Das Blog-Teleskop #6A

 

Tja, lieber Florian Freistetter, da ist meine Mail an Dich im Spam-Filter baden gegangen. Kein Wunder bei dieser Hitze. Somit gibt es diesmal zwei Blog-Teleskope, nämlich die Nummer 6 von Florian Freistetter und meines hier, dem ich mal die Nummer 6A gebe. Die Schnittmengen lasse ich mal drin, hat für den Leser vielleicht auch seinen Reiz. Startpunkt dieser Ausgabe ist das idyllische Riedering in Oberbayern. Von hier aus sind es mit dem Fahrrad dreißig Minuten nach Grainbach , dem Ausgangspunkt einer Wanderung auf die knapp 1600 Meter hohe Hochries oder 45 Minuten bis nach Brannenburg, von wo man in zwei Stunden den 1838 Meter hohen Gipfel des Wendelsteins erreichen kann, den Hausberg des Landkreises Rosenheim.

Wir bleiben aber nicht im bayrischen Voralpenland, denn heute wollen wir nicht nur die heimischen Blogs unter die Lupe nehmen sondern auch einmal einen Blick auf interessante amerikanische Raumfahrt-Weblogs werfen.

Wie es sich im Blog-Teleskop eingebürgert hat, ist auch bei meiner Auswahl und den dazugehörigen Kommentaren keinerlei Objektivität zu erwarten. Protest ist somit zwecklos. Reinklicken in die Links lohnt sich aber immer. Tipps und Hinweise zu weiteren interessanten Blogs der Raumfahrt- und Astronomie-Szene sind willkommen. Korrekturen auch, die werde ich dann gleich einbauen. 

US Space Blogs

Eine wichtige Quelle für die Einschätzung politischer Richtungsänderungen in der Raumfahrt-Politik ist der Weltraum-Politik Blog des renommierten Kommentators Jeff Foust. Viele Berichterstatter der US-Medien beziehen sich auf ihn. Jeff Foust betreibt noch einen weiteren Blog über Private Raumfahrt, und den "The Space Review", der eher eine Art Internet-Raumfahrt-Wochenjournal ist. Auf das sich aber wiederum viele Blogger beziehen, denn hier schreiben neben Jeff Foust selbst weitere namhafte Autoren zu aktuellen Themen. Mit Spacetoday.net hat er schließlich noch ein weiteres Produkt geschaffen, das als Hilfsmittel für die Space-Blogger-Szene kaum noch wegzudenken ist.

Gleiches gilt für den Blog von Alan Boyle von MSNBC. Fundierte Meinung, fundiertes Wissen und interessante Beiträge. Ein sehr dauerhafter Blog übrigens, er läuft bereits seit Anfang 2002. In diesem Monat beschäftigt er sich mit einer weiten Themenpalette. Angefangen vom Large Hadron Collider (Big Day set for Big Bang Machine), über ein Interview mit dem Apollo 11 Astronauten Edwin Aldrin, dem (The latest Buzz from Space) bis hin zu aktuellen Beobachtungen des Hubble Space Telescopes (How stars get stolen).

Sehr interessant und auf hohem Niveau auch der Raumfahrtblog (immer wieder auch mal mit einem Luftfahrtthema gespickt) des New Scientist, der von mehreren Autoren betreut wird. Mir gefällt hier gut, dass da gelegentlich auch mal nur drauflosspekuliert wird, allerdings immer auf Basis der Möglichkeiten. Das macht viele Diskussion so richtig reizvoll. Erst letzthin, beim erneuten Fehlstart der Falcon 1 von SpaceX zeigte sich Henry Spencer verblüffend treffsicher in seiner Analyse (Why did the latest Falcon 1 rocket fail), in dem er bereits zwei Tage vor Elon Musks offizieller Begründung korrekt die richtige Fehlerursache vermutete.

Darüber staunte auch Rand Simberg, selbst bekannter Blogger mit seinen "Transterrestrial Musings": "That was quick – Henry Spencer got it right".

Eine Beobachtung, die ich immer wieder mache: Die Space-Blogszene in den USA, obwohl es dort ungleich mehr Blogs gibt als hierzulande, ist eine große Familie. Einer profitiert vom anderen, einer zitiert den anderen und bei wichtigen Themen ziehen alle am gleichen Strick, was die meinungsbildende Wirkung deutlich verstärkt. Das wäre hierzulande gerade bei wichtigen Themen auch wünschenswert. Und damit sind wir angekommen, in der…

Deutschsprachige Szene

Maria Pflug-Hofmayr, die Wiener Spezialistin für "eh fast alles" mit ihrem "Metaphysik-Blog" urlaubt derzeit in Irland, und nimmt die Schönheiten der grünen Insel und ihre Beiträge zur Entwicklung der Astronomie unter die Lupe: Gedanken über Irland  

Ludmilla Carones "Hinterm Mond gleich links" Blog würde ich schon deswegen lesen, weil ihr Name klingt wie der einer venezianische Kriminalkommissarin aus einem Roman von Donna Leon. Sie beleuchtet die Einstellung der geplanten deutschen Mondorbit-Mission LEO in ihrem Beitrag "LEO ist tot. Es lebe LEO!" , erzählt "Eine kurze Geschichte der Planetenentstehung" und ist "Auf der Suche nach der Schwere des Seins". Ihre Themen stellt sie dabei so unterhaltsam mit Humor, Witz und einer sehr individuellen Wortwahl vor, dass sie ohne weiteres auch als Ferienlektüre am Strand von Cavallino einsetzbar sind. Und von da wäre es dann auch bis zu Donna Leons Venedig nicht mehr weit.

Michael Khan ist der Herbert Wehner unter den deutschen Space-Bloggern. Schreibt selbst durchaus unterhaltsam und macht auf Ereignisse und Aspekte aufmerksam, die in den Medien meist sang- und klanglos untergehen, wie letzthin in seinem Beitrag Phobos in Großaufnahme die Serie naher Vorbeiflüge der Raumsonde Mars-Express am inneren der beiden Marsmonde.  Er ist aber auch wegen seiner unerbittlichen (na gut: kritischen) Kommentierung der Beiträge anderer Blogger und Kommentatoren von hohem Nährwert. Wer sowas mag, dem sei die Newsgroup de.sci.raumfahrt empfohlen, in der er regelmäßig kommentiert. Oder lesen Sie einfach meinen Kosmolog-Beitrag "Deutschland an Mond: Wir kommen…nicht". Nicht den Beitrag. Die Kommentare.

Jan Hattenbach von den Kosmologs ist jetzt wieder dauerhaft im Lande, was bedeutet, dass wir seine interessanten Reisereportagen für die absehbare Zukunft vermissen werden. Meine Favoriten waren hier die beiden Stories über den Meteoritenkrater von Carancas, die sie hier und hier finden.  Sein aktueller Beitrag behandelt unter anderem die hierzulande nur sehr mäßig wahrnehmbare partielle Sonnenfinsternis.

Während Jan Hattenbach in Deutschland von der Sonnenfinsternis so gut wie nichts gesehen und jetzt dafür auf das Perseiden-Maximum freut, flog Susanne Hofmann mit 150 Jugendlichen nach Novosibirsk und hatte dort SoFi total und das bei bestem Wetter. Ihr Bericht heißt "Sibirische Sonnenfinsternis" 

Blog-Teleskop Gründer Florian Freistetter ist ein ausgesprochener Vielschreiber und beschäftigte sich die letzten Tagen in seinem Blog "Astrodicticum Simplex" mit dem Themea Zeitreisen, ging der Frage nach, ob die amerikanische Marssonde Phoenix Leben auf dem Roten Planeten entdeckt hat, beschäftigte sich, wie so mancher andere in der Szene auch mit dem Large Hadron Collider. Er bestätigt: Kein Weltuntergang: LHC ist sicher! und freute sich mit Martin Netopil darüber, dass Österreich jetzt ESO-Mitglied ist.

Andreas Müller schließlich nimmt uns mit auf eine Zeitreise. Er schildert, was sich so auf der Erde tat, seit sich vor 26.000 Jahren im Zentrum unserer Milchstraße einige Photönchen auf dem Weg zu unserem etwas abseits gelegenen Spiralarm machten und ihre Reise in unseren Tagen in einem irdischen Teleskop beenden. Dieser originelle Beitrag ist der Wunsch eines Kosmolog-Lesers und auch irgendwo ein Beitrag zum Thema Urlaub und Verreisen.

Zum Abschluss noch ein Blick zu einigen anderen interessanten Blogs:

Der Blick über den Zaun

Parasiten sind ein spannendes Thema wie Lars Fischer in seinem Fischblog meint. Schon zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen beschäftigt er sich mit diesen freundlichen kleinen Lebewesen und kommt zu einem überraschenden Schluss: Parasiten sind für ein Ökosystem von großer Bedeutung für die Bestandsregulierung.  Aber sie mögen keine Aliens und denken deshalb nicht daran, auch deren Bestände zu regulieren. Übrigens: Auch meine nächste Heizölbestellung werde ich nicht machen, ohne vorher Lars Fischer konsultiert zu haben.

Christian Wolf fragt in den Brainlogs wozu wir eigentlich Bewusstsein benötigen? Die Fragestellung löst eine lebhafte Diskussion in seinem Blog aus. Vielleicht wollen Sie sich auch daran beteiligen.

Wollen Sie einmal selbst eine mehr oder weniger wissenschaftliche Versuchsreihe durchführen? Das ist ganz lustig und geht auch im Urlaub prima. Zuvor aber müssen Sie Christian Hoppes Beitrag über Chinesische Parkengel und Vierfeldertafeln lesen. Ebenfalls in den Brainlogs veröffentlicht.

Für mich persönlich der beste Non-Space Beitrag der vergangenen zwei Wochen ist Werner Großes Erkenntnis, dass das „Bild der Zukunft meist linear ist“, ist.  Wie bei jeder guten Erkenntnis ist es auch hier so, dass wir es doch irgendwie schon immer gewusst haben. Nur haben es halt nicht so überzeugend aufgeschrieben wie Werner Große.

Mit dieser Erkenntnis will ich es heute bewenden lassen und gebe den Staffelstab zum Blog-Teleskop #7 weiter. Oder  #7A? Oder vielleicht sogar #7B?.

Ich bin Raumfahrt-Fan seit frühester Kindheit. Mein Schlüsselerlebnis 1963. Ich lag mit Masern im Bett. Und im Fernsehen kam eine Sendung über Scott Carpenters Mercury-Raumflug. Dazu der Kommentar von Wolf Mittler, dem Stammvater der TV-Raumfahrt-Berichterstattung. Heute bin ich im "Brotberuf" bei Airbus Safran Launchers in München im Bereich Träger- und Satellitenantriebe an einer Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Technik tätig. Daneben schreibe ich für Print- und Onlinemedien, u.a. für Astronomie Heute, Raumfahrt Concret und vor allem für mein eigenes Portal, "Der Orion", das ich zusammen mit meinen Freundinnen Maria Pflug-Hofmayr und Monika Fischer betreibe. Ich trete in Rundfunk und Fernsehen auf, bin Verfasser und Mitherausgeber des seit 13 Jahren erscheinenden Raumfahrt-Jahrbuches des Vereins zur Förderung der Raumfahrt (VFR). Aktuell erschien in diesen Tagen beim Motorbuch-Verlag "N1 - Moskaus Mondrakete". Bei diesem Verlag sind in der Zwischenzeit insgesamt 16 Bücher von mir erschienen, zwei davon werden inzwischen auch in den USA verlegt. Daneben halte ich etwa 20 mal im Jahr Vorträge bei den verschiedensten Institutionen im In- und Ausland. Mein Leitmotiv stammt von Antoine de Saint Exupery: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge zu verteilen und Arbeit zu vergeben, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten unendlichen Meer. In diesem Sinne: Ad Astra

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Herbert Wehner …

    Da Herbert Wehner – was den nicht mehr so ganz jungen unter uns noch lebhaft in Erinnerung sein duerfte – fuer seine unsachlichen und persoenlichen Ausfaelle beruechtigt und gefuerchtet war, nehme ich den Vergleich mit nun gerade diesem Manne durchaus uebel.

    Ich bin mir keiner Stelle bewusst, an der ich ausfallend geworden waere. Man moege mich auf die Stelle hinweisen, bei der mir hier so etwas unterlaufen sein sollte.

    Ich denke, man sollte inhaltliche Anmerkungen zu eigenen Blog-Artikeln verkraften koennen, selbst wenn es mal Unterschiede in den Meinungen gibt. Auf diese Anmerkungen nicht einzugehen und es dann dem anderen „heimzuzahlen“. Ein Blog dient der Kommunikation, und diese beinhaltet nun auch einmal ein gewisses Mass an Auseinandersetzung.

    Ein Blog-Artikel, der auf keinerlei kontraere Meinung stoesst, erzaehlt auch niemandem etwas Neues oder ist viel zu beliebig. Wichtig ist natuerlich schon, dass auf eine kontraere Meinung angemessen reagiert, etwa durch weitere Information oder Belege. Aber nicht so.

    Die Newsgroup, auf die hier Bezug genommen wird, heisst auch nicht „der Keiler“, sondern es handelt sich um die in der de.sci.*-Hierarchie angeordnete de.sci.raumfahrt.

  2. Herbert Wehner

    Der von mir außerordentlich geschätzte Herbert Wehner war ein Politiker, wie man ihn sich heute, in den Tagen der glatt gebügelten Politiker-Statements ohne Ecken, Kanten (und wirkliche Aussagen) nur wünschen könnte. Ich habe mir, wenn ich mich recht entsinne, seit seinen Tagen (und den von FJS) nie wieder eine Bundestagsdebatte im Fernsehen angeschaut. Und am Ende erinnerte sich sogar Ernst Dieter Lueg wehmütig an ihn.

  3. Herbert Wehner war in der Tat ein bemerkenswerter Politiker. Und es ist nicht so, daß es heutzutage nicht mehr solche Typen gäbe, sie setzen sich in diesem politischem System nur nicht mehr durch. Wer so Ecken und Kanten hat macht sich schnell angreifbar und wird ausgeschaltet. Oben stehen dann Menschen mit aerodynamisch, schwammigen Profil mit Sonnenscheinlächeln für die Kamera, die nur auf Fehler der Konkurrenten warten, um sie auszunutzen. Sie sind also optimal dazu geeignet sich im politischen System durchzusetzen, aber ob diese Eigenschaften einen guten Politiker ausmachen?

    Von daher kann ich die Reaktion von Herrn Khan nicht ganz nachvollziehen. Ich habe das nämlich auch nur als Kompliment verstanden.

  4. Herbert Wehner

    Wie gesagt, Herbert Wehner war in seiner Zeit als Politiker weithin gefuerchtet, nicht zuletzt wegen seiner Tiraden und unsachlichen persoenlichen Ausfaelle.

    Auf die politischen Ansichten und sicher auch Verdienste und die Ecken und Kanten, die ein langes, nicht geradliniges und bei sicher nicht immer einfaches Leben hinterlassen haben, will ich nicht eingehen, denn die haben wohl mit dem gegebenen Vergleich nichts zu tun.

    Ich nehme an, hier ging es allein um den Diskussionsstil. Wuerde sich irgendjemand Wehners Stils befleissigen -ich denke wirklich nicht, dass das der Diskussionskultur im Allgemeinen und diesem Blog im besonderen zugute kaeme.

    Diskutieren, ja, jederzeit. Ich schaetze gerade die Diskussionen in diesem Blog. Aber ich schaetze sie vor allem deswegen, weil sie viel gesitteter zugehen als der Stil, der Herbert Wehner auszeichnete. Und daran sollten wir auch nichts aendern.

    Ich hoffe, hiermit koennen wir diesen Punkt zu den Akten legen und ueber das reden, was Hauptthema der Kosmologs ist: Astronomie und Raumfahrt.

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