Bürgerkonferenz: Wir wollen sparen!

Das Thema Energiequellen ist bei der Bürgerkonferenz zwar am Anfang recht prominent vertreten, sowohl im Einführungsfilm als auch in den Statements der anwesenden Experten, die gesamte Konferenz werden diese großtechnischen Lösungen erfreulicherweise nicht dominieren. Das ist für mich etwas blöd, weil mir dadurch ein wesentliches Blogthema abhanden kommt.

Aber eigentlich bin ich darüber ganz glücklich, denn die Fixierung auf Energiequellen ist Symptom einer gefährlichen Illusion: Wir können so weitermachen wie bisher, wenn wir nur die richtige Technik finden, die alle unsere Probleme löst. Es gibt viel zu viele "Lösungen", die dank neu zu entwickelnder Techniken buchstäblich Er-lösung versprechen – Gigantische Solarthermie in der Sahara, Kohlenstoffsequestierung und natürlich die inzwischen berüchtigte Kernfusion.Ich kann erfreut berichten, dass der berüchtigte "technical fix" hier nicht allzu viele Fans hat.

Nicht, dass ich ein Problem mit technischen Lösungen hätte. Ich bin nur eben sehr misstrauisch gegenüber der Idee, dass wir uns aus dem Loch, in dem wir gerade sitzen, quasi herauserfinden können und dann ohne nennenswerte Veränderungen in einen goldenen Sonnenuntergang reiten. Drei Viertel aller Beteiligten bezeichnen sich jedenfalls ernsthaft als Energiesparer, vermutlich weil sie die Zimmertemperatur in ihren zentralgeheizten Buden um zwei Grad herunterregulieren[1] – was bei der Mehrheit der Weltbevölkerung, die die Folgen unseren fleißigen Energie"sparens" ausbaden darf, bestenfalls Erheiterung auslösen dürfte.

Allerdings stellt sich relativ schnell heraus, dass den meisten Leuten hier das Problem durchaus bekannt ist. An vielen der Tische dreht sich die Diskussion genau darum: Wovon wir zuviel verbrauchen (Land, Trinkwasser, Energie) und wie wir das weiter zurückschrauben können. In diesem Sinne sind tatsächlich sehr viele Energiesparer im Publikum – sie würden gerne weniger verbrauchen. Ein großer Teil der Anwesenden jedenfalls erhofft sich unter anderem genau das von den versammelten Experten: Tipps zum Energiesparen, einerseits individuell und als Gesellschaft.

Ein bisschen beschleicht mich inzwischen der Verdacht, dass die her versammelten Bürgerinnen und Bürger ganz und gar nicht repräsentativ sind – zum einen ist mit 43 Prozent der Anwesenden fast die Hälfte der Diskutierenden verrentet, zum anderen wäre Deutschland in der Tat ein besseres Land, wenn alle so energiebewusst und sparbereit wären wie die Leute hier an den Tischen. Verzicht, normalerweise ein eher heißes Eisen, ist hier in den Diskussionen jedenfalls kein Unwort, und gut informiert sind hier sowieso alle.

Stellt sich natürlich die Frage, ob die hier diskutierten Maßnahmen reichen, um den anstehenden Wandel zu bewältigen. Volker Quaschning von der HTW (Bild links) stellt jedenfalls in seinem Vortrag ein wesentlich drastischeres Szenario in den Raum als alles, was hier an den Tischen diskutiert wird: Das mit dem Energiesparen sieht ganz schnell ganz anders aus, wenn Energie plötzlich fünf Mal so teuer ist wie heute. Da kann ich nur zustimmen, auch wenn er drumherum über High-Tech wie Energiesparlampen und Niedrigenergiehäuser redet, bei denen ich mich immer frage, wie die dazu nötigen Ressourcen auch energieneutral aus dem Boden gebuddelt werden sollen.
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[1] Was natürlich absolut sinnvoll ist und den Energieverbrauch tatsächlich signifikant senkt.

Veröffentlicht von

www.fischblog.com

Ich bin gelernter Chemielaborant und habe ab 1999 in diesem Beruf gearbeitet. Anschliessend habe ich an der Uni Hamburg Chemie studiert. Seit dem Abschluss Ende 2006 veröffentliche ich Beiträge in meinem Fischblog und verkaufe Artikel an andere Publikationen. Seit 2008 wohne ich im Raum Heidelberg und bin bei Spektrum der Wissenschaft für das Blogportal Scilogs verantwortlich. Daneben arbeite ich als freier Journalist und Redakteur unter anderem für die digitalen Angebote von Spektrum, veröffentliche auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und experimentiere mit Mobile Reporting. Zu meiner Webseite

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