Eine Finsternis am 10. Mai!

Drückt man ein Auge zu, so handelt es sich bei einer Planetenbedeckung durch den Mond um eine Finsternis. Am Nachmittag des 10. Mai 2008 können alle, die ihren Pfingstsamstag noch nicht verplant haben oder irgendwo auf der Autobahn stehen werden, eine Bedeckung des Mars durch den Mond beobachten.

Um dieses Himmelsereignis erleben zu können, ist allerdings ein Teleskop nötig (ein kleines genügt); mit einem Fernglas dürfte der Lustgewinn gering sein, weil Mars mit seiner derzeitigen Helligkeit von 1,3 mag am Taghimmel nur sehr unscheinbar ist.

Der zunehmende (Fast-)Halbmond steht Samstag Nachmittag im Osten und ist jetzt schon deutlicher zu sehen als vor ein paar Tagen bei seinem Rendevouz mit Merkur, als er noch superschmal war. Die Bedeckung am Samstag dauert gut eine Stunde und je nachdem, von welchem Breitengrad aus beobachtet wird, liegt der Eintritt zwischen (alles MESZ) 14:13 (Nürnberg) und 14:23 (Hamburg), um zwei Beispiele zu nennen. Der Austritt findet hier 15:15 (Nürnberg) bzw. 15:10 (Hamburg) statt. Der Mond trifft mit seiner dunklen Seite auf den Mars – am Rande des Oceanus Procellarum – und der Eintritt dürfte besser beobachtbar sein als der Austritt in Höhe des Mare Crisium, weil diese Seite des Mondes den nur schwach glimmenden Mars leicht überstrahlen dürfte.

Wengleich diese Finsternis nicht ansatzweise so spannend wie eine Mond- oder gar Sonnenfinsternis ist (oder wie die Bedeckung des Mars durch den Mond in den frühen Morgenstunden an Heiligabend 2007…), so lohnt es sich dennoch, diese Marsbedeckung durch den Erdtrabanten mit eigenen Augen zu verfolgen. Die Wetterprognosen für Pfingsten sind prima, so dass die Wahrscheinlichkeit groß sein dürfte, dieses Himmelsschauspiel live erleben zu können.

Clear Skies! Stefan Oldenburg

P.S.: Ein Dank an mein Lieblings-Jahrbuch "Das Astronomische Jahr 2008", in dem sich die für Amateurastronomen wirklich spannenden Himmelsereignisse finden, welche von anderen astronomischen Jahrbüchern oftmals gerne übergangen oder nur in einem kümmerlichen Nebensätzchen erwähnt werden. 🙂

Stefan Oldenburg

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hmm… wirklich?

    Eigentlich dachte ich bisher, eine Finsternis (eclipse) hätte mit Schatten zu tun, eine Bedeckung nicht:

    Bei einer MoFi trifft der Erdschatten auf den Mond, bei einer SoFi der Mondschatten die Erde, bei Jupitermonden deren Schatten den Planeten oder umgekehrt.

    Eine Bedeckung hängt m.E. aber in aller Allgemeinheit nicht davon ab, ob tatsächlich ein Schatten im Spiel ist, oder? Kann der Schatten nicht auch in eine ganz andere Richtung weisen (z.B. bei Hellrand-Sternbedeckungen bei Halbmond) oder vorher enden (wie bei Sternbedeckungen durch den Mond grundsätzlich)?

    Oder ist das falsch?

  2. Finsternis – Bedeckung

    Hallo Susanne,

    danke für Deine nächtlichen Anmerkungen! Natürlich hast Du Recht und es ist seeeeeeehr weit hergeholt (bzw. inhaltlich sogar daneben), bei einer Planetenbedeckung durch den Erdmond von einer Finsternis zu sprechen. Deshalb hatte ich auch nur mit Augenzwinkern von einer „Finsternis“ gesprochen, weil „Bedeckung“ für das morgige Ereignis zu unspektakulär klingen mag. 😉

    Der allgemein gebrauchte Terminus für das teilweise bzw. vollständige Verdecken eines Gestirns durch ein anderes ist „Okkultation“, das vom Lateinischen „occultum“ das „Verborgene“ oder „Geheimnisvolle“ abgeleitet ist. Erst wenn die Helligkeit des überdeckten Objektes so groß ist, dass ein tatsächlicher Schatten fällt, ist von „Finsternis“ zu sprechen. Prima ist das bei Wikipedia definiert: Okkultation. Dort wird auch das lustige Paradoxon diskutiert: Eine Sonnenfinsternis ist – pingelig betrachtet – nur eine Bedeckung, weil nur ein winziger Streifen auf der Erdoberfläche durch den Mondschatten verfinstert wird.

    Wie immer man es sieht: Bedeckungen, Durchgänge und Finsternisse gehören zu den spannenden Himmelsereignissen, über die sogar in den Medien berichtet wird.

    Viele Grüße

    Stefan

  3. Sehr schöner Bericht! 🙂

    Entschuldigung, ich wollte nicht im geringsten den Bericht kritisieren, sondern war nur über den Terminus verwundert. Ich finde es sehr wichtig, klare Begriffe zu definieren und für die allgemeine Verständigung ist es m.E. auch entscheidend, dass die Termini von allen Benutzern einer Sprache gleich gebraucht werden.

    Ich stimme zu, dass eine SoFi von der Erde aus global betrachtet eine Bedeckung ist. Dass sie trotzdem als Finsternis bezeichnet wird, kann man entweder (wie so vieles in der Astronomie) historischen Wurzeln zuschreiben oder man legitimiert es auch im heutigen Sprachgebrauch, indem man eben dem Mond als Handlungsträger (Schattenwerfer) die zentrale Rolle zuspricht – sozusagen als „gottähnlicher kosmischer Beobachter“, nicht von der Erde aus: eben so, wie es in den Schulbüchern aufgemalt ist.

    Werden nicht deshalb häufig in den Überschriften der Grundlagenbücher Finsternisse als kosmische Schattenspiele metaphorisch umschrieben?

    Demnach wäre es schon ein Unterschied, ob wir von Bedeckungen oder von Finsternissen sprechen. … Nunja, historische Begriffe sind ja oft beliebig schwammig! 😉

    Wie auch immer: vielen Dank für die himmelskundlichen Berichte, die das wirklich Interessante am Himmel fokussieren.

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