Galgenberg Bad Belzig 2018… ein Sturm als Grabungshelfer

Erinnern wir uns an den letzten Herbst, fällt uns sofort der überall verheerend wirkende Sturm Xavier ein. Auch hier in Bad Belzig, auf dem Galgenberg, hat er seine Spuren hinterlassen. Zahlreiche entwurzelte Bäume lagen verstreut im Wald umher, als wir Ende Oktober 2017 den sonst so idyllischen Wald aufsuchten. Auf der Hügelkuppe lag ein besonders großes Exemplar. Jonas, wir haben 2014 hier oben zusammen gegraben, entdeckte ihn als Erster: im großen Wurzelgeflecht des umgestürzten Baumes hingen fest umschlungen von zartem Wurzelgespinst die Reste eines männlichen Schädels. Immer eine Kelle im Rucksack zogen wir vorsichtig den Umgebungshorizont ab und fanden weitere humane Knochen. Der Baum als Grabungshelfer des Jahres 2017! Damit stand fest – wir müssen wiederkommen.

 

Und dies tun wir in diesem Herbst. Vom 10.09. bis zum 01.10.2018 werden wir erneut auf dem Galgenberg in Bad Belzig graben. Zufällig stand der Baum in jenem Planquadranten, der möglicherweise die fehlenden dritten Pfostenlöcher für den dreischläfrigen Galgen enthält. Jenem Bereich des Hügels, den wir im Jahre 2014 bewusst ausgelassen haben, da unsere Zeit damals wie auch heute begrenzt war. Nun widmen wir uns diesem Areal, das wohl neben den Pfostengruben weitere aussagekräftige Befunde bereithalten dürfte.

Wie in jedem Jahr werden die Studenten diesen Blog wieder Tag für Tag mit ihren Eindrücken, Gedanken und Schilderungen in nicht allzu streng wissenschaftlicher Schreibweise füllen. Sie und Euch , lieber Leser, werden sie in den Alltag eines Archäologen mitnehmen, dessen Stunden mit weitaus mehr als Sand und Steinen gefüllt sind.

 

Hoffen Sie mit mir und uns auf Befunde, die uns das Recht, seine Ausführung und seine Betroffenen mehr verstehen lässt, als es die schriftlichen Quellen zur Gerichtsbarkeit in Bad Belzig derzeit ermöglichen.

 

Marita Genesis

 

2017…die Wurzel mit dem Schädel und den zahlreichen im Geflecht hängenden Knochenfragmenten.

2017…Freilegung des Schädels

2018…die Ausgrabung beginnt.

Es dauert nicht lange und es herrscht das gewohnte Getümmel im Planquadranten.

Lukas ist schon ganz bei der Sache…das ist mein Holz!

 

 

 

 

 

 

Zu meiner Person: Dr. phil., Historikerin/Archäologin M.A. Dozentin an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Schwerpunkt: Rechtsarchäologie, archäologische und historische Richtstättenerfassung

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das geht ja extrem spannend los! Aber es braucht eben auch immer eine Geschichte, die uns auch emotional berührt – bei aller Wissenschaft und all dem Metall zum Kratzen und Schaben, den Meßgeräten und den entstandenen Abraumbergen. Es gibt keine aufregendere Reise durch dieses Zeitfenster, als sich selbst dabei die Hände schmutzig zu machen. Ich wünsche allen eine lehrreiche Zeit und freue mich bereits jetzt aufs selber mit anpacken. Viele Grüße aus Dresden von Mario

  2. Moinsens….

    schön, daß es wieder losgeht und dann auch gleich so literaturhaft…
    “… Sturm deckt uralten Missetäter auf…” 😉

    Wünschen Euch alles Gute und interessante Befunde!

    Die Mühlenbande

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