Warum wir eine Studie zu Racial Profiling bei der Polizei brauchen

Heute wird die Bundestagspetition 113349 geschlossen, die eine Studie zu Racial Profiling bei der Polizei fordert. Sie erreichte die notwendigen 50.000 Stimmen und wird nun vom Petitionsausschuss des Bundestages angeschaut1. Das Innenministerium hatte zwar bereits im Juni eine Studie zu Racial Profiling bei der Polizei angekündigt, doch die sagte Innenminister Seehofer im Juli überraschend wieder ab mit der Begründung, dass Racial Profiling illegal sei und deshalb in der Polizeiarbeit nicht vorkomme.

Wie kann er wissen, dass Racial Profiling bei der Polizei nicht vorkommt, wenn er es nicht untersucht hat?

Einige Bundestagsabgeordnete hatten die Bundesregierung im Mai 2019 gefragt, wie viele Beschwerden wegen Racial Profiling bei der Bundespolizei im Jahr 2018 eingegangen sind. Die Bundespolizei registrierte von Januar 2018 bis April 2019 nur 58 Beschwerden wegen Racial Profiling [1]. Die niedrige Zahl der Beschwerden ist kein Anhaltspunkt dafür, dass Racial Profiling bei der Bundespolizei kaum vorkommt, sondern deutet auf ein strukturelles Problem der Polizei hin: Es gibt kaum unabhängige Beschwerdestellen. Betroffene müssen ihre Beschwerden über die Polizei bei der Polizei einreichen. Das führt oft zu Gegenanzeigen. Der Gerichtsprozess ist wiederum teuer und wenig erfolgversprechend.

Dieses strukturelle Problem kann auch mit einem anderen strukturellen Problem verknüpft sein: die Kennzeichnung von Polizisten bspw. durch Namensschilder oder eine sichtbare Dienstnummer. Wenn Polizisten z. B. bei einer Black Lives Matter-Demo Gewalt gegen Demonstranten ausüben, die Betroffene als übermäßig oder rechtswidrig beurteilen, dann kann dieser Einsatz übermäßiger Gewalt nur verfolgt werden, wenn die Identität der Polizisten feststellbar ist. So ist in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen die Kennzeichnung vorgesehen. In Nordrhein-Westfalen wurde Ende 2016 eine Kennzeichnungspflicht eingeführt, allerdings bereits ein Jahr später von der neuen Landesregierung wieder abgeschafft. Auch auf Bundesebene konnte sich die Kennzeichnungspflicht nicht durchsetzen.

Demonstranten bei einem Marsch gegen Racial Profiling in New York, 17. 6.2012

Seehofers Absage hat viele Schwarze in Deutschland vor den Kopf gestoßen, weil sie schon Racial Profiling durch die Polizei im Verkehr, im Park, am Bahnhof oder im Zug erlebt haben. Eine repräsentative EU-Umfrage aus dem Jahr 2017 zeigt, dass 14 Prozent der Schwarzen in Deutschland in den vorangegangenen fünf Jahren Racial Profiling erlebt haben [2].

Aktuelle Daten dazu wird in Zukunft wahrscheinlich die Umfrage Afrozensus liefern, die auch die Diskriminierungserfahrungen schwarzer Menschen in Deutschland erfasst und als Panelstudie angelegt ist. Dabei werden dieselben Untersuchungseinheiten (z. B. Personen, Haushalte) mehrfach (z. B. jährlich oder zweijährlich) zu den gleichen Themen befragt. Auf der Basis der Ergebnisse des Afrozensus werden konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, um rassistische Diskriminierung abzubauen und Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland zu schützen und zu fördern.

Die EU-Umfrage und der Afrozensus betrachten Racial Profiling aus der individuellen Perspektive der Opfer. Wichtig ist es, ergänzend, auch die strukturelle Ebene der staatlichen Institution Polizei zu betrachten und zum Beispiel mit einer kleinen Studie zu den 58 Beschwerden über Racial Profiling bei der Bundespolizei anzufangen. 51 Beschwerden wurden als unbegründet zurückgewiesen. Eine Beschwerde wurde als begründet und eine Beschwerde als teilweise begründet bewertet. Bei fünf Beschwerden weiß ich nicht, ob die Prüfung endgültig abgeschlossen ist.

Weiterhin dürfen wir nicht vergessen, dass Racial Profiling auch der Polizei schadet, wenn Teile der Bevölkerung nicht mehr darauf vertrauen, von der Polizei fair behandelt zu werden. Diskriminierungsfreie Polizeiarbeit muss daher auch ein staatliches Interesse sein, dem sich die Bundespolizei und die Landespolizeibehörden der Länder annehmen müssen. Es ist daher zu begrüßen, sollte aber eigentlich selbstverständlich sein, dass Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius eine Studie zu Racial Profiling bei der Polizei in Zusammenarbeit mit anderen Bundesländern organisieren will. “Ich rede lieber über Fakten und Erkenntnisse als über Bauchgefühl”, sagte er dem NDR Regionalmagazin hallo Niedersachsen. “Deshalb ist eine Studie sinnvoll, um zu zeigen, wodurch Racial Profiling entsteht und wie groß das Problem ist.” Bisher hat er leider noch keinen seiner Länderkollegen überzeugen können, im Gegenteil die Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, Lorenz Caffler und Michael Stübgen haben ihm bereits eine Absage erteilt. Der hessische Innenminister Peter Beuth hätte sich als Erster zur Mitarbeit melden sollen, da der NSU 2.0-Skandal gezeigt hat, dass die Landespolizei Hessen Rechtsextreme in den eigenen Reihen hat. Hessische Ermittler haben laut WDR und SZ Polizisten in Hamburg und Berlin befragt. Sie sollen ohne dienstlichen Grund die Daten einer Journalistin und einer Künstlerin abgefragt haben, die “NSU 2.0”-Drohbriefe erhalten hatten. Beuth sieht die Defizite jedoch nicht in der Polizei in Hessen an sich, sondern in der Informationsweitergabe und im Meldewesen der Polizei. Es fehlt also nicht nur bei Seehofer der politische Wille, die Polizeiarbeit zu verbessern. Ein Armutszeugnis für die deutschen Innenminister der Länder. Es bedeutet nämlich, dass der präventive Schutz von Menschenrechten in Deutschland davon abhängt, wer ein politisches Amt bekleidet und die Institution Polizei in dieser Hinsicht ziemlich schwach aufgestellt ist. Die EU hat die Mitgliedstaaten zum Kampf gegen Rassismus in Polizeibehörden aufgefordert und einen Aktionsplan gegen Rassismus vorgestellt.

Was die deutsche Polizei von der amerikanischen Polizei lernen kann

Eine Studie aus den USA zeigt, dass bei Verkehrskontrollen Polizisten die Autos von Schwarzen häufiger durchsuchen als die Autos von Weißen.

Die Forscher Cheryl Phillips und Sharad Goel von der Universität Stanford sowie Ravi Shroff von der Universität New York analysierten dafür 95 Millionen Protokolle von Verkehrskontrollen, die städtische und bundesstaatliche Polizisten im Zeitraum 2011 bis 2018 machten.

“Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Polizeikontrollen und Durchsuchungen unter einer anhaltenden rassistischen Voreingenommenheit durchgeführt werden, und weisen auf den Wert von politischen Eingriffen hin, um diese Ungleichheiten abzuschwächen”, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour [3].

Das interdisziplinäre Forscherteam arbeitete fünf Jahre an der Studie. Cheryl Phillips ist Professorin für Journalismus. Ihre Doktoranden bekamen die Rohdaten für die Studie, indem sie öffentlich verfügbare Behördendaten bei der Polizei anfragten. Ähnlich wie das Informationsfreiheitsgesetz in Deutschland einen Anspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen schafft. Sharad Goel ist Professor für wissenschaftliche Betriebsführung und Ingenieurwesen. Sein Informatikteam hat die Daten in einer Datenbank strukturiert. Ravi Shroff ist Professor für angewandte Statistik. Seine Statistiker analysierten die Daten2.

Nachdem die Datenbank aufgesetzt war, begann Phillips das Stanford Open Policing Project (SOP), das die Daten investigativen Journalisten und Datenjournalisten zur Verfügung stellte. Parallel dazu hielt sie für rund 200 Journalisten Workshops ab, um ihnen zu zeigen, wie sie die Daten für ihre lokalen Geschichten nutzen können.

Das SOP half Reportern der gemeinnützigen Nachrichtenorganisation Investigate West in Seattle, Bundesstaat Washington, die Muster in den Daten zu verstehen, die eine Voreingenommenheit bei der polizeilichen Durchsuchung von amerikanischen Ureinwohnern zeigen. Diese Berichterstattung veranlasste die Polizei des Bundesstaats Washington, ihre Durchsuchungspraxis zu überprüfen und die Polizisten bei der Ausbildung zu sensibilisieren. In ähnlicher Weise halfen die Forscher Journalisten der Los Angeles Times bei der Analyse von Daten, aus denen hervorging, dass die Polizei Autofahrer, die einer Minderheit angehörten, weit häufiger durchsuchte als Weiße. Daraus ergab sich eine Geschichte, die Teil einer Serie investigativer Berichte wurde, die zu Veränderungen in der polizeilichen Arbeit in Los Angeles führte.

Was ist bereits in Deutschland geschehen?

In NRW hat die Polizei das Thema “Ethnic Profiling” 2018 in die Ausbildung aufgenommen. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es wäre gut, wenn auch andere Bundesländer nachziehen.

Update 18.09.2020
Der aktuelle Chef der Innenministerkonferenz, Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD), sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag): “Die SPD-Innenminister sind sich einig, dass sie eine Studie zum Vorwurf des Rassismus in der Polizei durchführen wollen – und das notfalls auch allein. Die schiere Zahl von Einzelfällen wird langsam mal zu viel.”

Fußnoten

1. Ich hoffe, dass der Petitionsausschuss die Petition öffentlich beraten wird. Circa vier Mal im Jahr führt der Petitionsausschuss öffentliche Beratungen durch. Im Regelfall werden in jeder dieser Sitzungen drei Eingaben erörtert. Der Petent wird zu dieser Beratung eingeladen und darf sein Anliegen persönlich vor den Abgeordneten des Petitionsausschusses vertreten und mit ihnen erörtern. Für Rückfragen ist regelmäßig auch die politische Ebene des zuständigen Ressorts der Bundesregierung anwesend. Bei der Auswahl – welche Petitionen beraten werden sollen – kann sowohl die Zahl der Unterstützer als auch die politische Aktualität des Themas ausschlaggebend sein. In nicht öffentlicher Sitzung tagt der Ausschuss grundsätzlich an jedem Mittwoch einer Sitzungswoche, Beginn jeweils 08:00 Uhr. Mitglieder des Petitionsausschuss

2. Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass je dunkler der Himmel war, desto unwahrscheinlicher war es, dass ein schwarzer Fahrer angehalten wurde. Das Gegenteil war der Fall, wenn der Himmel heller wurde. Meine Vermutung ist, dass je besser der Autofahrer als schwarz identifiziert werden kann, desto eher wird er angehalten. Zunächst schränkten die Forscher die Anzahl der Variablen ein, die sie analysieren mussten, indem sie eine bestimmte Tageszeit wählten – gegen 19 Uhr – zu der die wahrscheinlichen Ursachen für einen Stopp mehr oder weniger konstant waren. Als Nächstes machten sie sich die Tatsache zunutze, dass der Himmel in den Monaten vor und nach der Sommerzeit jedes Jahr von Tag zu Tag ein wenig dunkler oder heller wird. Da sie über eine umfangreiche Datenbank verfügten, konnten die Forscher 113.000 Verkehrskontrollen aus allen Orten in ihrer Datenbank finden, die an diesen Tagen vor oder nach dem Vor- oder Zurückspringen der Uhren auftraten, wenn der Himmel gegen 19 Uhr Ortszeit dunkler oder heller wurde.

Weiterführende Literatur

[1]. Bundesdrucksache 19/10065, S.7; IDA e.V. (2018): “Racial Profiling im Visier-Rassismus bei der Polizei, Folgen und Interventionsmöglichkeiten”, S. 5;

[2]. Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (2017): “Second European Union Minorities and Discrimination Survey”, S. 70

[3]. Emma Pierson, Camelia Simoiu, Jan Overgoor, Sam Corbett-Davies, Daniel Jenson, Amy Shoemaker, Vignesh Ramachandran, Phoebe Barghouty, Cheryl Phillips, Ravi Shroff, Sharad Goel. (2020) A large-scale analysis of racial disparities in police stops across the United States. Nature Human Behaviour, 4, 736-745. DOI: 10.1038/s41562-020-0858-1

NSU 2.0: Nicht nur Hessen: Es wird intern auch bei der Polizei in Hamburg und Berlin ermittelt

Polizei in NRW: Rechtsextreme Chatgruppen aufgeflogen

Polizeigewalt gegen Schwarze als Problem der öffentlichen Gesundheit in den USA

Joe Dramiga

Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

18 Kommentare

  1. “Das Innenministerium hatte zwar bereits im Juni eine Studie zu Racial Profiling bei der Polizei angekündigt, doch die sagte Innenminister Seehofer im Juli überraschend wieder ab mit der Begründung, dass Racial Profiling illegal sei und deshalb in der Polizeiarbeit nicht vorkomme.”

    50.000 Verschwörungstheoretiker behaupten jetzt also, das Innenmisister Seehofer ein Lügner ist? Das ist doch ein Missbrauch des Petitionsrechts.

  2. Bei allem relevanten Straftaten sind Ausländer drei-bis vier Mal häufiger Täter als Deutsche.

    Die Polizei wäre doch saudumm, wenn sie diese Tatsache nicht in ihre Ermittlungen einbeziehen würde!

    • Racial Profiling ist ein Elitenthema und in Deutschland irrelevant, Seehofer hat Recht mit der Ablehnung.
      Eine echte und handfeste Form der Benachteiligung Schwarzer und Anderer wird nie thematisiert (außer von Trump, bei dem es aber auch nur Lippenbekenntnisse waren).
      Aus vielen Armenvierteln der USA, zunehmend aber auch Europas, hat sich die Polzei weitgehend zurückgezogen und überläßt sie Kriminellen.
      Darufhin halten potenzielle Zeugen die Klappe und man unterstellt dem gesamten Viertel, daß sie quasi selber kriminell seien oder die Herrschaft der Kriminellen in Ordnung fänden.
      Tatsächlich bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, weil sie von der Exekutive nicht geschützt werden und abends wieder alleine sind mit den kriminellen Milieus, die die Viertel im Griff haben.
      Hier mischt sich Rassismus mit Armenverachtung und einer “Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn”-Haltung, ein unbequemes Thema und nichts, was sich medial vermarkten läßt.

  3. Weiterhin dürfen wir nicht vergessen, dass Racial Profiling auch der Polizei schadet, wenn Teile der Bevölkerung nicht mehr darauf vertrauen, von der Polizei fair behandelt zu werden.

    Laut Gallup-Umfragen in den USA ist das Ansehen der Polizei unter Schwarzen weiterhin sehr hoch.

    https://news.gallup.com/poll/316571/black-americans-police-retain-local-presence.aspx

    60% der Schwarzen wuenschen sich gleichbleibende und 20% sogar steigende Polizeipraesenz in ihrer Gegend. Nur 20% fordern weniger Praesenz. Letztere sind die, die den ganzen Tag CNN schauen. 😉

    Zwar behaupten weniger als 20% der befragten Schwarzen, dass sie bei einer tatsaechlichen Begegnung mit der Polizei eine wirklich faire Behandlung erwarten (bei Weissen 56% im Vergleich). Allerdings sind es selbst bei Asiaten nur 24%.

    Besonders relevant:

    Forty-five percent of Black Americans who report not being treated with courtesy or respect by the police within the past 12 months want less of a police presence in their neighborhood. Meanwhile, 55% want the same or more police presence.

    Das sind zwar die Ergebnisse aus den USA, und nicht Deutschland. Aber ich wuerde davon ausgehen, dass deutsche Polizisten ein sogar noch hoeheres Ansehen geniessen, da diese deutlich weniger aggressiv auftreten als amerikanische.

    • @Lars (Zitat):

      60% der Schwarzen wuenschen sich gleichbleibende und 20% sogar steigende Polizeipraesenz in ihrer Gegend.

      Frage: Was hat Polizeipräsenz mit Racial Profiling zu tun?
      Diskussionspunkt: Wie sollte man Racial Profiling definieren? Liegt Racial Profiling vor, wenn mehr Schwarze kontrolliert werden als ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht oder nur dann, wenn mehr Schwarze kontrolliert werden als ihrem Anteil an den begangen kriminellen Taten enspricht?

      • Frage: Was hat Polizeipräsenz mit Racial Profiling zu tun?

        Eine Menge, weil Polizeipraesenz in schwarzen Gegenden (in den metropolitan areas) hoeher ist und man dies als Vorbedingung sehen kann.

        Das andere ist eine gute Frage. Manche behaupten, dass racial profiling eine Antwort auf hoehere Kriminalitaetsraten bei Schwarzen ist. Andere behaupten, dass hoehere Polizeipraesenz diese erst hervorruft. Es gibt sogar die Behauptung, dass racial profiling (obwohl moralisch verwerflich) durch Einschuechterung die Kriminalitaetsrate senkt. Zumindest soll dies Teil der Politik Guilianis im New York der 90er gewesen sein.

  4. Frage: Ist eine Racial Profiling – Studie nötig oder kann man nicht bereits aus den vorliegenden Daten schliessen welche Rolle Racial Profiling spielt?
    Hintergrund: wenn Personen kontrolliert werden gibt es doch meist auch einen Polizeibericht darüber. Damit könnte eine simple Datenbankabfrage bereits beantworten ob Racial Profiling in Deutschland eine Rolle spielt und wie gross diese Rolle ist.

    Tendenziell führen Untersuchungen und Berichterstattungen zu Racial Profiling wohl zu einer erhöhten Kritik an der Polizei oder die Untersuchungen werden bereits darum durchgeführt um die Polizeigewalt stärker zu kontrollieren.
    In Seattle geschah genau das. Kritik an der Polizei führte zur Reduktion der Polizeistellen und die oberste Polizistin von Seattle, welche gerade eine Diversitätsstrategie in der Polizeirekrutierung eingeführt hatte, trat zurück. Zu lesen in Seattle police chief to resign after council slashes budget, approves officer cuts
    Weniger Polizei bedeutet aber nicht automatisch eine bessere Welt. Man kann sogar sagen: der einfachere, weniger wohlhabende Bürger ist mehr auf die Polizei als Schutzmacht angewiesen als der Reichere, den Reichere können sich eigenes Sicherheitspersonal leisten.

    • Weniger Polizei bedeutet aber nicht automatisch eine bessere Welt. Man kann sogar sagen: der einfachere, weniger wohlhabende Bürger ist mehr auf die Polizei als Schutzmacht angewiesen als der Reichere, den Reichere können sich eigenes Sicherheitspersonal leisten.

      Den Beweis dafuer hat das kurzlebige Kapitel von CHAZ (Capital Hill Autonomous Zone) geliefert. Das war der beruehmte Mikrostaat, der sich fuer einige Wochen von den USA unabhaengig gemacht hat und keine Polizei erlaubte. Der Guardian hat uns Mitte Juni noch das Narrativ geliefert von einer friedlichen Welt, aehnlich einer Woodstock-Kommune, in der endlich der Kapitalismus ueberwunden wurde (iPhones hatten sie aber noch).

      https://www.youtube.com/watch?v=hYlb06pLBMc

      Die utopischen und paradiesischen Zustaende hielten erwartungsgemaess nicht lange. Die Herrschaft des Gesetzes ist dem Recht des Staerkeren gewichen:

      https://www.youtube.com/watch?v=mpLANIpZxdU

  5. Es ist interessant, wie hier nur Weiße beurteilen, ob Racial Profiling bei der Polizei vorliegt oder nicht. „Es ist illegal, deshalb kommt es in der Polizeiarbeit nicht vor“- würde niemand illegale Sachen machen bräuchte man auch keine Polizei.

    • @Amelie: Ob Racial Profiling vorliegt zeigt doch bereits die Statistik, also die Anzahl der Polizeikontrollen bei Minderheiten im Vergleich zu allen Kontrollen. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit gibt es auch in Deutschland „Racial Profiling“ bis zu einem gewissen Grad. Es gibt aber nicht nur „Racial Profiling“, sondern wohl auch „Social Profiling“: Grossmuttis und Senioren überhaupt werden wohl weniger verdächtigt ernste Delikte zu begehen oder nur gerade für Delikte wie Autofahren bei Fahruntauglichkeit in Betracht gezogen.

      • Ergänzung: Gemäss verschiedener Erlebnisberichten Schwarzer in Deutschland gibt es Racial Profiling in Deutschland (z.B. hier). Racial Profiling ist Ausdruck von Rassismus bei Polizisten. Doch es ist wohl auch Ausdruck von Rassismus bei der deutschen Bevölkerung, denn warum sollten Polizisten von vornherein rassistischer sein als der Durchschnittsdeutsche. Wer Racial Profiling in der Polizei zurückdrängen will, der will wohl auch Rassismus in Deutschland zurückdrängen. Allerdings muss man sich gut überlegen wie viel man mit expliziten Massnahmen gegen Racial Profiling erreichen kann – denn Rassismus kennt viele Formen und hat seinen Platz in vielen Köpfen. Falls Massnahmen gegen Racial Profiling in der Polizei den Polizistenberuf aber weniger attraktiv machen, so hätten sie wohl nicht nur positive Auswirkungen. Wenn Amelie hier schreibt (Zitat):

        „Es ist illegal, deshalb kommt es in der Polizeiarbeit nicht vor“- würde niemand illegale Sachen machen bräuchte man auch keine Polizei.

        so sagt sie damit selbstverständliches. Es könnte durchaus sein, dass Seehofer das genau so sieht, aber dass er (also Seehofer) Schaden von der Polizei abwenden will.

  6. Eine Studie über Racial Profiling in Deutschland würde sicherlich viele unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht bringen. Etwa wieviel häufiger Racial Profiling in Ostdeutschland versus Westdeutschland ist oder ob es mehr Rassismus in Bayern als in Baden-Würtenberg gibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein genaues Wissen darüber gar nicht bei allen erwünscht ist.

  7. Besondere verdachtsabhängige oder verdachtsunabhängige Beobachtung seitens staatlich beauftragter Ordnungskräfte findet aus diesseitiger Sicht deshalb statt, weil statistisch begründet bei Einwanderern mit nicht immer klarer Staatsbürgerschaft mehr Verbrechen stattfindet, als bei sog. autochthonen Kräften.
    Dies liegt auch an der in der BRD, die, wie einige finden, antiselektiv und mengenmäßig unbegrenzt erscheinenden Einwanderung, erlaubt bis gewünscht erscheinend, wobei auch Recht (!) “ausgesetzt” (!) wird, Ausschaffungen nicht vollzogen werden, anscheinend hunderttausendfach, vergleiche :

    -> https://de.statista.com/statistik/daten/studie/671465/umfrage/ausreisepflichtige-auslaender-in-deutschland-nach-bundeslaendern/

    Es ist schon in die BRD eine ganze Menge Pack (‘Pack’ ist keine Beleidigung, gerne die diesbezügliche Begriffsgeschichte suchen, danke) eingewandert ist, das u.a. für gesellschaftlich besonders relevante sexuelle und politische Kriminalität verantwortlich ist.

    Das Schwein hat schon mit Kultur zu tun, kA, was ist hier los, soll das freundliche Empfängerland, Dr. ist kein Deutscher, auch kein “Doitscher”, hier besonders belangt werden, systemisch oder strukturell ?

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  8. Als Nächstes machten sie sich die Tatsache zunutze, dass der Himmel in den Monaten vor und nach der Sommerzeit jedes Jahr von Tag zu Tag ein wenig dunkler oder heller wird.

    Lyrik, dies war Lyrik, gell, Joe (Herr Dr. Joseph Dramiga, Dr. W, der selbst ein Mischling ist, mag auch Lyrik, mehr aber Joe, einstweilen, natürlich nur), ist der I, der zu D gehören soll, auch mittlerweile bei Ihnen als potenzielle Gefahr notiert?

    Möchten Sie darüber mal was sagen wollen?

    MFG
    Wb

  9. Hauptsache diese Studie wird “wissenschaftlicher” sein als die “Studie” zum “Rassismus im Kinderfernsehen”.

    Mal im Ernst: Soll eine solche Studie ihre Bewertung aus den Aussagen von “Betroffenen” aufbauen, oder werden auch “objektive” Kriterien und Kriterien gegen die Arbeitshypothese “racial pofiling” benutzt?

    Gruß
    Rudi Knoth

  10. Zitat Martin Holzherr:
    Ergänzung: Gemäss verschiedener Erlebnisberichten Schwarzer in Deutschland gibt es Racial Profiling in Deutschland (z.B. hier). Racial Profiling ist Ausdruck von Rassismus bei Polizisten. Doch es ist wohl auch Ausdruck von Rassismus bei der deutschen Bevölkerung, denn warum sollten Polizisten von vornherein rassistischer sein als der Durchschnittsdeutsche.

    Es dürfte schwierig sein, eine rassistische Lebenseinstellung bei Polizisten mit einer rassistischen Lebenseinstellung bei dem Rest der Bevölkerung aussagekräftig zu vergleichen. Man kann meiner Meinung nach glaubwürdig davon ausgehen, dass der Anteil der Rassisten bei Polizisten dem Anteil der Rassisten in der Bevölkerung entspricht. Denn die Hauptmotivationen, um den Polizistenberuf auszuwählen, hat wohl nichts mit dem Thema Rassismus zu tun, so daß man keinen höheren Anteil von Rassisten unter Polizisten vermuten darf als im Rest der Bevölkerung. Insofern stimme ich Ihre Überlegung zu: Warum sollten Polizisten rassistischer sein als der Durchschnittsdeutsche?

    Ein Vergleich ist auch deshalb sehr schwierig, weil Polizisten vom Beruf her überproportional in Situationen geraten wo man leicht rassistisch motivierte Handlungen in Verdacht haben kann, sprich Kontrolle und Verbeugung von Kriminalität bzw. Illegalität, womit der Rest der Bevölkerung wiederum strukturell nichts zu tun hat. Vermeintliche rassistische Handlungen von Polizisten und effektive rassistische Handlungen von anderen Bürgern spielen sich ja bei ganz verschiedenen Anlässen ab, und zwar bei der Bevölkerung in Situationen, die nicht mit Kriminalität oder Illegalität zu tun haben , sowie nicht so gut sichtbar sind und nicht dokumentiert werden können, wie zum Beispiel Rassismus von Arbeitsgebern bei der Arbeitssuche, Rassismus von Vermietern bei der Wohnungssuche, Rassimus zwischen Jugendlichen, usw.

    Eine Racial Profiling Studie kann meiner Meinung nach nicht differenzieren zwischen Polizisten, die im Leben wirklich rassistisch eingestellt sind und Polizisten, die nur ihrrn Job machen müssen: Kriminalität und Illegalität zu kontrollieren bzw. vorzubeugen. Man steckt ja nicht im Kopf der Polizisten.

    ——–
    NB: Hier ein persönliches Erlebnisbericht aus meiner privaten Homepage von schwarz/weiß Racial Profiling in Frankreich vor vielen Jahren, meine allererste und bis jetzt einzige Konfrontation mit polizeilicher Gewalt – Meine Schwester und ich können heute noch darüber lachen. 😉
    Erzählungen von Leben: Republikanisches

  11. Nur am Rande,
    ein deutsches Brüderpaar sieht nicht so aus, wie sich Hinz und Kunz einen Deutschen vorstellen. Und tatsächlich, wenn eine Schülergruppe herumsteht, dann werden just die Beiden von der Polizei zuerst untersucht. Das ist peinlich und beleidigend. (Mehrfach passiert)

    Genauso beleidigend ist es auch wenn der Begriff Polizei verallgemeinert wird, und jeder Polizist als potentieller Racist verdächtigt wird.
    Also , Augenmaß ist gefordert.
    Wer nach Autodieben sucht, der weiß, wo man die findet.
    Dazu muss man kein Profiler sein. (als Beispiel)

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