Exokometen, Asteroiden bei Wega und Sternegucken in NYC

Heute bin ich der Pressetretmühle abspenstig geworden – die erste Pressekonferenz (Thema: Exoplaneten, was sonst) habe ich mir gespart. Wer sich für den Inhalt dieser (und aller anderer) Pressekonferenzen interessiert, ist bei Daniel Fischer richtig. Ich bin stattdessen zur Session „Astronomy Outreach for Non-traditional Audiences“ gegangen.

Dort berichtete etwa Michael Simmons über die weltweiten Aktivitäten der Astronomers Without Borders. Jason Kendalls Vortrag hieß „Extreme Urban Stargazing: Outreach in New York City“. Man soll es nicht glauben, meinte Kendall, aber selbst in einer der lichtverschmutztesten Stadt der Welt kann man Starparties ausrichten und den Menschen tatsächlich etwas im Teleskop zeigen.

Problematischer als das Licht sei, dass man als Veranstalter mit den unzähligen Alternativen konkurrieren muss, die sich dem Bewohner einer solchen Stadt anbieten: „Als Ausrichter einer Starparty ist man Teil der Unterhaltungsindustrie.“ Überhaupt eine Chance habe man nur, wenn man sich auf den emotionalen Aspekt der Astronomie konzentriert: „Schaffen Sie den ‚Wow-Faktor‘ – sorgen Sie dafür, dass sich die Besucher beim Blick durch Ihre Teleskop fühlen, als seinen sie wieder fünf Jahre alt!“

In der zweiten Pressekonferenz des Tages war ich dann wieder zugegen, schließlich gab es eine „Reise ins Zentrum der Galaxie“ zu bestaunen. Die bestand einerseits aus einer Präsentation von Alyssa Goodman (Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics), die das Skelett unserer Milchstraße erforscht: extrem lang gestreckte Staubwolken, die sich entlang der Ebene der Spiralgalaxie erstrecken. Eine davon trägt ihres Aussehens wegen den Namen „Nessie“ – nach dem Ungeheuer von Loch Ness…

Überdies wurden einige interessante Resultate der fliegenden Infrarotsternwarte SOFIA gezeigt (die ich am Sonntag besichtigen konnte), und die in Long Beach immerhin als Modell zu sehen ist. Präsentiert wurden Infrarotaufnahmen des Quintuplet Clusters und des Staubrings, der das Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße umgibt:

Etwas mehr Zeit verbrachte ich heute in der Ausstellungshalle. Dort werden die Poster täglich ausgetauscht, weswegen man sich dort jeden Tag aufs neue umsehen kann. Die Aussteller bleiben natürlich die selben. Highlight waren die beiden aufblasbaren Planetarien, besonders hat mir dieses hier gefallen – es gab eine zehnminütige Kurztour. Die verwendete Software erinnert nicht zufällig an das bekannte Programm Stellarium (das ich auch gerne bei Sternwartenführungen einsetze, allerdings auf einem flachen Schirm…).

In der dritten Pressekonferenz waren dann wieder die Exoplaneten dran – spannend war es trotzdem. Denn es ging zum Beispiel um die Atmosphären von Braunen Zwergen (keine Expolaneten, klar, aber die verwendete Methode lässt sich wohl auch auf die Atmosphären von fernen Planeten anwenden). Zu Exoplanetenatmosphären gab es eine ganze Session – aber irgendwann muss man ja auch mal zum Bloggen kommen…

Zweites Thema des Briefings: Exokometen. Jawohl: Exokometen. Barry Welsh (Univ. of California, Berkeley) berichtete von immerhin 11 Exoplanetensystemen, in denem man Exokometen gesichtet haben will. Funktionieren tut das durch den spektralen Fingerabdruck, denn die Kometengase hinterlassen, wenn ein Schweifstern in seinen Stern stürzt (passiert auch bei der Sonne immer wieder) und dabei verglüht.

Auch eine nette Nachricht: Wega, einer der hellsten Sterne am Himmel und als hellster Stern des Sommerdreiecks wohlvertraut, besitzt einen Asteroidengürtel. Das berichtete Kate Su (University of Arizona). Gefunden wurde dieser mit Hilfe der Weltraumteleskope Spitzer und Herschel. Wie die Sonne verfügt Wega über einen inneren und einen äußeren, kühleren Gürtel aus Kleinkörpern. Allerdings unterscheiden sich die Größenverhältnisse doch deutlich, wie die Grafik illustriert.

Weil es so schön ist, noch ein Exoplanet zum Schluss. Fomalhaut b ist der bislang einzige, der im optischen Spektralbereich direkt abgelichtet wurde, das war 2004. Im Jahr 2010 kam die Frage auf, ob es sich wirklich um einen Planeten handelt – die Bewegung des Objekts schien von der vorausberechneten Bahn abzuweichen.

Heute nun präsentierten Paul Kalas und James R. Graham (University of California, Berkeley) neue Hubble-Aufnahmen aus dem vergangangenen Jahr, die doch wieder für die Planetenhypothese sprechen. Der Orbit von Fomalhaut b um seinen Stern ist demnach sehr exzentrisch, schwankt innerhalb der Umlaufdauer von 2000 Jahren von 40 auf 350 Astronomischen Einheiten – und ist damit wohl nicht stabil.

Soviel für heute, die Konferenz läuft noch bis Donnerstag. Nach dem ganzen Planeten- und Kometenkleinkram geht es morgen mehr ums große Ganze: Supernovae und die Dunkle Energie! Sofern mein Computer nicht aufgibt, gibt es morgen wieder eine Zusammenfassung „meiner“ AAS-Konferenz…

 

 

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Weiter so!

    Hallo Jan,
    wie mir scheint, eine sehr spannende Veranstaltung. Halte uns weiter auf dem Laufenden!
    Schöne Grüße aus dem verregneten Aachen,
    Kurt

  2. @Kurt

    Gerne! Was hier steht ist natürlich notwendigerweise nur ein klitzekleiner Ausschnitt von dem Programm, das hier läuft!

    Unter dem Hashtag #AAS221 kann man auf Twitter übrigens ziemlich viel davon mitbekommen (u. a. auch von mir, @JanHattenbach)

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