• Von Dierk Haasis
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Übriggebliebenes

BLOG: Con Text

Wörter brauchen Gesellschaft.
Con Text

Hatten wir lange nicht, aber es haben sich doch wieder ein paar interessante Links angesammelt, die ich Ihnen nicht vorenthalten will.

Geh dichten

Listen. Listen sind ja immer ein Problem. Keiner mag sie, aber alle erstellen sie. Die besten Filme, die besten Locations, die besten Romane, die besten Dichter … Das ist alles sehr subjektiv, selten besonders hilfreich. Einige Kritiker versuchen sich durch Originalität hervorzutun, was langweilt und am Thema zu oft vorbeigeht. Andere mühen sich ab, ihren Lesern eine hilfreiche Auswahl samt Begründung zu geben. Alle scheitern daran, dass eine Relation zwischen Werken/Schaffenden hergestellt wird, die überhaupt nicht existiert.

Professor Dean Rader hat trotzdem eine aufgestellt – The 10 Greatest Poets. Er gibt uns nicht nur Begründungen, warum jeder der zehn auf seiner Liste auftaucht, er sagt uns auch, was seine Kriterien sind. Die Reihenfolge bleibt dabei trotzdem arbiträr.

Lies was

Blödsinn hält sich auch durch die Jahrhunderte, er muss nur reichlich Potenzial für einen angeblichen Generationenkonflikt haben. Die Jugend wird immer dümmer, sie lernt nichts mehr, sie kann nichts mehr. Ein Klage, die ich von Altersgenossen höre, die ich von meinen Eltern hörte, meinen Großeltern. Das geht zurück bis zu den alten Griechen – Aristoteles, Plato oder Sokrates, mindestens einer von denen hat sich so über die nächste Generation aufgeregt.

Verbinden wir das mit Technik und immer schnellerem technischen Fortschritt, ist das Internet schlecht, das Fernsehen, das Radio, Romane, Bücher … Vermutlich war schon der Übergang von Stein zu Papyrus bei den alten Ägyptern jahrzehntelang umstritten.

So wie jetzt eReader, die laut Sara Margolin aber doch nicht zu schlechterem Textverständnis führen. Letzteres ist eher ein Problem mangelnder Übung und Intelligenz.

Sieh hin

Auch wenn ich überzeugt bin, dass Spoiler einer Geschichte und deren Rezeption schaden, hier eine Warnung an die ‘Game of Thrones’-Fans, die die gerade zu Ende gegangene 3. Staffel noch nicht gesehen haben: Dieser Eintrag und der zugehörige Link enthält Informationen, die als Spoiler gesehen werden könnten.

Eine der großen Stärken von Game of Thrones – ich beziehe mich da insofern ausschließlich auf die TV-Serie, da ich die Bücher nicht gelesen habe –, ist ihre Fähigkeit zu überraschen. Herkömmliche TV-Serien-Erzählstruktur richtet sich an Schauspielern aus. Sie sind das Gesicht einer Serie, sie sind meist Identifikations- oder Integrationsfiguren[1], d.h. der Zuschauer hängt sich und seine Emotionen an sie.

Es ist selten eine gute Idee, Hauptdarsteller aus einer Serie zu entfernen. Game of Thrones brachte gleich in der ersten Staffel eine für den Zuschauer zentrale Figur um. Und die dritte Staffel steht dem in nichts nach, hier geht es richtig zur Sache.

Howard Sklar von der Universität Helsinki hat sich Gedanken darüber gemacht, weshalb uns Erlebnisse und Schicksalsschläge fiktiver Figuren, z.B. der Tod von Charakteren in Game of Thrones, so nahe geht, wie der Verlust von Freunden oder Familienmitgliedern.

Gib acht

Was immer man von Büchern und Literaturwissenschaft hält, wir alle gehen täglich mit Geschichten um. Der Mensch hängt von Geschichten ab, er sucht Struktur im Leben und findet überall Muster. So haben wir einen reichen Schatz an Geschichten in Gesänge, Gedichte, Romane, Film und TV angehäuft, der täglich weiter wächst. Nicht alle Geschichten sind gut, auch gute Geschichten sind nicht immer zeitlos.

Aber alle Geschichten enthalten zumindest ein wenig Fiktion. Einen sehr pragmatischen Ansatz für Literaturkritik hat Pamela Meyer bei Lifehacker hinterlassen.

James Bond

Ich hatte gehofft, selber etwas über James Bond und den letzten film der Reihe, Skyfall, zu schreiben, aber ich will nicht. Mich stört zu viel am hochgelobten Sam-Mendes-Streifen, der mich als Film überhaupt nicht überzeugt. Die einzelnen Sequenzen sind überwiegend sehr gut, speziell der Pre Title in und bei Istanbul sowie der Film im Film in Fernost. Kameramann Roger Deacon hat exzeptionell gute Arbeit geleistet, die Schauspieler sind fantastisch. Das Ganz ist ist diesmal leider weniger als die Summe der Teile.

Einen interessanten Aspekt hat Sara Bivigou in Skyfall gefunden.

Hauptsache ironisch

Ist zwar schon eine Weile her, aber Klaus Jarchow hat ein paar Absätze über Ironie und das Web geschrieben.

 

[1]Oberflächlich aufgeklärt: Der Zuschauer identifiziert sich mit positiv handelnden [Helden]Figuren wie McGyver; böse Figuren wie J.R. Ewing oder emotional sehr unausgeglichene wie Louie helfen uns, den Abgründen Anderer zu folgen, einen gemeinsamen Gegner auszumachen.

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Nach dem Abitur habe ich an der Universität Hamburg Anglistik, Amerikanistik, Soziologie und Philosophie studiert. Den Magister Artium machte ich 1992/93, danach arbeitete ich an meiner Promotion, die ich aus verschiedenen Gründen aufsteckte. Ich beschäftige mich meist mit drei Aspekten der Literatur: - soziologisch [Was erzählt uns der Text über die Gesellschaft] - technisch [Wie funktioniert so ein Text eigentlich] - praktisch [Wie bringen wir Bedeutung zum Leser] Aber auch theoretische Themen liegen mir nicht fern, z.B. die Frage, inwieweit literarische Texte außerhalb von Literatur- und Kunstgeschichte verständlich sein müssen. Oder simpler: Für wen schreiben Autoren eigentlich?