Wer wird Scharlatan des Jahres? Jetzt auch bei uns

In den USA gibt es den Pigasus Award, Schweden kürt den Misleader of the Year und Australien den von Uri Geller inspirierten Bent Spoon Award. Jetzt kriegt auch der deutschsprachige Raum einen Spaßpreis für die schlimmsten Pseudowissenschafts-Scharlatane, dank Michael Horak (auf Twitter als @fatmike182 unterwegs) und der Wiener Skeptiker-Community. Die Trophäe nennt sich Das Goldene Brett vorm Kopf und verspricht unterhaltsam werden, zumal unter anderem Werner Gruber von den Sciencebusters mit von der Partie ist.

Andererseits ist das ein ernstes Thema, nach wie vor leider unterschätzt. Die Szene rund um Eso-Kram macht Umsätze oberhalb von zehn Milliarden Euro mit diversen (meist absurd überteuerten) Waren und Dienstleistungen. Damit habe ich kein Problem – wo das BIP im Detail überall herkommt kann uns ja egal sein.

Im Grunde wäre es einfacher, den Leuten ihren Spaß zu lassen, und so ganz frei sind wir alle ja nicht davon. Aber es ist eben ein Unterschied, ob ich am Samstag beim Fußball einen Kakao trinke, damit der magische FC gewinnt (ich will nicht drüber reden. In der zweiten Liga hat’s noch funktioniert), oder irgendwelche Pseudo-Heiler schwer kranke Menschen vom Arztbesuch abhalten oder dergleichen. Abschreckende Beispiele gibt’s auf der Seite whatstheharm.net (auf englisch). Insofern ist jeder Beitrag zur Aufklärung willkommen, und wer weiß, vielleicht bringt es ja was. Und selbst wenn nicht werden wir alle unseren Spaß mit den abstruseren Kandidaten haben.

Zuerst allerdings müssen die Organisatoren Kandidaten haben, und da sind natürlich auch meine Leser gefragt. Für das Goldene Brett vorm Kopf darf nämlich jeder jeden nominieren. Die Jury – nachzulesen hier – kürt dann drei Finalisten, die von den Laudatoren Anne Frütel vom Vidcast dieWahrheit.at, Sciencebuster Werner Gruber und dem Journalisten Robert Misik hoffentlich ordentlich durch den Kakao gezogen werden. Im Livestream, bitte, denn nach Wien werde ich es nicht schaffen. Der Journalist Martin Thür, der das Event moderiert, verleiht anschließend den Preis.

Der springende Punkt: Die formschöne Trophäe (siehe oben) wird schon am zweiten Juni im Rahmen der GWUP-Konferenz 2011 verliehen, deswegen solltet ihr euch sputen und noch heute eure Lieblingsspinner auf der Webseite einreichen. Dort gibt es sogar einen Kriterienkatalog: Wie bekloppt ist die Idee, wie gefährlich, operiert der Kandidat unter dem Deckmantel der Wissenschaft und so weiter. Ich gehe aber davon aus dass ihr Pseudowissenschaft erkennt wenn ihr sie seht.

Das Kontaktformular für die Nominierungen findet ihr auf dieser Seite, Einsendeschluss ist der 27. Mai, am 30. erfahren wir dann, welche Quacksalber uns die Laudatoren bei der Preisverleihung näher, äh, vorstellen werden. Ich persönlich halte es zwar für eher unwahrscheinlich ist, dass die Botschaft bei denen ankommt, die es am ehesten gebrauchen können, aber der Versuch ist aller Ehren wert.

Bin gespannt was ihr so für Knallköpfe ausgrabt…

Lars Fischer

Veröffentlicht von

www.fischblog.com

Ich bin gelernter Chemielaborant und habe ab 1999 in diesem Beruf gearbeitet. Anschliessend habe ich an der Uni Hamburg Chemie studiert. Seit dem Abschluss Ende 2006 veröffentliche ich Beiträge in meinem Fischblog und verkaufe Artikel an andere Publikationen. Seit 2008 wohne ich im Raum Heidelberg und bin bei Spektrum der Wissenschaft für das Blogportal Scilogs verantwortlich. Daneben arbeite ich als freier Journalist und Redakteur unter anderem für die digitalen Angebote von Spektrum, veröffentliche auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und experimentiere mit Mobile Reporting. Zu meiner Webseite

26 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. eine Kandidatengruppe:

    Wellnessgynäkologen (wobei die Frage ist, wessen wellness hier im Fokus steht – die der Chirurgen oder die der Gatten). Kosmetische Neurochirurgie scheints leider noch nicht zu geben, aber manche könntens sicher brauchen… Nun muß ich aber schnell zum Zahnarzt, wo gerade neue Zierimplantate eingetroffen sind.

  2. @ Elmar Diederichs

    das wird noch eine Rangelei werden auf den vorderen Plätzen! Ich glaube, das ist in Ö/D deutlich schwieriger nur einen rauszupicken als in den USA oder so.
    Wir verdienen ja alle mit den falschen Sachen Geld (also außer der Florian & der Lars, die haben ja eh Pharma & NASA)

  3. Gefahrenpotenzial

    Die Blogger von SciLogs könnten sicher ruhiger schlafen, wenn nicht zu befürchten stünde, dass wir uns einer Mahlzeit wegen selbst oder gegenseitig nominieren.

    Mal davon abgesehen, dieser Preis sollte an Menschen gehen, die Schaden anrichten, wie Lars schreibt, die „irgendwelche Pseudo-Heiler schwer kranke Menschen vom Arztbesuch abhalten oder dergleichen„. Bei Prof. Otto E. Rössler, der zum Beispiel auch nominiert ist, oder allgemein bei anderen Leugnern oder Erfindern von irgendwas wäre ich sehr sehr sehr vorsichtig. Zuerst sollten einige sich inhaltlich mit „Leugnern/Erfindern“ auseinander setzen (wenige reichen dazu meist und bei der Mehrheit der Scharlatane haben wir diese Phase weit hinter uns) und danach am besten ignorieren.

    Wenn stört’s? Genau dann wenn es wirklich stört, ja Schaden anrichtet, Menschen persönlich schadet, dann ist ein heftig Gegenhalten geboten.

    Gucke ich mir die Kriterien an, wünsche ich mir daher klar eine andere Reihenfolge!

    Grad der Abwegigkeit

    Halte ich für ein sinnloses Kriterium, im besten Fall ist es anregend sonst sicher immer noch heftig lustig. Im schlechtesten Fall gar wahr.

    Kritikresistenz

    Wie gesagt: ignorieren!

    kommerzielles Interesse

    Ja! Aber wie Lars schon schreibt, „wo das BIP im Detail überall herkommt kann uns ja egal sein.

    Aktionsradius

    „lokal, regional, global“ finde ich weniger wichtig, aber bei „unterstützt durch potente Geldgeber, vernetzt mit einflußreichen Personen, Institutionen, Unternehmen oder Medien“ ist sicher wieder Achtung geboten.

    Pseudowissenschaft

    Wenn keins der wirklich schlimmen Kriterien erfüllt ist, was stört es, wenn jemand etwas falsch benennt. (Dann ginge der Preis am Ende gar an Fernet Branca für „Man sagt er habe magische Kräfte„, ok, meist ist es den Sprücheklopfern ernst und das Marketing beidseitig nicht erkennbar — und ja dann stört es mich. Nur will ich dafür einen Preis verleihen?)

    Gefahrenpotenzial

    Ganz nach oben bitte!

    Bandbreite/Wirkungsspektrum

    Kann man so ganz hinten aufnehmen.

    Ich will nicht falsch verstanden werden, wer soviel Aufmerksamkeit erregt, dass er hier unter einem (nur einem) dieser selbst „zweitrangigen“ Kriterien nominiert wird, muss die Nominierung auch ertragen. Und die Idee finde ich super.

    Aber Gewinnen sollte ein Würdiger, der das nötige Gefahrenpotenzial hat. Sonst bliebe mir das Lachen im Hals stecken.

  4. Kriterien

    @ Markus

    Bitte die Liste der Kriterien als Reihenfolge betrachten!
    Ich gebe dir im Bezug auf persönliche Ethik recht, aber ich sehe das ein bisschen anders, wenn es um einen breitenwirksamen Preis geht:
    Wenn eine Person, die in ihrem Wahn Menschen behandelt ohne zu wissen was sie tut (Hamer etc) als Preisträger hervorgehen würde vermute ich, dass dann leicht die Einzelfall-Karte gespielt werden kann „das ist ja ein Psychopath“ usw. Ich finde, das sind super Themen, die im Journalismus aufgehoben sind.

    Bei dem Award orte ich weit mehr Potenzial darin, aufzuzeigen wie oft sich irgendetwas als Wissenschaft tarnt. Sei es aus ideologischen Gründen, weil man eben eine Verschwörung sieht die man unbedingt bekämpfen muss, oder, weil man sich bereichern will.

    Aber ich verstehe deinen Punkt bzgl Gefährlichkeit & werd den juryintern zur Sprache bringen. JEdenfall: die Reihenfolge der Punkte sagt nichts über Gewichtung aus.

  5. @fatmike182, Markus: einen Punkt machen

    Jedenfalls finde ich es absolut richtig, nicht nur Helden der Wissenschaft zu feiern, sondern auch zu zeigen, daß es Grenzen gibt. Erst so ein Verhalten macht eine science community in meinen Augen seriös: copygate war ein Anfang und in diesem Sinne finde ich die Aktion gut.

    Liegen denn die Kriterien für die Auswahl schon endgültig fest?

  6. @Michael: Hab mir sagen lassen

    der Gewinner stellt das Buffet. Da sind die Lichtnahrungsleute natürlich fein raus…

    Ich bin sehr gespannt in welche Richtung sich das entwickelt, man kann ja – wie wir hier schon sehen – sehr unterschiedliche Prioritäten setzen. Mir persönlich wäre es lieber, wenn Abwegigkeit, Verbohrtheit und Pseudowissenschaft als Kriterien ein hohes Gewicht bekommen. Eine gewisse Leichtigkeit sollte das schon haben.

  7. @ Elmar Diederichs

    gewissermaßen liegen unsere Schwerpunkte schon fest & ähneln denen, die von den anderen Quack-of-the-Year awards verwendet werden.
    Gefährlichkeit spielt da im Bezug auf „Einzeltäter“ eine untergeordnete Rolle, eher betreffend der Zunft.

    Aber wir sind ja nicht dogmatisch 😉

  8. and the winner is …

    Ich will ja nicht beim Feiern stören, aber:

    Was ist bitte ein „Spaßpreis für die schlimmsten Pseudowissenschafts-Scharlatane“ und wie verträgt sich so ein Spaßpreis zum: „Aber es ist eben ein Unterschied, ob … , oder irgendwelche Pseudo-Heiler schwer kranke Menschen vom Arztbesuch abhalten oder dergleichen.“?

    Schämt ihr euch nicht für diese Spaß-Hinrichtung?
    Rechnet niemand von euch mit Kollateralschäden, menschlichen Kollateralschäden?
    Dürfen auch Kinder der Hinrichtung beiwohnen, oder ist das nur etwas für „erwachsene“ Kinder?

    Da das ganze ja so lustig zu sein scheint, nominiere ich die Person, die sich den Pseudowissenschaftlichen-Scheiß ausgedacht hat, plus die komplette Jury, die brav Mitmarschiert.

    Sind euch die Argumente ausgegangen oder hat man bei euch die Judikative außer Kraft gesetzt?

    Das Ganze stinkt doch gewaltig, von vorne bis hinten, zur Lynchjustiz ist es nicht mehr weit.

  9. Präkognition

    Es gibt im Kabelfernsehen einige astrologische Beratungssendungen, die ich gerne abschiessen würde.

    Im Gegensatz dazu, wurde die Präkognition bei Oktopoden mit einer Wahrscheinlichkeit von 256 zu 1 bewiesen.

  10. @ Euro vs. DM

    sehe ich das richtig, du kritisierst den Preis, weil es das öffentliche Ansehen von zB Hamer schädigen könnte?

    Soll man die Medien, die wir als Quellen verwenden auch abschaffen?

  11. Ein Spaßpreis?

    @ fatmike182
    Ich frage mich wie viel Zeit es braucht bis es aus einer Spaß-Hinrichtung eine Echte wird, und welche Ihnen nicht genehme Person, Personen es trifft.
    Hamer kenne ich nicht. Wer ist Hamer? Bleibt es beim Hamer?
    Welche Medien als Quellen verwenden Sie? Ist die Seriosität Ihrer Quelle vom Medium abhängig?

  12. @ Euro vs. DM

    Seriosität ist in der Wissenschaft durch die Reproduzierbarkeit gegeben und para- oder pseudowissenschaftliche Theorien können dies eben nicht nachweisen.

    Ich traue fatmike182 und der Jury locker zu, dies richtig zu beurteilen. Würden sie einen Preisträger auswählen, der reproduzierbar Erfolge feiert, wäre das wohl sofort das Ende – die Hinrichtung, um in Ihrer Sprache zu bleiben – des Preises selbst, aber würde kaum an dem Träger kratzen.

    Ich denke, die Jury ist auch sensibel genug, nicht jemanden auszuzeichnen, der nur völlig abwegig denkt und diesbezüglich kritikresistent ist. Hoffe ich zumindest.

    Gesellt sich zu dieser vielleicht ja sogar nur als Schminke aufgetragenen Abwegigkeit nun noch „Gefährdung der Gesundheit oder gar des Lebens von Personen, bzw. politisch-gesellschaftliches Gefährdungspotenzial„, dann kann ich hier von der Hinrichtung Unschuldiger sprechen, die diesen Scharlatan vertrauten.

    Das Gefährdungspotenzial seriös festzustellen, ist sicher etwas schwieriger als pseudowissenschaftliche Theorien zu erkennen (was auch kein Kinderspiel ist!). Aber nun nehmen Sie mal an, sie sehen dieses Gefährdungspotenzial ebenso. Und da wollen Sie die Waffe des Sarkasmus nicht anwenden? Weil dies zu einer echten Hinrichtung führen kann?

  13. Sicherheitshinweis

    Auf den Zigarettenpackungen steht der Sicherheitshinweis: „Rauchen kann ihre Gesundheit gefährden“.

    Deshalb sollte bei astrologischen Beratungssendungen der Text eingeblendet werden: „Astrologie kann ihre Intelligenz gefährden“.

  14. Ich nominiere

    Euro vs. DM

    für den Preis des dümmsten Volksverarschers aller Zeiten.

    Begründung: Euro vs. DM hat eindrucksvoll bewiesen, völlig jenseits einer noch so verschwurbelten Logik leben zu können, ohne zu sterben. Er kann also von Astroluft, Wünschelrutensalat und Horospok-Fleisch leben.

    Anders gesagt: Euro vs. DM hat bewiesen, dass man auch ohne Hirn leben kann und sich damit auch noch jeden Tag lächerlich machen kann….

  15. Ein Spaßpreis?

    @ Markus A. Dahlem
    Hoffen Sie?
    Dann hoffen Sie mal, dass die Hoffnung nicht zuletzt stirbt. Wann hören Sie auf zu hoffen, ab der ersten, zweiten oder erst ab der dritten Hinrichtung? Können Sie mit Ihrer Hoffnung dann noch was ausrichten, wenn eine Lawine auf Sie zurollt?
    Bei Ihrer Ausführung unterschlagen Sie komplett die Dimension der Zeit.

    Von einer Preisverleihung kann hier keine Rede sein.
    Ein Spaßpreis für Unterlassene Hilfeleistung, ein Spaßpreis für Gauner und Betrüger, Scharlatane?
    – Dafür ist die Justiz zuständig.

  16. Euro vs. DM

    Ich verstehe Ihre Position nicht recht.
    Befürchten Sie das die nominierten und später ausgezeichneten Scharlatane mehr mediale Aufmerksamkeit erhalten und so ihre Schwurrbeleien weiter verbreiten können, oder das der wissenschaftliche Pöbel mit Mistgabel und Fackel daherkommt und die Ausgezeichneten auf offener Straße lyncht?

  17. @Euro vs. DM

    Wir sollten schon unterscheiden, und „einen Spaßpreis für Unterlassene Hilfeleistung„, den goldenen Feigling am Band, so was würde ich in der Tat missbilligen. Das ist so etwa Bild-Niveau. Ich denke nicht ein zieht das andere hinterher.

    Ich habe ich auch mit Argumenten gegen die Nominierung von Rössler gewandt.

    Also alle Spaßpreise über einen Kamm zu scheren oder bei einem Preis über alle Nominierungen schenkelklopfend öffentlich zu lachen ist meine Sache nicht. Dafür diskutieren wir ja hier und dies hat bisher schon einen Einfluss gehabt. Solche Veranstaltungen von Anfang an zu lassen, ist daher nicht nötig. Soviel Hoffnung habe ich.

  18. Lichtnahrungs-Pseudodoku gewinnt

    Ich hoffe ich nehme nichts vorweg, wenn ich sage, dass Peter-Arthur Straubinger „Das goldene Brett vorm Kopf“ gewonnen hat. Den Preis hat er verdient, denn er ist wirklich einer der größten Heißluftspender, die sich in der Esoterik-Scene tummeln.

    Hier seine recht witzige Dankesrede: http://vimeo.com/24589329

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