Pluto-Mission: überflüssig und nutzlos

Noch sind keine 24 Stunden seit dem Vorbeiflug New Horizons an Pluto und seinen Monden vergangen – und schon ist hier & dort unschönes Hintergrundquäken zu vernehmen, welches die gesamte Mission in Frage stellt.

Ich zitiere einen Kommentar von tagesschau.de, abgerufen heute am 15. Juli 2015, der exemplarisch für viele Meinungsäußerungen dieser Art steht – übrigens bei jeder Berichterstattung über Raumfahrtmissionen:

Am 15. Juli 2015 um 09:12 von mr.quick
Es gibt andere Probleme..

Ich glaube es gibt andere und dringendere Probleme auf dem “Heimatplaneten Erde” denen sich die Menschheit widmen kann. Das ganze Unternehmen ist mehr als überflüssig und hat nicht irgendeinen praktischen Nutzen.

Auch im Vorinternetzeitalter gab es missionarisch veranlagte Zeitgenossen, die ihre Ideen kundtaten, indem sie beispielsweise Plakate an ihre Hauswand hängten. Die Reichweite blieb regional begrenzt. Das Internet macht es heute einfacher, kurz mal einen Meinungsbeitrag wie diesen abzusondern, den dann sehr viel mehr Menschen zur Kenntnis nehmen (müssen). Dennoch frage ich mich auch in diesem Fall: Schreibt das ein Provokateur, der es eigentlich besser weiß? Oder schreibt das ein Komödiant, der sich lustig macht? Oder einfach jemand, der es wirklich nicht besser weiß?

Weshalb das immer wiederholte Argument “… es gibt andere und dringendere Probleme auf dem “Heimatplaneten Erde” denen sich die Menschheit widmen kann. …” so vollständig an der Realität vorbei geht, hat Lars Fischer in seinem Blogpost vom 17. November 2014 Statt Weltraumforschung – Hunger und Armut beenden! Oder so ähnlich… abschließend dargelegt. Diesen klaren Worten und Argumenten habe ich keine Silbe hinzuzufügen.

Zur Einordnung der Kosten für eine Raumfahrtmission wie diese (rund 700 Millionen US-Dollar) empfehle ich einen Blick auf die Verteidigungsetats einiger Staaten. Die Zahlen für 2013 finden sich beispielsweise hier: Wikipedia – Verteidigungsetat

Ich zitiere nur einige dieser Zahlen für 2013:

USA – 640.000.000.000 US-Dollar
Volksrepublik China – 188.000.000.000 US-Dollar
Russland – 87.800.000.000 US-Dollar
Saudi-Arabien – 67.000.000.000 US-Dollar
Frankreich – 61.200.000.000 US-Dollar
Vereinigtes Königreich – 57.900.000.000 US-Dollar
Deutschland – 48.800.000.000 US-Dollar
Japan – 48.600.000.000 US-Dollar

Weil ich nicht wissen kann, wie gut Leute wie der oben zitierte Kommentator rechnen können: Die USA könnten allein mit ihrem Verteidigungsetat für 2013 rund 914 Raumfahrtmissionen wie “New Horizons” finanzieren. Und Deutschland könnte nur mit seinem Verteidigungsetat für 2013 gut 69 Raumfahrtmissionen wie diese finanzieren.

Ja, was “bringen uns” solche Raumfahrtmissionen? Nur einen Aspekt möchte ich nennen: An einer Raumfahrtmission wie New Horizons sind viele kluge Menschen viele Jahre beschäftigt, die – in diesem Fall die NASA – für viele Jahre in Lohn und Brot hält, die sich Karrieren aufbauen, die mit ihrem Knowhow und den Erkenntnissen ihrer genialen Arbeit die gesamte Menschheit weiterbringen. Und über die Frage, ob es Sinn macht, sich unseren kosmischen Vorgarten näher anzuschauen und zu erforschen, muss man im Jahre 2015 nicht ernsthaft diskutieren, oder?

Clear Skies, Stefan Oldenburg

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

41 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich finde die Argumentationsart gefährlich. Sie können nicht mit etwas mit etwas anderem relativieren. Die Frage die Sie stellen sollten sie unabhängig von derartigen Argumentation klären können. Angenommen die Raumfahrt ist absolut unnütz und man verbuttert so also tatsächlich 700 Mio. so wäre dies nach Ihrer Argumentation immernoch gerechtfertigt, weil man ja für anderes noch viel mehr Geld ausgibt.

    Ich finde auch, es kann nicht schaden, diese Thematik nochmal zu diskutieren. Grosse Wissenschaftliche Projekte stehen immer stark in der Kritik der Gesellschaft, da für Laien der Nutzen schwer zu greifen ist. Daher kann es doch nicht schaden, die Thematik mehreremale zu diskutieren. (Wobei es dann auf einer anderen Plattform passieren müsste da man hier wohl das falsche Publikum hat.)

    • Sie schreiben: “Angenommen die Raumfahrt ist absolut unnütz und man verbuttert so also tatsächlich 700 Mio. so wäre dies nach Ihrer Argumentation immernoch gerechtfertigt, weil man ja für anderes noch viel mehr Geld ausgibt.”

      Von vielen Raumfahrtkritikern wird gefordert, dass das Geld für was anderes ausgegeben werden sollte. Seltsamerweise kritisieren diese Leute nie die vom Autor angesprochenen enorm hohen Verteidigungsetats einiger Staaten. Für Raumfahrtmissionen scheint das Geld zu schade zu sein, nicht jedoch für Krieg und Vernichtung.

      • Tja, ich oute mich dann mal als jemand der

        Jede bemannte Weltraummission
        Alle umbemannten jehnseits des Geo-Stationären Orbits

        genau so für Unsinn hält wie alle Militärausgaben die nich ausschliesslich der Selbstverteidigung gegen reale Gefahren gelten. Daher BW im Kalten Krieg war okay, BW heute ist über, da reicht ein guter Grenzschutz. Und das sind nicht die einzigen Geldverschwendungen auf die wir verzichten sollten.

        Solange es in D Hauptstrassen gibt deren Schlaglöcher bei einem normale PKW zum springen des CD-Spielers führen – solange sollten wir erst mal die Probleme vor unserer eigenen Haustür lösen bevor wir für Weltraum- und Kriegsquatsch Geld ausgeben.

        Und das von jemand der Grüne schon mal mit der (TS)8/8 behandelt hat und Technik eigentlich toll findet.

        • Auf Forschung und Bildung Hochqualifizierter zu verzichten – genau das ist jede Hochtechnologieforschung, und damit auch dei Weltraumforschung – ist bestimmt kein sinnvoller Weg, um sicher zu stellen, dass wir auch morgen noch wirtschaftlich mithalten können. Wenn wir das nicht mehr können, dann werden wir bald noch einige Sorgen mehr haben als Schlaglöcher.

  2. Die Argumentation ist nicht gefährlich, da es immer Zweifler geben wird! Und wenn man sieht welche Spaltung in der Menschheit herrscht, wird es in keinen Augen eine gerechte Verteilung geben. Aktuell im Jahre 2015, möchten die Einen im 13.Jahrhundert leben und benutzen für diesen Wunsch die Hightech-Waffen des 20.Jhrhundert (IS) um diesen durchzusetzen! Und dann gibt es die Anderen welche teilweise sich noch an die Mondlandung erinnern können und begeistert die neuen Erkenntnisse die uns die Raumfahrt und Astronomie fast täglich liefern zur Kenntnis nimmt (hierzu zähle ich mich selbst) ! Und die Hoffnung haben, irgendwann die Menschheit schlauer wird und die vielen unnützen Kriege wegen Glauben-Einstellungen und Großmacht-Träume beendet und kapiert das es auf unserem “Raumschiff Erde” gemeinsam viel mehr zu erreichen wäre…

  3. 1. Es handelt sich bei Raumfahrt um Grundlagenforschung. Als Galvani seine Experimente mit dem Froschschenkel gemacht hat und später Batterien entwickelt wurden, hat sich sicher auch jeder gefragt, was diese “sinnlose Forschung” soll. Ist ja auch klar: Zu dem Zeitpunkt hat noch niemand eine elektrische Taschenlampe gehabt.
    2. Wissenschaft schafft Arbeitsplätze. Ist ja nicht so, als wäre das Geld selbst in den Weltraum geschossen worden.
    3. Wieviel Geld wird z.B. für (vermeintliche) Kunst(förderung) ausgegeben. Gemälde, Skulpturen und Theaterstücke sind für mich zu absolut NICHTS nutze. Was ist mit Fußball? Auch zu nichts nutze: Also abschaffen! Die Liste lässt sich endlos fortführen!

    Noch Fragen?

    • An “New Horizon” ist nichts “Grundlagenforschung”, da ist nicht mal was neues dran. Standard-Technik. Gerade DAMIT das Ding dann doch noch funktioniert wenn es ankommt.

    • Zu 2) Strassenbau auch. Wahrscheinlich sogar mehr und für Leute die ansonsten schwer in Lohn und Brot zu bringen sind.

      Zu 3) Stimme ich voll zu. Kunst und Sport sollten nicht staatlich finanziert werden. Entweder produzieren die Künstler etwas was genug Menschen so stark interessiert das sie dafür Geld zahlen – oder sie sollten sich einen anderen Beruf suchen. Dito für Sportvereine, es ist z.B. ein Unding das die Bürger auf Staatskosten vor organisierten Schlägertrupps einiger Sportarten wie “Fussball” geschützt werden müssen. Kosten voll der Firma (Vereinsstatus ist über) in Rechnung stellen.

    • mmeier, Andreas

      Wo bin ich hier hingeraten ? Unter Komplettignoranten ? Unter Chauvinisten ? Unter Hardcorzivilationshasser ? Unter Fundamentalisten der Dummheit ?
      Viel zu oft überfällt mich hier der heilige Schrecken beim Mitlesen… entsetzlich.

  4. Warum wird gerade der Sinn von Weltraumforschung angezweifelt? Wohl weil viele annehmen, Weltraumforschung sei enorm teuer und habe anders als Fussball, Rüstung oder Schönheitsoperationen keinerlei irdischen Zweck. Diese ablehnenden Kommentare gibt es übrigens gerade darum, weil die Bilderf von Weltraum-Missionen soviele Menschen erreichen. Milliarden von Menschen haben die Mission zum Pluto mitbekommen und Bilder vom Pluto gesehen und bei einigen Millionen bewirken diese Bilder moralische Regungen der Form: “Yeses, diese Wetltraumverrückten gehen ihren spleenigen, extrem teuren Hobbies nach während gleichzeitig Kinder verhungern. Was für eine Unmoral, was für ein Skandal!”

    Jetzt könnte man fragen: Wieviel haben die Bilder vom Pluto pro Zuschauer gekostet.
    Angenommen 2 Milliarden Menschen haben Plutobilder gesehen. Wir müssen also die Kosten der New Horizon-Mission (700 Millionen US-Dollar) durch 2 Milliarden teilen. Das ergibt 0.35 Dollar Kosten pro Zuschauer. Nicht extrem viel. Und dabei haben wir den weiteren Nutzen der Mission für die Forschung und die Menschheit nicht einmal berücksichtigt.

    • @ Herr Holzherr :

      Warum wird gerade der Sinn von Weltraumforschung angezweifelt?

      Macht schon Sinn, also dieses Anzweifeln, es ist im US-Budget seinerzeit mal eine ganze Menge veranlagt worden, den passenden Webverweis finden Sie weiter unten – und zudem soll auch gerne zwischen Forschung und Expedition unterschieden werden.
      Expeditionen der kritisierten Art, der Schreiber dieser Zeilen war dabei sozusagen und erinnert sich an die Mondlandungen um 1970 herum, die zumindest dem Anschein nicht so-o viel gebracht haben, außer dem pol. Gegner zu zeigen wer besser kann, und sich zudem angekündigte Expeditionen eben nicht ergeben haben.

      Auch bei den Vergleichen mit Fußball und Schönheitsoperationen wird der Schreiber dieser Zeilen nicht so-o glücklich, denn diese finden unsubventioniert in einem Wirtschaftskreislauf statt und generieren gar steuerlich abschöpfbaren Mehrwert.

      Nationale Wehretats als Maßstab? – Nun ja…

      Lösen Sie sich vielleicht gerne in diesem Zusammenhang von der aktuellen Mission, deren Bildern, die viele erreichen, betrachten und schön finden, und betrachten vielleicht gerne das Gesamtvorhaben “extraterrestrische Expedition”.

      MFG
      Dr. W (der Weltraumforschung, gerne auch mit Expedition schon ganz gut und angemessen findet, dbzgl. Kritik aber nicht in die Tonne treten wird)

  5. Wenn man sich bei der Diskussion nur auf den möglichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen von Forschung beschränkt, bleibt zu schnell außen vor, dass Wissenschaft und Kultur einen Wert an sich haben, zum Beispiel Erkenntnis über sich und die Welt. Der Mensch lebt nicht von Brot allein, ich meine dass jetzt nicht religiös.

  6. Meiner Meinung nach wird ohnehin viel zu wenig gemacht in diese Richtung.
    Wir könnten schon viel weiter sein wenn wir nicht ständig das geld für irdische Dummheiten ausgeben wie Zb. Die Rüstungsindustrie. Der Mensch kann nicht ewig nur auf der Erde bleiben und sollte sich von der Nabelschnur Erde befreien.

  7. Pingback:Die Links des Tages – 2015-07-15 | König von Haunstetten

  8. Am besten in Worte gekleidet, hat diesen Vorwurf meiner Meinug nach immer noch Bob Marley in seinem Lied “So Much Trouble In The World”:

    You see men sailing on their ego trip,
    Blast off on their spaceship,
    Million miles from reality:
    No care for you, no care for me.

    Solange auf dieser Welt noch irgendwo Menschen verhungern, der Lebensraum von Menschen des Profits wegen zerstört wird und die Ungerechtigkeit weiter beständig zunimmt, muss sich die Wissenschaft diese kritische Anmerkung gefallen lassen.

    mfG
    Michael

      • @Andreas

        “Das trifft aber auch Kunst, Religion, Sport usw. genauso zu, nicht wahr?”

        Da haben Sie absolut Recht.

        Aber hier geht es um die Weltraumforschung unserer Zivilisation und um die Frage ob kritische Gedanken und Anmerkungen in diesem Zusammenhang hier in diesem Forum einen Platz haben oder nicht.
        Ich bin der Überzeugung, dass wir es uns mit einem bequemen Hinweis auf noch größere Verschwendungen an anderen Stellen viel zu einfach machen.
        Weiterhin bin ich überzeugt, dass wir die moralische Pflicht haben, unser gesamtes Tun stets selbstkritisch zu reflektieren. Und dieses Forum könnte eine Plattform sein, dies zum Thema Wissenschaft abzuhandeln. Für andere Themen mag es geeignetere Foren geben.

        Papst Franziskus zitiert in seiner Enzyklika LAUDATO SI’ einen seiner Vorgänger (Papst Paul VI) mit den Worten:
        “die Dringlichkeit und die Notwendigkeit
        eines radikalen Wandels im Verhalten der Menschheit“, denn „die außerordentlichsten
        wissenschaftlichen Fortschritte, die erstaunlichsten technischen Meisterleistungen, das
        wunderbarste Wirtschaftswachstum wenden sich, wenn sie nicht von einem echten sozialen und
        moralischen Fortschritt begleitet sind, letztlich gegen den Menschen.”

        Wir dürfen den sozialen und moralischen Fortschritt nicht aus dem Auge verlieren, ansonsten ist jedweder technische Fortschritt in letzter Konsequenz nutzlos.

        mfG
        Michael

        • Keine Anmerkung kann für sich in Anspruch nehmen, sie müsste unwidersprochen sein. “Kritisch” bedeutet ja nicht automatisch “qualifiziert”. Es gibt auch kritischen Unsinn oder kritisches Geschwätz.

    • @ Michael

      Sotschi: 50 Mrd., die übrigen Sommerspiele der 120 Jahre davor: Nochmal so viel (und das nur nominal, nicht inflationsbereinigt!)
      http://www.welt.de/sport/olympia/article124884456/Teurer-als-alle-bisherigen-Winterspiele-zusammen.html

      Fifa-WM 2014: 2,4 Mrd.
      http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/fifa-und-blatter-fernsehrechte-bringen-verband-milliarden-a-1036619.html

      Elbphilharmonie: wird wohl eine Milliarde werden

      Nutzen all dieser Ausgaben?
      Kein langfristiger und keiner für die Menschheit als solche, bestenfalls für Einzelne (vermutlich gestaffelt nach Korruptheit).

      Haben Sie da auch kritische Anmerkungen gemacht?
      Nein?
      Dann sollten Sie vielleicht auch dort still sein wo Erkenntnisse gewonnen werden!

      • Man kann lange hin und her diskutieren, was Baukosten angeht. manches bvringt mehr Schaden als Nutzen. Manches bringt aber langfristig auch unschätzbaren Nutzen, egal, was vorher gesagt wird. Ich nenne da mal die Bauprojekte von König Ludwig II. Ich behaupte mal, wenn man sich anschaut, was Touris aus aller Welt inzwischen so allem im Land gelassen haben, dann sieht die Rechnung viel positiver aus, als sich das zu Zeiten des Baus jemand hätte vorstellen können. Bei der Elbphilharmobie könnte es ähnlich ausgehen, und auch bei den Kostensteigerungen muss man sich immer fragen: Steigerung im Vergleich wozu? Den anfangs genannten Zahlen? Vielleicht waren die ja nie auch nur annähernd belastbar?

        Ich will eigentlich nur folgendes sagen:

        – “Das braucht keiner” ist schnell gesagt, aber hochgradig subjektiv. Das hilft nicht weiter.
        – Das mit Kostensteigerungen ist so ein Thema für sich.

        Vom Bau will ich gar nicht lange reden – ist auch nicht mein Fachgebiet. Die Diskussion ist hier auch off-topic.

        Allerdings kenne ich schon einige Großprojekte in der Raumfahrt, solche, bei denen die Kosten aus dem Ruder liefen und solche, bei denen sowohl Kosten als auch Ausführungsdauer im Rahmen blieben (on cost, on time). Ein Beispiel für letzteres ist gerade eines der größten und anspruchsvollsten Raumfahrtprogramme aller Zeiten, nämlich Apollo.

        Was ich aus Erfahrung sagen kann, ist dass die folgenden Handlungsweisen nahezu mit tödlicher Sicherheit zu Projektverzug und Kostensteigerungen führen:

        1.) Nennung eines unrealistischen Kosten-/Zeitrahmens zu Projektanfang. An dem wird dann alles gemessen und man reißt sich den ***** auf, um das halten zu können, was eigentlich realistischerweise von vorneherein unmöglich ist. Wenn man dann irgendwann so weit ist, dass das Ganze unter realistischeren Bedingungen realisiert wird, dann kostet und dauert es nicht mehr das, was es gekostet und gedauert hätte, wenn man von vorneherein die Realität akzeptiert hätte. Sondern es kostet mehr und dauert länger, weil die ganzen verzweifelten Anstrengungen zwischendurch auch Zeit und Geld kosten.

        Bestenfalls kostet und dauert es dann genau so, wie es schon immer hätte kosten und dauern müssen, realistischerweise. Das heißt, man hat gar keine wirkliche Kostensteigerung und auch keinen Verzug. Man hat nur eine scheinbare Steigerung, verglichen mit den Anfangszahlen, die aber nie realistisch waren. Aber wenn das wirklich so ausgeht, hat man Glück.

        2.) Änderung des Projektziels zwischendurch, auch bekannt als “scope creep”, was Projektmanager fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Auch bekannt als “the deadly scope creep”. Das sollte man *nie* zulassen. Wenn ein Mal klar ist, was man machen will, soll man auch dabei bleiben und nicht hier und da anfangen zu ändern, bis, hast-du-nicht-gesehen, das Ganze auf einmal zur Unkenntlichkeit verändert ist und keiner mehr genau nachvollziehen kann, wann genau das außer Kontrolle geriet.

        Ich kann Entscheidern nur eins raten, und zwar gratis und franko: “Finanziert ein Projekt ausreichend, sehr realistische Zeitrahmen vor, macht das Ganze auch mal ein bisschen robust und vor allem: Überlegt euch vorher genau,w as ihr wollt und bleibt dann dabei. Dann werdet ihr mal sehen, dass ihr später eine ganze Menge weniger Ärger haben werdet.”. So, bitte schön. Käme das jetzt von einer Beratungsfirma, wäre es in viele, viele, viele, und noch mehr schöne Worte gekleidet, und würde Millionen kosten, aber im Prinzip würden die auch nicht mehr sagen. Ich habe voll den Job verfehlt – würde ich nicht immer Klartext reden, wäre ich jetzt stinkreich.

        Klar, Korruption und Durchstecherei – das gibt’s immer. Das einzige, was dagegen hilft, ist Transparenz in der Projektdurchführung. Das aber hängt wiederum in direkter Linie mit den obigen Punkten zusammen. Wenn Chaos herrscht, weil alles im Fluss ist und keiner weiß, wo man eigentlich noch steht und wie es weiter geht, dann wird sich immer einer finden, der einen Weg findet, hier sein Süppchen zu kochen: Bis das auffliegt, ist es zu spät. Aber auch ohne große Korruption ist es sehr wohl möglich, richtig viel Geld zu verbrennen und am Ende mit leeren Händen darzustehen.

        Es würde mich wundern, wenn für Bauprojekte da nun wirklich ganz andere Regeln gelten würden. Aber vielleicht irre ich mich ja auch.

        Bei New Horizons scheint es so zu sein, dass nichts Unrealistisches versucht wurde. Man hat da im Wesentlichen alles richtig gemacht. Es kostet halt, was es kostet. Aber dafür funktioniert es dann auch.

      • @Gerry

        “Haben Sie da auch kritische Anmerkungen gemacht?
        Nein?
        Dann sollten Sie vielleicht auch dort still sein wo Erkenntnisse gewonnen werden!”

        Ist das jetzt so etwas wie ein Redeverbot?

    • Bob Marley, Papst Franziskus – was kommt jetzt eigentlich noch?

      Die merkwürdige Argumentation, bei der immer alles zusammen gepappt wird, was nicht zusammengehört – immer etwas ganz schlimmes mit etwas, was mir gerade nicht passt, warum auch immer, erfreut sich immer noch großer Beliebtheit.

      Als ich ein kleiner Junge war und nicht aufessen wollte, weil es wirklich nicht schmeckte, weil ich nicht mehr konnte, oder weil ich lieber Nachtisch essen wollte, da kriegte ich zu hören “In Indien verhungern die Kinder, aber du isst das gute Essen nicht auf!”

      Was ist das denn für ein Quatsch? Schon fast infam. Irgendwie wird da ja unterstellt, es sei am Ende meine Schuld, dass irgendwo Kinder verhungern. Dass das absurd ist, dürfte eigentlich jedem auffallen. Nehmen wir an, ich mache, was die wollen, und stopfe es mir rein, obwohl ich nicht will. Was dann? Wem ist damit geholfen?

      Ganz genau so ist das auch im gegebenen Fall. Es geht doch gar nicht um das Leid der Welt. Ebenso, wie es damals nicht um die Kinder in Indien ging, sondern darum, dass sich jemand beleidigt fühlte, weil mir das Essen nicht schmeckte.

      Und hier geht es nicht darum, dass die pöhse Wissenschaft uns ja bekanntlich alle das letzte Hemd kostet und wir deswegen kein Geld mehr für die Armen der Welt haben. Es geht einfach darum, dass ein paar Rechthaber Wissenschaft und Technik doof funden. und wie das halt so ist, reicht es nicht, das doof zu dfinden. Nein, es stört die, dass andere sich dafür interessieren.

      Das hier klingt zu kindisch, obwohl es passen würde: “Ich mag das nicht! Menno! Die sollen das nicht machen!”. Also werden die Armen der Welt bemüht und sonst noch ein paar Floskeln bemüht. Aber es ist am Ende nichts als eine weitere Variante der “Dort verhungern die Kinder und du isst deinen Teller nicht leer”-Masche.

  9. Traurig. Da hat eine fantastische technische und wissenschaftliche Leistung vieler Tausend schlauer Menschen vollen Erfolg gehabt, an dem weltweit Millionen Menschen teilhaben. Und dann muss es ein paar Miesepeter geben, die meckern.

    Vorgeblich meckern sie, weil’s Geld kostet. Und weil es nicht ausreicht, einfach nur zu meckern, muss man auch noch die moralische Überlegenheit in Anspruch nehmen, indem man diese Investition in die Wissenschaft mit dem menschlichen Leid verquickt, das ganz sicher bedauerlich und unerträglich ist, aber damit objektiv nichts zu tun hat.

    Es bestünde nur dann ein Zusammenhang mit dem menschlichen Leid und den Ausgaben der Wissenschaft, wenn die Mittel in dieser Welt so knapp wären, dass letztere unweigerlich zu ersteren führen. Angesichts der viel höheren Summen, die alljährlich für destruktive Dinge wie Rüstung rausgehauen werden – Stefan hat die Summen genannt – ist ein solcher Zusammenhang aber offensichtlich niocht existent. Das ist weder eine Relativierung noch eine Rechtfertigung. Es ist eine eindeutige Widerlegung der Annahme, es bestünde ein Zusammenhang zwischen Wissenschaftsausgaben und menschlichem Leid. (Nun gut, ein solcher Zusammenhang besteht, aber ganz anders, als von den Miesepetern genmeint. Dazu gleich mehr).

    Man braucht übrigens nicht nur staatliche Ausgaben anzusehen. Wieviele Euros verqualmen, versaufen oder verfressen wir täglich? Wieviel gibt jeder Einzelne für teure Hobbies, schicke Klamotten oder Reisen aus? Wieso machen wir das, wenn es doch Leid auf der Welt gibt? Wir könnten doch zumindest das Rauchen und den Alkohol bleiben lassen und das Geld zur Linderung der Armut verwenden? Ich meine ja nur … konsequenterweise sollte man das tun, wenn einem wirklich was an den Armen der Welt liegt. Passiert aber nicht. Das zeigt, wie viel man auf diese Art von Argumentation geben darf.

    Im Grunde ist die Meckerei doch nur Besserwisserei. Wer so daherredet, den interessiert Weltraumforschung nicht. Technik wahrscheinlich auch nicht. Gut, das darf jeder halten, wie er will. Ich finde es zwar absurd, in einer Welt, die wie nie zuvor mit Technik und Wissenschaft verbunden ist, zu sagen: “Das ist mir alles egal.” Aber man kann es auch keinem verbieten.

    Nur: Millionen Menschen ist das nicht egal. Das weltweite Interesse an den Projekten der NASA spricht eine deutliche Sprache. Haben die Leute alle Unrecht, weil sie sich für Dinge interessieren, die den Meckerfritzen wumpe sind? Ganz schön arrogant, so zu denken. Mir ist Rockmusik wumpe, und die allermeisten Sportarten auch. Aber ich kann doch nicht dahergehen und sagen, da haben sich gefälligst die anderen meiner Sichtweise anzupassen.

    Die kulturelle Leistung der Wissenschaft wurde angesprochen. Wissenschaft ist aber noch mehr. Sie ist eine Bildungsmaßnahme. Unter den Projektbeteiligten sind viele junge Menschen. Die haben studiert und gehören zu den besten Ihres Fachs. Weltweit. Oder vielmehr “ihrer Fächer”, denn Raumfahrt ist so interdisziplinär, dass ein ganz breites Spektrum von Fachrichtungen beteiligt ist.

    Jetzt gibt man allen diesen Leuten eine richtig fette Herausforderung So eine Raumsondenmission zum Rand des Sonnensystems steckt voll mit solchen Herausforderungen. Und die Leute setzten sich hin, stecken ordentlich Gehirnschmalz hinein und lösen die Probleme, eins nach dem anderen. Danach sind sie nicht mehr dieselben, die sie vorher waren. Nein, sie sind noch einmal ein ganzes Stück besser geworden. Der Mensch wächst mit seinen Leistungen.

    Genau deswegen ist so ein Projekt eine Bildungsmaßnahme, und zwar eine sehr effektive.

    Und nun wieder zum Leid in der Welt. Zum großen Teil ist das da, weil mehrheitlich gewollt oder zumindest in Kauf genommen wird, dass das Leid existiert. Würde das keiner mehr wollen, dann würden keine Kriegswaffen mehr entwickelt, gebaut und eingesetzt. Jede Wette, allein damit wäre alles Leid auf dieser Welt schon mal deutlich weniger geworden. Ganz deutlich.

    Zum kleineren Teil ist das Leid aber da, obwohl man helfen will, weil man noch nicht das Wissen verfügt, um etwas an den Ursachen zu machen. Dazu ist Wissenschaft da. Je mehr wir wissen, desto besser verstehen wir die Umwelt, die Natur, die Psyche, die Auslöser von Krankheiten. Mit dem Wissen kann man Probleme lösen. Ohne Wissen ist man allem und jedem hilflos ausgesetzt.

    Wer jetzt aber fordert: Kein Geld für die Weltraumforschung, der sagt damit implizit auch: Diese Investition in die Bildung soll nicht gemacht werden. Bei der Bildung zu sparen, ist aber nie gut. Dann fehlt nämlich am Ende Wissen. Aber allein schon, um Menschen zu helfen, sollte man das Wissen mehren. Und aus vielen anderen Gründen auch.

    Also Leute, lasst die Meckerei. Das ist im besten Fall lästig und im schlimmsten Fall zynisch. Wenn’s ganz dumm kommt, dann hört sogar jemand auf die Meckerer.

    Das wäre schlecht für uns alle.

    • Ein guter Kommentar
      Was die Beteiligten bei dieser Mission geleistet haben, – dass das Ziel erreicht wurde und dass die Geräte noch funktionieren – ist großartig.
      Jetzt sollte man erst einmal die Ergebnisse und Auswertung der gesammelten Informationen abwarten. Schon zu meckern – bevor man überhaupt weiß, was am Ende rauskommt – finde ich nicht besonders sinnvoll

  10. Also ich kann nur noch Hern Khan beipflichten! Vielleicht nur das: Ich empfinde es als unglaublich inspirierend, in solch entfernte Winkel unseres Sonnensystem blicken zu dürfen. Ich kann nicht verstehen, wie jemand der Ansicht sein kann, dass die Erkundung unseres Sonnensystems nichts mit uns auf der Erde zu tun hat.

  11. Meiner Meinung nach denken die Kritiker solcher Raumfahrtmissionen zu eingeengt. Es gibt neben den tollen und wichtigen Erkenntnissen über unser Sonnensystem auch weitere Nutzen: Bei Kleidung, Pfannen, etc. wird immer von “Technologie aus der Raumfahrt” gesprochen. Diese irdischen Nutzen gäbe es ohne die Raumfahrtmissionen nicht, da nur dort extreme Probleme gelöst werden müssen, was zu ingenieursmäßigen Topleistungen führt.
    Also haben die Raumfahrtmissionen durchaus Zusatznutzen für die Menschheit auf der Erde. Man muss es nur sehen wollen.

  12. Fazit ist: Es wird noch viel zu wenig für Forschung und vor allem Bildung ausgegeben. Und auch ich habe einige Kommentare in den Kommentarspalten diverser Medien zur Mission gelesen.

    Für einige dieser Kommentatoren zählt die Grundlagenforschung wohl nicht. Warum besitzt so ein Kommentator eigentlich ein Smartphone aka Computer, um so einen Mist im Internet abzusondern? Ohne Grundlagenforschung gäbe es gar keine derartigen datenverarbeitende Systeme (PC, Smartphones, Internet, you name it).

    • Ja, es wird zu wenig für Foschung und Bildung ausgegeben. In Deutschland allemal. Dort erreichen wir ja nicht einmal das selbst gesteckte Ziel und liegen weit hinter dem OECD-Durchschnit zurück.

      Außerdem denke ich, “zu viel Ausgaben for Forschung und Bildung” ist wie “zu viel Pizza” oder “zu viel Erdbeeren mit Schlagsahne”. Ein theoretisches Konzept, das es in der Praxis gar nicht gibt. Volkswirtschaftliche Aktivität ist kein Nullsummenspiel. Wenn man in die Bildung und Forschung investiert, dann zahlt sich das in Form von Innovation aus. Am Ende kann man sogar mehr herauskommen, als man hinein gesteckt hat. Das hat sich beim Apollo-Programm gezeigt.

      • Es gibt schon ein Förderungsproblem: Von Grundlagenforschung in z.B. Deutschland profitieren alle Länder, auch wenn sie nur Trittbrettfahrer sind. Damit die Industrie eines Landes von seinen Forschern profitiert braucht es einen Wissenstransfer von den Universitäten und Forschungslabors zu den Industriefirmen.

        • Na, wenn schon. Auch wenn davon auch andere Länder profitieren, im Endeffekt behält der die Nase vorn, der ausreichend in seine Zukunft investiert, und der, der das nicht tut, geraät aufs Abstellgleis.

          Apollo hat damals die Computerindustrie, die Luft- und Raumfahrtindustrie und die Telekommunikationsindustrie weltweit mitgezogen. Aber es war jedem immer klar, wo der Hammer hängt. Anbietern wie Kunden: in den USA.

  13. Vgl. :
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/New_Horizons (‘Die Kosten, einschließlich der Entwicklung und des Baus der Raumsonde sowie ihrer Instrumente, der Trägerrakete und der Missionsdurchführung bis zum Jahr 2016 betragen etwa 700 Millionen Dollar.’)

    Kosten sind schon wichtig und dürfen diskutiert werden (auch wenn eher sparsam “verargumentiert ” wird, wie im angemängelten Kommentar beispielsweise), von der Menge, wie womöglich auch mit den nationalen Wehretats verglichen werden…

    Bei den nicht geringen Kosten der US-amerikanischen Raumfahrtprogramme weiß der Schreiber dieser Zeilen auch nicht so recht:
    -> https://en.wikipedia.org/wiki/Budget_of_NASA#Annual_budget.2C_1958-2015

    MFG
    Dr. W

  14. Mal abgesehen vom Militär (meinetwegen kann das auf der Stelle weg): Solange öffentliche Gelder (also auch meine Steuern) ausgegeben wird für Olympiastadien oder sonstwie Kommerzsportport, für Wagner in Bayreuth, Unterhalt von Priestern irgendwelcher Religionen oder was sonst so als Kultur gelten mag, erwarte ich, dass entsprechendes Geld für wissenschaftliche Forschung inklusive Raumfahrt ausgegeben wird. Das ist meine Kultur. Es gehört zu meiner Spiritualität. Macht mit all dem Geld innerhalb Eurer Horizonte was Ihr wollt, aber lasst mir meine.

    Ein Großteil der Menschen wollen Wissenschaft. Da soll auch ein entsprechender Teil Geldes dafür ausgegeben werden, diese Menschen (ich zum Beispiel) zahlen ja dafür. Ich habe auch nichts dagegen, dass Fußballstadien gebaut werden, dass will eben ein anderer Großteil der eben dafür zahlt. (Ja ich weiß das man das im einzelnen im großen Geldtopf nicht auseinander halten kann. Ist doch völlig egal.)

    Die Argumentation mit den sozialen Problemen und dem Hunger ist einfach scheinheilig. Soziale Probleme entstehen durch falsche Machtverteilung und schlechte Organisation von Gesellschaften und Ökonomien, Korruption, schlechte Herrschaft. Nicht durch Raumfahrt. Niemand müsste hungern, bessere Organisation der Nahrungsverteilung würde wenig kosten. Kein Mensch kann doch glauben, wenn da ein paar Milliarden gespart werden, dass es auf der Welt auch nur einen Tuck besser wird. Das Geld, das Staaten hier sparen, würde doch nur für mehr von dem verwendet, das jetzt schon zu den Problemen führt, die wir haben. Oder glaubt irgendeiner dieser Kommentatoren, dass das dann in die Landverteilung an Kleinbauern geht, grossflächigen Schutz von Regenwäldern, bessere Unterstützung von Flüchtlingen, Grundeinkommen, Entwicklung neuer Medikamente gegen Dritte-Welt-Epidemien, forcierte Dekarbonisierung der Energiewirtschaft oder was immer tatsächlich gebraucht wird, fließt. Nicht wirklich, oder?

  15. “Sollen sich auch alle schämen, die gedankenlos sich der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen, und nicht mehr davon geistig erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst.” — Albert Einstein

    BTW: Wäre es möglich (evtl. auch in einem Blogbeitrag) alle Produkte (GPS, Solarzellen) und auch den “Beifang”, d.h. Dinge, die ursprünglich für die Raumfahrt vorgesehen waren aber dann anderweitig genutzt wurden, einmal aufzulisten?
    Dann könnte man den Nörglern fundiert Kontra geben, da sicherlich jeder mindestens eine der PRodukte/Technologien nutzt, die die Wissenschaftler angeblich nur zum Zeitvertreib und Geldverschwendung nutzen.

    • Ich denke, die “Abfallprodukte” der Raumfahrt findet man gar nicht so häufig in unseren Haushalten. Was man findet, und wovon wir alle profitieren, sind nicht Spin-Offs (also eben nicht die vielzitierte Bratpfanne), sondern Anwendungen, die das Weltraumsegment einbinden – bzw., die ohne das Weltraumsegment gar nicht funktionieren würden oder viel weniger gut.

      Allem voran die satellitengestützte Meteorologie. Allein die hat uns Menschen schon um ein Vielfaches mehr gebracht, als jegliche Raumfahrt je gekostet hat. Wollen wir wirklich wieder zurück in die Vor-Satellitenzeit, wo es passierte, dass ein Wirbelsturm ohne Vorwarnung irgendwo auf die Küste trifft?

      Das sollte man einfach die fragen, die immer was zu meckern haben.

  16. Bei den Kritikern, die in den Kommentarspalten im Wissenschaftsteil regelmäßig aufpoppen herrscht ein merkwürdiger Glaube an ein Primat des Geldes. Sehr viele der oft genannten Probleme, die man mit dem Budget der NASA angeblich angehen könnte, lassen sich aber mit Geld gar nicht lösen. Die grundlegenden Probleme der Menscheit sind meistens politischer, bzw. gesellschaftlicher Natur. So banalen Probleme wie Schlaglöcher auf den Autobahnen haben wir bestimmt nicht, weil aus deutschen Steuergeldern auch Raumfahrt finanziert wird.
    Außerdem stört mich an den Raumfahrtkritikern die unterschwellige Unterstellung des Eskapismus. Nur weil wir unser Sonnensystem erkunden, heißt das doch nicht, dass wir uns nicht mehr um die Erde kümmern wollen. Es geht hier nicht um eine Entweder-oder-entscheidung.

    • Das sehe ich auch so! Weltraumforschung sollte keine Glaubensangelegenheit sein, sondern uns Erkenntnisse darüber liefern, wie unser Universum aufgebaut ist und aus welchen Strukturen es besteht. Da ist es dann auch gänzlich unwichtig, ob irgendwelche Nebenprodukte dabei herausspringen, die ich in meiner Küche verwenden kann.
      So wie vor Jahrhunderten unsere Erde erforscht und vermessen wurde, so erforschen und vermessen wir nun den Weltraum.
      http://www.focus.de/wissen/weltraum/odenwalds_universum/tid-24936/weltraumforschung-die-zehn-wichtigsten-erkenntnisse-der-astronomie_aid_710176.html

    • @ Lichtecho :

      Bei den Kritikern, die in den Kommentarspalten im Wissenschaftsteil regelmäßig aufpoppen herrscht ein merkwürdiger Glaube an ein Primat des Geldes.
      […]
      Es geht hier nicht um eine Entweder-[O]der-[E]ntscheidung.

      Nur ganz kurz, in Ihren Worten, ‘aufgepoppt’ diese Reaktion:
      Letzter Satz Ihriger Nachricht korrekt, erster Satz problematisch, denn wenn es um Ressourcen und deren Bemessung geht, gibt es sehr oft die Hilfsgröße ‘Geld’, d.h. ‘Geld’ hier nicht als erstrangig oder als ‘Primat’.

      HTH
      Dr. W

  17. Bei so einer Argumentation muss man eigentlich hergehen und sagen:
    “Was kaufen Sie sich ein Smartphone, solange die Probleme der Welt nicht gelöst sind? Von dem Geld kann eine arme Familie sich 1/2 Jahr lang ernähren.”
    “Was besorgen Sie sich ein Auto…” “Was, Sie nutzen eine Wohnung über 10 m²…?” etc. pp. All dieser Luxus ist nutzloser, ja deutlich schädlicher (Umweltkosten) im Vergleich zur Vermessung des Universums.

  18. Wir müssen ja auch vielseitige Grundlagenforschung auf anderen Gebieten machen, die sich erst später auszahlt. Die Wissenschaft muss sich weiter entwickeln – und Pluto war ein gelungener Erfolg!
    Manchmal kommen auch eigenarteige “Blüten” zum Vorschein wie unter dem Google-Stichwort:
    “wise-demagogie”.

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