Top-Management-Studie in Life Sciences

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Zwischen Molekularbiologie und Medizin
Enkapsis

Mediatum ist eine branchenspezialisierte Personalberatung und berät Unternehmen der Life Sciences bei der Besetzung von Schlüsselpositionen und legte kürzlich eine Studie vor, die die Knackpunkte bei der Besetzung von Führungs- und Expertenpositionen in den Life Sciences in Österreich aufdeckte. 

Die Frage die man sich stellte war "Wo liegen die Knackpunkte bei der Rekrutierung von Führungs- und Expertenpositionen in Life Science?" Dazu wurden 67 Führungskräfte, Geschäftsführer und Abteilungsleiter aus der Life Sciences Branche aus Österreich befragt, wobei der Hauptteil der Befragten aus der klassischen Pharma-Industrie stammen, sowie aus der biotechnologischen- und medizinisch-technischen Branche als auch aus der Diasgnostik. Die befragten Konzerne teilen sich dabei in kleine, mittelgroße und große Unternehmen auf, wobei also ein guter Querschnitt befragt wurde.

Kurz zusammengefasst kam Mediatum zu folgendem Ergebnis:

Österreichs Top-Manager in Life Science legen bei der Rekrutierung von Führungskräften und Experten hohen Wert auf soziale und Management-Kompetenz, begleitet von spezifischer Berufserfahrung. Branchenfremde haben nur Chancen in Infrastrukturpositionen wie HR, Customer Services oder Finance sowie Marketing/Sales. Bei der Beurteilung der Kandidaten zählen die Befragten in erster Linie auf das persönliche Gespräch und vertrauen ihrem Bauchgefühl. 

Am erfolgreichsten verlaufen Rekrutierungsprojekte via Personalberater sowie unternehmensinternem Netzwerk; von Personalberatern wünscht man sich vorrangig spezifisches Branchen-Know how und grenzüberschreitende Suche in Form von Direktansprache/Executive Search. Suche via Medien wird zwar praktiziert, auf diesem hohen Level aber als wenig erfolgreich betrachtet.

In Gehaltsfragen orientiert man sich weniger an unternehmensinternen Gehaltsschemen, passt sich vielmehr den Marktgegebenheiten an und schnürt individuelle Gehaltspakete für Top-Performer. Die Bandbreiten in der Gehaltsstruktur sind groß, am besten verdienen Manager in C-Level-Positionen, in den kundennahen Bereichen Marketing/Sales, Business Development und in Forschung & Entwicklung.

Immer wieder kehrende Themen sind die eingeschränkte Verfügbarkeit von Top Kandidaten in Österreich speziell im C-Level Bereich und F&E sowie die fehlende Managementkompetenz. 

Die soziale Kompetenz hat es den Befragten wohl besonders angetan, denn 88% der befragten Top-ManagerInnen gaben an, bei der Beurteilung von Führungskräften genau darauf einen besonders großen Wert gelegt zu haben, was natürlich nur durch die Beurteilung der Bewerber durch das persönliche Interview möglich ist. Knapp dahinter mit 82% folgt die Führungs- und Managementkompetenz, dahinter die spezifische Berufserfahrung und das abgeschlossene Studium. Interessant ist die Wichtigkeit eines Doktortitels, da nämlich nur für 1% der Befragten dieser als wichtig erscheint. Dies hätte ich nicht gedacht! 

Die Studie kam außerdem noch zu dem Ergebnis, dass

Als Top-Ausbildungsstätten für Life Science im deutschsprachigen Raum stehen die Uni Wien und die Boku, das IMP, die TU Graz, die ETH Zürich, das EMBL und die MaxPlanck Institute in Deutschland in vorderster Reihe stehen. In USA renommieren das MIT und Harvard, in UK Cambridge und Oxford. 

Dies war auch ohne diese Studie bereits einigermaßen bekannt. Wer sich die Ergebnisse genauer anschauen möchte, kann dies hier tun, wo die komplette Studie gratis als Download zur Verfügung gestellt wird. Dort gibt es noch ein paar mehr ausgewertete Prozentzahlen und viele bunte Balkendiagramme.

Sebastian Reusch

Veröffentlicht von

Sebastian Reusch ist Naturwissenschaftler und studierte Biologie mit den Schwerpunkten Zell- und Entwicklungsbiologie, Genetik und Biotechnologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Danach arbeitete er am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin an molekularbiologischen Prozessen des Immunsystems. Derzeit promoviert er am IRI Life Sciences der Humboldt-Universität zu Berlin an grundlegenden Fragen der Zellbiologie und Biochemie des Tubulin-Zytoskeletts in Stammzellen. Seine Schwerpunktthemen hier im Blog sind Molekularbiologie und Biomedizin. Twitter: @MrEnkapsis

4 Kommentare

  1. Promotion unwichtig?

    Wow, dass die Promotion so unwichtig ist, hätte ich nicht gedacht. Da bin ich auch überrascht.

    Andererseits sind die zu besetzenden Positionen ja auch keine Stellen, die direkt was mit wissenschaftlicher Arbeit zu tun haben, Führungskräfte sind ja zum anleiten, delegieren und organisieren da.

    Oder?

  2. Direkt nicht, aber trotzdem müssen die Leute ja Bescheid wissen, bzw. auf dem aktuellsten Stand der Forschung und Wissenschaft sein, um mit anderen Unternehmen mithalten zu können. Fachwissen ist da (denke ich mal) dann genauso angebracht. Die letzten Unternehmen über die ich mich so informiert habe, dort waren viele Arbeiter in den “höheren” Positionen alle mit Doktortitel versehen. Dies sind dann genau die Leute, die die Firma auch ins Leben gerufen haben. Ein Doktortitel qualifiziert ja um einiges mehr als keiner, weswegen ich das auch nicht so ganz verstehe. Führungskräfte geben schließlich den Ton an und wie soll man das machen, wenn man keine Ahnung vom Forschungsgebiet hat? Klar nimmt das bei Unternehmen wie BASF oder Bayer andere Dimensionen an, da dort Strategien ganz anders konzeptioniert werden, wofür man sicherlich reine Kaufmänner/-frauen braucht. Mit mittelständischen oder auch kleinen Unternehmen hat man daher doch nur dann eine Chance, wenn man das gesamte Wissen ballen kann, wenn also umso mehr Fachleute mit an Bord sind. Na gut, oft hilft es auch eine gute Idee zu haben und diese umzusetzen. Dies aber mit promovierten Leuten an seiner Seite zu machen, da würde ich mich sicherer fühlen!

  3. Österreichs Top-Manager in Life Science legen bei der Rekrutierung von Führungskräften und Experten hohen Wert auf soziale und Management-Kompetenz, begleitet von spezifischer Berufserfahrung.

    Diese Qualifikationen vorweisen zu können ist im Zweifel natürlich wichtiger als ein Titel. Den haben die meisten, die für solche Posten in Frage kommen, ohnehin – vermute ich mal.

  4. @Balanus

    Ja, diese Qualifikationen sind natürlich auch nicht ohne und im Nachhinein betrachtet eher wichtiger als ein Doktor. Schliesslich kann man sich ja immer noch ins Thema einarbeiten. Hat man allerdings keine soziale Kompotenz, so kann man dies nur sehr schwierig angehen.

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