Kerzen und Katzen, Sinnsuche … und Weihnachten!

Jetzt in der Weihnachtszeit haben wir alle es gern mit Kerzen zu tun. Meistens geht es um das obere Ende, das man anzünden und dann stundenlang anschauen kann, um eine gute Stimmung zu erzeugen und vielleicht sogar über Gott und die Welt nachzudenken. Dabei haben die Kerzen noch ein unteres Ende, das viel zu wenig beachtet wird. Hier finden sich die vorgeschriebenen Sicherheits- und Warnhinweise.

Die Piktogramme der Sicherheitshinweise – zu Unrecht kaum beachtet?

Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass auch nur ein einziger Zimmerbrand auf der Welt verhindert wurde, weil jemand sich diese Bilder angeschaut oder sie gar alle verstanden hätte. Aber wir haben heute auch wenig Übung im Entschlüsseln von Bildern. Bilder müssen im Alltag vor allem funktionieren und das möglichst schnell.

Das war früher anders. In Renaissance und Barock zum Beispiel widmete man sich mit Leidenschaft dem Studieren von Emblemen, in denen  in meist verrätselter Weise ein Thema mit einem Bild und einem Text verbunden wurde. Die Bildmotive wurden oft enorm beliebt und nicht nur in Büchern verbreitet und betrachtet, sondern oft auch als Dekoration auf Geschirr, Textilien, Tapeten oder Öfen verwendet.

Hier ist so ein Emblem:

Lichtoutzschere Emblem Jacob Cats

aus: Jacob Cats, Proteus of Minne-beelden verandert in Sinne-beelden, 1627 https://archive.org/details/proteusofteminne00cats

Aus dem Zusammenhang  gelöst, könnte man das Bild für den Teil einer Anleitung zur Kerzenpflege halten: “Korrekte Anwendung einer Lichtputzschere”. Es geht aber um viel mehr, lauert da doch die Gefahr, zu viel vom Docht abzuschneiden. Andererseits muss daran gedacht werden, den glimmenden Docht rechtzeitig zu stutzen, damit es nicht rußt: Ein Bild, das auf ganz unterschiedliche Lebensbereiche übertragen wurde. Das obige Beispiel stammt aus einer Veröffentlichung des niederländischen Dichters Jakob Cats im Jahr 1627. Die hier nicht abgebildete Beischrift (in einer deutschen Übersetzung vom Anfang des 18. Jahrhunderts) lautete:

Wer ein Licht gedenckt zu schneutzen / Greiff und schneide nicht zu weit/ Sondern mit Bescheidenheit/ sonst wird er nur Zorn erreitzen/ Wann das Licht den Schein verliert und man einen Stanck verspührt.
Wann man Schoß und Zinß eintreibet/ Greiffe man es also an/ Daß ein arm geringer Mann Noch bey Hauß und Hoffe bleibet/ Dann des Volckes Untergang Bringet einem wenig Danck.

Das Bild ließ sich auch – über die Sprachgrenzen hinweg –  als Aufruf zum geschicktem Taktieren in Liebesdingen verwenden, genauso aber als Mahnung zum moralischen Verhalten: Man muss sein Gemüt im Zaum halten – den brennenden Docht kürzen, auch wenn das Licht damit einen Teil seines Scheins verliert. So wird es nicht unnütz und zu schnell aufgezehrt.

Viele weitere Beispiele für Embleme gibt es hier. Aber in Stimmung gebracht, lässt sich doch auch über die Warnpiktogramme trefflich sinnieren (leider sind sie eher ungelenk gestaltet, das ist wohl wahr):

Darüber etwa, dass man Kerzen nicht neben die Sonne stellen sollte (Vergleiche dich nicht mit der Sonne, wenn du eine Kerze bist! Schaue nur auf Ebenbürtige). Oder über das Zusammenwirken von Katzen, Mädchen und Kerzen: Wo Katzen hinschauen, die von Mädchen beobachtet werden, sollst du keine Kerze hinstellen (Achte die Bedürfnisse anderer und sorge dafür, dass sie erfüllt werden: Lenke die Katze nicht unnötig mit Kerzenschein ab – siehst du nicht, dass das Mädchen die Katze gern streicheln möchte?).

Fröhliche Weihnachten!

Und noch was in eigener Sache: Ich freue mich, hier wieder nominiert zu sein. Die Wahl läuft noch bis zum 1. Januar 2018 …

Ich arbeite als Kunsthistorikerin freiberuflich als Redakteurin/Lektorin/Autorin. Dieser Blog enthält Überlegungen und Informationen, die ich sonst nirgendwo unterbringe. Die aber rauswollen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. So eine Lichtputzschere verwenden wir heute noch. Ist wirklich praktisch !
    Ein echtes Kerzenlicht kann nicht durch eine elektronische Kerze ersetzt werden.
    Das ist fast wie telefonsex im Vergleich zu echtem Sex. Man entschuldige meinen drastischen Vergleich!
    Wer besinnlich werden will muss in eine echte Kerzenflamme schauen.
    Nur beim Christbaum da haben wir auf echte Kerzen verzichtet, nachdem uns mal der Baum in der Wohnung abgefackelt ist.

  2. Katzen und Kerzen … sind streng voneinander abzuhalten,
    weiß jeder Katzenhalter, der sein Habitat nicht abbrennen sehen möchte.

    MFG + schöne Weihnachten,
    Dr. Webbaer

Schreibe einen Kommentar