Rassismus ohne Rasse

„Bis weit in die Kreise hinein, die sich selbst für liberal halten, hat sich ein Rassismus mit gutem Gewissen verbreitet. Ja, Rassismus. In der Vergangenheit überwog der biologische Rassismus, in der Gegenwart der kulturelle.“

Das schrieb kürzlich – nach den Ereignissen von Köln – Jakob Augstein in Spiegel-Online. Augstein ist ein Paradepferd der Linken (nicht der Partei dieses Namens); „Im Zweifel links“ heißt seine Kollumne in Spiegel-Online. Vor allem an Leuten wie ihm liegt, glaube ich, die derzeitige argumentative Schwäche dieses politischen Lagers.

Während sich vor Kurzem die Linken noch um den (vergeblichen) Nachweis bemühten, Menschenrassen gebe es nicht, nur Hunde- und Pferderassen, man die Zahl der Menschenrassen also auf Null schrumpfen lassen wollte, geht es jetzt in die entgegengesetzte Richtung: Die Zahl nimmt zu. Es gibt jetzt auch die Rasse der Moslems, die Rasse der Katholiken, die der Protestanten, Hindus, der Zeugen Jehovas usw. Und weil es nicht nur Religionen sind, die nun Rassen heißen, sondern Kulturen schlechthin, gibt es auch gibt es auch Rassen überall da, wo es noch eine Kultur hat; bei uns ist das, wie man hört, vor allem in Bayern der Fall.

Es gibt keinen kulturellen Rassismus (siehe hier), so wie es auch keine kalte Hitze gibt. Und auch keine Elefanten, die keine Elefanten sind, sondern Mäuse. Als – es war nach meiner Erinnerung in den 70er Jahren – in der Linken, die man bis dahin meist mit „Intellektuelle“ assoziierte, die „Kopflastigkeit“ zum beliebten Schimpfwort wurde und man dazu aufrief, „Bauchgefühlen“ zu folgen, als die „Spontis“ entstanden und man, ohne daß es einer merkte, anfing, urkonservatives Gedankengut unter dem Namen „Ökologie“ für genuin links zu halten: da hat man nicht geahnt, daß das einmal so weit führe würde: „kultureller Rassismus“. – Ich will dazu hier nichts weiter ausführen, sondern empfehle, erst einmal den verlinkten Artikel zu lesen, vielleicht erübrigen sich dann manche Fragen und Einwände.

Ludwig Trepl

Veröffentlicht von

Ich habe von 1969-1973 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der FU Berlin Biologie studiert. Von 1994 bis zu meiner Emeritierung im Jahre 2011 war ich Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsökologie der Technischen Universität München. Nach meinem Studium war ich zehn Jahre lang ausschließlich in der empirischen Forschung (Geobotanik, Vegetationsökologie) tätig, dann habe ich mich vor allem mit Theorie und Geschichte der Ökologie befaßt, aber auch – besonders im Zusammenhang mit der Ausbildung von Landschaftsplanern und Landschaftsarchitekten – mit der Idee der Landschaft. Ludwig Trepl

51 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eine zutreffende Beobachtung, denke ich. Linken Neokolonialismus gibt es ja schon länger: westliche Werte unter dem Deckmäntelchen verschiedenster Begründungen auf andere Länder projizieren und damit dann z.B. Warenimporte erschweren, denn ein westlicher Arbeitnehmer ist für einen Linken mehr Wert als etwa ein chinesischer.

  2. Vielen Dank für diese Notiz, ist gebookmarket, es ist immer gut für vernünftige Einschätzung -es liegt ja beim „Rassismus ohne Rassen“ erkennbar ein Kategorienfehler vor, der zudem geeignet ist Rassismus zu trivialisieren- Quellen zu haben, die politisch weit gefächert sind.

  3. „gibt es auch gibt es auch Rassen überall da, wo es noch eine Kultur hat; bei uns ist das, wie man hört, vor allem in Bayern der Fall.“

    Hier sind drei Worte zuviel: „gibt es auch“

  4. Gut aufgespießt, Herr Trepl. Das Wort „Rassismus“ entwickelt sich anscheinend in die Bedeutung „absolut fiese, nicht zu rechtfertigende Diskriminierung/Herabsetzung einer Gruppe“, wird also zu einer Art Metapher, deren metaphorische Funktion nicht durchschaut oder verschleiert wird.

    Da man von „Rasse“ nicht mehr sprechen kann/darf/soll, hat der Volksmund jetzt ein neues, witziges Wort geprägt: „Biodeutsche“.

    • @ Herr Stefan :

      Nicht nur umgangssprachlich entwickelt sich der Rassismus zu einem Substitut der Art „Ich find dich nicht gut!“ -die Sprache ist bekanntlich deshalb entstanden, weil der Affe auf dem einen Baum dem Affen auf dem anderen mitteilen wollte, dass er ihn nicht gut findet-, sondern bedauerlicherweise auch im Wissenschaftlichen.
      „Rassismus ohne Rassen“, wenn Sie mal hier schauen möchten, zu bemerken gilt hier auch das Fehlen anderssprachiger Texte als d-sprachige, vom Esperanto einmal abgesehen, scheint aber wieder deutsches Vorreitertum zu sein, auch wenn sich auf andere berufen wird.

      D,h. ‚durchschaut‘ werden kann derartige Bemühung schon, wenn gewollt, btw: Özdemir, womöglich der Erfinder der „Biodeutschen“, kann oder konnte auch schon mal anders.

      MFG
      Dr. W

      • Ludwig Trepl

        „btw: Özdemir, womöglich der Erfinder der „Biodeutschen“, kann oder konnte auch schon mal anders.“

        Was, bitteschön, heißt denn „btw“? Sie verwenden immerzu Abkürzungen, die mir und der deutschen Sprache völlig unbekannt sind. Es wäre freundlich, das zu lassen.

        Und die Sache mit Özdemir glauben Sie? Dann wundert mich allerdings nichts mehr.

        • @ Herr Trepl :

          Und die Sache mit Özdemir glauben Sie? Dann wundert mich allerdings nichts mehr.

          Sischer. – Und nicht nur der Schreiber dieser Zeilen glaubt dies:
          -> http://www.welt.de/print-welt/article630378/Koalition-veraergert-ueber-Tuerkei.html

          Özdemir war 1999 innenpolitischer Sprecher der Grünen, er war immer ein schlaues Bürschchen und wusste halt, wie er in der Türkei ankommt; ein Dementi gab es nicht. (Derartige Äußerungen sind in der Türkei pol. Tagesgeschäft, Ihr Kommentatorenfreund hatte mehrere Jahrzehnte mit gebildeten Türken, meist Aleviten, also mit selbst verfolgten Bürgern, zu tun: Die hatten durchgehend, teilweise erst nach Jahrzehnten, i.p. Antisemitismus oder besondere Abneigung gegen andere schwerste Ausfälle.)

          MFG
          Dr. W

          • Ludwig Trepl

            Nur weil ein paar CDU-Hinterbänkler diese Ente zum Anlaß genommen haben, aufzujaulen, fühlen Sie sich nicht mehr allein („nicht nur der Schreiber dieser Zeilen …“). Daß den CDU-Hinterbänklern nicht sofort die gesamte politische Klasse der BRD beigesprungen ist außen den Grünen, beweist doch nur ein weiteres mal den Enten-Charakter der Geschichte. Der Hauptbeweis aber ist, daß man den Özdemir nur einmal im Fernsehen hat reden hören müssen, um zu wissen, daß so einer so etwas nicht hinbekommt. Man muß immer bedenken: der ist nicht Türke, sondern Schwabe, was das eigentlich Unangenehme an ihm ist (in Berlin darf man das sagen, dafür bekommt man sofort Beifall).

      • Ludwig Trepl schrieb (21. Januar 2016 12:29):
        > [Rasse : Rassismus = Milieu : ???] Verstehe ich nicht

        (Seufz! &)
        Wie bedauerlich.
        Dann versuche ich meine Frage (die auch mit einem Einwand verbunden ist) hiermit nochmals wortreicher zu formulieren:

        Sofern es als selbstverständlich gelten kann, dass der Begriff „Rassismus“ in einer bestimmten Beziehung zum Begriff „Rasse“ steht,
        nämlich insbesondere, dass der Begriff „Rassismus“ den Begriff „Rasse“ zur Definition voraussetzt und verwendet,
        wie nennt man, bitte, den entsprechenden Begriff,
        dessen Beziehung zum Begriff „soziales Milieu“ zumindest annähernd so ist,
        wie die Beziehung des Begriffes „Rassismus“ zum Begriff „Rasse“,
        und insbesondere, dessen Definition man formal zumindest annähernd erhält, wenn man in der Definition des Begriffes „Rassismus“ anstatt des Wortes „Rasse“ die Wortgruppe „soziales Milieu“ einsetzt
        ?

        • Ludwig Trepl

          Sehen Sie: ganz ohne Wörter kann man nicht sprechen. Jetzt verstehe ich, was Sie meinen.

          Es scheint mir nicht ganz so einfach. Wenn der Rassismus als ein erklärendes Konzept verstanden wird, etwa in dem Sinne: wenn Land A unterentwickelt ist, dann liegt das daran, daß dort vor allem Menschen der Rasse B leben, die biologisch bedingt nicht in der Lage sind, das Land (in zivilisatorischer, technischer usw. Hinsicht) zu entwickeln – also wenn man Rassismus so versteht, und man außerdem für „soziales Milieu“ „Kultur“ einsetzt, dann gibt es einen gängigen Begriff: Kulturalismus.

          Wenn man Rassismus aber vor allem als politischen Kampfbegriff versteht (was sicher nicht vom eben genannten zu trennen ist, aber auch nicht identisch damit ist), dann wird es schwieriger. Manchmal verwendet man da auch Kulturalismus, aber bei diesem Wort denkt man doch eher an die erklärende Funktion. Insbesondere das, was beim politischen Kampfbegriff an Wertendem hinzukommt, wir bei „Kulturalismus“ selten (wenn auch nicht nie) impliziert.

          Das „-ismus“ wird bei „Kulturalismus“ genau wie in „Rassismus“ verstanden: die Erklärungskraft eines Begriffs, der für einen gewissen Geltungsbereich tauglich ist, wird überzogen: Mit dem Begriff Rasse kann man vielleicht erklären, warum Europäer in Afrika diese oder jene Krankheit leichter bekommen als die Afrikaner, aber nicht, warum sie militärisch überlegen sind; mit dem Begriff „Kultur“ kann man vielleicht erklären, warum die Finnen so viele gute Opernsänger hervorgebracht haben, aber nicht, warum sie durchschnittlich häufiger an der Hüfte operiert werden müssen (die Beispiele sind natürlich völlig aus der Luft gegriffen).

          • Ludwig Trepl schrieb (21. Januar 2016 13:38):
            > […] einen gängigen Begriff: Kulturalismus.

            Ach so; und dankeschön;
            es ist natürlich anhand des Zitats, das diesen SciLog-Beitrag einleitet, naheliegend, den Begriff „Kultur“ (alleine) zu substituieren.
            Der Begriff „Milieu“ erschien mir in diesem Zusammenhang allerdings noch etwas
            spezifischer/treffender/granulärer/spitzer.

            Und ich hab das offenbar geeignete Wort für den entsprechenden Begriff inzwischen einfach mal gegoogelt:
            „Milieuismus“ gibt’s tatsächlich schon;
            vermutlich auch im Sinne einer Ideologie, die (allein) mit sozial-(kulturell-)en Bedingungen von Menschen mehr begründen will, als sich allein daraus begründen lässt.
            (Und siehe da: „Soziokulturalismus“ findet sich auch.)

            > ganz ohne Wörter kann man nicht sprechen

            Ich hoffe jedenfalls, dass nun auch als eigentlich von vornherein verständlich gelten kann, wie ich meine Frage im ersten Kommentar formulierte.

            Dabei hatte ich mir übrigens als Einwand vorgestellt, dass man sich doch nicht über jemandes – hier Jakob Augsteins – vermeintlich absurde Wortwahl beklagen sollte, ohne eigene Gegenvorschläge zu unterbreiten.
            Dr. Webbaers gründlicher Recherche zum Titel dieses SciLog Beitrags (21. Januar 2016 10:18) gibt (mir) allerdings zu bedenken … dass man auch mit gebrauchten Worten versuchen kann, etwas Neues zu sagen.

          • @ Herr Wappler :

            Dr. Webbaers gründlicher Recherche zum Titel dieses SciLog Beitrags (21. Januar 2016 10:18) gibt (mir) allerdings zu bedenken … dass man auch mit gebrauchten Worten versuchen kann, etwas Neues zu sagen.

            Es lag keine ‚Recherche‘ vor, sondern ein Hinweis, der darauf hinweist, was eigentlich mit dem sogenannten Rassismus ohne Rassen gemeint ist.
            Nämlich politische Agitation vom politisch linken Rand.

            Es ist nämlich oft nicht günstig willkürlich Begriffe mit neuer Bedeutung zu belegen, wenn natürlich schon eine alte, zumindest 50 Jahre alte, Übung im Neulinken, wobei die Bolschewisten hier natürlich auch dabei waren, aber nie so konsequent.

            Hier noch ein kleiner Hinweis:
            http://www.deutschunddeutlich.de/contentLD/GD/GT67cTischistTisch.pdf

            MFG
            Dr. Webbaer

  5. »Während sich vor Kurzem die Linken noch um den (vergeblichen) Nachweis bemühten, Menschenrassen gebe es nicht, nur Hunde- und Pferderassen, man die Zahl der Menschenrassen also auf Null schrumpfen lassen wollte,…«

    Von welcher Zahl ausgehend wollten die Linken die Zahl der Menschenrassen auf null schrumpfen lassen? Von zwei, drei, vier, fünf, sechs, … ?

    Wenn man sagt, das hänge davon ab, nach welchen Kriterien wir die Einteilung in Rassen vornehmen wollen, dann könnte man die Kriterien ja auch so wählen, dass es nur noch eine Menschenrasse gibt, oder eben keine, weil dann die Rede von Rassen keinen Sinn ergäbe.

    (Aber das nur am Rande, über den biologischen versus kulturellen Rassenbegriff muss ich noch etwas nachdenken…)

    • Ludwig Trepl

      Von welcher Zahl ausgehend wollten die Linken die Zahl der Menschenrassen auf null schrumpfen lassen? Von zwei, drei, vier, fünf, sechs, … ?

      Eben: von einer bestimmten Zahl aus. Denn sie gingen den Rassisten auf den Leim und glaubten wie diese, die Rassen wären etwas Wesenhaftes, deren Anzahl man objektiv angeben könne, ohne Kriterien zu nennen – so wie bei Individuen. Die kann man zählen, dazu braucht man keine Kriterien, wodurch die einzelnen Individuen definiert sind. Und sie – die Linken – glaubten dann, die Biologen würden das auch so machen, hätten auch einen essentialistischen Begriff von Rasse. Und dann sucht man und findet nur ganz kleine Unterschiede zwischen den Rassen oder größere Unterschiede zwischen den Individuen einer Rasse als zwischen den Rassen, und so habe man also nachgewiesen: es gibt gar keine Menschenrassen, bzw. beim Menschen fällt die Rasse mit der Spezies zusammen. Aber der Rassebegriff wird in der Biologie nicht essentialistisch, sondern nominalistisch gebraucht, und das bedeutet, daß man je nach Auswahl der definierenden Merkmale 2, 20 oder 2000 Menschenrassen bekommt. (Ich hab das in einem Blogbeitrag „Menschenrassen gibt es doch“ als Antwort auf einen nicht unwichtigen linken Theoretiker (Otto Wolf) ausführlicher dargelegt.

      • Eben, man kann nur grobe Kategorien zu praktischen Problemstellungen erstellen, aber keine genaue und uneingeschränkt gültige Rassenlehre aufstellen. Wenn ein Faktor, wie Rasse vorhanden ist, kann man das nur sehr liquide sehen – also im Fluß befindlich und in tausenden kleinen Teilen denken. Das macht dann wenig Sinn mit dem Rassending als echte Wissenschasft. Für populistische Politik taugt das allemal – wie wir sehen (mehr oder weniger … meist weniger geglückt – aber man sagt ja nie alles, was man zum Thema denkt, wenn es eher unangenehm ist).

        Kennen sie den Begriff „Genetismus“? Genetisch könnte man irgendwann viel besser und erfolgreicher Einteilungen vornehmen. Aber da das Thema so pfui ist, macht man sowas in der anerkannten Wissenschaft nicht öffentlich. Ich sagte „nicht öffentlich“ – nicht ohne Grund. Denn da ist etwas. Angesichts der Kulturtechnik des Hundezüchtens wird aber deutlich, dass es mit dem Menschen nicht anders ist, als mit dem Hunde. Und da wir „Hunderassen“ unterscheiden…. tja, da kommt man dann wieder in Erklärungsnot, nicht wahr? Wir müssten so als Gutmensch also die Hunderassen abschaffen aus der Wissenschaft. Oder auch nicht. Denn ebenso, wie Hunde im Zwinger fröhlich durcheinander (in den Rassen) gehalten werden können….tut sich ja auch der Mensch miteinander versuchen.

        Ach es ist so ein hässliches Thema.

        Korrekt: die Linke ist inzwischen (oder schon wieder) auf das Rassending reingefallen und aufgesprungen. Nur mit den eigenen Argumenten – nach bestem… äh „besserem“ Wissen und so.

      • »Eben: von einer bestimmten Zahl aus.«

        Eine bestimmte, aber unbekannte Anzahl von Rassen? Das sollen die Linken (oder zumindest relevante linke Vordenker) gedacht haben? Schwer zu glauben.

        Ich denke eher, dass es so war (freie Mutmaßungen): Der Begriff Rasse war und ist nun mal in der Welt, man verwendet ihn im Tier- und Pflanzenreich und auch beim Menschen, und zwar, um Untergruppen von Spezies oder Zuchtlinien innerhalb einer Art zu bezeichnen. Während man aber bei Tieren kein Problem damit hat, etwa Araber und Brabanter voneinander zu unterscheiden und auch deren Wesensunterschiede anzuerkennen, ist man sich beim Menschen nicht so einig, ob Araber und Belgier unterschiedlichen Rassen angehören, in welchem Sinne auch immer (essentialistisch oder nominalistisch). Biologisch gesehen spricht einiges dafür und einiges dagegen, die Biologie hilft hier also nicht weiter. Aber zumindest ist klar, dass innerhalb der Biologie keine Unterarten von H. sapiens definiert sind (zumindest keine rezenten Rassen).

        Und weil in der Biologie keine Menschenrassen definiert sind, denken viele, darunter auch Linke, dass es keine gibt. Mir erscheint das vollkommen logisch.

        Die Frage, ob diese nicht vorhandene Unterteilung in Menschenrassen von den Linken (und vielen anderen) essentialistisch oder nominalistisch aufgefasst wurde oder wird, ist so gesehen dann wohl auch nicht mehr wichtig.

  6. Nana, der Augstein ist kein Linker. Das will er uns gerne weißmachen. Er lässt gerne die Fronten aufeinanderprallen und fourciert das auch noch unsichtbar – etwa auf seiner Onlinezeitung, die genau deswegen in die Welt gebracht wurde. Bauernfängerei und subtile Fallenstellerei. Die Öffentlichkeit ist eben nicht nur ein Segen (Meinungsfreiheit und so). Er ist einer der neuen Rechten, die versucht sich selbst zu retten und dafür ihre Mitmenschen über die Klippe springen lässt (wohin sie erst extra dafür gelockt werden).

    Es ist in der Situation, in der Deutschland steckt, eine wesendliche Strategie der Rechten, dass es derzeit Massenzuwanderung gibt. Das ist Teil des Unterdrückungssystems, welches sie verwenden.
    Die „sogenannten“ Rechten (Neonazis und so), welche man die nennt, die auf den Strassen sichtbar demonstrieren, scheinen das zu wiederlegen. Aber die auf den Strassen sind eben nicht die wahren Rechten, sondern nur auf einem merkwürdigem Trip, auf den sie hin angestiftet wurden. Sie sind sogar der Beweis für die These, dass Zuwanderung von den elitären echten Rechten hocherwünscht sind. Die „verlorenen Söhne“ müssen ersetzt werden. Sonst funktioniert das Herrschaftssystem nicht.

    Vor allem sei angemerkt, dass immer dann Muslime (pardon: Afrikaner, Araber …) zuströhmen, wenn Juden verfolgt werden. Das war schon um 700 n. chr. bei den Westgoten so, als die Feudalisierung und Katholifizierung schieflief. Und nach Hitler war das auch so.

    • Ludwig Trepl

      Na ja, daß Augstein kein Linker ist, mag ja sein, aber der ganze Rest des Kommentars ist mir ein wenig zu verschwörungstheoretisch, davon glaub‘ ich kein Wort.

      • Irgendwas müssen sie doch glauben! Das mit den Verschwörungstheorien ist so ne Sache, nicht wahr? Es ist doch zu leicht diesen Vorwurf zu machen. Und der is auch so in Mode in dieser Zeit. In einer Zeit, wo alles beginnt sich aufzulösen!

        Aber sie haben schon recht: Sie müssen neutzutage gar nichts glauben. wirklich nichts! Ist das nicht unglaublich?

      • Haben sie schon „verlorene Söhne“ nachgeschlagen? Googlen geht auch.

        Verlorene Seelen … davon ist doch in den Religionen auch zuweilen die Rede. Und da ist auch was dran. Und weil ein großer Teil der Seelen verloren ging, braucht es neue, damit der Seelenäther wieder angefüllt wird. Erst wenn der wieder vollständig / gesättigt ist, wird es Ruhe geben in der Welt und im Lande.

        Mannnoman, sie als Ökologe mit christlichem Background müssen das doch verstehen können.

  7. Paul Stefan hat es schon angesprochen , der Begriff Rassismus wird von vielen Linken als totschlagender Oberbegriff für echte und angebliche Diskriminierungen verwendet.
    Dabei wird ausgerechnet der Hitlersche Rassismus-Begriff übernommen , die Beobachtung ist mehr als richtig , daß das einer der wesentlichen Gründe für die Schwäche linker Argumente ist , und das in Zeiten , wo der Kapitalismus eine Steilvorlage nach der anderen bietet.

    Hinzu kommt aber auch das reflexartige Geschrei wegen Sexismus und anderen Ismen , die angeblich das Land überziehen und für alles Übel dieser Welt verantwortlich sein sollen.
    Links ist das nicht . es ist mindestens schablonenhaft , wenn nicht sogar selber rechtslastig.

  8. Ludwig Trepl

    @ DH

    „Dabei wird ausgerechnet der Hitlersche Rassismus-Begriff übernommen“

    Das kann ich nicht erkennen. Allenfalls gewisse Momente des NS-Rassenbegriffs (nicht Rassismusbegriffs) tauchen heute wieder auf. In der NS-Ideologie wurden Kulturen (in dem Sinne zu verstehen, wie man von der „Kultur der Mayas“ oder der „altiranischen Kultur“ redet, nicht z.B. im Sinne von „Hochkultur“ oder Populärkultur“) wurden Religionen oder Völker mit Rassen in Verbindung gebracht (um es einmal so vage wie möglich zu sagen). Man sprach von der „jüdischen Rasse“. Das ist aber kein „Kulturrassismus“ im Sinne des heutigen Geschwätzes. Denn in der NS-Ideologie wurde nicht einfach behauptet, die jüdische Religion (oder das Volk, oder die Kultur) sei eine Rasse, sondern die Rasse, etwas Biologisches, erzeuge oder begünstige eine bestimmte Kultur (also etwas kategorial anderes als die Rasse) oder Religion. Es war aber immer klar, was die Rasse ist: eben etwas Naturhaftes, etwas Biologisches, etwas, was sich durch das, was ein Mensch zu unternehmen vermag, nicht ablegen läßt, weder durch Taufe noch durch Erziehung noch durch Versetzung in ein anderes soziales Milieu. Das haben viele Juden zu spät verstanden: sie dachten, die Taufe schütze sie vor Verfolgung.

    • @Ludwig Trepl

      Will heißen , „der Moslem“ hat heute seine Chance , wenn er sich „richtig“ verhält. Sie haben Recht , den heutigen Begriff , sofern er überhaupt genau beschrieben werden kann , kann man dann nicht als Hitler-Rassismus bezeichnen.

  9. Tatsächlich wird das Wort Rassismus oft synonym für Fremdenhass verwendet. Ich bin zwar normalerweise kein so ein Wortklauber, in dem Fall ist es aber bedenklich, weil der Rassismus eine in sich geschlossene Ideologie ist, die vermutlich tatsächlich viele die bei PEGIDA etc. hinterherlaufen nicht teilen. Besser noch als Fremdenhass gefällt mir das Wort Xenophobie, weil in Phobos – Furcht der wohl häufig der wahre grund für die Ablehnung des Fremden liegt. Bei den Vordenkern von PEGIDA und der AfD gibt es hingegen sicher auch das, was von Jakob Augenstein als „kultureller Rassismus“ bezeichnet wird, also eine andere Kultur für grundsätzlich schlecht zu halten. Den treffenden Begriff dafür gibt es aber eigentlich auch schon: Chauvinismus.

    Freundlicherweise ist uns Björn Höcke von der AfD soweit entgegen gekommen, seinen Rassismus nicht mehr kulturell zu begründen. Mit seiner Theorie von der R-Strategie der Afrikaner hat er ja nicht nur gezeigt, dass er von Ökologie keine Ahnung hat, sondern auch, dass er der Meinung ist, es gäbe einen fundamentalen biologischen Unterschied zwischen Europäern und Afrikanern, also zumindest eine Europäische und eine Afrikanische Rasse. Damit darf man jetzt die AfD m.E. als normale Rassisisten bezeichnen und braucht sich nicht mit „Kulturrassismus“ oder ähnlichen Konstrukten behelfen.

    • Ich weiß nicht, wenn ich das so höre… Meiner Meinung nach haben pegida/afd Anhänger Angst um ihren Wohlstand. Das sind die Leute, die um ihren Arbeitsplatz fürchten. Ob diese Angst realistisch ist oder nicht, mag ich hier nicht beurteilen, da muss sich auch jeder selbst ein Urteil bilden. Fakt ist, dass diese Existenzangst (eigentlich der einzige Grund für Angst und Verteidigung) durch Medien und pegida/afd geschürt wird. Die ressentiments sind nicht bei den Leuten vorhanden, sie werden erzeugt. Wenn es im übrigen nur um kulturelle Existenzangst gehen würde, wären die Reaktionen bei weitem nicht so stark. Kultur kommt in der bedürfnispyramide erst weiter oben, daher kann die Gefährdung keine in dem maße ablehnende Haltung erzeugen. Wenn die EU kommt und osterfeuer oder Hausschlachtungen verbietet scheint das leider auch niemanden zu interessieren.

      • Ludwig Trepl

        @ Jade

        „Ich weiß nicht, wenn ich das so höre… “

        Wenn Sie was hören?

        „Meiner Meinung nach haben pegida/afd-Anhänger Angst um ihren Wohlstand. Das sind die Leute, die um ihren Arbeitsplatz fürchten.“

        Manche, manche fürchten etwas anderes. Sie müssen ja nur in die zahllosen Internet-Kommentare aus dieser Richtung reinschauen, dann sehen Sie, daß es differenzierter ist. Viele müssen gar nicht um ihren Arbeitsplatz fürchten, weil sie keinen haben; sie sind im Ruhestand, leben von Vermögen oder haben eine unkündbare Stelle. Viele finden es einfach unerträglich, daß in „unseren“ Straßen Leute herumlaufen, „die hier nicht hergehören“. Viele brauchen irgendein Ventil, jemanden, dem sie die Schuld an allem geben können, was ihnen nicht paßt, und das trifft halt im Moment die Muslime. Wären die nicht hier, wären’s halt die Asiaten oder die Russen. Usw.

        „Ob diese Angst realistisch ist oder nicht, mag ich hier nicht beurteilen, da muss sich auch jeder selbst ein Urteil bilden. “

        Daß sich jeder selbst ein Urteil bilden muß, ist richtig, hat aber gar nichts mit der Frage zu tun, ob diese Angst realistisch ist.

        „… durch Medien und pegida/afd geschürt wird. Die Ressentiments sind nicht bei den Leuten vorhanden, sie werden erzeugt.“

        Aber durch wen denn? Von Leuten, in denen sie doch vorhanden sind?

        „Wenn es im übrigen nur um kulturelle Existenzangst gehen würde, wären die Reaktionen bei weitem nicht so stark. Kultur kommt in der Bedürfnispyramide erst weiter oben, daher kann die Gefährdung keine in dem Maße ablehnende Haltung erzeugen.“

        Mit „kulturelle Existenzangst“ meinen Sie, daß jemand Angst um seine Kultur hat? Das kann mal extrem wichtig sein, mal unbedeutend. Mit Begriffen wie „Bedürfnispyramide“, die unterstellen, daß erst kommt, was das physische Überleben betrifft, kommt man da nicht weiter. Es wurden Kriege geführt um Dinge, die uns als kulturelle Winzigkeiten erscheinen, die aber halt hohe symbolische Bedeutung hatten, und man nahm es auf der anderen Seite hin, daß man in die physische Existenz bedrohende Situationen gedrängt wurde.

        „Wenn die EU kommt und Osterfeuer oder Hausschlachtungen verbietet scheint das leider auch niemanden zu interessieren.“

        Doch, darüber regt man sich gewaltig auf, nicht nur an den Stammtischen.

  10. Herr Trepl, ich muss gestehen, dass es mir schwerfällt, aus Ihren Ausführungen zur Existenz der Menschenrassen schlau zu werden. Irgendwie gibt es sie, die Rassen, und irgendwie auch wieder nicht, je nach Betrachtungsweise. Essentialistisch betrachtet gibt es sie offenbar nicht, nominalistisch gesehen aber schon.

    Ich meine mich erinnern zu können, dass der übliche Einwand gegen die Vorstellung, es gäbe Menschenrassen, war, dass es sich bei den Menschenrassen bloß um soziale Konstrukte handele, dass es sie nicht real gäbe, sondern eben nur in unserer Vorstellung. Ich habe diese Auffassung vom sozialen Konstrukt eigentlich immer im links-liberalen Lager verortet, aber nun erfahre ich, dass das gar nicht stimmt, dass die Linken angeblich den gleichen Rassebegriff verwendet haben bzw. verwenden, wie die Rassisten.

    Also, mich überzeugt das (noch) nicht. Wenn es die Linken nicht waren, die Menschenrassen für soziale Konstrukte gehalten haben (und auch heute noch dafür halten), wer (typischerweise) dann? Die Liberalen, die Konservativen, die Rechten?

    Zum Thema „kultureller Rassismus“:

    Ich finde diese Wendung im Grunde in Ordnung. Im der Zusammensetzung „kultureller Rassismus“ bleibt die Kernbedeutung des Begriffs „Rassismus“ erhalten, nämlich die pauschale Abwertung von bestimmten Menschengruppen gegenüber anderen. Das ist z. B. bei der Zusammensetzungen „kulturelle Evolution“ m. E. völlig anders, dort erhält der Begriff „Evolution“ durch die Beifügung „kulturell“ eine ganz andere Bedeutung.

    Da es Menschenrassen also ohnehin nicht gibt (d. h. nicht so, wie es z. B. Biospezies gibt), und da die Rasenideologie von Anfang an unter der falschen Prämisse agierte, die Menschheit sei in ähnlicher Weise in Rassen untergliedert wie Hunde oder Pferde, erscheint es mir folgerichtig, dass es beim Rassismus auf die Existenz von Rassen überhaupt nicht ankommt. An seiner kulturellen Herkunft kann das Individuum genauso wenig ändern wie an seiner Augenfarbe. Und da für die pauschale Abwertung von Menschengruppen keine physischen Merkmale mehr zur Verfügung stehen, weil es biologisch definierte Menschenrassen nicht gibt, sucht man, also der Rassist, sich eben andere Kriterien, die von den Menschen genauso wenig abgelegt werden können wie physische Merkmale.

    Anders als @Altmannshofer denke ich, dass Fremdenhass oder Fremdenfurcht etwas anderes bezeichnet als (kultureller) Rassismus. Fremde kann ich aus vielerlei Gründen ablehnen oder fürchten, eine kulturelle Ab- oder Aufwertung muss damit nicht verbunden sein.

    • Ludwig Trepl

      Lieber @ Balanus,

      das ist ja mal was ganz besonderes: das, worin wir uns nicht einig werden, hat nichts mit Weltanschauungen bzw. unterschiedlichen Paradigmen zu tun, wo ja manche Leute der Meinung sind, da könne man sich bis in alle Ewigkeit ohne Ergebnis streiten (Inkompatibilität).

      Worum geht es jetzt? Ich will versuchen, es zu erklären. Der entscheidende Punkt ist das mit dem Essentialismus/Nominalismus, oder, wie Biologen, z. B. Ernst Mayr, lieber sagen, wenn sie über Gattungen, Arten, Rassen usw. reden: Essentialismus/Populationsdenken.

      Genau genommen ist „Nominalismus“ das, worauf Naturwissenschaftler verpflichtet sind. Essentialismus verträgt sich nicht mit den Grundprinzipien naturwissenschaftlichen Denkens – obwohl man argumentieren könnte, im Bereich der Individuen habe der Essentialismus seinen Platz. Biologische Individuen (nicht numerische) sind z. B. unteilbar. Darüber hatten wir es ja schon mal ausführlich.

      Dumm ist, daß man „Nominalismus“ oft locker mit „gibt es nicht“ in Verbindung bringt. Da geht aber etwas durcheinander. Wie geht man in der Regel vor, wenn man eine Klasse von Objekten vor sich hat? Man definiert Merkmale, die diese Klasse von Objekten in „Unterklassen“ von Objekten teilen; wenn die „Oberklasse“ eine Gattung ist, definieren Artmerkmale „Unterklassen“, nämlich „Arten“ (nicht Biospezies). Nun kann ich z. B. die Klasse der Berge nach ihrer Höhe (oder die der Flüsse nach ihrer Länge, oder …) in Unterklassen einteilen. Von 4000 m bis 4,999…m reicht die Klasse der „hohen“ Berge, darüber beginnt die Klasse der „sehr hohen Berge“. Ein bestimmter Berg B sei 4001 m hoch, gehört also zu den „hohen“ Bergen, zusammen mit 7984 anderen Bergen. Jetzt ändere ich das definierende Merkmal. Unser Berg B gehört nun nicht mehr zu den hohen Bergen. „Gibt“ es ihn nun nicht mehr? Selbstverständlich gibt es ihn noch. Nur die von uns gebildete Klasse der „hohen“ Berge hat jetzt nur noch 7984 „Mitglieder“ statt 7985. Ein Berg ist „verschwunden“, obwohl es ihn noch gibt. Eine ganz einfache Sache, ohne jedes Geheimnis. – Immer, wenn wir Klassen aufgrund von Merkmalen bilden (z. B. bei Sternen die Größe, bei Flüssen die Länge …) stehen wir vor diesem (Nicht-)Problem.

      Wie ist es nun bei den Menschenrassen? Im Prinzip kann ich so viele Klassen (hier: Arten, doch keine biologischen) bilden, wie ich will. Die Untergrenze ist Null (die Spezies fällt mit der Rasse zusammen), die Obergrenze ist durch die Anzahl der Individuen gegeben. Praktisch wird man die Zahl der Arten in Abhängigkeit von bestimmten Fragen bilden; jene Obergrenze, die durch die Anzahl der Individuen bedingt ist, wird keiner bilden, da wird jeder sagen, daß das Unsinn wäre. Es „gibt“ all diese Menschenrassen, aber man kann problemlos z. B. ein bestimmtes Individuum von einer Rasse in eine andere schieben, indem man die definierenden Merkmale der Art ändert. Und man kann die Rasse zum Verschwinden bringen, indem man andere Rassemerkmale wählt (so wie es unter Rassetheoretikern manchmal üblich war, die „schwarze Rasse“ verschwinden zu lassen, weil man die Hautfarbe, anders als z. B. die Haarform, nicht zu den definierenden Merkmalen zählte.)

      Rassisten, als Essentialisten, machen hier natürlich nicht mit. Die Rassen sind für sie etwas „Wesenhaftes“. Es ist darum auch in gewisser Weise falsch, die NS-Rassisten „biologistisch“ zu nennen. Man muß das zumindest genauer erklären. (Genauer dazu die Dissertation von Margrit Bensch.)

      „… dass die Linken angeblich den gleichen Rassebegriff verwendet haben bzw. verwenden, wie die Rassisten.“

      So kann man das nun auch nicht sagen, es ist irreführend. Unter den Linken war es üblich, den essentialistischen Rassebegriff zu verwenden, um dann zu zeigen, daß es Rassen in diesem Sinne nicht gibt, zumindest wenn man sich im naturwissenschaftlichen Diskurs befindet. Wenn sie aber von Rassen gesprochen haben – und das taten sie ja auch , im 19. Jahrhundert war es allgemein üblich, von Rassen zu sprechen, im 18. war dieser Begriff dagegen gerade mal im Stadium der Erfindung – dann sprachen sie oft auch im essentialistischen Sinne. Der Unterschied war damals nicht sonderlich klar.

      „… der übliche Einwand gegen die Vorstellung, es gäbe Menschenrassen, war, dass es sich bei den Menschenrassen bloß um soziale Konstrukte handele, dass es sie nicht real gäbe, sondern eben nur in unserer Vorstellung.“

      Ja, das stimmt schon, aber die Frage ist, wie ausgeführt, was es heißt, „dass es sie nicht real gäbe“. Den Keilerkogel gibt es real, auch wenn man die Definition von „hoher Berg“ so ändert, daß der Keilerkogel nicht mehr zu den hohen Bergen zählt.

      „Ich finde diese Wendung im Grunde in Ordnung. Im der Zusammensetzung ‚kultureller Rassismus‘ bleibt die Kernbedeutung des Begriffs ‚Rassismus‘ erhalten, nämlich die pauschale Abwertung von bestimmten Menschengruppen gegenüber anderen.“

      Das ist eben nicht die „Kernbedeutung“ des Begriffs „Rassismus“. Diese ist vielmehr, daß es relevante Unterschiede zwischen Menschengruppen gibt, die die Naturbedingtheit von Fähigkeiten in den Mittelpunkt stellen. Das kann Abwertung und auch Aufwertung bedeuteten (z. B. wurden die Angehörigen der „nordischen Rasse“ auf- und nicht abgewertet). Naturbedingtheit bedeutet: Mit Mitteln, die man der „Kultur“ zuzählt, z. B. Lernen, Taufen, kann man diese Unterschiede nicht beeinflussen.

      Sie schreiben: „An seiner kulturellen Herkunft kann das Individuum genauso wenig ändern wie an seiner Augenfarbe“. An der Herkunft nicht, aber evtl. daran, ob die Herkunft etwas bewirkt. Wenn der Rassismus stimmt, sind Programme, die etwa Angehörigen von Menschengruppen, die man zu Rassen erklärte, dabei helfen sollten, Fähigkeiten zu entwickeln, die bei ihnen schlecht entwickelt sind, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Das folgenreichste aber war, daß die Religion – etwas Kulturelles –, nun Wirkung der Rasse sein sollte und man durch Änderungen auf dem Gebiet des Kulturellen (z. B. Taufe, Erziehung) die Eigenschaften, die man für verderblich hielt, nicht beeinflussen konnte. Das kostete Millionen von Juden das Leben: sie konnten es nicht mehr durch Übertritt zum Christentum retten. Und aus der Perspektive der Nazis waren die Weichen für eine bestimmte Politik gestellt: keine Umerziehung – die war von vornherein vergeblich –, sondern physische Auslöschung.

  11. @Ludwig Trepl // 24. Januar 2016 16:32

    Danke für die erläuternden Ausführungen. In zumindest einem Punkt scheinen wir uns ja einig zu sein:

    »Ja, das stimmt schon, aber die Frage ist, wie ausgeführt, was es heißt, „dass es sie [die Menschenrassen] nicht real gäbe“. Den Keilerkogel gibt es real, auch wenn man die Definition von „hoher Berg“ so ändert, daß der Keilerkogel nicht mehr zu den hohen Bergen zählt.«

    Ja, so sehe ich das auch, und so habe ich das auch gemeint. Die geologischen Höhenklassen gibt es nicht in der Natur, sondern nur auf dem Papier. Entsprechend gibt es die Menschenrassen nicht in der Natur, sondern nur auf dem Papier bestimmter interessierter Kreise. Davon unberührt ist natürlich die reale Existenz unterschiedlicher Berge und Menschen.

    Aber es gibt, meine ich, dennoch einen wichtigen, grundlegenden Unterschied zwischen den Höhenmetern in der Geologie und der Rasseneinteilung beim Menschen. Die Höhe der Berge lässt sich objektiv feststellen (nicht auf den Millimeter genau, aber immerhin). Eine Klassifizierung nach Gesteinsarten beispielsweise wäre ebenfalls möglich und auch wissenschaftlich begründbar. Für eine Einteilung der Menschen nach Rassen gilt das jedoch nicht. Was bei manchen Tier- und Pflanzenarten noch halbwegs gut gelingt, ist beim Menschen praktisch nicht möglich, zumindest nicht auf dem Boden der Wissenschaft. In einem anderen Blog-Beitrag haben Sie die Schwierigkeiten bei der Bildung von Menschenrassen ja ausführlich beschrieben.

    »Das ist eben nicht die „Kernbedeutung“ des Begriffs „Rassismus“. Diese ist vielmehr, daß es relevante Unterschiede zwischen Menschengruppen gibt, die die Naturbedingtheit von Fähigkeiten in den Mittelpunkt stellen. Das kann Abwertung und auch Aufwertung bedeuteten […].«

    Nach meiner Auffassung beschreiben Sie hier lediglich den Inhalt einer oder der Rassenlehre: Es gibt naturbedingte relevante Unterschiede zwischen bestimmten Menschengruppen, und die zeigen sich auch hinsichtlich ihrer Fähigkeiten auf bestimmten Gebieten. Inwieweit damit Auf- und Abwertungen verbunden sind, ist eine andere Frage. Die bloße Behauptung von der Existenz von Menschenrassen mit unterschiedlichen Fähigkeiten ist auch wertfrei möglich und damit eben noch kein Rassismus. Dazu wird die Rassenlehre erst, wenn es zu Wertungen kommt (typischerweise Abwertungen von den Rassen, denen man selbst nicht angehört; Aufwertungen sind zwar ebenfalls Rassismus, werden aber, nach meinem Eindruck, eher von Nichtrassisten toleriert).

    »Wenn der Rassismus stimmt, sind Programme, die etwa Angehörigen von Menschengruppen, die man zu Rassen erklärte, dabei helfen sollten, Fähigkeiten zu entwickeln, die bei ihnen schlecht entwickelt sind, von vornherein zum Scheitern verurteilt.«

    Auch dieses fällt mMn noch unter den Begriff einer Rassentheorie und muss nicht zwangsläufig Rassismus bedeuten. Naturbedingte Fähigkeiten oder Eigenschaften (wie z. B. die Fähigkeit, Alkohol gut abbauen zu können) kann man durch Lernen nicht verändern. Bei erlernten Fertigkeiten sieht die Sache anders aus.

    »Das folgenreichste aber war, daß die Religion – etwas Kulturelles –, nun Wirkung der Rasse sein sollte und man durch Änderungen auf dem Gebiet des Kulturellen (z. B. Taufe, Erziehung) die Eigenschaften, die man für verderblich hielt, nicht beeinflussen konnte. Das kostete Millionen von Juden das Leben: sie konnten es nicht mehr durch Übertritt zum Christentum retten.«

    Ja, ein Angehöriger des jüdischen Volkes oder der jüdischen Rasse konnte machen, was er wollte, seine Zugehörigkeit zum Volk (oder zur Rasse) war nicht zu ändern. Bloß die Zugehörigkeit zur jüdischen Religion konnte beendet werden, aber das war (und ist) im Rahmen üblicher Rassenlehren natürlich unerheblich.

    Kurzum, ich finde, man sollte schon unterscheiden zwischen einer (pseudo-)wissenschaftlichen, aber im Grunde wertfreien Rassenlehre, und den Behauptungen der Rassisten, für die die Rassenlehre bloß der Aufhänger ist für deren typische „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (wie man heute gerne sagt).

    Deshalb würde ich schon bei meiner Auffassung bleiben wollen, dass Rassismus im Kern ein bestimmtes (abwertendes) Denkmuster bedeutet, vom Ursprung her zwar bezogen auf vermeintliche Rassen, das sich aber genauso gut auf anderes beziehen kann, wie eben die kulturelle Herkunft. Und wenn das geschieht, dann dürfen wir, finde ich, berechtigterweise von einem kulturellen Rassismus sprechen.

    • Ludwig Trepl

      @Balanus

      „… grundlegenden Unterschied zwischen den Höhenmetern in der Geologie und der Rasseneinteilung beim Menschen. Die Höhe der Berge lässt sich objektiv feststellen (nicht auf den Millimeter genau, aber immerhin). Eine Klassifizierung nach Gesteinsarten beispielsweise wäre ebenfalls möglich und auch wissenschaftlich begründbar. Für eine Einteilung der Menschen nach Rassen gilt das jedoch nicht …“

      Diesen Unterschied gibt es nicht. Ich kann die Höhen der Berge messen, die Gesteinsarten, aber auch die Pflanzen, die auf dem Berg (nicht mehr) wachsen können), zur Einteilung benutzen, oder auch die Tatsache, daß die hohen Berge über die Wolken hinausragen und eine nach oben offene Anzahl von anderen Merkmalen mehr. Deren Vorhandensein oder Fehlen kann man immer objektiv feststellen. Subjektiv ist die Auswahl und Bewertung der Merkmale. Und das ist bei Rassen auch nicht anderes, egal ob bei Menschen oder Kakerlaken. Als – dann objektiv feststellbare – Merkmale kann ich nehmen die Hautfarbe, die Haarfarbe, die Haarform, die Immunität gegen bestimmte Krankheiten, die Anwesenheit bestimmter DNS-Moleküle, die Länge der Beine, die Farbtönung der Fingernägel und –zig andere Merkmale mehr (lesen Sie das Buch von R. Willmann!). Aber je nach dem, ob Sie Haarfarbe und Hautfarbe als hoch zu bewertende Merkmale nehmen, die Haarform aber gar nicht berücksichtigen oder niedrig bewerten, kommen bestimmte Südasiaten mit bestimmten Afrikanern in eine Rasse oder nicht. Das ist beim Menschen „auf dem Boden der Wissenschaft“ selbstverständlich möglich. – Was ich da eben gesagt habe, gilt für schlechthin alle Dinge, ob Menschen oder Kakerlaken oder Barhocker oder Kieselsteine. Man kann jederzeit Gruppen unterhalb der Artebene aufgrund gemeinsamer Merkmale bilden und „Rassen“ dazu sagen (wenn es bei Barhockern auch etwas unüblich ist), sofern sich die Individuen überhaupt unterscheiden.

      „In einem anderen Blog-Beitrag haben Sie die Schwierigkeiten bei der Bildung von Menschenrassen ja ausführlich beschrieben.“

      Aber ganz bestimmt nicht so, wie Sie sich jetzt zu erinnern glauben.

      „Die bloße Behauptung von der Existenz von Menschenrassen mit unterschiedlichen Fähigkeiten ist auch wertfrei möglich und damit eben noch kein Rassismus. Dazu wird die Rassenlehre erst, wenn es zu Wertungen kommt“

      Das ist nicht die übliche Weise, wie man -ismen (dieser Art) bildet. Zum Ökonomismus wird die Ökonomie, wenn man die Erklärungskraft der Ökonomie überzieht; ganz genauso beim Szientismus, Psychologismus, Physikalismus usw. Berwertungen (von Menschen) können hinzukommen oder nicht, das ist ein anderes Thema, nicht das -ismus-Thema. Was aber keineswegs geht, ist die Benennung von etwas z. B. als Nationalismus, wenn es in diesem Ideologem keine Vorstellung von Nation gibt. Und so ist auch zu verlangen: wenn etwas „Rassismus“ heißen soll, so muß eine Vorstellung von „Rasse“ vorhanden sei, wenn etwas Ökonomismus heißem soll, dann muß eine Vorstellung von Ökonomie vorhanden sein, wenn etwas Szientismus heißen soll, dann von Wissenschaft. Usw. Man kann vielleicht sagen: Die Unterscheidung zwischen Rassismus und Rassentheorie/Rassenlehre, die Sie treffen, ist sehr sinnvoll (hab ich vernachlässigt). Aber ohne eine wenigstens ganz grobe Rassentheorie ist ein Rassismus (in Ihrem wertende Sinne) nicht möglich. Es gab jedoch zu der Zeit, als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (grauenhaftes Wort), auf der Basis von Merkmalen, die wir der Kultur oder Religion zuschreiben, begann, gar keine Vorstellung von Rasse. Rasse ist ein moderner, wenigstens neuzeitlicher Begriff.

      „Naturbedingte Fähigkeiten oder Eigenschaften (wie z. B. die Fähigkeit, Alkohol gut abbauen zu können) kann man durch Lernen nicht verändern. Bei erlernten Fertigkeiten sieht die Sache anders aus.“

      Da hab ich zu ungenau formuliert. Es geht nicht um Lernen (darauf bin ich nur gekommen, weil es in diesen Theorien – „Sozialdarwinismus“ – meist darum ging), sondern ganz allgemein darum, ob etwas an einem Lebewesen durch Umwelteinflüsse beeinflußbar ist. Gerade an dem Punkt, an dem am heftigsten diskutiert wurde, lassen sich, so die eine Meinung, durch Veränderungen des sozialen Milieus, wie sie z. B. im Sozialismus angestrebt werden, die Menschen im Hinblick auf Eigenschaften verändern, die als naturbedingt behauptet wurden (z. B. Aggressivität, oder auch schulische Leistungen) verändern.

      „Kurzum, ich finde, man sollte schon unterscheiden zwischen einer (pseudo-)wissenschaftlichen, aber im Grunde wertfreien Rassenlehre, und den Behauptungen der Rassisten, für die die Rassenlehre bloß der Aufhänger ist für deren typische „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (wie man heute gerne sagt).“

      Dem stimme ich zu, aber das rechtfertigt nicht die Verwendung von „Rassismus“ in einem Sinn, daß ein „kultureller Rassismus“ möglich ist – außer in dem Sinn, wie es die Nationalsozialisten gemacht haben: Die Kultur hindert z. B. die Entwicklung hochstehender Menschenrassen (etwa, weil die Menschen nicht gefordert werden), oder die Rasse erzeugt die Kultur (die deutsche Kultur ist in erster Linie eine Folge des hohen Anteils von Menschen nordischer Rasse am deutschen Volk, und diese Rasse hat ihre Eigenschaften durch das Zusammenspiel eines urewigen überlegenen Wesens mit günstigen, d. h. fordernden Naturbedingungen ihres Lebensraum entwickelt.

  12. @Ludwig Trepl

    »Man kann jederzeit Gruppen unterhalb der Artebene aufgrund gemeinsamer Merkmale bilden und „Rassen“ dazu sagen…«

    Unbestritten, aber mein Punkt ist, dass Biologen das beim Menschen bislang nicht gemacht haben, d. h. nicht so, dass dabei ein konsistentes, allgemein akzeptiertes System der Menschenrassen herausgekommen wäre. Für mich gibt es Menschenrassen (im nominalistischen Sinne, wohlgemerkt) erst dann, wenn diese biologisch definiert wurden und ich in einem Lehrbuch nachschlagen kann, welche das sind.

    Wenn Sie titeln: „Menschenrassen gibt es doch“, dann klingt das zunächst so, als gäbe es sie unabhängig von einer Klassifizierung, als müsste man bloß noch herausfinden, wie diese Rassen in einer Systematik unterzubringen sind. Erst beim Lesen des Artikels wird klar, dass die gemeinten Rassen nur in den Köpfen der Menschen existieren, wie eben (alle) anderen Klassifikationen auch.

    Ich hatte behauptet, eine Unterteilung der Spezies Mensch in Rassen wäre nicht in gleicher Weise durchführbar wie etwa die Klassifikation von Bergen nach Höhe oder was anderes. Dabei hatte ich im Hinterkopf, dass die Definition von biologischen Unterarten (synonym zum Rassebegriff) schon gewissen Regeln unterworfen ist, wenn mein Gedächtnis mich nicht täuscht (dass diese Regeln auch geändert werden können, weiß ich). Anhand der Augenfarbe beispielsweise lässt sich beim Menschen wohl kaum eine sinnvolle Rasseneinteilung vornehmen. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn es eine Tierspezies gäbe, deren beiden Unterarten sich genau (oder auch) in diesem Merkmal unterscheiden.

    Ich mag mich irren, aber ich denke nicht, dass „political correctness“ der Grund dafür ist, dass es keine valide Einteilung der Spezies Mensch in Unterarten oder Rassen gibt.

    Vielleicht sollte es eine geben, vielleicht sollte es Menschenrassen auch auf dem (naturwissenschaftlichen) Papier geben, in vielen Köpfen gibt es sie ja bereits. Aber ob es Menschenrassen geben soll, wäre vermutlich wieder eine ganz andere Frage (Gott schuf den Menschen, der Mensch schuf die Rassen—so hat alles seine Ordnung).

    (Andererseits sehe ich angesichts des Umstandes, dass es im essentialistischen Sinne ohnehin keine Menschenrassen gibt, keinen Sinn darin, sie nominalistisch herbeireden zu wollen—bei Tieren und Pflanzen mag das aus praktischen Gründen anders sein.)

    —-
    Wenn ich den Begriff „kultureller Rassismus“ verteidige, tue ich das schon mit einem gewissen Bauchgrimmen, das gebe ich gerne zu. Aber dann sage ich mir, dass es nichts Besonderes ist, wenn Begriffe einen Bedeutungswandel oder Bedeutungserweiterung erfahren. Auch –Ismus-Begriffe sind nicht davor gefeit. Man denke etwa an den Begriff „kultureller Evolutionismus“. Was bedeutet „Evolution“ in diesem Begriff, ist die biologische Evolution gemeint, oder die kulturelle? Entscheidend ist doch, dass der Leser oder Hörer weiß, was mit dem Begriff „kultureller Rassismus“ gemeint ist.

    (Ich schätze, spätestens ab hier kann ich mich nur noch wiederholen…)

    • Ludwig Trepl

      @Balanus

      „…mein Punkt ist, dass Biologen das beim Menschen bislang nicht gemacht haben, d. h. nicht so, dass dabei ein konsistentes, allgemein akzeptiertes System der Menschenrassen herausgekommen wäre.“

      Das ist aber in der Wissenschaft ganz selten herausgekommen: ein „konsistentes, allgemein akzeptiertes System“. Kuhn sagt ungefähr dazu: Wo das geschieht, ist die Wissenschaft keine Wissenschaft mehr, sondern eine Technik, die man fraglos überall in anderen Wissenschaften einsetzt. Er meinte, die Chemie wäre so was. Normal sei, daß es Streitigkeiten um die letzten Grundlagen gibt, weil es nicht nur ein Paradigma gibt, oder daß ein Paradigma gerade sich selbst untergräbt (normal science). Das ist vielleicht übertrieben. Aber kaum zu bestreiten ist, daß ein „konsistentes, allgemein akzeptiertes System“ kaum jemals herauskommt. Doch der Clou kommt im nächsten Satz:
      „Für mich gibt es Menschenrassen (im nominalistischen Sinne, wohlgemerkt) erst dann, wenn diese biologisch definiert wurden und ich in einem Lehrbuch nachschlagen kann, welche das sind.“
      Da sind wir nach 500 oder 2500 Jahren wieder am Ausgangspunkt angekommen. Der Begriff der wissenschaftlichen Wahrheit wird völlig aufgegeben. Bzw. wissenschaftlich wahr ist nicht, was einer wissenschaftlichen Prüfung standhält – das war das Neue, mit dem die Wissenschaft in die Geschichte eintrat als eine Macht –, sondern es ist wieder wir früher: wahr ist, was in der Bibel steht. Die Bibel heißt jetzt Lehrbuch. Was in der Bibel/im Lehrbuch steht, steht da aber nicht wegen seiner Wahrheit drin, sondern weil die jeweiligen Machtverhältnisse (Auswahlgremien von Theologen, von „peers“ in den Redaktionen) dafür sorgen, daß bestimmte Dinge akzeptiert werden, andere nicht. Z. B. mußte ein Satz in die Bibel, der rechtfertigte, daß der Bischof von Rom und nicht der Patriarch von Konstantinopel der Oberste der Christenheit ist. In die Lehrbücher muß entsprechend ein Satz rein, der glauben läßt, daß eine bestimmte Schule und nicht eine andere den Stand der Wissenschaft repräsentiert. – Biologisch definiert wurden jede Menge an Menschenrassen, nehmen Sie sich ein älteres Konversationslexikon, da können Sie nachlesen, wie diese Rassen heißen. Aus den Biologiebüchern aber sind sie bald wieder verschwunden, sicher teils aus politischen Gründen (Nach-NS-Zeit; „Ich mag mich irren, aber ich denke nicht, dass ‚political correctness“ der Grund dafür ist, dass es keine valide Einteilung der Spezies Mensch in Unterarten oder Rassen gibt’ – sicher nicht der Grund, aber sicher einer; „political correctness“ im heutigen Sinn gab es damals allerdings nicht), teils aus wissenschaftlichen: weil sich allmählich herumsprach, daß sich nominalistisch beliebig viele Rassen bilden lassen – so wie man bei uniparentalen Organismen auch jede Menge an Arten (und Einheiten unterhalb der Art) bilden kann und dies auch tut, aber vorsichtig ist damit, ihnen Namen zu geben und so zu tun, als hätte man etwas entdeckt: Der nächste, der kommt, nimmt ein anderes Merkmal und denkt sich einen anderen Namen aus.

      „Wenn Sie titeln: „Menschenrassen gibt es doch“, dann klingt das zunächst so, als gäbe es sie unabhängig von einer Klassifizierung, als müsste man bloß noch herausfinden, wie diese Rassen in einer Systematik unterzubringen sind.“

      Ja, klar: der Titel sollte provozieren.

      „dass die Definition von biologischen Unterarten (synonym zum Rassebegriff) schon gewissen Regeln unterworfen ist“ – anders als die Klassifikation von Bergen nach Höhe.

      Auch die letztere ist gewissen Regeln unterworfen. Ein Meteorologe bildet andere Gruppen als ein Zoologe, diese andere als ein Botaniker. Am schönsten kann man das nachlesen anhand der Diskussion um „naturräumliche Einheiten“ unter den physischen Geographen. Da war auch erst die Meinung, es gebe natürliche Einheiten, die man nur entdecken müßte, und dann könne man eines Tages die eine richtige Landkarte zeichnen. Irgendwann kam man aber dahinter, daß bereits Ornithologen und Entomologen die Grenzen ganz anders ziehen: sie betrachten eben das Vorkommen anderer Arten als höherwertig. – Die Regeln sind halt einfach der jeweiligen wissenschaftlichen Praxis entnommen (also dem Gegenstand extern) und werden dadurch sehr heterogen.

  13. @Ludwig Trepl

    »Das ist aber in der Wissenschaft ganz selten herausgekommen: ein „konsistentes, allgemein akzeptiertes System“.«

    Ja, da hätte ich wohl besser von einem weitgehend konsistenten System gesprochen, soweit so etwas eben möglich ist. Etwas anderes konnte ja nicht gemeint sein.

    Was kommt eigentlich häufiger vor, dass man eine Art nachträglich in Unterarten aufteilt (wie manche das beim Menschen versuchen), oder dass man im Nachhinein erkennt, dass das, was man zunächst für zwei (oder drei) verschiedene Arten gehalten hat, in Wahrheit zu einer Art zu zählen ist und sie darum zu Unterarten erklärt?

    »Doch der Clou kommt im nächsten Satz:…«

    An sich mag ich ja Ihre spezielle Art von Humor, aber hier trifft er nicht die Intention, die in meinem Verweis auf das „Lehrbuch“ steckte.

    »Die Bibel heißt jetzt Lehrbuch.«

    Das eben war nicht gemeint (auch wenn es mir im gewissen Sinne zu stimmen scheint: Was für den Gläubigen die Bibel, das ist für den (angehenden) Wissenschaftler die Lehrbuchsammlung).

    Wissenschaftliche Lehrbücher ebnen dem Lernenden den Weg in das jeweilige Fachgebiet. Lehren, die in solchen Büchern nicht vorkommen, stehen in dem Ruch, keine wissenschaftliche Lehre zu sein, zumindest keine gute. Dazu zählen etwa die Lehre von der Homöopathie, der Astrologie, dem Intelligent Design und eben auch, meiner Meinung nach, die von den Menschenrassen.

    Man gibt den „Begriff der wissenschaftlichen Wahrheit“ nicht gleich auf, wenn man darauf vertraut, dass ein Lehrbuch nach bestem Wissen verfasst wurde. Zudem, wer in Lehrbüchern Wahrheit vermutet oder dort nach ihr sucht, hat wohl nicht verstanden, was Wissenschaft bedeutet.

    »Biologisch definiert wurden jede Menge an Menschenrassen, nehmen Sie sich ein älteres Konversationslexikon, da können Sie nachlesen, wie diese Rassen heißen.«

    Ich habe mein Knaurs Konversationslexikon (aus den 1930er Jahren) nicht mehr zur Hand, aber wenn ich mich recht erinnere, waren es über 30 Rassen, die man glaubte, anhand äußerer Merkmale unterscheiden zu können. Meinten Sie das mit „biologisch definiert“?

    » Aus den Biologiebüchern aber sind sie bald wieder verschwunden, sicher teils aus politischen Gründen […], teils aus wissenschaftlichen: weil sich allmählich herumsprach, daß sich nominalistisch beliebig viele [Menschen-]Rassen bilden lassen…«

    Im Grunde lassen sich bei fast allen biparentalen Spezies nominalistisch beliebig viele Unterarten oder Rassen bilden. Aber aus den Biologiebüchern verschwunden sind die tierlichen Unterarten deshalb noch lange nicht. Vielleicht lag es in der Hauptsache ja doch daran, dass man beim Menschen keine „harten“ Unterscheidungskriterien finden konnte, die einer wissenschaftlichen Prüfung Stand gehalten hätten. Zu überlegen wäre auch, welche politischen Gründe z. B. US-amerikanische Anthropologen dazu bewogen haben könnten, die politisch gewollten Rassenunterschiede nicht biologisch abzusegnen.

    »Auch die letztere [die Klassifikation von Bergen nach Höhe] ist gewissen Regeln unterworfen.«

    Na schön, dann brauchen wir uns ja nur noch an die derzeit bestehenden Regeln zu halten—und schon lösen sich die Menschenrassen in Luft auf (sofern so etwas bei nominalistisch konstruierten Rassen überhaupt geht).

    • Ludwig Trepl

      @ Balanus

      „»Das ist aber in der Wissenschaft ganz selten herausgekommen: ein „konsistentes, allgemein akzeptiertes System“.« Ja, da hätte ich wohl besser von einem weitgehend konsistenten System gesprochen, soweit so etwas eben möglich ist. Etwas anderes konnte ja nicht gemeint sein.“

      Da steckt mehr dahinter, als mich Ihre Antwort vermuten läßt, daß Sie meinen. Wir reden in verschiedenem Sinn von „wissenschaftlich wahr“ (oder so was), auch wenn der jeweils andere Sinn auch immer irgendwie mit gemeint ist. – Ein weitgehend konsistentes allgemein (oder doch weitgehend) akzeptiertes System war ja das ptolemäische auch, und ebenso das Cuvier’sche oder andere nicht-evolutionäre Systeme vor Darwin (und von ihnen abgeleitete Klassifikationssysteme). Aber sie waren falsch. Die Wahrheit (wenn sie denn eine ist) pflegt erst nur in einem Kopf zu sein, die Mehrheit der Wissenschaftler liegt zunächst falsch.

      Es gibt also einen Unterschied zwischen dem, was die Wissenschaftlergemeinde anstrebt und dem, was sie für richtig hält. Ich meine in unseren Diskussionen meist ersteres, Sie sehr oft letzteres. Wenn ich sage: Menschenrassen gibt es – im nominalistischen Sinn – doch, so ist das ganz unabhängig davon wahr (oder hat zumindest diesen Anspruch), ob die Wissenschaftlergemeinde das für wahr hält.

      „Was kommt eigentlich häufiger vor, dass man eine Art nachträglich in Unterarten aufteilt (wie manche das beim Menschen versuchen), oder dass man im Nachhinein erkennt, dass das, was man zunächst für zwei (oder drei) verschiedene Arten gehalten hat, in Wahrheit zu einer Art zu zählen ist und sie darum zu Unterarten erklärt?“

      Ich glaub, die Zahl der „anerkannten“ Arten schrumpft, weil man bei biparentalen Arten irgendwann merkt, daß sie sich doch paaren; kann aber auch anders sein.

      „»Doch der Clou kommt im nächsten Satz:…« An sich mag ich ja Ihre spezielle Art von Humor, aber hier trifft er nicht die Intention, die in meinem Verweis auf das „Lehrbuch“ steckte.“

      So lustig war das gar nicht gemeint, obwohl auch. Sie deuten es ja selbst an: „auch wenn es mir im gewissen Sinne zu stimmen scheint …“ Ich habe Ihnen schon vor längerer Zeit geraten, Kuhn zu lesen. Das wiederhole ich jetzt. Kuhns Paradigmen-Lehre ist nicht unproblematisch, aber oft doch sehr erhellend. Und hier macht er deutlich: Es ist mit dem Lehrbuch schlimmer als mit der Bibel. Es wird von Kuhn systematisch klargemacht, warum es in den normal sciences unhinterfragbare Selbstverständlichkeiten gibt – in einem sehr strengen Sinne unhinterfragbare – und was das mit dem Aufkommen der Lehrbücher zu tun hat. Bei einer heiligen Schrift muß man sich nur entschließen, sie nicht mehr zu glauben, bei einem Paradigma/Lehrbuch ist das anders: man kann nicht anders, als sie zu glauben – es sind eben Selbstverständlichkeiten, quasi-transzendentale Bedingungen der wissenschaftlichen Erfahrung, dieser unzugänglich, sondern Bedingung ihrer Möglichkeit. Kuhn findet das gut, ich nicht unbedingt.

      „Im Grunde lassen sich bei fast allen biparentalen Spezies nominalistisch beliebig viele Unterarten oder Rassen bilden. Aber aus den Biologiebüchern verschwunden sind die tierlichen Unterarten deshalb noch lange nicht.“

      Ich hatte da nicht Tiere im Sinn, sondern Mikroorganismen, wo man ja nicht anders kann als nach willkürlichen (bzw. gegenstandsexternen) Kriterien Merkmale auszuwählen und damit Arten zu bilden. Irgendwo hab ich mal gelesen, daß jemand als eine Art definiert hat, was 5 % Gene hat, die nur hier vorkommen, oder so ähnlich. Wenn man dann auch noch Unterarten bildet aus irgendwelchen Gründen, dann vermute ich, daß die eher Nummern kriegen als Namen. Auch diejenigen Mikroorganismen, die Artnamen haben, sind ja eher selten; meist sind es solche, die von besonderem Interesse, meist medizinischem, sind.

      „Zu überlegen wäre auch, welche politischen Gründe z. B. US-amerikanische Anthropologen dazu bewogen haben könnten, die politisch gewollten Rassenunterschiede nicht biologisch abzusegnen.“

      Da kenne ich mich nicht aus. Vermute ich richtig: „die Politik“, also die regierende Partei, wollte, daß es Rassenunterschiede gibt, damit sich eine rassistische Politik rechtfertigen läßt? Na ja, da ist einer von denen, die man dort „liberals“ nennt, natürlich dagegen.

      „Na schön, dann brauchen wir uns ja nur noch an die derzeit bestehenden Regeln zu halten—und schon lösen sich die Menschenrassen in Luft auf (sofern so etwas bei nominalistisch konstruierten Rassen überhaupt geht).“

      Das dürfte schon funktionieren. In einem dieser Rassen-Systeme habe ich gesehen, daß die Ätiopier zu den Weißen gehören. Damit lösen sich diejenigen Menschenrassen in Luft auf, die eine ganz zentrale Rolle in der südafrikanischen Apartheidspolitik und auch in der US-amerikanischen spielten, und vor allem im Alltags-Rassismus spielen.

      • Ludwig Trepl schrieb (29. Januar 2016 13:15):
        > […] daß jemand als eine Art definiert hat, was 5 % Gene hat, die nur hier vorkommen, oder so ähnlich.

        Wie schön: hiermit ist endlich mal ein konkretes Beispiel für die Definition einer Messgröße skizziert und in die Diskussion eingefüht. Anhand dieses Beispiels lässt sich nun, konkreter als ich in bisherigen Kommentaren zum Thema „Wissenschaft“ versucht habe, hinterfragen:

        Ist diese Definition „wahr“ bzw. „wissenschaftlich wahr“?
        Oder ist diese Definition „falsch“ bzw. „wissenschaftlich falsch“?
        Oder ist die Kategorisierung „wahr oder falsch“ gar nicht auf Definitionen (von Messgrößen) anwendbar?
        (Sollte man viel mehr darum besorgt sein, ob eine in Betracht gezogene Definition einer Messgröße „nachvollziehbar“ ist, oder nicht? …)

        Ist diese Definition „prüfbar“ und insbesondere „experimentell falsifizierbar“?
        Ist es überhaupt sinnvoll, „Prüfbarkeit“ bzw. „experimentelle Falsifizierbarkeit“ von der Definition einer Messgröße zu fordern?
        Kann die Definition einer Messgröße „wissenschaftlich“ genannt werden, auch falls sie nicht „experimentell falsifizierbar“ wäre?

        • Ludwig Trepl

          @ F. Wappler

          Er hätte natürlich auch 0,5 oder 15 % nehmen können. Man nennt sowas eine Nominaldefinition: „Ein Pferd sei ein Vogel, der drei Hörner und einen Schwanz von mehr als 1,5 m Länge hat“. Die Defintion selbst ist natürlich nicht prüfbar, wohl aber, ob ein Ding, das man findet, dieser Definition entspricht und folglich ein Vogel genannt zu werden hat. Auf so eine Definition können sich alle einigen („Meter“ dürfte so etwas sein), es kann sie aber auch nur einer für den Eigengebrauch festsetzen: In diesem meinem Buch ist mit „Pferd“ durchweg das so definierte Ding gemeint.
          Die Nominaldefinition ist eine Festsetzung des Wortgebrauchs. Ihr steht die Realdefinition gegenüber, sie ist eine Feststellung des Wortgebrauchs. – Es gibt noch andere Unterscheidungen, aber diese hier sind klassisch.

          • Ludwig Trepl schrieb (29. Januar 2016 15:59):
            > [… daß jemand als eine Art definiert hat, was 5 % Gene hat, die nur hier vorkommen, oder so ähnlich.] Er hätte natürlich auch 0,5 oder 15 % nehmen können.

            Natürlich.
            Aber 0,0 % hätte der betreffende Jemand wohl kaum vorgeschlagen. (Die Zahl Null ist ja auch signifikant unähnlich jeder von Null verschiedenen Zahl.)

            Wesentlich dabei ist außerdem, dass die zur Definition eingesetzten Begriffe, hier „Gene“ und „vorkommen„, wiederum nachvollziehbar definiert oder von vornherein selbstverständlich sind.

            > Man nennt sowas eine Nominaldefinition: „Ein Pferd sei ein Vogel, der drei Hörner und einen Schwanz von mehr als 1,5 m Länge hat“.

            Hier wären offenbar wiederum Definitionen der Begriffe „Vogel„, „Horn„, „Schwanz„, und „m Länge“ vorausgesetzt und erforderlich;
            während die Begriffe „sei„, „drei“ und „mehr als 1,5“ als selbstverständlich gelten und jedem zugestanden werden können, der überhaupt guten Gewissens fragen könnte: „Was ist die/deine Definition des Begriffes Pferd?“.

            > Die Nominaldefinition ist eine Festsetzung des Wortgebrauchs.
            > Die Defintion selbst ist natürlich nicht prüfbar,

            Ja, natürlich.
            Wenn also trotzdem (von „Popperianern“ (?)) behauptet wird, dass manche Theorien (also Systeme aus Begriffen, daraus gebildeten Definitionen, und dazwischen bestehenden Theoremen) eben doch „prüfbar“ und „experimentell falsifizierbar“ wären, dann ist das offenbar … unnatürlich (zu nennen).

            > wohl aber, ob ein Ding, das man findet, dieser Definition entspricht und folglich ein Vogel genannt zu werden hat.

            Ja, natürlich:
            Messwerte betreffende Hypothesen bzw. Erwartungen sind „prüfbar“ und „experimentell falsifizierbar“.
            (Aber eben gerade nicht der Messoperator, den man gebraucht, um Messwerte aus gegebenen Beobachtungsdaten überhaupt erst zu gewinnen.)

            > [Der Nominaldefinition] steht die Realdefinition gegenüber, sie ist eine Feststellung des Wortgebrauchs.

            Feststellung … mit einem bestimmten Bezug?
            Einem Bezug, der so selbstverständlich wäre, dass er (so gut wie) ohne Nominaldefinition herzustellen wäre?

            Ein solcher Bezug wäre, dass unterscheidbare Beteiligte verschieden benannt werden (sollen);
            also die damit verbundenen Feststellungen hinsichtlich des Gebrauchs der Wörter
            „Rosinante“, „Iltschi“, „Kleiner Onkel“, o.a.

            (Zum Beispiel. Sind noch irgendwelche andere Bezüge denkbar, die keine ausdrückliche, besondere, diskriminierende Nominaldefinition voraussetzen?)

            p.s.
            > Auf so eine Definition können sich alle einigen („Meter“ dürfte so etwas sein) […]

            Wohl kaum; vgl.
            http://www.bipm.org/en/publications/si-brochure/metre.html

            The metre is the length of the path travelled by light in vacuum during a time interval of 1/299 792 458 of a second.

            Was, bitteschön, soll denn „travelled by light in vacuum during a [duration]“ bedeuten ?!?

            Ist das mit der Forderung verbunden, dass Sender und Empfänger der zu betrachtenden Signalfront gegenüber einander „ruhten“?,
            und folglich Feststellungen hinsichtlich der Gleichzeitigkeit (oder Ungleichzeitigkeit) ihrer Anzeigen treffen konnten, so dass sich sagen ließe, dass die Dauer „1/299 792 458 of a second

            – gleich der Dauer des Senders von seiner Sendeanzeige bis zu seiner Anzeige gleichzeitig zur Empfangsanzeige des Empfängers, und ebenfalls

            – gleich der Dauer des Empfängers von seiner Anzeige gleichzeitig zur Sendeanzeige des Senders bis zu seiner Empfangsanzeige
            wäre?
            Und falls das so gefordert ist: Wie wäre denn überhaupt zu messen, ob ein gegebener Sender und ein gegebener Empfänger gegenüber einander „ruhten“, bzw. in wie fern nicht??

            Oder ist damit (zumindest) die Forderung verbunden, dass

            – die Dauer des Sender von seiner Sendeanzeige bis zu seiner Anzeige, dass der Empfänger diese Sendeanzeige wahrgenommen hatte und

            – die Dauer des Empfängers von seiner Empfangsanzeige bis zu seiner Anzeige, dass der Sender diese Empfangsanzeige wahrgenommen hatte

            einander gleich, und gleich zur Dauer „2/299 792 458 of a second“ zu sein hätte?
            Und falls das (zumindest) so gefordert ist: Wie vergleicht man Dauern zwischen Beteiligten, ohne festgestellt zu haben, ob sie gegenüber einander „ruhten“ bzw. falls diese ausdrücklich nicht gegenüber einander „ruhten“?? …

          • Ludwig Trepl

            @ Frank Wappler

            „Aber 0,0 % hätte der betreffende Jemand wohl kaum vorgeschlagen.“

            Ja. Und?

            „Wesentlich dabei ist außerdem, dass die zur Definition eingesetzten Begriffe, hier „Gene“ und „vorkommen“, wiederum nachvollziehbar definiert oder von vornherein selbstverständlich sind.“

            Ja, so ist das mit der Sprache.

            > Man nennt sowas eine Nominaldefinition: „Ein Pferd sei ein Vogel, der drei Hörner und einen Schwanz von mehr als 1,5 m Länge hat“.

            „Hier wären offenbar wiederum Definitionen der Begriffe „Vogel“, „Horn“, „Schwanz“, und „m Länge“ vorausgesetzt und erforderlich;
            während die Begriffe „sei“, „drei“ und „mehr als 1,5“ als selbstverständlich gelten und jedem zugestanden werden können, der überhaupt guten Gewissens fragen könnte: „Was ist die/deine Definition des Begriffes Pferd?“.“

            Ja, es gibt einen Unterschied zwischen Begriffen, die sich auf Empirisches beziehen, die konventionelle Bedeutungen haben und die man voraussetzen muß, wenn man überhaupt eine Definition, egal ob Nominaldefinition oder nicht, macht – und apriorischen Begriffen, die sich allein aufs Denken selbst beziehen und die „jedem zugestanden werden können“.

            Wenn also trotzdem (von „Popperianern“ (?)) behauptet wird, dass manche Theorien (also Systeme aus Begriffen, daraus gebildeten Definitionen, und dazwischen bestehenden Theoremen) eben doch „prüfbar“ und „experimentell falsifizierbar“ wären, dann ist das offenbar … unnatürlich (zu nennen).

            Ich verstehe nicht, was Sie meinen.

            „‚[Der Nominaldefinition] steht die Realdefinition gegenüber, sie ist eine Feststellung des Wortgebrauchs.‘
            Feststellung … mit einem bestimmten Bezug?“

            Ich weiß nicht so recht, worauf Sie hinauswollen, vermute aber: Gibt es Fälle, in denen die Realdefinition nicht nur darin besteht, den gängigen Sprachgebrauch zu treffen, sondern in einem umfassenden Sinne wahr sein? Zumindest gibt es die Meinung, daß das so ist. Und zumindest ist die Meinung richtig, daß dieser Versuch immerzu unternommen wird und Wissenschaft weitgehend darin besteht: Es wird darüber gestritten, welche Definition von „Leben“ oder von „Individuum“ richtig sei. Beim Reden darüber braucht man natürlich auch Nominaldefinitionen und Realdefinitionen im Sinne der Feststellung von Konventionen.

            „Ein solcher Bezug wäre ….“

            Von da ab verstehe ich überhaupt nichts mehr. Und das mit dem Meter interessiert mich nicht, es war ja nur ein Beispiel unter tausend, vielleicht ein schlechtes.

          • Ludwig Trepl

            @ Frank Wappler

            Vielleicht hilft das zur Vermeidung von Mißverständnissen:
            Diese Trennung der beiden Definitionsarten dürfte man bei empirischen Gegenständen (anders als etwa bei Maßen) kaum jemals rein finden. In der Wissenschaft sind Definitionen ihrer Gegenstände immer festsetzende, denn über Gegenstände, wie sie an sich sind, macht die Naturwissenschaft keine Aussagen. Sie definiert ihre Objekte so, daß sie exakte Aussagen über sie machen kann, was bei den Gegenständen, wie sie an sich sind (nicht zu verwechseln mit dem „Ding an sich“), nicht möglich wäre. Zugleich aber werden diese festsetzenden Definitionen so gemacht, daß sie den Gegenständen, wie sie an sich sind, doch sozusagen gerecht werden sollen. Niemand definiert ein Pferd so wie ich es oben gemacht habe.

          • Ludwig Trepl schrieb (30. Januar 2016 12:30):
            > [„Aber 0,0 % hätte der betreffende Jemand wohl kaum vorgeschlagen.“] Ja. Und?

            Also lassen sich Definitionen (von Messgrößen) bzw. Theorien von vornherein und an sich bewerten; ohne irgendwelche eventuellen experimentellen Befunde in Betracht zu ziehen.

            > > > Die Definition selbst ist natürlich nicht [experimentell] prüfbar […]

            Um nochmals in aller Deutlichkeit ausdrücken, was ich diebezüglich meine:
            Jemand, der begreift, dass Definitionen von Messgrößen, und (deshalb) Theorien insgesamt, nicht experimentell prüfbar sind,
            sollte diejenigen nicht kritiklos davonkommen lassen, die das Gegenteil behaupten; wie z.B. (als einem Beispiel unter tausenden) hier:

            http://www.spektrum.de/news/quasar-qj287-bestaetigt-wieder-allgemeine-relativitaetstheorie/1390649

            > Unterschied zwischen Begriffen, die sich auf Empirisches beziehen, die konventionelle Bedeutungen haben und die man voraussetzen muß, wenn man überhaupt eine Definition, egal ob Nominaldefinition oder nicht, macht – und apriorischen Begriffen, die sich allein aufs Denken selbst beziehen und die „jedem zugestanden werden können“.

            Ich hatte die Unterscheidung allerdings anders ziehen wollen, nämlich:
            einerseits die apriorischen Begriffen, die sich aufs Denken beziehen
            (einschließlich des Denkens über Wahrnehmungen; also dass sich z.B. im Prinzip begreifen lässt, ob man „Verschiedenes“ oder „das Selbe“ wahrgenommen hatte; oder ob man Verschiedenes „zusammen“ oder „getrennt nacheinander“ wahrgenommen hatte)
            und die „jedem zugestanden werden können“ und die deshalb die einzigen sind, die man voraussetzen soll, wenn man eine Definition formuliert;
            die sich deshalb als Konvention eignen.
            Und andererseits: der (empirische(?), anthropozentrische (?), gar „historisch-kulturell gwachsene“) Rest.

            > Und das mit dem Meter interessiert mich nicht, es war ja nur ein Beispiel unter tausend, vielleicht ein schlechtes.

            Tja, „das mit dem Meter“ interessiert mich als Physiker nun mal ganz vorrangig; und ich bedauere, dass es mir in den SciLogs so schwer fällt, dieses Interesse zu teilen.

            Ludwig Trepl schrieb (30. Januar 2016 15:34):
            > […] diese festsetzenden Definitionen so gemacht, daß sie den Gegenständen, wie sie an sich sind, doch sozusagen gerecht werden sollen.

            Die „Gegenstände“ der Physik sind (spätestens seit ziemlich genau hundert Jahren) einfach unterscheidbare Beteiligte („A“, „B“, „M“ …) die sich zumindest im Prinzip gegenseitig wahrnehmen und unterscheiden/erkennen können. Um diesen Gegenständen, so wie sie an sich gedacht werden, doch sozusagen gerecht zu werden, sollten alle weiteren Festsetzungen bzw. Definitionen von Messgrößen ausschließlich und exakt und systematisch auf Anwendung dieser allgemein zugestandenen Fähigkeiten beruhen. (Soll heißen: Nicht das Durcheinander, das z.B. Markus Pössel in den letzten Jahren angeboten hat.)

          • Ludwig Trepl

            @ Frank Wappler

            „> Und das mit dem Meter interessiert mich nicht, es war ja nur ein Beispiel unter tausend, vielleicht ein schlechtes. < (Zitat L.T.)
            Tja, 'das mit dem Meter' interessiert mich als Physiker nun mal ganz vorrangig".

            Na, na, so geht's aber nicht. Um "das mit dem Meter" ging es in der Diskussion nun einmal nicht, da können Sie nicht kommen und sagen, das interessiere sie als Physiker ganz besonders. In einer Diskussion über die Bedeutung Wallensteins kann auch nicht einer aufstehen und sagen: mich als Mietshausbesitzer interessiert aber vorrangig der im Parlament gestellte Antrag auf Änderung des Mietrechts, und darüber reden wir jetzt. Wenn Sie über "das mit dem Meter" bei Scilogs diskutieren wollen, müssen Sie entweder selbst Scilogs-Autor werden oder aber warten, bis das mal einer – ein Autor oder ein Kommentator – zum Thema macht. Sie selbst können es als Kommentator nur zum Thema machen, indem Sie es von einer gerade diskutierten Frage ableiten.

  14. @ Ludwig Trepl

    »Vermute ich richtig: „die Politik“, also die regierende Partei, wollte, daß es Rassenunterschiede gibt, damit sich eine rassistische Politik rechtfertigen läßt?«

    Ich hatte etwas anderes im Sinn. Im Land der „political correctness“ (offiziell gesehen) ist es durchaus üblich, von „races“ zu sprechen (entspricht zwar nicht ganz dem deutschen Rassenbegriff, ist aber nahe dran) und die Menschen entsprechend einzugruppieren, wenn es geboten erscheint. Solange dabei keine Wertungen vorgenommen werden, ist offenbar alles in Ordnung in Gottes eigenem Land. In diesem (sozial-)politischen Umfeld hätte es mich nicht gewundert, wenn US-amerikanische Anthropologen versucht hätten, diese sozialpolitisch gewollte Unterteilung in Rassen biologisch zu untermauern, d.h., den biologischen Rassenbegriff aus dem Tier- und Pflanzenreich (Unterart, Subspezies, uaw., Mikroorganismen sind diesbezüglich etwas Besonderes) sachlogisch auf den Menschen anzuwenden. Ich glaube, einige haben das sogar versucht, aber eben ohne durchschlagenden Erfolg.

    Inzwischen habe ich übrigens doch einigen Zweifel, ob die Trennung von essentialistisch und nominalistisch bei der Rassendefinition wirklich sauber zu vollziehen ist. Denn wenn sich „nominalistisch beliebig viele Rassen bilden lassen“ (L.T.), dann ist die Sache im Grunde uninteressant, das Ziel wird also immer sein, dass sich die ge- bzw. erfundenen Rassen in ihren Merkmalen und Eigenschaften wesentlich unterscheiden. Eine Unternehmung, die vielleicht rein nominalistisch gestartet ist, landet so schließlich im Essentialistischen.

    »Ich habe Ihnen schon vor längerer Zeit geraten, Kuhn zu lesen. Das wiederhole ich jetzt.«

    Ich merke, ich habe versäumt, Ihnen mitzuteilen, dass ich sowohl Thomas S. Kuhn als auch Ludwik Fleck gelesen habe, 2014, im Sommerurlaub. Es hat, aus Ihrer Sicht, offenkundig nicht viel gefruchtet. Es ist wohl so, dass sich Kuhns zentrale Ideen mittlerweile herumgesprochen haben, einiges davon hat man bereits verinnerlicht (etwa die Sache mit der Schwierigkeit, neue Erkenntnisse gegen eine etablierte Lehrmeinung durchzusetzen), und wenn man (ich) heute Kuhn liest, kommt einem vieles vertraut vor. Zudem wird seit Jahren in jedem Jahr mindestens ein naturwissenschaftlicher Paradigmenwechsel ausgerufen. Da haben manche Kuhn wohl missverstanden. Ein Nobel-Preis genügt heutzutage schon nicht mehr, es muss gleich eine wissenschaftliche „Revolution“ sein. Und von denen, die ohnehin auf die „Schul“-Wissenschaften schimpfen, will ich erst gar nicht reden.

    (Ich habe mir den Kuhn gerade zur Hand genommen und darin geblättert—ich denke, ich werde nochmal darin lesen, das eine oder andere habe ich beim ersten Lesen mit Sicherheit übersehen bzw. noch nicht richtig einordnen können.)

    Bei aller berechtigten Kritik am normalen Wissenschaftsbetrieb: Unterm Strich ist das Projekt Wissenschaft, allen Unkenrufen zum Trotz, doch recht erfolgreich (Königsweg zum Wissen über die Natur der Dinge usw., Sie wissen schon…)

    • @ Bal :

      Sie sind ein „Klemmie“.

      Ich hatte etwas anderes im Sinn. Im Land der „political correctness“ (offiziell gesehen) ist es durchaus üblich, von „races“ zu sprechen (entspricht zwar nicht ganz dem deutschen Rassenbegriff, ist aber nahe dran) und die Menschen entsprechend einzugruppieren, wenn es geboten erscheint.

      Der Rassenbegriff mit einschlägiger Bedeutung findet sich bspw. im US-amerikanischen, wie auch im bundesdeutschen Rechtswesen, er dient dazu zu zu diskriminieren bzw. besser: explizit nicht zu diskriminieren.
      Reverse Diskriminierung liegt gelegentlich aber vor.

      Wobei in den Staaten dbzgl. dann leider „konsequenterweise“ positiv diskriminiert wird [1}, auch Juden als „Weiße“ oder sogenannte Kaukasier als „privilegiert“ zu benoten. [2]

      All dies ist schlecht, es kann qua Herkunft weder besonders schützenswerte Gruppen geben in denjenigen Systemen, die den Ideen und Werten der Aufklärung folgend gesellschaftlich implementiert haben, noch verdammenswerte.

      Wenn Herr Trepl hier biologisch unterwegs ist, mag das seine Gründe haben, biologische Gründe, nicht nur i.p. Sonnenschutz bspw. mag bestimmte Merkmalsausprägung aus biologischer Sicht bemerkenswert sein, sondern auch i.p. Medikation; Gruppen müssen nicht -dies ist ein wichtiger agnostischer Grundsatz, in allen Bezügen gleich performieren.
      Oder andere Seiten des Seins betreffend.
      Der Biologe mag hier schlicht recht haben.

      Solange dabei keine Wertungen vorgenommen werden, ist offenbar alles in Ordnung in Gottes eigenem Land.

      Erst einmal: +1

      Wertungen werden aber leider schon von denjenigen vorgenommen, die i.p. Rasse stets unterwegs sind, allerdings sagt der heutige Rassist nicht mehr „Die sind zu unterdrücken!“, was sich mittlerweile qua Rechtslage verbietet, sondern: Es gibt eine strukturelle Unterdrückung und diese gilt es zu brechen, um in der Folge rassische oder „rassische“ Bevorzugung zu promovieren.
      Rassistische Bevorzugung.

      MFG
      Dr. Webbaer

      [1]
      -> https://de.wikipedia.org/wiki/Affirmative_Action

      [2]
      -> https://de.wikipedia.org/wiki/Kaukasische_Rasse

  15. @Ludwig Trepl // 29. Januar 2016 13:15

    »Es gibt also einen Unterschied zwischen dem, was die Wissenschaftlergemeinde anstrebt und dem, was sie für richtig hält. Ich meine in unseren Diskussionen meist ersteres, Sie sehr oft letzteres.«

    Ich setze voraus bzw. unterstelle, dass die Wissenschaftlergemeinde in der Regel das für (vorläufig) richtig hält, was beim Streben nach der „Wahrheit“, d.h. der Suche nach Erklärungen für die Zusammenhänge von Ereignissen und so weiter, gefunden wurde.

    »Wenn ich sage: Menschenrassen gibt es – im nominalistischen Sinn – doch, so ist das ganz unabhängig davon wahr (oder hat zumindest diesen Anspruch), ob die Wissenschaftlergemeinde das für wahr hält.«

    Was allgemein für wahr gehalten wird und was der Einzelne meint, was wahr sei, das ist nicht immer deckungsgleich. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele. In der Regel liegt der Einzelne falsch, wenn sich seine Auffassung nicht in ein bestehendes wissenschaftliches Lehrgebäude einfügen lässt. Revolutionär neue Erkenntnisse, die einen völlig neuen An- oder gar Umbau erfordern, sind die Ausnahme, nicht die Regel.

    • Ludwig Trepl

      @ Balanus

      „Ich setze voraus bzw. unterstelle …“

      Ja.

      „Was allgemein für wahr gehalten wird und was der Einzelne meint, was wahr sei, das ist nicht immer deckungsgleich ….“

      Ja, aber darum ging es in meinem Zitat nicht. Ich meinte, zwischen dem, was allgemein für richtig gehalten wird, und dem, was richtig ist, kann ein Unterschied bestehen – was in der empiristischen Tradition gern übersehen wird.

      „In der Regel liegt der Einzelne falsch, wenn sich seine Auffassung nicht in ein bestehendes wissenschaftliches Lehrgebäude einfügen lässt.“

      Ja, und das kann man nicht genug betonen. Die Vorstellung von dem völligen Außenseiter, möglichst auch noch Autodidakten, der gegen die verknöcherte Gemeinde mit ihren Platzhirschen in seiner einsamen Studierstube hinter die Wahrheit kommt, ist ein Märchen. –

      „Revolutionär neue Erkenntnisse, die einen völlig neuen An- oder gar Umbau erfordern, sind die Ausnahme, nicht die Regel.“

      Schon, aber dafür sind sie von besonders großer Bedeutung. Kopernikus, Kant, Darwin, Einstein waren solche Leute. Sie kommen ganz selten mal vor. Aber bezogen auf kleinere Teile der Wissenschaft ist sowas wohl häufiger.

  16. @Ludwig Trepl // 25. Januar 2016 19:42

    Noch eine abschließende Anmerkung zur „Rassenfrage“:

    »Diesen Unterschied [zwischen der Klassifizierung von Bergen etwa nach Gesteinsarten und der von Menschen nach Rassen] gibt es nicht. Ich kann die Höhen der Berge messen, die Gesteinsarten, aber auch die Pflanzen, die auf dem Berg (nicht mehr) wachsen können), zur Einteilung benutzen, oder auch die Tatsache, daß die hohen Berge über die Wolken hinausragen und eine nach oben offene Anzahl von anderen Merkmalen mehr. Deren Vorhandensein oder Fehlen kann man immer objektiv feststellen. Subjektiv ist die Auswahl und Bewertung der Merkmale. Und das ist bei Rassen auch nicht anderes, egal ob bei Menschen oder Kakerlaken.«

    Mir scheint, hier setzen Sie bereits voraus, was als Ergebnis der Klassifizierung der Menschen nach physischen Merkmalen erst noch herauskommen soll, nämlich deren Eingruppierung in bestimmte Rassen. Nicht Rassen gilt es zu unterscheiden, sondern Menschen. Es geht darum, ob Unterschiede zwischen den Menschen zu einer Eingruppierung in Rassen führen kann oder auch nicht.

    Im Weiteren schreiben Sie:

    »Als – dann objektiv feststellbare – Merkmale kann ich nehmen die Hautfarbe, die Haarfarbe, die Haarform, die Immunität gegen bestimmte Krankheiten, die Anwesenheit bestimmter DNS-Moleküle, die Länge der Beine, die Farbtönung der Fingernägel und –zig andere Merkmale mehr (lesen Sie das Buch von R. Willmann!).«

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass Rainer Willmann (als Biologe) tatsächlich meint, dass man allein anhand von beliebigen Merkmalen zu einer Definition von Rassen gelangen kann. Nicht, wenn der Begriff Rasse noch annähernd das bedeuten soll, was er schon immer bedeutet hat (Geschlecht, Stamm, Sippe, oder eben Unterart).

    Bei einer Klassifizierung von natürlichen Objekten legt die Auswahl der Merkmale fest, was für ein Kategorisierungssystem dabei entstehen soll (nach Größe, Form, Farbe, Beschaffenheit, Entstehungsgeschichte, usw.). Wir erhalten dann z. B. diverse Größen- oder Formklassen.

    Wenn es sich bei den Objekten um Menschen handelt, würden objektiv feststellbare Merkmale wie etwa Haut- oder Haarfarbe bloß zu den entsprechenden Farbklassen führen. Und die Frage wäre dann, wie wir von diesen beliebigen Merkmalsklassen zu einem System der „Menschenrassen“ kommen könnten.

    Solange das nicht geklärt ist, lautet mein Fazit: Menschenrassen gibt es doch nicht, weder im essentialistischen noch im nominalistischen Sinne. Es gibt sie nur als Idee.

    • Ludwig Trepl

      @Balanus

      „Nicht Rassen gilt es zu unterscheiden, sondern Menschen. Es geht darum, ob Unterschiede zwischen den Menschen zu einer Eingruppierung in Rassen führen kann oder auch nicht.“

      Wie bei Bergen. Nicht Berg-Klassen gilt es zu unterscheiden, kann man sagen, sondern einzelne Berge: das ist ein sehr hoher, das ein mittlerer, das ein Hügel … Und die Unterschiede kann man immer zur Bildung von „Rassen“ (oder Berg-Klassen, oder morphologischen Spezies …) benutzen, das sind nur „Namen“: „Nominalismus“.

      „Ich kann mir kaum vorstellen, dass Rainer Willmann (als Biologe) tatsächlich meint, dass man allein anhand von beliebigen Merkmalen zu einer Definition von Rassen gelangen kann.“

      Über Rassen schreibt er kaum, sondern über Morphospezies, Ökospezies und andere aufgrund von Merkmalen (statt von Kriterien wie „Reproduktionsgemeinschaft“) gebildete Klassen von Individuen. Und er sagt: es ist immer das selbe, es ist immer beliebig, und darum ist er heftig dagegen, daß man das auch dort so macht, wo es möglich ist, Biospezies zu bilden.

      „Nicht, wenn der Begriff Rasse noch annähernd das bedeuten soll, was er schon immer bedeutet hat (Geschlecht, Stamm, Sippe, oder eben Unterart)“

      In der Biologie bedeutet der Begriff immer Unterart, auch wenn sicher manchmal versucht wird, ein kategorial ganz anderes Kriterium, nämlich Abstammungsgemeinschaft, einzumischen.

      „…Haut- oder Haarfarbe bloß zu den entsprechenden Farbklassen führen. Und die Frage wäre dann, wie wir von diesen beliebigen Merkmalsklassen zu einem System der „Menschenrassen“ kommen könnten.“

      Ja, das ist die Frage, und da kann man im Prinzip endlos streiten. In der Biologie hat man z. B. funktionale Bedeutung genommen, um von der völligen Beliebigkeit bei der Merkmalsauswahl und -bewertung bei der Erstellung des morphologischen Systems wegzukommen. Was z. B. mit der Atmung zusammenhing, sollte besonders hoch bewertet werden. Oder man bewertete etwas besonders hoch, was sehr verbreitet ist, Vorhandensein einer Wirbelsäule z. B. höher als das Vorhandensein von 5 Fingern. Aber es blieb letztlich doch immer beliebig. Was soll da bei Menschenrassen anders sein? Es kann nicht anders sein, die Methode geht ohne Veränderung über die Art-Unterart-„Barriere“ nach unten weiter, bis sie beim Individuum ihre Grenze hat.

      „Solange das nicht geklärt ist, lautet mein Fazit: Menschenrassen gibt es doch nicht, weder im essentialistischen noch im nominalistischen Sinne. Es gibt sie nur als Idee.“

      Das ist geklärt, schon lange. Es gehört zu den grundlegendsten Grundlagen der Wissenschaftstheorie. – Was es im nominalistischen Sinne gibt, das gibt es immer auch wirklich. Es gibt den 3600 m hohen Berg, und es gibt die Klasse der Berge, die man Hochgebirge nennt. Man könnte diese Berge aber auch erst bei 4000 m beginnen lassen, dann würde unser Berg nicht dazugehören. Man kann sie auch bei 9000 m beginnen lassen, dann ist die Klasse „Hochgebirge“, wie man so sagt, „leer“. Man kann auch darauf verzichten, eine solche Klasse zu bilden. Und es gibt die individuellen Menschen, die die Merkmalskombination „dunkle Haut, krauses, dunkles Haar“ aufweisen, es gibt diese Klasse wirklich, so wie es Klasse der hohen Berge wirklich gibt (ich habe sie ja gebildet). Der Klasse kann man dann irgendeinen Namen geben. Man kann weitere Merkmale hinzunehmen, dann gibt es diese Klasse auch noch, aber nicht mehr im selben System, und es gibt neue Klassen (d. h. Rassen), die andere Individuen umfassen. Der Begriff „Idee“ ist hier ganz fehl am Platz.

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