Zwölf Bilder aus dem Leben einer Doktorandin

Als ich heute morgen das Hashtag #12von12 entdeckte und was es damit auf sich hatte dachte ich mir erst „Och, nett“ und legte das Telefon wieder beiseite. Dann aber dachte ich mir: „Wieso verpacke ich nicht all das was mir am Tag so wiederfährt mal in einen Blogbeitrag und zeige mal mein verqueres Leben als Doktorandin in den letzten Zügen.“

Also fuhr ich los. Der Tag warf bereits seinen Schatten voraus.

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Wie unwissend ich war…

Als nächstes hielt ich noch kurz auf der Brücke an. Meine liebste Stelle bei der täglichen Fahrt zum Institut. Rechts über der Kirche müsste man eigentlich das Schloss sehen, doch morgens kommt das Licht von der falschen Seite und so kann man es kaum erkennen. Ja, dort neben dem weißen Fleck, dort müsse es eigentlich sein.

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Dann ging es weiter mit dem, was ich jetzt fast täglich tue. Ich komme ins Institut, setze mich an den Rechner und schreibe. Schreiben ist in diesem Fall nicht wörtlich gemeint. Heute habe ich begonnen, Results und Discussion in ein gemeinsames Dokument zu verarbeiten. Ich hatte beides – Bequemlichkeit und Praktikabilitätshalber in zwei verschiedene Dokumente gesteckt. Auch Introduction und Material&Methodenteil befinden sich noch in einer jeweils eigenen Datei. Also pflegte ich dies heute ein, dann machte ich noch zwei Termine fest, erledigte hier und dort ein bisschen Kleinkram und wunderte mich über dieses:

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Ein Zellinkubator der nicht gut Englisch spricht. Offenbar ein recht neuer. Man darf gespannt sein wie lange er da noch steht.

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Hier seht ihr den Nachtisch heute Mittag, einen Kuchen den die Praktikantin gebacken hatte. Doktoranden sind ständig hungrig und Praktikanten werden gerne so lange gepiesackt damit sie welchen Backen. Zum Glück versteht sie den Spaß und sie ist eine tolle und kluge Praktikantin die ihren Job gerne macht. Also, den im Labor. Backen kann sie auch toll, aber natürlich ist das nicht ihr Job.

Nach dem Mittagessen wollte ich endlich noch eine Sache abschließen die schon lange vor sich hin dümpelte. Es war wie verhext. Ich wollte einen schon lange etablierten Versuch noch einmal mit einem anderen Antikörper nachweisen. Ich wusste, dass es funktioniert, aber es war der Wurm drin. Zunächst benutzte ich aus Gewohnheit den falschen Antikörper, als ich es dann nochmal mit dem richtigen versuchte funktionierte es nicht mehr. Beim zweiten Mal hatte die Azubi die Proben in falscher Reihung aufgetragen. Eventuell hatte ich ihr sie auch so hingestellt. Beim dritten Mal hatte die Azubi Probleme mit dem detektieren des Proteins, beim vierten Mal hatte ich kein Protein mehr im Gel, beim fünften Mal gab es kaum Signal.

Obwohl ich meinem Kollegen eben jenes Problem bereits geschildert hatte, eben dass es öfter kein Signal gab, befassten wir uns erst heute so richtig damit, als es bei ihm auch so war. Oft weiß man in der Wissenschaft nicht wieso etwas nicht funktioniert. Momentan glauben wir, es könne am Puffer, der Waschflüssigkeit, liegen.

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Während ich die neuen Blots entwickelte kam meine Kollegin und meinte, auf der Baustelle sei was passiert. Voyeuristisch wie ich bin ging ich mit ihr hin. Baustellen direkt an meinem Institut begleiten mich schon seit Beginn meiner Doktorarbeit. Zuerst wurde der Hubschrauber-Landeplatz durch einen Parkplatz ersetzt. Dann wurde das alte Maushaus gegenüber abgebaut, dann neu aufgebaut. Beireits währendessen wurde die neue Pathologie gebaut und seit Ende letzten Jahres bauen sie dort wo es auf dem Bild zu sehen ist die neue Radiologie. Früher war dort ein Unigebäude. Anscheinend hatte sich ein Arbeiter verletzt und es dauerte etwas mit der „Bergung“. Was genau geschah konnte man nicht beobachten und hätte ich hier auch nicht gezeigt. Ich hoffe auf jeden Fall dass es der Person gut geht. Weshalb gleich drei mal Feuerwehr und zwei mal Krankenwagen kamen weiß ich aber nicht.

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Dann war ich also in der Dunkelkammer. Wir arbeiten dort mit lichtsensitiven Röntgenfilmen, daher gibt es da Rotlichtlampen. Wieviel Zeit ich wohl in diesem – im Sommer sehr warmen – Raum verbracht habe? Hier wird alles entschieden. Hier weiß man nach zwei Tagen oder manchmal auch zwei Wochen ob etwas geklappt hat. Es ist immer spannend. Hier wird geflucht und gejubelt, hier wird diskutiert, hier wird vor Frust gegen die Wand gehauen. Im kleinen, rein wissenschaftlichen Rotlichtmilie geht es eher emotional zu als rational.

Und diesmal hatte ich endlich Glück.

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Hier seht ihr meinen derzeitigen Arbeitsplatz.

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Diese Ordner sind voller Blots, FACS-Analysen und Literatur. Im unteren Fach links seht ihr die meine Laborbücher. Leider nicht alle davon, eins liegt gerade nicht sichtbar auf dem Tisch. Und ja, auf den Bildschirmen seht ihr auch Twitter. Aber links seht ihr einen Teil der Diskussion und wenn man genau hinsieht die gerade eingefügten Feldfunktionen. Und Seifenblasen. Seifenblasen sind wichtig.

Ich machte mich dann auf zum Burger essen mit einer Freundin. Ich finde es immer sehr lustig, wenn ich an Wänden Inschriften finden. Ich versuche dann, sie in verschiedene Richtungen zu deuten.

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Darüber dürft ihr selber nachdenken. Ist es feministisch? Maskulinistisch? Oben sieht man leicht angedeutet das Wort „Sexism“. Hm.

Während wir auf unsere Reservierung warteten schlenderten wir zu alten Brücke.

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Solche Sonnenuntergänge sind uns Heidelbergern öfter vergönnt.

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Dann gab es endlich Burger. Es war komisch. Meine Freundin und ich kennen uns durch einen Menschen, der heute starb. Terry Pratchett. Terry Pratchett, der Fantasy-Autor dessen Figur Adora Belle meinem Twitter-Ich seinen Namen gibt, erkrankte vor einiger Zeit an Alzheimer. Dieser Mensch hat viel Freude, viel Nachdenklichkeit und noch mehr Freude in mein Leben gebracht. Er war mir immer eine große Inspiration gewesen und ja, ich musste weinen als ich es las. Ich musste auch später noch einmal weinen. Niemand verstand die Menschen so gut wie er und konnte sie dann so ins absurde verdrehen. Ich habe durch seine Bücher so viele tolle Menschen kennengelernt, so viele gute Freunde gefunden. Wenig Menschen haben mein Leben so verändert wie er.

Ich kann nur sagen: Danke, Sir Terry Pratchett.

Here’s to you, Sir Terry. I hope someone made you a ham sandwich.

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Anna Müllner

Veröffentlicht von

zellmedien.de

Mein Name ist Anna Müllner, ich bin Biologin und habe in der Krebsforschung promoviert. Ich wohne im schönen Hessen und bin als PR-Beraterin für Gesundheitskommunikation tätig. Nach meinem Abitur beschloss ich Biologie zu studieren. Das tat ich zunächst an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die weder in Bonn ist, noch am Rhein. Aber einer der drei Campusse liegt wirklich an der Sieg. Das letzte Jahr dieses Studiums verbrachte ich in Schottland, an der Robert-Gordon University of Aberdeen wo ich ein bisschen in die Biomedizin und die Forensik schnuppern durfte. Danach entschied ich mich für ein Masterstudium an der Universität Heidelberg in Molekularer Biotechnologie was ich mit der Promotion fortsetzte.

4 Kommentare

  1. ACH CRIVENS!!!!!!!!

    We’ll never find out the sex of the Turtle now. He made the world better. “Because no man wants to be a coward in front of a cheese.”

  2. Super Sache, tolle Idee, das mit den 12von12 – das könnten wir glatt mal zu einem Thema für ein Bloggewitter erheben! Dann hätten unsere “Tagebücher der Wissenschaft” endlich mal ihre ursprünglichste Beschreibung erfüllt.

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