Verkehrte „Welt“

Im Englischen gibt es das schöne Wort "innumerate" (analog zu illiterate) für Menschen, die elementare Probleme beim Umgang mit Mathematik und Zahlen haben. Solche mathematischen Analphabeten haben gelegentlich Kummer im Alltag. Ich erinnere mich an einen Bekannten, der vor Jahren bei einem Mailänder Herrenausstatter einen besonders günstigen Anzug gekauft zu haben glaubte – bis ihm später auffiel, dass er sich beim Umrechnen von Lire in DM um einen Faktor Zehn vertan hatte.

Etwas problematischer ist es, wenn elementare mathematische Verständnisprobleme Grundlage von abstrusen Zeitungsberichten über die Klimaforschung werden. So berichtete die Daily Mail vor einigen Tagen von einer "Kehrtwende" des bekannten Klimaforschers Phil Jones, unter der Schlagzeile: "Es gab keine globale Erwärmung seit 1995". Spiegel online durchschaute und kritisierte dankenswerterweise diese Story. In der "Welt" dagegen nutzt Uli Kulke sie als Schlusspointe:

Jones bestätigte nun auch, dass es zuletzt nicht mehr signifikant wärmer geworden sei – "seit 1995".

Wie viele Welt-Leser haben die Aussage wohl so verstanden, wie Jones sie gemeint hat? Anlass, hier nochmals auf unser Phil Jones – Interview vom Oktober 2008 hinzuweisen, in dem er den gleichen Sachverhalt schon einmal erläutert hat und dabei explizit auf ähnlich irreführende Aussagen von Kulke eingegangen ist. Dort erläutert Jones, weshalb man mindestens 20 Jahre Daten benötigt, um einen einigermaßen robusten Trend in den globalen Temperaturdaten zu erhalten. Seine Aussage ist nicht, dass es in den letzten 15 Jahren nicht wärmer wurde (es wurde wärmer), sondern dass der Zeitraum von 15 Jahren zu kurz ist, um für sich genommen statistische Signifikanz zu erreichen. (Da der Erwärmungstrend aber nun schon über 30 Jahre ungebrochen anhält, ist er dennoch signifikant.) Wir versuchen das unten nochmal ganz langsam zu erklären.

Doch erst noch zu einem anderen Punkt: in seinem gestrigen Kommentar mit dem Titel Klimadaten nach Gusto (weil Kulke dort Klimadaten nach eigenem Gusto uminterpretiert?) behauptet Kulke, die wissenschaftliche Grundlage für "angeblich heftiger gewordene Naturkatastrophen" sei "hanebüchen". Was er damit meint, kann man in einem seiner früheren Artikel nachlesen:

Eines der griffigsten Statements des IPCC aus seinem letzten Bericht von 2007, das sich am nachhaltigsten in den Medien und Köpfen der Menschen festsetzte, lautet: Der Klimawandel habe zu häufigeren und heftigeren Naturkatastrophen geführt. Zwar widersprachen dem fast alle dem Rat dafür vorliegende Studien. Doch der Autor dieses IPCC-Kapitels, Roger Muir-Wood, zog es – trotz Warnungen von Experten – vor, sich auf seine eigene Studie zu stützen. Die war zu dem Zeitpunkt allerdings noch gar nicht fertig, und als sie 2008 vorlag, musste er eingestehen: "Wir finden keine hinreichenden Beweise für einen statistischen Zusammenhang zwischen den globalen Temperaturen und der Höhe der Katastrophen-Schäden." Dennoch begleitet uns nun seit 2007 die Behauptung der immer häufigeren menschengemachten Naturkatastrophen nahezu täglich in Presse, Funk und Fernsehen.

An diesem Absatz stimmt fast alles nicht – der größte Fehler ist aber, dass Kulke so tut, als ginge es bei der Diskussion um die Studie von Muir-Wood um die Frage, ob Naturkatastrophen zugenommen haben. Darum geht es aber überhaupt nicht. Diese Frage kann man anhand klimatologischer Messreihen beantworten, und die Ergebnisse (zusammengefasst in Tabelle SPM2) finden sich in Band 1 des IPCC-Berichts, der sich mit dem physikalischen Klimasystem befasst und den die Klimatologen schreiben (und in dem übrigens bislang noch niemand einen Fehler gefunden hat).

Die Studie von Muir-Wood wird in Band 2 des IPCC-Berichts (Seite 110) diskutiert und befasste sich mit einer völlig anderen Frage: kann man in den Statistiken über finanzielle Schäden durch Naturkatastrophen einen statistisch signifikanten Beitrag des Klimawandels nachweisen? Das ist deswegen schwer, weil erstens Naturkatastrophen selten sind und zum statistischen Nachweis von Änderungen eine große Zahl benötigt wird, und zweitens andere Faktoren (Wertezuwachs in gefährdeten Regionen) zu dem beobachteten starken Anstieg der Schadenszahlen dominant beitragen. Die Studie von Muir-Wood kommt zum Ergebnis, dass der Zusammenhang gerade an der Grenze der Signifikanz ist – ob drüber oder drunter hängt davon ab, ob man die US-Hurrikanschäden 2004 und 2005 mit berücksichtigt. Daher ist Muir-Wood vorsichtig und schreibt in seiner Studie:

In sum, we found limited statistical evidence of an upward trend in normalized losses from 1970 through 2005 and insufficient evidence to claim a firm link between global warming and disaster losses.

[Meine Hervorhebung.] Und der IPCC-Bericht beschreibt die Evidenz so:

Once the data were normalised, a small statistically significant trend was found for an increase in annual catastrophe loss since 1970 of 2% per year (see Supplementary Material Figure SM1.1). However, for a number of regions, such as Australia and India, normalised losses show a statistically significant reduction since 1970. The significance of the upward trend is influenced by the losses in the USA and the Caribbean in 2004 and 2005 and is arguably biased by the relative wealth of the USA, particularly relative to India.

Muir-Wood selbst hat öffentlich festgestellt, dass der IPCC-Bericht seine Ergebnisse korrekt und fair wiedergibt. Er ist übrigens nicht "der Autor dieses IPCC-Kapitels", wie Kulke falsch behauptet – das sind die 10 auf der ersten Seite gelisteten "Coordinating Lead Authors" und "Lead Authors". Muir-Wood ist als einer der "Contributing Authors" genannt – das sind Leute, die irgendetwas beigesteuert haben (im Falle von Muir-Wood eine Grafik, die es aber nicht in den Bericht geschafft hat, sondern nur als Supplementary Information auf der IPCC-Webseite abrufbar ist). Diese Contributing Authors schreiben ansonsten das Kapitel nicht mit und haben keinerlei Entscheidungsbefugnis, was dort aufgenommen wird.

So viel zu den "hanebüchenen wissenschaftlichen Grundlagen" zum Anstieg der Naturkatastrophen – es handelt sich wieder einmal um einen von einschlägigen Websites (die auch Kulke inspiriert haben dürften) angefachten Sturm im Wasserglas.

Und nun noch das kleine Tutorial zu Klimatrends. Die globalen Temperaturdaten (siehe Grafik oben) sind vollkommen konsistent mit der Annahme, dass sie in den letzten 30 Jahren aus einem konstanten, linearen Erwärmungstrend plus "Rauschen" (kurzfristige natürliche Variabilität) bestehen. Auch in den letzten 10 oder 15 Jahren deutet nichts auf eine Abweichung von diesem Verhalten hin, etwa auf eine Abflachung des Trends.

Man sieht aber sofort, dass 15 Jahre keinen robusten Trend liefern, denn wenn man das 15-Jahres-Fenster um nur drei Jahre verschiebt, ändert sich der Trendwert um einen Faktor 2. Der 15-Jahrestrend bis 2009 beträgt in den GISS-Daten (wieso GISS?) 0.15 ºC/Dekade, der 15-Jahrestrend bis 2006 dagegen 0.30 ºC/Dekade – beide mit einem statistischen Schätzfehler (2-sigma) von +/- 0.1 ºC, der zeigt, dass beide Werte nicht statistisch signifikant voneinander verschieden sind. Der 30-Jahrestrend beträgt dagegen 0.16 +/- 0.04 ºC/Dekade – das ist schon ein vernünftiger Schätzfehler, der darauf hinweist, dass der tatsächliche Trend zwischen 0.12 und 0.20 ºC/Dekade liegt.

In den Hadley-Daten ist der 15-Jahrestrend bis 2009 0.12 +/- 0.12 ºC/Dekade, also knapp nicht statistisch signifikant positiv, und genau das ist es, was Phil Jones aktuell gesagt hat. Der 30-Jahrestrend in den Hadley-Daten ist 0.15 +/- 0.04 ºC/Dekade, ununterscheidbar von den GISS-Daten.

Man kann es vielleicht so am einfachsten verstehen: entscheidend ist für diese Diskussion bei der Trendangabe "0.15 +/- 0.04 ºC" weniger die Zahl vor dem +/- als die dahinter: denn bei kürzeren Zeiträumen geht diese dramatisch hoch und zerstört die Signifikanz des Trendes, auch wenn sich an der Zahl vor dem +/- überhaupt nichts ändert. So verschwindet die Signifikanz, ohne dass sich die globale Erwärmung verlangsamt hat.

Link: Mehr zu angeblichen IPCC-Fehlern in unserem nächsten KlimaLounge-Beitrag!

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

24 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Kulke

    Der Wettbewerb ist sicher noch nicht entschieden, aber Kulke könnte der schlechteste Journalist sein, der je in deutscher Sprache in einem Wissenschaftsteil zu Wissenschaft geschrieben hat.

  2. Den Spiegel.Artikel finde ich aber auch alles andere als lobenswert, eher unterirdisch. Da wird dann auf geradezu groteske Weise eine Schuld von Jones konstruiert, dass er den Skeptikern in die Hand spiele weil er sich in „Spitzfindigkeiten“ flüchte. Die richtige wissenschaftliche Formulierung ist eine Spitzfindigkeit!
    Und dann am Ende noch dieser Elfenbeinturm…ne der Artikel ist wirklich unter aller Sau!

  3. Dumme Frage

    Es ist mir ein wenig peinlich, aber ich glaube, ich habe eine wahrscheinlihch dumme Frage:
    Wie wird die Zahl „hinter dem +/-“ bestimmt?
    Aus einer linearen Regression oder durch Hypothesentest, wo die Nullhypothese „keine Erwärmung“ lautet.
    Eine kurze Erklärung oder ein Link wäre hilfreich. Danke!

    (Bin Mathelehrer und würde das Beispiel Jones vs. DailyFail bzw. Kulke gerne im Statistikunterricht verwenden.

    [Antwort: Der Trend wird mit einem least-squares-Verfahren berechnet, und die Zahl hinter dem +/- ist zwei Standardabweichungen des Trendes. Stefan Rahmstorf]

  4. 30 Jahre

    Lieber Herr Rahmstorf,
    Es ist sicher richtig, dass längere Betrachtungszeiträume prinzipiell verlässlichere Trends ergeben. Allerdings können diese langen Zeiträume auch höherfrequente Ereignisse kaschieren. Ich denke, es geht doch um die Frage, ob die Temperaturkurve in denn letzten 10 Jahren wieder einmal einen Scheitelpunkt erreicht hat. Einen Scheitelpunkt wie es ihn zum Beispiel um 1900 oder 1940 gegeben hat (mit Bezug auf die GISS Global Land-Ocean-Temperature Index-Kurve). Solch ein 10-Jahres Scheitelpunkt kann natürlich elegant in einer 30-Jahres-Betrachtung verschwinden. Das Ganze scheint mir deshalb interessant, weil nach einer längeren Plateauphase der solaren Aktivität es nun so aussieht, als würde der 2008 begonnene Sonnenfleckenzyklus 24 relativ schwach ausgebildet sein. Wenn man eine solare Klimasteuerungskomponente zuläßt (und das scheint Phil Jones laut BBC Q&A für die Zeit bis mindestens 1950 zu unterstützen), dann könnte uns in den kommenden Jahren ein kleiner Temperatur-Zwischenabsturz bevorstehen. Mojib Latif würde sich sicher darüber freuen (-; Ich persönlich finde es faszinierend, wenn ich all die guten Korrelationen zwischen Temperatur und solarer Aktivität für die letzten 11.000 Jahre sehe, aber dieser in der Vergangenheit scheinbar doch so effiziente Steuerungsmechanismus nun in den letzten 50 Jahren vollkommen kraftlos geworden sein soll. Ich habe mal die wichtigsten Temp. vs. Solar Kurven hier zusammengestellt:
    http://www.klimaargumente.de/s2.htm

    In diesem Zusammenhang fand ich auch den Beitrag von Svenmark & Friis-Christensen (2007) aufschlußreich, wo Temperaturen der Troposphäre und der Ozeane gut mit dem Sonnenfleckenzyklus korrelieren (nach Korrektur von El Nino, Vulkan-Aerosolen und NAO), der Vergleich aber für die Oberflächentemperaturen versagt. Stimmt hier vielleicht wirklich etwas mit dem doch recht heterogenen Oberflächentemperaturdatensatz nicht ganz? Ross McKitrick hat dazu eine interessante Graphik gemacht, wo genau in dem Jahr, wo NOAA das Meßstationen-Netz von 12.000 auf 6.000 zusammenstrich ein massiver Temperaturanstieg in der Statistik auftauchte. Siehe Abbildung 6 auf http://www.klimaargumente.de/t1.htm

    Grüße
    Sebastian Lüning

  5. Kostenexplosion

    Vielen Dank an den Autor Herrn Rahmstorf für die Erklärung der Kostenzusammenhänge. Einer meiner größten Kritikpunkte in Diskussionen mit z.T. regelrechten „Klimafanatikern“ (beider Extreme) war immer die Behauptung, die Erwärmung/beschleunigte Veränderung des Weltklimas wäre ein Grund für die „schlimmen“ Katastrophen in den letzten Jahrzehnten. Es ist dann unglaublich schwer zu vermitteln, daß zwar das Klima eine beunruhigende Veränderung durchmacht, die gestiegenen Kosten und auch Opferzahlen großteilig durch Bevölkerungswachstum, verändertes Siedlungsverhalten und gestiegenen Wohlstand zurückzuführen ist. Meiner Meinung nach dürfte gerade das auch bereits moderate Veränderungen im Klima mit großen Problemen verbinden.

  6. Presseverwertung des CC

    @ Herr Rahmstorf

    „“Es gab keine globale Erwärmung seit 1995“. Spiegel online durchschaute und kritisierte dankenswerterweise diese Story. In der „Welt“ dagegen nutzt Uli Kulke sie als Schlusspointe:…“

    Ich habe mir den Spiegelartikel durchgelesen, und kam nicht umhin, ein Blick in den Commentbereich zu werfen. Es ist schon ziemlich desillusionierend, was man da zu lesen bekommt, viele hätten sich offenbar eine mediale Aufbereitung im Kulke-Stil gewünscht. Zum Thema ist auch ein BBC Poll im UK veröffentlicht worden (http://news.bbc.co.uk/2/hi/8500443.stm), der den Erfolg der Denier leider bestätigt. Man fühlt sich an die Schlusssätze aus Welzers „Klimakriege“ (ein unnötig plakativer Titel, wie ich finde) erinnert. Die Mühelosigkeit und Hingerotztheit von Kulkes Beiträgen zum Thema (und die zahlloser anderer) verrät eine deprimierende Tatsache: Mehr Aufwand ist gar nicht nötig, um eine offenbar breite(r werdende) Öffentlichkeit zu überzeugen. Vor einiger Zeit hat Georg Hoffmann eine der „eigenwilligen“ Interpretationen Kulkes bezüglich einer EIKE-Veranstaltung zerlegt, die im Rahmen der Friedrich Naumann-Stiftung stattfand. Das lässt mich annehmen, das die Voodooscience mittlerweile auch vor den Toren der großen Politik steht (für mitlesende Skepties: ich beziehe mich hier nicht auf mögliche, sich ergebende politische Interpretationen, über die man sicher trefflich streiten kann, sondern nur auf die scientific base).

  7. Folge hypothetische Frage: Welchen Schluss würde die Klimatologie ziehen, wenn es in den letzen 50 Jahren keinen signifikanten Erwärmungstrend gegeben hätte?
    a) Dass es noch unbekannte Effekte im Feedbacksystem gibt, die eine CO2-bedingte Erwärmung maskieren?
    b) Dass ein unbekannter gegenläufiger Effekt die CO2-bedingte Erwärmung kompensiert?
    c) Dass die quatitativen Folgen einer CO2-Zunahme noch nicht ausreichend verstanden sind?
    d) dass eine natürliche Fluktuation den CO2-Trend überlagert?
    Oder Andersrum, wie wichtig ist die beobachtete Korrelation von CO2 mit der Temperatur für die Basistheorie?

    [Antwort: Alle 4 von Ihnen genannten Möglichkeiten würden in dem Falle sicher untersucht, und es ließe sich sicher auch anhand von Messdaten klären, welche davon man ausschließen kann. Stefan Rahmstorf]

  8. Trends

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    warum leiten Sie dann selbst aus dem Meeresspiegelanstieg und der Meereisausdehnung der Arktis, der letzten Jahre, einen Trend ab?

    Auch solche Trends sind keineswegs signifikant und von Wettereinflüssen überlagert.

    MfG

    Marcus Hofstein

    [Antwort: Wo soll ich das getan haben? Stefan Rahmstorf]

  9. schwere Zeiten für die Wissenschaft

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    Ihre unermüdliche Aufklärungsarbeit ist bewundernswert. Ich kann mir vorstellen, dass das manchmal recht frustrierend sein muss.

    In den letzten Monaten haben jedenfalls die Skeptiker und die Ignoranten große Geländegewinne erzielt.

    Beispiele:

    – Kopenhagen ist im Grunde vollständig gescheitert, das sollte man gar nicht erst versuchen, sich schön zu reden. Die Politik ist zum Handeln (noch?) nicht bereit. In der Krise schon gar nicht.

    Gerade lese ich in diesem Zusammenhang, dass Uno-Klima-Generalsekretär Yvo de Boer wohl wegen dieses Desasters zurücktreten wird.

    – Der IPCC hat in der „Gletscher-Diskussion“ in der breiten Öffentlichkeit viel an Glaubwürdigkeit verloren. Der Rücktritt des IPCC-Chefs Rajendra Pachauri wird bereits gefordert.

    – So lächerlich es sich für einen Klimatologen anhören muss, so ist es doch eine Tatsache, dass Sie aufgrund des letzten und vor allem dieses Winters den meisten Menschen in Deutschland und wohl ganz Europa mit dem Thema „Erderwärmung“ für einige Zeit nicht mehr kommen brauchen. Die Reaktion wäre bestenfalls: „Na hoffentlich bald und viel davon!“

    – Außerdem werde ich plötzlich von Kollegen angesprochen, die mir erzählen, es hätte im TV eine Dokumentation gegeben, wonach das ganze Temperatur-Messnetz manipuliert worden sei, weil mehr als tausend Stationen vor 20 Jahren abgeschaltet worden sein, die den Erwärmungstrend nicht bestätigt hätten. Die Wissenschaftler würden alle lügen. Ich weiß nicht, was das für eine Doku gewesen sein soll, aber in diesem Winter glaubt sich das um so leichter…

    Nebenbei:

    – Der Energieverbrauch in China steigt mit atemberaubender Geschwindigkeit. In China heißt dies in erster Linie, dass mehr Kohle verbrannt wird. Und da geht es um Milliarden Tonnen pro Jahr. Gleichzeitig ist China seit 2009 nun auch das Land, in dem weltweit die meisten Fahrzeuge abgesetzt werden. Die USA liegen nur noch auf Rang 2. Und die Entwicklung verläuft weiter mit enormer Dynamik.

    Usw., usf.

    Ich hoffe, Sie stellen trotzdem weiterhin Ihre Analysen zur Verfügung.

    Noch eine Frage: Ihr neues Buch „The Climate Crisis“, wird es das in deutscher Übersetzung geben? Wäre schön.

    Mit freundlichen Grüßen

    Gramann

  10. Verständliche Sprache

    Ich habe das Phil Jones Interview gelesen und es zunächst auch so verstanden wie von Uli Kulke dargestellt.

    Vieleicht wäre es besser wenn prominente Klimaforscher ihre öffentlichen Aussagen zu extrem komplizierten Sachverhalten besser vorbereiten, z.B. durch einen Sprachexperten in allgemein verständliche Form bringen lassen.

    Es macht eben schon einen Unterschied ob man einem Fachjournal oder einer Tageszeitung ein Interview gibt. Diese Erkenntnis scheint aber für manche Wissenschaftler zu simpel zu sein.

    [Antwort: Viele Forscher sind eben nicht gerade PR-Experten, und in der Tat ist Jones da nicht besonders geschickt mit seinen Antworten. Zum Teil liegt es aber auch an den Fragen – es wurden ihm da explizit eine Reihe von „Skeptikerthesen“ als Fragen vorgelegt. Im ganzen ersten Teil des Interviews schwingt in den Fragen unterschwellig die Ansicht mit, ob die aktuelle Erwärmung „ungewöhnlich“ sei bestimme darüber, ob sie anthropogen sei. Diese Vorstellung findet man bei Laien häufig, wissenschaftlich haben beide Dinge natürlich nichts miteinander zu tun. Auf die Ursache einer Klimaerwärmung kann ich nicht daraus schließen, ob sie „ungewöhnlich“ ist, sondern nur durch Kenntnis der Antriebsfaktoren (Strahlungsantrieb) – ich muss wissen, was die Wärmequelle ist. Stefan Rahmstorf]

  11. Herr Rahmstorf,

    einerseits haben Sie mit Ihrer Aussage

    „Viele Forscher sind eben nicht gerade PR-Experten, und in der Tat ist Jones da nicht besonders geschickt mit seinen Antworten. Zum Teil liegt es aber auch an den Fragen – es wurden ihm da explizit eine Reihe von „Skeptikerthesen“ als Fragen vorgelegt“

    natürlich Recht. Tatsache ist aber auch dass wir in einem schnellebigen Medienzeitalter leben und einer unüberschaubaren Informationsflut ausgesetzt sind. Da geht es nicht um Fakten sondern wie eine Geschichte „rübergebracht“ wird.

    Das gilt auch für prominente Klimaforscher. Es ist ja auch schon oft genug andersherum gewesen. Da haben Journalisten mißverständliche Aussagen zu publikumswirksamen, aber unhaltbaren Katastrophengeschichten aufgebauscht, ohne dass die Klimaforscher dagegen ernsthaft protestiert hätten.

    Dies ist einer der Gründe für die Verunsicherung in der Bevölkerung, mich eingeschlossen. Ich bin kein Wissenschaftler und kann die technischen Details nicht beurteilen. Deshalb ist der Laie auf von Journalisten aufbereiteten Informationen angewiesen.

    Daher vertraut man bei komplizierten Themen seinem Bauchgefühl, nämlich nur noch zu glauben was man selber gesehen oder gehört hat. Da haben dann Dinge wie der Kopenhagen-Flop, CRU Emails, Himalaya-Patzer usw. erheblich zur Verunsicherung beigetragen. Wenn dann auch noch prominente Forscher alle paar Jahre ihre Klimaprognosen um 180 Grad ändern wird die Verwirrung komplett.

    Hier mal ein abschreckendes Beispiel:

    http://www.youtube.com/watch?v=7J98tU9HRJs

    1997 sagt Prof. Latif eine 100 Jahre dauernde kleine Zwischeneiszeit voraus, ein paar Jahre später prognostiziert er 50 Grad Temperaturen für Deutschland. Mir ist völlig schleierhaft was Klimaforscher mit derartigen Aussagen bezwecken wollen.

    Meiner Meinung nach wird die Bevölkerung dadurch massiv verunsichert und der Blick für die Fakten getrübt. Da muß sich dann niemand über hitzige Debatten und Bezeichnungen wie Hysteriker oder Skeptiker wundern.

  12. overestimated

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    Ich habe gerade einen Artikel von Henk Tennekes im De Telegraaf gelesen. Ein Satz stach mir ins Auge und bei längerem Nachdenken, fand ich ihn sehr treffend.

    „I get really annoyed by the
    idea that we’re here to save nature.
    That’s a terrible overstatement of
    our abilities”.

    Wenn Sie schreiben:
    „Im ganzen ersten Teil des Interviews schwingt in den Fragen unterschwellig die Ansicht mit, ob die aktuelle Erwärmung „ungewöhnlich“ sei bestimme darüber, ob sie anthropogen sei. Diese Vorstellung findet man bei Laien häufig, wissenschaftlich haben beide Dinge natürlich nichts miteinander zu tun. Auf die Ursache einer Klimaerwärmung kann ich nicht daraus schließen, ob sie „ungewöhnlich“ ist, sondern nur durch Kenntnis der Antriebsfaktoren (Strahlungsantrieb) – ich muss wissen, was die Wärmequelle ist.“

    Denklogisch verstehe ich dem Absatz zwei Aussagen nicht.

    Sollte es nicht heißen „Im ganzen ersten Teil des Interviews schwingt in den Fragen unterschwellig die Ansicht mit,dass wenn die aktuelle Erwärmung „ungewöhnlich“ sei, sie auch darüber bestimme, ob sie anthropogen sei.“

    oder dieser Satz:

    „Auf die Ursache einer Klimaerwärmung kann ich nicht daraus schließen, ob sie „ungewöhnlich“ ist, sondern nur durch Kenntnis der Antriebsfaktoren […]“

    Dieser Satz liest sich so, als wenn er aus dem Englischen mittels Google ins Deutsche übersetzt wurde. Vielleicht meinten Sie das:

    „Ich kann nicht zu dem Schluss kommen, dass die Ursache einer/der Klimaerwärmung per se „ungewöhnlich“ ist. Hierzu muss ich Kenntnis über ihre Antriebsfaktoren haben, sprich ich muss wissen was die Wärmequelle ist“

    Aber damit schließen Sie dann auch nicht aus, dass die Wärmequelle auch „ungewöhnlich“ sein könnte?

    Verzeihen Sie meine Spitzfindigkeiten, aber als Rechtsanwalt juckte es mir schon unter den Nägeln diese Zeilen zu schreiben.

    MfG
    D. Eikholt

    [Antwort: Den Satz haben Sie falsch verstanden. Es geht nicht darum, ob die Ursache ungewöhnlich ist, sondern ob die Klimaerwärmung ungewöhnlich ist. Stefan Rahmstorf]

  13. Re: Trends

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    warum leiten Sie dann selbst aus dem (globalen) Meeresspiegelanstieg und der Meereisausdehnung der Arktis, der letzten Jahre, einen Trend ab?

    Auch solche Trends sind keineswegs signifikant und von Wettereinflüssen überlagert.

    MfG

    Marcus Hofstein

    [Antwort: Wo soll ich das getan haben? Stefan Rahmstorf]

    Danke für die Antwort.

    Ich beziehe mich auf zwei Videos

    http://www.youtube.com/watch?v=ODsN-uTP43Q

    http://video.google.de/…=siZ9S5bjEqDe2wK5o_XNBw#

    MfG

    Marcus Hofstein

    [Antwort: Lieber Herr Hofstein, dort zeige ich, dass die Abnahme des Meereises in der Arktis über die letzten 30 Jahre rascher vonstatten ging als in den Klimamodellen. Und dass der Meeresspiegel über die letzten 15 Jahre deutlich rascher als erwartet gestiegen ist. Beim Meeresspiegel sind die zwischenjährlichen Schwankungen so klein, dass 15 Jahre problemlos zur Trendbestimmung ausreichen. Nirgendwo habe ich aus unzulässig kurzen Zeiträumen auf einen Trend geschlossen. Stefan Rahmstorf]

  14. Das soll der Klimawandel sein?

    Rekordschneemengen in Teilen Deutschlands; wie passt das zusammen?

    Eine steigende Globaltemperatur heisst noch lange nicht, dass es keine Rekordkältegrade mehr gibt. Doch die Statistik beweist die Klimaänderung:

    Climate scientists normally are wary of associating daily weather events to longer term climate change, but new research does just that by showing that daily record high temperatures across the continental U.S. occurred twice as often as record lows over the last decade.

    From Jan. 1, 2000, to Sept. 30, 2009, the continental U.S. saw 291,237 record highs and 142,420 record lows — reflecting a decade of unusually mild winter weather and intense summer heat waves.

    Warning sign: Record highs are double the lows http://www.msnbc.msn.com/id/33887745/ns/us_news-environment/

  15. zum Analphabeten und … dem Rest

    Der fachliche Zungenbrecher für „mathematischen Analphabetismus“ ist Dyskalkulie, die Rechenschwäche.

    Es geht hier aber nicht um Rechenschwäche, was als Krankheit durchaus neurologische Ursachen haben kann. Ich kenne zum Beispiel eine Markscheiderin (Vermessungswesen in Bergwerken) die kein räumliches Vorstellungsvermögen besitzt, eine ziemlich komische Kombination mit der sie dennoch zurecht kommt.

    Es geht schlicht um Rechenfaulheit. Ich würde es deswegen ja eher Matheigittismus oder so ähnlich nennen. Mit dem kommen wesentlich mehr Menschen zurecht, allerdings ist daran dann nichts positives. Im Zweifelsfall rechne ich eher mit Unfähigkeit als mit bösem Willen.

    Davon abgesehen und trotz dieses erbärmlichen und zugleich wohl notwendigen -gate Spektakels: unter vielen meiner Kommilitonen und den allermeisten 50+ Herren und Damen die ich fragte (und die sich überhaupt für sowas interessieren), sämtlich nicht die unbedingt urteilsschwächsten Zeitgenossen, haben sich die Klimawissenschaftler dank dieses „Skandals“ blamiert, deutlicher gesagt verschissen. Das läuft beinahe in einer Schiene zusammen mit der Asse, wenn das Vertrauen gegenüber der Atomwirtschaft auch unrettbar niedriger ist als das gegenüber den Klimawissenschaftlern. Da sehe ich unsere angebliche Wissensgesellschaft mal in der Praxis. Wenn es ernst wird herrscht die PR und wer am lautesten brüllt setzt zumindest das Thema der Debatte, wenn nicht sogar die Meinungen. Ansonsten wird man „sowieso von allen nur belogen und beschissen“. Letzterer Zynismus sitzt so tief und schüttelt sich mit „weiter wie bisher“ sowie „nimm mit was mitzunehmen geht“ so eifrig die Hände, ich würde es fast die herrschende Meinung nennen. Es ist aber die beherrschte Meinung. Je älter dabei der Gesprächspartner desto deutlicher der Effekt (i.d.R).

    Argumente sind da total zweitrangig, das IPCC taugt einfach als underdog nicht mehr, liegt also in der Wahrnehmung im Bett mit den Mächtigen (was teils ja gerade Sinn und Zweck des IPCC ist, Entscheidungsträger einbinden). Hätte Bush (und co) einen satirischen Humor, er würde wohl lachen. Noch deprimierender: unserer Medien sind zwar sicher nicht auf der Höhe ihrer Möglichkeiten, es besteht aber in Deutschland eine erhebliche Marktlücke für einen deutschen Rush Limbaugh, insbesondere nach Kopenhagen. Nach unten ist in der öffentlichen Diskussion also alles offen.

    Posts wie dieses werden in dieser Atmosphäre wenn wahrgenommen als „verzweifeltes Dementi“ einer um ihre Pfründe bangenden PR-Industrie gesehen, oder ähnlich selbstgerecht. Nicht nur von den Spinnern, wenn es bei den anderen auch eher traurige Vermutung als zweifelsfrei erwiesene Wahrheit ist. Leider leider leider ist das nicht der Fall. Die Temperatur steigt immer noch und wir sitzen tatsächlich in der Kacke eines für Menschen zunehmend unfreundlichen Klimas. Zusammen mit all den anderen Problemen, die das Ganze dann erst zum Hexenkessel machen. Eine durch und durch korrupte Klimawissenschaft als Lügenmaschine wäre ein Segen für die Menschheit – allein mir fehlt der Glaube. Es wäre aber wirklich schön wenn dieses Problem schlichtweg nicht existieren würde, denn wir zeigen irgendwie ja das die Alternative, nämlich das Problem global in den Griff zu kriegen, immer unwahrscheinlicher wird. Wenn sie denn jemals wahrscheinlich war. Die Psychologie aus „Die Pest“ von Camus lässt grüßen.

  16. @Marcus Hofstein bezüglich Meereis

    „Auch solche Trends sind keineswegs signifikant und von Wettereinflüssen überlagert.“

    In der Arktis sind die Trends inzwischen für alle Monate im Jahr negativ und höchst signifikant.

    Überzeugen Sie sich einfach selbst:
    http://nsidc.org/data/seaice_index/
    z.B. im Januar 2010: -3.2 +- 0.7 % pro Dekade. Im September 2009 waren es -11 +- 3 % pro Dekade.

    An diesen Messungen gibt es keine Zweifel, denn die Bestimmung der Meereisfläche ist sehr genau möglich. Daher dient das Meereis auch als besonderer Indikator für Klimaänderungen.

    Die letzten Jahre sind hier zu sehen:
    http://www.youtube.com/watch?v=ro0-7U8UtvI

  17. Stefan Rahmstorf sorgfältiger als Kuhlke

    Ein beängstigendes Beispiel dafür, wie selbsernannte Experten (Kuhlke) mit wissenschaftlichen Ergebnissen umgehen. Wissenschaft kann nur dann zu (politischer) Entscheidungsfindung beitragen,wenn ihre Ergebnisse auch verstanden werden. Unsere Politiker lesen aber lieber Kuhlke als Rahmstorf.

  18. Re: Re: Trends

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    Sie schreiben

    „Beim Meeresspiegel sind die zwischenjährlichen Schwankungen so klein, dass 15 Jahre problemlos zur Trendbestimmung ausreichen.“

    Ich nehme einmal das Beispiel Cuxhaven. […]

    MfG

    Marcus Hofstein

    [Antwort: Wenn Sie meinen Vortrag kritisieren wollen, sollten Sie sich schon auf die Daten beziehen, die ich gezeigt habe – die globalen Meeresspiegeldaten, nicht Cuxhaven. Lokal sind die Schwankungen generell viel größer als im globalen Mittelwert – in unseren neuen Buch ist das alles erläutert. Stefan Rahmstorf]

  19. Hallo Herr Rahmstorf,

    vielen Dank für ihre unermüdliche Arbeit im Sinne der Aufklärung. Ich denke übrigens, dass ein deutsches Realclimate zu den wenigen Dingen gehört, die es im Internet noch nicht gibt.

    Meine Frage:

    Gibt es seitens der Klimatologen einen Vorschlag bzw. einen Katalog mit Vorschlägen, wie man derartige Falschinformationen in Zukunft verhindern könnte?

    Die Informationen über den Klimawandel liegen in Form des IPCC-Berichtes auf dem Tisch. Sie und andere Klimatologen stehen für Rückfragen zur Verfügung. Die entsprechenden wissenschaftlichen Arbeiten sind über Google, Wikipedia & Co. problemlos zu finden.
    Kurz: Die journalistische Recherche könnte einfacher nicht sein.

    Wo also liegt das Problem bzw.
    wie lässt es sich beseitigen?

  20. Zitat M.Adeno:
    „Welchen Schluss würde die Klimatologie ziehen, wenn es in den letzen 50 Jahren keinen signifikanten Erwärmungstrend gegeben hätte?
    a) Dass es noch unbekannte Effekte im Feedbacksystem gibt, die eine CO2-bedingte Erwärmung maskieren?
    b) Dass ein unbekannter gegenläufiger Effekt die CO2-bedingte Erwärmung kompensiert?
    c) Dass die quatitativen (Anm.: =quantitativen?) Folgen einer CO2-Zunahme noch nicht ausreichend verstanden sind?
    d) dass eine natürliche Fluktuation den CO2-Trend überlagert?“

    a) und c) hängen sicherlich eng zusammen, da die bestehenden Wissenslücken vor allem die Feedback-Mechanismen betreffen.

    Die Frage ist aber insgesamt etwas unglücklich gestellt. Wie soll man einen „Schluss ziehen“ über Sachverhalte, die unbekannt sind?

    Zur Korrelation CO2/Temperatur: Keine Korrelation gab es z.B. während der (aerosolbedingten) Erwärmungspause zwischen 1940 und 1970. Wäre der Kategorie b) zuzuordnen.

  21. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    ich möchte auf die Frage von Hr. Gramann nach einer deutschen Ausgabe Ihres Buches nachhaken.

    In Zeiten, in denen man gehäuft mit einem schneereichen Winter als einem „Totschlagargument“ der Klima(änderung)leugner konfrontiert wird, würde ich mich über ein aktuelles und fundiertes Sachbuch freuen, in dem man schnell die entsprechenden Informationen nachschlagen kann.

    Mit freundlichen Grüßen
    und Dank für Ihre engagierte Tätigkeit!

    R. Kühn

    [Antwort: Das ist Sache des Verlages – mir ist nicht bekannt, ob schon ein deutscher Verlagspartner gefunden wurde. Bis dahin gibt es natürlich noch unser Buch „Der Klimawandel“. Stefan Rahmstorf]

  22. innumerate

    Dem IPCC ging es im „Summary for Policy Makers“ 2007 bei der Tabelle zum Meeresspiegelanstieg wie Ihrem „innumeraten“ Bekannten. Es lag auch um den Faktor 10 falsch.

    Die Beiträge durch schmelzendes Eis auf Grönland und in der Antarktis lauteten für die Zeit von 1993 bis 2003, laut Spaltenüberschrift in „m per century“:

    Greenland ice sheets: 0.21 ± 0.07
    Antarctic ice sheets: 0.21 ± 0.35

    Also jeweils rund 20 cm pro Jahrhundert.

    „Numerate“ Leser erkannten sofort, dass die am Spaltenende angegebene Summe aller Einzelbeiträge völlig falsch war.

    Das „Update“ des SPM enthielt dann die Korrektur, laut Spaltenüberschrift in „mm per year“:

    Greenland ice sheet: 0.21 ± 0.07
    Antarctic ice sheet: 0.21 ± 0.35

    Also rund 2 cm pro Jahrhundert.

    Man beachte auch die Unschärfe der Angaben, vor allem bei der Antarktis.

    [Antwort: Ein Satzfehler, der sofort korrigiert wurde. Aufregend? Stefan Rahmstorf]

  23. Kopenhagen

    In der Märzausgabe der Spektrum der Wissenschaft steht ein schöner Kommentar zur Kopenhagener Konferenz. Das wichtigste, was ich daraus entnehmen konnte ist, daß es zum Beispiel China in den nächsten Jahrzehnten nicht viel anders gehen wird. Denen ist also das, was in anderen Gegenden (ein „paar Inseln“ im Pazifik, „irgendwelchen“ Gletschern in Polarregionen – alles weit weg) so vor sich geht völlig wurscht. Das ist eben auch typisch menschlich. Wir sind es gewöhnt, auf sich ändernde Bedingungen zu reagieren. Wenn die aber zu langsam vor sich gehen oder gar „weit weg“ sind, erfolgt eben keine Reaktion. China will nun modernere Kraftwerke bauen und Filteranlagen einbauen. Warum? Nicht, um die Umwelt zu schonen oder gar zu schützen – nein, Millionen von Chinesen leben im totalen Dreck. Es gibt immer mehr Kranke und Tote – das schürt Probleme, soziale Konflikte. Nur deshalb ist die Regierung darauf bedacht, quasi gezwungen, etwas zu unternehmen. Das ähnelt im Grunde dem, was in Europa in den 70er und 80er Jahren passiert ist. Erst wenn wirklich Schäden erkennbar sind, passiert etwas. Der Traum der „VSD“ (virtuell sichere Dosis) ist eben nur ein Traum, solange wirtschaftliche Interessen das Sagen haben. Daß China allein die eingesparten Mengen an CO2 um das sechsfache zunichte gemacht hat, zeigt die Müßigkeit des Unternehmens „Klimaschutz“ (ich mag diesen Begriff nicht, denn Klima existiert immer, egal in welcher Ausprägung). Wenn man nicht auf die Bedürfnisse derer eingeht, die auch die Hauptschuld am Desaster tragen, kommt man nicht weit.

    Noch ein Wort zum IPCC. Die Mitarbeiter sind in der Tat einigermaßen in Schwierigkeiten. Wie bereits geschrieben, kann man dem Ottonormalverbraucher nicht erklären, warum der Vorsitzende Mist gemacht hat, aus offensichtlich persönlichen Gründen, der Rest aber zum allergrößten Teil seriöse Wissenschaft ist. (Die selbe Krise haben im Übrigen gerade die Kirchen in Deutschland!) Gerade jene, die eine besondere Stellung für sich beanspruchen sollten, heuer sehr medienwirksam, transparent sein – und allgemeinverständlich, auch wenn das oft nicht einfach ist bei einem so komplexen Thema wie dem Klima.

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