Weniger Tore in der Fußballbundesliga

Ökonomen betrachten branchenspezifisch Produktion, Wachstum und Marktanteile, um herauszufinden, was die Branche leistet, wie es der Branche geht und wer der Branchenprimus ist. In der Fußballbundesliga sind die Vereine die Unternehmen und die Mannschaft der Teil der Arbeitnehmerschaft, der den Kernprozess – Fußball spielen – ausführt. Der Verein ist wirtschaftlich erfolgreich, wenn die Mannschaft sportlich erfolgreich ist1. Die Mannschaft sollte also möglichst viele Spiele gewinnen. Wer mehr Tore schießt als sein Gegner, gewinnt das Spiel2. Wer kein Tor schießt, kann kein Spiel gewinnen.
Tore am Fließband

In der Fußballbundesliga ist es meistens so, dass die Mannschaft, die in der Spielzeit viele Spiele gewinnt, mehr Tore schießt als die Mannschaft, die in der gleichen Spielzeit viele Spiele verliert3. Ich habe mir die Torstatistik der 1. Fußballbundesliga von der Saison 1965/66 bis zur Saison 2015/2016 angeschaut (je 306 Spiele pro Saison)4. Wir schauen hier auf mehr als 15.000 Bundesligaspiele. Dabei geht es um Produktion, Wachstum und natürlich Effizienz (da während des Spiels die Zahl der Spieler pro Mannschaft nicht erhöht werden darf ) 😉

Abb.1: Tore pro Spielzeit

Abb.1: Gesamtzahl der Tore pro Spielzeit

 

Jede Mannschaft trägt ihren Anteil zur Gesamtzahl der geschossenen Tore einer Spielzeit bei. Ich habe die 18 Mannschaften anhand der jeweiligen Abschlusstabelle der Spielzeit in sechs Gruppen mit je drei Mannschaften eingeteilt (16.6 %). Wie viele Tore mehr schießen die ersten Drei der Tabelle im Vergleich zu den letzten Drei? Was ist der Anteil der ersten Drei an der Gesamtzahl der geschossenen Tore? Was ist der Anteil der letzten Drei an der Gesamtzahl der geschossenen Tore ? Hier geht es um die Marktanteile in Abhängigkeit von der sportlichen Leistung 😉

Abb.2: Tore pro Spielzeit Die ersten Drei der Spielzeit und die letzten Drei der Spielzeit

Abb.2: Tore pro Spielzeit Die ersten Drei der Spielzeit und die letzten Drei der Spielzeit

 

Abb.3: Tordifferenz

Abb.3: Tordifferenz pro Spielzeit: Zahl der Tore der ersten Drei der Spielzeit minus Zahl der Tore der letzten Drei der Spielzeit

 

Tabelle 1

Parameter Gesamtzahl der Tore Gesamtzahl der Tore der ersten Drei Gesamtzahl der Tore der letzten Drei
Mittelwert 937,24 211,08 116,38
Standardabweichung 81,5041 21,4141 15,2822
Median 903,5 210 115,5
Unteres Quartil 877 196 104,5
Oberes Quartil 1.002,75 230,25 128,75
Minimum 790 174 82
Maximum 1097 259 151

 

Abb.4: Anteil an der Gesamtzahl der Tore in Prozent

Abb.4: Anteil an der Gesamtzahl der Tore pro Spielzeit in Prozent

 

Tabelle 2

Parameter Anteil der ersten Drei an der Gesamtzahl der Tore in Prozent Anteil der letzten Drei an der Gesamtzahl der Tore in Prozent Tordifferenz der ersten Drei und der letzten Drei
Mittelwert 22,552 12,4383 94,7
Standardabweichung 1,6787 1,4382 23,3126
Median 22,5374 12,2597 97
Unteres Quartil 21,627 11,6764 80,25
Oberes Quartil 23,0903 13,1797 111,75
Minimum 17,6199 8,308 42
Maximum 27,1715 16,3067 97

 

Operationalisierung der Sportlichen Produktivität

Was ich hier gemacht habe, nennen Wissenschaftler Operationalisierung. Die Operationalisierung (oder Messbarmachung) legt fest, auf welche Weise ein (stets nur theoretisches) Konstrukt (z. B. Reichtum, Intelligenz, Gerechtigkeit) beobachtbar und messbar gemacht werden soll. Sie hat in allen empirisch arbeitenden Wissenschaften eine große Bedeutung, da sie die Grundlage dafür ist, Messungen durchführen zu können. Wichtig ist eine geeignete Operationalisierung etwa bei der Prüfung von Hypothesen. Neben dem gewählten Indikator (auch Messgröße genannt) muss für die Operationalisierung auch die Erhebungsmethode, das Erhebungsinstrument und dabei insbesondere die Teile, mit denen die empirische Informationen gewonnen werden sollen, beschrieben werden (wegen der Nachvollziehbarkeit und der Reproduzierbarkeit).

In meinem Fall war das theoretische Konstrukt „Die sportliche Produktivität der Fußballbundesliga“ wobei ich den europäischen Wettbewerb ausgespart habe. Meine Messgröße war die Zahl der Tore. Die Rohdaten habe ich von der Website Fussballdaten.de. Die Grafiken habe ich mit Excel Professional Plus 2013 erstellt und damit auch die statistischen Parameter berechnet.

Wie steht es mit der Konstruktvalidität meiner Messgröße? Die habe ich nicht geprüft. Die Konstruktvalidität gibt an, inwieweit ein Test oder Erhebungsverfahren ein interessierendes Merkmal so misst, dass es mit bestehenden Konstruktdefinitionen und Theorien übereinstimmt. Hier müsste ich zwei Bestandteile von Konstruktvalidität unterscheiden: die konvergente und die diskriminante Validität. Die konvergente Validität stellt die Korrelation zwischen verschiedenen Tests dar, die dasselbe Konstrukt messen. Die ermittelten Korrelationen5 sollten bei einem validen Test möglichst hoch ausfallen. Die diskriminante Validität bezieht sich auf Korrelationen zwischen verschiedenen Tests, die verschiedene Konstrukte messen. Da es sich um unterschiedliche Konstrukte handelt, sollten diese nur gering oder gar nicht miteinander korrelieren.

Mit anderen Worten ist die Konstruktvalidität allgemein umso so höher, je mehr die unabhängigen und abhängigen Variablen das jeweilige theoretische Konzept tatsächlich repräsentieren. Leider kann es vorkommen, dass verschiedene Tests teilweise dasselbe Konstrukt, teilweise aber zugleich unterschiedliche Konstrukte messen. Beispielsweise könnten ein Test zum Sprachverständnis und ein Test zum logischen Denken zwar unterschiedliche Facetten der Intelligenz erfassen. Zugleich ist es aber möglich, dass in beiden Testergebnissen auch die allgemeine Intelligenz einer Person einfließt. Insofern würden die unterschiedlichen Tests zum Teil auch dasselbe Konstrukt erfassen, nämlich in diesem Fall die generelle Intelligenz einer Person.

Ihr habt ein wenig hinter die Kulissen der empirischen wissenschaftlichen Arbeit schauen können und gesehen, dass Operationalisierung manchmal nicht einfach ist. Vieles bekommt der Laie natürlich nicht mit, weil er nicht dabei ist und ihm das Expertenwissen für die Zusammenhänge fehlt – aber das andere Problem ist der Publication Bias in der Wissenschaft. Was nicht funktioniert wird nicht publiziert. Mit diesem Blogbeitrag habe ich zumindest durch den Post-Publication Peer Review die Möglichkeit geschaffen, dass Andere meine Fehler ausmerzen, manches verbessern, manches ergänzen und am Ende vielleicht wirklich die sportliche Produktivität der Fußballbundesliga einigermaßen messbar wird. (Was vielleicht auf mehrere gewichtete Messgrößen, die durch eine Formel miteinander verknüpft sind, hinausläuft).

Nun ist das hier meine private Spielerei, ihr müsst euch aber vorstellen, dass Wissenschaftler in den Wirtschaftswissenschaften, den Sozialwissenschaften und den Gesundheitswissenschaften für die Politikgestaltung (Policy Making) der Regierungen wichtige Konstrukte messbar machen müssen. Was hat deren Erfolg oder Misserfolg diesbezüglich für Auswirkungen für die Bevölkerung?

Fußnoten

1. Eine Hypothese, die ich im Blogartikel nicht prüfe. Sie gründet sich darauf, dass einige Einnahmen des Vereins stark vom sportlichen Abschneiden der Mannschaft abhängig sind: Die wichtigste Einnahmequelle der Bundesliga sind die Fernsehgelder. In jeder Saison kassiert die Bundesliga mehrere Hundert Millionen Euro. Dieses Geld wird dann auf die Klubs verteilt. Je nachdem, wie eine Mannschaft in der Meisterschaft abschneidet, wie weit sie im Pokal kommt, gibt es mehr oder weniger viel aus dem gemeinsamen Topf. Mehrere Millionen gibt es dann noch für die Teilnahme in der Champions League oder Europa League. In der englischen Premier League erhalten die Vereine viel mehr Fernsehgelder als in der deutschen Bundesliga. Der FC Chelsea, Meister der Saison 2014/2015, erhielt 134 Millionen Euro. Der FC Bayern München, Meister der Saison 2014/2015, erhielt 50.6 Millionen Euro. Die Fernsehgelder werden in der Premier League aber gleichmäßiger verteilt als in der Bundesliga. Leicester City, Tabellenfünfzehnter der Saison 2014/2015 bekam 96.2 Millionen Euro, das sind 28.4 % weniger als der FC Chelsea aber fast doppelt so viel wie der FC Bayern München. FC Augsburg, Tabellenfünfzehnter der Saison 2014/2015, kassierte 24 Millionen Euro, das sind 52,6 % weniger als der FC Bayern München.

Zuschauereinnahmen und Transfergeschäfte bescheren den meisten Klubs zusätzliche Einnahmen im Millionenbereich. Catering und Fanartikelverkauf, Einnahmen aus Ausrüster- und Trikotsponsoring sind jedoch Geldquellen, die wahrscheinlich stärker von anderen Faktoren mitbestimmt werden. Oder ist es vielleicht so, dass die Mannschaft sportlich erfolgreich ist, wenn der Verein wirtschaftlich erfolgreich ist? Vielleicht liegt hier ein positiver Feedbackloop vor. Interessantes zu den Einnahmen findet ihr auf der Website Fussball-Geld.de. Zusätzlich gilt: Je erfolgreicher die Bundesligamannschaften in europäischen Wettbewerben sind, desto mehr Plätze gibt es für die Bundesligamannschaften in nachfolgenden europäischen Wettbewerben.

2. Im europäischen Wettbewerb mit Hin- und Rückspiel werden Auswärtstore sogar stärker gewichtet als Heimtore.

3. Das liegt auch daran, dass in der Bundesliga Spiele mit mehr als 4 Toren relativ selten sind. Frage an die Mathematiker hier – Spielt hier auch Benford’s Law eine Rolle? Zusätzlich gibt es seit Anfang der 90er einen generellen Trend zu weniger Toren in der Bundesliga (siehe Abb.1). Die häufigsten Ergebnisse von der Spielzeit 1963/64 bis zur Spielzeit 2008/2009. Quelle: Fußballreport

Platz 1:    1:1    1671 Spiele
Platz 2:    2:1    1237 Spiele
Platz 3:    1:0    1136 Spiele
Platz 4:    2:0    1113 Spiele
Platz 5:    0:0     943 Spiele

Abb.5: Die häufigsten Ergebnisse in der Fußballbundesliga von der Spielzeit 1963/64 bis zur Spielzeit 2008/2009

Abb.5: Die häufigsten Ergebnisse in der Fußballbundesliga von der Spielzeit 1963/64 bis zur Spielzeit 2008/2009

4. Die Saison 91/92, in der 380 Spiele stattfanden, habe ich aus der Bewertung rausgenommen.

5. Eine hohe Korrelation zwischen zwei Variablen bedeutet nicht, dass die beiden Variablen kausal miteinander zusammenhängen. Stattdessen liefern Korrelationen lediglich einen ersten Hinweis, dass dies der Fall sein könnte.

Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

20 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Joe Dramiga schrieb (17. Mai 2016):
    > Operationalisierung (oder Messbarmachung) legt fest, auf welche Weise ein (stets nur theoretisches) Konstrukt (z. B. Reichtum, Intelligenz, Gerechtigkeit) beobachtbar und messbar gemacht werden soll.

    Damit wird offenbar unterstellt, dass Begriffe wie „Reichtum, Intelligenz, Gerechtigkeit“ auch ohne vorausgehende konkrete Operationalisierung (oder Messbarmachung) nachvollziehbar und diskutabel wären; was bestreitbar scheint.

    > Wichtig ist eine geeignete Operationalisierung etwa bei der Prüfung von Hypothesen.

    Und gewiss auch schon bei der Formulierung von Hypothesen;
    jedenfalls sofern daran der Anspruch gestellt wird, nachvollziehbar und prüfbar zu sein.

    > Neben dem gewählten Indikator (auch Messgröße genannt) muss für die Operationalisierung auch die Erhebungsmethode, das Erhebungsinstrument und dabei insbesondere die Teile, mit denen die empirische Informationen gewonnen werden sollen, beschrieben werden

    Auch die Beschreibung einer bestimmten Messgröße an sich beinhaltet natürlich ihren eigenen, definitiven Messoperator (auch Messmethodik genannt).

    Mit „Erhebung“ ist dann offenbar gemeint, dass in tatsächlichen Versuchen nicht unbedingt genau dieser definitive Messoperator eingesetzt wird, sondern (aus praktischen, ökonomischen, ethischen … Gründen) ein anderer;
    dass also ersatzweise Werte einer anderen, handlicheren Messgröße ermittelt würden.

    > Nachvollziehbarkeit […]

    … ist natürlich für beide (den definitiven Messoperator, als auch den jeweiligen Erhebungsoperator) einzeln zu fordern. Darauf basierend kann untersucht werden, ob die damit ermittelten Werte Versuch für Versuch gleich bzw. in wie fern ungleich waren.

    > Konstruktvalidität gibt an, inwieweit ein Test oder Erhebungsverfahren ein interessierendes Merkmal so misst, dass es mit bestehenden Konstruktdefinitionen und Theorien übereinstimmt. […]

    Sicherlich ist es interessant, den Abstand zwischen dem definitiven Messoperator einer bestimmten Messgröße und einem bestimmten tatsächlichen Erhebungsoperator der entsprechenden Erhebungsgröße festzustellen.

    Das im SciLog-Artikel Folgende macht allerdings deutlich, dass es dort eher um „Konstrukte“ geht, die (jeweils) durch verschiedene „Merkmale“ (d.h. jeweils bestimmte Werte verschiedener Messgrößen) beschrieben/definiert sind, deren Korrelation(en) mit entsprechenden Erhebungswerten untersucht werden können.

    p.s.

    Ergänzend zum Tortendiagramm „Abb. 5“ (worin die relativen Anteile der fünf häufigstens Spiel-Endstände gezeigt sind) wären deren absolute Anteile sicherlich auch sehenswert;
    und darüber hinaus natürlich auch die (absoluten) Anteile aller anderen.

    • Wenn ich sage: Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst so habe ich das Problem, dass ich die Unterschiedlichkeit von Definition und Operationalisierung missachte. Ich habe das bei meinem Konstrukt „sportliche Produktivität der Fußballbundesliga“ auch missachtet.

      Ich hätte meinem Konstrukt eine Bedeutung bzw. Definition geben müssen. Für die Bedeutung eines Konstrukts, das ich für eine besondere Form des Begriffs halte, sind Extension und Intension wichtig.

      Extension: Gesamtheit der Objekte, auf die ein Begriff zutrifft; (eine extensionale Aufzählung ist nicht immer möglich)

      Intension: Gesamtheit der gemeinsamen Eigenschaften, die die Objekte haben, auf die ein Begriff zutrifft.

      Um einen vagen Begriff zu präzisieren habe ich folgende Möglichkeiten:

      Extensionale Festlegung (Aufzählung)

      Einengung der Extension (Einführung zusätzlicher Merkmale)

      Erweiterung der Extension (Eliminierung von Merkmalen)

      Voraussetzungen für eine konsistente Verwendung eines Begriffs sind Eindeutigkeit und Präzision.

      Eindeutigkeit: Begriffsverwendung in immer gleicher, einheitlicher Bedeutung

      Präzision: Für jeden Begriff soll entscheidbar sein, ob etwas unter diesen Begriff fällt.(extensionale Präzision); alle Eigenschaften des Begriffs sollen bekannt sein (intensionale Präzision)

      Ich behaupte mal frech, dass diesbezüglich (Bedeutung/Definition) einige wissenschaftliche Konstrukte „Work in Progress“ sind. Noch im Mai 2006 (also vor ca. zehn Jahren) schrieb Helen Pearson in Nature einen Artikel mit dem Titel „What is a gene?“ Ein Laie wird erstaunt einwenden: „Ich dachte, dass wüsstet ihr Genetiker schon!“ Es ist einiges in der Genetik entdeckt worden, dass uns zwang unsere vorige „rigide“ Defintion aufzugeben und zu erweitern.

      Über dem Tortendiagramm (Abb.5) ist eine Tabelle, die die absoluten Werte für die relativen Werte im Tortendiagramm zeigt. Ich vergaß diese Tabelle zu beschriften.

      • Joe Dramiga schrieb (19. Mai 2016 0:30):
        > Über dem Tortendiagramm (Abb.5) ist eine Tabelle, die die absoluten Werte für die relativen Werte im Tortendiagramm zeigt. Ich vergaß diese Tabelle zu beschriften.

        Worauf ich hinauswollte war die Frage, aus wie vielen Spiele insgesamt diese Tabellenwerte gezählt wurden (deswegen fragte ich oben nach „absoluten Anteilen“); sicherlich aus deutlich weniger als 15’000, aber immerhin wohl aus ca. 12’000.

        > […] die Unterschiedlichkeit von Definition und Operationalisierung

        Dem setze ich die (durchaus dreiste) These entgegen, dass schon William Ockham solche Unterscheidungsversuche ausmerzen wollte.
        (Aber leider sind davon höchstens Worte überliefert…)

        • @ Herr Wappler :

          die Unterschiedlichkeit von Definition und Operationalisierung

          Klingt doch sehr gut und nicht dem Sparsamkeitsprinzip entgegen stehend, wie auch ‚ Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst so habe ich das Problem […]‘.

          MFG
          Dr. Webbaer

      • @ Joe Dramiga

        Ein Tortendiagramm (hier ein Ringdiagramm) zu verwenden, wenn nur ein Anteil vom ganzen Kuchen verteilt werden soll, das hat schon etwas sehr Hausbackenes an sich. Das sollte im Profibereich verboten werden. Bei über 14000 Spielen bilden die dargestellten 6100 sogar nur die deutlich ‚kleinere Hälfte‘ vom Ganzen ab.

        Du könntest die im Diagramm (das offensichtlich von einer Amateur-Seite stammt) angegebenen Prozentzahlen also zunächst noch brauchbar machen – sie operationalisieren?

          • Da kann ich unterstützen:

            Was sind die 5 häufigsten Bundesligaergebnisse?

             1:1  11,81%
             2:1   8,74%
             1:0   8,03%
             2:0   7,87%
             0:0   6,66%

            Dabei bin ich von 14150 Spielen (45 * 306 + 1 * 380) ausgegangen.

  2. @Frank Wappler Nochmal zur Unterschiedlichkeit von Definition und Operationalisierung

    Früher dachten wir, wir wüssten was Schwerkraft ist. Newton hatte sogar eine Formel gefunden, um sie zu messen. Dann kommt ein Einstein und sagt: Leute! Wir müssen reden…. Über was? Die Krümmung der Raumzeit… Huch!

    • Joe Dramiga (19. Mai 2016 7:15):
      > Früher dachten wir, wir wüssten was Schwerkraft ist. […]

      Schon ganz früher wussten wir:
      Wenn wir den Hammer losgelassen haben, und danach der Fuß wehtat, dann hätten wir lieber schneller daran gedacht, den Fuß woanders hinzustellen.

      Mittlerweile denken wir:
      Wenn wir den Hammer losgelassen haben, und danach der Fuß wehtat, dann ist der Strick abgerissen, an dem der Hammer ansonsten hätte hängenbleiben sollen.

      Zwischendurch hat wohl jemand darüber nachgedacht, woher wir denn wüssten, was wir früher zu wissen glaubten …

      • @ Herr Wappler :

        Bei der guten alten, womöglich griechischen, altgriechischen, Frage, was wohl passieren wird, wenn sich eine Hand, die einen Stein beinhaltet, öffnet, bedingt die Definition idT die Operationalisierung, wobei dies nicht ganz klar ist, Ihr Kommentatorenfreund aber auch nicht sonderlich nagen wird.
        In der Mathematik, in der Tautologie sozusagen, bedingen die definitorische Bereitstellung von Objekten womöglich zwingend, ganz sicher ist dies auch nicht, bestimmter Operationalisierung.
        In der Natur, in den Naturwissenschaftlichkeit, schaut es ga-anz anders aus, so könnte bspw. die sogenannte Intelligenz im Grundsatz irgendwie klar gestellt sein, konzeptuell, aber es böten sich dann doch unterschiedliche Operationalisierungen an, die jeweils der Definition entsprechen.


        Im WebLog-Artikel ist die Naturwissenschaft gemeint, sich am Fußball aufhängend, sozusagen.

        HTH
        Dr. Webbaer

        • Dr. Webbaer schrieb (19. Mai 2016 11:34):
          > […] im Grundsatz irgendwie klar gestellt sein, konzeptuell

          Diese Formulierung wirkt (auf mich jedenfalls) nicht besonders … definitiv.
          (Eine Bewertung, ob dabei/deshalb auch entsprechend wenig intelligent formuliert wurde, oder z.B. stattdessen gerade besonders intelligent, kann und möchte ich hier nicht vornehmen …
          (Man müsste sich dazu ja zunächst auf einen bestimmten/nachvollziehbaren definitiven Messoperator festlegen. Und dann wäre noch gar nicht gesichert, dass sich damit aus den vorliegenden Daten überhaupt ein eindeutiger Messwert gewinnen ließe; dass die Datenlage überhaupt ein Eigenzustand des gewählten definitiven Messoperators gewesen sei.))

          > aber es böten sich dann doch unterschiedliche Operationalisierungen an, die jeweils der Definition entsprechen.

          Im obigen SciLogs-Artikel ist ja (interessanterweise) neben „ bestehenden Konstruktdefinition[en]“ auch von „Erhebung[en]“ die Rede. Diese Einteilung scheint sich anzubieten, um ggf. zwischen Prinzip(ien) und … Tatsache(n) zu dribbeln.

          • @ Herr Wappler :

            Ihr Kommentatorenfreund bleibt oft ein wenig vage, wenn es ein wenig vage zu bleiben gilt, idealerweise.

            Sie sind generell stringenter, orthogonaler denkend sozusagen; bei der sogenannten Intelligenz, die vor vielleicht 100 Jahren entwickelt worden ist, in Konkurrenz zu anderen, älteren Konzepten wie bspw. der Klugheit, der Verständigkeit, der Schlauheit und der Weisheit, die auch „ein wenig“ vage sind, gilt es anscheinend vage zu bleiben.

            D.h. es gibt bei der sogenannten Intelligenz einige Ideen, die konzeptualisiert werden, nämlich erstens, dass eine Aggregation der o.g. Konzepte gemeint sein müsste, vor einem kulturellen Hintergrund, was hier und heute intelligent ist, ist es an anderem Ort und / oder zu anderer Zeit und / oder in einer anderen Kultur nicht, zweitens, dass die Messbarkeit angestrebt bis erreicht werden kann, die Faktorisierung („Zerlegung“), und drittens, dass die vage Definition der sogenannten Intelligenz auf unterschiedliche Art und Weise, nämlich sozusagen an Ort und Zeit und Kultur gebunden, ganz unterschiedlich operationalisiert werden kann.

            Finden Sie nicht?`
            Sind Sie „intelligent“?

            MFG
            Dr. Webbaer (dem auch gerne anvertraut werden kann, wenn bei Ihnen „Besonderheit“ vorliegt, ganz niederrangig in dieser Kommentatorik)

          • Dr. Webbaer schrieb (20. Mai 2016 9:21):
            > erstens, dass eine Aggregation der o.g. Konzepte gemeint sein müsste

            Wären die o.g. Konzepte an sich nachvollziehbar definiert, dann ließe sich deren eventuelle Kompatibilität (oder Inkompatibilität) usw. bedenken/diskutieren.

            > was hier und heute […] ist, ist es an anderem Ort und / oder zu anderer Zeit und / oder in einer anderen Kultur nicht

            Das erinnert an die Strukturierung von gegebenen Beobachtungsdaten in einzelne Versuche, die jeder für sich zu bewerten sind (durch Anwendung des selben, nachvollziehbaren Messoperators), deren Einzelergebnisse (deshalb) kommensurabel sind, aber eben nicht unbedingt Versuch zu Versuch gleich (ggf. auch trotz eventueller anderweitiger Ähnlichkeiten der Datenlagen der Einzelversuche).

            > zweitens, dass die Messbarkeit angestrebt bis erreicht werden kann,

            Immer.

            > die Faktorisierung („Zerlegung“)

            (wie geläufig sein dürfte: insbesondere in Bestimmungen von Koinzidenzen (oder ansonsten: Reihenfolgen, oder Identitäten von Beteiligten))

            > drittens, dass die vage Definition der sogenannten Intelligenz auf unterschiedliche Art und Weise, nämlich sozusagen an Ort und Zeit und Kultur gebunden, ganz unterschiedlich operationalisiert werden kann.

            Was wohl nicht mehr besagt, als dass gewisse verschiedene Messgrößen,
            die bei aller eventuellen Unterschiedlichkeit wohl alle auf Datenlagen anwendbar sind, dass ein identifizierbarer Beteiligter Versuch für Versuch sowohl mit der Unterscheidbarkeit als auch der Aggregation von sich selbst und etwas bzw. allem Anderen konfrontiert ist,
            und die (bzw. deren Ergebnisse) auf sicherlich ganz unterschiedliche Weisen zusammengefasst werden können,
            bisweilen recht unspezifisch zusammen als „Maße der Intelligenz“ bezeichnet werden mögen.

            > Finden Sie nicht? Sind Sie „intelligent“?

            Sofern das nicht mehr voraussetzt, als eine gewisse (selbstbewusste) Ahnung davon zu haben, was „Aggregation“ betrifft und was damit zusammenhängt (oder sogar synonym ist), und etwa so viel auch anderen zuzugestehen,
            halte ich mich tatsächlich für fähig, „intelligent“ zu wirken (wenn ich mich nicht gerade zu schusselig anstelle);
            und meine/unsere Kommentatorfreunde erst recht.

          • @ Herr Wappler :

            dem auch gerne anvertraut werden kann, wenn bei Ihnen „Besonderheit“ vorliegt, ganz niederrangig in dieser Kommentatorik

            Gerne mal den Schaden und die Schadensgröße, die auf Ihrer Seite womöglich vorliegt, bestimmen, es bleibt unter uns.

            MFG
            Dr. Webbaer (der ebenfalls einzuräumen hat als Kunstfigur als megaloman angelegt zu sein und als Kunstfigur weitergehend zu leiden hat – jetzt mal Butter bei die Fische, so kann’s doch mit Ihnen nicht weitergehen…)

  3. @ Herr Dr. Dramiga :

    Weniger Tore in der Fußballbundesliga

    Sie haben ganz bewusst die Anzahl der erzielten Tore betrachtet, um A) eine möglichst große Datenbasis zu haben und B) weil die Betrachtung so vglw. einfach ist und C) um ein wenig Verwirrung [1] zu stiften?!
    Alternativ – ‚Der Verein ist wirtschaftlich erfolgreich, wenn die Mannschaft sportlich erfolgreich ist.‘ – ginge es die jeweiligen Saisons zu betrachten und das Erreichen wichtiger Saisonziele, wie bspw. den Meistertitel und die Qualifikation für weitere, auch internationale, Wettbewerbe, oder den Nicht-Abstieg, was aber die Datenprobe verkleinert und zudem i.p. Recherche anspruchsvoll ist.
    Läge diesbezüglich eine Analyse vor, könnte auf die Management-Leistung geschlußfolgert werden, also darauf inwieweit (ehemaliger) sportlicher Erfolg einzelner Klubs mit deren (heutigen) wirtschaftlichen Leistung korreliert, am heutigen Vereins-Etat vielleicht ablesbar.
    (Was aber wegen der Auf- und Abstiegsregelungen, wie auch wegen des Vorhandenseins von Groß-Sponsoren, wie bspw. Bayer, VW und Red Bull, wohl i.p. Erkenntnis nichts bringt.)

    [1]
    Vermutung: Es ging darum Evidenz zu schaffen, dass das Schießen von Toren mit der, nun womit eigentlich?, mit der ’sportlichen Produktivität‘ korreliert.
    Nein, dies wohl nicht.
    Also wohl mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Bundesligavereine.
    Hmm.

    • PS:
      OK, schon verstanden, es lag eine Skizze des üblichen empirischen wissenschaftlichen Vorgehens vor, im Sinne von ‚If You Can’t Measure It, You Can’t Manage It!‘ und ‚Measure what can be measured, and make measurable what cannot!‘ vor, woll?

  4. „Die sportliche Produktivität der Fußballbundesliga“

    Produktivität im Fußball kann natürlich auch im Verhindern von Toren bestehen. Nicht jeder, für den viel Geld bezahlt wird, ist ein Stürmer.

    Stephen Jay Gould hat in seinem Buch ‚Illusion Fortschritt‘ ein ähnliches Szenario beim Baseball untersucht. Dort wertet er das Aussterben des Trefferdurchschnitts von 0,400 beim Batter eher als ein Zeichen für Verbesserung in diesem Sport.

  5. @ Joe Dramiga

    Man könnte ja damit anfangen, die pro Spiel kassierten Treffer zu zählen [1]. Kein Gegentreffer würde für hohe sportliche Produktivität einer Mannschaft sprechen, alles andere wäre schlechter, Stichwort ‚Catenaccio‘

    Es gibt sogar Trainer, die meinen, dass jedem Treffer ein Fehler der Verteidigung vorausgegangen sein muss. (Eine Meinung die ich allerdings nicht teile, ich halte die Sachlage für komplizierter.)

    Bedenke bitte auch, Spiele mit vielen Toren, speziell auch mit hoher Tordifferenz, wie z.B. das 12:0, Gladbach – Dortmund vom 29.4.78 [2], werden im Allgemeinen nicht als sportliche Höchstleistungen wahrgenommen, auch nicht der Sieger.

    [1] Das wäre nicht komplizierter als die erzielten Treffer zu zählen. In der Summe dürfte sich eine ähnliche Zahl ergeben.

    [2] Weitere Beispiele findet man hier: http://www.transfermarkt.de/1-bundesliga/hoechsteSiege/wettbewerb/L1

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