Hat die heimische Diashow in der Naturfotografie bald ausgedient?

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Das Wetter wird schöner, die Tage länger, das sind für die Hobbyfotografen unter den Naturfreunden gute Gründe mal wieder die Kamera auszupacken und für tolle Motive durchs Gestrüpp zu stampfen. In den letzten zwei Wochen bekam ich von diesen Menschen viele schöne Tier- und Naturbilder in meiner Timeline auf Twitter zu sehen. Sie dokumentieren eindrucksvoll die Vielfalt der Tiere und Pflanzen im Ökosystem Wald.

Ein Kudu (Tragelaphus strepsiceros) im Zoo von Thoiry, Frankreich Quelle
Credit: Vassil Ein Kudu (Tragelaphus strepsiceros) im Zoo von Thoiry, Frankreich Quelle

Als technophiler Biologe denke ich aber über die heimische Diashow hinaus und erhoffe mir eine bessere Vermittlung der visuellen Erlebnisse durch die neuen digitalen Technologien. Anlass für diesen Optimismus geben mir neue Entwicklungen bei Virtual Reality-Brillen, selbst gesteuerten Drohnen und 360-Grad-Fotografie, die im März auf der CeBit in Hannover vorgestellt wurden.

Stell Dir vor Du setzt zu Hause einfach eine Brille auf und begibst Dich dann in einen Nationalpark in Kenia oder fliegst in einem Helikopter über den Urwald im Amazonasgebiet. Wie in der Realität kannst Du deinen Kopf beliebig bewegen, um Dich umzuschauen. Mit Virtual Reality (VR)-Brillen wird das in den nächsten Jahren möglich. Neben Facebook mit Oculus Rift steht HTC mit dem Modell Vive in den Startlöchern.

Damit Du Dich mit einer VR-Brille an einen anderen Ort begeben und Dich dort frei umschauen kannst, sind Aufnahmen erforderlich, die eine komplette Umgebung in einer 360-Grad-Ansicht festhalten. Die Luna-360-Kamera z. B. arbeitet mit zwei Fischaugen-Kameraobjektiven und fotografiert und filmt die Umgebung im Rundum-Modus.

Du kennst die Frage bei der heimischen Diashow: „Äh, wo war das noch mal?“ Wenn Du also in Zukunft Fotos erstellst, dann solltest Du darauf achten, dass der GPS-Empfänger deines Geräts aktiviert ist und ein Satellitenfix vorliegt. In diesem Fall wird jedes aufgenomme Bild oder Video mit den aktuellen GPS-Koordinaten versehen, man spricht in einem solchen Fall von Geotagging. Wenn Du später das Bild am PC mit Googles Bildbearbeitungsoftware Picasa betrachtest , wird der Aufnahmeort in den Google Maps angezeigt.

Du kannst Dich bei deinem nächsten Ausflug in die Natur von einer Drohne verfolgen und filmen lassen. Lily heißt das Fluggerät, das Du einfach in die Luft wirfst und das Dir dann automatisch folgt. Deine Position ermittelt Lily anhand eines kleinen Chips, den Du mit Dir führst. Was die Drohne aufnimmt, lässt sich direkt auf die VR-Brille übertragen. Zusätzlich stellt Drohnenspezialist DJI ein neues Modell vor, das mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, um beispielsweise auch unwegsame Gebiete nach vermissten Personen abzusuchen.

Wenn solche Geräte ähnlich wie Smartphones und Tablets für jedermann bezahlbar werden und auch die benötigte Software, dann hat die heimische Diashow bald ausgedient. Bis dahin werden noch einige Jahre ins Land gehen…

Zusätzlich glaube ich, dass in naher Zukunft Biologen und Geografen diese Technologien bei wissenschaftlichen Exkursionen in Ökosysteme nutzen werden. Unter wissenschaftlicher Anleitung werden dann für entsprechende Citzen Sciene-Projekte Informationen mittels Crowdsourcing gesammelt.

Übrigens, Kudus gehören zu den schönsten Tieren der Welt – falls Ihr das noch nicht wusstest 😉

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Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

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