Armutsbekämpfung durch Solarenergie

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Nur ca. 20% der Welt hat Zugriff auf ausreichend Energie, die Grundlage für Wohlstand und Entwicklung ist. In vielen Ländern Afrikas, besonders in ländlichen Regionen, ist die Stromversorgung eher die Ausnahme als die Regel. Eine Kerosinleuchte stellt nach Sonnenuntergang oft die einzige Lichtquelle dar. Einige Dörfer besitzen inzwischen auch Dieselgeneratoren, aber aufgrund steigender Rohölpreise fällt es den armen Bevölkerungsteilen immer schwerer eine Grundversorgung mit Strom zu erlangen.

Dieser Umstand veranlasste Dr. Harald Schützeichel eine Stiftung für Solarenergie ins Leben zu rufen, die in Äthiopien tätig ist. Vergangenen Donnerstag berichtete er im Entwicklungspolitischen Forum des Göttinger Foyer International von der Projektarbeit im Dorf Rema, welches in der Provinz Mida, nördlich der Hauptstadt Addis Abeba, liegt.

Die Einwohner des Dorfes hatten von dem Solarprojekt der Stiftung gehört und zeigten hohe Eigeninitiative, damit 2006 die ersten Solarzellen installiert werden konnten. Jeder Einwohner, der Interesse bekundete, bekam ein kleines Solarmodul für seine Hütte, das ihm vier bis fünf Stunden Strom am Tag liefert. Wie und wann sie den Strom einsetzten, ob für Licht oder für ein Radio, bleibt jedem Bewohner selbst überlassen. Der Tag endet nicht mehr mit dem Sonnenuntergang, die Haushaltsmitglieder können Arbeiten auch danach erledigen. Bereits kurze Zeit nach Beginn des Projektes, hat sich aus einer wunderbaren Eigeninitiative heraus, eine Abendschule für Erwachsene gebildet, in der ca. 70 Dorfbewohner und –bewohnerinnen unterrichtet werden.

Allerdings ist der Strom nicht umsonst, vorab wird ein Vertrag mit der Organisation abgeschlossen, der unter anderem beinhaltet, dass für den Strom umgerechnet ein Euro im Monat bezahlt werden muss. Das gewonnene Geld wird von der Stiftung für die Instandhaltung der Module eingesetzt. Dafür sorgen äthiopische Mitarbeiter, die von der Stiftung vor Ort ausgebildet werden. Auch dies ist Teil des Projektes: Irgendwann soll es ein Selbstläufer werden und nicht mehr auf die NGO angewiesen sein. Dazu gehört die Ausbildung von „Solar-Technikern“, die vorher aber schon eine Elektrizitätsausbildung genossen haben müssen sowie die Planung lokaler Solar-Center, die den Verkauf von Solarsystemen über Mirkokredite ermöglichen (nach dem Vorbild des Grameen Bank- Gründers Muhammad Yunus), damit eine unabhängige Solarwirtschaft entstehen kann, bei der die Stiftung nur noch im Hintergrund agiert. Damit soll der häufigen Abhängigkeit von NGOs entgegengewirkt werden und eine nachhaltige Stromversorgung entstehen. Den Dorfbewohnern wird damit die Möglichkeit zur Eigeninitiative gegeben und die Ressourcen und Fähigkeiten vor Ort genutzt. Ein gutes Beispiel für „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Mirjam Reisner entstanden.

  • Veröffentlicht in: WiGeo
Stefan Ohm

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Meine Name ist Stefan Ohm und ich bin Geograph. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und danach bei Electronic Data Systems (EDS) als Lotus Notes Entwickler gearbeitet. Während meines Studiums in Hannover führte mich mein Weg zur Texas State University in San Marcos (USA) sowie zur University of Bristol (UK). Darüber hinaus absolvierte ich zwei Praktika bei NGO’s in Neu Delhi (Indien), mit dem Ziel Entwicklungsprozesse vor Ort genauer zu betrachten und damit ein besseres Verständnis über diese zu erhalten. Promoviert habe ich über den Strukturwandel im Perlflussdelta und Hongkong (China) an der Justus Liebig Universität in Gießen.

6 Kommentare

  1. Ich bin auch sehr begeistert von diesem Konzept. Die Solarenergie bietet eine gute Vorraussetzung, Abhängigkeiten zu vermeiden. Dies ist besonders wichtig in Afrika, kann aber auch eine Lösung für Deutschland sein. Besonders in Anbetracht steigender Energiepreise und der Marktmacht weniger Energiekonzerne.

  2. Naja…

    Ahoi erstmal,

    Die Idee ansich ist natürlich klar wunderbar. Aber das ist nur ein “Parade-Beispiel” was hier angeführt ist. Ich glaube nicht das so etwas in jedem “Dorf”, also eine Lebensgemeinschaft genauso gut funktionieren würde. Dafür ist die Einstellung bei den meisten der Technik gegenüber zu “naiv”. Wieviel können denn da unten was mit elektrik anfangen, geschweige denn mit einer moderne Solarzelle und den dazugehörigen Akkus. Selbst wenn man sie anlernen würde dauert sowas Jahre bis gescheit damit umgehen können. Und das mein ich nicht als Vorwurf, denn ich würde auch Zeit brauchen damit ich mit einer solchen Technik optimal umgehen kann… und dann soll das ganze auch noch an andere weitergegeben werden… mh… Hat das wirklich Zukunft.

    Greetz Peter

  3. Moin!

    Wie hat denn heute Ihr Tag angefangen? :)Der Funkwecker reißt einen aus dem Tiefschlaf. Man tastet im Halbdunkel nach dem Lichtschalter, quält sich aus dem Bett und schaltet erst mal das Radio an. Zum Frühstück gibts Toast und kalte Milch aus dem Kühlschrank. Danach kurz an den Computer, die Emails checken, dann mit dem Fahrstuhl zur Tiefgarage und mit dem Auto zur Arbeit.
    Die wenigsten wissen, wie unsere technischen Gebrauchsgegenstände im Alltag tatsächlich funktionieren und wir können trotzdem mit all dem umgehen und leben. Es ist gar nicht notwendig, dass jeder das technische Know-How hat.
    In dem Solar-Projekt sind wie gesagt äthiopische Techniker, die von deutschen Fachkräften ausgebildet werden, für die Installierung und Instandhaltung zuständig. Die Dorfbewohner dürfen bei Defekten auch nicht selbst am Akku rumbasteln, sondern müssen den Technikern bescheid geben. So ist es in dem Vertrag festgehalten und die Menschen halten sich auch dran, weil sie die Energie zu schätzen wissen und sie nur selbst Schaden davon hätten, wenn die Module nicht mehr funktionieren.

  4. Solarprojekt

    Eine sehr gute Idee. Ein ähnliches Projekt wird über die Ludwig-Bölkow-Stiftung betrieben:

    http://www.solux.org/Pages/Foerderprojekte.html

    Hier kann das Projekt sogar soweit ausgeweitet werden, dass vor Ort eine Werkstatt errichtet wird, in der die Lampen aus Einzelteilen montiert werden können.

    Man sollte am Ball bleiben.

  5. @Peter Nor

    Ich denke, dass gerade solche Projekte eine Chance bieten, die ländliche Armut in Entwicklungsländern zu überwinden. Durch die Einführung von Elektrizität ändert sich sehr viel. Es beginnt ja damit, dass abends einfach mehr Zeit ist zum Lernen (das Schulungszentrum ist dafür ein gutes Beispiel). Aber nicht nur auf diesem Weg wirkt Elektrizität. In den ländlichen Regionen wird häufig noch mit fossilen Brennstoffen geheizt, gekocht und beleuchtet. Die Folge davon sind starke Atemwegserkrankungen, die besonders stark Kinder schädigen. Durch den Strom aus den Solarzellen werden diese Probleme gemildert. Ein guter Beginn für zukünftige Entwicklung.

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