Erste Gedanken zur Grabung Richtplatz Alkersleben

BLOG: Abenteuer Geschichte – Archäologie unterm Galgen

Geköpft und mit Steinen beschwert – archäologische Spuren von Hinrichtungen und Abwehrzauber in Mittelalter und Neuzeit
Abenteuer Geschichte – Archäologie unterm Galgen

Nachdem die Grabung nun seit einer Woche beendet ist, an dieser Stelle erste Ergebnisse. Eine ausführliche Aufarbeitung erfolgt in den nächsten Wochen und die Resultate werden im zweiten Band der geplanten „Richtstättenarchäologie“ bzw. in der beilaufenden Dissertation veröffentlicht.

Die Fundsituation lässt zwei verschiedene Zeitepochen annehmen. Zum einen handelt es sich um eine sehr große, nur teilweise angeschnittene Steinpackung, die sich den Luftbildaufnahmen zur Folge über den Großteil des Galgenhügels zieht. Diese Pflasterung deutet auf die urgeschichtliche Nutzung des Hügels als Grabhügel hin. Eine präzise Einordnung wird die Sichtung der Keramik ergeben. Zum andern ließen sich in der von uns angeschnittenen Fläche Bestattungen finden, die teilweise Spuren von Gewalt aufwiesen. Unter dem Becken befindliche Extremitäten lassen annehmen, dass die Opfer gefesselt abgelegt wurden. Beides spricht für die tatsächliche Nutzung des Galgenhügels als Richtstätte. Zudem ließen sich die Bestatteten anhand ihrer Beifunde problemlos in das 13. Jahrhundert datieren. Die Altgrabung von 1971 ließ sich nicht nachweisen, allerdings denken wir, durch die Hilfe ehemaliger Grabungsteilnehmer den Platz lokalisiert zu haben. Er wird im nächsten Jahr ebenso wie die Anschlussfläche der diesjährigen Ausgrabung Ziel einer erneuten Lehrgrabung in Alkersleben sein.

Marita Genesis

Zu meiner Person: Dr. phil., Historikerin/Archäologin M.A. Schwerpunkt: Rechtsarchäologie, archäologische und historische Richtstättenerfassung

3 Kommentare

  1. Spannend!

    Freue mich auf mehr! (Übrigens sollte das Tourismusbüro der Gemeinde dafür danken, dass hier ein Ort so interessant und buchstäblich vielschichtig vorgestellt wird!) 🙂

  2. Es sind genaugenommen zwei Dinge, die derartige Projekte spannend machen. Zum einen das Ergebnis, das sich aus der wissenschaftlichen Arbeit ergibt. Und zum anderen sind es die Teilnehmer, die mit ihrem Elan und Wissensdurst die Grabung vorantreiben. Man darf nicht vergessen, wir waren bei fast durchgängig heißen Temperaturen mindestens 8 Stunden jeden Tag auf dem Hügel. Ungeschützt der prallen Sonne ausgesetzt. Der Boden war hart und für viele war die körperliche Anstrengung ungewohnt. Trotzdem blieb ein Großteil der Teilnehmer freiwillig länger. Sie freuten sich mit uns über besondere Funde, sie rätselten genau wie wir über die Nutzung der urgeschichtlichen Steinpackung und vor allem stellten sie Fragen über Fragen. Gerade letzteres ließ uns über Dinge nachdenken, die wir im Laufe der langjährigen Arbeit manchmal einfach als gegeben hinnehmen. Es ist spannend, ja und macht Freude, durch das ungezwungene Interesse der Kinder auf neue Gedanken zu stoßen.

  3. Kinder

    “Sie freuten sich mit uns über besondere Funde”

    Das glaube ich gern. Das entschädigt für den harten Boden und den Strapazen bei hohen Temperaturen. In Polen war es bezüglich der Funde wohl etwas magerer. Und auch wenn die Grabung anstrengend war, ist auch das bestimmt eine Erholung gewesen, weil es etwas anderes war als der Alltag.

    “vor allem stellten sie Fragen über Fragen. Gerade letzteres ließ uns über Dinge nachdenken, die wir im Laufe der langjährigen Arbeit manchmal einfach als gegeben hinnehmen”

    So ist das. Mit der Gewöhnung wird man betriebsblind. So aber waren es nicht nur fleißige Hände, sondern auch willkommene Denkanstöße.

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