-in-afrika

  2. Kinderarmut auch in Deutschland

    Es ist ein vernichtendes Urteil, was sich die wohlhabenden Staaten ausstellen müssen, denn statt die Kinderarmut zu bekämpfen und so Millionen Kinder vor Hunger und Not zu retten, ist man zu sehr mit eigenen Interessen beschäftigt.
    Schlechtes Vorbild ist hier ja auch unser Land, denn die Kinderarmut n Deutschland hat auch schlimme Ausmaße angenommen. Natürlich ist das mit der Kinderarmut in den Entwicklungsländern nicht zu vergleichen, doch wirft es ein Licht auf unsere Gesellschaft.

  3. Haben Sie einen guten Beitrag zu dem Thema Kinderarmut in der Dominikanischen Republik?
    ( in dem o.g. Beitrag schreiben Sie über Kenia!)

    Vielen Dank.
    Ich würde mich freuen eine Antwort von Ihnen zu bekommen.

    Mit freundlcihen Grüßen

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