Tragt die Erde ab

Tragt die Erde ab „wie bei einem widerspenstigen Gouda.“ Mit diesem wertvollen Tipp starteten wir heute in den ersten Tag unserer Lehrgrabung auf dem Galgenhügel Perleberg. Eine bunt gemischte Gruppe sind wir immerhin: Zwei Universitäten, zahlreiche spannende Fachrichtungen und jeder Einzelne von uns hochmotiviert und voller Elan.

Eine Gruppe Jungarchäologen mit Werkzeugen über einer Grabungsstelle.

Kurz vor der Begegnung mit dem Mittelalter.

Heute Morgen sah das leider erst einmal ganz anders aus. Mit verschlafenen Gesichtern und größtenteils leeren Bäuchen („niemand hat etwas von Verpflegung gesagt!“) machten wir uns auf den Weg Richtung Grabung. Die Müdigkeit wich zunächst der panischen Angst vor Mücken und Zecken, schlug sich dann jedoch in voller Einsatzbereitschaft nieder, sodass wir gleich loslegen konnten.

Galgenberg – hier sind wir richtig.

Mit Spaten und Schippen bewaffnet wagte sich der Großteil der Gruppe an die Erde heran, während andere mit der Abmessung und dem Abstecken der Planquadrate begannen. Nach einem kurzen „Warm Up“ merkte wohl jeder, dass es wirklich eine Menge Arbeit macht, Stück für Stück eigenhändig die Erde abzutragen, um ein schönes Planum zu erhalten. Um 9.45 Uhr herum dann der erste Fund: Eine urzeitliche Keramikscherbe.

Auch Erde kann spannend sein.

Zeitraum verfehlt, aber die Motivation stieg plötzlich noch einmal an. Nun wollte jeder etwas finden, doch nur kurze Zeit später hielt ich eine Keramikscherbe aus dem Mittelalter in der Hand und wenige Sekunden später eine zweite. Die Hoffnung, in dieser Ecke des Planquadrates noch etwas zu finden, erlosch jedoch und mit der Zeit wurde das Graben immer anstrengender. Alle sehnten sich nach der Mittagspause (und nach Mittagsschlaf).

Die Funde sind zum Niederknien

Um die Mittagszeit herum waren schon Befunde im Planum zu erkennen. Nach einem kurzen Tief gaben wir jedoch noch einmal Gas und trugen fleißig Erde ab. Zwischendurch wurden noch einige weitere Keramikfragmente und sogar ein Knochen (wahrscheinlich von einem Tier und aus jüngerer Zeit, aber Hauptsache ein Fund!) entdeckt. Der Nachmittag verging recht schnell und wir packten sämtliche Gerätschaften wieder ein. Einige Patzer und Unsicherheiten waren heute zwar dabei, aber es ist ja eine LEHRgrabung, sodass wir morgen wieder unser Bestes geben werden!

Josie

Zu meiner Person: Dr. phil., Historikerin/Archäologin M.A. Dozentin an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Schwerpunkt: Rechtsarchäologie, archäologische und historische Richtstättenerfassung

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist schön zu zu lesen, dass jungen Studis die praktische Seite unserer Arbeit vermittelt wird, die durchaus an die Substanz gehen kann. Aber!…Wenn ich die Fotos sehe, auch auf einer Forschungsgrabung gelten Arbeitsschutzrichtlinien…Turnschuh und Spaten sind ‘ne super Kombination.

  2. Hi,

    na da habt ihr ja das ideale Wetter abgepaßt….
    Viel Spaß und weiterhin gut Fund und noch besseren Befund!

    Farbige Bauhelme lassen auch die im Gebüsch Versteckten erkennen…. 😉

    Gruß
    Thomas

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