Kopflos? Archäologische Grabungen an der Richtstätte Alkersleben im Sommer 2009.

Tagebücher der Wissenschaft

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Das Abenteuer Geschichte geht weiter. In diesem Jahr führt es seine Teilnehmer nach Thüringen. Im Sommer wird die Autorin dort für die Studenten der Humboldt-Universität Berlin eine Lehrgrabung durchführen. Diese Grabung weist mehrere Besonderheiten auf. Zunächst einmal die Thematik. Hinrichtungsstätten sind den meisten Interessierten lediglich als Orte des Rechtsvollzugs bekannt, die mit Spukgeschichten, Zauberei und Aberglauben belegt sind. Doch was geschah mit den dort Gerichteten? Viele von ihnen verblieben auf der Richtstatt und wurden lieblos und ohne Anteilnahme in Gruben verlocht. Durch den Entzug der christlichen Sterbesakramente und Niederlage in ungeweihter Erde war der Delinquent zudem dazu verurteilt, niemals Einzug in das Paradies halten zu können und am Tag des Jüngsten Gerichts in das Reich der Hölle zu wandern. Das Hängen lassen am Galgen und zur Schaustellen auf dem Rad konnte die Todesstrafe post mortem verschärfen – der Straftäter sollte mit seinem Leib noch über den Tod hinaus büßen.

In Deutschland sind archäologisch erfasste Hinrichtungsstätten sehr selten und so wird diese Grabung den Wissenstand zum Thema Richtstättenarchäologie erheblich erweitern. Doch wir wissen bereits, was uns erwartet. Woher? Bereits in den 70iger Jahren wurde der Gerichtshügel geöffnet, zahlreiche Skelette und diverse Kleinfunde wurden gesichert. Doch noch mehr als die Hälfte ruht unter der Ackerkrume und bewahrt durch die Zeit hindurch Antworten auf Fragen zur mittelalterlichen Rechtspraxis, Bestattungssitte und zum Umgang mit den Delinquenten.

Ergraben wurde der Gerichtshügel damals durch die tatkräftige Hilfe zahlreicher Hobbyarchäologen, Schüler umliegender Ortschaften, die im lässigen Siebziger-Jahre-Look immer wieder auf den alten Fotos auftauchen. Heute sind sie erwachsene Männer in unterschiedlichen Berufen, die sich ihr Interesse für Archäologie und Geschichte erhalten haben. Unser Archäologieprojekt lädt nun ihre Söhne und Töchter i.R. des Projekts "Archäologie für Laien" ein, in diesem Jahr an unserer wissenschaftlichen Grabung teilzunehmen. Zu lernen, wie spannend der Umgang mit Geschichte sein kann, wie wichtig akribische Dokumentation ist und wie abwechslungsreich sich die Arbeit eines Archäologen gestaltet. Wir werden wie im vergangenen Jahr ein Tagebuch dazu führen und hoffen, über interessante Funde und Befunde berichten zu können.

Eine erste Informationsveranstaltung findet am 29.05.09 in Elxleben (Ilm-Kreis Thüringen) um 19.30 statt.

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Zu meiner Person: Dr. phil., Historikerin/Archäologin M.A. Schwerpunkt: Rechtsarchäologie, archäologische und historische Richtstättenerfassung

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