Der Ramadan. Das Fasten im Islam

Das Fasten (arab. Saum/ siyam) im Ramadan ist eines der wichtigsten Gebote des islamischen Glaubens und gehört, wie das Glaubensbekenntnis, die fünf täglichen Gebete, die Almosensteuer und die Pilgerfahrt nach Mekka, zu den fünf Säulen des Islams.

Der Ramadan ist der neunte Monat des arabischen Mondkalenders. Da das Mondjahr ca. elf Tage kürzer als das Sonnenjahr ist, verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr um diese Anzahl von Tagen nach hinten. Im letzten Jahr begann der Fastenmonat am 1. September; in diesem Jahr hat er am 21. August begonnen. Nächstes Jahr ist der Beginn des Fastens um den 10. August herum anzusetzen.

Während der Ramadan also noch vor einigen Jahren auf die Wintermonate fiel, in denen die Zeitspanne des Fastens kurz war, fällt er in den kommenden Jahren auf die Sommermonate, in denen man, wie zum Beispiel im Juni, um die 20 Stunden täglich zu fasten hat.

In diesem Monat ist den Muslimen auferlegt von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang weder zu essen noch zu trinken und auch keinen Geschlechtsverkehr auszuüben. Das Rauchen ist ebenfalls untersagt.

Die Verpflichtung zum Fasten beginnt mit der Pubertät, jedoch muss der Fastende geistig und körperlich dazu imstande sein.

Vom Fasten befreit sind Reisende, Kranke, Schwangere, Frauen während ihrer Menstruation und Schwerarbeiter (dieser darf selbst ermessen ob er fasten kann oder nicht). Diese können die versäumten Tage im Laufe des Jahres nachholen. Ist dies aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, dann kann man für jeden nicht gefasteten Tag einen Bedürftigen für einen Tag mit Nahrungsmitteln versorgen oder ihm einen bestimmten Betrag überlassen mit dem er einen Tag auskommen kann.

Neben diesen praktischen Aspekten sind ethisch-moralische Grundsätze während des Ramadans besonders zu beachten. Üble Nachrede, Verleumdung, Lüge, Beleidigungen und Streit sollen unbedingt vermieden werden.

Sinn und Zweck des Fastens ist primär die Einhaltung eines von Gott auferlegten Gebotes. Das Fasten ist für Gott und er wird es belohnen, so heißt es in einer Überlieferung. Anderen Überlieferungen zufolge hat das Fasten auch eine reinigende Funktion: demjenigen, der das Fasten gewissenhaft eingehalten hat werden seine Sünden vergeben.

Des Weiteren sollen die Menschen lernen gegen das eigene Ego anzukämpfen und für Gottes Willen eine bestimmte Zeit auf ihre Bedürfnisse zu verzichten. Damit ist auch ein sozialer Aspekt verbunden: Spürt man selbst, was es bedeutet Hunger zu haben und nicht essen zu können, dann kann man eher nachvollziehen, wie es armen Menschen geht, die womöglich Hunger ausgesetzt sind. Dadurch steigt die Bereitschaft sich stärker für das Allgemeinwohl zu engagieren. Es soll durch das Fasten also unter anderem ein Solidaritätsgefühl mit den Bedürftigen hervorgerufen werden.

Aus demselben Grund muss jeder Fastende am Ende des Monats eine Spende an Bedürftige abgeben. Die Spende soll den Zweck erfüllen, dass sich auch arme Menschen am Fest, das auf den Ramadan folgt, sich und ihren Familien eine gute Mahlzeit (oder Kleidung, etc.) leisten können.

Im Allgemeinen wird empfohlen, in diesem Monat sich seinen Mitmenschen gegenüber, allen voran den Armen unter ihnen, besonders großzügig zu zeigen.

Warum wird aber ausgerechnet in diesem Monat gefastet und warum ist er für die Muslime so heilig?

Im Monat Ramadan des Jahres 610 soll Muhammad eines Nachts die erste Offenbarung empfangen haben, was auch seine Berufung zum Propheten zufolge hatte. Der Koran widmet dieser Nacht eine kurze Sure aus der Zeit in Mekka, die den Namen „Das Schicksal“ (arab. al-Qadr; manchmal auch als „Die Bestimmung“ übersetzt) trägt:

„Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. >Wir haben ihn wahrlich in der Nacht des Schicksals herabgesandt. Und was lässt dich wissen, was die Nacht des Schicksals ist? Die Nacht des Schicksals ist besser als tausend Monate. In ihr kommen die Engel und der Geist mit ihres Herrn Erlaubnis herab, mit jeglichem Auftrag. Frieden ist sie bis zum Anbruch der Morgenröte.“

Um welche Nacht des Ramadans es sich handelt ist nicht genau geklärt. Es herrscht aber Einigkeit darüber, dass es eine der Nächte des letzten Drittels des Fastenmonats ist. Als wahrscheinlichstes Datum gilt, den Überlieferungen zufolge, die Nacht vom 26. auf den 27. Ramadan. Diese Nächte im letzten Drittel des Ramadan gelten als besonders heilig. In diesen Nächten pflegen die Muslime viele Gebete zu sprechen und vermehrt Koran zu lesen.

Wie bereits erwähnt wurde, folgt auf den Ramadan ein Fest. Es wird als das „Fest des Fastenbrechens“ oder auch das „kleine Fest“ bezeichnet und ist das zweitgrößte Fest im Islam. Dieses Fest werde ich am Ende des diesjährigen Ramadans in einem weiteren Artikel vorstellen.

Zum Abschluss sei allen Muslimen ein gesegneter Fastenmonat gewünscht.

Veröffentlicht von

Hussein Hamdan M.A., geb. 1979 studierte Islam- und Religionswissenschaft sowie Irankunde in Tübingen und schloss sein Studium 2007 mit einem Magister ab. Anschließend folgte, ebenfalls an der Universität Tübingen, die Doktorarbeit über das Wirken der Azhar-Universität im christlichen-islamischen Dialog, die im März 2013 abgeschlossen wurde. Hussein Hamdan war die ersten beiden Jahre seiner Promotion Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung, ehe er 2009 für zwei Jahre Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für interkulturelle Kommunikation in Heidelberg wurde. Dort verfasste er u.a. den Band „Muslime in Deutschland. Geschichte, Gegenwart und Chancen“. Aktuell ist er an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart angestellt und für das Projekt „Gesellschaft gemeinsam gestalten – Junge Muslime als Partner“ verantwortlich. Hussein Hamdan ist Autor und Sprecher der Kolumne „Islam in Deutschland“ (SWR) und Referent zu diversen Themen des Islam. Seine Schwerpunkte sind Muslime in Deutschland, Interreligiöser Dialog, Humor im Islam sowie Einführungen in die Grundlagen, Quellen und Geschichte des Islam. Zudem ist er Mitglied des Runden Tischs Islam von Integrationsministerin Bilkay Öney in Baden-Württemberg. Hamdan hat sich in den letzten Jahren in verschiedenen Bereichen des interreligiösen und interkulturellen Dialogs engagiert. Von 2004-2007 moderierte er in Tübingen den Arabisch-Amerikanischen Dialog. Aktuell ist er Vorstandsmitglied des Bendorfer Forums.

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ramadan

    Was bitte ist die Bedeutung des Begriffs “Gott” im dritten Abschnitt (“Sinn und Zweck des Fastens …”). Offenbar dient er (es?) der Begründung der merkwürdigen Verhaltensaufforderung, ohne Not den Stoffwechsel einzuschränken.

  2. @ Hans-H.

    Das können Sie gerne so sehen. Ich habe hier versucht das islamische Verständnis für das Fasten vorzustellen und die islamische Lehre geht halt nun mal davon aus, dass alle Gebote, darunter das Fasten von Gott angeordnet werden. Daher die Aussage: “Sinn und Zweck des Fastens ist primär die Einhaltung eines von Gott auferlegten Gebotes.”

  3. Ramadangrüße von US-Präsident Obama

    Erfreulicherweise gibt es Menschen, die (oft auch aus dem je eigenen Glauben heraus) mit der Bezeichnung “Gott” etwas anfangen können und Gutes über die Glaubenswege der anderen zu sagen wissen. Zum Beispiel den derzeit amtierenden US-Präsidenten Barack Obama. Hier sein Grußwort zum Ramadan 2009:
    http://www.youtube.com/watch?v=1R4KfYuDrvU

    Beste Grüße allen Menschen guten Willens!

  4. @ Michael

    Vielen Dank Michael für den Hinweis auf das schöne Grußwort des US-Präsidenten; vor allem, weil ich es bisher nicht mitbekommen habe, dass Obama diesen wichtigen Anlass wieder genutzt hat, um eine Botschaft an die islamische Welt zu senden.
    Damit zeigt Obama, dass er die Muslime in den USA und auf der Welt wahrnimmt und Respekt vor ihren Glaubensinhalten hat.

    Dir alles gute,
    Hussein

  5. Der Ramadan. Das Fasten im Islam

    Sehr gut geschrieben u. erklaert auch fuer Aussenstehende. Nur ich denke, dass nicht viele/alle Muslime/Menschen das Umsetzen koennen? Da Sie zu schwach im Glauben sind, auch sonst zu schwach – fuer die ganze Ramadan Zeit? Uebrigens die Fastenzeit gibts auch bei den Christen, auch Gott. So glauben wir doch alle an den gleichen Gott auf dieser Welt? Leider fehlts an der Achtung/Verstaendniss fuer den anderen Glauben in der Bevoelkerung ?
    Freut mich immer wieder, ueber solche Leute wie Hussein – der die Welt sieht/versteht, nicht nur die eigene Religion/Land.

  6. @ Charly

    Hallo Charly,

    über deine nette Worte habe ich mich sehr gefreut, vielen Dank dafür.
    Es fasten mit Sicherheit nicht alle Muslime, aber man kann schon sagen, dass viele Muslime den Fastenmonat auch ernst nehmen. Übrigens auch viele, die sich sonst als nicht sehr religiös bezeichnen würden. Das mag zum einen daran liegen, dass der Ramadan als sehr heilig gilt, zum anderen verbindet das Fasten und das gemeinsame Fastenbrechen am Abend den Zusammenhalt in der Familie oder unter der Verwandtschaft und Freunden.

    Ja, meiner Meinung nach glauben wir an den gleichen Gott.
    Würde jeder den anderen mit etwas mehr Achtung und Respekt begegnen, dann hätten wir mit Sicherheit eine bessere Welt.

    Alles gute,
    Hussein

  7. ich muss so was für islamkund i unterricht machen kannst du mir das nicht in kurzfassung schreiben bis zum 08.09.2009
    es wäre schon wenn du das machen würdest 🙂

  8. @ Sarah

    Hallo Sarah,

    es freut mich, wenn dir der Beitrag für die Vorbereitung auf deinen Unterricht weiterhilft. Bis zum 8. ist ja noch etwas Zeit und ich glaube, dass du bis dahin bestimmt auch selbst eine Kurzfassung schreiben kannst.
    Viel Erfolg dabei!

  9. Der Ramadan. Das Fasten im Islam

    lieber Hussein, Danke fuer deine Antwort: wuensche allen Muslimen auf diesem Wege einen gesegneten Ramadan ! 🙂

  10. Nein Mann! LK Nessa!

    nein mann , ich will nicht so viel lesen , ich will noch ein bisschen zeit haben , komm schon alter , ich will ne zsm. fassung , ich will nicht so viel lesen !
    ENDE , AUS , PUNKT

    Ps: Der text ist aber im prinzip guut 😀

  11. ich bin cool und das ist nicht so gut ,
    ich trinke gerne norrmales wasser und keine ungesunde cola!
    ich bin fett und kann nicht laufen , ich hatte einen muttermal aber hab den verloren in einer schlägerei :()
    uch habe 9einhalb zehen und hab nur leider ein bein.
    mashalla

  12. Pingback:Der Ramadankalender › Der Islam › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  13. Wer sich ein bißchen in den Religionen umschaut – übrigens auch im Hinduismus – stellt schnell fest, daß das Fasten nichts genuin Islamisches sondern all jenen gemeinsam ist, die daran glauben, daß sie mit ihrem Fasten gottgefällig handeln. Das muß man auch als rational und zur Kritik erzogener Mensch zwar nicht verstehen wollen, aber grundsätzlich respektieren.

    Was ich aber nicht verstehe ist, wieso diejenigen, die fasten, diese Regeln im Einzelnen so unkritisch befolgen: Jeder Arzt sagt einem heute, daß man täglich um die zwei Liter trinken und die Nahrung besser in kleinen Portionen über den Tag verteilt als spät abends in einer hastigen Aktion verschlingen sollte. Zum anderen ist es religiös völlig unplausibel, wieso Muslime auf der Arabischen Halbinsel im Sommer mehrere Stunden weniger fasten müssen als ihre Glaubensgeschwister in Mitteleuropa. Das sture Festhalten am Buchstaben des muslimischen Fastengesetzes (Sonnenaufgang bis -untergang) ohne Berücksichtigung des geographischen und geschichtlichen Kontextes, in dem es erlassen wurde (Der Religionsstifter kannte im 7. Jahrhundert weder eine Uhr noch etwas von Ländern jenseits seines Horizontes), ist für mich ein offenkundiges Beispiel für den Mangel an kritischer Auseinandersetzung innerhalb der muslimischen Gemeinden mit ihrer Religion.
    Wie bei allen streng religiösen Gemeinschaften führt dies dazu, daß die an sich mit einem zumindest nachvollziehbaren Sinngehalt ausgestatteten Gebote zu Ritualen verkommen und sich ihre Anhänger den realen Anforderungen des Lebens und ihrer säkularisierten Umgebung entfremden. In Bezug auf den Ramadan wäre es sinnvoll, diesen vom Mondkalender abzukoppeln und fix auf einen Monat des Sonnenkalenders festzulegen, an dem die Tage nicht so extrem lang wie im Sommer sind. Zweitens sollte das Trinkverbot aus medizinischer Erkenntnis heraus aufgehoben werden. Muslime sagen dann schnell, das stehe aber so im Koran. Aber nur weil etwas vor Jahrhunderten von jemandem auf dieser Erde aus einer, wie er empfindet göttlichen Eingebung heraus schriftlich gefordert wurde (AT, Koran, Thora u.ä.) oder sonst in einer sog. heiligen Schriften steht, muß es ja auch noch den heutigen Erkenntnissen der Wissenschaft genügen. Die sog. heiligen Schriften sind zu einem Großteil nichts anderes als praktische Lebensratschläge, wie sie am Ort und dem Zeitpunkt ihrer Entstehung sinnvoll waren und unterliegen daher auch ständiger kritischen Analyse auf ihre Anwendbarkeit unter geänderten geographischen, zeitlichen und wissenschaftlichen Rahmenbedingungen.

  14. Hello lieber Hussein,

    du schreibst: “… verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr um diese Anzahl von Tagen nach hinten”. Müsste das nicht “nach vorne” heißen? hehe… ist mir nur aufgefallen und hab deshalb gefragt, um herauszufinden, ob ich grad nen Denkfehler im Kopf hab. :)))

    LG
    Elif

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