Sturm in der Arktis + Update

altDie Eisausdehnung in der Arktis hat Anfang August ein Rekordminimum erreicht, und es gab diese Woche einen außergewöhnlichen Sturm. Dazu ein Gastbeitrag von Alexander Beitsch 

Das arktische Meereis befindet sich derzeit auf dem Weg zu seinem alljährlichen Minimum im September. Die gegenwärtige Eisbedeckung liegt bereits unter der aus dem Rekordjahr 2007 zur selben Zeit des Jahres.

altEisausdehnung im Jahreslauf über die letzten Jahre. Die täglich aktualisierte Grafik findet man hier: http://ocean.dmi.dk/arctic/icecover.uk.php.

Man kann in diesen Tagen jedoch ein weiteres ungewöhnliches Schauspiel betrachten. Im Laufe des 5. August bildete sich ein Tiefdruckgebiet, das sehr rasch vom sibirischen Festland bis in die zentrale Arktis zog. Der Kerndruck des Tiefs erreichte dabei ca. 965 hPa am 7. August. Seit 2 Tagen schwächt sich das Tiefdruckgebiet nun ab, wobei die Wetterwirkung noch immer enorm ist: Verschiedene Wetterstationen am Nordrand des kanadischen Archipels sowie Bojen-Daten aus der Beaufort See haben seit 2 Tagen Windgeschwindigkeiten von bis zu 25 Knoten (= 46 km/h, Beaufort 6) gemessen. Böen über dem arktischen Ozean haben bis zu 72 km/h (Beaufort 8) erreicht.

Diese starken Winde üben einen großen Einfluss auf die ohnehin schon dünne und z.T. sehr brüchige Meereisbedeckung aus. Einerseits sorgen die Winde und die daraus resultierenden Ozeanwellen für eine stetige Zerkleinerung der Eisschollen, welche dann durch das relativ warme Meerwasser schnell abschmelzen können. Andererseits treibt der Sturm das Eis auseinander. Die daraus resultierenden offenen Wasserflächen beschleunigen die Eisschmelze weil das Windfeld ggf. wärmeres Wasser unterhalb der Deckschicht an die Oberfläche bringt.

altDifferenz der Meereiskonzentration zwischen dem 4. und dem 8. August. Zunahmen werden in blau, Abnahmen in rot dargestellt. Die Eiskonzentration wird berechnet aus Daten des passiven Mikrowellen-Sensors SSMI/S.

Die Abbildung zeigt die Unterschiede in der Meereiskonzentration zwischen dem 4. August, zu Beginn des Sturmes, und dem 8. August (Zeitpunkt der aktuellsten Daten des passiven Mikrowellen-Sensors SSMI/S), also vor und nach dem Maximum des Sturmes. Die blauen Bereiche (Eiszunahme) zeigen die durch die Drift des Eiskörpers bedeckten, aber vormals freien Wasserflächen an.  Die roten Bereiche markieren dagegen Gegenden, in denen eine massive Eisschmelze stattgefunden hat.

Wie viel Eis als Folge des Tiefdruckgebietes schmilzt, ist noch nicht absehbar. Klar ist immerhin, dass die letzten Tage eine verstärkte Eisschmelze bewirkt haben, und dass ein Rekord-Meereisminimum, welches 2007 in den Schatten stellt, in diesem Jahr möglich ist.

Alexander Beitsch ist Dipl.-Meteorologe am KlimaCampus, Universität Hamburg

Vorschläge für Gastbeiträge nehmen wir übrigens immer gerne entgegen – auch von Doktoranden!

Update 16.8.: Zur Beantwortung eines Leserkommentars hier noch eine Grafik:

alt

(Quelle: Kinnard et al., Nature 2011.) Die Grafik zeigt eine Rekonstruktion der Meereisbedeckung der Arktis über die letzten 1450 Jahre aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher Proxidaten aus der Arktis (u.a. Sediment- und Eisbohrkerne). Die Daten zeigen das, was auch frühere Modellsimulationen erwarten lassen (siehe Grafik aus Jungclaus et al. 2010 in unserem Beitrag Kipp-Punkte in der Arktis?): einen leichten langfristigen Anstieg der Eisfläche aufgrund der Milankowitsch-Zyklen (siehe meine Antwort auf den Leserkommentar unten), gefolgt von einem dramatischen Eisschwund im Zuge der modernen Klimaerwärmung. Nur dass der beobachtete Eisschwund noch etwas rascher vonstatten geht als in der Modellrechnung. S.R.

Weblinks

Aktuelle Pressemitteilung des Klimacampus

Sea Ice Outlook: http://www.arcus.org/search/seaiceoutlook/index.php

National Snow and Ice Data Center (mit täglichem Update)

Sea ice blog (mit ausführlicher Diskussion des Sturms der letzten Tage)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Homogenisierte Arktisschmelze?

    Mit Homogenisieren (it’s a joke) der Arktisschmelze meine ich das Aufschlüsseln des Ausmasses der Arktisschmelze nach Ursachen, ähnlich wie man Forcings aufschlüsselt (solarbedingt, treibhausgasbedingt, aerosolbedingt). Das dürfte eine schwieriges, aber doch lohnendes Unterfangen sein.

    Es stellt sich allerdings schon die Frage wie man das Ausmass der Eisschmelze am besten angibt: Ist es die abgeschmolzene Fläche oder das Eisvolumen?

    Offensichtlich spielen Ozeanströmungen beim Abschmelzen des Arktiseises mehrere Rollen: Einerseits führen sie warmes Wasser zu, andererseits treiben sie Eisschollen weg.
    Auch die Wolkenbedeckung ist wohl nicht jedes Jahr die Gleiche.
    Schliesslich wird es auch lokal wärmer.

    Wahrscheinlich nimmt man heute einfach den Langzeittrend ohne Ursachenanalyse um Voraussagen zu machen. Falls sich jedoch ganze Strömungssysteme ändern, könnte dies zu Felschlüssen führen.

    Jedenfalls wird man die eventuell redordstarke Arktiseisschmelze 2012 wegen dem nie dagewesenen Tief anders beurteilen müssen als die Schmelze 2007 – ausser starke Tiefdruckgebiete über der Artkis werden zur neuen Regel.

  2. 965 hPa

    und „nur“ Windspitzen um 70km/h, bei noch dazu relativ geringer Oberflächenreibung. Das glaub ich nicht.

  3. Frage zum jahreszeitlichen Verlauf

    Die erste Abbildung scheint darauf hinzudeuten, dass eine geringe Meereisausdehnung im Sommer mit einer sum so größeren im vorhergehenden Winter korreliert.Trifft das zu?

  4. AW: Jahreszeitlicher Verlauf

    Lieber Herr Kahn, diese Korrelation existiert nicht. Die Abbildung ist anders zu interpretieren: Trotz einer starken Meereisausdehnung im letzten Winter kommt es in diesem Sommer zu einer rasanten Abnahme der Meereisausdehnung. Das kann letztlich nur an an einem deutlich geringeren Meereisvolumen (http://psc.apl.washington.edu/…cho%20time%28%29?) liegen.
    Wie Sie auch dieser Graphik entnehmen können (http://www.ijis.iarc.uaf.edu/…a_Ice_Extent_L.png), zeigen die jeweiligen Mittel der letzten 3 Jahrzehnte, dass auf eine geringere Meereisausdehnung im Winter, eine tendenziell geringere Ausdehnung im Sommer folgt.
    Im letzten Winter konnte sich aufgrund einer langanhaltenden Kälteperiode im Bereich der Bering-See viel Eis bilden, dies hat eine insgesamt große Eisausdehnung bewirkt. Da dieses Eis letztlich aber sehr dünn war, ist es seit Beginn der Schmelzperiode schnell wieder verschwunden.

  5. @ Gunnar Innerhofer …

    Ich stelle mir die Wirkungsweise ähnlich vor wie bei Föhn oder starkem, milden Westwind in den Alpen. Da frißt es den Schnee in den Tälern auch rasant weg.
    Überlegung richtig ?

    p.s.
    Was ist das für ein Haken am Ende der 2012er Kurve ?
    Der kommt hier nicht vor: http://www.ijis.iarc.uaf.edu/…/seaice_extent.htm

  6. Behauptungen von Axel Bojanowski

    Der SPON Redakteuer nimmt es leider nicht so genau mit seiner Berichterstattung zum Klimawandel (Siehe auch die ausgiebigen Beiträge zu ClimateGate auf SPON in deutsch/englisch sowie im Druckformat.)

    Nun gibt es erneut sehr schwammige Zitate dieses Authors im Artikel

    Fataler Wirbel: Riesensturm lässt Nordpol-Eis schmelzen
    http://forum.spiegel.de/…68386.html#post10756667

    Speziell dieser Abschnitt wirft mehr Fragen auf als zu informieren. Quellenangaben fehlanzeige. Dies sieht nach gewollt schlampiger Recherche aus und in Hinblick auf weitere Artikel scheint dies beim SPIEGEL System zu haben. Mich würde es freuen hier die Meinung der Experten zu der Berichterstattung zu hören und speziell wo falsche Angaben gemacht werden, Danke.

    Quote:

    Welchen Einfluss hat der Klimawandel?

    Im Herbst kommt das Eis wieder. Doch alle Daten zeigen, dass es selbst im Winter deutlich dünner ist als zu anderen Zeiten in den letzten hundert Jahren. Vor 30 Jahren war die Frostdecke durchschnittlich dreieinhalb Meter dick, heute sind es noch gerade mal knapp zwei Meter. Wie groß der Anteil der globalen Erwärmung an diesem Wandel ist, bleibt aber unklar.

    Neben der steigenden Lufttemperatur lassen auch andere Naturphänomene das Meereis tauen:

    Wind schiebt die Schollen in wärmere Gefilde oder zertrümmert sie.
    Ozeanströmungen aus dem Süden schmelzen das Eis.
    Die rhythmische Verlagerung einer Klimaschaukel über dem Atlantik, die sogenannte Nordatlantische Oszillation (NAO), bringt alle paar Jahre warme Witterung in die Arktis.
    Der sogenannte Arktische Dipol, ein Luftdruckgefälle zwischen Nordamerika und Sibirien, bestimmt das Wetter.

    Diese Faktoren waren es wohl, die dafür gesorgt haben, dass die Arktis in den dreißiger Jahren ähnlich warm war wie heute – und dass die Region im sogenannten Holozänen Klimaoptimum vor 5000 bis 8000 Jahren noch mit weitaus weniger Eis bedeckt war als heutzutage. Damals war es in der Arktis etwa drei Grad wärmer.

    [Antwort: Der Hinweis auf das Holozäne Klimaoptimum ist in der Tat irreführend, da dessen Ursache ja bekannt ist: es sind die Milankowitsch-Zyklen der Erdbahn-Parameter, die zu massiven regionalen Veränderungen der Sonneneinstrahlung führen (dies kann man in jedem Paläoklima-Lehrbuch im Detail nachlesen, z.B. Ruddimans „Earth’s Climate“, das ich in meiner Vorlesung verwende). Diese Zyklen verursachen und beenden die Eiszeiten, und es war ja gerade die verstärkte Sonneneinstrahlung im hohen Norden, die die Eismassen der letzten Eiszeit abschmolz und die erste Hälfte des Holozän im Norden so warm machte. Seither nimmt die Einstrahlung allmählich ab (die Periode des relevanten Präzessionszyklus beträgt 23,000 Jahre) und daher die Eisdecke langsam zu (siehe Update-Grafik oben unter dem Artikel). Um so erstaunlicher ist es, dass diese von Natur aus ablaufende Abkühlung der Arktis nun durch eine dramatische Erwärmung und den damit verbundenen Eisschwund abgelöst wurde.

    Auch der Vergleich mit der arktischen Warmphase der 1930er Jahre trägt nicht. Weil dieses Argument immer wieder zur Relativierung der aktuellen Erwärmung vorgebracht wurde, haben schon 2004 Johannessen et al. (Tellus – zu den Koautoren gehören auch die Hamburger MPI-Kollegen Klaus Hasselmann und Lennart Bengtsson) dies detailliert untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Warmphase in den 1930ern ein regional begrenztes Phänomen war, ganz anders als die aktuelle Entwicklung. Zitat aus dem Abstract: „SAT [surface air temperature] observations and model simulations indicate that the nature of the arctic warming in the last two decades is distinct from the early 20th-century warm period. It is suggested strongly that the earlier warming was natural internal climate-system variability, whereas the recent SAT changes are a response to anthropogenic forcing.“

    Die Eisausdehnung in der Arktis hat dieses Jahr übrigens schon vor dem Sturm Negativrekorde für die Jahreszeit gesetzt, obwohl die Wetterbedingungen keineswegs besonders günstig für Eisschmelze waren, anders als im vorherigen Rekordjahr 2007 (mehr dazu siehe hier). Aus meiner Sicht gibt es keinen seriösen Grund daran zu zweifeln, dass der aktuelle Eisschwund überwiegend durch die vom Menschen verursachte globale Erwärmung verursacht wurde. Stefan Rahmstorf]

  7. Axel Bojanowski

    ich verfolge seit monaten die artikel von Axel Bojanowski mit grossem interesse. nicht, weil sie so überragend interessant und aufklärend sind, im gegenteil.

    es ist für mich offensichtlich, dass Axel Bojanowski eine agenda verfolgt, die versucht, den klimawandel zu relativieren. manchmal ist offensichtlicher, manchmal weniger. doch er schafft es, durch dialektische spielereien sich einer kritik an seinen aussagen zu entziehen. fast bewunderungswert.

    in dem betreffenden artikel über die akute eisschmelze schafft er es ja auch, so zu machen, als sei sie kein historisch heraus ragendes ereignis: hat`s schon in den 1930ern gegeben, kommt nur vom sturm, vor 5000 – 8000 (SIC hoch 3!!!)tausend jahren war es auch schon mal so. belege? null! links? null!

    nee, im gegenteil: da ist noch eis, wo (satelliten) eis messen. die durchschnittliche eisdicke sei nur von 3,5 auf 2meter gesunken etc.pp.

    schlimmer noch: die wahre lage wird verschleiert, weil daten von spionagesatelliten nicht heraus gegeben würden (würden sie, ja dann wäre alles natürlich nicht so schlimm).

    so macht er dass seit monaten. ist nur schwer gegen an zu kommen, weil er es fein formuliert.

    woran man seine agenda erkennt? zum beispiel erneut am ende des artikels: ein neues eisminimun wäre natürlich möglich, aber ebenso natürlich recht irrelevant, weil schon ein popeliger sturm genau sowas bewirken könnte.

    die kontenuierliche abnahme der eisfläche und der durchschnittlichen eisdicke (ach, „nur“ von 3,5m auf 2m) werden da gar nicht mehr als entscheidend zu kenntnis genommen: wäre ja alles nur ein sturm gewesen, welcher für das minimum verantwortlich ist.

    und genau dies war ja auch die aussage in der überschrift: ein sturm lässt das eis schmelzen. nicht die klimaerwärmung.

  8. irreführende Darstellung

    schon an der UNI lernt man, dass so etwas wie im Fig3. (es fehlen sogar diese Beschriftungen) nicht seriös ist. Man kann nicht grobe Proxis, welche noch dazu ein Mittel zeigen, mit aktuellen Messungen in einem Diagramm darstellen.
    So wie es M. Mann mit seiner Hockeystick Illusion sogar in den IPCC Report geschafft hat.
    Was soll´s. Es gibt nichts wissenschaftlich Haltbares, was den Eisschwund der letzten Dekaden zum Großteil auf die anthropogenen Einflüsse schließen lässt. Das sind nur Slogans und Wunschdenken, nichts weiter.
    Übrigens war die Erwärmung der Arktis bis zu den 40ger Jahren alles andere als eine regionale Sache. Bitte schaut euch doch einfach die Daten zu Europa an und speziell Mitteleuropa (Alpenraum), dann wird klar, dass es sich um natürliche Klimavariationen handeln muss, welche weit stärker vorhanden sind und immer waren, als es von Seiten PIK behauptet wird.

    [Antwort: Welche Beschriftungen fehlen? Warum darf man Ihrer Meinung nach Proxidaten und Messdaten nicht zum Vergleich in einem Diagramm zeigen? Stefan Rahmstorf]

  9. Bild 3

    Herr Rahmstorf,

    Kann es sein, dass dieser Proxy in Bild 3 eigentlich völlig neben der Realität liegt? Im vorindustriellen Zeitraum zeigt dieser die geringste Eisbedeckung über 1000 Jahre gesehen im Höhepunkt der Kleinen Eiszeit (1570-1630 bzw. 1675-1715 als kälteste Perioden).
    Zu einer Zeit also, wo Grönland und teilweise Island mit Schiffen nicht erreichbar waren das wenigste Eis? Sogar um einiges weniger als gegen Ende des Mittelalterlichen Optimums? Ernsthaft?!
    Das würde schlicht bedeuten, dass Alaska und ein Großteil des Bereiches um Westkanada/Ostsibirien permanent eisfrei gewesen sein müssen.

    Da die verlinkte Studie paywalled ist – was im Übrigen für einen offenen wissenschaflichen Diskurs mehr als nur kontraproduktiv ist – lässt sich nicht nachvollziehen, welche Proxies als Grundlage dienten und welche Methodik hinter dieser sehr eigenartigen Kurve steht.
    Schade. Ich hätte durchaus Interesse daran zu erfahren, wie man auf einen derartigen … Unfug (ein besserer Begriff fällt mir momentan nicht ein) kommt.

    [Antwort: Was open access von wissenschaftlichen Fachpublikationen angeht kann ich Ihnen nur zustimmen. Allerdings ist es in der Praxis meist überhaupt kein Problem, ein Paper zu bekommen – man schreibt dem Hauptautoren einfach eine Mail und bittet ihn darum. Ansonsten kann ich Ihre Thesen weniger nachvollziehen. Als Wissenschaftler richtet man sich danach, was die Daten zeigen, und hält das nicht einfach für „Unfug“, weil es nicht zu den eigenen Vorstellungen passt. Stefan Rahmstorf]

  10. @ Radefahrt, bzw. Rahmstorf

    zur Frage von Prof. Rahmstorf zu meinem vorh. Beitrag:
    na weil diese Proxis meist ein Mittel aus Dekaden darstellen und die heutigen Daten viel kürzer und genauer aufgelöst sind, dachte ich. Oder man muss in der Darstellung die Sigma Abweichungen weiter ziehen.

    Übrigens hat Herr Radefahrt vielleicht völlig recht, nach kurzem googeln fand ich diese Arbeit:

    http://bprc.osu.edu/geo/publications/
    polyak_etal_seaice_QSR_10.pdf

    und was fällt bei Fig. 12 auf?
    die maximale Ausdenhung um die LIA, no na, was sollte man anderes erwarten, zeigen doch auch die T Reihen in hohen nördlichen Breiten das entsprechende…und nicht wie oben, was genau genommen extrem komisch erscheint, ein Maximum um die MWP und weit weniger Eis zur LIA.
    Oder gibt es beim PIK mittlerweile weder die LIA noch die MWP oder glaubt man, diese Ereignisse gäbe es im arktischen Berreich nicht.

    [Antwort: Lieber Herr Innerhofer, mit Verlaub, aber offen gesagt sind Ihre Kommentare hier (auch im Kontext Ihrer früheren) typische Klimaskeptiker-Beiträge. Empörungsrhetorik („schon in der Uni lernt man, dass sowetwas nicht seriös ist“) ohne jede faktische Basis, dazu der obligatorische Seitenhieb auf den angeblich ach-so-schlimmen Michael Mann, dessen Arbeiten mehrfach preisgekrönt und vielfach unabhängig repliziert sind. Weder fehlte eine Beschriftung, noch sind die beiden Kurven in der Grafik oben über unterschiedliche Zeitskalen geglättet – wie man oben an der Grafik übrigens auch sofort sieht, wenn man ein wenig von Datenanalyse versteht, man muss dazu nichteinmal in das Paper schauen.

    Ihr Hinweis auf Polyak et al. oben ist auch sehr selektiv, um es gelinde zu sagen. Die Grundaussage des Papers deckt sich ja mit meiner, nämlich dass die Eisausdehnung in der Arktis auf langen Zeitskalen vom Präzessionszyklus kontrolliert wird, es darüber hinaus aber auch noch andere Faktoren gibt. Das Paper folgert: „The accelerated ice loss during the last several decades lead to conditions not documented in at least the last few thousand years.“ In der von Ihnen genannten Grafik geht es um räumliche Unterschiede, nämlich um den Vergleich der Eisentwicklung einmal im europäischen Nordmeer und einmal arktisweit, und die Autoren identifizieren Meeresströmungen als Ursache für den unterschiedlichen Verlauf. So ist Wissenschaft – Klimaskeptiker dagegen halten einfach die Kurven für richtig, die ihren Vorurteilen entsprechen, und verwerfen alle anderen Daten pauschal als Unfug.

    Ich frage mich manchmal, was Menschen wie Sie, denen es offenbar mehr um die Diffamierung der Klimaforscher geht als um ein Verständnis der Klimaentwicklung, eigentlich antreibt? Warum posten Sie eigentlich immer wieder solche Kommentare, obwohl Sie vom Thema offenbar wenig verstehen und auch kein Interesse haben, sich ernsthaft mit den Befunden auseinander zu setzen? Haben Sie darüber schon einmal nachgedacht?

    Wenn Sie sich losgelöst von allen Fakten einfach nur über Klimaforscher aufregen wollen – dafür gibt es ja genug spezialisierte Klimaskeptiker-Websites. Hier wollen wir ernsthaft über Daten und Wissenschaft diskutieren. Stefan Rahmstorf]

  11. Mensch, Mensch

    So schwer ist das doch auch nicht, die Figure von Kinnard 2011 et al. in ein sinnvollen Kontext zu setzten.

    Dazu empfehle ich Literatur von Karin-Labitzke inklusive einlesen in den vermutetenm UV-Strato Link während solaren Minimas bzw. noch signifikanter in langen Minimas.

    Der Absturz in der kleinen Eiszeit und der Absturz (zum Teil) von jetzt ist damit erklärbar. Kleiner Hinweiß, QBO und MMW (Mayor-Midwinter-Warming) was uns allen aus den letzten Jahren bekannt sein dürfte…

    @ Stefan Rahmstorf

    Der obere Prozess ist ihnen sicherlich geläufig, man müsste diesen Link zwischen UV-Strato eben noch quantifizieren können.

    Zum Topic:

    Nein, der Sturm war nicht Schuld, er war nur ein beschleuniger.. Die Ice-Conz. war vorher schon erheblich geschwächt und damit auch nachvollziehbar warum sich so ein Absturz vollzog..

    mfg

  12. Historische Eisdaten..

    @ Radefahrt und rest

    Um mal ein bischen Licht ins dunkle zu bringen, es gibt durchaus historische Auszeichnungen, leider nur für die Europaise Arktis.

    12.08.1596
    http://acsys.npolar.no/…klooks/1550/15960812.jpg

    Karasee komplett Eisfrei, keinerlei Eis gegen Island. Ach noch nicht das Minimum, sondern erst im August.

    Iterresant ist, wenn man das mit 1979 vergleich: http://arctic.atmos.uiuc.edu/…CHIVE/19790814.png

    Es ist zu dem Zeitpukt auf der EUropaischen Seite wirklich kaum mehr Eis als 1979 zu verzeichnen.

    Dannach ist alles ziemlich fragmentiert und schlecht dokumentiert, das bischen was vorhanden ist schein aber den Teil für die Europaische Arktis zu stützten.

    Einfach mal hier durchkilcken:http://acsys.npolar.no/ahica/quicklooks/looks.htm

  13. Qualität Artikel Spiegel

    Was die Qualität der Berichterstattung im Spiegel zum Thema Klimawandel betrifft , so hat die große Anzahl teils grober und erstaunlicher Fehler, die alle in die Richtung „ist ja alles gar nicht so schlimmm/gar nicht wahr/ in der Wissenschaftswelt heftigst umstritten“ etc schon vor Jahren dazu geführt, dass ich das Magazin nicht mehr kaufe. Die Menge und Art der Fehler in der Argumentation ließ mich nach einer Weile schließen, dass hier eine Agenda vorliegt.
    Sehr schade und eine Schande für den Spiegel.

  14. @Alexander Beitsch

    Im letzten Winter konnte sich aufgrund einer langanhaltenden Kälteperiode im Bereich der Bering-See viel Eis bilden, dies hat eine insgesamt große Eisausdehnung bewirkt. Da dieses Eis letztlich aber sehr dünn war, ist es seit Beginn der Schmelzperiode schnell wieder verschwunden.

    Vielen Dank für die Erklärung. Diese Darstellung ist vollkommen nachvollziehbar. Ist dann nicht aber generell die (zweidimensionale) „Meereisausdehnung“ ein ungeeignetes Maß dafür, was eigentlich von Belang ist, nämlich die Menge an Meereis? Es erscheint mir da sinnvoller, als Maß die Meereismasse heranzuziehen.

    Die zweidimensionale Ausdehnung ist zwar einfacher zu bestimmen, beispielsweise durch Satellitenaufnahmen oder SAR-Daten aus dem Orbit. Aber dank – beispielsweise – der nunmehr auch schon wieder mehrere Jahre umfassenden Daten von Cryosat sollte doch auch die dritte Dimension, also die Eisdicke und ihre jahreszeitliche Variabilität einbezogen werden können.

  15. Eisdrift in der Framstraße

    In Klimaskeptikerforen liesst man immer wieder folgende Einwände gegen die Arbeit von Kinnard et al.:

    „Zur Meereisentwicklung vor Island gibt es detaillierte Aufzeichnungen seit 1150 AD. Durch die Eisdrift findet sich in der Frahmstraße (vor Island) das älteste und dickste Eis, welches aus großen Teilen der Arktis stammt.
    Multi-decadal variation of the East Greenland Sea-Ice Extent: AD 1500-2000, Knud Lassen and Peter Thejll, Danish Meteorological Institute, Scientific Report 05-02
    http://www.dmi.dk/dmi/sr05-02.pdf
    http://klimakatastrophe.files.wordpress.com/…jpg
    http://klimakatastrophe.files.wordpress.com/…jpg
    Die Aufzeichnungen vor Island belegen eindeutig, dass es in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten weniger (oder ähnlich wenig) Meereis wie heute gab, welches die Arktis über die Frahmstraße verlassen hat. Diese Fakten (direkten Beobachtungen) sprechen gegen Kinnard et al. und Rahmstorfs Aussagen.“
    Inwieweit lassen die Eisströme in der Framstraße Rückschlüsse auf frühere Eisbedeckung der arktischen See schliessen…

    [Antwort: Die Framstraße ist nur ein Ort, und Kinnard et al. rekonstruieren die Eisbedeckung für die gesamte Arktis. Sie diskutieren übrigens in ihrem Paper, wie sich diese Eisbedeckung der gesamten Arktis mit derjenigen in der Framstraße vergleicht, und zeigen eine Rekonstruktion der letzteren in ihrer Abb. 3c. Es gibt da deutliche Ähnlichkeiten im Verlauf aber natürlich keine völlige Übereinstimmung, siehe auch meine vorige Antwort zu Polyak. Stefan Rahmstorf]

  16. Wie würde es sich auswirken,

    wenn das Arktiseis praktisch gänzlich verschwunden ist?

    (Darauf steuern wir hin, und mit etwas „Glück“ können wir das noch erleben.)

    Ist dann eine rapide Erwärmung der nördlichen Breiten zu erwarten?, vielen Dank.

  17. Meereis-Minimum in der Arktis

    Wie es aussieht haben einige Institute beim arktischen Meereisminimum mal wieder kräftig nachgeholfen.

    Hier mal die Daten von NOAA, Cryosphere Today und UNI Bremen im direkten Vergleich.

    http://www.natice.noaa.gov/…gif/DATA/cursnow.gif

    http://arctic.atmos.uiuc.edu/…olor.000.thumb.png

    http://www.iup.uni-bremen.de:8084/…tic_SSMIS.tif

    Und hier die Gegenüberstellung.

    http://i307.photobucket.com/…-Ice-23-08-2012.gif

    Da scheint einiges an Meereis nördlich der Beringstraße wunderhaft bei Cryosphere Today und UNI Bremen verschwunden zu sein. Ich warte mal die Berichterstattung und Satellitenbilder der nächsten Tage ab.

  18. Manipulationen der Meereisausdehnung

    Da die derzeitige arktische Meereisausdehnung Klimaskeptiker in große Erklärungsnöte bringt, spriessen nun immer skurilere Rechtfertigungsversuche aus dem Boden. Die Berechnungen zur Meereisausdehnung sollen bewusst manipuliert worden sein, so die jüngsten Vorwürfe z.B. von Herrn Krüger:

    „Wie es aussieht haben einige Institute beim arktischen Meereisminimum mal wieder kräftig nachgeholfen.
    Hier mal die Daten von NOAA, Cryosphere Today und UNI Bremen im direkten Vergleich.
    http://i307.photobucket.com/…-Ice-23-08-2012.gif
    Da scheint einiges an Meereis nördlich der Beringstraße wunderhaft bei Cryosphere Today und UNI Bremen verschwunden zu sein.“

    Dazu fällt mir nur ein:

    Was nicht sein darf das nicht sein kann….

  19. Fehlerhafte Meereisflächenerfassung?

    In Klimaskeptikerblogs werden die diesjährigen Messungen zum arktischen Meereis nunmehr offen angezweifelt:

    http://www.science-skeptical.de/…hwindet/008247/

    Dort wird den Wissenschaftlern offen Desinformation vorgeworfen:

    „Dieses Meereis scheint existent zu sein, aber dünn und brüchig. In den Berechnungen der Forschungsinstitute zur arktischen Meereisausdehnung und -fläche wird es jedenfalls nicht berücksichtigt, so kommt es zu dem neuen Negativrekord in der Arktis.

    Ungeachtet dessen wird sich die Weltpresse in den nächsten Tagen vermutlich überschlagen und über den neuen Negativrekord in der Arktis berichten, ohne die Daten vorher zu überprüfen und den Leser aufzuklären. Ebenfalls ist damit zu rechnen, dass Klimaforscher Erklärungen für den neuen Negativrekord anbieten werden, die auf einen sich beschleunigenden Klimawandel abzielen.“

    Unglaublich, wie dort kritiklos Tatsachen weggeredet werden, die man nicht wahrhaben will…

  20. Homogenisierte Arktisschmelze?

    @Martin

    ja, 2007 und 2012 waren total unterschiedlich, 2007 war eigentlich „eisfeindlicher“ meiner Meinung nach. 2007 gab es ein Hoch über lange Zeit in der Arktis, viel Sonnenschein und das Eis wurde nach aussen gedrückt. 2012 dagegen gab es eben einen Sturm, der eigentlich eisfreundlich wäre, aber er war erstens sehr stark und zweitens traf er auf schwaches, dünnes Eis und drittens hat er wohl auch das Wasser gut durchgemixt, und damit warmes Wasser an die Oberfläche gebracht. Meine Meinung, ich weiß aber nicht, ob das wirklich komplett korrekt ist.

    Es ist einfach so, dass sich die Eisverhältnisse bzw. das Klima in der Arktis sehr stark geändert haben. Ich denke, es ist sehr schwierig zu leugnen… naja, Herr Krüger schafft es ja trotzdem.

  21. @Ingolf:Multifaktorielle Arktisschmelze?

    Die schnell progrediente Sommerarktisschmelze ist ja über den Erwartungen, wie sie im Assessment Report 4 des IPCC festgehalten sind und ausgeprägter als in den meisten Klimamodellen. Dafür gibt es mehrere Erklärungsmöglichkeiten. Sie könnte beispielsweise durch eine Zirkulationsänderung des Meeres mit verstärkten warmen Zuströmungen erklärt werden. Es gibt aber auch Erklärungen, die fast nur mit lokalen Einflüssen auskommen und der Artikel September Arctic sea ice predicted to disappear near 2C global warming above present meint, dass die Sommereisbedeckung langfristig direkt mit der Lufttemperatur korreliert: „on longer time scales the total sea ice area is approximately linearly
    related to Arctic surface air temperature in models and observations.“
    und dass die meisten Klimamodelle gewisse lokale Faktoren sowie die Polar amplification unterschätzen.

    Die Extrema 2007 und jetzt 2012 in der Arktiseisschmelze sollte man meiner Meinung nicht überbewerten. Sie sind nur deshalb möglich, weil auch der langfristige Trend schneller ist als viele erwartet haben. Die schnell abnehmende sommerliche Eisbedeckung wiederum verändert wahrscheinlich die Zirkulation der ganzen Nordhemisphäre allerdings in schwer voraussehbarer Weise und möglicherweise verbunden mit Instabilitäten, die Extremwetterereignisse begünstigen.

    Sie schreiben am Schluss: „Es ist einfach so, dass sich die Eisverhältnisse bzw. das Klima in der Arktis sehr stark geändert haben. Ich denke, es ist sehr schwierig zu leugnen.“
    Das ist schwierig zu leugnen und das leugnen auch nur wenige. Allerdings glauben viele immer noch, es handle sich um vorübergehende, reversible Phänomene. Dieser Glaube wird nun wohl zunehmend erschüttert.

  22. Michael Krüger, Definition Meereis

    Sehr geehrter Herr Krüger,

    Sie schreiben:

    „Hier mal die Daten von NOAA, Cryosphere Today und UNI Bremen im direkten Vergleich. Da scheint einiges an Meereis nördlich der Beringstraße wunderhaft bei Cryosphere Today und UNI Bremen verschwunden zu sein.“

    Richtig, die NOAA weist eine um 35 % größere arktische Meereisfläche aus als die anderen Polarforschungsinstitute. Nun argumentieren Sie, die NOAA-Daten zeigten eine deutlich größere arktische Meereisfläche, 2012 sei also kein neuer Rekord (s. auch EIKE: http://www.eike-klima-energie.eu/…minimums-2007/)

    Die NOAA erfasst im Gegensatz zu anderen Instituten jedoch auch Flächen mit weniger als 15 % Eisbedeckung (Daten für die Schifffahrt)! Diese Flächen betrachten Sie nun der Polkappe zugehörig. Wie wollen sie eine Fläche, die weniger als 15 % Eisflächenanteil enthält flächenmäßig erfassen? Zählen Sie sie dazu (wie Sie es tun wollen), dann rechnen Sie 85 % Wasserfläche mit rein…. Dies scheint für Sie erstaunlicherweise kein Problem zu sein…

    Und dann überlegen Sie mal weiter: Wenn der gesamte Nordpolbereich nur noch aus solchen kleinen freischwimmenden Eisbröckchen besteht, die weniger als 15 Flächenanteil ausmachen, ist das für Sie noch eine „Polkappe“….?

    Wenn wir diese frei schwimmenden Eisstückchen mit einrechnen wollen, dann müssten wir für jeden Quadratkilometer die Fläche all der kleinen Eisstückchen erfassen und anteilmäßig mit einrechnen. Ist das ihre Vorstellung???

    Nein Herr Krüger, das kann der Weg nicht sein. Nur eine überwiegend geschlossene Eisfläche zählt aus meiner Sicht zur Polkappe. Hier muss man irgendwo eine klare Definition treffen. Das haben die Forscher getan und diese seit Jahrzehnten beibehalten. Diese langen Zeitreihen zeigen Rekordminima für 2012. Diese wollen Sie nicht anerkennen, weil Sie Ihre über 85 % Wasserfläche mit zum arktischen Meereis rechnen wollen. Mit solchen Taschenspielertricks kann man einen Nordpol als vereist deklarieren, der nur noch aus einer dünnen Eisstückchensuppe (

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