Die erste Woche auf dem Galgenberg liegt hinter uns…

Yannics Text mit kurzer Verspätung unten anbei. Angemerkt sei, dass dieser Platz ein besonderer ist. Hier treffen zwei unterschiedliche Kulturen auf beengtem Raum, besser gesagt, ihre Glaubensvorstellungen von “guten” und “bösen” Toten, aufeinander. Es berührt uns alle, dicht neben oder zwischen den liebevoll bestatteten Toten der Bronzezeit den offensichtlich achtlos im Boden verscharrten Toten des Mittelalters und der Neuzeit zu begegnen. Jedes weggeputzte Sandkörnchen offenbart ein Schicksal, das wir schon im in-situ Stadium zu deuten versuchen. Diese erste Woche hat uns mit Macht zurück in die Geschichte geschickt. Ihre Befunde und Funde motivieren nicht nur unsere fleißigen Ausgräber. Sie lassen die Geschichte lebendig werden, die so trocken in den Quellen aufgeschriebenen Urteile erhalten hier draußen ein reales Erscheinungsbild.

Yannic : Der vierte Tag unserer Grabung begann mit Regen und allgemeiner Müdigkeit. Nachdem der kalte Septemberregen uns aufgeweckt hatte, Mülltüten provisorisch zum Regenschutz umfunktioniert und ein Pavillon über der Nordhälfte der Sondage 10 errichtet worden waren, konnte die Arbeit jedoch wie gewohnt aufgenommen werden. In besagter Nordhälfte der Sondage wurde das Planum weiter abgetragen und die am dritten Tag entdeckte Urne weiter freigelegt, was den Blick auf das Steinpflaster freigab, welches die Urne fest umschließt. Die südliche Sondage beschäftigte sich hauptsächlich mit der Aushebung eines tiefen Profils im östlichen Teil des Planums, welches anschließend abgezeichnet wurde.

Zur Mittagsstunde stellte sich der Regen ein und wir erhielten Besuch der Friedhofsangestellten, die in den Genuss einer Privatführung durch die Grabungsleiterin kamen.

Als in der Südsondage nach weit über einem Meter an losem Sand kein Fund festgestellt werden konnte, wandten wir den Fokus auf das Abtragen der westliche Hälfte ebendieses Planums. Dort stießen wir zunächst auf kleinere Knochenfragmente. Kurz vor Feierabend erblickten wir jedoch ein größeres Stück Knochen, das sich als Schädel herausstellte. Ob es sich hierbei um die Stirnseite plus Augenhöhlen oder den Hinterkopf im Übergang zum Nacken handelt, wird am kommenden Tag analysiert werden.

Yannic

 

Privatführung der Grabungsleiterin

Freilegung des Schädelfragments

Urne mit Steinpflaster für festen Stand (Bronzezeit)

Zu meiner Person: Dr. phil., Historikerin/Archäologin M.A. Dozentin an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Schwerpunkt: Rechtsarchäologie, archäologische und historische Richtstättenerfassung

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  1. Eine sehr spannende Woche – auch für uns Außenstehende im Trocknen, die wir allabendlich nach den Tsgebucheintragungen Ausschau halten. Für nur eine Woche ist bereits ne ganze Menge passiert. Viele Grüße von Mario aus Dresden

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