Schlaf schön – von wegen!

BLOG: Das Sabbatical

Abenteuer Auszeit
Das Sabbatical

Etwas ist seltsam. Ein Leben lang war ich mit gutem Schlaf gesegnet. Außer in schlimmen Krisenzeiten habe ich stets geschlummert wie das sprichwörtliche Murmeltier. Geträumt habe ich natürlich auch. Oft und lebhaft. Manche Träume, wie die von der Mathearbeit in der elften Klasse, kamen immer wieder. Manche Träume machten Angst, andere riefen schöne Erinnerungen wach. So war das über Jahrzehnte. Bis jetzt in Peru.

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Liegt es an der Höhenluft, am Sabbatical, dem veränderten Lebensrhythmus, dem Essen, der anderen Sprache…..? Irgend etwas ist anders: Ich brauche statt sechs Stunden Schlaf wie in Deutschland acht, um mich auch nur annähernd ausgeschlafen zu fühlen. Ich wache oft beim kleinsten Geräusch auf, und das viele Male in der Nacht. Dafür habe ich das Erdbeben nahe der Geisterstunde, bei dem alle Hunde bellten, die Alarmanlagen losgingen, die Arequipenos schon mit Notfall-Rucksack die Haustüren geöffnet hatten, glatt verpennt (Traum-Bild unten von Dennis Beckmann).

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Dazu kommen die Träume. Alptraumhaft sind sie nicht, aufwühlend schon und ich erinnere mich jeden Morgen an mindestens einen. Längst verdrängte Gefährten und Gefühle tauchen plötzlich auf, so als hätte ich ihnen zu jener Zeit nicht genügend Raum gegeben. Manches kleidet sich in eine Art Fantasy-Film, anderes scheint so präsent und real, dass es den ganzen kommenden Tag durchzieht wie ein roter Faden. Und all das ist anstrengend.

Da fällt mir die Moderation “Schlaf schön! Über die Geheimnisse unseres nächtlichen Seins” ein, die ich letztes Jahr für Spektrum der Wissenschaft bei der Volkswagen Stiftung machen durfte. Link zu Bericht und zum Podcast zum Nachhören:

http://www.volkswagenstiftung.de/aktuelles/aktdetnewsl/news/detail/artikel/zwischen-tag-und-traum.html

Ein wenig ginge es bei der hochkarätigen Runde auch um Träume. Haften geblieben ist mir vor allem, dass es nicht sicher ist, ob Träume eine Art Müllabfuhr der Psyche sind oder eine Art Wiederaufbereitungs- und Sortieranlage von Gefühlen und Erlebnissen, die zu Unrecht im Alltagsgewirr des Geistes ins Abseits gedrängt wurden.

Sei es, wie es sei. In einem sind sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einig: Träume spiegeln wider, was einem wichtig ist. Und außerdem, das habe ich damals in Hannover gelernt, helfen sie dem Gehirn beim Reorganisieren. Und vielleicht ist das ja auch des Rätsels Lösung. Auf alle Fälle hilft mir die Forschung hier zu einem Quäntchen mehr an Gelassenheit. Und manchmal integrieren sich ins lebhafte Traumgeschehen ja auch schon die ersten Erlebnisse in Peru.

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Ich bin von Natur aus neugierig, will Menschen und ihre Beweggründe verstehen und ich liebe gute Geschichten über alles: Das macht mich zur Journalistin. Ich möchte aber den Dingen auch auf den Grund gehen und verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält: Das erklärt meine Faszination für Wissenschaft und Forschung. Nach dem Studium der Germanistik und Politikwissenschaft habe ich als Zeitungsredakteurin für viele Jahre das Schreiben zum Beruf gemacht. Später kamen dann noch Ausbildungen zur zertifizierten Mediatorin und zum Coach hinzu, die mich in meiner Auffassung bestärkt haben, dass das Menschliche und das Allzumenschliche ihre Faszination für mich wohl ein Leben lang nicht verlieren werden. Das Organisieren habe ich als Büroleiterin einer Europaabgeordneten gelernt, bevor ich im Juli 2012 als Referentin des Chefredakteurs bei Spektrum der Wissenschaft begonnen habe. Von dieser Tätigkeit bin ich nun erst einmal ab 1. Januar 2015 für ein Sabbatical beurlaubt. Und ganz gespannt, was das „Abenteuer Auszeit“ für mich bereithalten wird.

7 Kommentare

  1. Mittlerweile können auch Roboter ´träumen´. (Zitat aus: Das Kind im Roboter, Technology Review, 04/2015; Myon = Robotername):
    “Wenn Myon nichts für ihn spannendes erlebt, wenn also keinen externen Eindrücke die Aufmerksamkeit binden, durchstöbern Algorithmen die Gedächtnisspur. Sie suchen nach besonders häufig auftretenden Mustern: Sitzen und Stehen zum Beispiel.
    Alle derartigen Sensordaten werden in einem Symbol ´gekapselt´ und in einem zweiten Speicherbereich – dem ´Weltwissensgedächtnis´ – abgelegt. Im episodischen Gedächtnis hinterlegt der Roboter nur noch einen Link auf das entsprechende Symbol im Weltwissen.”
    und “Gespeichert wird aber nur das, worauf der Roboter seine Aufmerksamkeit gelenkt hat.”

  2. Schlafen scheint für das Gedächtnis, für die Fixierung von Erlebtem und Erlernten unverzichtbar zu sein (“Aktuelle Studien der Schlafforschung belegen, dass das Gehirn den Schlaf nutzt, um Eindrücke, Erlebnisse und Informationen vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis zu übertragen. Dort werden sie mit bereits vorhandenen Inhalten verknüpft und abgespeichert.”) Wohl mit ein Grund, dass Kinder ein höheres Schlaftbedürfnis haben.
    Träumen passt gut in dieses allgemeine Bild in dem die nächtliche Hirnaktivität eine Art Postprocessing des neu Erelbten und Erfahrenen ist.

    • @ Herr Holzherr :
      Es gibt die Theorie, dass zeitweise Unverfügbarkeit (“Schlafen”, vs. “Dösen”) in stabilen Sozialverhältnissen, also dort wo einer auf andere (und andere auf einen) aufpasst, der punktgenauen und energetischen Aktivität geschuldet ist, die es vom Primaten beizeiten beizubringen gilt.
      Tiere dösen in diesem Sinne bevorzugt, insgesamt deutlich länger als Primaten schlafen.

      Dass Träume immer auch Übungen sind, die die kognitive Fitness trainieren, auch noch nicht Erlebtes vorab zu bearbeiten in der Lage sind, auch Erlebtes nachzuarbeiten in der Lage sind, dürfte mittlerweile wissenschaftlicher Konsens sein.

      Ansonsten, Höhenlagen und geringere Sauerstoffzufuhr, zusammen mit außerordentlicher Belastung könnten für den Ungewohnten das Schlafbedürfnis steigern und den Schlaf selbst als anders wahrgenommen ausfallen lassen, korrekt.

      MFG
      Dr. W

      • Stimmt: Das Hirn von Primaten ist auf Schlaf angewiesen, das Schlafbedürfnis nimmt aber mit zunehmenden IQ ab, womit sich übrigens hochintelligente Kinder identifizieren lassen: sie kommen mit deutlich weniger Schlaf aus als ihr “Artgenossen”. In bidlgebeben Verfahren wie fMRI fällt auch auf, dass Intelligentere effizienter denken. Sie erledigen die gleiche Denkarbeit mit wenger Glucoseverbrauch.
        Dies als Bemerkung zu ihrem Satz:

        Tiere dösen in diesem Sinne bevorzugt, insgesamt deutlich länger als Primaten schlafen.

  3. > Ich wache oft beim kleinsten Geräusch auf, und das viele Male in der Nacht. Dafür habe ich das Erdbeben nahe der Geisterstunde, bei dem alle Hunde bellten, die Alarmanlagen losgingen, die Arequipenos schon mit Notfall-Rucksack die Haustüren geöffnet hatten, glatt verpennt.

    Mehr als zwanzig Jahre lang habe ich meinen gesamten Jahresurlaub in den Hochgebirgen der Welt oder auf Safari verbraucht. Mit Ausnahme von einigen Hochlagernächten war der Schlaf immer tief und erholsam. Ein Aufwachen wegen kleinster Geräusche kann schon durch eine gewisse psychische Anspannung verursacht werden. Das deckt sich mit den Erfahrungen von einigen Mitreisenden.

    Tiefer Schlaf ist aber auf jeden Fall kurz nach dem Einschlafen etwas ganz Natürliches. Im Zweibettzimmer in La Paz hatte ich den Kollegen versehentlich ausgesperrt. Der brauchte über zwanzig heftige Schläge gegen die Tür um mich aufzuwecken.

    Aber auch eine Zeltnacht im ungesicherten Gelände in der Serengeti braucht einen nicht um den Schlaf zu bringen. Wir hatten uns nach einem sehr warmen Bier auf die Matten gelegt. Mitten in der Nacht wachte der Kollege auf, hatte großen Druck auf der Blase, getraute sich aber nicht das Zelt zu verlassen, weil draußen die Löwen brüllten. Er sah mich auf der Matte liegen und hörte mich leise und gleichmäßig schnarchen. Wenn er es mir nicht am Morgen erzählt hätte ich keine Ahnung davon gehabt, was in der Nacht los war.

  4. Bei Alpträumen wurde mir immer geraten mit jemanden über den Traum zu reden. Dadurch aht amn es besser verarbeiten können. Viellecht hilft es dir auch ja weiter über deine Dinge des Lebens zu reden. Eventuell hast du dann auch einen ruhigen Schlaf.

  5. Liebe Kirsten,
    ich lese deinen Blog! Eine tolle Möglichkeit, dir nahe zu sein und gleichzeitig viel über ein Land zu erfahren, in das ich wahrscheinlich selber nie reisen werde.
    Ganz bald bist du ein Geburtstagskind. Dazu schon jetzt ganz herzliche Glückwünsche – ab morgen bin ich nicht mehr im Büro, da ich selber ja auch “nulle”. Ich denke fest an dich, nicht nur zu diesem Anlass. Lass dich feiern!

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