Präimplantationsdiagnostik – Ja oder Nein? Ein Gastbeitrag von Elmar Breitbach

Am 8. März legte der Deutsche Ethikrat eine Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik (PID) vor, nachdem zuvor über eine gesetzliche Regelung diskutiert wurde. Demnach halten 13 Mitglieder des  Ethikrates die PID unter bestimmten Einschränkungen für ethisch gerechtfertigt und praktizierbar , während 11 Mitglieder die Durchführung der Präimplantationsdiagnostik ablehnen und sie gerne verbieten würde, da sie aus ihrer Sicht ethisch nicht gerechtfertigt sei. Aus diesem Anlass habe ich den Reproduktionsmediziner und Betreiber der Seite wunschkinder.net, Dr. med. Elmar Breitbach, darum gebeten, seine Erfahrungen und Sicht der Dinge zu diesem Thema zu schildern. Er ist ausführender Arzt an der Deutschen Klinik Bad Münder, wo er als Reproduktionsmediziner mit den Schwerpunkten künstliche Befruchtung und Reproduktionsmedizin arbeitet und somit tagtäglich mit diesem Thema zu tun hat. Im Folgenden nun ein Gastbeitrag von ihm, der gerade richtig kommt, da am Donnerstag im Bundestag über einen künftigen Umgang mit der Präimplantationsdiagnostik debattiert wird.
 
 

 
 
In fast jedem Artikel zur Präimplantationsdiagnostik (PID) werden die Begriffe „blond und blauäugig“ und  „Designerbaby“ verwendet. Die Darstellung dieser Methode in den Medien impliziert, dass es mit Hilfe dieser genetischen Untersuchung des Embryos möglich ist, bestimmte Eigenschaften des späteren Menschen gezielt zu beeinflussen und die werdenden Eltern mit dieser Methode in der Lage sein werden, sich die Fähigkeiten und das Aussehen ihrer Kinder per Katalog zu bestellen.

Nachdem im letzten Jahr der Bundesgerichtshof feststellte, dass im Embryonenschutzgesetz de facto kein Verbot der PID enthalten ist, hat sich die Politik dieses Themas angenommen. Bedauerlicherweise geht es dabei nicht um die Fakten, sondern um weltanschauliche Aspekte. Daher hier zunächst einmal die Fakten:

Was ist eigentlich die Präimplantationsdiagnostik?

Es handelt sich bei der PID um eine Untersuchung von Genen oder der Chromosomen bei einem im Rahmen der künstlichen Befruchtung entstandenen Embryo. Dazu werden dem Embryo im Achtzellstadium meist zwei der Zellen für die Untersuchung entnommen. Im Prinzip entsteht dem Embryo dadurch kein wesentlicher Schaden, da die Zellen in diesem Stadium der Embryonalentwicklung noch „totipotent“ sind, sich also zu jeder möglichen Körperzelle differenzieren können . Die übrigen sechs Zellen sind daher in der Lage, sich ungestört weiter zu entwickeln.

Aus den entnommen Zellen lassen sich die Chromosomen isolieren und untersuchen. Da aber keine Kultur der Zellen möglich ist und daher auch keine Vermehrung derselben, stehen für die Diagnostik nur zwei vollständige Chromosomensätze in zwei Zellen zur Verfügung, was die Möglichkeiten deutlich einschränkt. Eine ausführliche Begutachtung von mehreren Chromosomensätzen, wie zum Beispiel bei der Fruchtwasseruntersuchung, ist daher nicht möglich. Um mit dem wenigen Material die besten Aussagen zu erzielen, wird üblicherweise der sogenannte FISH-Test (Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung) verwendet. Hierbei werden Fluoreszenzmarker eingesetzt, die entweder typisch für bestimmte Chromosomen sind oder für genetische Defekte.

Was kann die PID?

Überraschend wenig, wenn man es mit den in den Medien dargestellten „Wunschvorstellungen“ vergleicht. Die geringe Menge an zur Verfügung stehendem Erbmaterial limitiert die möglichen Untersuchungen erheblich. Grundsätzlich ist zu sagen, dass man wissen muss, wonach man suchen will, sonst wird man nicht fündig. Die PID ist daher keine Screening-Methode, um die Gesundheit eines Embryos zu gewährleisten, sondern kann nur zum Ausschluss weniger Erbkrankheiten dienen.

Aneuploidie-Screening (zahlenmäßige Chromosomenabberationen)

Die FISH-Diagnostik kennzeichnet vorgegebene Bereiche auf einem Chromosom. Jedoch sind üblicherweise nur 8-10 solcher Markierungen möglich. In Anbetracht der Tatsache, dass der menschliche Chromosomensatz 22 Paare plus den Geschlechtschromosomen aufweist, ist selbst ein simples „Durchzählen“ der Erbgutträger (Aneuploidie-Screening) nicht möglich.

Man beschränkt sich daher meist auf  die Aufdeckung zahlenmäßiger Abweichungen der Chromosomen 13, 16, 18, 21, 22, X, Y. Die anderen Chromosomen könnten fehlen oder dreifach vorhanden sein und man würde es nicht feststellen. Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass man nicht den Embryo, sondern zwei Zellen davon untersucht. Das Problem dabei: Sehr häufig weisen Embryonen im Achzellstadium Mosaike auf: Nicht jede Zelle hat den gleichen Chromosomensatz. Das kann dazu führen, dass man die gesunden Zellen biopsiert, den Embryo als unauffällig klassifiziert und die sechs verbleibenden auffälligen Zellen in die Gebärmutter einpflanzt (transferiert) oder gar gesunde Embryonen verwirft.

Bessere Schwangerschaftsraten?

Neben der Vermeidung von meist zu schweren Erkrankungen führenden Trisomien, Monosomien oder daraus resultierenden Fehlgeburten wurde und wird diese Technik immer noch zu Verbesserung der Schwangerschaftsraten bei der künstlichen Befruchtung eingesetzt. Metaanalysen dazu zeigten jedoch, dass auch diese Hoffnungen mit den gegenwärtig gebräuchlichen Methoden nicht erfüllt werden können. Möglicherweise wird die Comparative genomic hybridization (CGA) hier neue Möglichkeiten eröffnen, aktuell ist eine Evaluierung dieser Methode jedoch noch nicht möglich.

Fazit: Es gibt es aktuell keine sinnvolle Einsatzmöglichkeit der PID zum Screening auf Aneuploidien.

Feststellen von Translokationen

Auf sehr viel sichererem Boden befindet man sich, wenn nach ganz bestimmten Veränderungen im Erbgut gesucht wird. Translokationen gehören zu den häufigsten uniloculären Erbkrankheiten. Dabei wird von einem Chromosom ein Bruchstück auf ein anderes übertragen. Bei einem Träger einer balancierten Translokation ergeben sich dabei keine genetischen Auffälligkeiten, da das Erbgut vollständig vorhanden ist, jedoch nicht auf dem dafür vorgesehen Chromosom.

Die Nachkommen dieser Träger einer balancierten Translokation können so gesund wie er selbst sein (balancierte T.) oder zu wenig bzw. zu viel genetisches Material aufweisen. Da keine Translokation der anderen gleicht, hängt es vor allem von den betroffenen Chromosomen und der Größe des übertragenen Bruchstücks ab, welche Auswirkungen dies für die Nachkommen hat. Sehr häufig sind die unbalancierten Translokationen Ursache von wiederholten Fehlgeburten.

Die PID ist in diesem Falle sehr gut in der Lage, betroffene Embryonen zuverlässig zu erkennen.

Fazit: Da es hier um die Erkennung der Alternativen „Fehlgeburt/vorgeburtlich totes Kind“ und „gesundes Kind“ geht, stellt sich aus meiner Sicht die Frage nach ethischen Aspekten dieser Diagnostik in diesen Fällen nicht. Es geht darum, einer Frau mit mehreren Fehlgeburten in der Vorgeschichte weitere Fehlgeburten und Schwangerschaften „auf Probe“ zu ersparen.

Feststellen von Erbkrankheiten

Erbkrankheiten werden durch die Veränderung eines Gens (monogenetisch) oder mehrerer Gene (polygenetisch) hervorgerufen. Für die viele monogenetischen Erkrankungen liegen Gensonden vor, mit denen diese sich lokalisieren und im Rahmen einer PID erkennen lassen. Bei polygenetischen Erkrankungen wird dies schon schwieriger, da hier auch noch verschiedene Kombinationen „abgearbeitet“ werden müssen, daher ist die Diagnostik hier schon bedeutend schwieriger.

Auf die begehrten positiven Eigenschaften wie „sportlich, musikalisch, blond, blauäugig“ hingegen nehmen oft sehr viele unterschiedliche und zum Teil unbekannte Gene Einfluss, so dass man unabhängig von der Gesetzeslage das Katalogkind wohl auch in ferner Zukunft nicht wird bestellen können.

Aber auch bei den polygenetischen Erkrankungen stellt sich das Problem, dass nach dem Aussortieren der betroffenen Embryonen noch gesunde für den Transfer zur Verfügung stehen müssen. Bei ca. 10 Eizellen, die üblicherweise bei der künstlichen Befruchtung gewonnen werden, ein statistisch oft unmögliches Unterfangen.

Fazit: Nach monogenetische Erbkrabkheiten kann man im Erbgut der Embryonen gezielt suchen, bei polygenetischen Erkrankungen ist dies in den meisten Fällen nicht zuverlässig genug möglich.

Ethische Aspekte

Und hier stehen wir aus Sicht konservativer Kreise am Rand der „slippery slope“. Ein Schritt und man kann die Büchse der Pandora nicht mehr schließen, von mir auch gerne als „Dammbruch-Totschlag-Argument“ bezeichnet.

Tödliche Erkrankungen

Nüchtern betrachtet, gibt es Erkrankungen, die mit hoher Sicherheit während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt zum Tod führen und durch die PID im Embryonalstadium ausgeschlossen werden können. Den Eltern nicht die Möglichkeit zu geben, sich und ihrem Kind dieses Schicksal zu ersparen, ist in diesen eindeutigen Fällen schlicht unethisch.

Kirchliche und politisch konservative Kreise argumentieren hier mit der Würde des Embryos, die durch eine solche Untersuchung verletzt würde. Ihr Dilemma: Setzt sich diese Ansicht durch, dann werden sich die Eltern aus nachvollziehbaren Gründen weiterhin später für eine Abtreibung entscheiden. Aus meiner Sicht gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, die Würde des achtzelligen Embryos zu schützen und die Eltern dann zur Abtreibung eines Feten zu zwingen. Die Vielzahl an Embryonen, die durch diese Methoden verbraucht und „getötet“ würden, ist auch ein oft vorgebrachtes Argument, auch gegen die künstliche Befruchtung im Allgemeinen. Die Natur macht es jedoch nicht anders: Maximal 5% der Embryonen nisten sich in die Gebärmutter und werden ausgetragen, bei der künstlichen Befruchtung (IVF) ist die Quote da sogar eher noch besser.

Fazit: Das Verbot zur Diagnostik von tödlichen Erberkrankungen wäre unethisch. Hier gibt es auch keine „slippery slope“, da es leicht ist, diese Erkrankungen klar zu definieren.

Schwere Erkrankungen

Die Definition einer „schweren Erkrankung“ ist hingegen ein schwieriges Unterfangen und hier eine Liste der entsprechenden Krankheiten zu erstellen hoch problematisch bis unmöglich ist. Es stellt sich jedoch die Frage, inwiefern das überhaupt nötig ist? Warum lässt man es die betroffenen Paare nicht selbst entscheiden? Ich möchte die Geduld der Leserschaft nicht mit einem detaillierten  Quellensammelsurium zur Ethikdebatte in Bezug auf die PID überfordern, sondern auf die Empfehlung der Ethikkommission der "Giordano-Bruno-Stiftung" verweisen, die sehr schön zeigt, wie man Ethik in einer säkularen Gesellschaft definieren kann:

„Im Gegensatz zur vorherrschenden Diskussion, in der gefragt wird: „Darf PID gesetzlich erlaubt werden?“, sollte die strittige Frage lauten: „Darf PID überhaupt gesetzlich verboten werden?“ Schließlich sollten mündige, aufgeklärte Bürger in einem liberalen Gemeinwesen tun und lassen dürfen, was sie wollen, solange es ihnen nicht mit guten Gründen verboten werden kann. Diese guten, verallgemeinerungsfähigen Gründe für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik gibt es nicht. Es gibt nicht einmal gute Gründe für die von einigen Politikern vorgeschlagene Beschränkung der PID, etwa auf Paare, deren erbliche Vorbelastung erwiesen ist. Deshalb plädieren wir für eine Gesetzgebung, die den Grundsätzen eines modernen, liberalen Staates angemessen ist: für die Zulassung der PID in erweiterten Grenzen. Grundsätzlich sollten alle Menschen, die den beschwerlichen Weg der künstlichen Befruchtung wählen, die Möglichkeit zur PID haben. […] Dass Embryonen „heilig“ und somit für medizinische Zwecke unantastbar seien, beruht auf metaphysischen (meist religiösen) Überzeugungen, die keine Allgemeingültigkeit beanspruchen können.

Ein „aktuales Lebensinteresse“ setzt ein empfindungsfähiges Lebewesen voraus, das verwundet, misshandelt oder gedemütigt werden kann. Diese Bedingungen sind jedoch bei Embryonen, die überhaupt nichts spüren und bei –196 Grad kryokonserviert werden können, nicht erfüllt.“

Auch sehr klar ist die Aussage zu den Argumenten von Behindertenverbänden, dass die PID zu einer Diskriminierung Behinderter führt oder sogar eine solche bereits darstellt:

„Die Annahme, dass die Vernichtung befruchteter Eizellen mit genetischen Defekten zur Diskriminierung von Behinderten führt, ist ähnlich absurd wie die Forderung nach Abschaffung der Impfung gegen Kinderlähmung, weil diese eine Diskriminierung von Menschen mit Kinderlähmung zur Folge haben könnte.“

Niemand, der nur mit Hilfe der künstlichen Befruchtung und der PID ein gesundes Kind bekommen kann, wird dies leichtfertig tun oder lediglich, um die dessen Augenfarbe zu bestimmen. Er wird es tun, um sei eigenes Leid zu beenden, und das seiner Kinder zu vermeiden.
 
 
 
 

Sebastian Reusch

Veröffentlicht von

Sebastian Reusch ist studierter Biologe und spezialisierte sich auf molekularbiologische Fächer wie Genetik und Zellbiologie. Seine Abschlussarbeit machte er am Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin, wo er an Prozessen in weißen Blutkörperchen forschte.

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. „Im Prinzip entsteht dem Embryo dadurch kein wesentlicher Schaden“ heißt im Umkehrschluß, daß wohl doch Schaden entsteht, oder?

    Wenn die PID nur zur Erkennung der Alternativen „Fehlgeburt/vorgeburtlich totes Kind“ und „gesundes Kind“ dienen würde, hätte ich im Prinzip (Einschränkung siehe obige Fragestellung) nichts dagegen; aber beim Thema Erbkrankheiten stelle ich mich dann quer. Ich selbst leide an vererbbaren Krankheiten, weiß also, wovon ich rede!

    Sie schreiben „[…] Embryonen, die überhaupt nichts spüren […]“ – dachte man bei Fischen bis vor kurzem auch. Inzwischen ist aber bekannt, daß Fische sehr wohl etwas spüren http://www.spiegel.de/…gel/0,1518,749108,00.html

  2. Quote Mining

    @DFranzenburg

    Wenn Sie unbedingt zitieren, dann bitte auch vollständig. Der Autor führt doch ganz klar und deutlich aus, in wie fern der Zellhaufen geschädigt wird (oder auch nicht).

    Gleiches gilt für den hinkenden Vergleich mit dem Fisch. Ein Fisch ist ein (adultes) Lebewesen mit einem zentralen Nervensystem und nicht wie die hier in Rede stehenden Embryos ein Zellhaufen, der kryokonserviert vorliegt.

    „Gefühle“ sind mangels Nervensystem, sogar mangels Nervenzellen als solche nicht möglich.

    Im Übrigen finde ich das Argument „ich leide an Erbkrankheiten, also sollen es alle anderen auch“ ziemlich merkwürdig.

    Haben sie den Text eigentlich gelesen und haben sie verstanden, um welche Erkrankungen es geht? Ich glaube nicht, denn wenn sie Träger dieser Gene wären, dann würde sie den Beitrag leider nicht schreiben können. Es gäbe sie schlichtweg nicht.

  3. Sehr schöner, sachkundiger Artikel. Gut vor allem die Klarstellung, das es sich hier keineswegs um ein Screeningverfahren für Wunschkinder handelt.

    Zwei Gedanken von mir – als PID Befürworter – dazu:

    1. Für am problematischsten halte ich in der Tat das Aufstellen einer „schwarzem Liste“ von primär nicht tödlichen Erbkrankheiten, deren Träger nach allgemeiner Maßgabe nicht das Licht der Welt erblicken sollen. Hier muss man Transparenz zu schaffen und vor allem auch Betroffene in die Entscheidung einbeziehen. Wir müssen es schaffen einen möglichst breiten Konsens zu erwirken und die wirkliche Lebensqualität und nicht die befürchtete aus Sicht der „Normalen“ als Kriterium anwenden.
    2. Wenn Punkt 1. erfüllt ist, gilt auch das Argument der schiefen Ebene nicht mehr. Jede Indikation zur PID und jede Konsequenz eines Testergebnis kann ja vorab definiert werden. Klar ist für mich auf jeden Fall, das jede Änderung an diese Liste öffentlich diskutiert werden sollte.

  4. Positiv-Liste

    @ Steter Tropfen: Danke. Das ist ein wichtiger Hinweis. Weder eine Positiv-Liste noch eine Negativ-Liste wäre zweckdienlich. Grundlage einer jeden Entscheidung sollte im Einzelfall nach ausführlicher Beratung(-spflicht) der Leidensdruck der Eltern sein und letztlich sollten diese dann auch die Entscheidung fällen. Wie es aktuell auch bei der Pränataldiagnostik gehandhabt wird.

    @ DFranzenburg: Sie haben das „im Prinzip“ schon richtig als relativierend erkannt. Es erklärt, warum die Schwangerschaftsraten nach PID offenbar geringer sind, da die Einnistungswahrscheinlichkeit des Embryos nach der Biopsie sinkt. Nistet er sich jedoch ein, dann verläuft die Entwicklung jedoch ungestört. Ihre Antwort impliziert, dass Sie dies bezweifelten. Ich kann Sie diesbezüglich jedoch beruhigen.

    Zum Rest Ihres Kommentars hat Stefan dankenswerterweise bereits alles Notwendige gesagt.

  5. Pro-PID

    „… Er [Sie] wird es tun, um sei eigenes Leid zu beenden, und das seiner Kinder zu vermeiden.“

    Der allerletzte Satz drueckt doch wunderbar aus, warum in bestimmten Faellen PID zur Ursachenforschung erlaubt sein sollte – um Eltern und Kind spaeteres Leid zu ersparen. Ich verstehe sowie so nicht, wieso man PID nicht erlauben kann, Schwangerschaftsabbrueche bis kurz vor der Geburt wegen schwerer Fehlbildungen des Embryos schon.

    Fazit – PID erlauben, wenn die Eltern in Kinderwunschbehandlung sind, und es zu unerklaerlichen Fehlgeburten/Fehlbildungen der Embryonen/Foeten in vorherigen Schwangerschaften kam.

  6. Ganz klar pro PID

    Vielen Dank an Elmar nochmal für diesen Artikel. Er ist sehr aufschlussreich und vermittelt das Bild, dass mit der PID primär Menschen bei einer Schwangerschaft geholfen werden soll! Ich glaube das verlieren viele Leute aus den Augen, da sie sich hauptsächlich Sorgen um Merkmalsselektionen machen und dabei am Ende des Tages irgendwann bei der Eugenik landen. Das ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Wenn man wirklich so große Angst vor der Präimplantationsdiagnostik hat, dann sollte man gleichzeitig die komplette Landwirtschaft dicht machen. Denn hier betreibt im großen Stil nichts anderes als Merkmalsselektion von Nutztieren und Nutzpflanzen für bessere Erträge. Bei Pflanzen und Tieren ist es also erlaubt und gängige Praxis, aber wir Menschen sind anscheinend etwas besseres. Verkehrte Welt! Ich möchte mal wirklich einen totalen Widersacher der PID erleben, wie er einer Frau die aufgrund genetischer Defekte häufiger Totgeburten erlitten hat, ins Gesicht sagt „Nee, tut mir Leid, da können und wollen wir ihnen nicht helfen“. Wenn das mal nicht unethisch ist, dann weiß ich auch nicht.

  7. Ganz Klar: Für PID

    Danke für diesen Beitrag!

    Ich habe der Anhörung des Ethikrates zum Thema PID im Dezember 2010 beigewohnt und dort haben Vertreter aus verschiedenen Ländern (Niederlande, Frankreich, GB) über ihre Erfahrungen berichtet. Insbesondere in Frankreich wird in jedem Einzelfall entschieden, ob eine PID durchgeführt werden sollte. Ich fand diese Regelung ganz sympathisch.

    Ich hoffe sehr, dass man sich am Donnerstag im Bundestag zumindest für den liberaleren Vorschlag von Ulrike Flach und Peter Hinze entscheidet. Alles andere wäre – mal wieder – eine Missachtung der ReligionsFREIheit. Eine Handlungsbeschränkung von Menschen aufgrund religiöser Ansichten der Mitglieder im Bundestag und aufgrund des grundgesetzwidrigen Staat-Kirche Verhältnisses ist nicht zu akzeptieren.

  8. Glückwunsch

    Endlich mal ein sachlicher umfassender und doch knapper Beitrag zum Thema PID.
    Ich wünschte nur, diejenigen die darüber entscheiden sollen, wären auch so gut informiert!

  9. Und plötzlich ist man selbst betroffen!

    Nach zwei Fehlgeburten wurden durch meine Kinderwunschklinik nun mehrere Untersuchungen veranlasst. U.a. wurde war ich bei der Humangenetischen Beratung und habe meine Chromosomen untersuchen lassen. Es hieß wenn alles ok ist bekommen Sie in drei Wochen Post, wenn nicht werden Sie telefonisch zu einem weiteren Gespräch eingeladen. Montag der Anruf, Dienstag das Gespräch mit der Schockdiagnose: balancierte Translokation!

    Ich fühle mich wie in einem Alptraum!
    Warum ich?

    Es gibt die Chance ein gesundes Kind zu bekommen, wir haben auch bereits einen gesunden Sohn im Grundschulalter der oft fragt, warum er keine Geschwister hat aber alle anderen in seiner Klasse schon. Er wünscht es sich so sehr.

    Wie soll ich ihm nun erklären, dass Mama aufgeben muss, da ich immer und immer wieder Fehlgeburten erleiden kann wenn die Eizelle gerade die defekten Chromosomen erhält? Wie soll man es ertragen weiter russisch Roulette zu spielen, eventuell doch mal über die 12.Woche hinaus zu kommen und nach einer Fruchtwasseruntersuchung zu erfahren das Kind sei krank. Man sagte mir gestern: geistig und körperlich schwer behindert aber über die 12.Woche kommen sei ein gutes Zeichen aber dennoch kann es schwer krank sein, nach der Geburt oder noch im Mutterleib versterben, oder eben schwerst behindert sein, niemand kann mir das sagen, es sei gut dass ich die Fehlgeburten hatte.

    Am letzten Mittwoch habe ich bei SternTV noch so geweint, und plötzlich bin ich selbst betroffen.

    Ich werde mir nun erstmal psychologische Hilfe suchen, ich weiss einfach nicht mehr weiter.

    Mein Sohn hat entweder meine gesunden Chromosomen aus dem Päärchen abbekommen, oder hat ebenfalls meine balancierte Translokation, dann wird er später mit seiner Frau den gleichen Leidensweg beim Kinderkriegen erleiden. Er soll sich direkt mit 18 Jahren untersuchen lassen, sagte uns gestern die Humangenetikerin. Ich bete für ihn, dass er meine gesunden Chromosomen abbekommen hat.

    Für meinen Mann ist das nun das Aus des Kinderwunsches. Der Abschied vom Geschwisterkind. Wir können ja froh und dankbar sein ein gesundes Kind zu haben! Ich habe gestern den ganzen Tag geweint – ist es wirklich das Aus??? Nie mehr darf ich das erleben? Ich sehe mir die Babyfotos unseres Grossen an – bleibt er allein? Was wenn wir alt sind? Wenn wir sterben? Muss unser Sohn das alleine überstehen ohne Geschwister? Ich selbst habe 4 Geschwister und kann es mir ohne sie gar nicht vorstellen.

    Warum ich? Wann Wache ich aus diesem Alptraum auf?

    Ich habe gestern nach PKD und PID gegoogelt, PKD ist soweit ich heraus gefunden habe nicht so aufschlussreich wie PID.

    Das wäre unsere einzige Chance keine weiteren Fehlgeburten zu erleiden, oder schlimmer noch eine Totgeburt zu erleben, einen Spätabbruch zu entscheiden! Das ist an menschlicher Grausamkeit für eine Frau, ein Elternpaar nicht zu überbieten, wenn irgendetwas mit dem eigenen Kind ist.

    Bitte bitte erspart uns Betroffenen weiteres Leid.

    Schon alleine diese Diagnose hat mich umgehauen, meine ganze Lebensplanung verloren, ich hätte so gerne noch zwei Kinder.

    PID setzt eine Künstl Befruchtung vorraus, die wir ja eigentlich nicht mal nötig hätten, meine Hormone sind i.O., warum sollte eine Frau dies aus Spass machen? Die ganzen Hormone, die seelische und körperliche Belastung und auch die Kosten. Ich muss sicherlich nun erstmal eine ganze Weile sparen.

    Und eines sag ich euch: mir ist es sowas von egal welches Geschlecht, welche Augenfarbe, welche Haarfarbe… solche Luxusprobleme habe ich leider nicht!!!

    Viele Grüße
    Eine frisch Betroffene aus dem Ruhrgebiet,
    unendlich traurig und verzweifelt!!!

  10. Re: Quote Mining

    @Stefan
    Ihre Frage an mich, ob ich den Text eigentlich gelesen und verstanden habe kann ich gerne beantworten: Ja, ich habe den Artikel vollständig gelesen. Nein, ich habe nicht alles sofort verstanden. Erst weitere Recherchen erschlossen mir weitere Kenntnisse. Dies liegt schlicht daran, daß ich Fachfremder bin.

    „Der Autor führt doch ganz klar und deutlich aus, in wie fern der Zellhaufen geschädigt wird (oder auch nicht).“

    Tut mir leid, aber ich finde keine Antwort zur ‚ganz klar[en] und deutlich[en]‘ Schädigung.

    Desweiteren schreiben Sie, ich würde unvollständig zitieren. Was Sie dann aber selbst tun ist schlicht eine Frechheit! Sie zitieren mich nicht nur falsch; nein Sie schieben mir gar eine Behauptung unter, die ich gar nicht aufgestellt habe:

    „Im Übrigen finde ich das Argument „ich leide an Erbkrankheiten, also sollen es alle anderen auch“ ziemlich merkwürdig.“

    Zur Sache mit dem Fisch: Damit wollte ich nur aufführen, daß es immer wieder passieren kann, daß eigentlich gesichert scheinende Erkenntnisse widerlegt werden könn(t)en.

  11. Danke Nani

    Auch wenn dieser Kommentar vielleicht nichts mehr zu einer Veränderung der morgigen Entscheidung des Bundestags zur PID führen wird (ich wette, dass dem aktuell schon reichlich Hinterzimmerklüngelei vorausgeht), so zeigt es doch sehr eindrücklich, worum es hier geht und wie ich es im letzten Satz meines Artikels noch einmal zusammengefasst habe.

    Wer sich fragt, was eine PKD (Polkörperdiagnostik)ist: Hier werden die Chromosomen in den Polkörpern der Eizelle untersucht, ein in Deutschland erlaubtes Verfahren.

  12. Gerne,

    schon vor meiner Diagnose war ich für PID, ich bin im Wunschkinder Forum aktiv und habe sehr viel Mitgefühl für alle Frauen bei denen es nicht einfach so klappt. Viele müssen einen langen steinigen Weg bis zum eigenen Kind gehen, viele müssen sich vom Kinderwunsch verabschieden, viele geben ihr ganzes Vermögen für den Kinderwunsch her, der Körper und die Psyche werden extremst belastet. Das ist einfach alles nicht fair.

    Nun hoffe ich natürlich noch mehr auf Verständnis für unsere Situation und bete für eine positive Abstimmung morgen.

    Wie gesagt:

    Für meinen Mann bedeutet die Diagnose balancierte Translokation nun quasi schon das AUS des Kinderwunsches…. er will nicht dass ich weitere FG´s oder schlimmeres (Todgeburten, Spätabbrüche wo man keine Ausschabung mehr machen lassen kann und das Kind gebären muss und es direkt stirbt) erleiden muss, wir leiden beide so oder so schon sehr unter den langen unerfüllten Geschwisterwunsch und ein behindertes Kind wollen wir beide nicht, wir haben beide behinderte Geschwister, bei ihm und seiner verstorbenen Schwester sind die Chromosomen aber i.O. Meine Schwester bekam kurz nach der Geburt eine schwere Hirnhautentzündung ist ist dadurch zum schwerst Pflegefall geworden. Wir wissen also ganz genau, was das Leben mit einem behinderten Kind bedeutet und haben beide sehr sehr viel Leid erlebt, von unseren Eltern mal gar nicht erst zu sprechen. Meine Mutter z.B. ist psychisch kaputt, immer zwischen Leben und Tod des eigenen Kindes… weiteren Krampfanfällen, Verschlimmerungen des Zustandes, Operationen und Krankenhausaufenthalten meiner Schwester… vom Rollstuhl mittlerweile ans Bett gefesselt.

    Ich möchte noch nicht aufgeben.

    Ich bin doch erst 32 Jahre alt. Ich kann also noch sparen und kann PID machen, und wenn es hier nicht erlaubt wird, überlege ich ganz ehrlich ins Ausland zu gehen.

    Ich kann mich jetzt nach 3 Jahren Kinderwunschkampf und den schmerzhaften Fehlgeburten nicht einfach so vom Kinderwunsch verabschieden… Ich möchte nicht aufgeben. Ich möchte noch einmal, bitte wenigstens noch einmal Mutter werden, ohne Schwangerschaft auf Probe, ohne russisch Roulette…

    Sicher ist nichts, ich weiss, auch nicht die PID und die Einnistung bei dieser künstl Befruchtung, aber allein die Chance noch ein gesundes Kind und eine normale Schwangerschaft erleben zu dürfen lässt mich träumen und hoffen… auch wenn es ein steiniger harter Weg wird.

    Durch das Leben in die Knie gezwungen,
    verzweifelt am Boden liegen.
    Aufgeben, Hadern, Verbittern?
    ODER – Annehmen!
    Nach vorne schauen.
    Ich will nicht liegen bleiben,
    ich stehe auf und gehe weiter!
    Nicht den einfachen Weg – der ist mir versperrt.
    Aber es gibt einen anderen Weg.
    Mühsam, doch begehbar.
    Er führt über Berge und Täler,
    ausgestattet mit vielen Hindernissen.
    Manche Berge erscheinen unüberwindbar.
    Doch ich habe sie alle erklommen
    und genieße die schöne Aussicht,
    die ich auf diesen Bergspitzen erleben darf.

    LG

  13. PID und Diskriminierung

    „Die Annahme, dass die Vernichtung befruchteter Eizellen mit genetischen Defekten zur Diskriminierung von Behinderten führt, ist ähnlich absurd wie die Forderung nach Abschaffung der Impfung gegen Kinderlähmung, weil diese eine Diskriminierung von Menschen mit Kinderlähmung zur Folge haben könnte.“

    Ja, so verkürzt stimmt das sicher. Aber wenn man die These zugrunde legt, dass durch die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung mit immer enger werdendem Zeitfenster für Geburt in der Familienplanung, Genetik, Pränataldiagnostik und eben auch PID, wird das gesunde Wunschkind immer mehr zum bestimmenden Ideal. Und somit die Abweichung immer mehr zum Makel. Für mich (als angehende Förderschullehrerin und ICSI-erfahrene) ist das zumindest eine diskussionswürdige These, die man auch als PID Befüworterin nicht einfach wegwischen sollte.

    Davon abgesehen jedoch vielen Dank für diese sachliche Darstellung. In der Hoffnung auf eine kluge Entscheidung morgen, die die Würde einer Frau höher schätzt als die Würde eines „Zellhaufens“.

  14. erschreckend naive Bundestagsabgeordnete

    Die Giordano Bruno Stiftung fordert Neubesetzung des Ethikrates:

    http://hpd.de/node/11420

    „… Bis auf wenige Ausnahmen seidie Argumentation der Bundestagsabgeordneten „erschreckend naiv“ ausgefallen. …“

  15. @Beate T.

    Ich verfolge den Deutschen Ethikrat schon länger und kenne diese „Problematik“ nur allzu gut. Man hat dies schon bei der Diskussion um die synthetische Biologie, um die PID und neuerdings um Humanbiobanken gesehen. Mitglieder mit theologischem Hintergrund scheinen mir dabei von ihren teils religiösen Ansichten geleitet zu werden und das ist ganz und garnicht in Ordnung! Zudem fällt mir oft auf, dass sie falsch informiert sind.

  16. So, die Debatte um die PID ist im Bundestag gerade zu Ende gegangen und ich konnte leider nur die letzten 30 Minuten verfolgen. Das Bild was sich mir da ergab, war allerdings grauenhaft. Das dürfte wohl neuen Stoff zu einem erneuten Artikel über dieses Thema bieten.

  17. Spielt Leidensfähigkeit eine Rolle?

    Das Argument, der Embryo sei nicht leidensfähig, ist aus meiner Sicht hochproblematisch:

    1. Die Tötung von Tieren ist zulässig, obwohl diese nachweislich leidensfähig sind.

    2. Die vorsätzliche Tötung eines narkotisierten Menschen ist ein Verbrechen, obwohl dieser nicht leidensfähig ist.

    Menschliches Leben ist nicht aufgrund seiner Leidensfähigkeit oder Intelligenz schutzwürdig. Insofern kann das Fehlen von Leidensfähigkeit oder Intelligenz auch kein Argument gegen die Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens sein.

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