Warum Wählen keinen Gewinn bringt – und warum die Demokratie trotzdem funktioniert

Wirtschaftlich gesehen ist es sinnlos, zur Wahl zu gehen. Man muss man sich die Zeit nehmen, Wahlprogramme zu studieren und das Wahllokal aufzusuchen. Dafür erhält man einen winziger Anteil Mitbestimmung bei der Zusammensetzung des Parlaments. Der Ertrag geht also gegen Null und rechtfertigt – rational betrachtet – keinerlei Aufwand. Lebt die Demokratie also von der Irrationalität des Menschen?

Im Jahr 1957 veröffentlichte der Wirtschafts- und Politikwissenschaftler Anthony Downs sein wegweisendes Buch An economic theory of democracy.i Darin betrachtete er die Demokratie als einen Markt, in dem Parteien und Politiker eine Ware (ihre Politik) anbieten, die der Wähler kaufen soll. Im Gegenzug verleiht er ihnen Macht. Als Währung steht ihm seine Stimme zur Verfügung. Alle Akteure handeln wirtschaftlich vernünftig (Rational-Choice-Ansatz).

Daraus lassen sich verschiedene Schlussfolgerungen ableiten. In einem Zweiparteiensystem tendieren die Parteien dazu, die politische Mitte zu besetzen, um von allen Seiten Wählerstimmen einzufangen. In einem Vielparteiensystem versuchen einzelnen Gruppierungen dagegen, sich möglichst stark gegeneinander abzugrenzen. Der Wähler entscheidet sich für diejenige Partei, von der er sich die größtmögliche Unterstützung bei der Verfolgung seiner eigenen Lebensziele verspricht. Wer einmal die Macht errungen hat, ist an seine Wahlversprechen nur insoweit gebunden, als sie ihm für die nächsten Wahlen den Machterhalt sichern. Weil die Wahlen mehrere Jahre auseinanderliegen, ist der Anreiz, ein Wahlversprechen einzuhalten, nicht besonders groß. Diese theoretisch abgeleiteten Schlussfolgerungen stimmen der politischen Wirklichkeit gut überein. Trotzdem hat der Rational-Choice-Ansatz eine gewaltige Argumentationslücke.

 

Das Wahlparadox

Jeder einzelne Wähler hat nur einen verschwindend geringen Einfluss auf den Ausgang der Wahl. Der Gewinn, den er durch die Abgabe seiner Stimme erzielt, ist also minimal, er lohnt nicht einmal den Aufwand, sich zu informieren und zum Wahllokal zu fahren. Das war auch Downs sehr wohl bewusst. Deshalb unterstellte er, dass der Wähler auch andere Motive haben muss, zum Beispiel ein Interesse an der Erhaltung der Demokratie. Waber welches Interesse sollte er an der Aufrechterhaltung der Demokratie haben, wenn er keinen Vorteil von der Teilnahme an Wahlen hat? Auch eine Diktatur könnte ihm persönlich durchaus einen Gewinn bringen, wenn er sich auf die richtige Seite schlägt. Das Interesse an einer Erhaltung der Demokratie wäre also ökonomisch keineswegs zwingend. Außerdem zeigt die Geschichte, dass Demokratien nicht primär an einer zu geringen Wahlbeteiligung scheitern. Um solche Unstimmigkeiten zu erklären, musste Downs seine ökonomische Theorie mit einem Stützgerüst aus psychologischen oder sozialpsychologischen Faktoren absichern. Andere Wissenschaftler haben seine Theorie ausgebaut und ergänzt. Die dafür in Anspruch genommenen Anleihen aus der Psychologie wirken auf mich allerdings ziemlich willkürlich zusammengesucht. Das Grundproblem ist bisher ungelöst. Allein die Betrachtung der Demokratie als Markt und der Beteiligten als rational handelnde Anbieter oder Konsumenten einer Ware erklärt nicht das Funktionieren der repräsentativen Demokratie. Auch ihre Vorhersagen treffen in vielen Fällen nicht zu. So sollte man annehmen, dass die Wahlbeteiligung steigt, wenn zwischen zwei Kandidaten ein knappes Ergebnis erwartet wird. Ein vernünftiger Wähler müsste schließlich davon ausgehen, dass damit der Wert jeder zusätzlich abgegebenen Stimme relativ hoch ist, und den Aufwand der Stimmabgabe durchaus lohnt. Verschiedene Untersuchungen fanden aber keine oder nur eine geringe Korrelation. ii

 

Wähler handeln strategisch

Damit ist nicht gesagt, dass die Wähler ihre Stimme nicht aufgrund von vernünftigen oder strategischen Überlegungen abgeben. Der Bundeswahlleiter teilte am 5. Februar 2010 in einer Pressemitteilung mit, dass bei der Bundestagswahl 2009 so viele Menschen wie nie zuvor von der Möglichkeit des Stimmensplittings Gebrauch gemacht hatten. Sie wählten eine kleine Partei mit der Zweitstimme, aber einen chancenreichen Kandidaten einer großen Partei mit der Erststimme. Bei den letzten Landtagswahlen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen erhielt die FDP sehr viel mehr Stimmen als vorhergesagt. Offenbar haben sich viele Wähler aus dem bürgerlichen Lager dafür entschieden, es sei besser, die FDP im Landtag zu halten, als die CDU zu wählen. Eine wissenschaftliche Untersuchung in England ergab, dass auch dort unerwartet viele Wähler ihre Stimme strategisch einsetzen.iii

Die Entscheidung, überhaupt zur Wahl zu gehen, kann nicht allein rational begründet werden. Wer aber im Wahllokal erscheint (oder die Briefwahlunterlagen ausfüllt), lässt rationale und strategische Überlegungen in seine Entscheidung einfließen.

 

Das Ann-Arbor-Modell

Ebenfalls in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts entstand ein anderer Versuch zur Erklärung des Wählerverhaltens, das von einem sozialpsychologischen Ansatz ausgeht. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Angus Campbell an der Universität Michigan hat ihn entwickelt und die Erkenntnisse 1960 in dem Buch The American Voteriv zusammengefasst. Die Universität von Michigan liegt in dem Städtchen Ann Arbor, und so wurde diese Theorie unter dem Namen Ann-Arbor-Modell bekannt.

Es geht davon aus, dass die Wähler drei wesentliche Kriterien für ihre Entscheidung berücksichtigen:

  • Die Partei, mit der sie sich identifizieren,

  • Kompetenz und Vertrauenwürdigkeit des Kandidaten und

  • die Themen, für die Partei und Kandidat stehen.

Das Ann-Arbor-Modell geht davon aus, dass die Wähler mit der Zeit eine dauerhafte Bindung zu Parteien aufbauen, die ihrerseits vorrangig als soziale Gruppen angesehen werden müssen. Der Wähler übernimmt seine Meinungen vorrangig von der Partei, mit der er sich identifiziert hat. Er wählt also nicht unbedingt diejenige Gruppe, die seine Meinung vertritt, sondern bezieht umgekehrt einen Großteil seine politischen Ansichten von seiner bevorzugten Partei.

Der Ablauf der Entscheidungsfindung vor jeder Wahl wird als Trichter betrachtet, als zunehmende Verdichtung, bei der zunächst die breiten Grundtendenzen, dann die Position zu den jeweiligen Kandidaten und schließlich deren Haltung zu aktuellen Problemen eine Rolle spielen. Erst unmittelbar vor der Wahl legt der Wähler endgültig fest, wo er sein Kreuz macht.

Dieses Modell ist auf amerikanische Verhältnisse zugeschnitten. Demokraten und Republikaner sind eher lockere Wahlvereine, die in unterschiedlichen Milieus verankert sind. Damit muss man sie tatsächlich eher als soziale Gruppen betrachten. In Europa dagegen lösen sich die Parteibindungen immer mehr auf.v So wussten bei einer Umfrage etwas mehr als zwei Wochen vor den Bundestagswahlen mehr als 40% der Befragten noch nicht, was sie wählen sollten. Das spricht nicht für eine weitverbreitete Parteibindung.

 

Demokratie funktioniert trotzdem

Warum funktioniert also die Demokratie, wenn ein rationaler Wähler im Wahlvorgang keinen Gewinn sieht und die Identifikation mit Parteien eine immer geringere Rolle spielt? Sehen die Wähler vielleicht die Teilnahme an der Wahl als staatsbürgerliche Pflicht an oder als gesellschaftliches Ritual, dessen Sinn nicht hinterfragt wird? Dann würden die Menschen nicht so sehr aus Verbundenheit mit ihrer Partei zur Wahl gehen, sondern um ihre Unterstützung für die Gesellschaft als solche zu dokumentieren. Das ist keineswegs zu weit hergeholt, Pflichten und Rituale sind für den Zusammenhalt einer Gesellschaft von großer Bedeutung.vi Es wäre sicher ein gutes Thema für eine umfassende Studie, denn bisher gibt es kaum belastbare Daten dazu. Sagen wir es ganz deutlich: Es gibt kein Modell, mit dem man befriedigend erklären könnte, warum die Menschen eine Partei bevorzugen oder überhaupt zur Wahl gehen.

Wenn Sie mich fragen, liegt es wohl daran, dass der normale Wähler (homo elector) ein so komplexes Wesen ist, dass der gewöhnliche Wissenschaftler (homo scientificus communis) ihn niemals vollständig durchschauen wird.

 

 

Anmerkungen

iDowns, A. (1957). An economic theory of democracy. New York: Harper and Row.

iiMatsusaka, J.G. (1993). Election closeness and voter turnout: evidence from California ballot propositions, Public Choice 76: 313–334.

iiiPattie C, Johnston R (1998). Voter turnout at the British General Election of 1992: Rational choice, social standing or political efficacy? European Journal of Political Research 33: 263–283

ivCampbell A, Converse P, Miller WE, Stokes DE (1960). The American voter. New York: John Wiley & Sons.

vAuch in Europa gibt es Milieu-Parteien. Die Partei „Die Linke“ hat beispielsweise ihr weitaus größtes Wählerpotenzial bei älteren Menschen in den neuen Bundesländern.

viEin Projekt der Universität Iowa aus dem Jahr 2002 stützt die These, dass Wahlen durchaus als eine Art gesellschaftlich verpflichtendes Ritual betrachtet werden. Hier der Link: http://www.uni.edu/palczews/paperdraft3.htm

Thomas Grüter

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www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

42 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hier

    wurde vor einiger Zeit mal ein wenig gewürfelt, um die Wahrscheinlichkeiten zu ermitteln, dass bei einer Wählerpräferenz der anderen, die bei 50:50 liegt, also ein sehr knapper Wahlausgang bevorsteht, die eigene Stimme in Abhängigkeit der Gesamtgröße des Wahlvolks die Wahl entscheidet:
    -> http://scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2010/04/25/bundesprasidentenwahl-in-osterreich-wahlen-gehen-ist-irrational/#comment-3868

    Bei Regionalwahlen kann Wählen also direkt wirtschaftlich sinnvoll sein.

    MFG
    Dr. W

  2. Nachtrag:

    So sieht’s vielleicht besser aus:

    – bei 100 Wählern, wir sind der 101.: ca. 7,9%
    – bei 1.000 Wählern, wir sind der 1.001.: ca. 2,5%
    – bei 10.000 Wählern, wir sind der 10.001.: ca. 0,9%
    – bei 100.000 Wählern, wir sind der 100.001.: ca. 0,1%

    Anmerkung: Ein Gag besteht noch darin, dass bei einer ungeraden Anzahl der Wahlberechtigten die oben berechnete Wirkung der eigenen Stimme ca. um die Hälfte abnimmt.

  3. Es wäre sicher mal interessant zu erfahren, ob es eine nachweisbare Korrelation gibt zwischen der Wahlbeteilung einer Gruppe und den Wohltaten, die die Politik dieser Gruppe zukommen lässt.

    Die Wahlbeteiligung bei älteren Landwirten ist vermutlich hoch, die Zuwendungen sind es auch. Die Wahlbeteilungung bei jungen Arbeitslosen liegt wahrscheinlich so niedrig wie das Interesse, das die Politik an ihnen zeigt.

    Es könnte also durchaus sinnvoll sein, als Gruppe der Politik gegenüber ein gewisses Erpressungspotenzial aufzubauen. (Vielleicht sind SPD und Gewerkschaften ein Beispiel dafür, wie man sich gegenseitig schwächt.)

  4. Wahlanalyse

    Es wäre sicher mal interessant zu erfahren, ob es eine nachweisbare Korrelation gibt zwischen der Wahlbeteil[ig]ung einer Gruppe und den Wohltaten, die die Politik dieser Gruppe zukommen lässt.

    Ja, siehe oben, so nennt sich das. Man spricht denn auch von Mobilisierungspotentialen und deren Ausübung.

    Das Wählen ist, wie im Artikel auch angemerkt, keine direkte Folge individuellen rationalen Denkens, sondern primär auch Veranstaltung.

    Ritual. Es ist zwar so, dass die Wählerei weit folgerichtiger (s.o.) ist, als von bestimmten Wirtschaftswissenschaftlern, bestimmte Präferenzmodelle pflegend, angenommen, abär es ist eben auch Veranstaltung.

    Köstlich ist u.a. auch die Betrachtung der Medienlage, auch der journalistisch tätigen Kräfte und deren politische Polung. [1]

    Wählengehen ist also Ritual und (begrenzt) rational.

    MFG
    Dr. W

    [1] -> http://www.spiegel.de/politik/deutschland/s-p-o-n-der-schwarze-kanal-warum-sind-so-viele-journalisten-links-a-895095.html (das ist aber eine doitsche Spezifität, woanders gibt es schon mehr mediale Offenheit und weniger Ausschluss)

  5. Komplexe Wähler/Funktionierende Politik?

    In welchem Paralleluniversum leben Sie?

    Zitat: „Wenn Sie mich fragen, liegt es wohl daran, dass der normale Wähler (homo elector) ein so komplexes Wesen ist, dass der gewöhnliche Wissenschaftler (homo scientificus communis) ihn niemals vollständig durchschauen wird.“

    Wenn Sie mich fragen, liegt es wohl daran, dass die meisten Menschen völlig unreflektiert handeln. Und das hat eher etwas mit Einfalt zu tun, denn mit übermäßiger Komplexität.

    Wobei mir auffällt, dass Sie in Ihrem Text behaupten, Politik würde funktionieren. Ich möchte anregen, sich die Frage zu stellen, wie effizient Politik funktioniert. Ich gehe davon aus, dass das Wikipedia-Projekt mehr für das Wissen der Menschheit getan hat als die Summe aller Politiker weltweit, die das Ziel je vertreten haben. Und die Pille und die Mikrowelle werden sehr viel mehr für die Emanzipation gebracht haben als jede Demo.

    Ich wähle Freizeit. Für alles andere bin ich zu politisch.

    Mit meinen besten Wünschen,
    C. Ermisch

  6. Politiker

    Ich gehe davon aus, dass das Wikipedia-Projekt mehr für das Wissen der Menschheit getan hat als die Summe aller Politiker weltweit, die das Ziel je vertreten haben. (Herr Ermisch)

    …vertreten in Systemen, die der Aufklärung folgen, ja auch das Ziel nicht selbst aufzuklären zu müssen, sondern Strukturen zu schaffen, in denen, nun, Aufklärer, aufklären können.

    Ein weiteres Minuszeichen muss zudem noch gesetzt werden, weil Sie Sachen mit der Umsetzung von Konzepten zu verwechseln scheinen.

    MFG
    Dr. W (der sich nun auszuklinken hat, danke, es war wieder schön)

  7. mal ne ganz andere Sichtweise 🙂

    Finde den Artikel wirklich sehr interessant.
    Das Thema Wahlen wird mal von einer ganz anderen Seite beleuchtet.
    Kann dem Autor eigentlich nur zustimmen, auch wenn manche Aussagen recht ernüchternd sind.
    Aber insgesamt ziehe ich ein positives Fazit.
    Wer mehr dazu lesen möchte:
    http://www.nur-nachrichten.de/Bundestagswahl

  8. Warum Wählen: Auflösung des Rätsels

    Weil Wähler sich selbst als Teil des politischen Prozesses sehen, deshalb wählen sie. Zugegeben kann das bis zu einem gewissen Grad eine Illusion sein.

    Folgende Analogie hilft vielleicht weiter: Man stelle sich vor, es sei in einem Land Sitte, dass immer am Wochenende Ausflüge mit dem Bus gemacht werden wobei die Busfahrer bestimmen wohin der Ausflug geht. Jeder Busfahrer hat aber seine Präferenzen. In dieser Situation wird schnell das Verlangen nach Abstimmungen auftauchen, nach Abstimmungen, in dem man den Busfährer wählt, der dann als Fahrer dran kommt. Obwohl das Gewicht des Einzelnen bei vielen Passagieren klein ist, kann man sich trotzdem eine grosse Wahlbeteiligung vorstellen. Vor allem dann, wenn es am Wochenende als einzige Freizeitbeschäftigung den Ausflug mit dem Bus gibt und man sonst trübsinnig zuhause sitzen muss.

    In der Politik eines Landes ist es ähnlich. Der einzelne hat ein kleines Gewicht bei der Bestimmung des Kurses. Wenn die Alternative aber ist, dass er überhaupt nichts bestimmen kann und trotzdem alles erleiden muss, dann wird er sich ins Schicksal fügen und die einzige Einflussmöglichkeit, die ihm bleibt, wahrnehmen. Damit ist dann auch das strategische Wählen erklärt. Man wählt dann das kleinere Übel. Im übrigen ist man mit der Politik noch schlimmer dran als mit dem Busausflug. Zuhause bleiben kann man in der Politik nicht. Wer nicht mitbestimmt über den wird bestimmt. Die Mitbestimmung ist allerdings teilweise eine Illusion (aber was bleibt einem sonst übrig).

    Dieses Erklärungsmodell – Wähler wählen weil sie sich selbst als Teil des politischen Prozesses sehen – kommt übrigens auch ohne Parteien aus. Doch es schliesst die Parteibildung nicht aus.

  9. Funktioniert eben nicht

    „… erklärt nicht das Funktionieren der repräsentativen Demokratie“

    Aber was! Sie, die repräsentative Demokratie, funktioniert offensichtlich NICHT (oder sehen Sie das immer noch anders?), also läßt es sich auch nicht anhand der hier gegebenen Kategorien erklären.

  10. re: Webbaer / Martin Holzherr

    @Webbaer:
    Zitat:“Ein weiteres Minuszeichen muss zudem noch gesetzt werden, weil Sie Sachen mit der Umsetzung von Konzepten zu verwechseln scheinen“
    Eigentlich war es meine Absicht „Sachen“ als Metaphern für das „Konzept“ Technik zu nutzen. – Ich wollte zum Ausdruck bringen, dass ich auf technische Innovationen wesentlich mehr setze als auf Politik.

    @Herr Holzherr:
    Ich finde Ihre Bus-Analogie zwar sehr eingängig weise jedoch darauf hin, dass bei ihr der Eindruck entsteht, es existierte keine Alternative. Das Bilden von kleinen Gruppen und das Verdienen von viel Geld scheinen mir genau die Wege zu sein, um sich vor politischer Willkür zu isolieren. So könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern in den nächsten Jahren einen Hybrid-Reaktor vorstellt, der Atom-Müll entschärft. Ich schätze, Sie könnten gar nicht so schnell Endlager sagen, wie die Mehrzahl der Parteien plötzlich wieder für Atom-Energie wäre. – Und das, obwohl wir uns ja, wie allseits bekannt, in einem äußerst Tsuanami- und Erdbeben-geplagten Land befinden.

  11. @Dr. Webbaer: Milchmädchen steht Pate?

    1. Wenn die Präferenz unter „den anderen“ bei der Wahl zwischen genau zwei Parteien bei 50:50 liegt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Stimme den Ausschlag gibt – egal, was Sie wählen und egal groß die gerade Anzahl der Stimmen ohne die Ihrige ist – eins (1).

    Das ist die Situation in deutschen Aufsichtsräten (ohne die montanmitbestimmten Betriebe). Das ist aber nicht die Situation an der Wahlurne.

    „50:50“ impliziert übrigens bereits, dass die Zahl der Stimmen gerade ist. Ihre Zahlenangaben aus Ihrem Kommentar vom 11:22 sind daher überhaupt nicht nachvollziehbar.

    2.

    Anmerkung: Ein Gag besteht noch darin, dass bei einer ungeraden Anzahl der Wahlberechtigten die oben berechnete Wirkung der eigenen Stimme ca. um die Hälfte abnimmt.

    Luschtig Ihr bäriger Gag. Aber leider Unsinn: Wenn die Zahl der anderen Wahlberechtigten (also alle außer Ihnen) ungerade ist, kann es schon keine 50:50-Präferenz geben.

    3. Ich halte es im Übrigen für fragwürdig, sich selbst einzureden, man würde gleichsam gegen die bereits feststehende Präferenz wählen. Richtig ist: Das Ziel der Wahl ist gerade die Ermittlung der Präferenz aller also auch desjenigen, der sich – wie der Lottospieler – eine Wirkmächtigkeit der eigenen Kreuze einredet.

    4. Und ums einreden der eigenen Wirkmacht geht es hier. Man könnte auch sagen: Um den Eingang in die selbstverschuldete Unmündigkeit.

  12. Herr Naonüm

    Anmerkung: Ein Gag besteht noch darin, dass bei einer ungeraden Anzahl der Wahlberechtigten die oben berechnete Wirkung der eigenen Stimme ca. um die Hälfte abnimmt.

    Luschtig Ihr bäriger Gag. Aber leider Unsinn: Wenn die Zahl der anderen Wahlberechtigten (also alle außer Ihnen) ungerade ist, kann es schon keine 50:50-Präferenz geben.

    Nah, das stimmt schon alles. Die „50-50-Präferenz“ der anderen heißt, dass die jeweils einen zweikantigen Würfel benutzen für ihren Wahl-Entscheid.

    Und es ist überraschenderweise wichtig, ob zusammen mit Ihnen die Zahl der Wähler gerade oder ungerade ist.

    Ist sie gerade, können Sie nur ein Unentschieden bewirken oder den Sieg des Führenden.
    Ihre Stimme zählt mehr, wenn die Zahl der Wähler zusammen mit Ihnen ungerade ist.


    Abär interessant, gell, dieses Auswürfeln?, die eigene Stimme kann bei absehbar sehr knappen Wahlausgängen stark überproportional wichtig sein, wenn die Zahl der Wähler 100.000 ist, sind Sie -sage und schreibe- mit 0,1% dabei (bei 100.001 Wählern zusammen mit Ihnen) die Wahl zu entscheiden.

  13. Ökonomistisch

    „Die Mitbestimmung ist allerdings teilweise eine Illusion (aber was bleibt einem sonst übrig).“ (Martin Holzherr)

    Erklärt gleichermaßen die Bereitschaft zu wählen und den weitverbreiteten Frust über zuwenige Chancen der Mitbestimmung.

    Interessant , daß es mit dem Downs-Modell offenbar auch in diesem Bereich Erklärungsmuster gibt , die stark zu rein ökonomischen Sichtweisen tendieren.

    Daß Wähler häufig strategisch wählen , stimmt auffallend und wird oft drastisch unterschätzt , auch wenn es natürlich auch den umfangreichen dumpfen Teil gibt , der nix selber denkt und immer mit dem geht , der die Messerstecherei gewinnt.

  14. @Dr. Webbaer: Zahlenmystik

    Nah, das stimmt schon alles. Die „50-50-Präferenz“ der anderen heißt, dass die jeweils einen zweikantigen Würfel benutzen für ihren Wahl-Entscheid.

    Ich weiß nicht, wo Sie leben, aber hierzulande benutzt man für die Stimmabgabe keinen Würfel, sondern ein Schreibgerät. Man hat auch das, was man ankreuzt, nicht vorher ausgewürfelt.

    Abär interessant, gell, dieses Auswürfeln?,

    Eher nicht, schon deshalb nicht, weil es mit dem Wählen gar nichts zu tun hat. Sie treiben hier Numerologie: Sich anhand von Zahlen die eigene Bedeutsamkeit suggerieren. Wer’s nötig hat, soll’s tun, aber doch bitte nicht in einem Blog mit wissenschaftlichem Anspruch!

    die eigene Stimme kann bei absehbar sehr knappen Wahlausgängen stark überproportional wichtig sein, wenn die Zahl der Wähler 100.000 ist, sind Sie -sage und schreibe- mit 0,1% dabei (bei 100.001 Wählern zusammen mit Ihnen) die Wahl zu entscheiden.

    Definieren Sie bitte „wichtig sein“. Als ein Wähler unter 100.000 anderen hat jede Stimme das gleiche Stimmgewicht, nämlich 1/100.001 ca. = 0,00001 = 0,001 %. Sich einzubilden man selbst (und keiner der anderen, die dasselbe gewählt haben) hätte an Wahlausgang überproportional mitgewirkt, trägt wahnhafte Züge.

  15. Herr Anonym

    Sie müssen die Wähler ja irgendwie modellieren. [1] Die Frage, warum gewählt wird, ist auch eine Spieltheoretische – wobei die bisherigen Ansätze, wie auch von Herrn Grüter angemerkt, unzureichend sind.

    Das Wahlparadoxon, wie es in den WiWis gepflegt wird, ist sogar direkt grausig.

    MFG
    Dr. W

    [1] sofern Interesse besteht zu verstehen, bei Ihnen gibt es hier regelmäßig Zweifel

  16. @Dr. Webbaer: Freies Assoziieren

    Sie müssen die Wähler ja irgendwie modellieren.

    Ja. Als Künstler, der den Auftrag hat, das Wahlgeschehen darzustellen, als der müssen Sie die Wähler vielleicht irgendwie modellieren. In Ton oder Gips.

    Als Wissenschaftler müssten Sie jedoch zunächst einmal Ihren obigen Satz vervollständigen. Tipp: Mit dem Nebensatz der Form „um … zu ….“.

    Die Frage, warum gewählt wird,

    Sind bereits zwei Fragen: Die eine ist, warum die Herrschaft Wahlen veranstaltet und die zweite ist, warum die Beherrschten sich daran beteiligen. Keine dieser Fragen können Sie mit „zweikantigen Würfeln“ beantworten.

  17. @ Pseudonym ‚Ano Nym‘:

    Es ging darum ein Szenario zu entwickeln, in dem die einzelne Wählerstimme wertvoll wird. – Das gelingt eben, wie beschrieben, dann, wenn der zu erwartende Wahlausgang maximal knapp ist, die Anzahl der Wähler ungerade & die Wahl binär.

    Zur Erinnerung:

    – bei 100 Wählern, wir sind der 101.: ca. 7,9%
    – bei 1.000 Wählern, wir sind der 1.001.: ca. 2,5%
    – bei 10.000 Wählern, wir sind der 10.001.: ca. 0,9%
    – bei 100.000 Wählern, wir sind der 100.001.: ca. 0,1%

    (C) 2010, Dr. Webbaer

    Der Wähler ist hier als sozusagen gehirntot modelliert, er wirft in der Wahlkabine eine Münze.

    Andere Modellierungen sind aber auch interessant, wir können bspw. den Wähler als „Blockwähler“ modellieren, der in 90% der Fälle, also so wie bspw. in D in den Siebzigern, festgelegt ist. Wenn wir hier wiederum gleich viele festgelegte Stimmen den beiden Parteien zuweisen, dann wirkt die Einzelstimme („bei 100.000 Wählern, wir sind der 100.001.: ca. 0,1%“) um den Faktor 10 stärker.

    Der Einzelwähler hätte dann genau ein Promille als 1.000.001. Wähler eine Wahl zu entscheiden, an der 1.000.001 Wähler teilnehmen.
    Faszinierend!

    MFG
    Dr. W

  18. @Dr. Webbaer: Problembär

    Es ging darum ein Szenario zu entwickeln, in dem die einzelne Wählerstimme wertvoll wird.

    1. Sie haben immer noch nicht definiert, was „wertvoll sein“ bedeuten soll. Bekannt ist dem Schreiber dieser Zeilen nur der Begriff des Stimmgewichts und unter diesem Begriff hat jede Stimmen das gleiche Gewicht, es gibt keine, die wertvoller als andere wären.

    2. Meine Kritik an Ihren Ausführungen richtet sich dagegen, dass Sie mit mittels Darstellung in Zahlen Sachverhalte abbilden, die es nicht gibt. Daher der Vorwurf an Sie, Numerologie (Zahlenmystik) zu betreiben.

    Zur Erinnerung:

    – bei 100 Wählern, wir sind der 101.: ca. 7,9%

    Schon die Formulierung, man sei „der 101.“ ist haarsträubend. Die Wahlurne steht ja nicht auf einer Waage, so dass ein Zeigerausschlag beim Einwurf Ihrer 101. Stimme erfolgen würde.

    Der Wähler ist hier als sozusagen gehirntot modelliert, er wirft in der Wahlkabine eine Münze.

    Was – das unabhängig von Ihrem Wollen ist – wollen Sie eigentlich aus oder mit solchen Modellierungen herausbekommen?

  19. @ Onanym

    Es geht doch hier nicht um Personen, gelegentliche Späßchen einmal außen vor lassend, sondern darum wie üblicherweise Realität („Sachlichkeit“) in Mathematik nachgegossen wird.

    Der Nutzen dieser „Zahlenmystik“ gilt allgemein als unstreitig.

    Wenn Sie der Statistik, der Stochastik & allgemein dem philosophischen näherungsweisen Nachbau von Sachen und Sachbezügen noch unfroh gestimmt sind, könnten Sie sich vielleicht nach und nach einstimmen – mit dem Nach-Guß einfacher Sachlagen beginnend…

    Diese Art von Zahlenmystik umgibt ja die Erkenntnissubjekte, warum sie funktioniert ist philosophisch nicht klar zu beantworten, da wäre der Webbaer bei Ihnen, abär: sie funktioniert. [1]

    MFG
    Dr. W (der’s nun nicht weiter vertiefen wird)

    [1] btw, sie funktioniert, weil sie funktioniert wäre die Antwort ihres Kommentatorenfreundes

  20. Wahlanalyse

    Man spricht denn auch von Mobilisierungspotentialen und deren Ausübung.

    Ich möchte das noch einmal aufgreifen. Wenn das nämlich stimmt, dann bringt Wählen durchaus Gewinn.

    Ein Beispiel: Es gibt – laut Wahlomat genau 1 Partei, die Volksentscheide auf Bundesebene ablehnt – die Rentnerpartei. 2 Parteien verhalten sich dazu neutral (CDU und CSU). Alle anderen sind dafür.

    Rentner scheinen gegen Volksentscheide auf Bundesebene zu sein (das schließe ich aus der Position der Spezial-Partei) und Rentner haben eine enorme Wahlbeteiligung. Diese hohe Wahlbeteiligung kommt hauptsächlich der Union zugute und daher blockiert diese eine entsprechende Verfassungsänderung. Also lohnt sich die hohe Mobilisierung für Rentner ganz konkret.

  21. gruppenbezogene Wahlanalyse

    Ich möchte das noch einmal aufgreifen. Wenn das nämlich stimmt, dann bringt Wählen durchaus Gewinn.

    (…) Rentner haben eine enorme Wahlbeteiligung. Diese hohe Wahlbeteiligung kommt hauptsächlich der Union zugute und daher blockiert diese eine entsprechende Verfassungsänderung. Also lohnt sich die hohe Mobilisierung für Rentner ganz konkret.

    Mal hier:
    -> http://www.bpb.de/fsd/werwaehltwas/bpp2s0 (auffällig u.a. das Wahlverhalten der 45- bis 59-Jährigen)
    und hier Klickie machen:
    -> http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/wahlen-in-deutschland/55594/nach-altersgruppen

    Konservatives, bestandserhaltendes, auch die Höhen der Altersbezüge erhaltendes gezieltes Wählen scheint Sinn zu machen.
    Auch die demographische Lage berücksichtigend.

    Allerdings ist es schwierig zu erklären, warum ein einzelner Interessenvertreter, ein Einzelner, sich gruppenbezogen motiviert zur Wahlurne bemühen soll.

    Einzelinteressen sind – ‚Es gibt kein Modell, mit dem man befriedigend erklären könnte, warum die Menschen eine Partei bevorzugen oder überhaupt zur Wahl gehen.‘ – schwer erklärbar, wenn es um das ‚überhaupt zur Wahl gehen‘ geht.
    Die einzelne Stimme leistet nicht so viel, dass es sich wirtschaftlich lohnen würde zur Wahl zu gehen (statt sich diesen Aufwand meidend bspw. ein leckeres Sandwich zu kaufen).

    MFG
    Dr. W

  22. Stabilisierung

    Wenn viele relativ neutrale Personen nicht zur Wahl gehen, dann könnten fanatische Splittergruppen die Wahl gewinnen.

    Das wäre für viele relativ neutrale Personen ein grosser Nachteil.

  23. @Bednarik; Strategisch Wählen

    Strategisch wählen ist nicht der Spezial- sondern der Normalfall.
    Karl Bednarik hat hier ein weiteres Beispiel gebracht:
    „Wenn viele relativ neutrale Personen nicht zur Wahl gehen, dann könnten fanatische Splittergruppen die Wahl gewinnen.“

    Wer also wählen geht um Extremisten zu verhindern, wählt strategisch. Er will ja für sich kein konkretes positives Entgelt, sondern nur etwas Negatives verhindern.

    Letztlich kommt man nicht darum das Grunddilemma der repräsentativen Demokratie beim Wählerverhalten und der Wählemotiviation zu berücksichtigen:
    Nur Wenige entscheiden und bestimmen im politischen Alltag, fast Alle aber sind von diesen Entscheiden betroffen, zahlen also als Folge eines politischen Entscheids höhere Steuern, erhalten mehr oder weniger Subventionen, dürfen nicht mehr in öffentlichen Räumen Rauchen etc.
    Doch solche Detailentscheide – wie den wo man rauchen darf – fällen nicht die Wähler sondern die Regierenden einer repräsentativen Demokratie. Der Wähler macht mehr einen Grundentscheid für die generelle Richtung in die die Politik läuft. In einer repräsentativen Demokratie werden deshalb Parteien naturgemäss eine grosse Rolle spielen, denn die Parteien stehen ja nicht nur für Einzelmassnahmen sondern für ein Weltbild und genau dafür kann sich der Wähler letztlich nur entscheiden. Alles andere machen seine Repräsentanten. Konkrete Wahlversprechen machen Parteien vor allem, um zu verhindern, dass Wähler abspringen.

  24. @Dr. Webbaer

    Der Nutzen dieser „Zahlenmystik“ gilt allgemein als unstreitig.

    Das Problem ist, dass Sie keine „Zahlenmystik“ sondern Zahlenmystik betreiben. Und deren Nutzen gilt allgemein als nicht vorhanden.

    Sie sind immer noch folgende Antworten schuldig:

    1. Was soll es bedeuten, dass eine Stimme „(überproportional) wichtiger ist“ als eine andere ist.

    2. Was – das unabhängig von Ihrem Wollen ist – wollen Sie eigentlich aus oder mit solchen Modellierungen herausbekommen?

    Wollen oder können Sie sich dazu nicht äußern?

  25. @ Herr Ano Nym

    Das war weiter oben alles en detail erklärt oder zumindest nahegelegt.

    Gehen Sie bitte davon aus, dass die angelegte „Modellerei“ philosophisch-mathematisch angemessen war und im Sinne eines sogenannten stochastischen Modells („Ratekunst“) das versuchte, was als primaten-möglich gilt.

    In anderen Worten: Die kleine weiter oben zitierte Auswürfelei geht iO, genügt sogar wissenschaftlichen Ansprüchen.

    MFG
    Dr. W (der aber in wissenschaftsnahen WebLogs keinerlei Verpflichtung sieht, weder von Seiten des werten Inhaltegebers, noch von Seiten des Nehmers oder niederrangig Beitragendenw ie oben beschrieben beizutragen. Es geht auch wie Odie (und kaum einer wird etwas Böses sagen, wenn Sie’s gut machen))

  26. @Dr. Webbaer

    Das war weiter oben alles en detail erklärt oder zumindest nahegelegt.

    Wo genau beantworten Sie diese Fragen:

    1. Was soll es bedeuten, dass eine Stimme „(überproportional) wichtiger ist“ als eine andere ist.

    2. Was – das unabhängig von Ihrem Wollen ist – wollen Sie eigentlich aus oder mit solchen Modellierungen herausbekommen?

    Nichts davon ist weiter oben und erst recht nicht en detail erklärt.

    Gehen Sie bitte davon aus, dass die angelegte „Modellerei“ philosophisch-mathematisch angemessen war und im Sinne eines sogenannten stochastischen Modells („Ratekunst“) das versuchte, was als primaten-möglich gilt.

    Sagen Sie mir doch einfach mal, was Sie eigentlich erraten wollen. Sie müssen doch wissen, hinter welches Geheimnis Sie mittels Modellierung steigen wollen. Mir ist das nicht klar. Ich sehe da auch keinen Aufklärungsbedarf.

    In anderen Worten: Die kleine weiter oben zitierte Auswürfelei geht iO, genügt sogar wissenschaftlichen Ansprüchen.

    Dass Ihre Ausführungen den im Baerengehe geltenden wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, bestreite ich nicht. Aber jenseits des Wassergrabens gelten strengere Anforderungen. Insbesondere würde man hier, wo man für Unterkunft und Futter bezahlen muss, gern wissen, welches Problem Sie eigentlich durch Auswürfeln lösen wollen.

  27. @ Herr Ano Nym

    1. Was soll es bedeuten, dass eine Stimme „(überproportional) wichtiger ist“ als eine andere ist.

    Geschrieben stand: ‚

  28. @ Herr Ano Nym (2)

    1. Was soll es bedeuten, dass eine Stimme „(überproportional) wichtiger ist“ als eine andere ist.

    Geschrieben stand: ‚überproportional wichtig

    Zitieren Sie bitte unbedingt korrekt. Ergänzen Sie Ihre Zitate zudem bitte nicht mit unpassender Spekulation.

    Da stand nicht ‚wichtiger als eine andere [Stimme]‘, da stand ‚überproportional wichtig‘ – wobei ein ganz spezielles Szenario gemeint war („binäre Wahl, absehbar möglichst knapper Wahlausgang & ungerade Gesamtanzahl der Wählerschaft“), das (implizit) in Gegensatz zu anderen Szenarien gestellt worden ist, also anders parametrisierten Szenarien.

    Es ging bei der kleinen Übung darum nachzuweisen, dass eine einzelne Stimme bei einer Wählerschaft der Größe n eine wesentlich größere Chance haben kann wahlentscheidend zu sein als:
    (1 / n)

    2. Was – das unabhängig von Ihrem Wollen ist – wollen Sie eigentlich aus oder mit solchen Modellierungen herausbekommen?

    Es ging darum den sogenannten Rational Choice-Ansatz der Wirtschaftswissenschaften bezogen auf das sogenannte Wahlparadoxon anzugreifen und diese Aussage ‚Es gibt kein Modell, mit dem man befriedigend erklären könnte, warum die Menschen eine Partei bevorzugen oder überhaupt zur Wahl gehen.‘ (Artikel) ein wenig zu ergänzen.

    MFG
    Dr. W

  29. @ Herr Bednarik

    Was Sie hier:

    Wenn viele relativ neutrale Personen nicht zur Wahl gehen, dann könnten fanatische Splittergruppen die Wahl gewinnen.

    Das wäre für viele relativ neutrale Personen ein grosser Nachteil.

    und hier:

    Wenn etwas Negatives verhindert wird, dann kann dadurch durchaus ein konkreter positiver Gewinn entstehen.

    …ansprechen ist das über die einzelne Wahlperiode Hinausgehende.

    Und da wäre der Webbaer ganz bei Ihnen, es mag auf die einzelne Wahl bezogen wirtschaftlich ungenügend sein, die Wahl zu tätigen – auch wenn weiter oben bemüht skizziert worden ist, dass bei absehbar knappen Wahlausgängen und kleineren wahlberechtigten Gruppen auch direkter persönlicher positiver wirtschaftlicher Erfolg entstehen kann,

    …abär langfristig gesehen, und die meisten erleben Dutzende Wahlperioden, entsteht eben doch einen Erfolg, der lebensbestimmend ist, auch die Nachfolgerschaft betreffend.

    Wobei wir bei der Kultur wären,
    MFG
    Dr. W

  30. @Dr. Webbaer: Offene Fragen

    Da stand nicht ‚wichtiger als eine andere [Stimme]‘, da stand ‚überproportional wichtig‘ – wobei ein ganz spezielles Szenario gemeint war („binäre Wahl, absehbar möglichst knapper Wahlausgang & ungerade Gesamtanzahl der Wählerschaft“),

    Von mir aus. Dann definieren Sie halt bitte „überproportional wichtig“.

    Es ging bei der kleinen Übung darum nachzuweisen, dass eine einzelne Stimme bei einer Wählerschaft der Größe n eine wesentlich größere Chance haben kann wahlentscheidend zu sein als:
    (1 / n)

    Also doch relativ zu anderen Stimmen, nämlich relativ zu den Stimmen mit Stimmwicht 1/n. Aber definieren Sie bitte konkret den Inhalt des Adjektivs „wahlentscheidend“. Ich habe keine Ahnung, was das sein soll.

    Bei einer Wählerschaft mit den Wählern W1, W2, W3, also mit der Größe n=3, in der jeder Wähler genau eine Stimme für die Alternativen A und B abgeben kann, sind folgende Wahlausgänge möglich:

    A B
    3 0
    2 1
    1 2
    0 3

    wo sehen Sie in diesem Ergebnisraum wahlentscheidende Stimmen und von welchem Wähler stammt diese? Antwort bitte begründen. Ich jedenfalls sehe weder wahltentscheidende Stimmen noch deren Wähler.

    Es ging darum […] und diese Aussage ‚Es gibt kein Modell, mit dem man befriedigend erklären könnte, warum die Menschen eine Partei bevorzugen oder überhaupt zur Wahl gehen.‘ (Artikel) ein wenig zu ergänzen.

    Die Leute gehen also deshalb überhaupt zur Wahl, weil sie hoffen, überproportional wahlentscheidend zu sein?? Projizieren Sie in diese Fomulierung Ihre eigene Praxis? Offenbar ist das ein falscher Grund, wählen zu gehen.

    Diese Aussage „Es gibt kein Modell …“ ist schon deshalb falsch, weil es genügsame Menschen gibt, die anspruchslose Deutungen für die Erklärung einer Sache halten. Darüber brauchen wir doch nicht zu streiten.

  31. @ Herr Ano Nym

    Es ging bei der kleinen Übung darum nachzuweisen, dass eine einzelne Stimme bei einer Wählerschaft der Größe n eine wesentlich größere Chance haben kann wahlentscheidend zu sein als:
    (1 / n) [Dr. Webbaer]

    Also doch relativ zu anderen Stimmen, nämlich relativ zu den Stimmen mit Stimm[ge]wicht 1/n. Aber definieren Sie bitte konkret den Inhalt des Adjektivs „wahlentscheidend“. Ich habe keine Ahnung, was das sein soll.

    ‚Und ich glaub auch, wir alle anderen, ich glaub auch, wir verschwenden unsere Zeit nicht mit schwachsinnigen Fragen, also OK, ja, jetzt haben Sie’s verstanden.‘ (Quelle: ‚…wenn Sie mein Niveau haben‘)

    Sr wg. des kleinen Gags, ansonsten: Wenn die Niveauunterschiede zu groß sind, und es geht hier nicht um höher oder tiefer, kommt man halt nicht zusammen.

    Onkel Webbaer und Kommentatorenfreund Ano Nym werden wohl nicht mehr zusammenkommen. – Das jetzt nicht nur auf diesen kleinen Austausch in der Kommentatorik bezogen, sondern generell.
    Lassen Sie es bitte gut sein.

    MFG
    Dr. W

  32. Wahlparadox, ‚Funktionieren‘ der Demokr.

    WP:

    Ein großes Problem des traditionellen Rational-Choice-Ansatzes ist, dass er die in Deutschland und anderen Ländern bei Wahlen auf nationaler Ebene anzutreffende relativ hohe Wahlbeteiligung nicht erklären kann. Denn es ist für den Wähler eigentlich nicht rational, sich überhaupt an der Wahl zu beteiligen:

    Nun. Die Auflösung des Paradox steht schon im Text. Man muss nur unvoreingenommen herangehen und nicht mit der Maßgabe „weil nicht sein kann, was nicht sein darf“ Auslegung betreiben. Es ist für den Wähler nicht ‚eigentlich‘ nicht rational, sich an der Wahl zu beteiligen, sondern es ist nicht rational. Deshalb kann man die Leute auch nicht mit Argumenten von der Urne fernhalten.

    Allein die Betrachtung der Demokratie als Markt und der Beteiligten als rational handelnde Anbieter oder Konsumenten einer Ware erklärt nicht das Funktionieren der repräsentativen Demokratie.

    1. Da würde mich interessieren, was es heißt, die repräsentative Demokratie funktioniere. Hat sie in Weimar funktioniert, funktioniert sie in Ungarn? Was ist da der Maßstab?

    2. Die Wahlen sind zur Bestellung des Herrschaftspersonals da. Wieso sollte man Gründe fürs „Funktionieren der repräsentativen Demokratie“ gerade im Modus der Bestellung des Personals finden?

  33. @Dr. Webbaer:

    ‚Und ich glaub auch, wir alle anderen, ich glaub auch, wir verschwenden unsere Zeit nicht mit schwachsinnigen Fragen, also OK, ja, jetzt haben Sie’s verstanden.‘ (Quelle: ‚…wenn Sie mein Niveau haben‘)

    Ich hatte gar keine Frage gestellt, sondern Sie aufgefordert, das von Ihnen verwendete Adjektiv „wahlentscheidend“ zu definieren.

    Desweiteren hatte ich Sie gebeten, an einem konkreten Beispiel mit n=3 Wählern mir diejenigen Stimmen zu zeigen, die „überproportional wichtig“ sind.

    Sr wg. des kleinen Gags, ansonsten: Wenn die Niveauunterschiede zu groß sind, und es geht hier nicht um höher oder tiefer, kommt man halt nicht zusammen.

    Sie brauchen sich für den Wunsch, die Diskussion abzubrechen, nicht zu rechtfertigen.

    Onkel Webbaer und Kommentatorenfreund Ano Nym werden wohl nicht mehr zusammenkommen. – Das jetzt nicht nur auf diesen kleinen Austausch in der Kommentatorik bezogen, sondern generell.
    Lassen Sie es bitte gut sein.

    Sie geben auf?

  34. Irre Rational

    Mir gefällt der Blogpost sehr gut, vielen Dank!

    Eine kleine Ergänzung noch: Gerade auch in den USA führt das Mehrheitswahlrecht und Zweiparteiensystem nicht zu einer Politik der Mitte.

    Der Grund ist, dass sich die Wählermilieus nicht gleichmäßig verteilen. Ein Kandidat muss also die dominanten (z.B. ländlichen, städtischen, armen, reichen, traditionellen, multikulturellen usw.) Milieus seines Kreises und seiner Partei ansprechen, um nominiert und gewählt zu werden. Entsprechend driften die politischen Kulturen republikanischer und demokratischer Wahlkreise und Staaten oft eher auseinander und in der Politik werden eher Culture Wars ausgetragen.

    Dagegen lohnt es sich bei Verhältniswahlrecht auch in Bayern für die SPD, überhaupt anzutreten und die CSU muss auch dort um die Mitte kämpfen.

  35. @Michael Blume

    Hallo Michael, guter Einwand. Diese Unzulänglichkeit des Modells von Downs war sicherlich eine der Überlegungen, die dem Ann-Arbor-Modell zugrundeliegen. Es geht ja ausdrücklich von Parteien als soziale, in verschiedenen Milieus verankerte Gruppen aus. In den USA gibt es schon Stimmen, die vermuten, dass die Republikaner in Zukunft immer weniger Stimmen bekommen werden, weil das weiße konservative Milieu demographisch bedingt immer weniger Gewicht hat.

  36. @Josi Blume

    In diesem Blog geht es darum, ob verschiedene wissenschaftliche Modelle korrekt abbilden können, warum ie repräsentative Demokratie überhaupt funktioniert (also warum die meisten Wahlberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen) und was sie motiviert. Keine der beiden vorgestellten Theorien kann diesen Anspruch ausreichend erfüllen, auch wenn sie Teilaspekte zufriedenstellend erklären. Deshalb wäre es unsinnig, sein Wahlverhalten nach den Theorien auszurichten.

  37. @Josi Blume: Unsäglich falsch und platt

    Die Lösung ist demnach also das Nicht-Wählen und als Konsequenz dessen eine Alleinherrschaft?

    Die Lösung welches Problem soll das sein? Halten Sie es für ein Problem, das Volk ordentlich zu beherrschen?

    Weil diejenigen rational handeln, die sich als Kandidaten haben aufstellen lassen, wenn sie (sich selbst) wählen, kommt es wohl kaum zu einer Alleinherrschaft einer Partei.

    Um noch einige Argumente nachzureichen (als Beispiel):

    Ja dann machen wir doch diese Argumente hier einmal aktenkundig:

    – »Demokratie ohne Wähler ist wie Singen ohne Stimme«

    Ästhetizismus.

    – »Einfacher geht es fast nicht«

    Die Einfachheit einer Sache begründet nicht, dass sie getan werden soll.

    – »Weil Sie Ihr Recht nutzen sollten!«

    Wenn aus dem Rechts kein Nutzen folgt, spricht nichts für seine Inanspruchnahme.

    – »Weil Meckern nichts verändert!«

    Wer meckert denn hier?

    – »Um eine Wahlpflicht zu verhindern!«

    Politiker, der gewählt werden will, droht dem Wähler mit Zwang. So einer gehört in den Wind geschossen und zum Teufel gejagt, aber nicht gewählt.

    – »Weil eine niedrige Wahlbeteiligung radikale Parteien stärkt!«

    Diese Analyse unterstellt falsch, dass ’nicht-radikale Parteien‘ einen Anspruch auf die nicht abgegeben Stimme hätten.

    – »Weichen stellen für die Zukunft! Wichtige Entscheidungen zum Klimawandel, der Schuldenlast oder dem demografischen Wandel stehen aus. Durch Volksentscheide und Wahlen liegt die Macht in Ihren Händen, Dinge positiv zu verändern.«

    Richtig ist: Wenn der Wähler eins an der Urne garantiert nicht entscheidet, dann sind es Sachfragen.

  38. Lob des Artikels

    Sofern dieses Lob seitens des Schreibers dieser Zeilen noch nicht erfolgt ist

    Mir gefällt der Blogpost sehr gut, vielen Dank!

    …schließt sich der Webbaer gerne an.

    Eine kleine Ergänzung noch: Gerade auch in den USA führt das Mehrheitswahlrecht und Zweiparteiensystem nicht zu einer Politik der Mitte.

    Das US-amerikanische Wahlrecht polarisiert und hält die Handlungsfähigkeit aufrecht. Richtig ist natürlich, dass so soziale Konflikte nicht zwingend gelöst werden, gar bemuttert werden wie in D, und dass ernsthafte Probleme zwischen den einzelnen Staaten entstehen können, im Sinne von: „Alles fließt.“
    Im Gegensatz dazu kann das Verhältniswahlrecht inklusive 5%-Hürde und ohne Volksabstimmungen zur Stagnation führen.

    Russische Dienste sagen demzufolge den Zerfall der USA voraus.
    >:->

    MFG
    Dr. W

  39. Eigenmotivation

    Wer nicht zur Wahl geht, dem sollte dass Recht abgesprochen werden, über die Regierung zu fluchen. Das darf nur, wer die Opposition gewählt hat.

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