PISA und Intelligenz

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Am Donnerstagmorgen hat der Deutschlandfunk ein Interview mit mir zum Thema Intelligenz gesendet. Anlass war die Vorstellung des Intelligenzquotienten vor 100 Jahren.

Auf einem Kongress in Berlin schlug der deutsche Psychologe William Stern vor, bei Kindern und Jugendlichen das Intelligenzalter durch das Lebensalter zu teilen und das Ergebnis mit 100 zu multiplizieren. Damit hatte er ein Maß, um zu beurteilen, ob die Intelligenz altersgemäß entwickelt ist. Mein Gesprächspartner Mario Dobovisek hat die Gelegenheit genutzt, nicht nur das Themafeld Intelligenzquotient und Intelligenztest anzusprechen, sondern er hat auch nach PISA, den Thesen von Thilo Sarrazin und der Intelligenzforschung ganz allgemein gefragt. Ein Transkript gibt es auf der Website des DLF.

Vielleicht ist es am einfachsten, wenn Sie sich die dort verlinkte Audiodatei anhören.

Das Transkript ist eine wörtliche Abschrift des mündlichen Interviews mit allen Wiederholungen und schiefen Konstruktionen. Wenigsten sind die Sätze alle vollständig. Darauf bin ich einigermaßen stolz, denn ich kann nun mal nicht aus dem Stegreif ein Statement formulieren, das den Sprachduktus eines Feuilleton-Artikels der ZEIT erreicht.

Hier nochmal eine kurze Zusammenfassung der Kritik an der PISA-Studie:

  • Sie gibt einen ungefähren Anhalt über die Qualität der Schulbildung, mehr aber auch nicht.

  • Beim Subtest Lesen (Lesen und Verstehen von Texten) im Jahr 2009 hatte Deutschland 497 Punkte, aber insgesamt 10 Staaten hatten zwischen 494 und 501 Punkte. Solche Unterschiede sind eher zufällig.

  • PISA prüft die Fähigkeit von 15jährigen und berücksichtigt nicht, ob Kinder früher oder später eingeschult werden.

Aus diesen und einigen anderen Gründen gibt der PISA-Test nur einen Anhalt für die Qualität eines Schulsystems, etabliert aber keine genaue internationale Rangfolge. Immerhin hat er in Deutschland eine Diskussion über die Qualität des Schulsystems ausgelöst und schon dadurch eine positive Wirkung gehabt.

Die Tests der aktuellen PISA-Studie 2012 starten in Deutschland übrigens am Montag. Die Auswertung wird aber erst Ende 2013 veröffentlicht werden.

Thomas Grüter

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

3 Kommentare

  1. Spannend

    Dann lassen wir uns mal überraschen, was dieses mal herauskommt. Wenn sich nichts ändern würde, wäre es zumindest ein Beleg dafür, dass viel zu wenig getan wird, wie ich auch glaube.

  2. Intelligenz

    Krichard: Intelligenz wird in erster Linie vererbt, zumindest nach den neuesten Erkenntnissen.
    Lebensumstände, Möglichkeiten zur Weiterbildung, Charakter etc. bestimmen dann inwieweit diese Intelligenz in (beruflichen, künstlerischen, sozialen…) Erfolg umgesetzt werden kann.

  3. @AKurz

    Sie sind beim falschen Beitrag gelandet: trotzdem eine Antwort.
    Intelligenz ist das Ergebnis von Lernen – auch wenn die vorgegebene Hardware eine wichtige Rolle spielt. ABER: das Gehirn ist plastisch und deaktiviert Bereiche, welche nicht benützt werden – d.h. nicht die Vorgabe sondern die Nutzung ist entscheidend.
    Z.B. wer in der frühen Kindheit bis zum 2. Lebensjahr zuwenig liebevolle Zuwendung bekommen hat, bei dem wird das Niveau der Oxytocin-Produktion verringert; als Folge kann die Bindungsfähigkeit verringert werden.
    Z.B. wird bei stark schielenden Kindern das ´schlechte´ Auge nicht gezielt trainiert, dann erblindet es bis zum 5. Lebensjahr.
    z.B. lernt ein Kind bis zum ca. 8. Lebensjahr die Sprache nicht, dann wird das Zeitfenster für die Sprachlernfähigkeit geschlossen.
    z.B. wächst ein Kind zweisprachig auf, dann werden später Sprachen gemeinsam verarbeitet. Wird die zweite Sprache erst nach dem ca. 10. Lebensjahr erlernt, dann verarbeitet das Gehirn die Sprache in einem anderen Bereich

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