AfricArxiv: ein Preprintserver für afrikanische Forscherinnen und Forscher

AfricArxiv ist ein Preprintserver für afrikanische Forscher*innen innerhalb und außerhalb Afrikas auf dem sie ihre Fachartikel online veröffentlichen können, bevor sie diese bei einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift einreichen. Das hilft ihnen ihre Fachartikel schnell mit anderen Wissenschaftlern/innen zu teilen, da von der Einreichung bis zur Veröffentlichung eines Manuskripts bei einer Fachzeitschrift sechs Monate bis zu einem Jahr vergehen können. Vor allem Postdocs, die gerade ihre Doktorarbeit beendet haben, profitieren davon: Wenn sie sich auf eine neue Stelle oder um Drittmittel bewerben, kann ein veröffentlichter sogenannter Preprint die erfolgreiche Forschungstätigkeit besser nachweisen, als eine bibliografische Referenz mit dem Zusatz „to be submitted“ oder „under review“. Damit diese Fachartikel nicht hinter einer Paywall verschwinden sind Postprints1, also solche Manuskripte, die den Peer-Review bereits durchlaufen haben und bei einer Fachzeitschrift zur Veröffentlichung akzeptiert worden sind, bei AfricArXiv ebenfalls willkommen.

Indexierung der Preprints mit bibliografischen Metadaten

AfricArxiv ist eine freie Open-Access2– und Open-Source3-Plattform, die seit Juni 2018 existiert. Im Gegensatz zu einer Veröffentlichung auf einer gewöhnlichen Website sorgt der Betreiber des Preprintservers, hier das Open Science Framework (OSF), dafür, dass die Dokumente für sehr lange Zeit archiviert und die aufgenommenen Dokumente anhand bibliografischer Metadaten eingeordnet werden. Bibliografische Metadaten4 sind Daten über die gespeicherten Dokumente wie z. B. Autorennamen, Sprache, Fachgebiet, Schlagwörter auf Basis der Dokumenteninhalte.

Diese sogenannte Indexierung der Dokumente sorgt für eine schnellere Auffindbarkeit der Dokumente auf der Website. Den Preprints auf AfricArxiv wird ein dauerhafter Digital Object Identifier (DOI) zugewiesen, der das Risiko mindert, dass jemand das Dokument plagiiert. Der DOI ist ein dauerhafter Name, der zur Zitierung und Verlinkung von Internet-Texten, verwendet wird. Über den DOI-Namen sind dem Dokument aktuelle Metadaten zugeordnet. Der DOI-Name besteht aus einer eindeutigen alphanumerischen Zeichenfolge und führt direkt zum Speicherort des bezeichneten Textes.

Kichango kuchangizana (Suaheli) Jeder sollte seinen Beitrag leisten, wenn für etwas gesammelt wird.

Die Verbesserung der Sichtbarkeit afrikanischer Wissenschaft

AfricArxiv möchte weltweit die Sichtbarkeit der afrikanischen Wissenschaft verbessern, zusätzlich wendet es sich aber auch an nicht-afrikanische Wissenschaftler*innen, deren Forschung einen Bezug zu Afrika hat. Die Idee zu AfricArxiv entstand durch Tweets der Teilnehmer*innen des Open Science-Gipfels in Kumasi, Ghana, im April 2018. AfricArxiv hat auch eine Facebook-Seite und einen Twitter-Account. AfricArxiv wird ehrenamtlich von insgesamt 12 afrikanischen und nicht-afrikanischen Wissenschaftlern/innen aus Benin, Sierra Leone, Ghana, Kenia, Tansania, Nigeria, den USA, UK, Schweden und Deutschland betreut.

Das Logo von AfricArxiv auf Social Media

AfricArxiv archiviert Preprints, Postprints, Code und Daten. Es begrüßt ausdrücklich Dokumente in afrikanischen Sprachen wie z. B. Akan, Zulu und Suaheli. Fachartikel in afrikanischen Sprachen werden von den Moderatoren/innen erst inhaltlich überprüft, bevor sie dort veröffentlicht werden. Afrikanische Forscher*innen, die Fachartikel in einer afrikanischen Sprache einreichen, sollten daher schon bei der Einsendung Fachkollegen/innen benennen, die Muttersprachler*innen der jeweiligen Sprache sind und den Inhalt des Manuskripts bezeugen können. Außerdem werden diese Fachartikel mit einer kurzen Zusammenfassung in Englisch/Französisch versehen.

Akili ni mali (Suaheli) Wissen ist Reichtum

Youtube Video über AfricArxiv

Fußnoten

1. Forscher*innen die unsicher sind, ob die Fachzeitschrift, in der sie später veröffentlichen wollen oder bereits veröffentlicht haben, eine Veröffentlichung auf AfricArxiv erlaubt, können auf der Webseite der Vereinigung SHERPA (SHERPA/RoMEO) nachschauen, welche Formen der digitalen Veröffentlichung die Fachzeitschrift bzw. der betreffende Verlag gestattet.

2. “Open Access meint, dass diese Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte, sodass Interessierte die Volltexte lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen können, ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren jenseits von denen, die mit dem Internetzugang selbst verbunden sind. In allen Fragen des Wiederabdrucks und der Verteilung und in allen Fragen des Copyright überhaupt sollte die einzige Einschränkung darin bestehen, den jeweiligen Autorinnen und Autoren Kontrolle über ihre Arbeit zu belassen und deren Recht zu sichern, dass ihre Arbeit angemessen anerkannt und zitiert wird.” Erklärung der Budapest Open Access Initiative

3. Mit Open Source wird Computersoftware bezeichnet, deren Programmcode für jeden Interessierten frei einsehbar ist. Diese dürfen das Programm selbst bearbeiten und an Ihre eigenen Bedürfnisse anpassen. Dafür sind in der Regel Programmierkenntnisse erforderlich. Die geänderte und verbesserte Programm-Datei dürfen Sie auch weiterverbreiten. Beispiele für Open Source Programme sind Firefox, OpenOffice und der VLC Media Player. Open-Source Software kann typischerweise lizenzkostenfrei aus dem Web heruntergeladen. Bekannte Vertreter entsprechender Lizenzmodelle in diesem Umfeld sind GNU, GPL und die Apache-Lizenz. Open Source-Anwendungen sind oft kostenlos. Allerdings handelt es sich nicht um einen geschützten Begriff und es gibt keine Garantie, dass Sie solche Programme gratis erhalten. So verlangen manche Programmierer eine Bezahlung für die Herausgabe des Quellcodes.

4. Die hierarchisch aufeinander aufbauende Struktur der bibliografischen Metadaten wurde unter dem Namen “funktionale Anforderungen an bibliographische Eintragungen” von der IFLA (International Federation of Library Associations and Institutions) erarbeitet.

Weiterführende Literatur

African Open Science Platform

Joe Dramiga

Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

9 Kommentare

  1. Afrika Arxiv Twitter präsentiert eine Vielzahl von Stimmen ( darunter viele afrikanische Forscherinnen) und Themen (von Artificial Intelligence als Diagnosehelfer über Genomik bis zur Klimaadaption in Afrika).
    Man hat den Eindruck eines Aubruchs – allerdings kann das täuschen, denn Twitter gibt ja kein repräsentatives Bild.

    Ehrlich gesagt bin ich nicht in der Lage, die Sinnhaftigkeit eines afrikanischen Arxiv zu beurteilen. Soviel ich weiss gibt es jedenfalls kein indisches oder chinesisches arxiv. Indische und chinesische Forscher und Forscherinnen publizieren wohl direkt im arxiv der Cornell-Universität.

    Sinn macht ein afrikanisches arxiv wohl damit, dass es Publikationen in afrikanischen Sprachen erlaubt. Wer in einer afrikanischen Sprache publiziert, der hat sein Publikum wohl auch in Afrika. Allerdings verstehen ja selbst nur wenige Afrikaner eine der vielen afrikanischen Sprachen. Immerhin ist im Zeitalter der automatischen Übersetzer das kein unüberwindbares Hindernis mehr.

    Das grösste Hindernis für afrikanische Forscher und Forscherinnen ist wohl die Finanzierung ihrer Forschung, denn Forschung wird meist von den Staaten finanziert in denen die Forscher*innen aktiv sind, also von afrikanischen Ländern. Die Wirtschaftsleistung der meisten afrikanischen Länder ist aber so gering, dass wohl nur wenig für die Forschung übrig bleibt.

    Ein afrikanisches arxiv, das vor allem Forschungen zu afrikanischen Themen und zu für Afrika wichtigen Technologien veröffentlicht, ist allerdings allein schon deshalb sinnvoll, weil es die Forscher*innen und Leser*innen von africanArxiv auf diesem riesigen und vielfältigen Kontinent miteinander in Verbindung bringt

    • Arxiv lagert nur Preprints aus der Physik, während AfricArxiv Preprints aus den Naturwissenschaften, den Geisteswissenschaften und anderen Fächern speichert. Es gibt Arabixiv für Preprints in Arabisch und INA-Rxiv ist ein Preprintserver für Indonesien. Für eine Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift müssen die Autoren bezahlen, das Geld müssen die Universitäten auch haben.

  2. Ich war dieses Jahr an einer Astronomie Konferenz in Ghana und war ein wenig erstaunt, dass viel mit afrikanischen Journalen gearbeitet wird. Da kam bei mir eher die Sorge auf, dass da eine Parallelgesellschaft aufgebaut wird, als dass für die Einbettung der afrikanischen Universitäten in die internationale Wissenschaftsgemeinschaft gearbeitet wird – was für Universitäten ausserhalb von Südafrika doch ein starkes Bedürfnis ist.

    Also, ich sehe – zumindestens in meinem Feld – eher Nachteile als Vorteile, wenn auf africanArxiv, anstelle von arxiv publiziert wird.

    Eine Frage: Ist es wirklich von Vorteil, wenn Forschungsresultate in afrikanischen Sprachen verfasst werden?

    • „Ist es wirklich von Vorteil, wenn Forschungsresultate in afrikanischen Sprachen verfasst werden?“

      Ich denke schon! Afrika könnte sich so von den Kolonialsprachen emanzipieren. Zudem werden Forschungsresultate von der Bevölkerung stärker verstanden und akzeptiert, wenn sie in einer Regionalsprache vermittelt werden. Aufgrund der afrikanischen Sprachenvielfalt könnte das Projekt allerdings etwas überambitioniert sein, aber wie heißt es so schön: Auch die weiteste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

      Siehe dazu auch: https://www.goethe.de/prj/lat/de/ide/afr.html

    • Globale Reichweite ist nicht alles, es gibt auch andere Aspekte. In der afrikanischen Muttersprache statt in einer Fremdsprache zu schreiben, finde ich grundsätzlich gut für die Autorin/den Autor, da sie oder er so viel besser seine Gedanken ausdrücken kann. Es kann helfen bestimmte Sprachgemeinschaften an Wissenschaft heranzuführen, wenn in der Sprache auch zusätzlich Wissenschaftskommunikation betrieben wird. Zusätzlich denke ich, dass die Muttersprache z. B. in Ethnologie, Kulturwissenschaften, Vergleichender Religionswissenschaft ein viel größeres Gewicht hat als in der Astronomie. Außerdem werden dann in der Muttersprache neue Worte erfunden und das wird umso schneller geschehen, je mehr das Wissen dieser Menschen wächst. Viele afrikanische Universitäten haben gar nicht die Geräte, die Software und damit auch nicht die Methoden zur Verfügung, um die Experimente zu machen, deren Ergebnisse sie entspechend in einer internationalen Fachzeitschrift publizieren können.

      • Außerdem werden dann in der Muttersprache neue Worte erfunden und das wird umso schneller geschehen, je mehr das Wissen dieser Menschen wächst.

        Ein wichtiger Punkt und auch insofern scheint dem Schreiber dieser Zeilen das Vorhaben begrüßenswert zu sein.
        MFG – WB (der sich bewusst ist, wie anderswo gesprochen, geredet wird)

  3. es ist etwas OT, aber vielleicht doch interessant: Ich war einigermaßen verblüfft, als ich vor einiger Zeit auf eine von der Universität in Antananarivo (Hauptstadt Madagaskars) vorgehaltenen Datenbank mit madagassischen akademischen Abschlußarbeiten im Volltext stieß.

    Die DB enthält Arbeiten ab 2002, zur Zeit ca. 28.000 an der Zahl.

    Vous trouverez sur ce portail, l’ensemble des thèses et mémoires soutenus devant les six universités publiques de Madagascar et déposés auprès des bibliothèques universitaires depuis le 23 mai 2002, dans le cadre du projet Cyberthèses, soit en format html ou en format pdf.

    die Arbeiten sind in verschiedenen Sprachen, großenteils wohl französisch oder madegassisch, auch ein paar deutschsprachige sind dabei.

    http://biblio.univ-antananarivo.mg/theses2/

    zur Zeit über die Webseite der Bibliothek leider nur über einen etwas krummen Suchweg zufinden, wenn man den Link nicht hat.

  4. Niemand hat etwas gegen Identitarismus, in diesem Fall, nichts gegen Kontentionalimus, sozusagen.
    MFG + weiterhin viel Erfolg!
    Dr. Webbaer

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