Gentechnik in der Kritik

KartoffelnEine Kartoffel mit gentechnisch verändertem Stärkegehalt, eine Milchkuh, die aufgrund eines Gens patentiert wurde: Immer wieder macht die Gentechnik in der Landwirtschaft von sich reden – und das meist nicht zur Freude der Öffentlichkeit. Das Vorgehen einzelner Konzerne bringt dadurch in Misskredit, was Forscher an anderer Stelle an intelligenten Nutzungsmöglichkeiten entwickeln.

Gut 15 Jahre gibt es den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Früh warnten Umwelt- und Verbraucherschützer vor unkalkulierbaren Risiken der Technologie. Genpflanzen, die das so genannte Bt-Toxin nutzen, um sich gegen Insekten zu wehren, stehen in der Kritik, auch nützliche Insekten zu töten und in Tierfütterungsstudien Allergien und Organschäden zu verursachen. Genpflanzen, die gegen ein bestimmtes Herbizid tolerant gemacht wurden, haben ermöglicht, dass sich „Super-Unkräuter“ ausbreiten konnten. Immer wieder gelangen nicht zugelassene Genpflanzen in unsere Lebensmittel, weil es unglaublich aufwändig ist, Genpflanzen getrennt von konventionell und ökologisch angebauten Pflanzen zu verarbeiten.

Es gibt viele gute Einwände gegen die bisherigen Konzepte der Gentechnik. Der Bt-Ansatz hat beispielsweise in Indien massiv versagt und soll zahlreiche Bauern in die Verschuldung und schließlich den Freitod getrieben haben. Eine deutsche Studie fand, dass die Biosicherheitsprüfungen eigentlich alle wiederholt werden müssten, weil bei vielen Fütterungsstudien Antibiotika im Nährmedium enthalten sind, und durch den bakterienfreien Darm eine artifizielle Situation entsteht, die fern der Realität liegt.

Der Ht-Ansatz (Herbizidtoleranz) hat sich selbst ad absurdum geführt. Zum einen, weil der so genannte Durchwuchs – die ungewollte, wiederkehrende Vorjahreskultur – nun mit heftigeren Herbiziden bekämpft werden muss, da sie ja gegen das eigentlich genutzte Herbizid resistent ist. Zum anderen, weil durch den Einsatz von nur zwei Wirkstoffen Resistenzen so häufig ausgekreuzt sind und sich vermehrt haben, dass Landwirte so starke und unterschiedliche Herbizide einsetzen müssen wie früher.

Das Ergebnis kennen in Europa alle: Gentechnik wird auf breiter Front abgelehnt. Und für die genannten Produkte möchte ich sagen: zurecht. Mittelfristig profitieren nur die Saatgutanbieter, selbst die Bauern verlieren mit der Zeit ihre Vorteile, Lebensmittelhersteller und Verbraucher haben gar keine Vorteile – aber die Risiken.

Das Problem hat die Industrie erkannt und wirbt mit Gentechnik als Mittel gegen den Welthunger. Selbst wenn man einmal ausklammert, dass der Welthunger gänzlich andere Ursachen hat (Verteilungsproblem etc.): Was immer die Konzerne bisher vorgeschlagen haben, haben konventionelle Zuchtverfahren und Anbaumethoden schneller erreicht – und ohne ungewisse Nebenwirkungen. Selbst die Idee des Goldenen Reis, so löblich sie sein mag, ist aus verschiedenen Gründen zum Scheitern verurteilt.

Aber ist das wirklich alles, was die Gentechnik ausmacht? Beileibe nicht. Es gibt Ansätze, mittels der Gentechnik Hybridweizen zu erzeugen, dessen gentechnische Veränderung sich per se nicht ausbreiten kann. Potenziell könnte das den Ertrag je Hektar verdoppeln. Andere Projekte wollen Resistenzen gegen Krankheiten erzeugen, indem die Pflanze gezielt Gene des Erregers ausschalten kann. Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Vielleicht sollten die Befürworter der Gentechnik einmal in der Öffentlichkeit einräumen, dass die erste Generation der Genpflanzen tatsächlich nicht so toll ist. Das soll bei neuen Technologien ja durchaus vorkommen. Und die Gentechnikgegner sollten ihre Pauschalablehnung überdenken, denn Gentechnik ist ein weites Feld.

Viele Bedenken wurden in den letzten 15 Jahren geäußert. Keine Genpflanze ist heute auf dem Markt, die diesen legitimen Bedenken gerecht wird. Aber es wird sie geben. Sie hat dennoch nur dann eine Chance, wenn jenseits aller Ideologien seriös Kosten und Nutzen betrachtet werden. Weshalb soll die Gesellschaft einen Gentechnikansatz fördern, der unter möglichen Nebenwirkungen etwas erreichen will, was sich auch anders und ohne Risiko erreichen lässt? Solange die Gentechnikindustrie aus kurzsichtigem Profitdenken weiter auf solche Pflanzen setzt, sehe ich – zumindest in Europa – auch für sinnvolle Anwendungen der Gentechnik keine Zukunft; erst recht nicht, wenn es obendrein immer wieder Patente auf normale(!) Lebewesen gibt – doch davon ein anderes Mal.

Foto: Maria Lanznaster/Pixelio

Veröffentlicht von

www.buero32.de

Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Gentechnik in den falschen Händen

    Zitat 1: „dass der Welthunger gänzlich andere Ursachen hat (Verteilungsproblem etc.“
    Zitat 2: „Viele Bedenken wurden in den letzten 15 Jahren geäußert.“
    Zitat 3: „Weshalb soll die Gesellschaft einen Gentechnikansatz fördern, „

    Ihr ganzer Artikel ist aus der Sicht eines gebildeten Westlers geschrieben, der grösserer Sorgen enthoben ist und sich Betrachtungen über den Sinn und Unsinn gewisser fortgeschrittener Forschung hingibt.

    In dieser Logik ist der Welthunger ein Verteilungsproblem und kann von Institutionen der UNO gelöst werden, indem sie ein paar Furen gefüllt mit Lebensmitel den Armen und Bedürftigen zukommen lässt.

    Was mir am ganzen Artikel aufstösst, ist die Tatsache, dass nicht nur die Forschung, die im Visier ihrer Kritik ist, aus dem Westen stammt, sondern auch die Kritik.

    In Europa und wohl auch in den USA brauchen wir gar keine effizienteren Pflanzen und deshalb auch keine Gentechnik. Wenn sie schreiben „Weshalb soll die Gesellschaft einen Gentechnikansatz fördern, ..“ meinen sie doch in Wirklichkeit „Weshalb soll UNSERE Gesellschaft …“

    Vielleicht ist es so gesehen gut, dass auch in der Forschung und speziell in der Genforschung Länder wie China und Brasilien die Führung übernehmen. Die haben das Luxusproblem nämlich nicht und wissen deshalb womöglich besser, was sinnvoll ist und was nichts bringt.

  2. @Martin Holzherr: Entwicklungsländer

    Meine Kritik bezieht sich zunächst einmal darauf, dass Gentechnik an den heute kommerzialisierten Pflanzen gemessen wird. Diese wurden für Industrie- und Schwellenländer entwickelt – und sind dort weitgehend überflüssig. Soweit richtig. Und die meisten Ansätze, die heute von Pflanzenforschern verfolgt werden, dienen der industriellen Landwirtschaft (auch jene, die ich interessant finde). Für die Entwicklungsländer entwickelt kaum jemand Genpflanzen, und das aus guten Gründen:
    – Der sachgemäße Anbau erfordert zum Teil umfangreiche Schulungen, die den Subsistenzbauern nie erreichen würden (das hat selbst in den USA nicht funktioniert).
    – Das Saatgut wäre viel zu teuer für den Subsistenzbauern (und müsste in der Regel jährlich neu gekauft werden).
    – Fragen Sie Forscher, die mit öffentlichen Geldern arbeiten: Die dort entwickelten Methoden und Ideen können nur große Saatgutzüchter zur kommerziellen Reife entwickeln, und die sind nicht der Nächstenliebe sondern den Aktionären verpflichtet.

    Ich habe bei meiner Arbeit zudem diverse Pflanzenforscher gesprochen, die sich darauf konzentrieren, die Ernährungssituation in armen Ländern zu verbessern. Diese Leute entwickeln intelligente und günstige(!) Lösungen, die aber für Investoren uninteressant sind, weil sich damit kaum Geld verdienen lässt, und die für öffentliche Entwicklungshilfegelder uninteressant sind, weil Gentechnik einfach moderner klingt und Millionen Euro bindet.

    Sie erwähnen die eigene Forschung der Schwellenländer, und es ist sicher richtig, dass die dortigen Regierungen am ehesten an Genpflanzen für ihr jeweiliges Land interessiert sind. Wenn sie jedoch schauen, was bislang dort kommerzialisiert worden ist, dann dienen diese Pflanzen selten der Ernährung der Bevölkerung als viel mehr dem Welthandel. Angebaut werden sie von (Groß-)Unternehmern, nicht von den kleinen Bauern.

    Zuletzt noch das Stichwort Verteilungsproblem: Nein, die Industrieländern sollen bloß nicht Nahrung in die Entwicklungsländer schicken. Das ruiniert die lokale Wirtschaft. Aber weltweit gibt es doppelt so viel Nahrung wie für die ausreichende Ernährung aller Menschen nötig wäre. Das meiste davon landet allerdings in Viehmägen, von deren Fleisch sich Industrienationen ernähren, oder neuerdings im Tank. Diktatoren und Kriege lassen eine Bevölkerung hungern, die sich eigentlich selbst versorgen könnte. Menschen erzeugen für die Industrienationen Produkte zu Hungerlöhnen und können sich kaum genug zu essen leisten. Keines dieser Problem können Genpflanzen (besser) lösen.

  3. Grüne Gentechnik-Blick über den Rand!

    Das Rennen um die grüne Gentechnik ist doch längst gelaufen!
    Gegenwärtig werden in vielen Ländern gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut und die Anbaufläche steigt seit 15 Jahren kontinuierlich an. Dieser Anstieg, diese breite Akzeptanz der Gentechnik erfolgt mit Ausnahme Europas auf allen Kontinenten.
    Jeder Interessierte werfe bitte einen Blick auf die hochinteressante Übersicht von „Transgen“ über den gegenwärtigen Stand des Einsatzes von „Genpflanzen“ (haben die Pflanzen bei konventioneller oder Bio-Landwirtschaft eigentlich keine Gene?):
    http://www.transgen.de/…ernational/531.doku.html
    Der Anbau wichtiger gentechnisch veränderter Nutzpflanzen hat weltweit schon riesige Ausmaße angenommen: So werden beispielsweise auf 77 % der weltweiten Sojaanbaufläche gentechnisch veränderte Sojabohnen angebaut, bei Baumwolle sind es 49 %, bei Mais 26 % und bei Raps 21%, Tendenz: weiter steigend. Gefahren, Unfälle oder gar Todesfälle hat es bisher nicht gegeben, trotz des Anbaus auf einer Gesamtfläche, die dreimal so groß ist wie Deutschland.
    Immer mehr Nutzpflanzen werden gentechnisch verbessert und in vielen Ländern angebaut; neben den USA und Kanada nutzen zahlreiche Schwellen- und Entwicklungsländer die grüne Gentechnik, z. B. Brasilien, Indien, Paraguay, Philippinen, Mexiko und Uruguay. Die Anbaufläche von „Genpflanzen“, hier Baumwolle, allein in Burkina Faso ist größer als die gesamte Anbaufläche für „Genpflanzen“ in ganz Europa!
    Sicherlich gibt es in vielen Ländern Vorbehalte gegen die grüne Gentechnik, sprich gegen „Genpflanzen“. In keinem anderen Land ist aber ein solch´ epidemisches Ausmaß an Hysterie zu beobachten wie in Deutschland. Während die o.g. Länder die Chancen dieser mittlerweile gar nicht mehr so neuen Technik beherzt nutzen, werden gerade die Deutschen immer verrückter, wenn es um grüne Gentechnik und auch andere moderne Techniken geht. Glücklicherweise ist dieser neudeutsche Anti-Technik-Wahn noch nicht so alt und eben auch nur auf unser Land beschränkt, sonst wären Auto, Elektrizität, Eisenbahnen und alle Chemie- und Pharmaprodukte, vom Waschmittel bis zum Aspirin nicht erfunden worden. Vor der Erfindung des Feuers hätten die „Lohmänner“ gar nicht genug warnen können, ebenso vor der Erfindung des Rades und auch des aufrechten Gangs (viel zu gefährlich, man könnte ja hinfallen und sich verletzen. Wozu das Ganze auch – sind nicht alle Generationen bisher mit dem Laufen auf vier Füßen gut vorangekommen?!) Leider wird diese Haltung die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes nachhaltig schädigen und wir werden in wenigen Jahren sehen, wie Länder ohne hysterische Technikfeinde uns technisch und wirtschaftlich abhängen werden. Die Konkurrenz schläft nicht – und wir fesseln unsere besten Köpfe und blockieren zukunftsweisende Erfindungen! Ich habe den Eindruck, unsere Politiker, viele Journalisten und die überall anzutreffenden „Lohmänner“ handeln nach der Devise: „Wollt Ihr die totale Hysterie“?

  4. @Quentmeier: Bedeutung von Genpflanzen

    Erst mal was zum Begriff: Genpflanzen ist – ebenso wie Hundekuchen – eine sprachliche Vereinfachung, deren Legitimität sogar gerichtlich bestätigt ist (im Streit um „Genmilch“ zwischen Müller und Greenpeace).

    Womit ich Probleme habe, ist das Argument: „Leute, esst Scheiße, Millionen Fliegen können nicht irren.“ Eben jene Länder, die früh und großflächig auf Genpflanzen gesetzt haben, kämpfen heute mit den Umweltauswirkungen (die natürlich auch die Agronomie treffen). Gleichzeitig werden dort konventioneller und Ökoanbau praktisch unmöglich, Stichworte Auskreuzung und Verunreinigung. Dabei sind doch gerade Sie, Herr Quentmeier, so für Wahlfreiheit.

    Wenn Sie einen Blick auf die Schwellen- und Entwicklungsländer werfen, werden Sie übrigens feststellen, warum dort Genpflanzen angebaut werden: Weil vor allem die USA und die (von den USA kontrollierte) Weltbank Entwicklungshilfegelder daran knüpfen (so wie z.B. auch an das Verbot von Abtreibungen). Und fragen Sie vor allem, was diese Pflanzen den Entwicklungsländern geholfen haben: gar nichts. Ein paar Großunternehmen produzieren sie als Futtermittel für Industrieländer, oft dort, wo vorher Urwälder standen.

    Mit genau den Dingen, die Sie zitieren, hat sich die Industrie den Ruf der Agrogentechnik ruiniert und damit so mancher wirklich Innovation versprechenden Technologie den Weg verbaut.

    Apropos Technologie: Die moderne Pflanzenzucht und Agrarwissenschaft kennt eine Menge Alternativen zu transgenen Pflanzen, die ohne deren Risiken vergleichbare Ertragsteigerungen ermöglichen. Sie gehen nur unter im Geschrei um die transgenen Pflanzen – von denen weltweit nur eine Handvoll Unternehmen profitieren.

  5. @ Björn Lohmann

    Meinen ausdrücklichen Respekt für die sachliche Gelassenheit, mit der Sie der abgeschmackten Polemik des Herrn Quentmeier begegnen!

    Es braucht im übrigen keine besonderen Fertigkeiten der Webrecherche, um die Betreiber der von Herrn Quentmeier verlinkten TransGen-Webseite als reine Propagandisten von Unternehmen wie Monsanto unmittelbar bestätigt zu finden. Der Versuch von TransGen, etwa mit der betonten Nennung von Bärbel Höhn im Impressum den Eindruck einer ausgewogenen Darstellung zu erwecken, ist m.E. doch schon hart an der Grenze zur Bauernfängerei.

  6. Fliegen und Genpflanzen

    Das Fliegenargument kenne ich schon aus meiner Schulzeit vor 40 Jahren. Das war die wörtliche „Argumentationsweise“ von Juso-Bübchen, wenn ihnen eine Mehrheitsmeinung oder gar Mehrheitsentscheidung nicht paßte. Was besseres fällt Ihnen nicht ein?
    Genpflanzen: im Gegensatz zu Hundekuchen haben viele Menschen leider nur eine diffuse oder völlig falsche Vorstellung; es herrscht eine beklagenswerte Unkenntnis!. Wie Umfragen ergaben, glauben viele Bürger, „normale“ Pflanzen hätten gar keine Gene, so etwas Gefährliches gibt es nur in denn Produkten der bösen Konzerne. Also sollte hier schon ein wenig auf sprachliche Präzision geachtet werden.
    Und wenn Sie schon die „Genmilch“ ansprechen – das war eine der vielen Schwachsinnskampagnen von Greenpeace. Die gentechnische Veränderung von Futterpflanzen ist doch in der Milch überhaupt nicht nachweisbar! Allerdings nehmen Sie mit jedem Glas Milch auch einige zehntausend Kuhzellen zu sich – pro ml Milch -, d.h. die genetische Information für eine ganze Kuh. Ebenso essen Sie mit jedem Frühstücksei die Gene eines ganzen Huhns – und jetzt denken Sie an Rinderfilet, Salate und alles was Sie sonst noch verspeisen – jedes Mal essen Sie viele zehntausend Gene mit! Sind Ihnen schon Hörner gewachsen oder vielleicht ein Ringelschwänzchen und Schweineöhrchen? Oder wenn Sie Vegetarier sind – haben Sie schon eine Kohlkopf bekommen? An Ihrer Stelle würde ich sofort aufhören zu essen!
    Und wenn sonst nichts mehr geht, muß das Feindbild USA herhalten – nachdem 1945 manche Feindbilder nicht mehr nutzbar waren, blieben wenigstens noch die bösen Amerikaner übrig, die Schuld an den meisten Übeln der Welt sein sollen. Erst die McDonaldisierung der Welt, dann die Globalisierung und jetzt soll auch noch die Welt mit „Genpflanzen“ beglückt werden. Gut, daß unsere progressiven Spitzenkönner diesen schändlichen Anschlag entlarvt haben! Meinen Sie im Ernst, mehr als ein Dutzend z. T. sehr großer und wirtschaftlich aufstrebende Länder lassen sich 15 Jahre lang von US-Konzernen eine Form der Landwirtschaft aufdrücken, die nur Schaden verursacht? Im Fall von China unmöglich, aber auch Brasilien, Indien, Kanada, Australien oder Südafrika sind keine willenlosen Vasallen der USA!
    Wie gesagt, Gefahren, Unfälle oder gar Todesfälle hat es bei der Anwendung der Gentechnik nicht gegeben, trotz des Anbaus auf einer Gesamtfläche, die dreimal so groß ist wie Deutschland ist. Viele Freizeitvergnügen sind ungleich gefährlicher als die gesamte weltweit eingesetzte Gentechnik! Zur Weiterbildung sei Ihnen ein Buch empfohlen: „Die Panikmacher“ von Walter Krämer und Gerald Mackenthun – äußerst hilfreich zur Unterscheidung von eingebildeten und wirklichen Gefahren!
    Rodung von Urwäldern: die Zerstörung von Regenwäldern kann nicht der Gentechnik angelastet werden. Das Problem ist Jahrzehnte alt: der Anbau von „Cash Crops“ für den Weltmarkt. Neuester Trend: großflächige Rodungen von Regenwald auf Borneo, um Ölpalmen-Plantagen zur Biokraftstoff-Gewinnung anzulegen. Diese sind, wie viele andere für den Export angebauten Pflanzen nicht gentechnisch verändert!

  7. Bitte Belege

    Das hier ist ein Netzwerk von Wissenschaftsblogs, oder? Würden Sie bitte folgende Textstellen andhand peer-reviewter Publikationen belegen? Bitte sehen Sie von Verweisen auf die Websites von Greenpeace und von anderen Lobbyorganisationen ab.

    Genpflanzen, die das so genannte Bt-Toxin nutzen, um sich gegen Insekten zu wehren, stehen in der Kritik, auch nützliche Insekten zu töten und in Tierfütterungsstudien Allergien und Organschäden zu verursachen.

    Genpflanzen, die gegen ein bestimmtes Herbizid tolerant gemacht wurden, haben ermöglicht, dass sich „Super-Unkräuter“ ausbreiten konnten.

    Der Bt-Ansatz hat beispielsweise in Indien massiv versagt und soll zahlreiche Bauern in die Verschuldung und schließlich den Freitod getrieben haben.

    Eine deutsche Studie fand, dass die Biosicherheitsprüfungen eigentlich alle wiederholt werden müssten, weil bei vielen Fütterungsstudien Antibiotika im Nährmedium enthalten sind, und durch den bakterienfreien Darm eine artifizielle Situation entsteht, die fern der Realität liegt.

    Zum anderen, weil durch den Einsatz von nur zwei Wirkstoffen Resistenzen so häufig ausgekreuzt sind und sich vermehrt haben, dass Landwirte so starke und unterschiedliche Herbizide einsetzen müssen wie früher.

    Selbst wenn man einmal ausklammert, dass der Welthunger gänzlich andere Ursachen hat (Verteilungsproblem etc.)

  8. @Tobias: Belege

    Bt-Toxin und Nicht-Zielorganismen: Mit diesen Suchbegriffen findet man zahlreiche Studien, natürlich nicht alle unumstritten. Die bekannten Klassiker zähle ich hier gar nicht erst auf.
    Frühe Studien referenziert dieser Überblick aus Science: http://www.sciencemag.org/…mp;resourcetype=HWCIT Neuer ist diese Metastudie, ebenfalls in Science publiziert: http://www.sciencemag.org/…mp;resourcetype=HWCIT

    Glyphosat-Resistenzen: Es finden sich zahllose Publikationen in den einschlägigen Fachmedien, wenn man nach dem Stichwort sucht. Die Bedeutung des Problems veranschaulicht schön, dass Bayer CropScience selbst zum Thema große Konferenzen ausrichtet: http://www.bayercropscience.com/…ce_2009-NST-002

    Bt-Baumwolle und Indien: Hier ein früher Hinweis in Science: http://www.sciencemag.org/…mp;resourcetype=HWCIT Ganz aktuell berichtet Science über Fälle, in denen der Schädling, gegen den das Bt-Toxin wirken soll, sich von Bt-Baumwolle ernährt: http://www.sciencemag.org/…mp;resourcetype=HWCIT

    Biosicherheitsprüfung: Die Untersuchung wurde an der RWTH Aachen erstellt und – m.W. – nicht publiziert. Es gibt aber gleichlautende Erkenntnisse, die publiziert sind – finde ich gerade nicht, reiche ich nach.

    Die letzten beiden von Ihnen genannten Punkte sind keine, die man mit Studien behandeln muss. Der erste folgt aus den weiter oben thematisierten Glyphosat-Problemen. Der zweite ist weltweit unstrittig – wer daran zweifelt, möge in ein afrikanisches Land mit Bürgerkrieg und Diktator reisen oder die großen Farmen besuchen, auf denen für Europa Rinder grasen, während nebenan die Menschen hungern.

    Es gibt natürlich noch viele weitere Studien als die verlinkten. Auch solche, die diese Befunde nicht teilen. Aber ich sprach ja von Kritik an der Gentechnik, nicht von absoluter Gewissheit.

  9. Bt Toxin und nicht-Zielorganismen (aus dem letzen Science Paper: A meta-analysis of 42 field experiments indicates that nontarget invertebrates are generally more abundant in Bt cotton and Bt maize fields than in nontransgenic fields managed with insecticides.

    Glyphosat-Resistenz: Auch gegen andere Herbizide treten Resistenzen auf, genauso wie gegen Glyphosat auch. Glyphosat ist besonders interessant, da es in den USA das am häufigsten verwendete Herbizid ist (da das ungiftigste). Genauso wie für die aktuell auftretenden ersten Resistenzen von einzelnen Zielinsekten gegen das Bt-Toxin muss also vermehrt Forschung an neuen, wenig giftigen und effizienten Herbiziden betrieben werden. Welche Techniken schlägst du denn dafür vor?

    Bt-Baumwolle in Indien:
    Selbstmorde: http://en.wikipedia.org/…uicides_in_India#Causes

    Welthunger:
    http://www.achgut.com/…ue_ra_der_landwirtschaft/
    http://il.youtube.com/…RCSio&feature=related

    Kritik bezeichnet im Rahmen der Kritischen Theorie einen Vernunftgebrauch. Da gehört das berücksichtigen von Studien, die diese Befunde nicht teilen, wie du selbst schreibst, dazu.

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